«8. Jahrgang.
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Uo. 392. Fernsprecher No. 52. Freitag, den 24. August.
Fernsprecher No. 52.
1990.
(Nachdruck verboten.)
Delling ans der Vogelschau.
Die unerwartet rasch gekommene Meldung von der Einnahme Pekings durch die Verbündeten richtet unwillkürlich die Blicke auf diese eigenartige Hauptstadt des himmlischen Reiches, weshalb wir unseren Lesern beistehend eine aus der Vogelschau gezeichnete Ansicht von Peking darbieten. Dieselbe ist von einem Punkt südöstlich der Hauptstadt, über dem Peihoflusse, an jener Stelle gedacht aufgenommen, von wo aus die Verbündeten den ersten vollständigen Anblick der Stadt hatten. Charakteristisch für dieselbe ist die Vielzahl der eigenartigen Tempel und Paläste, die mit ihren Thürmen und Spitzdächern das Hüusermcer weithin sichtbar überragen. DiesechLempel sind in unserer Zeichnung recht deutlich zur Darstellung gebracht, ebenso der kaiserliche Palast inmitten der heiligen Stadt und die die ganze Tartarcnstadt umgebende riesige Mauer.
Im Vordergrund links erblickt man den kaiserlichen Jagdpark, und zwischen diesem und der Stadt die Endstation der nach Peking führenden Eisenbahn. Im Hintergrund links begrenzt die chinesische Mauer den Horizont. Die Hauptbaulichkeiten der Stadt sind in unserem Bild durch Inschriften bezeichnet.
Der Angriff der Verbündeten richtete sich von Osten, von dem am Peiho gelegenen Ort Tungchou aus gegen die Stadt, die von den Wüllen aus eine Zeit lang vcrtheidigt wurde.
Dies ist in unserer Zeichnung ebenfalls in recht anschaulicher Weise zur Darstellung gebracht.
Aus Stadt und Kaud.
Wiesbaden, 24. August.
— Gefchlchtvlralender. 24. August. 1870: Besetzung von Chalons sur Marne durch die Deutschen.
1868: f Charlotte Birch-Pfciffer zu Berlin, berühmte dramat. Schriftstellerin. 1866: Auflösung des Rumpfbundestages zu Augsburg. 1836: f Christoph Wilhelm v. Hufelaud iu Berlin, einer der berühmtesten Aerzte Deutschlands (* zu Langensalza). 1831: f August Wilhelm Anton, Graf v. Gneisenau, zu Posen, der große Stratege des deutschen Befreiungskrieges (* zu Schilda i. Sachs.). 1796: Sieg Erzherzogs Karl über die Franzosen bei Amberg. 1759: f Ewald Christian v. Kleist zu Frankfurt a.O., namhafter deutscher Dichter und Kriegshcld (* zu Zeblin hei Köslin). 1572: Bartholomäusnacht, Tod des Adnnrals Coligny. 1313: ff Kaiser Heinrich VII. zu Buonconvento. 79: Ausbruch des Vesuvs, Zerstörung der Städte Hcrculanum und Pompeji.
— Falt» sagt: Der 25. August ist ein kritischer Termin 2. Ordnung. 28. bis 31. August: Die Regen verschwinden fast gänzlich, die Temperatur finkt wieder unter das Mittel. 1. bis
6. September: Meist von Gewittern stammende, sehr ausgebreitctc und stellenweise sehr ergiebige Rege» treten innerhalb dieser Gruppe mehrmals auf. Die Temperatur liegt verhältuißmäßig niedrig, infolge der durch die Gewitter verursachten Abkühlung.
— Zchädiichlrrit von Mundwässer». Auf dem internationalen zahnärztlichen Kongreß in Paris sprach Herr Zahnarzt Groot, Assistent am zahnärztlichen Institut der Universität Halle, über die schleimhautschädigcnde Wirkung zahlreicher Mundivässer. An der Hand von übersichtlichen und äußerst interessanten Versuchs- Präparaten wurde nachgewiesen, daß weitaus die meisten der bisher angewendeten Mundwässer die Mundschleimhaut erheblich schädigen
und sie schließlich in einen Zustand chronischer Entzündung bringen. Von schädlicher Wirkung sind: Kosmin (formalinhaltig), Kosmodont (Seifenspiritus), übermangansaures Kali, Tannin, Wasserstoffsuperoxyd, Thymol, Borax, Myrrhentinktur u. A.
<l. Dir rlrlilrischr Kahn scheint Morgens, noch mitgenommen von ihren Leistungen am verflossenen Tag, m letzter Zeit an einem gewissen Ruhebcdurfniß zu leiden. Wenigstens passirte cs vorgestern, daß die Wagen der Linie Bahnhöfe—Kranzplatz erst um 9 Uhr ungefähr Energie genug hatten, um ihre Thätigkcit beginnen zu können, und gestern Vormittag streikten diejenigen der Linie Bahnhöfe—Unter den Eichen eine geraume
Zeit. Diese wiederholte Betriebsstockung soll durch den seit der Eröffnung der neuen Linien bedeutend gesteigerten Stromverbrauch hervorgcrufcn worden sein. Ist dies in der That der Fall, dann mußte jedenfalls so bald wie möglich einem Ucbelstaud abgeholfcn werden, der sonst unsere Straßcnbahn-Vcrkchrsverhältnisse in Mißkredit zu bringen nur zu geeignet wäre.
— Frankfurter Kladttheatrr. Jui Frankfurter Opernhaus wird Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen" im Zusammenhänge, am 1. September beginnend, an folgenden Tagen zur Aufführung gelangen: 1. September: „Rheingold", 3. September: „Walküre", 7. September: „Siegfried",
9. September: „Götterdämmerung". In „Siegfried", „Walküre" und „Götterdämmerung" wird der bekannte Wagnersänger Herr Kammersänger Aloys Burgstaller Mitwirken. Die Preise werden die normalen großen Preise de? Opernhauses sein. Billets- Bestelluugen werden von jetzt ab täglich cntgegcngenommen.
uv. Dir Georgine. Die herrlichen Tage der Rosen »eigen sich dem Ende zu, und die Zeit ist da, wo man wehmüthig singt: „Des Sommers letzte Rose so einsam verblüht." Dafür tritt nunmehr die Georgine die Herrschaft im bunten Reiche Floras an. Wenn sic auch nicht im Entferntesten den herrlichen Duft der Blumenkönigin zu ersetzen vermag, so ist sie doch durch die Mannig-
(Rachdruck verboten.)
Durchfall, Ruhr und Cholera.
Von vr. uicd. L. A. Nossel.
Manche Personen wissen die genannten drei Krankheiten nicht genau zu unterscheiden und setzen sich so manchmal einer unnützen Angst aus. Es soll versucht werden, die drei Krankheiten genau zu charakterisiren, sodaß auch der Laie weiß, mit welcher Krankheit er es zu thun hat.
Durchfall oder Diarrhöe nennt man die schnell ein- trctcndcn und rasch wieder verschwindenden Abgänge mit geringen wässerigen Entleerungen. Sie werden gewöhnlich durch unmittelbare lokale Einwirkungen verursacht, wie durch den Genuß sehr kalter, gährendcr oder unverdaulicher Stoffe. Diese leichten Durchfälle sind nieistens eine Selbsthülfe der Natur; man gerathe daher nicht gleich in Angst und suche sie nicht mit allen Mitteln zu stopfen. Nur sobald ein Durchfall schwächend oder schmerzhaft wird, genieße man Schleimsuppen und zwei- bis dreimal täglich 20 bis 25 Tropfen weinige Nhabarbertinktur, welche den Magen stärkt und nicht allzuschnell Verstopfung hcrbeiführt. Sollten diese Mittel ausnahmsweise nicht helfen, so nehme mau stündlich 5 Tropfen einfache Opiumtiuktur aeif Zucker.
Der einfache Durchfall ist keine ansteckende Sache, wohl aber die Ruhr und die Cholera.
Beim einfachen Durchfall erscheint niemals Blut, wenigstens nicht in größerer Menge, eine kleine röthliche Färbung, die hier und da auftritt, braucht nicht zu erschrecken.
Die Ruhr, weiche in tropischen Gegenden heimisch ist, tritt bei uns manchmal epidemisch auf. Sie wird durch Bacillen hervorgernfen wie jede ansteckende Krankheit.
Die Ruhr oder Dysenterie ist eine sehr unangenehme und gefährliche Krankheit, man könnte sie die Diphtheritis der Dickdarm-Schlcimhaut nennen, welche sich bald gut — bald bösartig giebt, genau wie die Diphtheritis, und sich
durch häufigen und recht schmerzhaften Stuhlgang auzeigt. Hierzu gesellen sich meist noch: heftiges Fieber, Verfallen des Gesichtes, Auftreibung des Bauches, Krämpfe oder gar Bewußtlosigkeit. Je nach der Beschaffenheit der erkrankten Schleimhäute werden durch den Stuhlgang entweder eitriger Schleim (weiße Ruhr) oder Blut (rolhe Ruhr) oder häufiger. sehr übel riechende Massen entleert. Die Ruhr ist ebenso ansteckend wie die Cholera. Es empfiehlt sich daher, alle mit Ruhrkranken in Berührung gekommenen Sachen sorgfältig zu desinsiziren.
Warme Umschläge, warme Klystiere von schleimigen Sachen, Genuß von schleimigen Suppen sind auch hier von großem Nutzen. Zur Zeit von Nuhr-Epidemicen nehme mail niemals Abführmittel, und man hüte sich vor Magen- und Darmkatarrhcu. indem man diät lebt und eine Leibbinde trägt. Gewöhnlich im Sonimer, zur Obstreife, pflegt sich diese Krankheit cinzustellen, man genieße dann nur ganz reifes oder gekochtes Obst, welches aber vor dem Kochen auch reif gewesen sein muß. Unreifes Obst wird durch Kochen durchaus nicht unschädlich, im Gegenlheil, die scharfe Säure bildet sich erst recht und reizt die Schleimhäute des VcrdauungsapparateS. Gereizte Schleimhäute aber nehmen leicht Ruhr- und Cholerabacillen auf und rufen die Krankheiten hervor. Um bei ausgebrochener Krankheit den Verlust der durch den Stuhlgang verlorenen Blutbestandtheile zu ersetzen, genieße man flüssige, leicht verdauliche Nahrungsmittel, wie gute, mit Ei abgequirlte Fleischbrühe, schleimige Suppen und weiche Eier. Auch nach der Genesung soll man noch eine Zeit lang hauptsächlich flüssige Nahrungsmittel genießen und eine Bauchbinde tragen.
Der Brechdurchfall der Kinder ist ein Magen-Darm- kartarrh, welcher sehr viele Kinder wegrafft. Die Ursache dieser Krankheit ist in den meisten Fällen eine Erkältung. Erkältung des Unterleibes, kaltes Trinken, kaltes Baden und kalte Klystiere sind die häufigen Ursachen. Besonders gehört zu diesen das Bloßsirampeln der Kinder, zumal im Schlafe
und bei kalt-feuchter Luft, daun auch das Eintvickeln in feucht-kalte Windeln.
Etwas Aufmerksamkeit und Warmhaltcu des Unterleibes, des Bauches, verhütet diese unangenehme Krankheit. Die erste krankhafte Erscheinung, die man nie unbeachtet lassen darf, ist in der Regel ein Durchfall, der nach und nach immer häufiger, wässeriger und farbloser wird. Das Brechen stellt sich erst später ein. Gleich beim ersten Durchfall wende man die Wärme an, warine Bauchbinde, warme Tücher. Bei heufigerem Durchfall muß das Kind im Bett bleiben und warme Umschläge aus Leinsamenmehl oder Hafergrütze über den Leib erhalten.
Ruhr und Brechdurchfall bedürfen stets der ärztlichen Hülfe. Die schlimmste Durchfall-Krankheit ist die asiatische Cholera. Sie ist in Indien heimisch und wird durch die Verwesung der in den Flüssen ausgelcgtcn Leichen hervorgerufen, ein asiatisch-religiöser Gebrauch, gegen den die europäischen Mächte energisch Vorgehen sollten. Die Cholera erreichte Europa zum ersten Mal im Anfang unseres Jahrhunderts und hat bis heute viele Millionen Menschen dahingerafft.
Die Cholera ist im höchsten Grade ansteckend durch einen Pilz, den sein Entdecker Robert Koch den Komina- bacillus nannte. Dieser Anstccknngsbacillus kann durch Kranke, durch die Luft, durch Kleidung und dllrch jeden anderen _ Gegenstand verschleppt werden. Hauptsächlich ist das Anstcckungsgift in den Exkrementen des Kranken enthalten. Die Cholera befällt Menschen jeden Alters und Standes, meist aber solche, die ärmlich oder lüdcrlich leben, also durch Schwäche disponirt sind.
Vorboten hat diese unheimliche Krankheit nicht; höchstens stellt sich kurz vor dem Ansbruche Uebelkeit und Neigung zum Durchfall ein. Der Stuhlgang wird bald ganz wässerig, geruchlos und weißlich grau, reiswasserähnlich. Diese reiS- wasserähnltche Beschaffenheit ist das charakteristischste Zeichen, welches kein anderer Durchfall zeigt. * -
