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«8. Jahrgang.

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Ml». 382. Fernsprecher No. 52.

BHorgen-Aiisgafoe.

(Nachdruck verboten.)

Achtung vor giftigen Wanzen und Thieren!

Von vr. Tllex. Grnmbach.

Wenn jetzt draußen in Feld und Flur die Kinder fröhlich hcrnmtuinmeln und bald hier ein als wohlschmeckend bekanntes Beerlein verzehren, bald dort eine schön schillernde Frucht auf ihren Wohlgeschmack prüfen, dann kommt es häufig vor, daß auch giftige Pflanzentheile genossen werden und den Kindern Krankheit und Tod bringen. In jedem Spät- sommer berichten die Zeitungen von derartigen Unglncks- fällen, und die medizinische Litteratur beweist, daß dies leider keine Erfindungen der sauren Gnrkenzeit sind. Hier­gegen giebt es nur zweierlei Vorbeugungsmittel: erstens müssen die Eltern ihren Kindern streng einschärfen, nur solche Früchte zu pflücken, welche sie ganz genau kennen, und zweitens müssen im Elternhause und, da hier oft die nöthigen Kenntnisse und Hülfsmittel fehlen, namentlich in der Schule den Kindern in guten bunten Abbildungen und lebenden Exemplaren die einheimischen Giftpflanzen in jedem Jahr von Neuem vorgeführt werden. Die meisten Schulkinder können die Klassen des Linnö'schen oder natürlichen Systems, sowie alle Giftpflanzen der Reihe nach auswendig hersagen; aber zeigt man ihnen z. B. einen Zweig vom giftigen Wasserschierling oder Beeren vom Nacht­schatten, so stehen sie stumm und rathlos da. Ich habe auf Reisen diese Beobachtung wiederholt in den verschiedensten Gegenden gemacht. Gerade in den Naturwissenschaften muß sich die Schule noch weit mehr ihrer praktischen Aufgabe und Bestimmung bewußt werden^ Jedes Kind muß doch wenigstens so viel von Botanik verstehen, daß es sagen kann, diese Pflanze ist meiner Gesundheit schädlich und jene. z. B. Pfefferminze, nicht, deshalb ist jene für mich ein PfläuzleinRührmichnichtan", aber diese pflücke ich, nehme sie mit nach Hause, trockne sie und gebe sie der Mutter für den Winter zum Theekochen. Solche praktische Pflanzen­kunde ist zehnmal mehr werth als alle Systematik.

Die Giftpflanzen einzeln hier zur Warnung anfzuzählen, hätte gar keinen Werth, nur möchte ich besonders vor zwei Gartenpflanzen warnen, durch welche jetzt häufig Vergiftungen herbeigeführt werden. Es sind dies Oleander und Gold­regen. Da Kinder im Allgemeinen der Meinung sind, daß alle Pflanzen, Sträucher und Bäume, welche im Garten stehen, nützlich sein müssen oder wenigstens nicht schädlich sein können, so pflegen sie im Umhergchen bald hier ein Blättchen in den Mund zu stecken, bald dort eine Frucht zu kauen. Dies ist aber bei Oleanderblättern mit ihrem narkotisch-scharfen Saft und bei dem höchst giftigen Gold-

Die Schlucht der Granelotte und St. Urivot,

den 1». August 1870.

Nach dem Sieg bei Mars-la-Tour war man sich der Bedeutung der nächsten Ereignisse voll bewußt. Es mußte nun die Entscheidung komme» in den gewaltigen Kämpfen um Metz. Der König übernahm selbst den Oberbefehl und formirte eine mächtige Schlachtlinie, bestehend aus dem 7., 8. und 9. Gardecorps, das 12. stand auf dem linken Flügel seitwärts, ihm fiel die schwere Ausgabe zu, den Feind in einem Bogen zu umgehen. Die vollzogene Aufstellung legte ein glänzendes Zcugniß ab von der Manöverirfähigkeit der deutschen Heere. Sie war Mittags fertig und nun ent­brannte der Kampf in der ganzen Ausdehnung, hauptsächlich mit Artilleriefeucr. Bis um 2 Uhr war zwar die Vorlinie in deutschen Händen; aber weiter ivar von der festnngsartigen Stellung des Feindes absolut nichts zu gewinnen. Bier Stunden rangen die Hcereskörper mit einander ohne wesentliche Vorthcile. Die Franzosen hielten Stand, die Preußen strebten vorwärts; auf beiden Seiten starben sie zu Hunderten, ja Tausenden. Das 7. und 8. Corps war erschöpft im schweren Terrain, das 9. behauptete sich nur mühsam unter großen Verlusten. Der Angriff des Garde­corps ans St. Privat wird unter ungeheuren Opfern zuruck­geschlagen. Nun kommt für dasselbe das schwerste, nämlich ruhig auszuharren, ohne vorwärts zu können, aber auf keinen Fall einen Schritt rückwärts zu thun. Die Verluste mehren sich erschreckend unter mörde­rischem Feuer. Da schaut der Kommandant dieser trefflichen Truppen sehnsüchtig hinüber nach dem Erscheinen der Sachsen. Diese aber hatten einen weilen Weg voll Hindernisse. Roncourt muß genommen werden. Da endlich dröhnt Kanonendonner von links herüber. Die ersten sächsischen Kugeln auf St. Privat, und nun erscheint die Infanterie in Masse. Ein vieltausendstimmiges Hnrrah der Garde erfiillt die Luft. Eine Schlachtlinie von 14 Regimentern wird formirt und d« gewaltige Sturm auf das festungähnliche St. Privat beginnt.begleitet von einem rasanten Feuer von beiden

Seilen aus Geschützen, Mitrailleusen, Chassepots und Zünd- nadcl. Süuimlliche Generale, Stabsoffiziere der Garde sind zu

Samstag, den 18. August.

regen schon oft von verhängnißvollen Folgen geivesen. Die Giftigkeit des im Goldregen enthaltenen Cylisin ist so groß, daß schon durch Genuß eines einzigen Samens aus den Schoten oder durch Kauen von 3 bis 4 Blüthen erhebliche Vergiftung bewirkt werden kann. Vor mir liegt ein früherer Zeitungsbericht, welcher aus Breslau Folgendes meldet: Eine Massenvergiflnng von Kindern ist hier durch den Genuß der Blätter von Goldrcgenstränchern vorgekomme», die auf dem Kinderspielplatz an der Salvalorkirche an- gepflanzt sind. Ein Kind ist schon todt, andere liegen hoffnungslos darnieder." Also mögen die Eltern besonders jetzt, wo die Samen reifen, rechtzeitig ihre warnende Stimme erheben.

Hat sich Jemand eine Vergiftung zugezogen, so schicke man sofort zum Arzt, suche aber vorläufig zur Heraus- beförderung des Giftes Erbrechen zu erregen, indem man einen Finger tief in den Mund steckt oder die Nachenwand mit einer Feder kitzelt.

Wo viel Sonne, ist viel Schalten." Dies Wort be­wahrheitet sich überall im Leben und Weben der Natur. In den nördlicheren Gegenden unserer gemäßigten Zone, wo der Mensch mit Mühe und Noth der Scholle sein täglich Brod abringt, hat er nur wenig gefährliche Feinde unter den Thieren. Je mehr man aber nach Süden kommt, wo die Natur fast ohne jede Austrengnng und Kultur dem Menschen seines Lebens Nothdurft undNahrung darbietct, um so größer wird die Zahl dieser Gegner und um so gefährlicher ihre Feindschaft, bis in der heißen Zone das mächtige Heer giftiger Thiere, von den unscheinbaren Mosquitos bis zu den furchtbaren Schlangen und Raubthieren, den Menschen stets mit Tod und Ver­derben bedroht. Bei uns gehören fast alle diejenigen Thiere, welche unsere Gesundheit gefährden können, zu den Insekten, mit Ausnahme von sehr wenigen, z. B. den Kreuzottern. Daher häuft sich ihre Zahl auch besonders zur Zeit des Hochsommers, wo das Leben der Insekten seinen Höhepunkt erreicht. Hierzu gehören namentlich verschiedene Haut­flügler, wie Bienen, Hummeln, Wespen. Hornissen, welche am Hinterlcibe einen Giftapparat besitzen, der in einen Stachel übergeht. Beim Einsenkcn dieses Stachels wird durch die sägeweise ans- und abgehenden Bewegungen desselben ein Tröpfchen wasserheller Flüssigkeit aus dem Giflbläschen in die Stichwunde hineingcpreßt, jedoch nur von den Weibchen und Geschlechtslosen. Infolge der cigenthümlichen Richtung der am Stachelende befindlichen Sägezähne lassen einzelne Insekten, zumal die Biene», den Stachel in der Wunde zurück, während Wespen und Hornissen ihn unversehrt wieder znrückziehen. Bei Bienenstichen muß man daher zunächst den Stachel ent­fernen und das daran haftende Giftblüschen vorsichtig be­seitigen, um nicht durch Druck ans dasselbe den ganzen In­halt in die Wunde ergießen zu lassen. In der Regel er-

Pferd geblieben. Fast Allen wird es unter dem Leihe er­schossen und Mancher selbst zu Tode getroffen. Gleich tut Anfang fanden den Heldentod Oberst v. Röder, Major v. Rotz, -der sächsische General v. Craushaar, der die Grenadier-Brigade zum Sturme führte. Schwer, über viele Hindernisse, über Zäune, Hecken und Mauern hinweg wird das Dorf unter schrecklich viel Verlusten, erreicht und die Höhe erstiegen. Im brennenden Dorf selbst muß Haus für Haus erstürmt werden. Spät, grad noch bei einbrcchcnder Nacht, wird dieses Bollwerk erobert, der Sieg entschieden und die Stellung Bazaines dadurch unhaltbar gemacht.

Nicht minder hartnäckig tobte der Kampf im Ceutrum. Hier sind bereits 15 deutsche Geschütze außer Gefecht gesetzt, darunter 7 hessische. Die 6 hessischen Batierieen hatten an diesem Tag allein 4271 Granaten verschossen; macht für 1 Geschütz durchschnittlich 720 Schuß. An der Seite der Hessen und Darmstädter machte das 9. Corps einen ge­waltigen Vorstoß gegen Amanvillers. Die Entscheidung brachte aber auch hier das Eintreffen der noch nicht in Gefecht gewesenen Pommern, das 2. Corps unter General v. Fransecky, der sein Corps zwei Stunden eher hatte ans­brechen lassen, als der Befehl lautete und so nach unauf­hörlichen Gewaltmärschen über Pont-ü-Monsson Abends 7 Uhr eben noch zur rechten Zeit auf dem Kampfplatz er­schien, um die sehr ersehnte Hülfe zu bringen. König Wilhelm selbst begrüßte das Corps, zeigte ihm den Weg und Moltke selbst führte es in den Kampf, das bereits über die Schlachtfelder marschirt war. In unwiderstehlichem, frischem Ansturm nimmt cs die Höhen von Pont-du-Jour und Moscou und führt endlich den so lang zweifelhaft ge­wesenen Sieg herbei bei Gravelotte.

Die eiubrechende Nacht setzte erst der furchtbaren Blm- arbeit dieses Tages ein Ziel, der selbst die Niesenkämpfe unter Napoleon dem Ersten übertraf. Ja, selbst die Nacht mußte sich beugen. Drei brennende Dörfer röthcicn den Himmel und erleuchteten die Gegend fast taghell, gleichsam als blutiges Triumphzeicheu. Noch auf der Wahlstatt diktirte König Wilhelm die Siegesdepesche, worin er z. B. sagte:Das war ein neuer Sicgestag, dessen Folgen nicht zu ermessen sind. Die Truppen thateu Wuuder der Tapfer­

Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zur

Fernsprecher No. 52. 1!)00.

zeugen Insektenstiche nur eine örtliche, brennende Haut­anschwellung. Bei besonders empfindlichen, sensitiven Per­sonen kann allerdings auch Ohnmacht, Schüttelfrost und Fieber eintreten. Gefährlich werden Stiche in der Zunge, dem Schlund oder auch am Halse in der Kehlkopfgegend, wo hochgradige Schwellung zur Erstickung führen kann. Bei derartigen Stichen, welche man sich beim Schlafen mit offenem Munde im Freien zuzichen kann, wende man schleunigst ammoniakhaltige Gnrgelwasser an. Sonst schwinden Schmerzen und Geschwulst meist schnell durch kühlende Umschläge, z. B. durch Bedecken mit feuchter Erde. Am raschesten wird die örtliche Reizung beseitigt durch Betupfen der Sttchstelle mit Salmiakgeist, welcher im Insektengift einen sich wieder auflöscndcu Niederschlag erzeugt, wahrscheinlich durch Neutralisation der Säure. Gefährliche Wespenstiche kann man sich auch znziehen durch unvorsichtiges Beißen in Aepfel und Birnen, die ein Loch haben, in denen nicht selten eine fressende Wespe verborgen ist. Wird man von einem Bienenschwarm verfolgt, so hüte man sich vor allein Wehren und Schlagen, das gar nichts nützt, sondern das Uebcl nur ärger macht. Die Flucht, besonders durch ein Gebüsch, ist immer das zweckmäßigste Mittel, sülchen schwärmenden Bienen zu entgehen.

Aus Stadl uns Knud.

Wiesbaden, 18. August.

Regel,in« des Prüfmigöwescns im Handwerk.

Der Minister für Handel und Gewerbe hat die Aussr>'si->s- bchörden der Handwerkskammern angewiesen, flir die Regelung des Gescllenprüfungswcscns die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Hierbei sollen ini Weseittlichcn folgende Grundsätze beachtet tuerbcii: I. Allen im Handwerk nur dieses kommt iit Betracht beschäftigten Lehrlingen ist nach Ablauf der Lehrzeit Gelegenheit zur Ablegung der LehrliiigSprüfung zu geben, und zivar unabhängig davon, ob für die betreffenden HaudwcrkSzweige im Handwerks- kammerbezirk Juuuiigeu bestehen oder nicht. II. Bei den ZwaugSinnungen müssen Prüfungsausschüsse bestellt werden, deren Vorsitzende von dem Vorstande der Handwerkskammer ernannt und deren Beisitzer von der JnnungSversannnlnng und von dem GesellenauSschusse gewählt werden. So lange bei einer Zwangsinnung kein Gcsellenausschnß besteht, ist das Bcdürfuiß durch Errichtung eines anderen Prüfungsaus­schusses zu decken. BciZwaiiasümuuac», welche mehrere verwandte Gewerbe in sich schließen, ist die Zahl der Beisitzer so zu bemessen, daß aus jedem der vertretenen Handwerkszweigc erforderlichenfalls mindestens je ein Vertreter zur Prüfung hinziigezoge» werden kamt. So können z. V. der Vorsitzende und die Mitglieder des Prüfungs­ausschusses einer ZwangSinnimg, deren Bezirk auf eine Stadt be­schränkt ist, zugleich zu Vorsitzeiiden und Mitgliedern der von der Handwerksknminer für die umliegenden Landbezirke gebildeten Prüfungsausschüsse bestellt werden. Der Prüfungsausschuß der ZwangSiiinnng ist lediglich für den dieser zugehörigen Bezirk-zu­ständig, jedoch können Mitglieder der Zwangsprüfnngsausschüffe, wen» das praktische Bcdürfniß cs erfordert, von der Handiverkskammrr in die voi: ihr gebildeten Prüfungsausschüsse berufen werden. III. Bei freien Innungen darf ein PrüfungSansschuß nur

keil gegen einen gleich braven Feind, der jeden Schritt Vertheidigte. Ich danke Gott, daß er uns den Sieg verlieh."

Gegen 40,000 Todte und Verwundete lagen auf dem Schlachtfclde umher. Den Deutschen kostete dieser Tag 904 Offiziere und 19,058 Mann. Das Gardecorps allein hatte an Todten: 9 Stabsoffiziere, 7Hanpllcnte, 61 Lentnauts und 1334 Unteroffiziere und Mannschaften, Verwundete: 14 Stabsoffiziere, 40 HaupIIeute, 146 Leutnants und 6196 Unterossiziere und Maitnschaftett. Das Eardeschützett- bataillon hatte alle seine Offiziere verloren. An 6000 trn- verwundete Gefangene kamen in deutsche Hände.

In den drei Tagen, dem 14., 16. und 18. August, halten die deutschen Waffen Gewaltiges erkämpft. Frank­reichs zmeilgrößter Feldherr, Bazainc, war auch geschlagen und eine Vereinigung mit Mac Mahon vereitelt. Mit nicht zn verkennender Deutlichkeit zeigt sich in der dculschcn Heeres­leitung der große Wcrlh einer einheitlichen Führung. Der strategisch erreichte Vorlheii lag darin, daß ein einheitlicises, planvolles Zusammenwirkeit der französischen Heere von nun an schier unmöglich gemacht worden war, und das heißt, den Feind schon besiegt zn haben. Nicht nur bringt eine solche Leitung den deutschen Führern rückhaltslose An- erfciutxtttfl, nicht nur hat das gestimmte denische Heer in diesen 3 Tagen seine bemundernswerthe Tüchtigkeit vor den Augen der Weit dargclhan und sowohl die Bewunderung, wie den Respekt der anderen Nationen sich erworben, sondern vor allen Dingen verdient gerade bei den Deutschen das einheitliche Znsatnmcnwirkcn eine stc- sondere Hervorhebung, weil eben der Mangel desselben jahrhundertelang der Hemmschuh zur Entfaltung ihrer Macht und ihres Ansehens gewesen ist. Kaum begannen die deutschen Stämme nach einem Ziele zu streben, so zeigten sich Erfolge, wie sie das Vaterland seit Barbarossas Zeiten nicht wieder gesehen hatte, und die politische Macht und Größe sollte aus ihnen weiter folgen. Die Kämpfe um Metz sind ein Wahrzeichen von der natürlichen, innerlichen Zusanuneng,Hörigkeit aller deutschen Stämme. Eine Ans- daner, eine Unerschrockenheit, einHcldcnmuth und soldatische Tüchtigkeit machte sich bei Allen mit seltener Uebereinstimmung gelteild.