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Wiksbsöenkr TsAlsü.

Sr Verlag: Langgasse 27. , «nzei«en.Preis:

«8. Jahrgang Erscheint i« zwei Ausgabe». — Bezugs-PreiS; durch den Verlag SO Pfg. «i»n«tlich, durch bit Post » Mk. «o Pfg. »ierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Anzeigen-AnNKhme - »»' bi. Aufnahme später eingereichter Anzeiger, zur

No. 397.S»"sprech°r N-. K2, Montag, den 27. August. Fernsprecher N-. 52. I960.

Abend-Ausgabe.

Iürr öen Monat September:

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

ZU aboilnire», findet fich Gelegenheit iiu Verlag Langgaffe 27 , bei den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen in de» Vachbar­orten und fämmtlichen deutschen Reichspostaustalteu.

Sotten wir den Sedantog feiern?

Seildem Graf Waldcrsee zum Oberbefehlshaber der ver­bündeten Truppen in China ernannt worden ist, beeifcrt fich ein Theil der deutschen Presse, und darunter auch merk­würdiger Weise Blätter von untadelhafter nalionnler Ge­sinnung, dem deutschen Volke plausibel zu machen, die Rück- sicht auf die deutsch-französische Waffengemeinschaft in Ost­asien erlege ihm die Anstandspflicht auf, in diesem Jahre auf die festliche Begehung des Gedenktages der Schlacht bei Sedan zu verzichten. Man dürfe die Franzosen, denen cs ohnehin schwer genug gefallen sei, ihr Truppeukoulingent in China unter deutschen Oberbefehl zu stellen, nicht durch die laute Begehung eines Erinuerungstagcs kränken, der für sie schmerzlicher sei, als irgend einer des großen, oder wie sie sagen, des schrecklichen Jahres.

Ohne die gute Meinung solcher politischer Anstands­und Klugheitsprediger zu verkennen, vermögen wir uns doch nicht zu ihrer Ausfassung zu bekennen. Der nationale Geist in unserem Volk ist — Gott sei's geklagt! — nicht so lebendig und stark, daß cs rathsam wäre, ohne Weiteres auf ein so vortreffliches Mittel zu seiner Kräftigung und An- feuerung, wie die Sedanfcier ist, zu verzichten. Nie im ganzen Verlauf eines langen Jahres wird in der Nation die Erinnerung an die Tage, da „die deutsche Kaiserkrone aus den Bajonetten der französischen Qnarrös heraus­geholt wurde", so aufgcfrischt, wie am Sedantagc; nie im ganzen Jahr regt sich das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Deutschen, die stolze Freude an der durch Ströme edelsten Blutes verkitteten nationalen Einheit so lebhaft. Und auf dieses unvergleichliche Mittel zur Erhaltung des Nationalgcistes bei den Aelteren und zu seiner Erweckung bei den Jüngeren sollten mir verzichten, um Empfindelcicn der Franzosen zu schonen, weil zufällig in diesem Augen­blick im fernen Osten Deutsche und Franzosen Schulter au Schulter stehen?

Diese französischen Empfindeleicn, die übrigens allem Anschein nach mehr in der Vcrmuthung übertriebener zart- sühliger Deutscher, als wirklich jenseits der Vogesen vor­handen sein dürften, sind vollkommen unberechtigt. Schon Fürst Bismarck hat einmal darauf hingewiesen, daß wir nicht den 1. September, den Tag der Schlacht bei Sedan, zum Nationalfeiertag gemacht haben, sondern den 2. Sep­tember, als den Tag der Besiegelung der deutschen Einheit; nicht die Niederlage der Franzosen feiern wir, sondern unsere nationale und politische Auferstehung. Man hat vor­geschlagen, den 18. Januar, den Tag der Kaiscrausrnfung tu Versailles, zum Nationalfestlag zu machen. Aber ganz abgesehen davon, daß ein Wintertag wenig zur Ver­anstaltung von Masscnfestcn, wie sie zu einem National­feiertag nun einmal gehören, geeignet wäre, ist nicht zu ver­gessen, daß bereits am 2. September 1870 die deutsche Ein­heit geboren wurde, die am 18. Januar 1871 die Taufe "hielt, und cs entspricht deutschem Brauche mehr, den Geburts- als den Tauftag zu feiern. Ucbrigens haben die Franzosen umso weniger Grund, an der Feier des "• September Anstoß zu nehmen, als an diesem Tag die Republik, unter der sie nun schon ein Menschenalter leben, gleichzeitig mit der deutschen Einheit geboren worden ist. Höchstens die Bon«partisten kann diese Erinnerung kränken, auf diese Rücksicht zu nehmen, haben wir Deutschen aber doch wahrhaftig keinen Grund.

Allein auch wenn die Franzosen sich wirklich durch untere Sedanfeier unangenehm berührt fühlen sollten — fanii das ein ausreichender Grund für uns sei», darauf zu verzichten? Benehmen sich etwa die Franzosen so liebens­würdig zu uns, daß man von der Pflicht der Gegenseitigkeit sprechen könnte? Die unwirsche Art, wie Frankreich der Übertragung des Oberbefehls in China au einen deutschen General zugestimmt hat, war ungemein lehrreich, denn sie oerricth deutlich die wahre Gesinnung der Franzosen gegen “I* 8 - Sie würden sich durch die momentane Waffcngcnossen- lchaft im fernen Osten nicht im Mindesten abhallen lassen, über uns herzufnllcn und alles Land links vom Rhein ein- iusacken, wenn, eine Gelegenheit, dies ohne Gefahr derber Hiebe zu wagen, sich böte. Ja bei der bekannten Denkweise der Franzosen ist sogar zu besorgen, daß sic einen Verzicht Ts ® tl . lt W £H uns die Feier des herkömmlichen Sedantagcs ul» Zeichen der Schwäche, eines überwindlichen Dranges, von den Franzosen Verzeihung für die Siege von 1870 zu erlanae». aukkassen würden.

Nein, wir werden in jeder Hinsicht gut daran thun, in diesem Jahre Sedan ebenso zu feiern, wie all die dreißig Jahre her. Das einzige Zugeständniß, zu dem wir uns allenfalls herbeilassen könnten, wäre, der Feier noch mehr als bisher den Charakter einer Gedenkfeier für all die Braven zu verleihen, die vor dreißig Jahren den Heldentod für Deutschlands Ehre und Einigung gefunden haben, wobei ja auch der tapferen Feinde ehrend gedacht werden kann. Darum abermals heraus_ mit den schwarz-weiß-rothen Fahnen! Und wieder, wie bisher noch jedesmal am 2. September, möge über alles deutsche Land ein Strom inniger nationaler Begeisterung Hinflutheu und aus Millionen klopfender deutscher Herzen der Treuschwur zum Himmel steigen: „Für Kaiser und Reich!"

* * *

hd. Berlin, 27. August. Wie aus Graudenz dcpeschirt wird, »uldet der „Gesellige" aus Danzig: Für die diesmalige Sedanfcier seien voni Kaiser oder von der Heeresverwaltung keine besonderen Anordnungen erlassen worden, sondern es sei jeder Dienststelle überlassen, ob sie eine Sedanfeier veranstalten will oder nicht.

Deutsches Weich.,

Unberufene Schulmeisterei.

Berlin, 26. August.

Wenn sonst die amtlichen und offiziösen Blätter in Be­wegung gesetzt werden, um den Standpunkt der Regierung in irgend einer wichtigen Tagesfrage bekannt zu geben, so handelt es sich um die Vorbereitung irgend einer Aktion oder mindestens um die Abweisung einer Gegenaktion oder um deren rechtzeitige Durchkreuzung. Neu dagegen ist es, daß der Negieruugsapparat aufgeboten wird, um eine natur­gemäß zu Nichts führende Kritik an der Kritik zu üben. Man fragt sich beim Lesen der gereizten Kundgebungen im „Reichs-Anzeiger" und in der „N. A. Z." in Sachen Waldcrsee vergebens, welchem verständigen und verständlichen Zweck dieses starke Auftrumpfen dienen könnte. Die Sprache in beiden Artikeln ist so lebhaft gefärbt, und dabei macht die Leidenschaftlichkeit des Tones einen so subalternen Eindruck, daß das erste Gefühl sein muß: Selten wohl hat eine solche offiziöse Entgleisung stattgefundeu. Mau muß immer berücksichtigen, daß es sich hier um nichts Anderes als um die Bekundung einer Meinung gegenüber einer anderen Meinung handeln kann. Denn was sonst vermöchten „Reichs- Anzeiger" und „N. A. Z." ihatsächlich anszurichten, wenn sie das Verhalten zahlreicher Blätter anläßlich der Ncbcr- schwänglichkeitcn bekritteln, mit denen die Reise des Grafen Waldcrsee nach China begleitet worden ist? Der Ton der Ucbcrhebung, die falsche Manier einer Talmi-Vornehmheit in diesem wichtigthucrischen Aburtheilen ,,der genannten Organe mögen allenfalls noch entschuldbar sein, wenn man sich diese ganze Angelegenheit etwa auf russische Zustände übertragen vorstcllen wollte, aber bei uns hat man sich Der­gleichen sehr ernstlich zu verbitten. Vielmehr man kann sich das Verbitten sparen, man kann den Regierungsblättern seelenruhig überlassen, zu schreiben, was sie Lust haben, und man wird trotz dieser Schreibereien die Selbständigkeit eines wohlerwogenen Urtheils fcsthalteu, wie es sich gebührt. Dies Alles gilt in erster Linie gegenüber der anmaßenden Ceusur im „Reichs-Anzeiger". DaS amtliche Blatt selber hat die Geschmacklosigkeiten, zu denen die Ausreise des Fcldmarschalls leider geführt hat, durch die Unterdrückung einiger besonders taktloser Stellen in den offiziösen Telegrammen über die Bcjubclung des Grafen Waldcrsee gerügt. Wie kann cs da der unabhängigen öffent­lichen Meinung und ihren Organen verdacht werden, wenn sie das völlig nndcutsche Gcbahren einer taumelnden Berichterstattung nach Gebühr gegeißelt haben! Uns ist überhaupt kein ernst zu nehmendes Blatt begegnet, das nicht einen Unwillen über dies Zuviel an Lobhudeleien aus­gesprochen hätte. Je nach der Parteistellung und dem Tone ist die Kritik bald derber und bald zarter ausgefallen, aber in allem Wesentlichen war sie von übereinstimmender Herb- heit. Zugleich jedoch muß scharf betont werden, daß nirgends ein Zweifel au der Fähigkeit des Grafen Waldcrsee zum Worte gekommen ist. War es die Aufgabe, einen Heer­führer zu finden, dem das Vertrauen geschenkt werden konnte, daö seiner in Ostasien harrende schwierige Amt zu erfüllen, so konnte kein Besserer als Graf Waldcrsee gewählt werden, und vielleicht steckte die größte Anerkennung des Generals darin, daß das Selbst­verständliche nicht immer mit überflüssigem Nachdruck gesagt wurde. Die sonderbaren Leistungen Ser Regierungsblätter legen die Frage nahe, wer für diese ungewöhnlichen Miß­achtungen des politischen Taktes verantwortlich sein mag. Man kann sich schwer vorstcllen, daß ein Manu wie Graf Bülow dieAnweisung gegeben haben sollte, die beiden Artikel cbreiben und drucken zu lassen. Wer aber sonst die Ver­antwortung oder die Schuld trägt, das erfährt man später vielleicht im Reichstag, wo man noch Mancherlei über die verschleierten Vorgänge der jüngsten Zeit zu erfragen haben wird.

Der Reichstag.

Eine frühere Einberufung des Reichstags soll aus­geschlossen sein, so wird wiederholt versichert; aber trotzdem wird der Reichstag früher als sonst berufen werden; viel­leicht schon im September, jedenfalls aber im Oktober, also vier bis sechs Wochen vor dem üblichen Termin. Damit allein ist schon gesagt, daß die Negierung die Nothwendig- keiten anerkennt, die Volksvertretung über die chinesische Frage zu hören und zu unterrichten. Wenn übrigens ver­sichert wird, daß maßgebenderseits die Berufung des Reichs­tags für unnöthig erklärt werde, so könnte eine Untersuchung darüber, wie in diesen „maßgebenden" Kreisen gedacht wird, mancherlei Unbequemlichkeiten für einzelne ‘ hochgestellte Personen im Gefolge haben. Dem Kenner der Verhältnisse ist es keinen Augenblick zweifelhaft gewesen, daß gewisse Personen in der Regienuig den Zusammentritt des Reichstags, wenn auch nicht gewünscht, sodoch für ganz zweckmäßig gehalten haben, während einige ihrer Kollegen es mit der Angst be­kamen und vor den Gefahren einer ausgiebigen Erörterung der Chinapolitik der Negierung nicht genug warnen konnten. Diese trauervollen Propheten haben denn also Recht be­halte», aber doch auch nur zur Hälfte; denn, um eS zu wiederholen, der Reichstag wird wirklich früher als seit langen Jahren zusammentreten, und es ist auch nicht gerade ivahrscheinlich, daß alsdann das chinesische Trauerspiel schon zu Ende sein wird.

Bund und Konservative.

Die bündlerischen Führer sind so gütig gewesen, jüngst zu erklären, daß sie die Anregung nicht billigen können, wonach der Bund der Landwirthe sich als selbständige.Partei neben der konservativen Partei konstituiren möge. Die Ab­lehnung dieses Vorschlages richtete sich an die Adresse des Frciherrn v. Thielmann-Jakobsdorf, des Bruders des Schatz­sekretärs. Der agrarische Bruder des den Agrariern be­trächtlich verdächtigen Schatzsckretärs gehört offenbar zu den Wasserstieflern unter den Bündleru, und er muß ungewöhnlich derbes Schuhzeug, nägelbeschlagenes und thranduftiges an den Füßen haben, wenn selbst die Staatsmänner der okrersten Bundesleitung. einen sanften Schreck bei seinem Auftreten empfinden.. Diese Bundeshäupter also empfehlen die Fort­dauer des innigen Verhältnisses zwischen dem Bunde und der konservativen Partei, eine Sache, die sich dermaßen von selbst versteht, daß man ein Thielmann-Jakobsdorf sein muß, um sie nicht für selbstverständlich zu halten. Gleichwohl quiltirt jetzt die „Krcuzzeitung" mit gerührtem Danke für die Freundlichkeit der Bundesleitung. Was die Beiden wollen, die Bündler hier und die Konservativen dort, begreift mau nicht recht, weil nämlich jede Vorstellung davon unmöglich ist, wie es mit dem Verhältniß dieser Richtungen wohl anders stehen könnte, als es thatsächlich steht. Denn darüber sind doch Freunde und Gegner einig, daß Bündlcrisch soviel heißt als Konservativ und Konservativ soviel als Bündlcrisch. Eine Trennung wäre hier noch schmieriger als die der siamesischen Zwillinge; eine Trennung wäre nicht das Auseinandcrgehen von Gruppen, die zufällig zusammengehen und dies auch lassen könnten, sondern sie wäre die Halbirung, also die Tödtung eines geschlossenen Organismus. Der Selbstmord aber gehört nicht zu den Requisiten der Partcipolitik.

* *

.... * ktof- »md Personal - Nachrichten. Das Kaiserpaar

ist Samstag, Nachmittag gegen 5 Uhr ans der Wildparkstation bei Potsdam wieder cingetroffen. - Das „Kleine Journal" meldet aus oionn König Viktor Emanuel wird nach Ablauf der strengen Hoftrauer am deutschen Kaiserhofe einen Besuch abstatten.

Ansiand.

haftete einen Italiener Namens

ebene unb t....., ____

Diese Briefe enthalten Anweisniigei

.v,... ........MV Jloiigo, bei welchem höchs

verdächtige, in Amerika anfgegebene und nach Montebellina abrcssirt

Briese vorgefunden wurden, über geplante Attentate.

* Italien. Den, „Messagero" zufolge soll die qerichtlicl Untersuchung gegen einen Pfarrer Namens Bouliöve in'Nom ei, geleitet worden sein, der in einer Weinstube in der Bin Appia a agt haben soll: „BreSci that gut daran, den König zu ctödtci Wir werde» sehen, auf welche Weise sein Nachfolger sterben wird - Der betreffende Pfarrer soll geflohen sein. - Aus Kaste sandolfo (wo der Vatikan in der dortigen, voii ihm direkt al Mgigen Kirche die Abhaltung einer Leichenfeier für König Humbci verboten haben soll) wird telegraphisch gemeldet, daß heute doi Anregung der Municipalität eine große bürgerliche Kundigebun tatifand, an der 20 Vereine mit 20 Fahnen theilllahnieil. D> Depntirte Galliii, hielt eine Ansprache, welche mit großem Beifa

~ 7. ... iuuujc rnu aroßeiu roeisai

aufgenammen wurde. — Ein arbeitsloser Mensch durchbrach Freitag be sch beS Königspnares in Neapel den Trnppenkordon, stiej das Pferd des Kapitäns der Lcibknrasstere zurück und schwang siä sju.das Trittbrett de« königlichen Wagens, in den er eine Bitt

fcfjrtft hliieniwarf. Ein Geheimpolizist faßte ihn sogleich. Jude er ihn znruckdräiigte, erhielten Beide Säbelhiebe von bei, Lei! «"rossten. Das betreffende Individuum, Namens Esposito, scheii politisch nicht« ans dem Kerbholz zu haben.

«... 26. Alignst. Der „Messager de Brurellcs" melden

Als die Unteiofflzlere nnd Soldaten, welche zu dem belgischen Frc ^'^ncorps für China gehörten, die Auflösung des Corps e fctjveienb und lärmend durch das bei dem Uebump lager von Beverloo gelegene Dorf Bourg Leopold und begingen i