«9. Jahrgang.
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|(ö, 484* Fernsprecher No. 52.
Waldersers Herlrnlesanfgabe.
Dem in einigen Tagen in China einlreffenden Oberbefehlshaber der europäischen Truppen harrt eine Herkules- aufgabe, die kaum zu einer besonders dankbaren werden dürfte. Kurz bevor die Ernennung des Grafen Waldcrsce zum Oberfeldherrn gegen China bekannt wurde, stellte ein ehemaliger Offizier in dem socialdcmokcatischen Hauptblatt, dem „Vorwärts", folgende, offenbar von richtigen Gesichtspunkten ausgehende Betrachtungen über die Schwierigkeiten eines internationalen Oberbefehls an. Es heißt da:
Eine solche Führerstelle wäre ein Danaergeschenk ohnegleichen, sie wäre eine Rolle, nach der sich kein deutscher General besonders sehnen wird.
Zunächst kann der Qberfeldherr derartiger Koalitionen überhaupt nicht nach rein militärischen Gesichtspunkten operircn, sondern er muß nebenbei auch ein sehr vorsichtiger Diplomat sein, der mit der politischen Situation und den politischen Absichten der Verbündeten ängstlich rechnet. Er kann auch seinen Unterführern nicht so befehlen, wie man den Offizieren des eigenen Heeres befiehlt, sondern er hat Generale unter sich, die geheime Instruktionen ihrer eigenen Regierung in der Tasche haben, und zwar Instruktionen, welche ihnen vorschreibcn, in erster Linie das Interesse ihres Landes zu wahren. Ergreift der Oberkommandirende Maßregeln, die dieses Interesse verletzen, so wird der davon betroffene Unterführer eben den Gehorsam entweder direkt versagen oder passiven Widerstand leisten, wogegen der Generalissimus so ziemlich machtlos ist. Denn er hat gar keine Gewalt über den unbotmäßigen fremden General, und daher bleibt ihm nichts übrig, als sich mit einer Beschwerde an die Vorgesetzte Behörde des renitenten Führers zu wenden. Da dieser aber zu Gunsten ihres Landes den Gehorsam versagte, so wird ihm wohl nicht viel Unangenehmes passiren, im Gcgentheil wird er höchstwahrscheinlich eine Belohnung für seine Jndisziplin erhalten.
Nun wäre es gerade in einem Koalitionskriege gegen China sehr leicht möglich, daß die geheimen Instruktionen der Führer der einzelnen Kontingente sich sogar diametral widersprächen, sodatz der Generalissimus es überhaupt nicht allen recht machen könnte. Rtrßland, das sich gern als Freund und Protektor Chinas zeigt, kann eine laxe"Kriegs- führung wünschen, während England, dem infolge seiner momentanen Schwäche eine schnelle Beendigung der ostasiatischen Krisis willkommen wäre, ein energisches Vorgehen verlangt. Daher ist es sehr wohl möglich, daß der russische General von Petersburg aus den geheimen Befehl hat, schwere Schläge gegen die Chinesen zu vermeiden, indessen dem englischen das Gcgentheil von London aus zur Pflicht gemacht ist. Daß der Generalissimus mit solchen „Verbündeten" viel Aerger und Verdruß hätte, braucht man wohl nicht näher auszuführen.
Weiter ist der Oberkommandirende in seinem Hauptquartier nicht der alleinige Herr. Wenn gleich starke Alüchte,
Dienstag» den 18 . September.
wie Rußland, Frankreich, Dentschlaud, England, Japan einen Koalitionskrieg führen, so fordern sie natürlich einen Einfluß und eine Kontrolle der obersten Leitung des Feldzugs. Sic werden daher Kricgskommissare in das große Hauptquartier schicken. Diese Herren sprechen natürlich überall wacker mit, es kommt zu Reibereien, und dann muß der Generalissimus immer der versöhnende Engel sein, der alle diese Meiunngsverschiedenheiten unter einen Hut bringt, aber ohne einen der Betheiligten zu verletzen. Denn die liebe Eitelkeit mancher Generale will namentlich in einem Koalitionskriege sorgfältig geschont werden.
Ferner muß der Oberkommandirende streng Alles vermeiden, was seine Verbündeten auf den Glauben bringen könnte, daß er für sein eigenes Land im Trüben fischen will. Setzt sich ein solches Mißtrauen fest, so ist es vorbei mit dem Gehorsam.
Wir sehen also, daß der Oberkommandirende einer solchen Koalition eine direkte Gewalt über seine Unterführer nicht besitzt, daß er bei seinen Maßnahmen nicht vom rein militärischen Standpunkt ausgeheu darf, sondern große Rücksicht ans die politischen Absichten der einzclucn verbündetenMächte nehmen und sich hüten muß, auch nur das geringste Mißtrauen zu erwecken. Unter derartigen lähmenden Verhältnissen aber kann ein General keine Lorbeeren erringen. Denn nur da, wo der Krieg nur nach militärischen Gesichtspunkten geführt wird, wo also nichts entscheidet als die militärische Nothwendigkeit, ist ein Erfolg zu erwarten.
Endlich ist der Generalissimus auch noch der Sündenbock für alle Mißerfolge, auch wenn er daran so unschuldig ist wie ein neugeborenes Kind. Es ist ja für die Generale der anderen Nationen unendlich bequem, ihre eigenen Dummheiten dem fremden Oberbefehlshaber in die Schuhe zu schicbeu. Sie brauchen sich dabei auch gar keinen Zwang anzuthun, da sie ja nur einen General einer anderen Armee anschwärzeu.
Die Geschichte giebt einige Beweise für den Fluch, der auf der Stelle eines solchen Generalissimus lastet. Der Fürst von Schwarzenberg, der in den Befreiungskriegen gegen Napoleon I. komniandirte, ist der bekannteste Märtyrer dieser Sorte: Im Hauptquartier eine gehörige Anzahl von Leuten, die ihm ins Handwerk psuschten, darunter Esel, wie Langenau, Duka, Kutscher«, draußen in der Armee garnicht selten die krasseste Jndisziplin. So schlug der russische General Barkley de Tolly nach der Niederlage von Dresden eine andere Straße als die ihm angewiesene ein und brachte damit den ganzen Rückzug in die größte Verwirrung. Ber- nadotte, der Führer der Nordarmee, der der Nachfolger Napoleons zu werden hoffte und es daher mit den Franzosen nicht verderben wollte, konnte überhaupt nur mit den größten Schwierigkeiten zu einem ernsten Zugreifen veranlaßt werden. Erst die Drohung des englischen Kriegskommissars Charles Stuart, daß die englischen Subsidien ausbleiben würden, machte ihn mobil.
Bei diesen« Vergleich ist aber nicht aus dem Auge zu verlieren, daß die Interessen der Verbüirdeten gegen Napoleon auch nicht entfernt so stark auseinandergingen, wie jene der Mächte in China.
Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zur
Fernsprecher No. 52. 11)00.
Aus ,nrd Land.
Wiesbaden, 18. September.
— Geschick,tskalrnder. 18. September. 1872: ff Karl XV., König von Schiveden, Thronbesteigung Königs Oskar II. 1860: Niederlage der päpstlichen Armee unter Lam'oriciäre bei Cast-a- fidardo. 1806: * Heinrich Laube zu Sprottan, Schriftsteller u- Theatcrdirektor in Wien und Leipzig (ff 1881). 1709: Erstürmung des von den Franzosen besetzten Mannheit» durch die Oesterreicher unter Erzherzog Karl. 1793: Niederlage der Franzosen bei Kaiserslautern. 1773: Erste Theilung Polens. 1739: Frieden zu Belgrad mit den Türken, Belgrad, Serbien und die Walachei fallen in die Gewalt der Türken.
— Prinz Albert non Sachsen, über dessen infolge eines Unglücksfalls cingetrctcncs plötzliche? Ableben berichtet wurde, ist ein Sohn des Prinzen Georg von Sachsen, Bruders des Königs Albert, und 1875 geboren. Der Verstorbene ist ein jüngerer Bruder des Prinzen Max von Sachsen, der bekanntlich katholischer Priester wurde und kürzlich eine Profcssnr erhielt.
o. Die Tranerfeier anläßlich der Beerdigung de? Kreisvertreters des Mittelrheinkrcises, Herrn Rechnungsrath Roth- ermel zu Darmstadt, gestaltete sich zu einer sehr imposanten Kundgebung der Anhänglichkeit und Verehrung, welche die Kreisangehörigen für den Verstorbenen hegten. In dem Trauerzuqe, der so groß war, wie ihn Darmstadt noch selten gesehen, befanden sich allem 78 größere und kleinere Vereinsabordnungen mit Fahnen. Am Grabs sprachen neben dem Geistlichen, der auch den Verdiensten NothermclS uni die Tnrncrci im Allgemeinen und den Mittclrhein- kreis insbesondere gerecht wurde, der stellvertretende KrciSvcrtreter, Herr Großh. Turninspektor Schmuck von Darmstadt, Namens des Kreises, und Herr Hofmeister-Ludwigsburg, Mitglied des Alisschnsses der Deutschen Turnerschaft, Namens der letzteren. Die Nicderleguug von Kränzen der Gaue und Vereine währte fast eine Stimbe. Namens des Gaues Wiesbaden legte Herr Gauvertreter H. Wolfs einen prachtvollen Kranz mit Widmung nieder. Im Anschlüsse an die Beerdigung wurde in der Halle der Darmstädter Turngemcinde eine Tranerfeier abgehalten, an welcher sich mit dem Darmstädtcrn viele auswärtige Turner betheiligten.
o. Bezirksausschuß. Sitzung vom 17. Scptcnibcr unter dem Vorsitz des Herrn Verwaltnngsgerichts-Direktors Linz. In der gestrigen ersten Sitzung nach den Ferien gelangte zunächst die Streitsache de« Herrn Karl Kornab zu Hintermühlen ans dem Westerwald wegen Verweigerung der Erlaubniß zum Betriebe einer Gastwirthschaft zur Vcrhandlu«,g. Der Kreisausschuß zu Marienberg hat, obzwar in Hintcrmühlcn keine Wirthschaft besteht, die Bedürfnißfrage doch verneint, da in dem bcimchbarten Langenhahn sich drei Wirthschaften befänden. Die Berufung Kornabs gegen dieses Urtheil wurde verivorfen, wobei das Gericht von der Erwägung ausging, daß, «venu auch das Bcdürfniß dahingestellt bleiben könne, der Umstand entscheidend sei, daß das Lokal in Bezug auf die Höhe den gesetzlichen Anforderungen nicht entspreche. — Dem Klageantrag des OrtSarmcnverbands Frankfurt a. M. entsprechend, wird die allgemeine Ortskranken- knssc daselbst zur Zahlung von 18 Mk. Beerdigungskosten ver- urthcilt, da nach der Novelle zu dem KrankenvcrficherungSqcsctz und einer Entscheidung deS Oberverwaltungsgerichts vom 21. April 1899 diese Kosten nur an den auszuzahlen find, welcher das Bcgräbniß besorgt hat, aber nicht an den, der c? besorge» will. — Die allgemeine Ortskrankenkasse für den Amtsbezirk Homburg zu Homburg v. d. H. hat eine Statutenänderung beschlossen, wonach die An- sind Abmeldungen zur Kasse schriftlich zu erfolgen haben. Der Bezirksausschuß hat die Zustimmung dazu durch Vorbescheid versagt. Dagegen hat der Vorstand der Kasse Widerspruch erhoben und mündliche Verhandlung beantragt, ist aber in der letzteren nicht vertreten. Schriftlich hat er ansgeführt, daß diese Acnderullg sehr zweckmäßig, auch in anderen Kasscnstatuten aufgenommen sei und dem Gesetz nicht widerspreche. Der Bezirksausschuß beschließt heute unter Aufhebung des Vorbescheids, die beantragte Genehmigung zu der Statutenänderllug zu ertheilen. dabei von der Erwägung ausgehend, daß sich die letztere als eine zweckmäßige Verwaltungsmaßregel
Ans Knnß und Aeben.
* Uom Conga bis zum Kaplan- führt uns die 3. und
von dort bis weit ins südliche Eismeer die 4. Lieferung des früher schon erwähnten Neisewerkcs von Earl Ehun: „Ans den Tiefen des Weltmeere?", Schilderungen von der deutschen Tiefsec-Expcdition (Verlag von Gustav Fischer, Jena). So rasch hintereinander sind diese beiden Lieferungen erschienen, daß wir ihrer hier gemeinsam Erwähnung thun und einen Hinweis auf die herrlichen wechselreichen Bilder geben wollen, die uns dort wieder geboten werden. Auf einer Dampfbarkasse fahren die Reisenden durch die Congocreeks, die Nebeliläufc und Verzweigungen an der Mündung, hinauf zum Congo an den herrlichsten Ufern vorbei. Mongrovebänme mit hoch aus dem Wasser aufraaenden Wurzeln umsäumen die Ränder des Flusses, das Auge blickt in dichten Urwald, wo Oelpalmen mit bizarr geformten Pandamusbäumen wechseln, wo Farnkraut und Orchideen ui bunter Flora das Ganze zu einem verwirrend schönen Gesammt- bilde machen, und mit wunderbarer Geschicklichkeit steuert der eingeborene Bangalamann das Fahrzeug durch das weit über die Flußwindungen ragende und den Weg umschlingende Geäst hindurch. Aber auch hier wandelte man nicht ungestraft unter Palmen: Banmnmeisen waren auf das Vorderdeck gekommen, hatten sich an den Insassen verbissen und konnten nur mit Mühe und unter Trennung des Kopfes vom Rumpfe wieder abgestrcift werden. Von diesen Baum- ameisen hören wir die erstaunliche Thatsache, daß sie die Fadenerzeugung ihrer eigenen Puppen zum Bau von Nestern benutzen, indem sie Blätter mit diesen Fäden zusammenspinnen — also sich eines fremden Körpers als Werkzeug für ihre Arbeit bedienenI — Weiter geht es aus das weite Flußgebiet hinaus und rings durch Steppen von sperrigen Grashalmen, auf denen vereinzelt und maiestati>ch die merkwürdigen verdorrten und dennoch Früchte tragenden Brodbäume sich erheben, da taucht endlich, idyllisch gelegen — die Stadt Borna vor dem Blick auf. Ewen gewaltigen Gegensatz zu dem naturschönen Congogebict bildet die traurige Oede der südlicher gelegenen Fischbai, wo'sandige Dunen m tropischer Trockenheit das ganze Gelände ausmachen. Umso reicher war hier die Ausbeute des Meeres, und eine überreiche Fülle von Organismen bvt die Wasserfläche. „Es machte einen fast märchenhaften Eindruck, als am Abend die Wasserfläche zu phosphorescircn begann und sich ein Raketenfeuer von Hunderten glühender Streifen entwickelte, die ebenso rasch wieder verschwanden, als sie auftauchlen. Es waren große Fische, welche bei dem Durch- LchnMen des Wassers die maffcnhaft an der Oberfläche an-
gestautcn Organismen zum Leuchten brachten." — Ringel- würmer in zahlloser Fülle, Schellfische in ungewöhnlicher Große und Schönheit, große Züge von südlichen Heringen, Seezungen, Makrelen, Dornhai und Wal, und vieles Andere belebte tausendfältig das Wasser — und an den Ufern fischen in gravitätischer Ruhe die FlaiinugoS und fitzen die Pinguine; Sturmvogel, Sturmtaucher und Rauhsccschwalben erfreuen sich ununterbrochen ihrer Jagd — ein Ausstiegen, ein Niedcrtanche», ein Tummeln, ein
Spielen — und das »ledere Thier stets der höheren Beute!-
Schwer ist der Abschied von dem in farbenprächtigem Pflanzen- reichthum blühende» Kaplande geworden, das man dann noch an- fnhr, denn von dort hat die Valdivia den seit 50 Jahren nicht mehr cingeschlagencn Weg in die antarktischen Eismeerregiouen genommen. Hier sei nur noch jener beiden großen Errungenschastcu gedacht, die von weittragendster wissenschaftlicher Bedeutung und von alles Andere überragendem Interesse sind, nämlich derWiedernuffindung der Bouvetinsel und der Erforschung der Wunder des antarktische» Meeres. — Wie in Nacht und Nebel bei widrigstem Winde lange Zeit hin und her gekreuzt ward, um jene Insel aufzufinden, die von Bouvct entdeckt und von drei späteren Expeditionen nicht wieder gefunden wurde und deren Lage ganz verschieden bestimmt worden mar, die Boilvetinsel, die von Gletschern starrt, eine Kratcr- insel, ein dunkler Koloß an einer kalten L-telle des Oceans, unweit der Eisgrenze, — das fesselt das Interesse aufs Lebhafteste. Und rings große Meerestiefen, oft von etwa 5000 Meter, während bisher die Sage ging von der ganz geringen Tiefe des antarktischen Meeres. — Merkwürdige Lagerung kalter und warmer Wasfer- massen, eine anders geartete und Anregungen maniligfachster Art bietende Meeresfauna — und hie und da hinter der Treibeisgrenze die Riefenkolosse, die Eisberge, die sich durch merkwürdige Naturerscheinungen vom antarktischen Festland- abgelöst haben und tafelförmig abgeplattet, von Schichten blauen und weißen Eises gestreift, etwa zu ‘/V ihrer Größe aus dem Meere ragen, wobei dies V, noch wiederholt eine Höhe von 60 Meter aufwies. Das Alles tritt uns in so lebendiger Schilderung entgegen, daß wir in Wahrheit Kenntniß erlangen von jenen abenteuerlichen Gebieten, die alle Jahrzehnt vielleicht einmal ein menschliches Auge sicht. Und dazu ist der Bilderschmuck wieder ein sehr instruktiver. Neben den zahlreichen üblichen und größeren Abbildungen findet sich eine große Karte der Südsce als Beilage, eine Karte der Bouvetinsel, zwei ganzseitige Illustrationen von der Falsebai und der Tafelbai und zwei Heliogravüren der Bouvetinsel und eines Eisberges, die geradezu bewundernswerthe Reproduktionen sind.
* ®tu*rt* f«t* Abergläubische. Wir erhalten, schreiben die „M. N. N.", nach emcni der Akademie „Nuovi Lincei pontifici“ erstatteten Bericht folgende Mitthcilungen, die wir mit allem Vorbehalt geben: Zeitschriften für psychologische Studien haben sich zu wiederholten Rialen mit einer merkwürdige» Naturerscheinung beschäftigt, die seit ungefähr 20 Jahren zu Berbenno wahrgenommcn wird. Berbenno ist ein Dorf von 1000 Einwphncrn und liegt 450 Meter hoch auf den Ausläufern der Baltellinischen Alpen. Die Flainmc besteht in eiiiem nächtlich sichtbaren Irrlicht, lieber diese Naturerscheinung, mit der sich Or. Battandier unlängst im „Cosinos" beschäftigte, hat jetzt Professor Fabani einen Bericht an die Akademie der „dlunvi Ifincsi pontifici“ eingesandt. Das Dorf Berbenno wird im Westen von einem Fluß begrenzt, der sich in ein tiefes Thal ergießt, um schließlich in der Adda aufzugehen. Oberhalb des von eineni Gebirgsvorspruug getrennten Dorfes bedecken grüne Wiesen ein Alluvialgebiet, wo sich Anzcichc» von Torf befinden. Soweit die Geologie. Was das G schichtlichc anlangt, so ist
bekannt, daß auf dem Boden dieses Dorfes im Jahre 1624 eine große Schlacht zwischen Venezianern, Franzose» und
Spaniern geschlagen wurde, und beim Anfhacken des Bodens findet man in der That Reste menschlicher Knochen. Es
erscheint auch wahrscheinlich, daß die Stelle, wo das Presbyterium mit anliegendem Garten sich befindet, ein Vcgräbnißplatz gewesen ist, wo die im Jahre 1557 an der Pest gestorbenen
Personen haufenweise begraben worden sind. Dieses vorausgeschickt, schreiten wir zur Hauptsache. Seit 20 Jahren gewahrt man fast jede Nacht in der Ortschaft Namens Dusone eine für gewöhnlich weißliche Flamme, die aber auch zuweilen gefärbt erscheint. Ein gutes Stück steigt sie auf die Straße herab und verwandelt sich an einem Kreuzweg in einen weißen Nebel, der bei Mondschein sehr gut bemerkt werden kann, dringt alsdann in den Weinberg von Negri ein, der sich vor dem Presbyterium befindet, und nimmt hierauf das vorherige Licht wieder an. Den längsten Aufenthalt nimmt sie im Weinberg. Hierauf geht sie denselben Weg zurück, und an dem Kreuzweg angekommen, wandelt sie in einen anderen Weinberg Namens Dea, wo sie oft an Form und Farbe wechselt. Schließlich begicbt sie sich nach Postalesio, wo sie erlischt. Manchmal wurden auch drei Flaiiimen bemerkt, von denen zwei von Dnsone ausgingen, um sich mit der dritten, von Postalesio kommend, in Negris Weinberg tu einer großen Leuchtkugel zu vereinigen. Diese Flamme ist also beständig in Thätigkcit, und zwar seit mehr als 20 Jahren; es giebt indessen noch andere Einzelheiten, die würdig sind, bekannt gemacht zu werden. Die Formen der Flamme
