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«rite 2. 9. August I960.

*»mUt<SK Anzeige« -es Wiesbavcner TagblattS

2. Jahrgang. X». 95.

Bekanntmachung.

Baumschüolinge und ihre BekSmpiung.

1. Der Kirschenyexenvesen. Hexenbesen sind eigenthümliche Astpartbieen unserer Holzpflanzungen, welche zu ausstrebenden, ost- mnls besenartig dichten Büschen ausgewachsen sind. Einer der wichtigsten an unseren Bäumen ist der Kirschen-Hexenbeien. Er er­scheint im Winter inmine» der normalen Beastung der Kirschbäume wie ein fremdartiges Gewächs. An seiner Basis in er uni das 4—5-fache dicker wie gesunde Aeste und wie der Tragast. an welchem er bängt. Wo er vorkommt, befinden sich in der Regel immer mehrere Hexenbesen an einem Baume, und wenn dann viele Kirsch- bäume in Gärten und Alleen beisammen stehen, dann sind meist auch zahlreiche Bäume mit solchen Hexenbejen besetzt, Im Früh­jahr, zur Zeit der Kirschdlürhe, erscheint der Hexenbesen fast noch deutlicher wie im Winter, denn er allein blüht »ich:. Seine Vegetation beginnt aber gleichzeitig mit dem übrigen Baume, und wenn dieser zu blühe» beginnl, belaubt er sich und sitzt als grüner Busch mitten im weißblühendeu Baume. Vielfach haben seine jungen Blätter einen karminrothen Anflug. Schneidet man Zweige der belaubten Hexenbesen ab, io bemerkt man, daß sie nach kurzer Zeit einen waldmeisterähnlichen Duft verbreiten, der bei normalen Zweigen nicht vorkommt. Ans den Biäuern der Hexeubese» biider sich ein zarter, weißer Ueberzug, bestehend aus den Foripflanzungr- organcn (Schläuchen, Asken) des Pilzes (Exoascns Carasi), dem der ganze Hexenbesen seine Entstehung verdankt. Die Schläuche wachsen frei aus der Blaitunterscite hervor, und sind reit, wenn die Blätter der Kirschvünme noch in der Entfaltung begriffen sind. Die Forlpflanzungszellen (Schlauch-Sporen) fliegen, vom Winde getragen, aus die sich entfaltenden jungen Laubknoch.ui gesunder Aeste, dringen in die Gezpebe ein und verbreiten so den Hexenbesen, der oft eine Länge voll 2 Meter und einen Durchmesser von l * 1 11 /* Meter erreicht.

Dieser Schädling entzieht den gesunden Theilen des Banmcs Nährstoffe und bcveulcr da, wo er zahlreich anstritt, einen nicht zu unterschätzende» Erule-Ausiall für den Baumbesiyer.

Die Bekämpfung des Hexenbeserrs geschieht einfach durch Ab- schneidcn und Verbrennen des kranken Geästes.

Das Beobachten und Auffnchen der Hexenbesen kann im Winter und Frühling geschehen, das Abschneider! derselben hat während der Vegetationsruhe im Herbst und Winter (Oktober bis Februar) zu erfolgen, und sollte eine ständige Maßregel bei der Obstbaum- pflege bilden.

2. Der Birnenrost (Gymnosporangium Sabinae), ein Pilz, wird schädlich, wenn er in großer Masse auftritt und die meisten Blätter der Birnbäume von Rost bedeckt sind. Es geht dann der Ertrag der Birnbäume, besonders bei den feinen Sorten, sehr zurück. Er verursacht auf der Oberseite der Birnenblätler im Juli rothe Flecken mit kleine», duiiklen, punktförmigen Poren (Sper- mogonten), aus welchen eine klebrige Flüssigkeit austrilt. Die hier­mit ausgeschiedenen Sporen des Birnenrostpilzes gehen allmählich wieder zu Grunde. Auf der Unterseite der sich unterdesscii stark verdickenden Flecke» entstehen aber im August hervorragende gelb­liche Häubchen (Aecidicn). Aus diesen stäuben die Sporen im September aus und werden nun vom Winde weithin im Obstgarten verweht, sie können aber nur dann keimen, wenn sie aus einen jungen Zweig des Sadebaumes (Seven-Segenbnum, Juniperus Sabina, eine Wachholderart, die als Zierstrauch in Parkanlagen und häufig in den Gärtchen der Dörfer gezogen wird), fallen. In diesen dringen sie ein und wachsen im Gewebe desselben als un- sichbare Fäden weiter. Die Folge hiervon ist, daß sich die befallenen Asttheile allmählich verdicken. Der Pilz kann jahrelang m ihnen wuchern und sehr starke Astanschwellungen erzeugen. Er findet sich aber auch schon auf ganz kleinen, grünen Aestchen. Erst im Früh­jahr. zur Zeit, wenn die jungen Birnenblätler sich entwickelt haben, entstehen auf den von dem Pilze bewohnten Sadebaumzweigen chokoladebraune Zäpfchen. Diese Zäpfchen quellen bei Regenwetter gallertartig auf und erscheinen dann oberflächlich gelb, weil sich hier nun die winzigen Sporen bilden, welche vom Winde weil über die Gipfel großer Birnbäume weggeführt werden. Ueberall, wo die Sporen auf die jungen Birnblätter fallen, können sie keimen. Die Kcimschläuche dringen ins Blattinnere und erzeugen die zuerst beschriebenen rothen Flecken. Der Pilz überwintert also nur im Innern der Zweige des Sade-Wachholders. Wo dieser fehlt oder entfernt wird, ist die Existenz des Pilzes unmöglich.

Von sachverständiger Seite wird zur Vernichtung des Birn- rostes Folgendes vorgeschlagen:

1. In allen Gärtnerschulen, Gartenbauvereinen. Gärtnerzeit- jchriften sollte auf die Bedeutung und Biologie des Birn- rostes aufmerksam gemacht werden.

2. Ueberall, wo Birneiirost vorkommt, sind die Sadebäume zu entfernen und womöglich durch Lebensbäume (Thuja)zu ersetzen.

3. In Gärtnereien ist die Kultur und der Verkauf des Sade- baumes möglichst zu beschränken.

4. Lehrer, Inhaber von Pflanzenschutzstationen, Gärtner und

andere Sachverständige sollten sich, jeder in seiner Weise, an dem allgemeine» Kampfe betheiligen. *

Wiesbaden, den 4. Juli 1900.

Der Regierungspräsident, gez.: Wentzrl.

Wird veröffentlicht.

Wiesbaden, den 29. Juli I960.

Der Oberbürgermeister. In Verlr.: Körner.

Bekanntmachung.

Zur Bekämpfung der Blutlaus werden drc nachbezeichneteu, von der Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim als wirksam empfohlene Mittel zur öffentliche» Kenntuiß gebracht:

1. Das Abbürsten befallener Stellen mit denaturirtem Spiritus oder mit reinem Petroleum im Winter sowohl als im Sommer Man hüte sich dabei, im letzteren Falle die gesunde Rinde und die Blätter zu benetzen.

2. Das Verkleben von Wundstellen mit reinem Schweineschmalz. Bei größeren und tieferen Wunden muß das Schmalz möglichst tief hineingedrückt werden, um auch die versteckteren Particen in der Wunde zu treffen. Dieses Mittel lätzl sich auch im Sommer an- weudeu, nur hüte mau sich ebenfalls vor einer Berührung des Fettes mit der gesunden Rinde und den Blättern.

3. Abbürsten bezw. Bespritzen der befallenen Stellen mit einer Abkochung von Quaisiholz. Man läßt 2 Kilogramm sein ge­schnittenes Quassiholz und 8 Kilogramm Schmierseife 24 Stunden lang mit 2V Liter Wasser stehen, um dann diese Mischung V* Stunde zu kochen und mit den übrigen 80 Liter Wasser »ach dem Abgietzen tüchtig auszuspüle». Die Lösung schädigt weder die Rinde noch die Blätter. Will man einzelne Bäuwe bespritzen, so empfiehlt sich dafür die Spritzkanne von Karl Platz in LudwigSbafen bei Mannheim, welcbe von dem Eifeuhändler M. Strauß in Geisenheim bezogen werden kann. Zur Bespritzung von Hochstämmen bedarf e« eines Avvarares mit starkem Drucke, wie solcher von Gebrüder Blersch in lleberlingen am Bodcusee fahrbar hcrgestellt wird.

4. Vorzügliche Dienste thut im Winter gleich nach dem Blatt-

abfalle eine Mischung von einem Tbeile Petroleum und vier Theilen Wasser. Uni diese Zeit sind die Läuse an ihrer weißen Wolle sehr leicht zu erkennen; sie werde» durch das Petroleum-Wasser sofort und sicher getödtet. Vorbedingung ist ein Apparat, der beide Flüssigkeiten im richtigen Verhältnisse unmittelbar vor dem Austreten aus dem Sprühkopfe innig vermischt. Die bis jetzt brauchbarsten Apparate dieser Art liefern die Firma Mayfartb u. Cie in Frank­furt a. M. und der Schlossermeister Edel in Geisenheim. Das Petroleum-Wasser sollte aber nur im Herbste nach den, Blattabfalle ungewendet werden, da es, ii» Frühjahr gebraucht, die Knospen anzugreifen scheint. Nebenbei bemerkt wirkt dieses Mittel auch vor­züglich im Kample gegen Schildläuse. *

Wiesbaden, den 11. Juli 1900.

Der Oberbürgermeister. In Verlr.: Mangold.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentliche» Kenntniß gebracht, daß aus Grund des § 6 des Straßen-Baustatrirs vom 19. Januar 1882 durch übereinstimmenden Beschluß des Magistrats und der Stadl- verordneten-Versammlnng für das Jahr 1900/1901 für die Planirung, die Pflasterung oder sonstige Befestigung der Straßendämme, für die Trottoiranlagen und Straßen rinnen die nachstehenden Einheits­preise festgestellt worden sind:

1. Für 1 gm Granit-Fahrbahnpflaster mit Pech-

sugendichtnng auf Gestück.21.00 Mk

2. Für 1 qm desgl. ohne Pechfugendichtung auf

Gestück. 20.20 „

3. Für l qm desgl. mit Pechfugendichtung und

ohne Gestück.18.70 „

4. Für 1 qm desgl. ohne Pechfugendichtung und

ohne Gestück . 17.90 „

5. Für 1 qm Basalt- oder Melaphyr-Fahrbahn-

vflaster mit Pechfugendichtung auf Gestück . 15.80 „

6. Für 1 qm desgl. ohne Pechfugendichtung auf

Gestück.14.90 ,

7. Für 1 qm desgl. mit Pechfugendichtung und

ohne Gestück.13.40 „

8. Für 1 qm desgl. ohne Pechfugendichtung und

ohne Gestück.12.50 „

9. Für 1 qm Einfahrt-Ucbergang oder Rinneu-

pflaster.12.20 .

10. Für 1 qm Trottoirpflaster (Melaphyr ober

Basalt).8.70 „

11. Für 1 qm Asphalt-, Ccnient- oder Steiuzeug-

Trottorr.10.40 „

12. Für 1 lfd. m Bordstein-Einfassung aus Basnlt-

lava auf Beton.9.30 „

13. Für 1 lfd. m Bordstein-Einfassung aus Granit

auf Beton.10.20 „

14. Für 1 qm Chaussirung.4.10 „

15. „ 1 „ provisorische Fahrbahn-Pflasterung 3.90 „

16. „ 1 „ Fahrbahn-Regulirung . . . 2.05 „

17. „ Herstellung der Strnßenriunen-Einlässe per

Fronimeter.5.50 „

18. Für Ausführung von Erda>beiten im Austrag

und Abtrag.Jstkosten

und 10°/o Zuschlag

19. Für 1 lfd. m Baumpflanzung (zweireihig) . 5.00 Mk

20. „ 1 „ „ „ Einreihig) . 2 50 „

21. „ 1 „ „ Beleuchtunas-Einrichtnug . . 2.00 „

Bei der Einziehung von derartigen Kosten finde» die vor­stehenden Preise Anwendung. *

Wiesbaden, den 13. Juli 1900.

Der Magistrat. In Vertr.: FrobcuiuS.