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« Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». Bezngs-PreiS: durch den Verlag L» Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. ««» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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flbend-ftMsgafoe.

Der Einfluß des Krieges nuf die englische Gesinnung.

Unser Londoner n-Korrespondent schreibt uns unterm 25. August:

Ueber den Einfluß des Krieges auf den Charakter einer Nation ist bereits viel gestritten worden. Die bestehende Meinungsverschiedenheit ist natürlich darauf zurückznführen, daß sich ein Maßstab nicht immer leicht finden läßt, um denselben zu messen. Wir hören zwar oftmals in der Presse oder in öffentlichen Reden, diese oder jene Nation hege be züglich irgend eines Punktes diese oder jene Gesinnung. Das Räthselhafte daran ist nur, wie die betreffenden Zeitungsschreiber oder Redner sich ohne eine all­gemeine Abstimmung über die nationale Meinung zu unterrichten vermochten. Solche Aeußerungen sind natürlich unsinnig, und für Diejenigen im höchsten Maße irreleilend, die niemals deren wahre Natur in Erwägung zogen. Den besten Maßstab der öffentlichen Meinung bildet entschieden die Presse, denn dieselbe vertritt nicht, wie so oft behauptet wird, lediglich die Ansicht eines einzelnen Mannes, nämlich des jeweiligen Verfassers eines Artikels, sondern die der Leute, die eine Zeitung um der von ihr vertretenen Tendenz willen halten. Es ist daher nur natürlich, daß der Einfluß, den ein Krieg auf den Charakter einer Nation ausübt, eben­falls nach dem Tone ihrer Presse beurtheilt werden kann. Eine Gelegenheit dazu bietet sich gegenwärtig in England. Wie vollständig der Sinn für Recht und Gerechtigkeit ver­loren zu gehen vermag, hatten wir bereits zu Anfang der Transvaalkrisis Gelegenheit zu beobachten. Jetzt aber sehen wir, daß ein vonvornherein entschiedener", dank der er­bärmlichsten Unfähigkeit deskommenden Siegers" aber schier endloser und erbitterter Krieg in jenem allen Sinn für Moral und Ehrenhaftigkeit zu ersticken vermag. Es geht das unter Anderem aus einem soeben in der aristo­kratischenMorning Post" veröffentlichten Briefe eines der Kriegskorrespondentcn dieses Blattes hervor. Der Brief an und für sich wäre ja bedeutungslos, denn er drückt nur die unsauberen Gesinnungen eines Ein­zelnen aus. Bezeichnend aber ist es, daß eine so angesehene Zeitung denselben veröffentlichen mochte. Jener Korrespondent, ein gewisser Mr. John Stuart, kritisirt, wie das selbst jetzt hier in England an der Tagesordnung ist, die englische Kriegsführung und schlägt ein Mittel vor, durch das man die Buren längst hätte gefügig machen können. Dasselbe läuft schlechtweg darauf hinaus, daß die Heeres­leitung den britischen Truppen das Stehlen nicht nur ge­statten, sondern geradezu befehlen solle.Ich befürworte das Plündern," schreibt er,es übt einen äußerst heilsamen Einfluß auf die Bewohner des Landes aus, durch das das Heer zieht. Hätten die Buren das von Anfang an ernstlich zu befürchten gehabt, so wäre der Krieg längst zu Ende. Die Frage, ob Eroberung mit Hülfe von Dieb­stahl gut zu heißen ist, brauchen wir unseren Lesern gegen­über nicht zu erörtern. Ohne Zweifel giebt es auch zahl­reiche Engländer, denen e§ nie in den Sinn kommen würde, daß dieselbe der Erörterung werth sei, doch dem größten Theil der englischen Presse nach z» urtheilen, befinden sich diese in der verschwindenden Minderheit. Läge die Leitung des Kriegs in anderen Händen als denen Lord Roberts, der bisher mit großer Entschiedenheit an den Gebräuchen dessen festhielt, was man civilisirte Kriegsführnng nennt, so würde man sich wahrscheinlich keines noch fo drastischen Mittels geschämt haben. Ehe Roberts das Oberkommando in Südafrika übernahm, scheinen sich die englischen Soldaten vielfach nicht besser als die Türken und Kurden benommen zu haben. Aber selbst jener greise Feldmarschall zeigte indeß neuerdings mitunter Neigung, seinen hohen Nuf als menschenfreundlicher Feldherr zu gefährden. Die Ausweisung der Burenfrauen und Kinder aus Pretoria war eine kaum Zu entschuldigende Handlung. Der Berschwörungsprozeß über, zu den ein asssnt provoeatonr die Gelegenheit lieferte, setzt ihn dem Verdacht aus, daß er ein Vorgehen guthieß, das nur den Zweck haben konnte, einen Vorwand für neue drastische Maßregeln zu liefern.

Dritlsches Reich.

Regierung und Reichstag.

Man muß nachgerade darauf verzichten, das psychologische mäthsel lösen zu wollen, das in der Abneigung der Ne­nnung gegen einen früheren Zusammentritt des Reichstags steckt. Schließlich ist jede Politik verständlich, die etwas Bestimmtes will, sei dies Bestimmte auch noch so absondcr- uch. Unerklärlich aber bleibt es, was die Negierung wohl damit wollen und beabsichtigen könnte, wenn sie den Neichs- tng bei Seite schiebt, während sic ihn doch unweigerlich braucht. Würde die Entscheidnng der Frage nach dem Zu­sammentritt de» Reichstags irgend einem Kanzlcirath zu-

1 geschoben worden sein, so könnte sie nicht in mehr subalternem 1 Geiste ausfallen, als es jetzt geschieht. Nach der Praxis langer Jahre beginnt die NeichStagssesston in der Regel in der zweiten Novemberhälste. Die Regierung, die sich so hartnäckig gegen die in allen Parteien erhobene Forderung einer baldigen Berufung sträubt, wird diesen Wünschen mindestens so weit cntgegenkümmen, daß der Zusammentrittschon" im Oktober, vielleicht sogar schon Ende September erfolgen soll. Weshalb also wird nicht ein weiteres Entgegenkommen, mindestens in der Form, gezeigt? Würde die Regierung jetzt erklären, daß sie den Reichstag zwar nicht bereits in acht oder vierzehn Tagen, doch aber anfangs Oktober ein berufen werde, so brauchte dafür gewiß kein Dank ab- gestaltet zu werden, und zum Unmuth über die allzu lange Mißachtung gebotener Anstandspflichten wäre gerade noch Gelegenheit genug da, aber die äußerste Schroffheit wäre doch verniiedcn. Was später kommen wird, weiß man schon fftzt ganz genau. Die Kritik an der Chinapolitik der Regierung, die möglichst lange hinausgczögcrt werden soll, wird infolge der verspäteten Berufung des Reichstags umso lebhafter werden, und die Geringschätzung des konstitutionellen Gedankens durch die Regierung wird dafür sorgen, daß jene Kritik ein Echo findet, das ihr unter anderen Ilniständcn vielleicht gefehlt hätte. Zu welchem Zweck also bereitet sich die Regierung Schwierigkeiten, die sie wahrhastig vermeiden könnte? Sie muß doch aus den immer gereizter werdenden Auslassungen auch von sehr ge­mäßigter Seile zur Genüge erfahren haben, wie beträchtlich sie sich vergriffen hat, als sie meinte, die Parteien würden sich solche Behandlung oder vielmehr Mißhandlung gefallen lassen. Wenn die Regierung es so haben will, wie es jetzt kommen wird, brauchen sich ja andere Leute nicht ihren Kopf zu zerbrechen, aber eine begreifliche Wißbegier fragt doch gern nach dem Warum, und die Lösung dieses Rüthsels ist, wie gesagt, so schwierig, daß anscheinend auch die er­gebensten Freunde der Regierung darauf verzichtet haben, sie zu finden.

L. Eine Phantasie?

Nach der Meldung eines Berichterstatters besteht der Plan, für die Kleinigkeit von 20 Millionen'die Häuser am Schloßplatz, gegenüber dem Schloß, anzukaufen und hier ein Pantheon zu errichten für eine Grabstätte großer Männer nach dem Muster von Paris und London. Die Kosten sollen durch eine Lotterie aufgebracht werden, und der Reichstag würde sodann um die Liebenswürdigkeit ersucht werden, die Millionen für das Pantheon selber zu bewilligen, wobei es aber noch fraglich sein soll, ob der Reichstag auch darüber mit zu bcstinimcn hätte, wem die Ehre zuzuerkennen wäre, im Pantheon zu ruhen, oder ob der Kaiser allein oder zu­sammen mit dem Bundesrath hierüber zu entscheiden hätte. Der Plan ist so abenteuerlich, daß man an die Erfindung eines Phantasten glauben könnte, wenn nicht schon seit Jahren zur Verschönerung des Schloßplatzes Vorschläge ge­macht würden, die zum Theil die Gunst sehr einflußreicher Stellen gefunden haben. Es ist möglich, daß cs sich diesmal um Aehnliches handelt.

Zum Fall Dullo.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zum Fall Dullo": Der Minister des Innern hat in der Frage der Bestätigung des zum besoldeten Stadtrath von Königsberg gewühlten Dr. Dullo lediglich die in erster Instanz durch den Regierungspräsidenten mit der Zu­stimmung des Bezirksausschusses getroffene Entscheidung aufrecht erhalten. Daß für diese Entfcheidung die Zu­gehörigkeit Düllos zur freisinnigen Volkspartei nicht maß­gebend mar, geht daraus hervor, daß in zahlreichen anderen Fällen der freisinnigen Volkspartei angehörende Magistrats- bcamte anstandslos bestätigt wurden, insbesondere daß in Königsberg Stadträthe, die der freisinnigen Volks­partei angehören, bestätigt wurden. Maßgebend für die Nichbestätignng Düllos war die weit über den Rahmen sachlicher Kritik hinansqeheade Form, worin er jahrelang agitatorisch gegen die Regierung und die höchste staatliche Autorität ausgetreten sei. Düllos aufreizende Agitation trug überdies wesentlich zur Verschärfung der politischen Gegen­sätze innerhalb der Bürgerschaft von Königsberg bei. Ohne Zweifel ist ein so leidenschaftlicher Parteimann für ein obrigkeitliches Amt ungeeignet. Der Minister des Innern sah von einem disziplinarischen Einschreiten ab, indem er erwartete, daß ein Hinweis auf die Dienstpflichteu Dullo veranlassen würde, die sich aus den Anforderungen seiner amtlichen Stellung ergebenden Grenzen innezuhalten. Der Regierungspräsident hat daher, wie gegenüber den in der Presse verbreiteten gegentheiligen Mitthciiniigen festzustellen ist, im Aufträge des Ministers Dullo die lhatsächlichen Vorkommnisse mitgetheilt, worin eine Verfehlung gegen die Pflichten eines mittelbaren Staatsbeamten zu erblicken ist. Besonders ist dabei hervorzuhebcn, daß Dullo über eine Reihe dieser Vorkommnisse bereits früher amtlich gehört wurde und deren Nichtigkeit im Wesentlichen anerkannte. Dullo, wie er beantragt hatte, eine Abschrift der Verfügung des Ministers des Innern zu ertheilen, lag kein Anlaß vor,

weil die Verfügung nicht an Dullo, sondern an den Regierungspräsidenten gerichtet war und diesem eine An­weisung ertheilt wurde, in deren Ausführung seine Unter­redung mir Dullo stattfand.

Zur Vorgeschichte der Ernennung des Grafen Wälder see

theilt das Organ der deutsch-socialen Reformpartei, die Deutsch-Socialen Blätter", angeblich ausganz sicherer Quelle" Folgendes mit: Eine hohe Frau, von deren

schwerer Erkrankung einzelne Zeitungen jüngst zu berichten wußten, ist keineswegs so leidend, daß sie nicht noch jede Gelegenheit mahrzunchmen bereit wäre, um die Interessen ihies Vaterlandes zu fördern. Sie kennt den hohen Sinn ihres erlauchten Sohnes, der darauf gerichtet ist, dem deutscher Volk den ersten Platz unter den Völkern der Erde zu sichern und da man neuerdings in England wieder einmal entdeckt hat - und ein englischer Staatsmann hat es in den letzten ^.agcn offiziell ausgesprochen, daß die Interessen Eng­lands und Deutschlands in den meisten Fällen die gleichen iV* 1 !' K ^' en ^ cr Zeitpunkt sehr geeignet, dem Deutschen äteiche eine Ehrung zu erweisen. Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland, bekanntlich eine Enkelin der Königin Viktoria, der dieser Plan unterbreitet wurde, hat ihren hohen Gemahl s' a r. in J 3eia11 ^^' unserem Kaiser den Vorschlag zu riiachen, daß GrafWaldersee zum Oberbefehlshaber präsentirt werden möge. Zarte Damenhändc haben also dem Deutschen Reiche die verantwortungsreiche Ehre der Führerschaft in Ostasien verschafft."

* * *

* Abänderung der- Gewerbeordnung. Der ^Reichs- Anzeiger veröffentlicht eine Verordnung zur Ausführung des ^telchSgesetzes, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 2 O. Juni 100. Danach beschließt über Anträge auf Erthcilung der Erlaubmß zum Betriebe des Gewerbes eines Pfandvernilttlers, Gcsllidcllcrmicthers oder Stelleuvermittlers der Kreis-(Stadt-) t if d" Erlaubmß versagt, so steht dcni Antragsteller

luuerhalb zwei Wochen der Antrag auf mündliche Verhandlung im Vcrwaltttugsstreitverfahren vor dem Krcis-(Stadt-)Ausschusse zu.

^ des Bezirksausschusses ist eudgültig. In den zu

emeiu Landkreise gehörigen Städten mit mehr als 10,000 Ein- Mern tritt an die Stelle des Kreisausschusses der Magistrat (kollegialische Gemeindevorstand).

mr. t Denlsch'Sttdwcstafrilra. Zur Veredelung des Pserdematenals der deutschen schutztruppe in Deutsch-Südwest- asnka wurden mit dem Montag nach Deutsch-Südwcstafrika Mkduten DaiupfcrAnna Woermauu" vier aus dem kaiserlichen Ocstut stammende Zuchthengste (Rennpferde) nach Swakopmund m den letzten Jahren oft vorgckommeu ist, daß dclartige werthvolle Pferde auf der Reise nach Afrika eingegangcn sind, so hat man für diese vier Thiere bedeutend größere Trnnsport- rojcu aufertigen lassen, in denen die Pferde größere Bewcgnngs-

Auslaird.

Cecil Rhodes' Eisenbahnprojekt.

-n Koitdsit, 25. August. Von demNapoleon Süd- r' 1 ,, Cecil Rhodes, hat man längere Zeit nichts mehr gehört, mid infolge dessen tauchten die abcnleuerlichsten Gerüchte über seinen Verbleib auf. Vor allen Dingen hieß es, Rhodes habe sich insPrivatleben" zurückgezogen, und gerade diese Behauptung erwies sich als am Wenigsten zu­treffend, denn er war nnunterbrochen in seinen Angelegen­heiten thätig. Am Meisten liegt ihm bekanntlich di-^ Durch­führung^ seines Projektes, eine Eisenbahn von Kapstadt nach Kairo, am Herzen, das man ja nach seinem Besuch in Berlin schon für stark gefördert hielt, da ursprünglich an­genommen wurde, es sei ein Abkommen wegen Durchlegnna der Bahnlinie durch Dcutsch-Ostafrika getroffen worden. Nach den neuesten jetzt vorliegenden Nachrichten scheinen aber die Bedingungen doch zu schwierige gewesen zu sein, sodaß Rhodes sich an die Regierung des Congostaates gewandt hat, die, wie aus den nachfolgenden Meldungen hervorgeht, offenbar entgegeiikoiiimendcr war als die deutsche. Einerseits wicd nämlich aus Viilawayo berichtet, daß RhodeS sich dort befinde und im Anschluß daran, daß dieBulawayo and Vicioria rseallv -Eisenbahn durch den Congvstaat weitergeführt werden soll, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach als Hanptlinie. Unmittelbar nach dieser Meldung traf eine solche ans Brüssel ein, wonach der Coiigostaal den Bau der Bulawayobahn durch sein Territorium genehmigt habe. Es mag nun ein b oßes ^insammentrcffen sein, daß zwei solche Telegrauiine iiinerhalo 24 Stunden veröffentlicht wurden; aber der Umstand, daß das erste aus einer Stadt kommt, >vv Cecil Rhodes sich augenblicklich aufhält, und das zweite vom Haupt- sttz der Eongostaat-Regieruiig, beweist, daß ihr Erscheinen keineswegs so zufällig ist, wie man auf den ersten Blick amiehmen kvniiie. Es dürfte also wohl als sicher an­genommen werden, daß Rhodes seine Eisenbahn nach dem Norden durch de» Congostaat weiterführen wird!

mr *Der Franziskanerpater Josef Volvoni

Bom Öligen Sebastian, wurde wegen Mchrt l-td.gung verhaftet und ins Gefängniß ab-

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