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ifslnuViifr Tsglilsü.

48. Jahrgang

Erscheint in zwei Ausgaben. Beziigs-PrciS: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. ©O Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27

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N». 390.

Fernsprecher No. 52.

Donnerstags den 23. Angnst.

Fernsprecher No. 52.

1900.

Hjorfg©Bi«^&isgiali©.

gfür öerr Wonnt September

auf das

Wiesbadener Tagblatt"

Zu aboiniire», findet sich Gelegenheit im Verlag Lauggassc 27 , bei den rlusgabestellen, den Zweig-Lxpeditionen in den Nachbar­orten und sämmtlichen deutschen Reichspostanstaltcn.

(Nachdruck verboten.)

Mas ist Schimmel?

Von Dr. S<. Driesen.

Bald ist der Herbst da, und mit ihm stellt sich das feuchte Wetter ein, das den Schimmel hervorruft, den fatalen Schimmel. Sehr ungehalten werden die Hansfraucn, wenn bei feuchter Witterung sich das Brod und manche andere Nahrungsmittel mit grünlichem, stäubendem Sammetbeschlag überzieht. Selbst in der anscheinend trockenen Rumpel­kammer sind Ledermerk und Zcugstnffe mit demselben fatalen Schimmel bekleidet. Was ist dieser Schimmel und wie entsteht er?

Pflanzen sind die Schimmelarten. Sie entstehen gleich diesen aus Samen, welche freilich mikroskopisch klein sind Der Botaniker nennt sie auchSporen". Die fatalen Schimmclgebilde, die so manches Brod und so manchen Käse ungenießbar machen, sind eben so gut Pflanzen wie das Moos auf dem Dache, die Flechten am Felsen und die Algen im Bache. Kaum eine andere Pflanze ist so fleißig von der modernen Wissenschaft untersucht worden als der verachtete Schimmel, denn die Bedeutung dieser unschein­baren Pflanze hat sich für den Haushalt der Natur als höchst wichtig erwiesen.

Die Vermehrung der Schimmelgebilde ist eine ganz ungeheure. Die kleinen, mit dem Auge nicht wahrnehmbaren Sämchen werden von der Lust überall hingctragcn, kein Raum ist frei von ihnen, selbst nicht das Innere des menschlichen Körpers. Die Luft, die mir athmen, ist inimer reichlich gefüllt von denselben; man hat sogar berechnet, wie viel Pilzkeime wir in jeder Minute in uns aufnehmen, die sich an den Schleimhäute» der Nase, des Mundes re. ab­lagern. Man untersuche nur einmal den weißen Beleg unserer Zunge oder der Zähne mit dem Mikroskop, welch ein Bild bietet sich da!

Tausende und Tausende von rundlichen pflanzlichen Keimen, untermischt mit feinen Fädchen, erblicken wir in einer Masse, die kaum stccknadelkopfgroß ist. Doch alle diese Keime und Pflänzchen gehören zum menschlichen Organismus, zu seinem Stoffwechsel, sie sind unentbehrlich zu den Ver- daunngsvorgängen. Nur zu Zeiten von Epidemieen nimmt der Körper auch Cholera-, Diphtheritis- und andere Keime

oder Bacillen in sich auf und geht daran zu Grunde, wenn sein Blut nicht gesund ist. Gesundes Blut aber tödtet alle giftigen Keime, es läßt keine Krankheit aufkommen, es bleibt stets Sieger allen Pilzen gegenüber. Neuerdings versteht die Wissenschaft unter Schimmel nicht mehr alle schimmel­artigen Beschläge, nicht niehr alle die weißen, bläulichen oder grünlichen Flecke und Ueberzüge, die sich auf Brod, Käse oder Schuhzeng finden. Der Botaniker nennt heuteeigentlichen Schimmel" (Hyphomycelen) nur noch diejenigen Fadenpilzchen, welchefreie Sporen" bilden, also keine in mikroskopisch kleinen Schläuchen eingcschlossene Spore». Solch ein echter Schimmel ist beispielsiveise der an faulenden Früchten oder altem Brod auftrctendeKopfschinimel". Andere Schimmel- arten greifen auch gesunde, lebende Pflanzen an, so der bekannteKartoffelschimmel", der sich im Juli oder August ans den Kartoffelblättern durch braune Flecken kennzeichnet und das Blatt allmählich zerstört. Später wird er auf der Unterseite des Blattes auch als weißer Schimmclüberzug sichtbar, und er besteht dann aus aufrechten Fäden, an deren Spitzen sich die freien Sporen bilden, ivelche rasch reifen und abfallen? Der Wind weht diese leichten Sporen dann umher, und wo sie an andere feuchte Kartoffclpflanzen ge­langen, da siedeln sie sich an, bis der Regen sie abspült, in den Boden drückt, bis sie an die Kartoffelknollen gelangen, diese zur Fäulniß bringen und so die Kartoffelkrankheil er­zeugen.

, Deruneigentliche Schimmel" ist einKernpilz", das heißt scine^ Sporen sind in Schläuchen eingeschlosscn. Unter der Lupe sieht diese Schimnielform wie feine Filigranarbeit aus und stellt meistens strauchartige, zierliche Gebilde dar, mit perlschnurartigcn Zweigen reich behängen. Die einzelnen Perlglieder schnüren sich bald ab, werden verweht und pflanzen so die Art massenhaft fort.

Zu ihnen gehören die Mehlthaupilze,Odium Tuckeri, welcher die Tranbenkrankheit erzeugt,Aspergillus glaucus, der bekannte Pinselschimmel.

Zum Schimmel gehören auch die einfachsten Pflanzen der Flora, welche nur aus einer einzigen rundlichen Zelle bestehen, dieHefe- oder Gährungspilze". Es sind selbst­ständige Pilzsorten, die nur eine einzelne, mikroskopische Zelle darstcllen und sich als solche auch fortpflanzcn, durch Thcilung nämlich, indem sie Ausstülpungen an sich bilden, welche zu neuen Zellen anwachsen und dann abgestoßen werden. Zu ihnen gehört derZuckergährnngspilz", welcher bei der Bier- und Wcingährung eine so große Rolle spielt.

Die Temperatur der umgebenden Luft svielt bei diesem Gährungsprozeß gleichfalls eine große Rolle/ wie der Bier­brauer sehr genau weiß. Bei niedriger Temperatur setzen ich die Pilze zu Boden, und es entsteht die Untergährung des Bieres. _ Bei höherer Temperatur, 15 bis 18 Grad Celsius, steigen die Pilze an die Oberfläche und erzeugen o das gewöhnliche Bier (Obergährung). b Schließlich giebt cs noch eine große Anzahl selbständiger Gährungspilzchen, die kleinsten Pflänzchen, die nian über­

haupt kennt; es gehen ihrer etwa drei- bis viertausend auf den Raum eines gedruckten, gewöhnlichen Komnias. lind dennoch sind diese winzigen Pflanzen von der allergrößten Bedeutung in der Natur. Alle Fäulniß, Verwesung und sonstige Zersetzung organischer Substanzen wird durch die­selben bewirkt. Ihre Vermehrung ist eine ungeheure, sodaß ein einziges Pflänzchen unter günstigen Bedingungen sich innerhalb drei Tagen bis zu 47 Trillionen vermehren kann. Diese Pilzchen sind auf Erden allgegenwärtig, in der Luft und im Wasser. Zu ihnen gehören besonders die Schizomyceien" oder Spaltpilze. Ihr Arbeitsfeld ist ein getrenntes Einige erzeugen die Fäulniß, andere das Sauer- oder Bitterwerden mancher Nahrungsmittel, so das Sauerwerden der Milch, indem sie den Milchzucker in Milch­säure umwandeln. Andere sind thätig bei der Umwandlung des Gerbstoffes in Gerbsäure, noch andere bei der Bildung der Käse- oder Bnttersäure.

Eine ganz besondere Art scheint es zu sein, die in den Elstgfabrikcn benutzt wird und die Oxhdirung des Alkohols zu Essig veranlaßt.

, . ®' e [J'k e f mtc !&' die viele hochgeführliche Krankheiten bei Mensch und Thier erzeugen. Der Milzbrand wird ver­ursacht durch denbacillus Antliracis, der Rückfall-Typhus durchLpiroobseto Oberwazeri"; desgleichen treten bei Cholera, Diphtheritis, Blattern, Scharlach und Masern be­stimmte Spaltpilze auf.

. Andere ungefährliche Spaltpilze erzeugen bestimmte Farb­stoffe, soKiewooceus prvtigiosus", der sich bisweilen auf feuchtem Brod, auch auf Oblaten und Hostien einsindet und blutrothe Flecke verursacht, was in früheren Zeiten das Wunder der blutenden Hostien hervorrief. Es bilden sich durch diese Pilze auch oft in feuchter Luft auf gekochten Eiern, Kartoffeln braune, grüne, gelbe oder blaue Flerke.

AUS Iiasr «US Lanv.

Wiesbaden, 23. August.

,.7~ Gelchrchtokalkndcr. 23. August. 1866: Friede zuPraa zwischen Oesterreich und Preußen. 1813: Schlacht bei (Iropmctr, m ltn über die Franzosen unter Oudinot. be. Neu.narkt ,n Bayern. 1792: Einnahme von o w 5uldtmg XVI. von Frankreich, Sohn des Dauphin Ludwig und der Maria Jojcpha von Sachsen (f 1793 auf dem Schafott). '

..77 Kchiiheufest. Am Dienstag schien das Wetter den Fest- lichkciten etwas günstiger sein zu wollen. Es stellten sich denn auch schon bald nach Mittag die ersten Schützen Unter den Eichen ein, und ms zum Einbruch der Dunkelheit wurde eifrig geschossen, wöbe, recht hübsche Treffer erzielt wurden. So schoß Herr Brauerei- ^sll^r Han« Kusfncr tm freihändigen Stand gegen die Feld- Mwt G00 Meter Entfernnng) mit drei Schuß 55 Ringe. Das ochste, was in drei Schuß erreicht werden kann, sinv 60 Ringe, s war dies also eme vortreffliche Leistung. Im Ilebrigen War «r b ( tr .Mpkatz nicht sehr zahlreich besucht, und als sich am Abend wieder Regen cinstellte, blieb trotz des schönen Konzerts der Gottschalk'schen Kapelle (Mer) der Besuch ein geringer, 7luch gestern zeigte der Himmel leider ein wenig freundliches Gesicht. Für den Fall, daß wegen des nngünstigen

(Nachdruck verboten.)

Wiener Modebrief.

Von Hermine Hayn.

Hochsommer. Bartationen der Mode. Wienerisch Sommertoilette. Fonlardtoiletten. Nückwärt troussirter Rock. MiniatnrfSchrr. Die Knopfsticf« brirger» sich wieder ein. Neueste Hntform. Jnpons BatistrScke.

Glühend heiße Tage, schwüle tropische Nächte hat uns der Hochsommer beschicken, ein Hochsommer, wie wir ihn seit Jahren nicht erlebten, und welcher die in jedem Jahre um diese Zeit eintretende Slagnalion heuer besonders recht­fertigte. In der sauerenGurkenzeit", wie der Wiener sagt, stockt Handel und Wandel, mich die Mode hat uns nichts Neues mehr zu sagen, nur ihre Variationen machen sich bemerkbar, verschiedene Tonarten auf eine bekannte Melodie. Dazu kommt, daß der größte Theil jener Damen, die in Mode-Angelegenheiten tonangebend sind, mit ihren neuesten Toilette-Errungenschaften entweder in den böhmischen Bädern oder in den Alpen weilen, sodaß momentan in Wien selbst von großer Toilette-Entfaltung nicht die Rede sein kann. Immerhin giebt cs fesche Wienerinnen genug, welche in reizenden Somincrkostümen in den verschiedenen Garten-Rcstaurants, wie z. B. inVenedig in Wien" oder imVolksgarten"^ zu beivundern sind und ihren in der Fern- weilenden Mit- sthmestern keine Schande machen. Die eigentliche wienerische Sommertoilette ist meistens sehr einfach gehalten, nur gcivisse Neuheiten, ivelche die Mode charakterisirt, dürfen Vicht fehlen, was nur dazu beiträgt, um den Reiz derselben zu erhöhen. So sehen tvir häufig weiße Seidenleinenröcke «nt niedergcstepptcn Falten, welche vom Knie abwärts auf- fpringen, und so dem Rock die einer Blume gleiche Eut- saltung sichern. Die rückwärtige Bah» ist in eine schniale Hohifalte gelegt, welche ganz mit»gsreih»n schmal gesteppter Sänmchen verziert ist. Die Länge des Rockes erlaubt der Trägerin nicht, ihn auf der Erde liegen zu lassen, und da beim Heben Chaussure und Jupon stark zur Geltung kommen, so ist

es nur natürlich, daß man diesen letzteren besondere Sorg­falt zu Theil werden läßt. Doch auf dieses Thema werden wir später znrückkommcn. Eine Weste ans ä jonr Batist mit gelblichen Einsätzen und ein Bolerojäckchen vervoll­ständigen jene Toilette. Um die Revers des Jäckchens legt sich ein gelblicher Spitzenkragen oder ein solcher aus Batist- stickerci. Ein Gürtel aus weißem Scidcngummi mit großer, secessionistischcr Schnalle aus Stahl und Emailmalcrci oder aus Altsilber mit Emailauflage verbindet Rock und Weste und ist rückwärts unter dem kurzen Jäckchen theilweise sicht­bar. Der Acrmel zeigt nur bei der Kugel einen sich bis zum Ellbogen verlierenden Säumchcnputz und endet mit einer Umschlagmanschette in Stickerei oder Spitze. Bei den Heuer sehr beliebten Fonlardtoiletten in chinesischer Seide finden wir den alten Aennel nach Bildern der Sechziger- jahre. Er reicht nur bis zum Ellbogen, wo er sich stark erweitert, während ein Unlerürmel aus Spitze weit und faltig geschnitten demselben entfällt, den Unterarm scheinbar verhüllt, ihn jedoch bei jeder leichten Beivegung sichtbar werden läßt. Die neueste Mode verlangt den rückwärts lroussirten Nock, welcher bisher nur in vereinzelten Exem­plaren zu sehen ist. Fast alle Sommerkleider sind in ihren oberen Thcilcn und in den Aermcln ä jour gehalten, ent­weder durch eine Kombination von Einsätzen, oder durch einen ganzen sogenannten Sattel aus Clunyspitze oder Luft­stickerei. Junge Mädchen tragen meistens Waschkleidcheu auS dem modernen Blau,bien dlectrique genannt, mit großem Batiststickereikragen und halblangen Aermeln; waschlederne Halbhandschuhe reichen bis zum Ell­bogen, auch die Filcthandschuhe in farbiger Seide sind sehr beliebt, während zu großer Toilette ein bis zum Ellbogen reichender Halbhandschuh aus weißer oder schwarzer Chantillhspitze getragen wird letzterer natürlich nur von Erwachsenen; die Jugend schmückt man weder mit Spitzen Noch Juwelen, wenn auch die Mode diese Erzeugnisse besonders begünstigt. Die große Hitze hat einen kleinen Gegenstand sehr prolegirt, und zwar den Fächer.

Wieder ist es China und Japan, welche uns daniit versehen, wie überhaupt die ganze Mode und Stilrichtung im Zeichen osiasiatlschcr Kultur steht, welche mit der barbarischen Gesinnung derChinese", wie nian sie hier in Wien von jeher halb spöttisch, halb mitleidig nannte, in großem Wider­spruch steht. Die steifen, aber so huinoristischen Bildchen auf Papier, Seide und Leinwand, welche unsere Fächer schmücken, werden aber durch die aus türkischem Gebiet stamnreuden zusammenlegbaren Fächer aus Rosenholz ein wenig verdrängt, welche uns mit der Luft auch gleich Wohlgerüche zmvichen. Silemc Blumensträuße, auch Schmetterlinge, willkürlich an­gebracht, bedecke» in zarter Malerei den Miniaturfächer, der mit einer schmalen Seidcnfranse in der Farbe des Holzes abschlicßt und im Ridicule Platz findet. Zn den lichten Sommcrtoilcttcn wird häufig der Schuh aus grauem Anti- lopcnledcr oder weißem Glaceleder gewählt. Mehr und mehr bürgert sich die seit Jahren verpönte Mode des Kiropf- stiefcls wieder ein, der grau- Stiefel wird mit schwarzen Absätzen und schwarzen Knöpfen getragen, der weiße manch­mal mit gelben oder auch mit schwarzen Knöpfen aus- gestatiet, meistens aber ganz weiß gehalten. Die neueste Hntform zeigt die rückwärts auf das Haar fallende Krempe, me beiden Seiten werden leicht aufgebogen und in die Buge werden wieder Falten gemacht. In die- sclben wird rechts ein großes Beerenbouqnet und links ein schwarzes Sammetschleifchen placirt. Den Hut ans cremefarbenem Spitzcnstroh schniücken drei RiescntnsfS in cremefarbenem, abschattirtem Tüll. Was Jnpons betrifft, fo ist man wieder zu solchen ans weißem Batist, mit Stickermvolants garnirt. zurückgekehrt und trägt dieselben zu m ."..^osvmertoiletten. Zu weißen Seidenroben gehört der Batlstrock, über welchen ein Volant aus gelben

Mir«"ft 1 "«?" 1 J" Sm-mch-u genähten Barist-'

w r 1 - ' ^ lc ' e Sänmchen sind immer ir jour genäht, eine Arbeit, welche die moderne Nähmaschine leistet und nicht einmal mehr de» zehnten Theil au Mühe und Geld kostet, wie vor kaum zehn Jahren