Jahrgang.
Erscheint in zwei A»s,aieu. — Bczngs-PreiS: durch den Verla, sw Pfg. m.n.tlich, durch die Post L Mk. «W Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langzasse 27.
L^,OOG AKormenterr.
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(Nachdruck verboten.)
Das Operationsgebiet der internationalen Trappen.
Die Einnahme von Peking hat keineswegs den Krieg in jenem Gebiet beendet. Das zeigen die Nachrichten über das erfolgte Heranrücken von chinesischen Truppen aus den mittleren Provinzen Hunan und Hupe nicht nur, sondern auch die Gefechte, die neuerdings südwestlich von Tientsin stattgefunden; auch gilt Aangtsun, diejenige Bahnstation nördlich von Tientsin, wo die Bahn nach Peking den Peiho von Osten nach Westen, von dem linken nach dem rechten Ufer, überschreitet, in den Augen des deutschen Admirals noch als bedroht.
Beistehend geben wir unseren Lesern daher eine Uebersichtskarte über das gesammte, hier in Betracht kommende Gebiet, auf welchem nunmehr auch die ersten deutschen Truppen, die Seebataillone, angckommen sind, und sich sofort nach Peking in Marsch gesetzt haben. In diesem Gebiete sind bereits die internationalen Truppen, die dem Befehl des Feldmarschalls Grafen Waldersce unterstellt werden, versammelt, bezw. werden dorthin die weiteren Truppcnnachschübe dirigirt.
Südwestlich von Tientsin hat vor Kurzem ein Gefecht stattgefunden. Eine aus Japanern, Engländern, Amerikanern und Indiern gebildete Truppe von 1075 Mann wurde mit einer beträchtlichen Anzahl von Boxern bei einem Dorfe 6 Meilen südwestlich von Tientsin in einen Kampf verwickelt. Ucber 300 Boxer wurden gctödtet und 64 gefangen genommen.
Das Dorf wurde niedergcbrannt. Eine Anzahl Verwundeter wird in den Hospitälern der Verbündeten behandelt. Die letzteren hatten 11 Verwundete. Es wurden Hunderte von Fahnen,
Sperren und Schwertern der Boxer erbeutet. Diese Thatsache zeigt, daß die Verbindungslinie Peking—
Tientsin—Taku keineswegs gesichert ist, und so werden sich auf derselben noch manche Kämpfe abspielen. 5000 Chinesen sollen gegen Tungchou im Anmarsch sein.
Das 1. Scebataillon landete am 15. August m Taku, trat dann den Marsch nach Peking an und erreichte am 18., Abends, Aangtsun; das Seebataillon folgte nach; den Befehl über beide führt Generalmajor Hoepfner; die kleineren Marinedetachements von den Kreuzern „Hertha" und „Hansa" sind in Peking eingetroffcn. An der Verbesserung der Bahnlinie Pcking-Taku wird "l«g gearbeitet, tun ausreichende Zufuhren für ue vormarschirten Truppen zu sichern. Die neue itabelverbindung von Taku nach Tschifu ist s-Niggestellt.
lieber die Zahl der Streitkräfte, welche dem Grafen Waldersce bei seiner Ankunft in China auf dem in unserer ^arte dargestellten Wege zwischen Taku und Peking zur ^erfugung steheil können, wurde folgende Zusammenstellung uwffentlicht: Von Deutschland ist bekannt/ daß es uch Ankunft des abgegangenen Ostasiatischen Expeditions- »rps 2800 Mann -f 11,300 == 14,100 Mann. 44 Geschütze ^sthen von Kiautschou) zur Verfügung haben kann, tankreich, wenn die auf See befindlichen Truppen
einschließlich 2 . Brigade nach Taku gehen, 16,480 Mann, 44 Geschütze, Japan, wenn nicht unterdeß wieder Nachschübe erfolgt sind, rund 23,000 Mann, wozu aber noch stärkere Kavallerie zu kommen scheint, 54 Feldgeschütze, England, das seine Nachschübe auf Hongkong bezw.
Shanghai dmgiren zu wollen scheint, 6000 Mann. 18 Geschütze,
a 2900 Mann, 6 Geschütze, Italien rund 1900 Mann, 6 Geschütze. Rußland wird bis zum Ein- trcffen des Grafen Waldcrsee, wenn seine Verstärkungeit von Odessa aus alle nach dem genannten Kriegsschauplatz gehen, weit stärkere Kräfte zur Hand haben, als irgend eine
interessante graphische Darstellung der Stärkeverhältnisse der Truppen der Verbündeten, wie vorstehend nach Nationen geordnet, zur Wiedergabe gebracht. Die Größe der die Truppen und die Geschützzahl darstellenden Felder ist in einem genau einheitlichen Maßstab gehalten, sodaß sich ohne Weiteres durch diese, übrigens auch noch mit den entsprechenden Zahlen versehene Darstellung ein augenfälliger Vergleich ergicbt.
Jedenfalls werden unsere Leser an der Harid der Karte und dieser graphischen Darstellung die ferneren Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz sehr genau verfolgen können.
der anderen Mächte, selbst als Japan, wenn dies nicht unterdeß sehr starke Nachschübe sendet. Zum Einsatz sind russischerscsts nämlich bei Tientsin schon gekommen: 10,000 Mann, 52 Geschütze, unterwegs sind die Schutzbrigadcn 1, 2. 4, 5 zu je 8700 Mann, 24 Geschütze dorthin, sodaß sich total rund 44,000 Mann mit 148 Geschützen ergeben und dem Grafen Waldersee rund 100,000 Alaun mit 310 Geschützen zur Verfügung stehen würden.
Oben rechts in unserem Kartenbild haben wir eine sehr
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 30. August.
— ^rMchioltaltn-c,'. 30. August. 1896: f Fürst Lobanow, russischer Minister. 18,0: Schlacht bei Beaumont, das Corps Fmlly vernichtet. 1813: Niederlage der Franzosen bei Kulm, Gefangennahme Vandammes. 1681: Erlaß der deutschen Neichs- kriegsverfassung, wie sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestand.
~ Wal1)rrlla-TlieateL'. Nur noch wenige Tage, und das wackere(Sii)cuible, das uns während zweier Monate über diethcatcr- iose, die „schreckliche" Zeit hinweg!,als, ivird Wiesbaden verlassen.
Aus Kunst und Zeben.
von Postillon. Anläßlich
über f,, 1011 ;* £°bc8tnß erzählt das „Wiener Tageblatt" Folgeiidcs Posm,„ ,, Entstehung des populär gewordenen Gedichtes „Der öou ft] 1 ;. Anfangs der dreißiger Jahre fuhr Lenau mit der Post i-« v ™'* kte alte Straße nach Balingen. In Heckingen
der fünfzigsten Wiederkehr
taifk.. vre
er[ )(ibenm'?r!r^ fa ' be Wechselt uüd <Uä pk auf dein Bock ein.
ein neuer Postillon nahm den »w f« j v"* Es war bereits Nacht geworden,
Aleatn,»!." ichuvfen Trabe der Balingcrstraße znging. Eine kurze f«nofr,,,. hier ließ der Kutscher plötzlich die Pferde feierlich
LemvnK 8e H n * Lenau fragte »ach dem Grunde dieses laugsameu fcriibei. bcv Kutscher sagte: „Do isch Steinhofcu und do
Wocln „ ,rt) ber Kirchhof. Da hat man mein’ Kameraden vorig' j°in LeiNblö's^ ^ M gua-er Kerl ^'sei; mua&t «g« n6.t
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alleweil am licbschte g'hort und
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das Leiblicd seines Kameraden hinüber zum
Laug mir noch im Ohre lag Unter 2j-ner Klang vom Hügel,
nahen !u ,. tm Eindruck kam der Dichter auf der Poststation nn n « be„ a, fl . cn an. In der Alten Post setzte sich Lenau sogleich ^" Schreibtisch und entwarf seinen Postillyu.
^»tsch.,^""^»-» pebersepungo -Industrie. Bon einem “ v ™ " Verleger wird im« npirhrichett: Deutschland ist das Land,
fahrung, daß darnnter Manche entweder keine Kcnntniß der inter- nationnleu Urheberrechtsgcsetze besitzen oder cs mit der Uebertretung derselben nicht genau nchiiien. Erst in der jüngsten Zeit habe ich
B den,
wieder zwei Ilebcrsetzeriiineu auf Eingriffen in mciiicDcrlagsrcchte betroffen, die eine hat eine unautorisirte Ucbcrsctzung des Barrie'schen „Ein Fenster in ThruniS", die andere eine der berühmteir Detcktivqeschichten von C. Doyle erscheinen lassen. Diesen Fällen reihen sich frühere Erfahrungen ähnlicher Art an; beispielsweise erhielt ich einmal das Angebot der Ucbersetzung eines Haggard'schen Romans, den eine Dame in einer großen Berliner Zeitung hatte erscheinen lassen. Auf meine Erkundigung bei der Ucvcrsetzcrin, ob sie die Autorisation besitze, mußte sie gestehen, daß das nicht der Fall sei, und als ich ihr rieth, die Autorisation nachträglich zu erwerben, nahm mir die industrielle Dame sichtlich übel, daß ich ihr die Augen geöffnet hatte, indem ich sie aufihrcn Delikt aufmerksam machte. In sämmtlicheu z,l meiner Keiintniß gelaugten Fällen dieser Art stellten sich diese Frauen auf den Standpunkt der ilnkcnntiiiß der Litteratnrverträge oder redeten sich sonst wie aus; die eine übersetzte, um sich ihr Taschengeld zu verdienen, die andere für wohl- thätige Zwecke, eine dritte, um als Wittwe ihre Kinder durch- zubriiigei, I Häufig gaben dieselben ihre Uebersctzung als „Bearbeitung" aus. Sie bilden sich offenbar ein. Stoff und Inhalt einer Erzählung sich «„eignen zu dürfen, wenn sic demselben mir eine freie Wiedergabe zu Thcil werden lassen, und einzelne gehen dabei in der Ausbeutmig soweit, sogar den Namen des Autors zu verschweige». Selbstverständlich stellen auch männliche Ueber- setzcr ihr Kontingent zu dieser unlauteren Uebcrsetznngs-Jndnstrie. Wie viele Fälle von, Verletzung des Urheberrechte« fremder Autoren möge» gar nicht zur Keuntiuß der Geschädigten fontmen, da die letzteren meist nur ganz zufällig Kunde von dem Einareifcu in
ihre Rechte erlangen I Die Uebertretmigen auf diesem Gebiete Ijnbeit sich mit der Ausbreitung der Litteratnrverträge iiatiirgeiuäß gehaust. da cs ,ctzt nicht mehr viel herrenloses ®ut aieb't, und fo ?Ä c8 . en r er 3 elt sim, daß einmal in der Presse ans diese» Ilcbelstand aufmerksam gemacht wird. Die letztere selbst kann zur Verbesserung des Zustandes wesentlich beitrage», indem sie allen Angeboten von llcbersetzunge» und „Bearbeitungen" gegenüber eine scharfe Kontrolle beznglich der Antorisationsfrage anstellt
D Die "tttrste" Pläne der Jesup Erpeditio« ver- sollen Ziele. die für die Völkerkunde von außerordentlicher Be- dentung sind. Das von dem Leiter des Amerikanischen Nationnl- Iluseums ins Leben gerufene wissenschaftliche Unternehme», das mposaiitestc. das wohl lemals ausgeführl worden ist. bezieht sich bekanntlich ans die Erforschung der noch fast »„bekannten Volks- stammc m den Küstengebieten des nördlichen Stillen Oec,ins auf "Ä "statischer Seite. Der Zweck ist, die Volkelveiwaiidtschasten zwischen ben Gcbicteil beider Erd!heile fest- ?!! C J< e r Unb j’ n L (Ulf b i e Wahrscheinlichkeit von Volkswandernnqen von Asien nach Amerika oder limgekehrt zu prüfen. Die bisherigen Ergebnisse der Jesup-Expcditio» sind in Dsujsisiulid bewiideis durch die prachtvolle Ausstellung von Gesichtsmasken und alle» möglichen Geräthen der crforschteii Volksstamme b ^uuut geworden, die gelegentlich des vorjährigen Internationalen Geograpben-Kongresscr i» Berlin veranstaltet worden ivar. Jetzt haben zwei Gelehrte, Jochelsvii und Bogoras. Amerika verlassen tun sich "der Wlatuwostok..ach dem nordöstlichen Asien zu bc ebem te Arbeitsgebiet liegt nordöstlich vom Amnr- P steil dort btc Beziehungen der Eingeborenenstämmc ine
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