Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage jiint Wieskadeuer Tagblatt.

♦ 434. Morgen An»K«t»e.

Dienstag, den 18. September.

48. Jahrgang. 1900.

<47. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Inng-Win.

Roman von A. M. N»v«nson.

„In meinem Falle märe Mißtrauen allerdings eine große Ungerechtigkeit," sagte Ruskoff hochmnlhig. „Ich habe die höchste Achtung vor Lady .Kane, die dem Stand, in den sie erhoben wurde, nur zur Ehre gereicht und hoch über dem gehässigen Ucbelwollen steht, das sich möglicherweise an sie heranwagt."

„Freut mich, das von Ihnen zu hören!"

„Weil Sie das Schlimmste voraussetzten?"

„Nein, weil es mein eigenes Urtheil bestätigt."

„Ja, weshalb dann . . ."

„Geduld, Herr RuSkoff! So sehr ich mich über Ihren Ausspruch freue, so ist er doch leider gar nicht geeignet, die Behauptungen zu entkräftigen, die über Lady Kane und Sie aufgestellt werden."

„Was brauchen wir uns um Lästerzungen zu be­kümmern?"

„Sie sollten es doch thunl"

„Weshalb?"

„Weil Sie durch Mangel an Rücksicht auf die öffentliche Meinung den Ruf einer von Ihnen hochgeachteten Frau schädigen."

Paul Ruskoff schwieg.

„Wollte Gott, ich könnte alle Lästermäuler stopfen . . . kann ich's etwa?" fragte er.

„Ja, Sie können'?, indem Sie von hier abreisen, indem Sie sich überhaupt von Lady Kane fern halten, aus Rück­sicht auf sie und ihren Mann."

„Seinetwegen niemals ... er ist ein verächtlicher, ge­meiner Mcn'ch, dieser Frau ganz und gar unwürdig. Aber um ihretwillen, Doktor, um sie glücklich zu wissen, könnte ich Alles thun, mein Leben würde ich dafür hingebcn . . . genügt Ihnen das?"

„Es ist ein bischen zu viel sogar! Sie brauchen nicht für sie zu sterben, wir «lochten nur, daß Sie Lady Kane in Ruhe ließen."

„Wir? Wer sind diese wir?"

„Zunächst Lord Kane und ich . . . aber auch Alle, die auf unserer Seite stehen, denen die Ehre der Familie am Herzen liegt."

„Zirm Beispiel der Ehrenwerthe Markingha»," rief Ruskoff aufbrausend, „nicht wahr? Er, der dies»? verfluchte Geträtsch in Umlauf gesetzt, seinem Neffen das Gift ein­geträufelt und seinem eigenen Sohn die ehreniverth« Auf­gabe zugetheilt hat, hier zu bleiben und Lady Kane und mich zu bewachen. Das ist der Spion, nicht Sie! Soll ich Rücksicht nehmen auf solche niederträchtige Schurken?"

„Wenn Lady Kanes Glück aus dieser Rücksicht hervor­ginge . .

„Das ist nicht der Fall! Nin . . . Lady Kane . . . würde durch meine Abreise nicht glücklicher . . . Gott weiß, daß ich sonst in dieser Stunde noch ginge! Sie würde nur freundloS werden und sich so elend fühlen wie ich selbst, und das will viel heißen!"

„Herr Ruskoff, wissen Sie, was Sie mir mit jedem Wort offenbaren?"

„Nun denn, was offenbare ich Ihnen?"

„Daß Sie Lady Kane lieben?"

„Als ob ich das verhehlen könnte, verhehlen wollte!" rief Ruskoff. „Diese Liebe ist stärker als mein Wille, sie beherrscht mich ganz und gar, sie macht mich zum willenlosen Kind; sie ist mein Leben. So, da haben Sie die Wahrheit, wenn Sie mich auch für einen Narren halten, weil ich sie dem Freund des Gatten offenbare... o, in die weite Welt möchte ich es rufen, wenn sie's hören wollte! Ich habe sie von jeher geliebt . . . lange ehe ein Lord Kane sie bemerkt hatte . . . und werde sie lieben bis zum letzten Athemzug."

„Weiß Lady Kane davon?"

„Wenn alle Welt es sieht, wird sie wohl auch nicht blind sein," sagte Paul die Achseln zuckend.

„Haben Sie ihr von Liebe gesprochen?"

„Auf meine Art vielleicht, nicht, wie Sie sich's denken!"

„Und erblicken Sie darin kein Unrecht gegen Nin?"

„Doch! Aber ich kann mir nicht helfen, ich kann's nicht ändern. Wer sollte mir befehlen, sie nicht zu lieben, Sie etwa oder Lord Kane oder Nin selbst? Das steht in Eurer Macht so wenig, als in meiner und daruni sehe ich keinen Ausweg, keine Hülfe."

Doktor Gravatt saß ini ernsten Nachdenken neben ihm. Nuskoffs Offenheit hatte ihn verblüfft; daß der Mann sein Herz so auf der Zunge tragen würde, darauf war er iricht gefaßt gewesen, und mit einer so trotzig selbstbewußten, so impulsiv und weltlich unklugen Natur, einem so ehrlichen Menschen, dem es so tragisch ernst mit seiner Liebe war, ließ sich nicht schachern. Das war kein alltägliches Gefühl, und der Fall wurde dadurch ungleich schwieriger. Mit Rezepten mar hier nichts auszurichten!

„Sie würden Ihr Leben dran setzen, wenn es gälte, Lady Kane aus Gefahr zu retten?" Hub er nach einer Weile an.

„Freudigen Herzens!"

„Glauben Sie, daß ein Glück für Lady Kane denkbar ist, so lange Sic zwischen ihr und ihrem Gatten stehen?"

„O ja," versetzte Ruskoff kühn. „Denkbar wohl."

„Dann kennen Sie das Wesen dieser Frau nicht, so lange Sie auch an ihr hängen niögcn! Die Schranke zwischen ihr und Ihnen ist unübcrsteiglich und muß es bleiben."

„Das ist mir klar, hält mich aber nicht ab, sie zu lieben."

„Ihre Entfernung würde ihr den Frieden wiedergcben."

Paul RMkoff schüttelte ungläubig den Kopf.

„Indem Sie sich hier oder anderswo in ihrer Nähe auf- haltcn, bieten Sie dem Klatsche Nahrung, ihren Verleumdern Stoff, Sie schaffen Feindseligkeit zivischen ihr und Lord Kane, tragen dazu bei. ihre Häuslichkeit zu stören und werden schließlich, hören Sie wohl, was ich Ihnen sage, ihre geistige Gesundheit zu Grunde richten."

„Was . . . was sagen Sir?" rief Paul zusammen­schreckend.

„Daß es gefährlich ist, ihr Gleichgewicht noch mehr zu erschüttern," versetzte Gravatt. „Füllt es Ihnen denn gar nicht auf, wie seltsam, launisch, reizbar sie seit der schweren Krankheit ist? Das kst eine Folge ihres Leidens, die durch Ihre Gegenwart gesteigert wird, Herr Ruskoff."

„Ist ... ist sic gemüthskrank? O, um Gotteswillen . . ."

„Im leichten Grade ... ja. Wenn Sie darauf bc- beharren, sic |tt beunruhigen, so wird sich der Zustand steigern und Lady Kaue kann in einer Irrenanstalt endigen. Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen diese Prognose mitzuthrilen."

Weiß Lord Kane . . .?"

„Nein."

„Ahnt sie selbst etwas?"

„Gewiß nicht!"

„Und ich,'ich sollte das Hemmniß der Genesung bilden?"

„Darüber giebt es für mich keinen Zweifel."

„Ich gehe heute . . . jetzt!" rief Ruskoff aufspringend. „Ich will fort, fort, bis sie wieder gesund und kräftig ist! Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Doktor ... das wäre mir ja im Traume nicht eingefallen! Meine Nin . . . meine arme, arme Nin ... ich gehe . . ."

„Wann?"

„Jetzt! In dieser Stunde noch, ehe ich feige werde und Ausflüchte vor mir selbst suche. Bringen Sie mich zur Bahn . . . fort, fort von dieser Unglücksstätte. Ich bleibe nicht, ich bereue es bitter! Gott sei mir gnädig ... ge­dacht habe ich's ja nicht, aber eine unbestimmte gräßliche Angst war in mir."

Doktor Gravatt war verblüfft. Dieser leidenschaftliche Mensch hatte auch nicht weit ins Irrenhaus, obwohl er ja augenblicklich das Richtige thun wollte.

„Erst gehen Sie natürlich in Ihren Gasthof?"

„Ich gehe nirgendshin, nur fort. Es geht ein Zug um diese Zeit, dem Wirth kann ich ja telegraphiren. Ich ge­horche Ihnen . . . blindlings wie ein Kind ... um Jung» Nins, nicht um Ihretwillen, Dokior!"

Schon eilte er in der Richtung des Bahnhofs davon, daß Doktor Gravatt Mühe hatte, Schritt zu halten. Sluf der belebten Bahnhofstraße blieben die Leute stehen und sahen ihm nach; waL dem großen Künstler nur begegnet sein konnte, daß er so davon stürmte?

„Was soll ich Lady Kane sagen?" fragte Doklor Gravatt an der Bahnhofkasse. „Soll ich ihr etwas bestellen?"

„Von mir?" fragte Paul, jählings auflachend. „Sagen Sie ihr . . . nein, das geht nicht . . . sagen Sie ihr, daß ich plötzlich abberusen worden sei. Ist ja auch richtig . . . voni Schicksal abberufen!"

„Ober von Gottes Gnade."

„Gnade giebt eS nicht für mich," rief er leidenschaftlich. „Mein ganzes Leben war eine Kette von Jrrthiimcrn und Mißgriffen . . . vielleicht ist's der größte, daß ich jetzt gehe!"

„Sie werben sich dieses weisen Entschlusses noch mit Freuden erinnern!"

„Der Weisheit Ihres Rathes, meinen Sie? Als ob mir je ein Rath Gutes gebracht hätte. Aber ich lasse mir die Warnung dienen, Mn zu Liebe, nur ihretwegen."

„lind sie wird ..."

„Blich vergessen, wie sie mich schon einmal vergaß und gesund ivcrdcn! Das können Sie mir wenigstens ver­sprechen?"

„Ja, dafür stehe ich ein."

„Dann will ich zufrieden sein!"

Gravatts ärztliches Geivissen lehnte sich freilich gegen diese Bürgschaft a«f, aber er nmßte diese Suggestion aus­üben, RuSkoff »mßte an seine eigene rettende That glauben!

Des Erfolges war sich der Arzt nicht sicher, aber er war sich bewrrßt sein Möglichstes gethan zu haben. Er war da in einen Kreis Ivuuderlicher Leute gerathcn, bei denen sich nichts mit Bestimmtheit voraussehcn ließ, und in denen er sich nicht auskannte, wie sonst in der Menschennatur, aber das Seinige hatte er gethan.

(Fortsetzung folgt.)

lax. 8 . Wresclmer’s

Sclmliwaareii-lEiigros-Maiis

9 a. Michelsberg Ha,

empfiehlt eine hervorragende Auswahl in Uamea« Stiefeln von 4.50 pr. Paar an.

Kinderstiefel

für grössere und kleinere Kinder von 1.00 pr. Paar an.

Um Beachtung des Schaufensters wird besonders gebeten.

MttenMuiM- uitü Vesiustttlm-Auflnlt.

Verfahren gesetzlich geschützt.

Radicale Vernichtung von Motten, W ulzen, Holzwürmern und anderen Jirsecteu nebst deren Brut aus allen erdenklichen Gegen­ständen.

Desiufectiou aller GebrauchSgccenstände und Räume nach IbcalikheitS- und Todesfällen.

Keine Beschädigung. Garantie. Billigste Preise. 3717 Heinrich Sperling. Moritzstraße 44.

erm ttnen

wegen grosser Leistungsfähigkeit, geschmack­vollstem Aussehen, sparsamsten ßrennmaterialien- verbrauch und schärfster Regulirung

besterErsatzf. Amerikanische n.Kscliel-OefeB.

td

si

o

35

*5

Spelsetische mit und ohne Züge, sowie alle Kasten- und Polsterniobei in grösster Auswahl zu billigen Preisen. 10680

Joseph Wolf,

Möbel, Betten, complete Einrichtungen,

48. Friedriclistrasse 48, nahe Schwafbacherstr.

DotzHeirner Geflügelzucht,

an der Straßenmühle.

Schlacht- n. Znchthähne, sowie schöne Peking-Enten zu verk.

RklsegkPMcsördermlg.

Um dem reisenden Publikum die Möglichkeit zu geben, seine Koffer rc. anstatt als tl^eneres llebergcpack mit den, bedeutend billigeren Fracht- oder Eitgutdienst schnell, sicher und bequem be­fördern lasten zu können, hat sich der Jiitcruatiouale Gepäck- tranSportverbaud (Internationale Laggage Express) gegründet. Derselbe unterhält au allen besuchten Platzen im In- und Ausland« Vertreter und macht cs sich zur Aufgabe, dem versendende» Publikum alle Uiiaunehmlichkeiten ».Bemühungen, auch bei den Zollrevisionen, abzunehmeu und ihm eine ganze Reihe von Annehmlichkeiten nno Erleiditernngen zu bieten, die ein einzelner Spediteur nicht, dagegen ein solän'r Verband mit seinem Einfluß auf die Transportanstalten nnr allein zu bieten vermag. Die Vertretung des Verbandes für Wiesbaden ist der bekannten Speditiousfirma L. Retten map er, gegründet 1842, Bürea» Rheinstraße 21, übertragen und nimmt dieselbe BrstcUmigcn zur Abholung von Reisegepäck und sonstigen Gütern behufs Weiterbeförderung und Ablieferung entgegen. Die Liste sämmtlid)er Vcrbandsvertrelnngen wird ebendaselbst gratis verabfolgt und jede wünschenswerthe Auskunft ertheilt. 9254

Bestellungen zur Güterabholung können auch gemacht werde» bei de» Annahmestellen:

A u g n st E n g e l, Taunusstr. 4 '8 (Abth. Cigarren),

W. H. Birk, Adelbeidstraße, F. Groll, Goclbcstraße 13,

F. B ernste in's Wellritz-Drog.,

F. Klitz, Rheinstraße 79, Thcod. Hendrich, Dambnch- thal 1.

Gg.Heinzmanii,Schwalbacher straße 29,

Welche telefonisch mit dem Hauptbürean Rhcinstr. 21 verkehren.

Frische Landeier u. Butter,

Tafelbutter zum biltigstcn Tagespreis. Pfirsiche Pfund 38 Pf., alle Sorte,» Obst, frisches Gemüse.

IS. Hör», Schlichterstraße 16.

Möbel auf Credit

zu billigsten Preisen liefert ein hiesiges Möbelgeschäft. Offerten u. M. Jj. SSO an d. Tagbl.-Verlag.