2 . Beilage }\m\ Miesbaüenrr TagblaN.
Wo. 3V0. Morgen-Ausgabe.
-amstog) den 11. August.
48. Jahrgang. 1900.
Einsendungen ans dem Leserkreise.
(Ohne Lerantwortlichteit der äiebaitiim.)
Klimme», an» dein JlnMihnt»
* Verehrllche Redaction! Gestalten Sie mir zur Frage bezüglich der richtigen Schreibart einige Mittheilungen zu machen, wozu mich 20-jährige Praxis befähigt. Zuerst mutz ich bemerken, daß es vollständig verkehrt ist, das Papier anders als ganz gerade vor sich hinzulcgen, sodaß die Linien parallel zur Tischkante laufe». Ich sage, so wie ich das Buch oder Blatt beim Lesen halte, so muh dies auch beim Schreiben sein. Wer in aller Welt liest denn mit schiefgehaltencm Buche? Es sollten da die Angen rasch verdorben sein! Es wird im Allgeineinen falsch unterrichtet, wie ich bei vielen Kindern sah. Nach eingehenden Versuchen bin ich zu folgendem Resultat gekommen, das sich wirklich »nt erweist: Das Papier liegt mit der Tischkante parallel und stöbt mit der Richtung der linken Papicrkante im rechten Winkel auf die rechte Armhöhle. Hierdurch behält der rechte, schreibende Arm seine ungehinderte Beweglichkeit, wodurch die Schrift fließend rvird und eine Ermüdung des Arms ausgeschlossen ist. Der Federhalter wird ganz leicht zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger gehalten, während die Hand ans dem etwas gekrümmten kleinen Finger ruht. Hierdurch wird die Hand vor Ermüdung und Schrcibkrampf bewahrt, wie man auch viel rascher zu schreiben vermag. Mein Rat» an Alle, die viel zu schreiben haben, geht dahin, einmal geschilderte Anleitung zu befolgen und ich bin sicher, daß sie zufrieden sein werden. Noä, rathe ich, ganz gerade zu sitzen und Engbrüstigkeit, schlechte Haltung rc. bleiben sern. Rathschläge vom grünen Tisch sind meisten« der Ansicht eines Einzelnen entsprungen und bewirke» als Befehle oft großen Schaden.
Briefkasten.
Fünfjährig» Abonnentin. Sie können das Vermögen Ihres Mannes nicht für sich verwenden, sondern haben, wenn Ihr Mann hier gestorben ist, nur die Nutznießung. Die Pflegschaft kann anf-
S Hoben werden. Nack dem neuen Gesetz steht auch der Mutter die terliche Gewalt und somit die Vorinundschafl zu.
K>, Mendorf. 1. Die Verhältnisse der fraglichen Versicherungs- Gesellschaft sind uns unbekannt. 2. Sic haben Recht. Das Amt wird bekleidet und nicht begleitet.
K. K. 94. 1. Eine offizielle Taxe für das Aus- »nd An- kleiden von Leichen giebt es nicht. Nach dein hier herrschenden Gebrauch werden dafür je nach der Klasse der Beerdigung 12, 9, 6 und 3 Mark berechnet. 2. Wenn nicht anders bedungen, muh eine Klage an dem Wohnsitz des Beklagten angestrengt werden. 3. Auch der Verwalter einer Hinterlassenschaft ist berechtigt, den Betrag einer nach dem Tode des Erblassers eingereichten Rechnung zu kürzen. 4. R. Worbs, Buchhandlung in Görlitz, preist einen „Journalistischen Führer" für 2 Mk. au, der angeblich geeignet sein soll. Einen „Rcdacteur zu lernen". Es ist natürlich selbstverständlich, daß sich Keiner durch das Studium irgend eines Lehrbuches journalistische Fähigkeiten aneignen kann. Ob einHülfs- buch zur gründlichen Ausbildung als Verlagsbuchbändler exlstirt, ist uns unbekannt.
Vermischtes.
* Achtung, tt spueirt! Welch' unangenehme Folgen der Besuch eines Zoologischen Gartens haben kann, zeigt folgender Vorgang: Eine Danie reiste mit ihrem Söhnchen nach Leipzig, um n. A. den Zoologischen Garten zu besichtigen. Der Wunsch des Kleinen war, recht bald den Elefanten zu sehen, und so galt der erste Besuch dessen Behausung. Das mitgebrnchte Zuckerbrot schmeckte dem Koloß vortrefflich, als aber nach der Meinung des Dickhäuters die Dame »ich, schnell genug wieder in die Düte griff, nahm er, wie beit „Dresdener Nachrichten" geschrieben rvird, plötzlich mit dem Rössel Unrath ans und bespritzte sic. Obgleich die Betroffene sich sofort tüchtig das Gesicht abwischte, erkrankte sie in der folgenden Nacht doch in der Weise, daß die ganze Ham sich entzündete. Ani meisten litten das Gesicht und die Angen; dabei stellte sich Tag und Nacht hohes Fieber ein. Erst am siebenten Tag kanr etwas Besserung. Nach ärztlicher Feststellung bandelte cs sich uni eine Hautkrankheit, die von Thierc», nainentlich auch Vögel», auf den Menschen übertragbar ist. Wie scharf die Flüssigkeit gewesen, zeigt auch das Kleid, welches an den Stellen, wo der llnrath aufgetroffen, die Farbe verloren hat. Im Elefantenhaus ist eine kleine Tafel niiglsähr mit der Aufschrift: „Achtung, er spuckt!" angebracht, da aber mehrere Persoaeri gleichzeilig im Hause waren, konnten die Dahinieistchendcn sie nicht recht sehen. Jedcnsalls thnt marr gut, die in einem Thiergarten überhaupt angebrachte Vorsicht auch de» allgemein für gutmüthig gehaltenen Elefanten gegenüber zli bewahren; wie man sieht, giebt es unter ihnen auch bösartige heimtückische Gesellen, welche sogar den sie harnilos Fütternden mit schnödem Undank lohnen.
t Hchtsfe, dir nicht versinken können, würden Angesichts der vielen Lchiffsnnfällc der letzten Jahre ein großartiges Geschenk der Technik sein, das Manchem die Sorge einer weiten Seefahrt erleichtern würde. Das ungleich häufigere Vorkommen von Schiffs- znscimnienstötzen in letzier Zeit rührt nur zum Theil von der Zniiahiue des Verkehrs auf dein Weltmeere her, andcrentheils ist die Thalsache in Rücksicht zu ziehen, daß mit der Vcrvollkominiiuiig der Schifffahrt bie Fahrstraßen auch ans der hohen See immer enger geworden sind. Bor fünfzig Jahreii schlug man einfach der Coiiipaßcichtung nach den nächsten Weg ein, wenn man den Ocean durchkreuzen wollte, während man seitdem gelernt hat, die Mccrcs- strömnnge» aiisznnntzeii, um schneller vorwärts zu komnien. Dadurch ist die Gefahr von Collisionen selbstverständlich beträchtlich vergrößert worden Das einzige Mittel, uni lvenigstens eine Ltbeiisgesnhr für die Besatzung der Schiffe abzuwcnden, würde eben darin bestehen, das völlige Sinken der Schiffe unmöglich zu machen. Dieses erflrebenswerthe Ziel soll in der Thnt nach einer Mitlheilnng des Pariser Mitarbeiters der „Allg. Miss, Ber." dem Jngenieiir Henri Mariollc gelungen sein, und man wird mindesteiis zugcben müssen, daß die Idee in ihren Einzelheitcu geradezu genial ist. Es wird an dcii Schiffswäuden eine größere Zahl von Taschen angebracht, bereu Einrichtung sich unabhängig von einander betbätigt. Jede dieser Taschen von 15,000 Liter Raumgehalt ist von einer Hülle dichten, diirch mehrere Lagen starken Tuches verstärkten Kaulschncks umgeben. Sic siiid rings um das Schiff ein wenig oberhalb der Wasserlinie angebracht und können im leeren Zustande in Vertiefungen der Schiffswand nntergcbracht werden. Ein starkes Eiseiiblech verschließt dann diese Höhlungen mit den darin znsanimcngefallete» Taschen. Bon dem unteren Theil der Tusche geht ein- Röhre fast bis zum Wasserspiegel hinab, unten mit einer Klappe verschlossen, die sich durch einen Druck »ach innen öffnet;
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in leder Tasche befindet sich eine gewisse Menge von Calcinmcarbür. Geschieht nun ein Zusammenstoß und beginnt das Schiff zu sinken, so kann es nicht mehr als zu einem Drittel in das Wasser tauchen, denn wenn das Wasser um das Schiff herum steigt, so öffnet es durch den Druck die Klappe der beschriebenen Röhren, dringt in die Taschen ein, befeuchtet das Calcinmcarbür und cs erfolgt eine schnelle Entwickelung von Aceiylcngas, wodurch sich die Taschen weit anfblähen, iiibcm sie den Deckel aus Eisenblech sortschicben. Dieser Vorgang. vollzieht sich in wenigen Secundr». Da alle Taschen gleichzeitig wirken, so luirb das Schiff bedeutend erleichtert und über Wasser gehalten. Mariollc hat berechnet, daß ein großer Oceandampfer ans diese Welse vor deni Sinken geschützt werden kann, wenn er mit 150 derartigen Taschen versehen wird, die je 50 kg Calciumcarbür enthalten und im Notl,falle mit 2'/.-Millionen Liter Acetylengas gefüllt werden würden.
* Knnroriftische«. Schlimmer. Wirth (aufgeregt): „Sie müssen sofort nistkoniliien, Meister, mein Musikautomat ist kapntl" Mechaniker: „Jst's denn so schlimm, wen» er einmal eine halbe Stunde nicht spielt?" — Wirth: „I bewahre . . . aber er spielt immerzu!" * Oekono misch Bankier (den Hausarzt dabei überraschend, wie er seine Tochter küßt): „Na, seid glücklich. Kinder . .. aber Gehalt als Hausarzt kriegen Sic von henke ab nicht mehr, Doktdrchen!" (Megg. Bl.) * Zur in oder ne» Concurrenz. Kaufmann: „Es ist himmelschreiend, für diesen Schund, der kaum 20 Pfennig wcrth ist, dem Publikum 1 Mark abzuverlangen!" Fabrikant: „Bitte, Sie kcänkcn mich, — ich verdiene io, viel wie nichts für den Anfang. 50 Pfennig trifft ans das Produkt allein mr Inserate, 30 Pfennig kostet die Aiisstattnng, 20 Pfennig das Rohmaterial, und wenn Sie auch daran verdienen wollen, so zahle ich aus meiner Tasche d'rans!"
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