Einzelbild herunterladen
 

«8. Jahrgang.

a eint in zwei Ausgaben. Bezugs PrciS:

den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post R Mk. «O Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

1^,©®® Abonnenten.

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzcile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Anzeigen-Annahme

für die Nbend-AuSgab« bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen -Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur uächs^crscheinenden Ansgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

U0. 362. Fernsprecher No. 52. Dienstag» dkl» 7* Augttst.

Fernsprecher No. 52.

1900.

Morgen -Ausgabe.

(Nachdruck verboten.)

Das Pantheon in Rom.

Die sterblichen Ueberreste des so jäh dahingerafften Königs Humbert werden von Monza nach Nom überfährt und dort im Pantheon beigesetzt werden. Wir geben unseren Lesern aus diesem Anlaß eine Abbildung dieses Gebäudes, welches das berühmteste Pantheon der Erde ist. In demselben sind

die Gebeine Viktor Emanuels, des ersten Königs des geeinten Italiens, s.Zt. beigesetzt worden; sein Grabdenkmal daselbst wurde am 9. Januar 1887 feierlich enthüllt. U. a. enthält das Pantheon auch das Grab Raffaels.

Das Pantheon in Rom gehörte ursprünglich zu den Thermen des Agrippa, wurde unter Auguftus 27 v. Ehr. durch Valerius von Qsta erbaut, unter Septimius und Caracalla 202 n. Ehr. wesentlich erneuert und durch Papst Bonifatius IV. 609 zur christlichen Kirche Santa Maria la Rotonda geweiht. Der Plan des Gebäudes besteht in einer gewaltigen runden Cella mit ringsum auflastender Kuppel und einer rechteckigen vorgebauten Halle mit 16 Säulen von egyptischem Granit. Die Rotunde, ei» mit schönem Ziegel-

(Nachdruck verboten.)

Das Räthsel vom Sonnenstich.

In dieser Periode übermäßiger Sommerhitze haben die Aerzte wieder einmal Gelegenheit, den Mangel menschlichen Wissens nnd Könnens den Wirkungeil der Hitze gegenüber gründlich zu fühlen. Im Besonderen giebt es über die Entstehung »nd das Wesen des Sonnenstichs bisher nur Theorieen, aber keine Gewißheit, ganz ab­gesehen davon, daß man gegen die Krankheit selbst vollkommen wehrlos ist. Wären die Zustände in Paris laut den Nachrichten der letzten Woche wenig erfreulich, ^so war die Stadt New-Uork doch auch diesmal am ärgsten von Sonnensticherkranknngen heim­gesucht. Ueberhaupt scheint die amerikanische Großstadt den wenig beneidenswerthcn Vorzug zu haben, den Wirkungen der sommer­lichen Hitze in ganz außergewöhnlichem Maße unterworfen zu sein. Dir Aerztewelt wird sich noch sehr wohl erinnern, daß vor vier Jahren in NewDork geradezu eine Epidemie von Sonnen­stich ausgebrocheu war. Freilich mich es sehr zweifelhaft bleiben, ob man beim Sonnenstich überhaupt von einer Epidemie sprechen kann, da dieser Ausdruck bekanntlich sonst nur von ansteckenden Krankheiten gebraucht wird. Es fehlt aber auch nicht an Ge­lehrte», die eine solche Entstehung des Sonnenstichs wirklich für wahrscheinlich halten, und in einem aufsehenerregenden Vortrage hat erst vor etwa 3 Jahren ein englischer Arzt erklärt, daß der Sonnenstich nach seiner festen Ucberzengung wirklich ansteckend und das Werk eines Bacillus sei, nach dem man eifrig zu suchen hätte. Mittlerweile hat man in Amerika auch die bei der sogenannten Sonnenftichepjdemie von 1896 gesammelten Erfahrungen zn sorg­fältigen Untersuchungen verwcrthet, und der Zufall hat eS gewollt, daß deren Ergebnisse in diesem Jahre gcrache -zlt einer Zeit ver­öffentlicht worden sind, in der Ncw-Uork eine ähnliche Krisis durchzumachen hatte. 0r. Jra van Gieson hat nämlich ans der neulichen Versammlung der dortigen Akademie der Medizin einen Vortrag über den Sonnenstich gehalten, der die Ergebnisse der letztjährigen Arbeiten und Experimente znsammenfassen sollte. In der That scheint eine nicht unwichtige Aufklärung über das Wesen der räthselhaften Krankheit erzielt zu sein. Man hat längst beobachtet, daß gewisse Erschcinungc» beim . Sonnenstich eine Aehnlichkeit mit denen ausweisen, die bei der Ver­

wert bekleideter Gußmörtelbau größten Maßstabes, ist durch 3 Ninggesimse gegliedert; über dem Krönungsgcsims erhebt sich ein 2 Mir. hoher Tambour und dann 6 Stufen, die der Kuppel als Streben dienen; die Kuppel zeigt außen nur die Hälfte ihrer inneren Höhe und endigt mit einem großen offenen Auge, durch welches allein das Licht einfällt. Das Innere, obschou durch allmähliche Ausplünderung und Wegführung seiner edlen Materialien schwer geschädigt, ist von überwältigender Wirkung. Die Wände werden von 7 Nischen durchbrochen. Von der alten Pracht zeugen noch die 14 herrlichen korinthischen Säulen.

Ermord eie Sia ats o d erh anpter.

In den letzten hundert Jahren sind siebzehn Staatsoberhäupter nnd eine Kaiserin ermordet worden. Czar Paul I. von Rußland wurde in der Nacht zum 23. März 1801 durch Verschwörer, deren Haupt der Graf Peter von der Pahlcn war, im Michailow'schcn Palast zu Petersburg mit seiner eigenen Schärpe erdrosselt. Den Sultan Selim HI. ließ M u st a p h a IV., nachdem er zur Regierung berufen worden war, in Haft nehmen und im Mai 1808 erdrosseln. Graf Capodistrias, Präsident des griechischen Staats, wurde nach dreijähriger Präsidentschaft am 9. Oktober 1831 zu Nauplia beim Eintritt in die Kirche St. Spiridion von Konstantin und Georg Mauromichalis durch vier Dolchstiche in die Brust getödtet. Herzog Karl von Parma wurde im Juni 1854 erstochen.

giftnng durch Schlangengift auftrcten, während andererseits der Verlust des Bewußtseins und die konvulsivischen oder starr­krampfähnlichen Anfälle mehr an Zustände erinnern, wie sie bei der Zuckerkrankheit erscheinen. Bisher gab es außer jener neuesten Theorie vom Sonnenstichbacillus, von der übrigens in letzter Zeit nichts mehr zu hören gewesen ist, zwei verschiedene Anschauungen über das Wesen und die Entstehung der Krankheit. Die erstcre nimnit an, daß die Erscheinungen der direkten Wirkung außerordentlicl-cr Hitze auf den Körper zuzuschreibc» seien, und eine Reihe experimenteller Forschungen hat diese Ansicht gestützt durch den Nachweis, daß in den Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks bei Thieren, die einer künstlichen Ueberhitznng ausgesetzt wurden, eigenartige, auf eine Zerstörung deutende Veränderungen geschehen, die unter sonnenstichähnlichen Symptomen zum Tode führen. Die zweite Theorie hält für den eigentlichen Krankheitsvcrmittler einen giftigen Bestandtheil im Blute, der infolge des Blutkreislaufes die Nerven­zellen und andere Gewebe verdirbt. Die Forschungen, die während und nach der Sounenstichepidemie von 1896 am pathologischen Institut in New-Aork unternommen worden sind, haben 0e. van Gieson zu der Ueberzeugung geführt, daß die Krankheit einer akuten Blutvergiftung zuzuschreibeu sei, die an irgend einer Stelle im Körper ihren Ursprung nimmt nnd heftig auf das Nervensystem und besonders auf die Zellen wirkt, von denen die Thätigkeit des Herzens und der Blutgefäße abhängt. Nicht aber ein Bacillus oder ein ähnlicher Keim von außen her soll der Urheber de« Giftstoffes sein, sondern dieser entsteht nach neuesten Anschauungen im Körper selbst eben infolge der nbcrnräßigen Erhitzung. Auf Grund dessen könnten das Delirium, die Krämpfe, die geistige Verwirrung und der Starrkranipf bei der Sonnensticherkranknng sehr wohl erklärt werden. Es kommen ja auch Fälle vor, in denen der Kranke innerhalb weniger Stunden wieder hergestellt wird, dann haben eben die Nervenzellen nur geringen Schaden erlitten nnd cs giebt zwischen dieser un­gefährlichen Art des Sonnenstichs nnd der durch völlige Zerstörung der Nervenzellen bedingten tödtlichen Form wahrscheinlich viele Uebergängc. Wo das Gift im Körper entsteht und iu welcher Be­ziehung cs zu der Aufhebung der Hautathmung steht, die vor nnd während des Anfalls cintritt, ist bisher unbekannt geblieben. Frühere Experimente an Thieren haben gezeigt, daß das Blut von

Der erste Fürst von Montenegro, Da nilo I., fiel nach achtjähriger Regiernngszeit im Jahre 1860 der Blutrache zum Opfer. Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Abraham Lincoln, wurde ein Opfer des Schauspielers Wilkes Booth, der ihn am 14. April 1865 während der Vorstellung im Fords-Theater zn Washington von der Bühne aus erschoß. Drei Jahre später, 1868, fiel der Fürst von Serbien, Michael Obrcnowitsch, durch Mörderhand im Wildpark Topschider bei Belgrad. Im Jahre 1870 wurde der Präsident von Haiti, Salnave, erschossen. Das Jahr 1875 brachte die Ermordung des Präsidenten von Ecuador, Doktor Garcia Moreno. Der 32. Sultan der Osmane», Abdul-Aziz-Chan, wurde am 30. Mai 1876 von dem ihm aufgczwungenenpatriotischen Ministerium" des Mehemed Ruschdi und Hussein Awni genöthigt, zn, Gunsten seines Neffen Mehemed Murad dem Thron zu entsagen. Am 4. Juni 1876 hieß es, er sei als Staatsgefangener eines natürlichen Todes gestorben. Ein im Juni 1881 gegen mehrere der höchsten Staatsbeamten eingcleiteter Prozeß ergab in­dessen, daß Abdul während der Nacht in seiner Kerkerzelle ermordet worden war. Garfield, der 20. Präsident der Vereinigten Staaten, erhielt am 2. Juli 1884 in Washington von einem Fanatiker Namens Guiteau einen Nevolverschuß in die Brust, der zwar nicht sofort tödtlich war, den Präsidenten aber zu langsamem Sicchthum vcrurtheilte, wovon ihn am 18. September desselben Jahres der Tod erlöste. Czar Alexander II. von Rußland wurde am 13. März 1881 auf der Rückkehr von einer Parade das Opfer eines Anschlags; Bomben wurden unser seinen Schlitten geworfen, die beim Platzen ihn so verwundeten, daß er sich in wenigen Augenblicken verblutete. Am 7. Juli 1889 wurde der Präsident Mercndez der Republik San Salvador erniordet. Am 24. Juli 1894 tödtete in Lyon Caserio den französischen Präsidenten Carnot. Luccheni erstach am 10. September 1898 zu Genf die Kaiserin Elisabeth, als sic eine Dampferfahrt unternehmen wollte. Am 30. Juli 1900 wurde König Humbert von Italien in Monza von Bresci er­schossen. Bemerkenswcrth ist. daß in mehr als der Hälfte der Fälle die Oberhäupter von Republiken ermordet wurden. Ein beträchtlicber Theil fällt anf monarchische Familienmorde, wo die zärtlichen Verwandten und Standesgenossen den Mord veranlaßtett. Attentate, die von politischen Fanatikern ausgeführt worden, haben wohl immer zur Entdeckung und Bestrafung der Schuldigen ge­führt. Aber das Schaffst hat keine abschreckende Wirkung gehabt.

Aus Stadt nnd Knrrd.

Wiesbaden, 7. August.

Geschichtskalender. 7. August. 1834: ff Joseph Marie Jacquard zu Quillens bei Lyon, Erfinder des nach ihm benannten Webstuhls. 1830: * Karl Günther, Fürst von Schwarzburg- Sondershausen. 1814: Papst Pius VII. verfügt die allgenreine Wiederherstellung des Jesuitenordens. 1779: * Karl Ritter zu Quedlinburg, Begründer der vergleichenden Erdkunde (ch zu Berlin). 1714: Niederlage der schwedischen Flotte bei den Alandsinseln. 1495: Verkündigung des ewigen Landfriedens auf dem Reichstag zu Worms. 1106: ff Kaiser Heinrich IV. zu Lüttich.

Zu der Glternlrlagr über den Automaten schreibt dieKölnische Zeitung" großenthcils zutreffend: Seit einiger Zeit sind sehr energische Stimmen laut geworden, die vor großen sitt­lichen Gefahren warueii, die der Automntenbetrieb für die Jugend mit sich bringen soll. Zn der That ärgert der Automat manches Elternpaar, weil er eben die modernste und einfachste Form dar­stellt, in der die herzigen Sprößlinge ihre kindlichen Gelüste befriedigen können und weil er eben deshalb zu immer wieder sich erneuernden kleinen Ansprüchen an das Portemonnaie des Vaters

Kranken, die an Sonnenstich litten, einGift von ähnlicherWirkimg enthält, wie das einiger Giftschlangen. Auch der Harn von Kranken, die in der Wiederherstellung begriffen sind, ist für Thiere in hohem Maß giftig, und die Einimpfung von menschlichem Blutserum auf Kaninchen hat den schnellen Tod der Versuchs- thiere zur Folge gehabt. Es ist jedenfalls recht auffallend, daß die beiden Wese», die am stärksten durch die Haut athmcn, nämlich die Menschen und die Pferde, die Erscheinungen des Sonnenstichs in ausgeprägtester Form aüstveisen. Nach I)r.van Gieson würde die Entstehung des Sonnenstichs etwa folgendermaßen zu erklären sein. Die außerordentliche Hitze von außen her vernulaßt im Blut eine Veränderung, deren Natur noch unbekannt ist. Als eine niittelbare Folge davon ist der Eintritt einer Lähmung der Gefäße zu betrachten, wahrscheinlich verursacht durch eine zunächst veranlaßte Lähmung der Nerve», durch deren Thätigkeit die Zu- sammenziehnng der Gefäße bewirkt wird. Damit geschieht die Auf­hebung der Ausdünstung durch die Haut und die Ansammlung von giftigen Kohlenstoffverbindungen im Blute. Die Wirkung des ver­gifteten Blute« anf die Nervenzellen des Gehirns erzeugt den Ver­lust des Bewußtseins. Auffallend und für diese Theorie sprechend ist auch der Umstand, daß die Erkrankung durch Sonnenstich un­gemein plötzlich in die Erscheinung tritt. Von Interesse ist ferner die Thatsache, daß nämlich, wie bei den von Giftschlangen ge- tödteten Personen, auch bei den vom Sonnenstich Befallenen das Blut nach dem Tode seinen flüssigen Zustand länger beibcbält als sonst. Auch aus anderen Symptomen, die beim Sonnenstich beobachtet werden, scheint hervorzugehen, daß die durch die Ueberhitzung von außen her im Blut verursachten Veränderungen ähulicln zu sein scheinen, wie sie durch eine Entfaserung des Blute« 'hervorgerufen werden und sich im Besonderen auch in Störunge» der Nicrenthätigkeit zeigen, die beim Sonnenstich ebenfalls nachgewiesen worden sind. Die Sterblichkeit bei Massencrkrankungcn an Sonnenstich wird nach der gegenwärtigen Kcuntniß auf etwa 66 v. H. angegeben, und zwar bezieht sich diese Verhältnißznhl auf Todesfälle, die im Zeitraum von 12-36 Stunden nach deui ersten Anfall eintreten. In beu ersten 23 Tagen einer Periode großer Hitze pflegen die Erkrankungen noch selten zu sein, dann aber reißend au Zahf zuznnehmen. vr. 1'..