Seite 4.Drorges-Ansgabe. Erstes Vkatt.
dieser Zeit, wo, die Notlage mancher Kriegerfamilie und solcher Familien, die durch die Kriegslage in bedrängte Verhältnisse gekmnmen find, besondere Hilfe verlangt, bewähren sich die Friedensarbeiten. Die Hauspflegevereine sollten sich in immer mehr Orten als ständige Organisation gründen. Sie stellen den Wöchnerinnen in den ersten Tagen nach der Entbindung eine Pflegerin, die in dieser Zeit die Harrsfrauen- und Mutterpflichten der Wöchnerin übernimmt. So sind Haushalt und Kinder in den Ruhetagen der Mutter für diese nicht eine stete Sorge. Die Wöchnerinnenfürsorgevereine, die Mittagessen und pekuniäre Hilfe gewähren, finden eine Kriegserweiterung durch die Leistungen der Kriegspaten. So lasen wir in der „Evangelischen Frauenzeitung" schon häufiger Bitten zur Übernahme von Kriegspatenfchasten. Nicht die augenblickliche Hilfeleistung für den Säugling und seine Mutter sind die eigentlichen Pflichten des Kriegspaten, sondern sein fortdauerndes, liebevolles Interesse an dem Heranwachsen des Kindes, Rat und Hilfe bei seiner Erziehung, und, wenn nötig, dann auch pekuniäre Unterstützung. Die Bedeutung für unser Volksleben liegt darin, daß durch die Kriegspatenschaft eine dauernde Verbindung verschiedener sozialer Stände entstehen wird.
Die Kinderfürsorge durch Unterbringung in Krippen und Horten, durch W aldspazi er gänge mit schwächlichen Schulkindern, durch Unterbringung auf dem Lande während der Ferien, wird ebenso wie die Waisenpflege nach dem Kriege einen ganz bedeutend größeren Umfang annehmen. Durch die Berufstätigkeit der Kriegswitwen wird eine stärkere, liebevolle Fürsorge für die Kriegswaisen einsetzen müssen. Den geringsten Dank für unsere Helden, die nicht wiederkehven, können wir in der liebevollen Fürsorge und Hilfe für ihre Witwen und Waisen beweisen.
Möchten Reichsfürsorge und Bereinshilfe die richtigen Wege finden und tüchtige Menschen diese Beratungs- und Fürsorgearbeit schon jetzt beginnen und ausbauen, damit in Friedenszeiten diese Liebesarbeit durchgeführt werden kann. " Ev. F.
Oie Ausdehnung der ttriegswochenhilfe.
Die Bedeutung der neuen Verordnung des Bundesrats, betreffend die Ausdehnung der Kriegswochenhilfe, erhellt aus den ersten drei Paragraphen:
§ 1 lautet: Wöchnerinnen, die nicht schon bisher Anspruch auf Wochenhilfe seitens des Reiches haben, wird eine solche während der werteren Dauer des Krieges gewährt, wenn 1. in diesem Kriege ihre Ehemänner dem Reiche .Kriegs-, Sanitäts- oder ähnliche Dienste leisten, oder an deren Weiterleistung oder an der Wiederaufnahme einer Erwerbs- tätitzkeit durch Tod, Verwundung, Erkrankung oder Gefangennahme verhindert sind; 2. icker wenn sie Minderbemittelte im Sinn« des § 2 sind.
Der § 2 lautet: Wöchnerinnen gelten als minder
bemittelt, wenn sie auf Grund des Gesetzes vom 28. Februar 1888 in der Fassung des Gesetzes vom 4. August 1914 unterstützt werden. Sofern nicht Tatsachen die Armahme rechtfertigen, daß eine Beihilfe nicht benötigt wird, gilt eine Wöchnerin fernerhin als unbemittelt, wenn 1. ihres Ehemannes und ihr Gesamteinkommen in dem Jahre oder Steuerjahre vor dem Dienstantritt (§ 1) den Betrag von 2800 M. nicht überstiegen hat, oder 2. wenn ihr nach dem Dienstantritt des Ehemannes verbliebenes Gesamteinkommen höchstens 1800 M. und für jedes schon vorhandene Kind unter 15 Jahren höch- chcns weitere 280 M. beträgt.
§ 3 bestimmt: Die Wochenhilfe ist auch für das u n e h e - ri d) c Kind eines Kriegsteilnehmers der in 8 1 bezeichneten Art zu leisten, wenn es auf Grund des § 2 Absatz 1c des Gesetzes vom 28. Februar 1888 in der Faffung des Gesetzes vom 4. August 1914 unterstützt wird.
Die einzelnen Sätze der Wochenhilfe find durch die neue Bekanntmachung des Bundesrats nicht vermindert worden.
Eine Wohlfahrtsmarke der Stadt.
Bon Herrn Stadtrat Schulte erhalten wir die folgende, sich auf einige kritische Bemerkungen in der Sonntag-Ausgabe beziehende Zuschrift:
„Die Bezeichnung „Fonds" mutzte entnommen werden aus 8 4 der „Verordnung über die Regelung des Verbrauches von Mehl und Brot in Wiesbaden". Sie hat an dieser Stelle die Bedeutung, die es allgemein in der Thecrie und Praris der Buchführung, insbesondere auch im Handelsgesetzbuch, besitzt. Für diese Bezeichnung „Fonds" gibt es zurzeit keinen Ersatz. Die Bezeichnung Sammlung, Spende, Bestrag, Gabe usw, kann den Begriff „Fonds" in diesem Sinne garnicht ersetzen. Die bestehenden Bezeichnungen Erneuerungsfonds der Master- und Lichtwerke, Kurfonds, Sckulbaufonds usw. können ebenso wenig in Hinsicht ans den Krieg auf einmal durch andere, wie z. B. Erneue- rimgs-Sanmnlung. Kurspende, Schulbaubeitrag usw. ersetzt werden. Die Wahl der Bezeichnung „Fonds" ist derber nicht als ein „in Eile und Unüberlegtheit gemachter Fehler" anzusehen. sondern als die Wahl des einzig richtigen Ausdruckes.
men, bevor sie nur einer nennenswerten Anzahl Personen zugute gekommen, ein, da sich Aufllärung als Folge des zunehmenden Wohlstandes in den beglückten Gegenden zu verbreiten anfing.
Der Geist, der zeitigte, daß Rußland, trotzdem es doch die Welt mit seinem Golde erdrücken und durch seiner Heere Massen zerschmettern könnte, Serbien und Montenegro gleich Frankreichs Tasche ständig in Anspruch nehmen muß, um überhaupt Krieg nur führen zu können, ist in der Abnahme. Das zeigt sich in der Verwendung des französischen Geldes. Vor den Unruhen von 1908/06 mästeten sich nur die Großen des Zarenreiches daran, das Gold aber, das nach diesem Zeitpunkte kam, diente seinem Bestimmungszwecke, dem Heere. Ein flüchtiger Vergleich nur zwischen der Ausrüstung der Armee, die damals in Asien focht, und der, die uns heute gegenübersteht, zeigt das zur Genüge. Sollten aber wider Erwarten die Schläge von heute, trotzdem sie doch tausendmal schärfer ausfallen als die, die 1906/06 Rußland bereits in seinen Grundfesten erschütterten und Besterung bewirkten, nicht Väterchen zwingen, unmittelbar nach diesem Kriege alles zur Hebung des Volkswohlstandes und damit zur Steigerung der Kampfeskraft zu tun, so hätte das nicht allzu viel zu sagen. Denn da der Drang nach menschenmöglichen Lebensbedingungen zu elementar und das russische Volk kein altes, verbrauchtes ist, sondern kerngesund, so würden die nötigen Maßnahmen einfach unter Wegfegung der jetzigen Machthaber, falls die nicht schon ftüher verjagt sind, durchgeführt werden.
Daß aber dem russischen Volke sehr wohl die Kraft innc- wohnt, die Zukunft selber zu formen, und daß an der kläglichen Gestalt, in der es uns heute gegenübersteht, nur die Regierung die Schuld trägt, dafür zum Beweise dienen schon feine S tm n meSgenoGen hinter dem Ural; natürlich nicht die
__Wiesbadener Tagblatt.
. Fernstehende können naturgemäß nicht ohne weiteres dre Gründe für die Wahl einer bestimmren Bezeichnung erkennen. Infolgedessen wurde es als durchaus verständig erachtet, daß von sehr berufener Seite angerragt wurde, ob das Wort „Fonds" durch ein deutsches Worr ersetzt werdm könnte? So höflich wie die Anfrage, so höflich war auch die Antwort, daß dies leider nicht, möglich sei. Wenn aber jeder fernstehende, ohne sich über hie näheren Verhältnisse zu unterrichten. sofort tu die Öffentlichkeit geht und dann sofort mrt bestimmten Behauptungen und scharfen Vorwürfen beginnt, dann verdient ein solches Vorgehen auf das entschiedenste zurückgewiesen zu werden. So sehr die Bestrebung, überflüssige Fremdwörter zu vermeiden, anzuerkennen ist, so sehr ist auch jeder Auswuchs in dieser Hinsicht durchaus zu bedauern. Ein solches Bedauern wird allen um so mehr aufkommen, je tiefer sie die Schwere der Zeit erfasten oder je unmittelbarer sie mit dem Krieg in Berührung kommen: sie werden den „Kampf für das Deutschtum" mehr dem Inhalt ais der Form nach geführt zu sehen wünschen. Diejenigen aber, die über das gesunde Matz hinaus • gegen feststehende fremdsprachige Begriffe glauben anstürmen zu müsten, sollten sich vor allem einmal darüber klar zu werden, daß gerade in unserer Heeressprache eine AUsscheidv »g aller fremd- spvachigen Bezeichnungen zurzeit vollständig unmöglich ist. Es sei nur erinnert an die Wörter: Armeekorps. Gouverneur, Inspekteur, Garnison, Bataillon. Patrouille. Fourage usw. Unter Berücksichtigung gerade der Heeressprache mutz es sehr bedauert werden, wenn bei Beurteilung von fremdsprachigen Bezeichnungen von „blotzstellen" und „französisch angehaucht" gesprochen wird, und es kann nur gewünscht werden, daß die übertreibenden Deuffchverbefferer einmal von zuständiger Seite belehrt würden, datz deutsche Kraft zu dieser ernsten Zeit wirklich besser verwendet werden kann als zu überflüssigen Beanstandungen.-
Wir gehören nicht zü Lenen, die fanatisch jedes, auch das längst eingebürgerte Fremdwort aus unserer Sprache hinaus- werfen möchten. Es gibt tatsächlich Fremdwörter, die in der deutschen Sprache gewissermaßen Heimatsrecht erworben haben; aber die Verteidigung der Anwendung des Wortes „Fonds" auf der Siegelmarke für die Brotkartenrückgabe nül dem Hinweis auf die Theorie und Praxis der Buchführung und die Fremdwörter in der Heeressprache, scheint uns keine ganz glückliche zu sein. Anders ist es mit dem Hinweis auf den Z 4 der „Verordnung über die Regelung des Verbrauchs von Mehl und Brot in Wiesbaden". Dort heißt es: „Die Ausgleichstelle nimmt von Haushaltungen mit geringerem Bedarf die von den zugeteilten Mengen entbehrlichen Teile zurück, und zwar unter Zahlung eines bestimmten jeweils festgesetztes. Preises, der mindestens */,« des Wertes der entsprechenden Brotmenge entsprechen muß. Die Zahlungen erfolgen ji'tr Rechnung eines „Fonds für Volksernährung". Auf die Vergütungen aus demselben kann zu seinen Gunsten verzichtet werden." Damit ist allerdings die Aufnahme des Wortes „Fonds" in die Siegelmarke hinreichend erklärt, und man versteht, daß man die Bezeichnung „Fonds für Volksernährung" einfach auf die Siegelmarke übernommen hat, die sozusagen aus diesem „Fonds" heraus verabreicht wird. Die Frage ist nur noch, ob tatsächlich das Wort dem erwähnten Paragraphen entnommen werden mußte? Davon sind wir nicht überzeugt. Es ist eben doch ein Unterschied, ob ein Fremdwort in Verordnungen. Verwaltungsberichten und Handlungsbüchern gebraucht wird, oder ob es auf dem kleinen Andenken an eine schwere Zeit Deutschlands steht, als welches sich die Siegelmarke darstellt. Und deshalb scheint uns die Beanstandung, die zu diesem Meinungsaustausch Veranlassung gegeben hat, doch nicht ganz so überflüssig zu sein, wie Herr Stadtrat Schulte meint.
Ungeeignetes und geeignetes Fündmaterkal fürs Feld.
Von zuständiger Stelle wird bekanntgegeben: In vielen Geschäften werden mit Venzin gefüllte Gelatinekapseln und Streichhölzer in Blechbehältern feilgehalten und dem Publikum als zur Versendung mit der Feldpost geeignet angepriesen. Demgegenüber wird erneut daraus hingewiesen, daß die Versendung feuergefährlicher Gegenstände, wie Streichhölzer, Benzin, Äther, mit der Feldpost unter allen Umständen, selbst unter besonderer Verpackung verboten ist. Wer der Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot überführt wird, wird strafrechtlich verfolgt.
Bei dieser Gelegenheit wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Industrie Feuerzeuge mit Feuer st ein und Zündschnur auf den Markt gebracht hat, die ohne Benzin oder aridere Zündmittel gebrauchsfähig und ungefährlich sind.
Volksbüchereien.
Die vom hiesigen „Volksbildungsverein" unterhaltenen Volksbibliotheken wollen das Lesebedürfnis des Volkes durck) eine gute Lektüre befriedigen. Tendenziöse Parteischristen und moralisch anstößig« Bücher werden grundsätzlich ausgeschlossen. Wahrend des letzten Winters konnte die Bücherausgabe der fünf Volksbüchereien nur an drei Stellen erfolgen, da zwei Schulgebäude, in denen Volksbüchereien untevgebracht sind, zu militärischen Zwecken be-
Beamtenschaft und ähnliches Geschmeiß, die nur hinversetzt wurden und dabei im europäischen Rußland fußen, sondern die richtigen Ansiedler russischer Abstammung, deren Vorfahren bereits nach Sibirien kamen, also die Leute, die dor, geboren, von dortigen Eindrücken umgeben, aufwuchsen. Etwas freier nur, da Petersburg weit ist und bei der Menschenleere des Gebiets die Machthaber nicht ständig auf dem Halse sitzen, sind die Lebensbedingungen in Sibirien als diesseits des Gebirgswalls. Und dies bißchen weniger Knute hat genügt, Menschen hervorzubringen, die Persönlichkeiten sind, sich wie Tag und Nacht von den waschechten Untertanen unterscheiden.
Geht also- das Zarenreich aus dem jetzigen Kriege hervor, ohne große Gebietsteile zu verlieren, so wird es, da der Drang nach Ausbreitung — den übrigens alle Völker gehabt, die einst dort saßen, wo heute Väterchen gebietet — stark in Rußland lebt, nicht nur uns und unseren Bundesgenossen bald zur furchtbaren - Gefahr werden, sondern überhaupt der ganzen Welt!
Nus Kunst und Leben.
* Zu Ernst v. Wolzogens 60 . Geburtstag. Aus Darm- stadt wird uns geschrieben: Eine kleine Schar treuer persönlicher und literarischer Freunde des Dichters hatten sich am Freitagabend zu einer Feier seines 60. Geburtstages eingesunken, an der der Dichter, zu kurzem Erholungsurlaub von der Ostfront zurückgekehrt, teünahm. Viele Blumen zeugten äußerlich von den herzlichen Gefühlen neben, dem den Diwter ehrenden Lorbeer. In Poesie und Prosa wurde der „Welt- und Feldgraue" Wahrheitskänwfer gefeiert. Telegramm-- waren von allen eingeaangen, die seiner Kunst Kollegen sind, Hauptmann und Sudermann an der Spitze. Trefflich fand der Sohn des jugendfrischen Geburtstagskindes den Ton tn
Dienstag, 27. April 1915.Nr. ISS.
nutzt werden. Ter Gesamt-Bücherbestand umfaßt 26000 Bände. Die Gesamtzahl der ausgeliehenen Bände im letzter: Vereinsjahr war 71 775 (gegen 112 324 im Vorjahre). Sie betrug für Erzählungen, Novellen, Romane, Dramen 46 275, Jugendschriften 10 779, Geschichte 1423, Erdkunde und Reisen 1537, Naturwissenschaften 655, Haus- und Volkswirtschaft, Ev> ziehungslehre 251, Gewerbe und Technik 465, Zeitschriften 10 302, französische und englische Schriften (nur in der 3. und 5. Bücherei) 58. Die Gesamtzahl der eingeschriebenen Lese: (Familien und einzelstehende Personen) war 2259 (gegen 2968 im Vorjahre). Bon diesen waren 12,9 Prozent höhere und inittlere Beamte, 12,7 Prozent Unterbecrmte, 13,1 Prozent Kaufleute, 34,7 Prozent Gewerbetreibende und Handwerker, 26,6 Prozent Arbeiter. Im ganzen wurden 353 Bücherver» zeichniffe verkauft, das Stück zu dem Selbstkostenpreis von 20 Pf. Für eine Buchoenutzung werden 3 Pf. bezahlt, eine Jahreskarte kostet 1 M. 50 Pf.
Beschaffung von Schweinen für die Gemeinden.
Um den Gemeinden die ihnen durch die Bundesratsverordnungen vom 25. Januar und 25. Februar dieses Jahres auferlegte Ansammlung v»n Fleisch-Dauerwaren noch vor Eintritt der wärmeren Jahreszeit in dem erforderlichen Umfange zu ermöglichen, soll eine dem dringendsten Bedarf entsprechende Menge von Schweinen auf die Landkreise umge- legt und von der Zentraleinkaufsgesellschaft in Berlin für die Gemeinden aufgekauft werden. Die Übernahmepreise bestimmen sich nach den Enteignungsrichtpreisen der Verordnung vom 25. Februar d. I. zuzüglich fester Zuschläge, die nach Gewichtsklassen abgestuft und für die unteren Klassen höher bemeffen sirid wie für die oberen. Die Schweinebesitzer stehen sich deshalb bei der freihändigen Abgabe der Schweine in dem Umlegungsverfahren günstiger, als wenn sie sich durch ihre etwaige Weigerung einer Enteignung der Schweine zu den geringeren Enteig- nungspreisen aussetzen. Bei der Umlegung werden die einzelnen Kreise nach dem Verhältnis der vorhandenen Schweinebestände herangczogen, und zwar in geringerem Maße in den Gebieten, in denen eine besondere Gefährdung der Kartoffelvorräte durch deren Verfüttern an Schweine nicht zu besorgen ist. Es kommen nur Schweine im Lebendgewicht von 120 bis 200 Pfund in Frage. Ferner dürfen solche Schweine nicht in Anspruch genommen werden, deren Enteignung nach der Ausführungsanweisung zu den erwähnten Verordnungen abgelehnt werden kann. Hiernach find die Besitzer von der Abgabe ihrer Schweine an die Zentraleinkaufsgesellschaft Befreit:
1. Soweit die Schweine als Zuchteber oder Zuchtsauen zur Erhaltung der Schweinezucht notwendig sind.
2. Soweit die Schweine Zuchten angehören, aus deuen in letzter Zeit nachweisbar verhältnismäßig größere Mengen zu Zuchtzwecken abgegeben worden sind.
3. Soweit die Schweine zur Deckung des Fleischbedarfes des Besitzers und seiner Haushaltungsangehörigen erforderlich und bestimmt sind.
4. Soweit der Besitzer der Schweine nachweisbar imstande ist, sie mit. Stoffen zu füttern, die als Nahrungsmittel für den Menschen nicht geeignet sind. Hierzu find auch Schweine zu rechnen, die mit Magermilch, Käserei- oder Molkereirückständen, durch Weidegang oder Eintrieb in Waldungen durchgebracht werden können.
Wiesbadener Lazarett«.
Aus der Verwundetenliste der Auskunftsst-lle in der „Loge Plato" für im Felde stehende nassauische Soldaten: Reserve-Jnfanierie-Regiment Ne. 80: Im Schützenhof: Wehr- mann K. Villmar (Wehen). — Rekrutendepot des Reserve- Jnfanterie-Regiments Nr. 80: Im Scbützenhof: I. Baum
(Wallertheim). — Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 30: Fm Schützenhof: Vizefeldwebel p. Bvauneck (Frechen). — Ersatz- Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 80: Im Schützenhof: Ge- steiler F. Jörg (Mülheim a. Di). — In der AuskuniftSstelle siegen auch die Berwundetenlisten aus den Militärlicrzaretten in Frankfurt, Mainz, Homburg. Bingen. Elwille. RüdeSheim, Ä strich. Wiiikel-Bollrads. Geisenheim. Schlangenbad, Qangen- schwalbach, Idstein, Kloster Eberbach und aus dem Offizier- Genesungsheim in Falkenste in im Taunus aus.
— Arbeitsjubiläen. Am Samstag feierten die Lackiererin Elise Hohenstein und der Maschinenarbeiter Wilhelm Uhr, beide aus Dotzheim, ihr 25jähriges ArbeitS- j u b i l ä u m bei der Firma Georg P f a f f (Inh. Dorer und Hunrath) Metallkapsel- und Staniolfabrik am Bahnhof Dotzheim. Die Jubilare wurden von der Firma sowie von den Beamten und der Arbeiterschaft durch einen Festakt geehrt und mit namhaften Geschenken bedacht.
— Aus der Licbestätigkeit Wiesbadens. Dem Frauenverein der Bergkirche brachte der Kriegsausbruch ein sehr erweitertes Feld der Tätigkeit. Es war, wie der jetzt er- stattete Jahresbericht hervorhebt, von großem Vorteil, daß für die Fülle weiterer Aufgaben ein Stamm treuerprvbter Ber- einsmitglieder bereit stand, dem sich ein rühriger Kreis neuer
seinem Gratulationsgedicht, das wohl wert ist, der öffentlich, keit mitgeteilt zu werden. Er trug es als begabter Künstler selbst vor:
Feldgrauer Vater! 60 Jahre Hast du im Lebenskampf geschafft.
Weltgrau sind deines Hauptes Haare,
Doch fiühlingsstark blieb deine Kraft.
Wenn auch des Glückes Sonnenllarheit Dir Svrgenwolken oft umstritten.
Du bist den Dornenweg der Wahrheit Aufrecht und stolz dahnigeschritren.
Ein Rufer warst du stets im Streite Für deutschen Glauben, deutsche Art,
Oft warnend drang dein Ruf ms Weste,
Ost geißelnd, werbend oft. oft hart.
So halfst du schon in Friedenszeilen,
Als du am Schreibtisch still geschafft.
Den deuffchen Helden vorberesten.
Der ftoh vertrauend seiner Kraft Sich herrlich heute zeigt im Krieg: —
Im Feld, in Lüften und auf Wassern.
Der uns erkämpft den deutschen Sieg Selbst gegen eine Welt von Hassern.
Doch als du deines Geistes Saat Erblühen sahst in Fleisch und Blut.
Da wandelst du dein Wort zur Tat.
Zogst mit hinaus voll Kampfesmut.
Feldgrauer Vater, ohne Wunden Kamst du vom Osten uns zurück.
Und jenes Kampftags heiße Stunven Sind schon Erinnerung, sind dir Glück.
Noch lange mög der Allmacht Walten,
Die dich vor Feindeswut beschützt —
Dich uns, dem Vaterland erhalten.
Dem du mit Wort und Tat genützt.
Mit deinen Freunden ruf ich aus — Laßt alle uns das Glas erheben —
Im Kriegsgewitter-Sturmgebraus,
Feldgrauer Vater — du sollst I-üenl &.
