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Seite 2. 4. September 1M0. Wiesdavcner Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: -kangga^e 27. 48. Jahrgang. No. 4(1.

worden. Die Tntferlidjcn u»d königlichen Sfricfi«f(n(nicn wurden gehißt. Am 28. August fand der Durchzug aller'Truppen, welcher die Einnahme Pekings darstellte, durch de» Palast statt. Das Detachement ist in, Palast de« Militär-Gouverucurs Ctzungli ein- qnartirt, weil derselbe als Rebell auf Veranlassung des Gesandtschafts- Attaches an Japan «usgclicfert wurde. In Peking und Umgegend befindet sich kein chinesische« Militär und keine Boxer mehr.

Li-chuug-Tschaug.

hd. Shanghai, 3. September. (Kabelnieldung derParis Nouvcllcs.) VicckönigLi-Hung-Tschaug hat ausdrücklich verlangt, das; man ihm zwei andere Vicckönigc von den an das Meer an­stoßenden Provinzen als Beiräthe gebe, sowie ferner zwei Mit­glieder des Auswärtigen AuitcS von China.

dd. Krrlin, 4. September. DerLokal-Anzeiger" meldet aus Paris: Die Viceköinge von Nanking und Haukau sollen an den Beratlinugcn thcilnchmen, zu welchen Li-Hnug-Tschang und Prinz Tsching nach Tientsin geladen wurden, wenn die Mehrheit der Mächte sich dahin einigt, Tientsin als Konfcrenzort zn erklären. Hier hat man den Eindruck, als ob diese Konferenz Seitens Ruß­lands dringendst betrieben wird und Seitens Frankreichs Alles geschieht, dies zu ermöglichen. Das französische Kanonenboot Snrprisc", welches den Aanatse hinanffährt. berührt Nanking und Hemtan und könnte die Bicekönige Linkunvi und Chanchtong ans der Rückfahrt mitnehmeu.

hcl. Was hmjzion, 3. September. (Kabelmcldnug derParis Ronvellcs".) Der ehemalige Sekretär des VicckönigS von Petschili erklärte, daß die Regierungen keinerlei Vertrauen in Li-Hnug- Tschang setzen könnten. Letzterer verfolge den Zweck, das Ein­vernehmen der europäischen Mächte zu stören und die Ausländer irre zn führen. Die oberen chinesischen Behörden erklären, das zrößtc Hindernis; für die Regelung der chinesischen Frage bestehe in der Besetzung Pekings durch die europäischen Truppen. Erst nach der Zurückziehung der letzteren lasse sich eine Einigung in dieser Beziehung erzielen.

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lid Kriii», 3. September. DerLokal-Anzeiger" nieldet an? London: Ans Shanghai liegt die Meldung vor, daß der Sohn des Prinzen Tnan, Putsing, welchen die Kaiserin am letzten Januar zum Thronerben proklamirt, zum Kaiser unter russischem Protektorat erklärt werden soll. Weiter wird aus Shanghai gemein, daß eine deutsche Truppeuabtheilnng nach den, Jangtse ab- aeserOet werden wird. Dieselbcwird wahrscheinlich inHankau landen. Nach einer Meldung aus Bremerhaven sind die Fahnen für die ostasiatischcn Regimenter daselbst cingetrosfen und gehen morgen mit dem LloyddanrpserHannover" ab. Eine zweite Feldpost nach China gebt am nächsten Freitag über Brindisi mit einem englischen Dampfer ab und trifft rn Shanghai etwa am 10. Okt. ein.

l,ä. Kondor», 3. September. EinerDaily Expreß"-Meldung ans Shanghai zufolge erhielt Deutschland von Rußland freie Hand in Schantnng und in Tschili.

M. Kerli», 4. September. DemLokal-Anzeiger" wird aus Ho »gko n g über London unterm 8. September berichtet, daß das 5. Hhdvrabad-Regiment, welches ursprünglich »ach Takn bestimmt war. bei Kanlnn landen werde. Es heißt, die britische Negierung habe noch weitere Trnppeii-Trcmsportc znrückbeordert. Diese Maß­nahmen haben die europäische Bevölkerung in Hongkong in lebhafte Unruhe versetzt. Wie demBerliner Tageblatt" ans Bremer­haven tclcgraphirt wird, hat der Kaiser' sein Erscheinen bei der heute stattfindenden Abfahrt der Truppen nach China in letzter Stunde abgesagt. DieBerlinerNeuesten Nachrichten" nielden aus Petersburg: Die vorgestrige Iicgiermigs-Mittheilnng wird in den Leitartikeln sämmtlicher Blätter besprochen, die, wie zu er­warten war, eiiimülhig die Aktion der Regierung gut heißen. Viel­fach wird die Ansicht ausgesprochen, daß die anderen inicressirten Mächte dem Beispiele Rußlands folgen ivcrdcn. Es fehlt indeß auch nicht an Stimmen, die an der Geneigtheit Deutschlands und anderer Mächte, ebenso zu handeln, zweifeln.Birshewysa" und Wjedomosti" sagen, der Chauvinismus, welcher Deutschland nach der Ernennung Waldersees crariffen habe, werde, wie man hoffen müsse, es nicht hindern, die Lage ernst zu benrtheilc» und zn cr- vägcn, ob cs sich z» isolirteu Aktionen gegen China entschließe.

wb. Vrlrtobnrz, 3. September. Nachrichten des Gencral- stabs melden: Ein Detachement des Generals Orlow griff am 24. August eine befestigte Stellung der Chinesen im Thingan-Baß an, vertrieb de» Feind und nahm den Paß, worauf der Feind weiter verfolgt wurde. Sechs Stahlgeschiitze, 16 Fahnen, darunter eine weiße des chinesischen BefeiflshaberS, sowie der ganze Trans­port wurden erbeutet. Der Feind floh und zerstreute sich. Dem Detachement steht kein Gegner mehr gegenüber. Die Verluste be­tragen: 3 Tadle, 11 Verwundete. Am 28. rückte das Detachement bis zur Station Jal vor, 12 Werst von Tsitsikas. Am 80. wurden zu dem Detachement OrlowS eine Abtheilung des Rothen Kreuzes und 10 barmherzige Schwestern über Chailar abgeschickt.

-erd. Kondor», 4. September. DasReuter'sche Büreau" meldet aus Peking vom 28. August: Die Verbindung zwischen Tientsin und Taku auf dem Pcihoflusse ist infolge des Schcilerns eines kleinen japanischen Dampfers unterbrochen. Die Bahnverbindung bis Unngtsnn ist wieder hergesiellt. Vier Züge verkehren täglich zwischen Vangisnn, Tonku und Tientsin.

London, 3. Septenrber. DieBirmingham Post" erfährt, einer der deutschen Fürsten habe einen scharf abgefaßten Brief an den deutschen Kaiser geschrieben, worin er sich über die chinesische Politik des Kaisers und namentlich über den Charakter der Rache, den der Kaiser dem sogenannten Krcuzzuge nach China gegeben hat, ausspricht. Der Kaiser soll auf den Brief keine Ant­

wort gegeben haben uttb jede Erwähnung der Angelegenheit in Deutschland soll verboten sein. (Diese letzte Behauptung zeigt, wie wenig glaubhaft die ganze Geschichte ist. In Deutschland kann es Keinem verwehrt werden, eine Angelegenheit zu erwähnen.)

Drirtsches Reich.

Zur Kohlcnfrage.

Die schlesischen Kvhlenuiagilatcn könnten jetzt zeigen, daß ein gutes Wort eine gute Statt hat. Dies gute Wort findet sich in der konservativenSchlesischen Zeitung", die es namentlich den adeligen Besitzern der oberschlesischen Kohlengruben als wirthschaftliche, sociale und politische Pflicht vorhält, mit der Preissteigerung innezuhalten. Denn sonst bcginiledie Ausbeulung zu unberechligtem Gewinn, dieErmnthigung zur wucherischen Ausnutzung der Konjunktur". Wer .sich solche scharfen Vorhaltungen machen läßt, ohne darauf durch irgend eine Thai zu reagtren, der muß sich einer ziemlich dicken Haut erfreuen. Wir nehmen an, daß die angerufenen Fürsten, Grafen, Freiherren und Herren die glücklichen Besitzer solcheit schätzenswerthen Mittels zur Erhaltung ihrer Gesundheit find. Keinem dieser Millionäre wird es auch »ur im -Traume ein- fallcn, die Kvhlcnpreise wenigstens nicht weiter zu erhöhen. Denn daß sie sie gar wieder herabsctzcn sollten, wäre wirklich zu viel verlangt. Die Kohlenfrage ist so sehr reine Wirthschaftsfragr, daß cs als ganz selbst­verständlich erscheint, wenn in allen Parteien Einstimmigkeit des Uriheils und der Verurtheilung gegenüber den Männern und den Zuständen herrscht, die das ganze Volk zu un­erhörter Tributzahlung an eine kleine Zahl rücksichisloscr Ausbeuter nöthigen. Die Regierung aber thut nichts. Sie hebt nicht einmal die billigen Ausnahmetarife für Kohlen- sendungen nach dem Auslande auf, sie wird für die Forde­rung, ein Kohlenausfuhrverbot zu erlassen, nur ein Achsel­zucken haben. Die Regierung hat Wichtigeres zu thun, beispielsweise den Fall Dullo in die Welt zu setzen, auf daß die lief ergriffene Nation erkenne, eine wie starke und weise Regierung wir genießen.

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* Hof» und Persoual-Nachriihten. DerReichs-Anz." meldet die Verleihung des Sterns zum Rothen Adlerordcn 2 . Klaffe an den Reichstagscibgcordncten Freiherrn v. Stumm- Halberg.

* Kretin, 3. September. Die Akten bezüglich der Wahl des Königsberger Bürgermeisters Brinkmann zum Bürgerincister von Berlin hat der Minister des Innern dem Civilkabiuelt des Königs bereits übermittelt. Herr v. Rheinbabcn hat, wie derLokal- Anzeiger" hört, die Bestätigung des Monarchen empfangen. Vom Minister sei Herrn Brinkmann, als er sich bald nach seiner Wahl Herrn v. Rhembaben in Berlin vorstellte, versichert worden, daß, soweit die Entscheidung bei dem Ministerium liege, der Bestätigung seiner Ernennung nichts entgegenstche.

* Die 47. Genrralverfammluug i>tv Katholiken Drntschlands wurde Sonntag Abend durch eine öffentliche Sitzung in der Zclthalle in Bonn eröffnet. Es hatten sich einige Tausend Theilnehmer von Auswärts cingefuiidcn. Die Stadt ist festlich geschmückt. Von Parlamentariern bemerkten wir die Llbgeordneten vr. Lieber, Fusangcl, Dr. Porsch und Dasbach, von Kirchenfürsten den Erzbischof Simar und den Wcihbischof vr. Fischer. Gestern Vormittag fanden verschiedene Ausschuß-Sitzungen statt. Sonntag tagte bereits der Augustinus-Verein. Am Schluß der gestern Vor­mittag stattgefundenen geschlossenen Generalversammlung wurden Begrüßungs-Telegramme an den Papst und Kaiser Wilhelm ab­gesandt. Abends fand die erste öffentliche Versammlung statt. In derselben sprachen außer dem Bischof Simar Domkapitular Stiegeler, ferner Abgeordneter vr. Porsch »nd Fabrikbesitzer Vogeno.

* Urber dir Verbreitung de« Aussatzes im Deutschen Reiche macht das kaiserliche Gesundheitsamt in der neuesten Nummer seinerVcröffentl." folgende Angaben:In Preußen waren am 15. Dezember 1899 22 zweifellos sestgcstelltc Leprakranke amtlich bekannt (gegen 22 im Vorjahre); davon stammten 16 aus dem Kreise Memel, 1 aus dem Kreise Rössel; 1 hat sich in Livland, 2 in Brasilien, je 1 in Birma und aus der Insel Pcnang angestcckt. Von den 22 Kranken waren 10 in ihrer Familie, 11 im Lepraheim bei Memel untcrgebrncht; doch sollten von ersteren noch vier bis Ende deS Jahres 1899 in das Lepraheim übergeführt werden; eine Kranke befand sich im Institut für Infektionskrankheiten zu Berlin. Außer den 16 sicher festgestellteil waren noch vier zweifelhaft Lepröse im Kreise Memel vorhanden, die weiter beobachtet werden. In Hamburg waren Ende des Jahres 1899 zehn Leprakranke amtlich bekannt (im Vorjahre neun); hiervon befanden sich fünf, sämmtlich Deutsche, in Privatwohnnngen, die anderen, Ausländer, in Krankenhausbehandlung. Bei Allen ist die Ansteckung im Aus­lande erfolgt. Außerdem befand sich Mitte Januar d. I. noch ein Lcprakrailker im Staatsgebiet von Mecklenburg-Schwerin (gegen einen im Vorjahre). Aus den übrigen Bundesstaaten liegen Mit­theilungen über das Vorhandensein von Leprafällen nicht vor."

Dies Stück des Schauspielers, der sonst zu seinem höchsten Lebenszweck die Darstellung des Hirsch Hyacinth in Heines jungen Leiden erkoren, giebt eine lohnende Anregung zu einer littcrarischen Doktorarbeit.

Es stellt einmal wieder eine Variante eines oft be­handelten Schmaukmotivs dar.

Es wird Jemand eingeredet, daß ein gastliches Haus, in das er hineiuschneit, nicht nur gastlich, sondern berufs­mäßig Gasthaus ist, und aus dieser Voraussetzung schöpft die Situationskomik allerlei drollige Effekte.

Der Vorletzte, der ans diesem auch vorher schon be­handelten Stoff mit glücklicher Laune noch einen tollen Einsall geschaffen hat, war Karl Laufs. Der Letzte ist nun Karl Pander. Möge er wirklich der Allerletzte bleiben. Denn in feinen Händen wirkte der viel gewendete Stoff doch schon recht fadenscheinig und nähteblank.

Aber dankbar wie die Butzeleute nun einmal sind, machten sie zum alten Spiel die freundlichsten Mienen und thaten lustig überrascht, wenn eine Situation eintrat, die man stundenlang vorher an meterlangen Haaren hatte herbei­ziehen sehen.

Die erste litterarischc Premiere der neuen Saison brachte das Lessing-Theater mit dem originellen und glücklich gelungenen Versuch, ein Jbsen'sches Jugendwerk auf die Bühne zu bringen.

Es ist derBund der Jugend", den Ibsen 1869 schrieb.

Für das große Publikum nmß es eine drollige Ueber- raschung gewesen sein, den Mystiker und alten Magus hier aus den munteren Bahnen französischer Possenkomik zu finden. Ibsen arbeitet hier stark mit Situarionswirkungen, er entrirt einen Wettlauf von Schlauköpfen, die sich gegen­

seitig überlisten wollen, und von denen der, der sich am schlauesten wähnt, schließlich am tiefsten hineinfällt.

Statt starker Wirklichkeitsillusion spielt hier noch die wohlgeölte Theatermaschinerie, die Zahnräder des Witzes.

Aber kein Bajazzo steckt in dem buntscheckigen Kleid, sondern der weise Narr, der lachende Wahrheiten pritsche­schwingend verkündet. Eine politische Satire auf Partei- intriguen, Cliquenwesen, Camaraderie und posirende Phrasen ist das Ganze. Ein spielender Prolog, ein scherzender Probe-Waffcngang vor den bitterernsten Dramen der Gesell­schaftskritik. DenStützen der Gesellschaft" hat aber dieser scherzhafte Anfang schon recht übel gefallen. Bei der ersten Aufführung 1869 in Christiania heulte man dies unbequeme Scherzspiel nieder

Was heute noch wirkt und an dem Werk interessant bleibt, sind nicht die Vorgänge, sondern die Gestalten. Ibsen wollte Typen geben, den Erfolgsmann um jeden Preis, der in fünf Minuten zu fünf ver­schiedenen Ansichten fähig ist, den protzenhaften Speku­lanten, der auf den Geldsack schlägt, den dünkelhaften Selbstzufriedenen, den boshaften Menschenverächter, der nichts mehr zu verlieren Hatz. Aber fast alle diese Typen, vor Allem die Bosheit des alten verkommenen Daniel, haben reiche individuelle Belebung gefunden. Sie bleiben nicht im Begriff stecken. Sie sprechen schon Jbsen'sch, nur ihre Bewegungen gehen noch nach der Bühnenschablone. Vor Allem spaßig, wie Ibsen ganz konventionell und äußerlich alle Liebes- und Verlobungsmotive, ohne die kein richtiges Theaterstück möglich schien, der Sache aufgesetzt hat.

Das find die ersten, flüchtig ausgezeichneten Eindrücke vom Kriegsschauplatz. Stimmung: Ferienmild und ab­wartend. Das nächste Mal werden wir den kritischen Kiel schon fester fassen müssen. Lxeetntor.

I Interesse haben an erster Stefle die Mittheilnngcn über die Lepra > im Kreise Memel, dem einzigen einheimischen Lcprahccrde im Deutschen Reiche. Wo sich sonst Lepra im Dcmschen Reiche findet, handelt es sich um Kranke, die im Auslande sich angcstcckt haben, entweder um Ausländer oder um Deutsche, die zeitweilig im Aus­lände lebten. Bei der Lepr'a im Kreise Memel ist es nach der Vosi. Ztg." fraglich, ob in de» amtlich bekannt gewordenen Zahlen der Leprosen sämmtliche Aussätzige im Kreise 'wirklich enthalten sind. Es bleibt das Bedenken bestehen, daß sich Lepra-Erkrankungen im Kreise Memel der Kenntnis; der Aerzte und Behörden entziehen. Sicheren Aufschluß kann nur eine planmäßige Durchforschung des Kreises nach Leprakrankc» gewahre». Eine solche Absuchung des Kreises Memel wurde vom preußischen Mediziiialmüüstenum. wie auf der internationalen Lepra-Konferenz mitgctheilt wurde, in Aussicht genommen. Sie kam aber bisher nicht zur Ausführung. Dringend zu wünschen ist, daß für das nächste Etatsjahr die er, forderlichen Mittel bereit gestellt werden.

* Rundschau im Reich». Die Diözesansynode in Nord- lingen hat den tobeuswcrttzen Beschluß gefaßt, einen Antrag ans kirchenregimentlichcs Verbot aller Kirchenlotteriecu einzubringen. Es wird nichts helfen. Die Frömmigkeit, so meint dieFranks. Ztg.", wird sortfahren, mit dem Spielteufel zn pak- tiren. Wir fürchten, daß das Blatt Recht hat. Ein social- demokratischer Stadtverordneter, der in Berggießhübel (Sachsen) in den Schulvorstand gewählt, aber von der königlichen Bczirksschulinspektion wieder ausgeschlossen worden war, erhob auf Veranlassung des Stadtgcmeinderaths Beschwerde, worauf dieselbe königliche Bezirksschnlinspekiionbei anderweiter Erwägung und da genügende Veranlassung zur Ausschließung nicht voruege", ihre erste Verfügung zurückzog.

Anstand.

Keine russische A n I e i h e.

Wie demB. T." ein Privat-Telegramm seines Pariser Korrespondenten berichtet, dementirt der russische Finanz- minister v. Witte, der sich in Paris aufhält, alle Gerüchte, nach denen Rußland eine Anleihe aufzunehmen gedenke. Die durch die Wirren in China verursachten Mehrausgaben könnten ohne eine solche gedeckt werden. Herr v. Witte erklärte einem Mitarbeiter desTemps":Ich komme als Vertreter des Kaisers Nikolaus mit der offiziellen Mission, die Ausstellung im Allgemeinen sowie die russische Abtheilung im Besonderen zu besuchen. Gewisse Blätter irren, wenn sie glauben, daß ich Geld brauche und im Geringsten daran denke, in Paris oder anderwärts ein Anlehen anfzuttchmen." Und dieAgcnce Havas" bemerkt:Die Reise Wittes hat weder eine nahe noch entfernte Beziehung zu irgend einer finanziellen Transaktion. Rußland bedürfe einer solchen in keiner Weise für seine Operationen in China. Die Mittel des Staatsschatzes genügten vollkommen, um die Kosten zu decken."

Zur amerikanischen Präsidentenwahl.

-k. itfttf-Uorlt, 1. September.

Es rief hier große Sensation hervor, daß Bryan bei einem Interview in Lincoln, Neb., auf eine ganze Reihe sorgfältig vorbereiteter Fragen über seine eventuelle Stellung zur Freisilberwährung im Falle, daß er zum Präsidenten gewählt werden sollte, keine Antwort geben wollte, sondern auf alle nur die eine Erwiderung hatte, er werde derartige öffentliche Angelegenheiten auf seine Weise zur rechten Zeit zur Sprache bringen. Ans dieser ablehnenden Haltung Bryans geht hervor, daß eine Einigung zwischen ihm und den Silbermännern stattgefunden hat, auf Grund deren er sich absichtlich vor der Hand Siillschwcigen auferlegt. Dir Silbericute argumentiren eben so, daß bei der Wiederivahl Mac Kinleys absolut nichts für sie herautzkommt, während, wenn Bryan erst einmal durchgebracht ist, sich dann die Möglichkeit bietet, ihre Pläne zur Verwirklichung gebracht zu sehen. Andererseits liegt aber auch dir Gefahr nahe, daß Bryan durch sein Laviren Anhänger verliert, die sein Zielbewußtsein bisher besonders hoch angeschlagen Huden, zumal im Vergleich mit Mac Kinleys schwankender Politik. * * *

* Frankreich. Auch die Pariser Schutzleute haben die Weltausstellung beschickt, nicht etwa nur mit ihren Personen als Wächter der Ordnung, sondern mit einer S tatistik, die für ihren Beruf nicht wenig ehrenvoll zn sein scheint. In den letzten zehn Jahren haben die Pariser Polizisten in der Zahl von 11,446 das­jenige geleistet, was sie selbst in ihren Angaben mit acte» de courage ou de devouement (Thaten de? Mnihes oder der Auf­opferung) bezeichnen. Diese sind noch besonders namhaft gemeckst und vcrtheilcn sich folgender Maßen: 2509 Zähmungen wild- gcwordener Pferde, 1016 arretirtcUebclthäter, 92 arretirte Tobsüchtige. 585 erschlagene tolle Hunde, 390 gelöschte Brände, 83 Rettungen bei Bränden, 120 Rettungen aus der Seine, 142 Rettungen auf der Straße, 4100 verschiedene verdienstliche Thaten, für die eine Belobigung erfolgte, 2410 Verwundungen im Dienste. Unter den letzteren, hatten 28 den Tod und 16 dauernde Arbeits­unfähigkeit zur Folge. Da die Zahl der Polizisten in Paris 8000 beträgt, so ergeben sich die Gefahren des Berufs in folgenden Ver- hältnißzahlen': Der Tod droht etwa 1 vom Tausend, die Arbeits­unfähigkeit etwa 20- vom Tausend, Verletzungen ohne gänzliche Arbeitsunfähigkeit 2 und Verwundungen ohne dauernde Schädigung über 301 vom Tausend. Die Statistik würde unvollständig sein, wenn nicht hinzngefügt werden würde, daß die 11,446 verdienstlichen Thaten mit 1 Kreuz der Ehrenlegion, 12 ehrenvollen Erwähmmgen und 860 Rettungsmedaillen belohnt wurden. Merkwürdig ist dabei allerdings der Umstand, daß in der obigen Zusamnienstellung nur etwa 350 Rettungen verzeichnet sind, also noch nicht einmal die Hälfte der Zahl der verliehenen Rettungsmedaillen.

* Vereinigte Staaten. Die amerikanische Volkszählungs- Behörde hat die Resultate in einigen der größeren Städte dcs Landes bekannt gegeben. Die Altstadt New-Uorks hat demnach 2,050,600 Einwohner, eine Zunahme von 535,299 oder mehr als 35 pCt. in den letzten 10 Jahren. Haben Brooklyn und Staten Island in demselben Verhältmß zngenommen, so wird die Gesammt- bevölkerung von Groß-New-Aork nunmehr ans 3,600,000 geschätzt werden können. Eine größere procentuale Zunahme hat noch Chicago zu verzeichnen. Die Eimvohuerschnst dieserStstdt zählt gegenwärtig 1,675,000, während sie vor zehn Jahren kaum eine Milliotküberichritten hatte, Washington hat jetzt 278,000Ein­wohner, etwa 50,000 mehr als bei der letzten Zählung. Die gcringste Zunahme hat Cincinnati aufzuweiseib nämlich nur 10 pCt.

Ans Kunst rrnd Ksben.

vr. T. Geburt und Tod arn Sternenhimmel. Wenn das endlich begrenzte menschliche Denken den Vorgängen am Fixsternhimmel ewige Dauer znsprcchen muß, so hat es tot All­gemeinen keine Berechtigung, von Geburt und Tod mit Bezug auf dieewigen Sterne", wie sie auch der Dichter genannt hat, zu sprechen, aber die einzelnen Zustände konimen und gehen, und inso­fern können ailch jene Begriffe gebraucht werden. Das menschliche Auge kann durch das Fernrohr wahrnehmen, wie einzelne Sterne ihr'Licht wechseln, und sogar der unbewaffnete Blick hat sich gelegentlich davon überzeugen können, daß plötzlich am Firmament ein'bisher unsichtbarer Stern zu gewaltigem Glanz anfleuchtetc. Solche Vorgänge zn erklären, hat in der tunen Ausgabe des

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