Uifsbatontr (Eaablatt
«8. Jaftrgang
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Fernsprecher No. 52.
1900.
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Die französische» Gewerbegerichte.
Unser Pariser rv-Korrcspondent schreibt uns:
Die „Conseils de Prudhommes“, denen die deutschen Gewerbegerichte im Wesentlichen nachgebildet sind, haben seit 1806, wo das erste Kaiserreich diese Sondergerichtsbarkeit ins Leben rief, manche Umgestaltung erfahren, und der Oberarbeitsrath, welcher als berathendcr Ausschuß im Handelsministerium alle die Arbeiter betreffenden Gesetzcs- vorlagcn begutachten muß, hatte sich in seiner letzten Tagung mit verschiedenen weiteren Vorschlägen einer Reform dieser Gerichte zu befassen. Es sollen u. A. soivohl zu Arbeitnehmer, als zu Arbeitgeber-Beisitzern auch Frauen . gewählt werden können; ferner sollen nicht bloß wirkliche, sondern auch gewesene Verufsangehörige wählbar sein; die Zuständigkeit des Gewerbcgerichts in erster Instanz (die zweite bildet das Handelsgericht) soll sich nicht wie bisher auf streitige Beträge von 200 Francs und darunter beschränken, sondern bis auf Sachen im Betrag von 500 Francs rusgedehnt werden; die Mitglieder sollen für ihre Zeit- versäumniß eine feste Vergütung erhalten (bis jetzt ist es den Gemeindebehörden nur gestattet, solche Vergütungen zu gewähren, ohne daß ein Recht zum Bezug bestünde). Sodann soll die Rechtsprechung des Gewerbcgerichts auch für Handelsangestellte, Bergleute, Arbeiter und Angestellte der Privatbahne», sowie für die Arbeiter in den Betrieben des Staats, der Departements und Gemeinden in Kraft treten. Endlich wird verlangt, daß die Berufnugssachen nicht mehr vor den Handelsgerichten, sondern vor einem besonderen Gericht erledigt werden, welches durch Wahl von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die die erste Instanz bilden, also von den „Prudhommes“, zusammengesetzt wird. Herr Janrss ist der Vater der letzteren Idee, nach welcher die Revisionsrichter von Denjenigen zu wählen wären, deren Urtheile sie zu prüfen und zu rcvidiren haben. Der Ober- arbcitsrath hat alle diese Vorschläge gutgeheißen, die, wie man sieht, sämmllich darauf hinanslaufen, die Bedeutung der „Conseils de Prudhommes“ und ihren socialen Einfluß zu erweitern. Demgegenüber wird betont, daß diese Gerichte bereits ohnehin eine große Macht ansüben. Ein unlängst veröffentlichter Bericht des Jnstizministers an den Präsidenten der Republik über die Rechtspflege stellt fest, daß die Zahl der Berufungen gegen die Urtheile der „Prudhommes“ stetig zunimmt, und in noch Höherem Maße die Zahl derjenigen Urtheile, die aufgehoben werden mußten. Ein früherer Bericht konstatirt, daß die Zahl der von den „Conseils de Prudhommes“ herbeigeführten gütlichen Einigungen ebenso ftetig abnimmt, ein Beweis gesunkener Autorität dieser richterlichen Behörde. Die Ursache dieser Verminderung 6e§ Vertrauens in die Gewcrbcgcrichte wird einerseits d.arin erblickt, daß die Gewerkschaften oder Fachvercine ""hambres syndicales) die Wahlen der Gewerbcrichter völlig
beherrschen und daß die Gewählten sich voraus verpflichten müssen, stets das Interesse der Arbeiter wahrzunehmen, andererseits in dem Umstand, daß dem Conseil kein unparteiischer Rcchtsverständiger angehört, der eventuell den Ansschlag geben kann, sondern daß der Ansschlag bei dem vom Gericht frei gewählten Vorsitzenden ruht. Da die Zahl der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber im Gericht gleich groß ist, so wird abwechselnd stets ein Arbeitnehmer Vorsitzender, ein Arbeitgeber Viccvorsitzender und umgekehrt. Die Fabrikanten befürworten, daß wieder wie früher, und wie cs jetzt bei den deutschen Gewerbegerichten der Fall ist, ein unabhängiger Berufsgewerberichter die Verhandlungen leite und den Ansschlag gebe. Vielleicht kommt cs zu einem Kompromiß, der gegen die letztere Reform die obenerwähnten zugesleht.
Ans Stadt »ns Knud.
Wiesbaden, 29. August.
— Gepchichtostaleiider-. 29. August. 1870: Gefecht bei Nonart. Sieg der Sachsen. 1853: ch Sir Charles James Napier, berühmter britischer General. 1818: »Prinz Heinrich XIX.. Neuß j. L. 1808: * Hermann Schnitze zu Delitzsch, Gründer des deutschen Genossenschaftswesens. 1799: f Papst Pius VI. zu Valence. 1790: * Karl Leopold Friedrich. Großherzog von Baden. 1756: Beginn des siebenjährigen Krieges. 1632: * John Locke zu Wrington, berühmter englischer Philosoph. 1529: Eroberung von Budapest durch Soliman den Großen. 1526: Schlacht bei Mohnes. Sieg Soli- mans des Großen über die Ungarn. 1523: ff Ullrich Ritter von Hutten zu Ufnau im Züricher See, einer der umtbigsten und genialsten Kämpfer für Erringung geistiger Freiheit. 1521: Eroberung Belgrads durch Soliman den Großen. 1395: ch Albrecbt III. „mit dem Zopfe", Erzherzog von Oesterreich, zu Laxenburg.
— 40^ Jahre ununterbrochen im Dienste der hiesigen Oper ist am 1. September d. I. Fra» Pauiiue Stengel, und davon bereits über 80 Jahre Chorführerin. Ihre Laufbahn begann dieselbe als 15-jähriges Mädchen am damals unter städtischer Leitung stehenden hiesigen Theater zwar schon in: Jahre 1355, woselbst sie zwei Jahre als Volontärin, dann ein Jahr als Mitglied noch (bei 15 Gulden Gehalt) verblieb, verließ dann ihre Vaterstadt Wiesbaden, um zwei Jahre im nahen Dannstadt zu wirken. Aiigezogcn von den heimischen Gefilden, trat Pantine Stengel 1860 ihr Engagement am hiesigen Theater an, welches zu jener Zeit unter Leitung des Herrn Intendanten v. Bose stand: sie wirkte gemeinsam init ihrem Mann, der bekanntlich vor einigen Jahren (als Pensionär des hiesigen Theaters) den grancn- vollcn Tod durch Ueberfahren Seitens der elektrischen Bahn erlitt, unter allen seit jener Zeit amtirenden Kapellmeister». Musik- und Chordirektorc». Wir erinnern »ns, den Namen der Frau Stengel früher sehr häufig als Vertreterin kleiner Solopartiecn am Theaterzettel gelesen zu haben, ein Beweis mehr, welch verdienstvolles Mitglied dieselbe ist. Die Intendanz wird jenen Tag wohl nicht vorüber geheii lnsseii, ohne der Jubilarin und somit des ganzen als feste Stütze des Ensembles geltenden Chorpersonals, dessen Führeri», wie bereits erwähnt, 'Pantine Stengel ist und wohl auch noch lange bleibt, würdig zii gedenken.
— Das chemische Kastoratorin«, Fresenius dahier war iväürend des Soinmer-Semcstcrs 1900 dou 52 Stndirenden besucht. Davon ivnrcii 33 ans dem Deutschen Reiche, 5 ans Rußland, 4 ans England, je 2 ans Oesterreich und ans Frankreich und je 1 ans Luxemburg, Schweden, Italien, Spanien, den Vereinigten Staaten von Nordamerika nud aus Nhodesia in Süd-Afrika. I» dein bewährten Lehrkörper der Aiistalt siiid Veränderungen nicht vorgekommen. Demselben gehören außer ben Direktoren, Professor
Dr. Heinrich Fresenius, Professor Oe. Wilhelm Fresenius und Prof.
Ernst Hl atz, noch an die Herren 1>r. med. G. Frank. Dr. W. Lenz, Dr. L. Grünhut und Architekt J.Huber. Assistenten sind im Unterrichts-Laboratorium 8 und in den Versuchsstationen (Untersuchungs-Laboratorien) 24 thätig. Das nächste Wintersemester bespuck am 15. Oktober d. I. Auch im Soinmersemester 1900 ging eine Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten ans dem hiesigen Laboratorium hervor. Die betreffenden Abbaiidlniigen wurden ' in chenmchcn Fachzeitimgen. insbesondere in der von'den Direktoren des Laboratoriums hernnsgegebeneli Zeitschrift für analytische Chemie, veröffentlicht. Von allgeilieineren, Interesse, speziell für unsere Leser,, dürfte die in C. W. Kreidels Verlag dahier erschienene Druckschrift über die cheinische U»tersllchi»iq des Kiedncher Sprudels von Professor Dr. H. Fresenius sein. Äußer wissenschaftlichen Arbeiten lonrdeii int Sommersemester 1900 in ben verschiedenen Abtheilungen des Untersuchiiiigs-Laboratoriuiiis (Per- suchsNatlonen) zahlreiche Ilntersnchiingen im Interesse des Handels, der Industrie, des Bergbaues, dcrLnndwirthschaft, derGesnndheits- pflege, der Justiz und der Verwaltung ansgcführt.
— KtrajZcnl>aI,,r. Am Montag Abend fuhr die D aiupf- bahil zum letzten Male nach Biebrich. Seit gestern ist der elektrische Betrieb auch auf dieser Strecke an ihre Skelle getreten Dieser ist nun ans allen Linien eingeführt und wird wohl bald derart fnnktioniren, daß die Klage», berechtigte und rmbercchtigte, welche alle Neiicriingen >m Gefolge zu haben pflegen, verstliinmen. Die Wünsche des Publikums wegen der Erweiterung des Betriebs, wegen Aiilegiing neuer Haltestellen rc. re. werden von der Betriebsleitung sicherlich „ach Möglichkeit erfüllt werden, sodaß mit der Zeit die Wohlthat des inodernen Straßenbahnverkehrs unzweifelhaft allseitige Würdigung findet.
»n für Drahtstifte. Die Rhein.-
Wcstf. Ztg. 1)014, daß die neuliche Eisenacher Versammlniiq der deutschen Dralitstiftsabnkanten eine Preisherabsetzung für Drahtstifte, besonders für den Export, beschlossen habe/ Eine Preis- herabietzung ist in den Zeiten allgemeiner Preissteigerung gewiß eine auffällige Thatsache.
„ Eine dringende Warnung für junge Mütter.
CS giebt ein ebenso überflüssiges wie unschönes Ding, das in dem vegetireudeii Leben vieler Kinder in ihren jüngsten Monaten leider eine große Rolle spielt. Ein Säugling ist ans den Abbildungen utuever humoristischen Blätter ohne dieses Attribut kainn denkbar, wenn er nicht gerade schreiend dnrgcstellt ist, und doch ist dieser Gegenstand, an dessen Vorhandensein und Benutzung man sich derart gewohnt hat, nicht einmal ungefährlich. Jeder hat bereits crrathen, daß damit der Lulschpfropfcn »lins Schnuller gemeint ist. Es durfte sehr schwer sein, den Nachweis zu führen, daß dieser kieine Apparat für die Kinder selbst nützlich oder angenehm ist, die einzige Erklarrmg für seine so weit verbreitete Anwendung liegt vielmehr in der Bcgnemlichkcit der Kindermädchen, der Frau Mama, oder des Herrn Papa, denen es zu viel Milbe macht, das Kleine, wenn es schreit, zu beruhigen, und die sich das Anhören des Geschreis möglichst ersparen wollen. Der einsichtsvolle Hausarzt, der seinen Berufnicht nur in der Heilung von Krankheiten, sondern auch in der Vermeidung von Unglucksfällcn und von falscher Behandlung sieht, hätte die Pflicht, an einem Kreuzznge gegen jenes widerwärtige Ding thätigen An- theil zu nehuic». Vielleicht trägt der von einem Petersburger Arzt in der „Petersburger Medizinischen Wochenschrift" geschilderte Fall dazu etwas bei, in dem ein Kind dnrch das Verschlucken eines Schnullers ums Leben gekonnnen ist. Zugegeben, daß man von derartigen lliiglückssällen feiten zu hören bekommt, so scheinen sie doch so weit im Bereiche der Möglichkeit zu liegen, daß eine Warnung am Platze ist, außerdem muß dabei gleichzeitig auf die durch jene Unsitte verursachte Verunreinigung des Mundes ans- »lerkiam gemacht tucrben. Um nun auf den erwähnten Fall zuriick- zukounnen: Ein Kind war von seiner Wärterin mit einem Lutsch- psropsen im Munde allein gelassen. Als sie nach einiger Zeit wicdcrkam, fand sie ihren Pflegling ohne den Schnuller in röchelndem
Schmücke — Dich selbst.
(Von unserem Korrespon deute n.)
Dcm-Norlr, August 1900.
Wenn von der amerikanischen oder richtiger gesagt der New-Iorker Gesellschaft die Rede ist — denn von der der anderen wichtigen Städte, selbst Washingtons, meldet man nach dem Ausland im Allgemeinen nur ivcnig —, wird gewöhnlich allein der weiblichen Mitglieder derselben, und dann vor Allem des Glanzes, den dieselben enlfallcn, gedacht. Es kann dies auch durchaus nicht Wunder nehmen. Nicht nur spielen die Frauen hier, was ihre gesellschaftliche Stellung dem Mann gegenüber betrifft, in Wirklichkeit die erste Nolle, das Bestreben der vornehmeren Kreise scheint last ausschließlich darauf gerichtet zu sein, Ncichthnm zu entfalten, und dazu eigene sich natürlich die schönere Hälflc des Menschengeschlechts weit besser als die andere. In einem Land wie dem unserigcn, wo, wenn das Geld and) nicht mehr „auf der Straße liegt", Neichthümer noch immer schneller gewoiinen und allerdings auch berloren werden als in der alten Welt, ist es natürlich, daß die Gelegenheit, loiche zu dokumentiren, aufs Eifrigste gesucht wird. -4st man doch nie ganz sicher, im nächsten Jahr oder vielleicht Monat noch zu den „Oberen Vierhundert" W gehören, und so lange dies angängig, muß also in jeder Weise der Beweis geliefert werden, daß der vorhandene Kloße Besitz den Anspruch darauf rechtfertigt.
.. Es wird dies ja' nun allerdings auch von einzelnen jüngeren Herren in ausgiebigster Weise gcthan, und von Zeit j“ Zeit hat die Gesellschaft und alle Diejenigen, welche sich >ur dieselbe inleressiren, die Freude, von dieser oder jener Extravacanz eines Elegants oder, • wie wir hier sagen Wurden, Swells, zu hören, die natürlich stets recht kost- ip'llig sei,, „iiiß, aber das Feld ist doch im Großen und Pliuzen ein recht beschränktes. Ein Mann kann vielleicht Dchr Geld verbrauchen oder, wen» man will, zum
Fenster htnausmerfen, als eine Frau, zur Schau tragen aber kann diese cs weit besser, und das ist ja, worauf cs bei uns vor Allem ankommt. Wenn es sich um eine große Gesellschaft handelt, dann wird in den Zeitungen — die selbstverständlich stets eingehend darüber berichten — weit weniger der Genüsse gedacht, die bei derselben geboten wurden, als der Toileltenpracht, welche dabei zur Entfaltung kam. Diese ist der Hauptzweck, und jede Dame hat nicht nur nichts dagegen, sondern wünscht es sogar, daß dieselbe vom Reporter aufs Eingehendste beschrieben und ihres RamenS voll dabei gedacht werde.
Ja letzteres vor Allem, denn von sich sprechen machen, das ist überhaupt das Ziel, das die Damen besonders an- strcben. Darnm werden Gesellschaften gegeben und besucht, die Welt soll erfahren, wieviel Mrs. Soundsv uns ihre Toilette verwandte, und was die Diamanten und sonstigen kostbaren Steine werth sind, die diesciben zierten. , Wenn ein junger Krösus zni» Traualtar schreitet und seiner Erwählten das Brautgeschenk überreicht, so trügt sie sofort Sorge dafür, daß die Weit erfahre, wie viel Tausende von Dollars cs gekostet habe, und wenn dann eine neugebackene Mrs. Astor oder Banderbilt oder Gontd in der Gesellschaft erscheint, so weiß Jeder, daß das Collier, welches ihren schönen Hals ziert, den Werth von 150,000 oder 200,000 Dollar repräsentirt.
Ilcberhaupt werden wir über die Kostbarkeit der Schmnck- sachen der Stars öf Society unausgesetzt auf dem Laufenden gehalten und erfuhren z. B. kürzlich, daß das weibliche Haupt der Familie Astor einen Juwclenschatz besitzt, der auf 3 Millionen Mk. geschätzt wird, daß Mrs. Olivier Beimont die glückliche Besitzerin der berühmten Perlenschnur ist, die einst Marie Antoinette, Frankreichs unglücklicher Königin, gehörie, und ivclche mindestens 750,000 Mk. Werth besitzt, daß Mrs. George Gould außer ihrer unschätzbaren Sammlung an Rubinen und Diamanten ein Halsband ihr eigen nennt, für das 550,000 Mk. bezahlt worden, Airs. Henry
Sloane sich mit einem solchen schmücken kann, das 650,000 Mk. gekostet k. 2 c.
Noch weit geeigneter übrigens, um diese Neichthümer der Frauen und Töchter unserer Gcldsnrslen ins rechte Licht zu stellen, als Bälle und Soiree», ist das Theater. Bei Gesellschaften wird ein Gesamiiilüberblick meist ganz unmöglich, die kostbarsten Toitcllcii, die prächtigsten Steine werden leicht übersehen, wenn ihre Trägerin eine kleine Statur hat oder nicht die Gabe besitzt, die Aufmerksamkeit ans sich zu lenken. Ganz anders im Theater, und wer zum ersten Mal einen fashionablen New-Iorker Mnseiiicmpel betritt, wird überrascht sein von dem glänzenden Anblick, der sich ihm bietet. Als anfänglich Schauspielhäuser hier entstanden, nahm man sich die Londoner znm Muster, und hinter den Parkettsitzen befanden sich stets noch mehrere Reihen solcher, welche, wie mir erinnerlich, in Deutschland als Sperrsitze bezeichnet werden und für einen bescheidenen Preis erhältlich sind. Im aristokratischen Europa bestehen diese wohl noch in den meisten Museickempeln, hier fand man jedoch, dcrAnblick leide darunter, wenn weniger gut gekleidete Zuschauer so sichtbare Plätze ein- nehmen. Diese sind also jetzt in die höheren Regionen verbannt und Parkett und erster Rang mit einem Publikum gefüllt, das an Glanz und Ncichthnm der Toiletten allerdings nichts zu wünschen übrig läßt. Damit dicS auch recht zur Geltung kommt, sind die Brüstungen der Logen niedrig, zeigen diese keinerlei Draperie oben oder an de» Seiten, sodaß ein vollständig ungehinderter Ucbcrblick ermöglicht wird. Wer also Toilettenstndien machen oder sich an Schönheit berauschen will, kann keine bessere Gelegenheit dazu finden, als eine Galavorstellung im Metropolitan Opera House. lind denselben ücrnmg sich ja sogar Jeder zu verschaffen, der einige Dollars opfern will, mährend, um in diesem republikanischen Lande in die „Gesellschaft" zu gelangen, man entweder der Besitzer einer sehr stattlichen Anzahl von Millionen, eines bcrühmien Namens oder last nut least — einer langen Ahncnrcihe s-'U'Nuß. Karl Schenk. .
