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Dienstag, 27. Kpril 1913. _RlOtQ£lt - RUSQCibg«tlr. 193. » 65. Jahrgang.
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Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.
2b Schützengräben erobert. Werl über 1000 Gefangene. Zahlreiches Kriegsmaterial erbeutet.
W.T.-B. Wien, 26. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 26. April: An der Karpathenfrout dauern die Kämpfe im Abschnitt östlich des Ilzsoker Passes fort. Eine unserer Angriffsgruppcn eroberte gestern südöstlich von Kociowa einen neuen Stützpunkt des Feindes und machte 7 Offiziere und über 1000 Mann zu Gefangenen. Um die verlorenen Höhen zurückznerobern, begannen nun die Russen mehrere heftige G c g c n a n g r i f f e und versuchten in den Nachbarabschnitten vereinzelte Bor-. flöhe. Der Hanptangrisf des Feindes richtete sich gegen die Höhe Ostry und die östlich anschliessende Stellung. Nach längerem Kamps war dieser Angriff unter schwersten Verlusten der Russen zu rück geschlagen. Zwei Bataillone des Gegners wurden hierbei fast gänzlich vernichtet, einige hundert Mann gefangen. Die sofort einsetzende Ver- solgungsaktion brachte uns in den Besitz von 2 6 Schützengräben und vielen Kriegsmaterials. Auch in den übrigen Abschnitten wurden die Nachtangriffe blutig abgewiesen. Vor den Stellungen des Uzsoker Passes ging der Gegner nach abgeschlagenen Angriffen f l u ch t a rt ig zurück.
In den gestrigen Kämpfen wurde das bisher g e- wonnene Gebiet trotz verzweifelter Gegenangriffe der Russen nicht nur behauptet, sondern südöstlich von K o e n o w a noch erweitert.
An der Front westlich des Uzsoker Passes, in Galizien und Polen, sowie auch am Dnjestr und der Bukowina Geschützkämpfe. Sonst ruhig.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Vre günstige Lage am Uzsoker pah.
Vorzügliche Lage der Verbündeten.
Sr. Wien, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus Ungva wird gemeldet: Die Russen versuchten in der Gegend von Uzsot im Nngtalc, wieder auf jenes Gebiet vorzu- dringe», wo sie im Dezember und Januar sehr große Verluste erlitten patten. Sie drangen in ISfachen Reihen vor. Ihnen folgten unmittelbar ihre Batterien. Unsere Artillerie gab auf die ruffifdjc Infanterie und Artillerie zugleich Salvenfcuer ab, das beide, Artillerie und Infanterie, nahezu völlig vernichtete. Unsere Lage am Uzsoker Paß kann als vorzüglich bezeichnet werden.
Tiefe Niedergeschlagenheit in Rußland.
Unzufriedenheit mit dem Generalissimus.
Sr. Rom, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach Mitteilungen einer in Rom eingetroffenen ententesreund- lichen Persönlichkeit herrscht in dm gebildeten Kreisen Rußlands tiefe Niedergeschlagenheit. Die Mißerfolge des russischen Heeres rufe schwere Unzufriedenheit und Empörung über die Heeresleitung hervor, die als unfähig bezeichnet werde und die gegen Hrndenburg und die anderen deutschen und österreichisch-ungarischen Führer nicht aufkommen könne. Namentlich das Vorgehen der russischen Heeresleitung gegen die Karpathenpässe werde als Wahnsinn bezeichnet. Abgesehen davon halten die denkenden russischen Kreise einen Einfall in Ungarn für unmöglich, da die Russen nach überschreiten der Karpathenpässc auf uneinnehmbare österreichische und deutsche Stellungen stoßen nnd fürchten müßten, durch die Deutschen von Norden her ab geschnitten zu werden. Das militärische Übergewicht der Verbündeten wird also in Rußland wie in den Balkanländern offen zugegeben. Besonders die Lage in Polen gelte für die Russen als verhängnisvoll, da die Deutschen sich dort festgesetzt haben wie in Frankreich. Was Serbien betreffe, so erklärte der Gewährsmann wörtlich: Serbien existiert nicht mehr.
Cholera im Petersburger Gebiet.
Br. Wien, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Reichspost" meldet aus Petersburg, daß im Gebiete von Petersburg eine Anzahl Erkrankungsfälle von Cholqfc-a & siatica festgestellt wurde, wovon fünf bereits tödlich verliefen.
Die wünsche der Juden in Russisch-Polen.
I In der „Rozwaga" (Erwägung), einem Organ der polnischen Juden, das in Warschau zu erscheinen begonnen hat, ist zu lesen: „Für uns genügt nicht eine Gleichberechtigung, tvie sie in den sechziger Jahren Graf Wiclopolski uns gegeben, tvir verlangen politische Rechte, Rechte für unsere Sprache, das Stecht der Selbstverwaltung in unseren kulturellen.
Philanthropen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Bor Gericht soll der jüdische Rechtsanwalt im Jargon verteidigen nnd der einen Inden anklagende Prokurator im Jargon die Anklage erheben. Die Inden sollen nicht nur das Recht auf Jargon-Clementarschulen haben, sondern auch auf Mittelschulen und auf eine Universität mit dem Jargon als Unterrichtssprache. In Polen müssen die Inden eine eigene Bühne und eigene Kunstmuseen haben, und der Kronmarschall des Landtags hat die Sitzungen in der polnischen Sprache der politischen Mehrheit und zugleich im Jargon der politischen Minderheit des Landes zu eröffnen."
Vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
vre Schlacht bei Ppern.
Dir Bedeutung der deutschen Erfolge.
Sr-. Amsterdam, 26. April. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Drr Berichterstatter der „Tijd" in Dünkirchen berichtet über die letzten Kämpfe bei Ipern: Bei Zuydschoote hätten die Deutschen den Übergang über den Kanal erzwungen. Ferner seien sie auf der anderen Kanalseite, etwas südlich, wo sic noch ein erhebliches Stück vom Wasser entfernt waren, dichter an den Kanal vorgedrungen. Dadurch werde Ipern unmittelbar bedroht. Drr Schlag der Deutschen auf die Linie der Verbündete» in Belgien sei von großer Gewalt. .Wenn es den Deutschen gelinge, auch südlich unterhalb St. Julien oorzudringen, werde Ipern beinahe cingefchloffcn und die englische Stellung km Rücken bedroht. Dort, wo die Deutschen über den Kana! gekommen seien, sei ein wichtiger Punkt, weil dort fünf Straßen zusammenttäfen. Bon hier aus würden sowohl die belgischen als die englischen Stellungen bedroht.
Ankunft Verwundeter in Boulognr.
Sr. Hamburg, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie der „Daily Telegraph" aus Boulogne meldet, trafen dorr zwei englische Lazarettzüge mit verwundeten Franzosen und Engländern ein aus der Schlacht bei Ipern. Nach ihren Angaben war dieser Kampf der furchtbarste, den sie seit Krlegsveginn erlebt hatten.
Ausdehnung der Wehrpflicht in Frankreich bis zum 60. Jahre.
Br. Genf, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die
Genfer „Tribüne" meldet aus Paris, daß dem Parlamentsausschuß eine Gesetzesvorlagc zuging auf Ausdehnung der Wehrpflicht bis zum 60. Lebensjahr.
Die belgische Königin.
Sr. Kopenhagen, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „National Tidende" meldet auS Paris: Pierre Lo t i wurde von der Kön igin von Belgien in Audienz empfangen. Loti brachte das- Gespräch auf die bayerischen Verwandten der Königin, worauf diese sagte, sie habe keine Beziehungen mehr zu ibren Verwandten. Zwischen ihnen und ihr sei ein „eiserner .Vorhang nledcrgegangen, der niemals mehr aufgehoben werden könne".
Der Handelskrieg gegen England.
„Es gibt kein verteidigungsmittel."
Die englische W u t und Ratlosigkeit gegenüber den Unterseebooten treten lebhaft in einem Artikel des „Daily Telegraph" vom 20. d. M. zutage. Es heißt darin:
„Gegen neue Kriegsgebräuche kann man sich schützen, und das tun wir. Gesetzlosigkeiten gegenüber aber sind wir machtlos. In unserem Lande mag ein Irrsinniger umherlausen und manche Menschen töten, bevor er hinter Schloß und Riegel gesetzt werden kann. Aus einem Gebiete, großer als die Ver-
eiingten Königreiche, sind von: Großadmiral v. Tirpih eine Zahl von Mördern losgelassen. Heule tun sie ihr schändliches Werk an^ diesem, morgen an jenem Platze, Überall können wir unsere Schutzmänner nicht ausstellen. Die Mörder haben viele Schlupfwinkel zu ihrer Verfügung, sie können in diese oder jene versteckte Bucht laufen und sich durch Untertauchen unsichtbar machen. Für viele Stunden verschwinden sie so plötzlich, um dann ebenso überraschend bald hier, bald da wieder zn erscheinen. Gegen diese barbarischen Kriegsinstru- m c n t c ist unsere Flotte so ohnmächtig wie jede andere. Gegen jemand, der gegen jede Moral und gegen jedes Gesetz verstößt, wächst kein Gras. Man wußte schon vor dem Kriege, daß es gegen das Unterseeboot kein Verte i d i g n n g s m i t t c i gibt. Ein Unterseeboot kann gewöhnliche Schisse bekämpfen. Es selbst aber kann von diesen, Lnsgcnommen es taucht auf und wird damit auch zu einen: gewöhnlichen Schiss, nicht, bekämpst werden. Alles dies wußte man vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten. .Jeder unserer Seeoffiziere kannte diese Tatsachen. Nun sieht sich unsere Flotte oor eine Aufgabe gestellt, der sie nicht gewachsen ist, der sic ebensowenig wie.irgend eine andere Flotte gewachsen sein kann.
Heute haben Dreadnoughts keine Arbeit mehr zu verrichten. Auch die großen Kreuzer sind außer Kurs gesetzt. Immerhin dürfen wir die Großkampfschisse in ihrem Wert nicht unterschätzen. Vielleicht müssen sie nochmal die große Schlacht mit den Deutschen ausfechten, wenn eS auch unwahrscheinlich dünkt. Jmmerkstn dürfen Ivir nichts vernachlässigen, dürfen nicht nur den „Schatten des Krieges" zu vernichten streben nnd darüber Größeres versäumen. Denn die Unterscebootsgefahr ist nur ein schatten. Der jetzt von den Deutschen geführte Untersec- bootskrieg ärgert uns und fügt uns einigen Schaden zn, aber er kann nie auf den Gang der g e s a in t e h kriegerischen Ereignisse von irgend weichem schwerwiegendem Einfluß sein. Der Unterfcebootskrieg wird die Deutschen keinen Schritt vorwärts auf der Bahn zum endgültigen Siege bringen. Jeder Sachverständige kennt die geringe Bedeutung des Handelskrieges, selbst vor 100 Jahren hatte die Zerstörung unseres Handels keinen wesentlichen Einfluß. Und jetzt wird der Versuch, unseren Handel zu schädigen, es ebensowenig vermögen. Unsere Hochseeflotte hat andere ln f g a 6 c n zu erfüllen, als deutsche Unterseeboote zu jagen und etwa so gute Zielscheiben für deren Torpedos abzu- geben. Viele Schisse kleinerer Art verfolgen die deutschen
