1
4 >
j
G
■r
«»• Jayrgans.
Erscheint in^ zwei NnSgobe». — VczngS-PreiS;
durch den Verlast 50 Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. ««» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgabe» zusaunnen.
Verlag: Langgasse 27.
fl 1 # Abomicntrn.
gl)ijfiflei<-glininl[iiie !L»-;>K"L^ZL ^
Anzelgen-PreiSr Die einspaltige Pctitzcilc für locale Anzeigen 15 Pfg., für anSlvärtige Anzeigen 25 Pfg. — Rcclauieu die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg.. für Auswärts 75 Pfg.
Uo. 413.
1 übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Für di« Aufnahme später eiugercichtcr Anzeigen zur
Fernsprecher Wo. 52.
Mittwoch, den 3. September«
Fernsprecher Wo. 52.
1900.
AhtegdfAiiSsabe»
Die Kohlennotb und Weiteres.
L. Kcrli», 4. September.
Wie die Börsenberichte in den Abendblättern ergeben, hat man sich heute in der Burgstraße bennrnhigt gesuhlt durch die Forderung mehrerer Blätter, daß ein Kohlenausfuhrverbot erlassen werden möge. In der Thal giebt ek, so sonderbar das dem Kenner erscheinen muß, naiv-ängstliche Gemüther, die an die Möglichkeit eines derartig radikalen Entschlusses glauben. Diese furchtsame Gesellschaft kann sich aber beruhigen. Nichts ist wohl weniger zu besorgen, als daß die Negierung, die ja noch in dieser Woche zur Be- rathung über Maßregeln gegen die Kohlennoth zusammcn- tretenwird, diese weitgehende Forderung berücksichtigen möchte. Anscheinend soll nicht einmal die Aufhebung der billigen Ausfuhrtarife für Kohlen zu erwarten sein, angeblich weil bindende Verträge dem entgegenstehcn. Dies kann natürlich nur heißen, daß zarte Schonung geübt werden soll gegenüber den Grubenverwaltungcn, die ans Grund der billigen Ausnahmetarife Lieferungen für daS Ausland übernommen haben. Man darf aber wohl fragen, was cs diesen Unternehmern sonderlich schaden würde, wenn sie bei den Lieferungen soviel weniger verdienten, wie der Unterschied zwischen den jetzigen billigen und den verlangten höheren Tarifen beträgt. Muß denn durchaus das ganze deutsche Volk tributpflichtig bleiben, bloß weil cs den Grubenbesitzern gefällt, die Gunst der Umstände ohne Maß und Ziel auszunutzen? Auf die Beschlüsse des Staatsministcriums darf man begierig sein. Freilich- wäre es ein Unrecht, zuviel zu verlangen. Die Negierung kann nicht in die freie Preisbildung cingrcifen, sie hat auch nur sehr beschränkte Mittel zur Milderung des Nothstandes zur Verfügung; sie kann beispielsweise nicht derart unterbietend mit ihrer eigenen Kohlenproduktion auflrcten, daß die Staatssinanzen darunter erheblicheren Schaden leiden. Auf der anderen Seite tväre eS die schwächlichste Passivität, hier ruhig zuzusehen, wie die Schwierigkeiten von Tag zu Tag wachsen und der Bevölkerung geradezu unerträgliche Opfer auferlegen. Kann die Erleichterung ausländischer Kohleneinfuhr durch Tarifherabsetzungen etwas nützen (viel würde cs, wie man wiederholen muß, nicht sein), so muß diese Tarifänderung unverzüglich eintrcten, und jeder Tag der Sänmniß wäre beinahe unentschuldbar. Wir erwarten zum Mindesten diese eine Leistung von der Staatsregierung. Im Uebrigen macht es sich sehr hübsch, daß dieselben Konservativen, 'die den Anspruch der ärmeren Klassen auf billigere Lebensmittel für ein Verbrechen au der Majestät des agrarischen Gedankens erklären, die Staatsgewalt leidenschaftlich an- ruscn, sie möge der Preissteigerung für Kohle, aber auch sonst dem allmählichen Anziehen der Preise für Bedarfsartikel aller Art cntgegenwirken. Wenn die „Kreuzztg." auseinandersetzt, daß die Erhöhung der Beamtengchültcr
vielleicht ganz, jedenfalls zu einem großen Theile von diesen Preissteigerungen wieder verschlungen werden, so ist die Gegenfrage geboten, ob denn die Kalamität nicht ebenso in Bezug auf die Lebcnsmiltclpreise empfunden wird oder doch empfunden werden kann und mit demselben Rechte nach Abhülfe verlangt. Das Fleisch ist thcurer geworden, der Margarine hat man den Krieg erklärt, amerikanische Fleisch- Produkte sollen womöglich garnicht mehr ins Land herein. Dies Alles gefällt den Konservativen vortrefflich, und wenn die Entwickelung auf anderen Gebieten des Massenverbrauchs ähnlich verläuft, so schreien sie. Besonders heiter nimmt cs sich aus, daßman sich jetzt, wo dieKohlennoth steigt, im konscrvativcnLager plötzlich auf die Bedürfnisse und Rechte des Konsumenten besinnt. Di- verdrehte konservativ-agrarisch-zünftlerische Afterpolitik ist znm Unsegen Deutschlands seit Jahren darauf ans, nur dem Produzenten zu dienen, das heißt, wohlgemerkt, dem großen Produzenten nur in der Landwirthschaft, in Handel und Handwerk aber niemals dem. großen, sondern immer nur dem kleinen Produzenten, lind dies nennt sich Mittelstandspolitik. Alle Maßregeln von Gesetzgebung und Verwaltung in diesem Bereiche, alle Einschnürungen von Handel und Verkehr durch die Revision der Gewerbeordnung, durch Sondergcsctze gegen den unlauteren Wettbewerb, gegen die Waarenhäuser :c. haben stets zur Voraussetzung gehabt, daß die Befürworter und Macher dieser theils ivirkungsloscn und thcils schädlichen Sachen völlig gleichgültig gegen den Konsumenten blieben. Mochte der Verbraucher auch noch so sehr darunter leiden, daß er eine Waare, die er bei der Entwickelung der modernen Produktions- formcn billiger haben könnte, einer thörichten Mittelstands- Politik zu Liebe thcurer zu bezahlen hatte und hat, dies kümmert die konservative Weisheit nichts, und der Deutsche als Verbraucher kommt für sie nicht in Betracht, obwohl cs doch unendlich mehr Verbraucher als mißmnlhige Zünftler giebt. Wie gesagt, cs ist angenehm und nicht ohne Humor, daß diese erstarrten Ansichten jetzt, wo die Kohlennoth den konservativsten Konservativen ebenso wie den radikalsten Radikalen auf die Nägel brennt, in ein beträchtliches Wanken gcrathcn. Man wird sich das für die Zukunft mit Nutzen merken können.
Deutsches Reich.
* Kof- ,md zirrsonat - Kachr-ichlr». In militärischen Kregen wird das Gerücht verbreitet, daß der Chef des Militär- Kabinetts, v. Hahnkc, seine Stellmist verändern werde. — Der Staatssekretär des Neichsschatzamtes, Freiherr v. Thielman» ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat die Amtsgeschäfte wieder übernommen.
* Krrlin, 4. September. Es steht nunmehr fest, daß auch französische Offiziere an de» großen Kaiser-Manövern theil- nchmen werden. In den nächsten Togen werden aus Frankreich Brigade-General Michol, ein Oberstleutnant und ein Major in Stettin cintieffen.
Nach der „Bert. Ztg." ist die seiner Zeit über den Redakteur
Siegmar' Mehrings vom Berliner Witzblatt „Ulk" wegen ver- r Gotteslästerung unb „Beschimpfung" der Jesuiten ver-
ineintlichcr tvimm «uu uci omuicu ver
hängte sechsmonatige Gefängnißstrafe im Gnadenwege in dreimonatige Festungshast unigewandelt worden.
_..Der Verleger des „Kleinen Journals" thcilt der Täglichen Rundschau" mit, cs sei nicht ivahr, daß das „Kleine Journal am l. Oktober cingehcn iverde. Schade!
„ * * Mrlch» Zrilttnyri, der Kaiser liest, erzählen mehrere Blatter. Es ind angeblich: Die „KölnischeZeitnng". die „National- Zeltung , die Berliner „Neuesten Nachrichten", das „Kleine Jonrnal". der Berliner Lokal-Anzeiger", der „Reichs-Anzeiger" und der Pariser „Figaro . Außerdem liest der Kaiser mehrere deutsche iind engliRie Witzblätter und illnstrirte Zeitschriften, z. B. „UeberLand und Mccr^. „Fliegende Blätter" re. Dazu bemerkt die „Germania": „Bedauerlich ftndcn wir zunächst, daß sich unter der Lektüre des Kaisers kein katholisches Organ befindet, sondern fast nur Kultnr- kampfblattcr, und weiter kein Organ, das einer energischen Fortführung der «ocialreform das Wort redet."
* Einen, Rnndcrlaß des Ministers des Innern über die Verwendung von «trofgefongenen zil landwirthschaftlichcn Arbeiten entnimmt die „Köln.. Ztg.", daß die Größe der Abthcilnngcn in der Regel nicht auf weniger als 12 und nicht mehr als 30 Gefangene bemessen wird. Be, der Auswahl der Gefangenen können Gefängniß- gefangcne nach Verbüßung von drei Monaten, Zuchthansgefangene nach Verbußung von, sechs Monaten stirer Strafe berücksichtigt werden, ivferii in beiden Fällen der Strafrcst nicht mehr a!s zwei Jahre betragt. Die Löhne sind für sämmtliche Gefangene der Abthcilimg und für jeden Werktag voll zu zahle», ohne Rücksicht darauf, ob drc Arbeit wegen der Wittcriingsverhältnisse hat ausgesctzt werden müssen. Die tägliche Arbeitszeit beträgt in der Regel zwölf Stunden. Mit den Arbeitgeber» ist stets ein schriftliches Abkoninicii zu treffen, in dem nicht nur die Höhe der Löhne und der sonstigen von ihm zu übernehmenden Leistungen, sondern "uw d;e ihm gegenüber der Gefangcnenabtheilnng znstehenden Befugnisse scstgestcllt werden. Zur Bcoiifsichtigung weiblicher Gefangenen dürfen nur weibliche Personen verwendet iverde».
* Uct-er die Eiiifiiffrnng eines neue» Infanteeke- srmr!,r-rs rm deutschen Heer sind neuerdings unzutreffende Mitthcilungen verbreitet worden. Unrichtig ist insbesondere die Annahme, daß die Herstellung der neuen Waffe mit großer Eile betrieben werde Hierzu liegt, wieder „Schics.Ztg." ans Spandau geschrieben wird, keinerlei Veranlassung vor. Das neue Gewehr Modell 1898 ist eine vcrbAscrtc Anfluge des alten Modell 1888 Dieses ist in der Zeit von Anfang 1889 bis Anfang 1892 in den Ltaatswerkstatten zu Spandau, Danzig, Erfurtund Alnbcrg (Bayern), sowie auch bei Ludwig Locwe u. Co., bei Mauser in Oberndorf und in der Waffenfabrik zu Steher hergcstcllt worden. Es ist jetzt also zehn Jahre im Gebrauch. Die Gewehre der Neuzeit sind infolge ihrer verwickelten Bauart an und für sich schon nicht so widerstandsfähig als die früheren, einfacher und stärker gebauten Schußivasfen imt gröberem Kaliber; hierzu kommt, daß sic durch vermehrte Schießübungen viel stärker als früher in Anspruch genommen werden. Wenn das Modell 1871 (Mauser) 15 Jahre ausgehalten hat, so wurde >etzt auf eine so lange Dauerhaftigkeit iiicht mehr'gerechnet. Hätten wir jetzt nicht das neue (verbesserte) 1898, so müßte, um den erforderlichen Ersatz für das alte Gewehr hcrbeizuschnffen, dieses, also M. 1888, von Neue!» angefertigt werden. Es liegt nnn keine zwingende Veranlassung vor. die Erneuerung der Jnfanteriebewaffnnng irgendwie zu forme,,. Die Staatsfabriken arbeiten, wie sie die Fabrikation des neuen Gewehres vor Jahresrist begannen, in normalem Betriebe, nach Maßgabe der zur Ver- ügung gestellten ctatsmäßigen Mittel weiter. Es ist auch nicht iekannl, daß, wie früher, diesmal die Privatindnstrie, insbesondere die ausländische (Steher) in größeren. Umfange damit beschäftigt werden solle. Allein in Oberndorf (Mauser) wird noch an dem neuen Gewehr gearbeitet.
* Kntl/olillrnlng. In Bonn fand gestern Vormittag in der Fcsthatte die Gencral-Versannnlung des Volksvereins für das
katholische Deutschland statt. Der Volksvcrcin zählte im vcrflosseiien >sahre 186,818 Mitglieder. Er verfolgt »eben der Abwehr der Bestrebungen der Socialdemokratie die Förderung der socialen Reformen, sowie die Hebung der gesellschaftlichen und wirthschaft-
(Nachdruck verboten.)
Der Dogelmarkt in Paris.
(Von unserem Korrcspoiidcnte n.)
Trotzdem die französische Metropole wohl die erste Stadt war, welche Markthallen errichtete — und zwar hauptsächlich, um die freien Plätze von diesem hinderlichen Verkehr zu entlasten —, und sich in jedem Viertel jetzt mehrere dieser Gebäude befinden, wo Händler und Käufer einander mit Bequemlichkeit begegnen können, will man hier doch von der Gewohnheit, seine Maaren unter freiem Himmel feilzubicten, nicht lassen. Fast jeder Fremde macht mit Erstaunen die Bemerkung, daß die Pariser Stadtverwaltung, die allerdings gar viel zu wünschen übrig läßt, soweit die praktische Leitung in Frage kommt, der Schönheit der Capitale aber die größte Aufmerksamkeit zuwendet, cs ruhig gestattet, wenn ein Kaufmann seinen Laden halb ans die Straße verlegt, das Trottoir dadurch verengert und die elegantesten Boulevards und Aveuuen damit verunstaltet. Deui Pariser und besonders der Pariserin ist dies aber sehr willkommen, sie kann hier ungestört betrachten, um dann auszuwählen, oder auch, ohne zu kaufen, vorüberzugchcn. Daß aber derartige Auslagen — selbst große Magazine, wie Louvre, Bon Marcho :c., verschmähen diese Art der Reklame nicht — der Stadt nicht gerade zur Zierde gereichen, ist keine Frage. Weniger_ dagegen wird man gegen Märkte eiu- wenden können, die ebenfalls aus offener Straße stattfinden, aber für manche Unbequemlichkeit durch die Art der feilgehaltenen Maaren entschädigen. Daß z. B. unter dem Schatten der prächtigen „Madeleinc" Buden errichtet sind, wo Blumen zum Verkauf kommen, dürfte manchen unserer jetzt so zahlreichen Besucher als der Würde der Stätte nicht angemessen dünken, aber der Pariser möchte dieses grünende, blühende, duftende Eckchen nicht vermissen. Noch viele Plätze weist Paris auf, wo ein regulärer Markt in den reizenden Kindern Floras siattfindet, wie man ja hier überhaupt ganze
Wagenladungen voll davon ans allen Wegen und Stegen sieht. — Fast ebenso anmuthig wie die Blumcnmärkte, für Manche vielleicht noch anziehender, weil belebter und unterhaltender, ist der Vogclmarkt, der nur einmal wöchentlich, und zwar am Sonntag Vormittag, abgehaltcn wird. LlÄrebo anxFleurs nennt sich der Platz, ans welchem er siattfindet, aber nur am Mittwoch und Samstag prangen und duften die Blumen dort, am Sonntag lassen Vögel aller Arten ihre Lieder, ihr Gezwitscher, manchmal allerdings auch ihr nicht sehr harmonisches Gekreisch ertönen.
Während der schönen Jahreszeit treffen die Vogclhändler schon frühzeitig auf dem Platze ein, und bald folgt ihnen auch die Kundschaft, die stets eine sehr.zahlreiche-ist, denn die Liebe zu Thicreu ist hier wohl eine noch ausgcbildetcre als wo anders, wenn sie sich auch oft in weniger praktischer Weise äußert als in England. In langen Käfigen befinden sich die gefiederten Bewohner der Lust, von denen allerdings wohl nur die wenigsten je im Freien sich auf ihren Flügeln gewiegt, die Bauer werden auf niedrigen Gestellen aufgestellt und mit Wachstuch oder Leinwand bedeckt, doch stets derart, daß der Kauflustige die Thiere erblicken kann.
Kaum 100 Personen widmen sich in Paris dem Vogelhandel, der aber trotzdem ein sehr bedeutender und im Allgemeinen recht einträglicher ist, denn wenn das Ausbringen der Thierchen auch Mühe macht und Sorgfalt erfordert, so verursacht es Poch nur geringe Ausgaben. Einen gefiederten Stubengefährten zu besitzen, ist aber der Traum gar vieler Pariserinnen und heute noch ebenso wahr wie früher, daß die kleine Nähterin oder Putzmacherin ihr Fenster mit Blumen schmückt und darüber einen Käfig hängt, in welchem ein Vögelchen sich schaukelt. Nur darin ist vielleicht eineAende- ruug wahrzunehmen, daß „Mimi" statt des fast klassisch gewordenen Kanarienvogels häufig einen exotischen mit buntem Gefieder wählt und so den inneren Werth der schimmernden Außenseite zum Opfer bringt.
Theure Vögel sind auf dem Markte selten zu haben
und würden wohl auch nicht leicht Absatz finden, aber trotzdem sieht man solche m farbigsten Kleidern, vom zartesten Blau, leuchtendsten Gelb, prächtigsten Grün, und es herrscht ein Leben, eine Bewegung auf diesem Markte, der ihm stets etwas Heiteres, Sonniges giebt, selbst wenn der .Himmel grau und trübe blickt. Längs des Quais sind Vogelbauer jeden Genres, sowie alle sonstigen, für das Wohlbehagen eines Vogels nöthigcn Utensilien, wie Badewannen, Ringe, um darin sich zu wiegen, Nester ans Draht oder Borke, mit Watte auSgepolstert, zum Verkauf gestellt und ebenso natürlich Futter jeder Art zu haben.
Am eigcnthümlichsten aber ist der Handel, der in einer Ecke des Platzes sich etablirt hat, denn dort sind eS nicht Vogelzüchter, sondern Privatleute, welche die Fcilbietenden bilden. Die Pariserin liebt den Wechsel nicht nur in der Toilette, nein, auch in vielen anderen Dingen, und so wird sic öfter des gefiederten „Lieblings" überdrüssig und sucht ihn hier gegen einen neuen zu vertauschen. Manchmal findet man da auch andere Thiere als Vögel, z. B. Katzen, Hähne und Hennen, Kaninchen, Tauben, Mäuse und Ratten, Schildkröten, Schlangen und selbst Eule». Viele Kunden sind für diese Thiere nicht vorhanden, aber öfter kommen sie doch zum Absatz, und besonders Katzen, die fast in keiner Pariser Familie fehlen dürfen, sind gesucht. Auch für Schildkröten, Mäuse, Natten, und natürlich Tauben und Kaninchen schlummern in der Brust gar. mancher Knaben zärtliche Gefühle, der naturwissenschaftlich Angehauchte dürfte sich eine Schlange erstehen, wer aber könnte wohl aus besonderer Liebhaberei eine Eule zum Mitbewohner erküren? Trotzdem muß es wohl auch solche Käuze geben.
Die Eule bildet in dem heiteren Gemälde die Schattenseite, welche ja nun einmal nirgends fehlt, sonst aber ist das Bild ein fröhliches und anmuthiges, und men seine Schritte auf der Wanderung durch Paris dort vorüberführen, wird niit Vergnügen ein halbes Stündchen auf dem Vogelmarkt verweilen. W. Waldau.
