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12 Ausgaben.

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Montag, 26. klpril 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 192. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Neue Beschießung Yperns.

Rotterdam» 25. April. (Ktr. Bin.) Aas Hazebrouck wird gemeldet, daß die Deutschen Ipern erneut heftig beschossen. Zahlreiche Personen wurden getötet oder verwundet. Der Sachschaden war sehr groß. Die Beschießung dauerte drei Stunden.

Enttäuschte Hoffnungen in Paris.

Br. Genf. 25. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Tribuns" erfährt aus Parts: Die Berichte der letzten drei bis vier Tage entsprechen hier nicht den Hoff­nungen. Das Publikuni bekommt hier nach den letzten Be­richten den Eindruck, daß der baldige Abzug der Deutschen aus Frankreich noch immer keine Wirk­lichkeit wird, und daß auch die Russen immer noch nicht auf deutschem Gebiet stehen. Alles das führt dazu, die Geister und Gemüter wieder in die Stinlmung zu bringen, die vor den September tagen herrschte und die sich auch in allerhand wilden Gerüchten äußert.

Schwere Sorgen in England.

Me „Daily Mail" nimmt die Meldungen von dem deut­schen Siege am Iscrkan.al zum Anlaß eines Leitartikels, in dem die ganze Befürchtung zum Ausdruck kommt, die das Vorgehen der Deutschen, das den Engländern so un­erwartet kam, in England hervorgerusen hat. Das Watt schreibt: „Wenn es wahr ist, was der Bericht des deut­schen Hauptquartiers meldet, so ist das sehr ernsthaft. Wir haben uns daran zu erinnern, daß wir nicht allein unsere eigene Stellung zu verteidigen haben, wenn wir siegen wollen. Wir müssen auch die Deutschen von einer sehr stark verteidigten Linie zurücktreiben, die tatsächlich ganz Belgien und einen großen Teil des rot chst e n Gebietes des nördlichen Frankreich einschließt. Seit Beginn dieses Jahres ist die deutsche Linie beinahe voll­ständig intakt geblieben. Gegenüber den geringen französischen Gewinnen in den Argonnen bei St, Mihiel und in den Vogesen, die kaum auf der Landkarte nachzuweisen sind, und gegenüber den britischen Fortschritten von ungefähr einer englischen Meile auf der kurzen Front bei Neuve-Chapelle ist dieser deutsche Erfolg bei Ipern getreten und der frühere deutsche Erfolg bei Soissons. Die Deutschen au der west­lichen Front sind noch nicht geschlagen, und es wird eine schwere Aufgabe sein, sie zu schlagen. Die Franzosen haben über 2% Millionen Mann an der Front. Die Eng­länder haben eine beträchtliche Streitmacht dort und die Belgier die überblechscl einer kleinen tapferen Armee, Me Ereignisse zeigen aber, daß sie noch nicht genügen. Deutsch­land hat seine ganze Kraft in diesem Kriege eingesetzt, und wenn Großbritannien nicht ebenso handelt und wir nicht mit aller unserer Kraft kämpfen, können wir nicht mit Vertrauen auf einen Sieg hoffen, und je länger wir zögern, unsere ganze Stärke einzusetzen, und je länger unser Volk mit Streik, Wettrennen und Wetten spielr, anstatt seine ganze Energie auf diesen Krieg zu richten, desto länger wird alles unentschieden bleiben und desto blutiger und furchtbarer die Opfer sein, die wir bringen müssen."

Ioffres und Zrenchs Berichterstattung.

Berlin, 26. April. (Ktr. Bln.) Während die Oberste Heeresleitung neue deutsche Siege bei Ipern meldet, ver­dreht der amtliche französische Bericht vom Samstagabend die Tatsachen, welche den vorausgegangenen heftigen Kämpfen um das Dorf Lizerne zugrunde liegen. Die „Kreuzztg." bemerkt dazu: Die dreiste Ableugnung des deutschen Er­folges durch Joffre wagt French nicht mitzumachen. Er ge­steht in seinem Bericht die enormen Verluste der kanadischen Division zu. Es ist nicht ohne Interesse, festzu- stellen, daß French die Franzosen für die Niederlage verantwortlich zu machen sucht.

Die heuchlerische Entrüstung über die deutschen

Gase.

W. T.-B. Paris, 26. April. (Nichtamtlich) Die Blätter veröffentlichen Berichte von Augenzeugen über die letzten deutschen Mittel, eine Art erstickender Dampf, den die Deutschen von ihren Schützengräben aus gegen die fran­zösischen Linien richteten. Die Franzosen bemerkten, daß hin­ter der Brustwehr der deutsche» Schützengräben etwas Üutzcrgewöhnliches vorgehe. Es waren dort m e h - vcre Öffnungen hergerichtet, und die Deutschen warte­ten einen günstigen W i n d ab, um aus Behältern die unter Druck stehenden Dämpfe herauszuschlerrdern. Die Dämpfe sind als Chlordämpfe festgestellt worden. Die französi­schen Soldaten sahen mit Erstaunen einen dichten, schwarzen Rauch auf sich zukommen, während die Deut­schen, die Augenblicke der Bestürzung ausnützend, von Ürtilleriefeuer unterstützt, ihre Schützengräben verließe». Die vorder st en deutschen Soldaten verdeckten ihr Gesicht mit einer Maske, wodurch es ihnen möglich tvurde, ungefährdet die verpestete Zone zu durch­schreiten. Die ganze französische Presse bespricht die Anwen­dung erstickender Gase durch die deutsche Armee und erklärt, mir die Wirkung dieser Gase habe die Alliierten zum Rück­zug veranlaßt. ES sei ihnen jedoch gelungen, das Verlorene wieder gutzumachen, so daß die Deutschen keine Erfolge zu verzeichnen hätten. Die Anwendung solcher Mittel sei ein

neuer Beweis der barbarischen Kriegführung Deutsch­lands und außerdem widerspreche sie allen Kriegsge­setzen und sei, wie die Havasnote ausführte, durch die Haager Erklärung, welche von den Regierungen in Berlin und Wien ratifiziert worden sei, förmlich untersagt. „Times" schließt sich dem Protest aller Blätter an und erklärt, diese scheußliche Handlungsweise sei mit kühlem Vorbedacht und mit allen Hilfsmitteln der Deutschen ausgeführt wor­den. Einige Militärkritiker, wie der Oberleutnant Rauhe und General Verlhaut, fordern die französische Regierung auf, es nicht ber Protesten bewenden zu lassen, sondern die gleichen Mittel anzuwenden. (Als ob sie nicht längst unS in der Anwendung solcher Mittel vorangegangen wäre! Schrtftl.) ,

mit zahlreichen Geschossen. Van dort wird großer Materialschaden gemeldet. . Mehrere Personen wurden verletzt. Endlich ließ in früher Morgenstunde unter dein Schutze dichten Nebels eine TaubK über Compivgne mehrere Bomben fallen.

Oie französisch«» Tagesberichte.

W. T.-B. Paris, 26. April. (Nichtamtlich) Amtlicher Be­richt von gestern nachmittag: In Belgien dauern unsere Gegenangriffe fori und erfolgten in enger Verbindung mit unseren Verbündeten. Die Deutsch c n, welche mit z w ei Armeeekorps angriffen, versandten den ganzen Tag über fortgesetzt erstickende Gase. Ein^e nicht ge­platzte Geschosse enthielten große Mengen davon. Wir rüch

Der Bericht des „Augenzeugen" über den ttampf am Hügel 60>

Die Verwendung der erstickende» Gase durch die Engländer.

W. T.-B. London, 26. April. (Nichtamtlich.) Im Gegen­satz zu der Erklärung des Generals French, daß die Eng­länder bei dem Kampfe nur den Hügel 60 keine Bomben mit erstickenden Gasen verwendet hätten, meldet der Augenzeuge im britischen Hauptquartier über den letzten Abschnitt der Kämpfe folgendes: Am Mittwochnachmittag

befanden sich nur noch einige deutsche Bombenschleuderer auf dem Hügel, die an dessen Nordostrande stand hielten. Ein Regen leichtexplodierbarer Geschosse, die mit e r st i ck e n - den Gasen gefüllt waren, prasselten aus drei Richtungen auf die Verteidiger weder. Das Feuer der Deutschen machte ganze Sektionen der .britischen Infanterie nieder, so daß die Laufgräben mit Toten ange- füllt waren und es oft Mühe machte, die feindlichen Linien zu erreichen. Die Verstärkungstruppen waren genötigt, über die Leichen der gefallenen Kameraden hinwegzu- klettern. Der Augenzeuge schließt den Bericht: Unsere Verluste waren natürlich schwer, aber die Kämpfe um den Hügel kosteten den Deutschen unendlich viel mehr als uns.

Neue deutsche Fliegerangriffe auf mehrere französische Städte.

Br. Genf, 26. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die Tätigkeit der deutschen Flieger am 24. d. M. berichtet „Petit Parrsien": Eine Daube warf über L u n e v i l l e etwa 15_ Bomben ab. Einige Geschosse, die auf die Straße fielen, verletzten drei Arbeiter. Andere fielen auf Privathäuser, auf ein städtisches Depot und auf eine Spinnerei, wo sechs Arbeiterinnen verwundet wurden. Am gleichen Tage erhielt Nancy den Besuch von fünf deutschen Fliegern, von denen aber nur gegen Abend eine Bonche geworfen wurde, die trotz des lebhaften Verkehrs niemand traf. Zahlreiche Personen wurden durch Glassplitter verletzt. Von Nancy wendeten sich die Flieger nach Pont-ü» Mousson und belegten diesen und die Nachbarorte

len gegen Norden auf dem rechten Ufer des IserkanalZ vor. Die englischen Truppen behaupteten trotz be§ gestern abend gemeldeten heftigen Angriffs alle Stellungen zu unserer Rechten. In den Argonnen nahmen wir einen feindlichen Schützengraben ein und erbeuteten zwei Maschi­nengewehre und machten Gefangene. Mese rein ö r t l i che Kampfeshandlung war äußerst lebhaft. Auf den Maas­höhen griffen die Deutschen mit einer ganzen Divi­sion an und brachten unsere erste Linie zum Zu- rückgehen. Sie wurden aber durch einen Gegenangriff wiederzurückgeworfen. ,

W. T.-B. Paris, 26. April. (Nichtamtlich.) Amtlich« Bericht von gestern abend: Nördlich von Ipern dauern die Artilleriekämpfe unter günstigen Bedingungen für die Alliierten fort. Die deutschen Angriffe an mehreren Stellen der englischen Front in der Nacht, von Norden nach Süden und von Nordosten nach Südwesten dauern an. Sie rückten aus dem rechten Kanalufer durch kräftige Gegenangriffe vor. Von den übrigen Fronten ist nichts zu melden.

Der letzte Mann in Frankreich.

¥/. T.-B. Paris, 25. April. (Nichtamtlich.) Der Heeres- ausschuß der Kammer hat dem „Temps" zufolge einen Gc- setzcrttwurs 2 a l b i c z' angenommen, nach dem alle waffenfähigen Mannschaften, welche bisher zum Front­dienst noch nicht ernberufen oder im Verwaltungsdienst des Staates, eines Departements oder einer Gemeinde angestellt waren, in den Frontdienst eingezogcn werden. Die bis­her in der Verwaltung beschäftigten eingezogenen Mann­schaften sollen durch Kriegsinvalide oder Frauen, Mütter, Töchter und Schwestern gesallencr oder verwundeter Soldaten ersetzt werden.

Jur Aushebung der 18jährigen.

Berlin, 26. April. (Ktr. Bln.) Die Stammrollen der Jahresklasse 1817 wurden in ganz Frankreich aufgelegt. Me Einschreibung findet nur während des 25. April statt. — Die Rundreise der Ausmusterungskommissionen beginnt an» 6. Mai und muß am 14 Juli beendet sein. Die Rekrrv- tierungSlisten der Klasse 1917 werden dann am 24. Juli end, gültig geschlossen.