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««. Jahrgang.

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N«. 410.

Fernsprecher N». 52.

Dienstags den 4. September.

Fernsprecher No. 52.

1900.

BBorgen-flaasgfiabe.

Dir Urrliingermrg der Weltausstellung.

Unser Pariser rv-Korrespondent schreibt uns: Die Preisgerichte der Weltausstellung haben ihre Arbeit vollendet; mit offiziellem Pomp sind die internationalen Wettkampf- Sieger in den Besitz ihrer Denkmünzen und Diplome ge­langt; die belheiligten Regierungen haben Kommissare und Abtheilungsvorstände rc. gegenseitig reichlich mit Orden be­dacht, und somit könnte eigentlich mit dem nächsten Monat der „Völkerjahrmarkt" geschlossen werden. Auch die schönsten Feste müssen ja bekanntlich ein Ende nehmen. Allein da kommen die zahlreichen Unternehmer von Vergnügung?-und Schau-Etablissements, deren Gründung rin Kapital von mehr als 80 Millionen Francs verschlungen hat, und weisen auf den amtlichen Bericht des General- dire'ktorsPicardhin,welcherderparlamentarischen Genehmigung des Weltausstcllungsplans vor fünf Jahren zu Grunde lag. In diesem Bericht wurde die zu erwartende Zahl der Ausstellungsbesucher auf 60 Millionen veranschlagt. Auf diese Ziffer, erklären die Unternehmer, haben wir unsere Berechnungen begründet. Bis Anfang November werden aber erst etwa 30 Millionen die Schalter der Aus­stellung passirt haben. Unsere Einrichlungskosten werden also nur zur Hälfte gedeckt sein. Wir und unsere Aktionäre sind ruinirt, ruinirt durch die Schuld des Staats, der Republik, in deren Rechenkunst wir Vertrauen gesetzt haben. Wir verlangen eine Entschädigung, und die soll darin bestehen, daß die Ausstellung noch einige Monate über die festgesetzte Zeit hinaus geöffnet bleibt. Natürlich schließt sich ganz Paris ohne Unterschied der Parteien diesem Ver­langen an. Der Vortheil des gewaltigen Frcmdenzustroms, der seit dem Mai hierher stattfindet, springt Jedcrniann allzu sehr in die Augen, als daß die Pariser nicht lebhaft wünschten, die nationale und internationale Gastfreundschaft auch auf den Winter auszudehneu. Die Regierung hat bis jetzt weder ja noch nein gesagt; sie hat den Antrag ent- gegcugenommen und wird darüber berathen. Vom politischen Gesichtspunkte aus dürfte ihr derselbe sehr plausibel er­scheinen. Der „Ausstellungs-Waffenstillstand", wenn er auch von den Parteien in der Presse wenig respektirt worden ist, hat doch dem Ministerium Waldeck-Rousscau im Parla­ment über manche schwere Stunde hinwcggcholfen; warum sollte dieses Rettungsmittel nicht auch noch im Herbste und Winter einige Dienste leisten? Freilich ein großer Theil der Baulichkeiten und Einrichtungen im Ausstellungs­gelände ist nicht so solid, den Unbilden der rauhen Witternng zu widerstehen; z. B. die Kolonial-Ansstellungen rings um den Trocadero-Palast herum könnten schwerlich einen Frost oder Landregen ertragen. Aber andere Theile sind für die Dauer gebaut, wie z. B. der genannte Palast, die beiden Knnstpaläste und manche Pavillons im Marsfelde, der

Jnvaliden-Esplanade und der „Völkerstraße", wenn sie aller­dings auch nicht mit Hcizungsapparaten versehen sind. Wohl mancher Staat würde vielleicht auch bereit sein, einen Theil seiner Ansstellungswerke noch eine Zeit lang hier zu belassen, und viel Privatausstcller fänden es wohl gleichfalls in ihrem Vortheil. Vielleicht kommt dann endlick einmal der Unfug der Weihnachtsbuden in Wegfall, welche alljährlich im Dezember die Linie der großen Boulevards unwegsam machen, indem man den Händlern, die dort zu frieren pflegen, einige der Hallen des Blarsfeldcs einräumte? Vom Standpunkte der Weltpolitik aus wäre die Verlänge­rung der Ausstellung wegen der durch sie allerseits er­zeugten versöhnlichen Stimmung gewiß ebenfalls wünschcns- werth, weil sie — Paris und Frankreich beschäftigt.

Aus Stadl und Land.

Wiesbaden, 4. September.

— Geschichtüstirlrndrr. 4. September. 1870: Bildung der provisorischen Regicrunq der Nationalverthcidigung zu Paris unter Trochu. 1842: Einweihung des Kölner Dombaues. 1698: Nieder- inetzeluug der Strelitzeu zu Moskau. 1685: * Johann Adolf II., der letzte Herzog von Sachsen-Weibeufcls-Ouerfurt.

o. Verfonal-Uartiricht«». Herrn Rechtsanwalt und Notar Di\ Romeiß hier ist der Charakter als Justizrath verliehen worden.

— Walhalla Thealer. Nachdem die „zehnte Muse" seit 2 Monaten gefeiert hatte, hat sie nunmehr wieder ihren Einzug in die ihr geweihten Räume der „Walhalla" gehalten. Für die Er­öffnung hat die Direktion ein Programm ausgestellt, das wohl auch dem verwöhntesten Geschmack Rechnung tragen dürfte. Im Mittel­punkt des Interesses stehen zweifellos die geradezu sensationellen Leistungen des Athleten Mlrano; was dieser „Herkules des 20. Jahrhunderts" au Krastkunststücke» leistet, grenzt schier au das lluglaublichc, dabei sind seine Produktionen stets elegant und zum Theil humoristisch. Nicht minder sensationell ist das Auftreten des Professors Thereses mit seinem Partner. Nach einigen einleitenden komischen Zauberkunststückchcn produzirt sich Professor Thereses mit einem Herrn aus dem Publikum als Hypnotiseur und führt mit seinen, „Medium" einen großartigen akrobatischen Akt aus, bei den, der Hypnotisirte den „Untermann" bildet. Diese Nummer fand stürmischen Beifall. Ein eleganter

f umorist, unbedingt einer der besten seines Faches, ist heodor Markow, der wohl bald der Liebling des Publiknms werden dürfte, jeder seiner Vorträge wirkte zündend. The Newsomes — ein Knabe und ein Mädchen — bringen ein akrobatisches Potpourri; es ist wirklich erstaunlich, wie weit es diese jugendlichen Artisten bereits gebracht haben. Auch alle übrigen Nummern des Programms sind erstklassig, wie Leonce et fils am Perche-Trapez, die hübsche und talentirte SoubretteMizzi Rositta, die 4 Martens mit ihrem Balance- Akt, der Zauberkünstler und Illusionist Rooberts, der auf der Bühne zwei Damen verwechselt und zum Schluß das reizende Petram'sche Fantoches-Theater, das thatsächlich eine Sehens­würdigkeit für sich ist. Man sicht also, ein ebenso abwechslungs­reiches wie amüsantes Programm, das a»ch in allen Thcilen streng dcceut bleibt. Der Besuch des Walhalla-Theaters ist unter diesen Umstände» aufs Wärmste zu empfehlen. Es sei noch bemerkt, daß die Eintrittspreise für Prosceniumslogen wieder auf 3 Mk. und die der Fremdcnlogcn auf 2 Mk. 50 Pf. ermäßigt sind.

— Rsteinganer Gffst. Es wird uns geschrieben: Die malerischen Landstriche des Rheingaues sind in jeder Beziehung von der Natur reichlich bedacht und in reichem Maße bevorzugt, sodaß mau gar nicht müde wird, den Rhein mit seinen gesegneten

Fluren in Liedern und Gedichten zu verherrlichen. Nicht genug, daß er es vermag, mit seinem herrlichen Panorama, mit seiner Fülle an Romantik alljährlich Tausende zur Bewunderung ein­zuladen, so ist der Rheingau im Stande, auf Grund seiner bevor­zugten klimatischen Lage,' wie auch der überaus günstigen Boden­verhältnisse, Produkte zu zeitigen, die uns im deutschen Vater­land- wohl nirgends in gleichem Maße entgegen treten. Hier wird man natürlich zunächst an den Rheinwein denken. Doch nicht allein der Wein gedeiht hier in solch hervorragender Weise, sondern auch der Obstbau hat hier Erfolge zu verzeichnen, wie kaum in einer audercn Gegend. Wohl selten trifft inan voll­kommeneres und schöneres Obst an, Obst, welches im wahren Sinne des Wortes die Bezeichnung „Tafelobst" verdient, wie im Rhein- qau. Die Größe, Farbe, wie auch der volle Wohlgeschmack und das Aroma finde» wir hier in den Früchten vereint, sodaß die steigende Nachfrage nach rheinischem Obst keineswegs zu verwundern ist/ Wie wir hören, plant in diesem Jahre der „Nhcingauer Verein für Obst-, Wein- und Gartenbau" in den Tageii vo» 5. bis 7. Oktober eine größere Obstausstcltung in Eltville (Hotel Rcisenbach). Wir wünschen dem Unternehmen das Beste; es wäre jedoch angebracht, daß hier einmal Mittel und Wege ergriffen würden, den Besuchern in bequemer Weise die Möglichkeit zu bieten, Verbindungen anzuknüpfen, um von dem herrlichen Obst, welches ja in diesem Jahre so überaus vollkommen zu werden ver­spricht, beziehen zu können.

— Ladenschluß. Aus Schwerin in Mecklenburg geht uns folgende Notiz zu: Die auf einer Versammlung der Besitzer von Materialmaarengeschäften am 1. Juli d. I. gewählten Herren zur Bcrathuug Uber den Schluß der Verkaufsstellen haben folgenden Beschluß gefaßt: Die Verkaufsstellen der hiesigen Materialwaarcn- qeschäfte sind in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. März von Morgens 8 Uhr bis Abends 9 Uhr, vom 1. April bis 30. Sep­tember von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr gcöfftrct. Eine Stunde länger geöffnet sind die Verkaufsstellen an den Samstag-Abenden in der Zeit vom 1. April bis 30. September, an den drei Marktabenden, an den drri Abenden vor Ostern, den drei Abenden vor Pfingsten und fünf Abenden vor Weihnachten. Somit wären die Verknufsstellcn das ganze Jahr hindurch an den Samstag-Abenden bis 9 Uhr Abends geöffnet. Dieser Beschluß wird sännutlichcn Besitzern von Matcrialwaaren- geschäften durch einen der gewählten Herren zur Unterschrift vor- qelcgt und alsdann dem Magistrat überreicht werden, mit dem Er­suchen, diesen Beschluß zum Gesetz zu erheben und bekannt zu machen. Es ist wohl anzunchmen, daß die Zeit des Ladenschlusses nicht jedem Geschäftsinhaber recht sein wird, einer möchte gerne früher am Morgen öffnen, ein anderer Abends später schließen, wie solches auch von den Herren der Kommission verschiedentlich befürwortet wurde, aber die im Gesetz vorgesehene ununterbrochene Ruhezeit von 11 Stunden für dieGchülfcn und Lehrlinge bewog dieKommlssion, obigen Beschluß als Mittelweg anzuuehme», damit nicht die größeren Geschäfte, die mehrere junge Leute beschäftigen, dadurch gegen kleinere einen Vorzug haben sollten, daß sie ihre Leute mit Schichtwechsel im Geschäft thätig sein lassen (den Einen etwa von 6 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends, den Anderen von 7 bis 8 und den Dritten von 8 bis 9), wogegen in kleinen Geschäften der Prinzipal dann nur selbst thätig sein darf, während die Leute spazieren gehen oder schlafen köuuen. Wenn dieser Beschluß erst eine Zeit eiwzcführt ist, werden sich die Käufer ebenso gut an die Zeit des Ladenschlusses gewähnt haben, da ja alle Geschäfte geschlossen sind, wie an die Ruhezeit an Sonn- und Festtagen." Der Verein Mainzer Kaufleute hatte dieser Tage eine Anzahl von Vertretern der verschiedenen Branchen versammelt, um die kürzlich beschlossene Rundfrage bei den hiesigen Ladenbesitzcrn wegen des Achtnhr-Ladenschlusscs vorznbcreitcn. Es wurde konstatirt, daß der weitaus größte Theil der dortigen Ladcninhaber entschieden für de» Achtuhr-Ladenschlnß eintritt und lediglich bei einem Theil der Cigarren- und Kolonialwaarenhändlcr die Neigung besteht, für diest beiden Branchen eine Ausnahme zu schaffen. Es wurde somit be-

(Nachdruck verboten.)

Thiirklopfer.

(Von unserem Korrespondenten.)

London, Ende August.

Daß London keine schöne Stadt sei, steht wohl bei Allen mit Ausnahme der Eingeborenen fest, denen der Lokal­patriotismus dieselbe in prächtigen Farben erscheinen läßt, doch sind cs eben gerade die Farben oder vielmehr der Mangel derselben in der Luft und an den Gebäuden, durch welchen die Metropole ihr düsteres, nngemüthliches Gepräge erhält. Allerdings kommt auch noch hinzu, daß der Eng­länder zwar behauptet, sein Haus sei seine Burg, aber nichts dafür thut, um ihm ein großartiges Aussehen zu verleihen. Obgleich man den Briten durchaus nicht zum Vorwurf machen kann, es fehle ihnen an Gemeinsiun, sehen sie es dock nicht für ' ihre Pflicht an, etwas zur Verschönerung der Stadt bcizutragcn, indem sie ihr Haus äußerlich schmücken, nur daß cs ihnen be­quem und behaglich sei ist die Aufgabe, die dem Architekten ge­stellt wird und die er auch gewöhnlich recht gut erfüllt. Was Paris sein vornehmes Gepräge verleiht, sind die prächtigen, monumentalen Bauten, das schöne Material, ans welchem diese hergestellt werden, Wien besitzt Straßen, in denen ein Palast sich an den anderen reiht, Berlin setzt seinen Stolz darein, sich mit originellen, oft freilich etwas zu bunten Häusern zu schmücken, die aber, wenn sie auch im Einzelnen manchmal gegen den guten Geschmack sündigen, doch die Stadt belebt und abwechslungsreich gestalten. In London nichts von alledem, ein Haus reiht sich an das andere, seinem Nachbar so ähnlich, daß man glauben könnte, an jeder Seite der Straße ziehe sich nur ein langes, niedriges, kasernenartlges Gebäude hin.

Es gab jedoch eine Zeit, wo der Brite wenigstens auf einen Gegenstand etwas gab, der zur Außenseite seines Hauses gehört, und das war der Thürklopfer. Einen möglichst schönen und originellen „Knocker" zu besitzen, war einst der Ehrgeiz jedes Hauseigenthümers, zwischen den

Bewohnern derselben Straße herrschte eine Arr Rivalität in Bezug darauf, und Derjenige, dessen Thür der prächtigste und besonders eigenthümlichste Klopfer zierte, genoß dadurch ein gewisses Ansehen. Heutzutage ist dies aber nicht mehr der Fall. Knockcrs giebt es zwar nach wie vor, aber man künimert sich nicht mehr um die Form derselben, ja viele sind nicht mehr, wie einst, aus glänzenden; Messing, sondern schwarz angestrichen, damit daS Sauberhallen weniger Mühe mache. Dies beweist schon, wie wenig Beachtung dem Thür­klopfer noch geschenkt wird und daß er jetzt nur als ein nützlicher Gegenstand und nicht mehr als ein Schmuck des Hauses gilt.

Infolge dieses Umschwunges hat sich die Zahl_ der Artikel, die entgegen der gesunden Vernilnft für einen Theil des Menschengeschlechts eine so große Anziehungskraft besitzen, daß sie nie genügend davon haben können, in Eng­land um einen verringerl. Die Großväter der heutigen Briten nahmen, wenn sie zuerst in eine öffentliche Schule gesandt wurden, eine möglichst große Menge von Thür­klopfern mit, und wer gar keinen oder nur wenige aufzuweisen hatte, war als eine „Milchsnppe" verachtet. Die Zahl allein aber that es nicht, Knockers waren Trophäen, und wie bei all solchen genoß der die höchsten Ehren, der sie mit größter Gefahr errungen. Wenn noch ein Stück der Thür­füllung daran hing, so war dies ein besonderes Glück, denn dadurch konnte man doch klar beweisen, daß der Klopfer nicht gekauft, sondern erobert worden. Ein kleiner, dünner Knocker erbrachte wenig Ansehen, da man daraus schloß, daß nur Mädchen in dem betreffenden Hause dienten, und diesen Trotz zu bieten, dazu gehörte wenig Muth, aber ein vicrpfündiger setzte schon niännliche Dienstboten voraus und ein fünfpfündiger einen eigenen Thürhüter, der sich beständig im Hausflur aufhält und daher eine drohende Gefahr be­deutete. Sehr schön und künstlerisch ausgesührte Knockers wurden gleich Schätzen behütet, der Kenner seufzte nach ihnen, wie jetzt ein Bibliophile nach der seltenen Ausgabe eines Buches, das zu erwerben die Umstände ihm nicht gestatten. ,

Die Vorliebe für das Sammeln von Klopfern fand auf eine sehr prosaische Weise ein Ende. Einem mehr praktisch als heroisch angelcglcn Polizisten ging plötzlich die originelle Idee auf, daß das Abreißeu und sich Aneignen von Klopfern nicht mehr und nicht weniger als Diebstahl sei und er arretirte daher die Helden, welche auf solche Er­oberungen ausgingen. . Die Richter schlossen sich seiner An­sicht an, die Sacke wurde lächerlich und unangenehm und so dieses Ranbrilterthum zu Grabe getragen.

Ist aber der Knocker kein Beweis mehr für die sociale Stellung des ursprünglichen oder des Heldenthums für den sich ihn aneignendcn Besitzer, so hat sich seine Zahl doch nicht verringert, und fast jede Hausthür Londons weist einen solchen auf. Das Geräusch, welches man mit demselben hervorbringt, ist zwar nichts weniger als melodisch und ent­schieden unangenehmer als das unserer modernen Klingeln, als eine bequeme Einrichtung muß derselbe aber, wie man sich hier seiner bedient, bezeichnet werden. Je nach der genau vorgcschriebenen Art des Klopfens erkennen nämlich die Bewohner des Hauses, wer es ist, der da Einlaß be­gehrt, d. h. ob ein Gast, der Briefträger oder ein eine Waare abliefernder GcschäftSbote. Letzterer giebt nur einen, der Briefträger einen Doppelfchlag, ein Gast dagegen läßt dem erstmaligen, etwas kräftigen kurz hintereinander mehrere zartere Schläge folgen, und giebt es auch hierin noch Nuancen, ans denen man merkt, ob der Besucher männ­lichen oder weiblichen Geschlechtes sei. In einem Schlag mit dem Knocker liegt eben Charakter, und mit feinem Gehör Begabte lernen in Bezug auf ihre häufigeren Gäste erkennen, wer da kommt, und können ihr Gesicht danach in die nöthigen Falten legen. Die elektrische Klingel gewährt diesen Vortheil nicht, für Gerechte und Ungerechte, Vornehme und Geringe läutet sie mit demselben Ton, und so werden wohl die Briten ihren Knocker beibehalten, bis vielleicht Edison eine Klingel erfindet, die den, welcher zieht, ab- konterfeit, und so noch einen bessern Aufschluß über seine Persönlichkeit ertheilt, als der Klopfer. H. Layd,