Einzelbild herunterladen
 

1. Beilage zum Wiesbadener Tagblatt.

Mo. 424 . Morgen-Anogabe«

Mittwoch» de« 12 . September.

48. Jahrgang. 1900.

(42. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Inng-Uin.

Roma» von A. M. Moviuson.

Er spielte noch, als Lord Kane und seine sauberen Gäste mehr hereingewankt als gegangen kamen. Lord Kane führte den Reihen und sein Gesicht war krebsroth, die Augen gläsern. Sie halten Cigarren im Mund und waren außerordentlich heiter, bis auf Pickerson, der finster drein blickte.

»Ich sagte ihnen. Du gestattest das Rauchen auch hier," begann Hansel. „Wir Tingcltangclvolk sind ja nicht heikel! Ruskoff auch nicht, wenn er gleich riesig fein geworden ist, ein Gigerl, und bombenmäßig viel von sich hält, nicht Paul? Rur ehrlich zugestanden, mein Junge ... bei uns ist's nicht der Brauch, sein Licht unter ... wie heißt denn das Ding . . . unter den Scheffel zu stellen! Ha hal Eine Cigarre gefällig?"

„Danke, nein."

„Haben Sie den Damen aufgespielt? Riesig nett von Ihnen und ich bin froh, daß lch's nicht anhören mußte. Wissen Sie, Sonaten und Symphonien und solch übersinnigcs

Zeug halte ich nicht aus .Rin, meine Liebe ... wir

müssen Sodawasser und Cognac haben, aber fest! Nicht wahr, alte Jungens?"

„Gewiß," versicherte der Schwiegervater im Namen Aller. „Weiß nicht, was mich heute so verflucht durstig macht. .. bin's doch sonst nicht, oder, Alte?"

„Sonst vielleicht erst später am Abend, Pickerson," piepste es aus einem entfernten Lehnstuhl her, ohne daß dieses Leumundszeugniß mit Vorbehalt Aufmerksamkeit erregt hätte.

Nin betrachtete sich ihre Gäste mit Wehmuth. Das waren Geschöpfe aus der Welt, der sie entronnen war, Reliquien aus einer Vergangenheit, nach der sie sich heimlich zurücksehnte und wohin es sie oft mit unheimlicher Gewalt zog! Eine nette Bande, und wie rasch hatte ihr Einfluß den schwachen Hansel wieder herunter gebracht! Es mar noch nicht lange her, da hatte Wiggins für sie einen Herrscher über Tod und Leben bedeutet, jetzt war er so betrunken wie Hansel, obwohl er der Würde seines neuen Fracks und seiner Diamantnadel nichts vergab und sich in feierlicher Haltung an Frau Pickersons Seite niederließ, um ihr auszusprechen, welch ein Glückskind diese Jung-Nin doch gewesen sei, solch einen Fang zu thun.

„Finden Sie mir in der ganzen großbritannischen Adels­liste einen zweiten Hansel, meinen theuern Freund, den ich nie verlassen werde, finden Sie mir Einen, der ihm gleich kommt, wenn Sie können!" schloß er seine Rede.

Frau Pickerson war in größter Bestürzung über die ihrem Scharfsinn gestellte Zumuthung und wäre gern in eine Versenkung geschlüpft, wenn das Haus Kane derartige Vorrichtungen gehabt hätte.

Und dieser Crusine, der sich einen eigenen Wagen hielt, mehr verdiente, als der größte Tragöde, und für einen berühmten Mann galt, wie entsetzlich gemein war er nicht jetzt, nachdem er seine anfängliche Zurückhaltung anfgegeben hatte, wie glatt und niedrig seine Witze!

Trotzdem war der Abend gelungen, in Hansels Sinn ein Triumph. Crusine sang, sich selbst begleitend, und Hansel, Wiggins, Pickerson und Kitty stimmten in die Kehrreime

der Gassenhauer ein, die in Londons Straßen vom frühen Morgen bis zum späten Abend und die halbe Nacht hin­durch geleiert und gepfiffen werden. Und auch Nin sang, nur um zu zeigen, daß sie nicht hochmüthig geworden sei durch den ihr angeheftcten Titel und eine Weile lang war die alte Zeit wirklich wieder lebendig. Sie war so über- müthig, so witzig, so keck, wie sie immer gewesen war im Rampenlicht, sie wurde hingerissen durch die alten Triumphe und in ihrem Gesang lag doch etwas Neues, das nicht recht geheuer war, etwas wie herausfordernder Trotz gegen die neue Welt, worein man sie verpflanzt hatte.

„Du singst so gut wie je ... Du singst noch tausend Mal besser, sage ich," brüllte ihr Gatte begeistert „Bravo, Jung-Nin, bravo!"

„Wär's nicht besser, Du würdest Dich eine halbe Stunde niederlegen?" schlug sie ihm leise vor.

„Wozu?"

„Ein wenig Schlaf würde Dir sicher wohl thun."

„Wozu soll ich Schlaf brauchen?"

„Wenn Du das nicht selbst fühlst . . sagte Nin, von ihm weggehend.

„Weil Du besoffen bist, Hansel," raunte ihm Kitty ins Ohr.

„Ich? Auf Ehre ... ich bin ganz nüchtern . . . gewiß, Kitt," betheuerte Lord Kane. „Wenn Einer des Guten zu viel gethan hat . . . so ist's dieser Schweinekerl, dieser Wiggins."

„Wiggins war von jeher ein Schweinekerl," stimmte Kitty bei.

„Ja, ja . . . gewissermaßen. Er gehört vielleicht nicht hierher, aber ... ich ... ich dachte, es könnte zu einem Geschäft führen, wenn Du ihn hier triffst, weißt Du," setzte Hansel vertraulich hinzu.

„Danke Dir, Hansel, Du denkst mitunter auch an andere Leute."

„Oft nicht . . . o nein . . ."

„Ich bin Dir doch dankbar und das Geschäft ist gemacht."

„O dann . . . schon gut . . . ja, wo ist denn Nin?"

„Dort, am Fenster, Sie spricht mit Nnskoff . . . sie spricht immer mit ihm. Findest Du nicht, daß sie sehr große Stücke auf ihn hält?"

„Kann wohl sein, ist auch ein verfluchter Kerl, aber gar nicht meine Passion, gar nicht."

„Warum hast Du ihn 'denn eingeladen?" fragte Kitty in einem Ton. als ob ihr Schwager ihr Rede stehen müßte.

„Gerade damit man sieht, daß ich nichts gegen ihn habe. Und auch Nin zu Liebe, denn er war immer ihr Liebling, weißt Du."

„Ja, ich weiß es," sagte Kitty trocken, „und Du, wie mir scheint, auch. Du pflegtest rasend eifersüchtig auf ihn zu sein?"

„Haha! Das war, ehe ich ihn ausgcstochen hatte!"

„An Deiner Stelle, Hansel, an Lord Kane's Stelle, würde ich mir das ganze Geschmeiß vom Leibe halten. Was brauchst Du solches Pack um Dich zu haben? Es würdigt Dich herab und ist ein Unrecht gegen Nin."

„Warum gegen Nin?"

„Weil es sie auch herabmürdigt und wir sie doch auf- steigen sehen, mehr als Gräfin sehen möchten, als sie heute Abend war. Begreifst Du denn nicht?"

„Begreifen thue ich jetzt eben nicht leicht," versetzte Hansel, nachdem er seine Schwägerin ein Weilchen angcstarrt hatte. „Vielleicht hatte Nin doch recht, daß ich einen Tropfen zu viel habe .<. . bin verdammt schläfrig . . ."

„Und thätest wohl, beide Augen offen zu halten," warf Kitty im Abgehen hin.

Hansel sah ihr verdutzt nach, dann wandelten seine Fisch­augen zu seiner Frau hinüber. Sie saß in der Fensternische und plauderte aufs Angeregteste mit Ruskoff. Was die Beiden sich nur zu sagen haben mochten, fragte sich Hansel, und warum sie einander so ansahen? Von Rechtswegen sollte er hingehen und dem Gespräch ein Ende machen, denn daß dieser Klaviertrommler seiner Frau den Hof mache, wie er's bei Jung-Nin versucht hatte, nein, das würde ihm nicht passen! Daran hatte Kitty wohl vorhin gedacht, als sie gesagt halte, er sollte die Augen offen halten. In diesem Augen­blick sah Nin zu ihm herüber und im nächsten trat sie auf ihren Vater zu und Ruskoff setzte sich zu Wiggins, Hansel aber fielen die Augen zu und blieben eine geraume Weile geschlossen. Als er sie wieder aufmachte, schüttelten seine Gäste einander die Hände, Kitty hatte einen Pelzmantel umgelcgt und Frau Pickerson bemühte sich, ihren Gatten zu Bewußtsein zu bringen, der mit weit offenem Mund voll entsetzlicher Zahnstummeln in einem Lehnstuhl schlief.

„Ja, geht Ihr denn schon?" rief Hansel.

„Die Geisterstunde ist längst vorbei," sagte Kitty, „und für Dich ist's hohe Zeit, Hansel."

„Ach, Unsinn! Noch einen Bittern, Crusine, und Sie, Wiggins und Pickerson ... ja ... wo ist denn Nin!"

„Sie verabschiedet sich von Herrn Nnskoff," belehrte ihn Nins Mutter.

„Ist denn Ruskoff schon fort?"

„Gott sei Dank, ja," brummte Kitty.

Nin kam ins Zimmer zurück.

„Bist Du ihn endlich los geworden?" fragte Kitty.

„Ja . . . endlich."

„Als Lady Kane hätte ich die Artigkeit nicht so weit getrieben, ihn bis an die Hausthüre zu begleiten," raunte ihr Kitty ärgerlich zu.

„Ich habe meine Gründe dafür."

„Das müssen triftige sein!"

„Ich will sie Dir nennen, ehe Du gehst, Kitty, und Du wirst mir Recht geben."

„Soll ich also noch bleiben?"

„Ja."

Nin stand vor dem Kamin und blicftc, einen Fuß auf die Marmoreinfassung gestützt, nachdenklich in die tanzenden Flammen. Die Gäste verabschiedeten sich mit vielen Bücklingen und Redensarten, dann waren die Drei allein in dem Hohen

weiten Raum.

„Gehst Du nicht mit den Eltern, Kitty?" fragte Hansel. „Nein, ich habe meinen eigenen Wigwam."

Lord Kane wollte sich in einem Lehnstuhl niederlassen, aber Nin sagte: „Ich habe noch mit Kitty zu sprechen, Hansel."

„Schon gut. Kümmert Euch nicht um mich."

„Sei so gut und verabschiede Dich von Kitty und geh zu Bett."

„Schon gut . . . wie Du willst."

(Fortsetzung folgt.)

Max. 8. Wresclmer’s

Schuhwaaren-Engros-Haus

9 a. Michelsberg 9a 9

empfiehlt eine hervorragende Answahl in Dame«* Stiefeln von #.50 pr. Paar an.

Kinderstiefel

für grössere und kleinere Kinder von 1.00 pr. Paar an.

CTm Beachtung des Schaufen.ters wird besondere gebeten.

Drucksachen aller Art

«ckei sch« Buchdruckerei,

und billig Schützenhofstraße 3. 8071

Master Heilanstalt

Behaglich eingerichtete kleine Anstalt (bis! 20 Patienten) für Aervenleideu, BerdauungS-L störurigen, «heumati-mus rc. Lorrügliche,k sorgsame Verpflegung bei engstem Familien- 1 anschluß. März bis November. Prosp. franco. f Dr. 51. Schnlze-Kflhlcyss.

*3

SS

vX

Kr*-

O

tc

*3

L. Fh. Dorner,

Optiker,

Marktstrasse 14, am Schlossplatz,

empfiehlt:

Brillen in einfacher Ausführung ....... Mk. 1.20.

do. in guter Stahlfassung . . „ 2.20.

do. in feiner Stahlfaesung, vernickelt .... » 3. .

do. in guter Kickeifassung .. » 3.—.

do. in feinster Nickelfassung. * 4. .

Pinccnez in Kickelfassung . . . Mk. 2.—, 2.50, 3. , 4. . do. in schwarzer Fassung, amerikanisch . Mk. 2,50.

do. ohne Rand.von Mk. 2.— an.

In Oolddonble-Fassungen, beste Ausführung, v. Mk. 6.— an.

Alles, incl. Uläscr, beste Oualilät. Operngläser, neueste Modelle, mit bester Optik.

Schwarz mit Lederbezug von Mk. 8.— an, modefarbig von Mk. 10.— an.

Perlmnttgliiser, beste Ausstattung, von Mk. 14— an. Barometer, Thermometer in elegantesten Mustern.

Zimmer-Thermometer von 35 Pf., llade-'l hermometer von 50 Pf, Fenster-Thermometer von Mk. 2.— an.

Reparaturen an Brillen und Pinccnez,

wie allen optisebtsn Ariibeln werden rasch, fachgemäss und billigst ausgeführt.

Ersatzgläser per Paar 1 Mk., Löthungen 40 Pf., Goldlöthungen 50 Pf., Ersatztheile für schwarze Pincenez 50 Pf. etc.

Gewissenhafteste Bedienung:.

Ehe

Sie Ihre Eiiikänsc in Möbeln mache», ersuche ich Sie mein Möbel­lager zu besichtigen, dort finden Sic Alles unter Garantie tum bill. Preis. Helenenstraße 1. 1042o

Altftadt-Consum

offerirt: 11923

Neues Sauerkraut. Pfund 9 Pf.

„ „ (Champagner) „ 12 „

Neue holl. Vollhäriuge ohne Unter­schied der Grötze per Stuck 5 „

Schwarzbrod .„ Laib 37 „

Weistbrod... >,. 42 „

Kochmehl.„ Psd- 13 „

Kuchenmehl.15 „

Couseetmchl. „ 1< „

Metzgergasse 31, nächst der Goldgasse.

Zahn-Atelier Willi, fi&oll»,

Kirchgaff« 32, vis-a-vis dem Nonnenhof. Sprechstunden 9 bis 6, Sonntags bis 3.

Knnitl. Zähne mit und ohne Gaumenplatte, Ziistzähne, Umarbeitungen, Reparaturen sofort. Plombirc» in Gold. Amalgam, Eniail. Operationen

Anerkannt

Billigste Bezugsquelle für

echtes

Specialiläl: Ca/elgeräthe und peslecke jeder )\rl!

Nützliche, passendo und schöne

^ochzeits-, palhen- und Gelegenheils - Geschenke

in eleganten Etuis!

Getriebene und ciselirle

unstgegenstände

K

aus echtem Silber.

--- *

Juwelen und Qoldwaaren.

I^lbert |-jeidecker

25 Taunusstrasse 25

fabrik-Lager

Engros • • • E x P 0, d • • • Ovtai!»