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Verlag Langgaffe 21

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Zrettag, 23. April 1913.

Abend-Ausgabe.

Nr. 188. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplatz en.

Die Offensive der Verbündeten in den Uarpathen.

Br. Wien, 23. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Mit dem vereinzelten russischen Vorstoß bei Nagypolani im Schirowtale hat Wohl der letzte Ver­such des Feindes, auf der Strecke von Dukla bis Nzsok durchzu stoßen, geendet. Während also auf dieser Front die russische Offensive zum gänzlichen Stillstand gebracht wurde, beginnt aus der Strecke Uzsok-Bozanka-Nadworna eine heftige Offensive der Verbündeten auf galizi scheu, Boden, die täglich langsam an Rau m gewinnt und besonders im S t r y j - T a l c eine st a r k e Ausbuchtung nach Norden zeigt.

Die Fortschritte nordöstlich Tschernowitz.^

Br. Bukarest, 23. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Rumänien verfolgt mit großer Spannung die weitere Entwicklung der Kämpfe östlich T s ch e r n o- w i tz. Es hat den Anschein, als ob die Gefechte, die mit Einsetzen geringer Streitkräfte begannen, durch das Eingreifen der österreichischen Reserven den Charak­ter einer großen Schlacht erhalten haben. Nach vorliegenden Meldungen haben die österreichischen Truppen die russische Front an mehreren Stellen durchbrochen und sind tief in russi­sches Gebiet in B e s s a r a b i e n eingedrnngen. Ein großer Teil des linken russischen Flügels ist nach der rumänischen Grenze abgedrängt wor­den. Täglich erscheinen Hunderte von Russen bei den rumänischen Grenzposten, um sich e n t w a f f- ncii zu lassen.

Der Glückwunsch des Bavcrnkönigs an den Erstürmer des Zwinin.

Berlin, 23. April. (Ktr. Bin.) Der König von Bayern hat der „Tägl. Rundschau" zufolge an den kommandierenden General Grafen B v t h m a r ein Glückwunschtelegramm zu der unter seiner Leitung erfolgten Erstürmung des Zwinin gerichtet, dieses wichtigsten Höhenrückens an der Karpathenfront.

Deutsche Flieger über Warschau.

Berlin, 23. April. (Ktr. Bln.) Nach Meldungen der .Post" aus Warschau sind in den letzten Tagen mehrmals deutsche Flieger über dem Weichbild der Stadt gesichtet worden.

Der russische Generalstabsbericht.

W. T.-B. Petersburg, 23. April. (Nichtamtlich.) Der russische Generalstab meldet: In den Karpathen versuchten die Österreicher im Laufe des 20. April und in der Nacht vom 21. unsere Stellungen auf der Front Teleposch- R u m l n a anzugreifen. Die feindliche Offensive wurde durch unsere Gegenangriffe, die in Bajonettkampf über gingen, zurückgewiesen. Der Feind, der große Verluste er­litt, legte seine Stellungen weiter zurück. In den übrigen Abschnitten unserer Front kam cs nur ft c l l c n w c i s c zu Gewehr- und Geschützkämpfen.

Verlängerung der Liquidierungsfrist feindlichen Eigen­tums in Rußland.

W. T.-B. Berlin, 23. April. (Amtlich.) Die „Nordb. Mg. Ztg." meldet: Nach einem telegraphischen Bericht des kaiser­lichen Botschafters in Washington verlängert die russische Regierung die Frist fiir die Liguidiernng der Handelsunter­nehmungen in Rußland, die am 1. April 1015 alten Stils ab- laufcn soll, bis 1. Jmii 1915 alten Stils.

Zur Auflösung der Ökonomischen Gesellschaft in Rußland

W. T.-B. Petersburg, 22. April. (Nichtamtlich.) Dem „Rjeifch" zufolge herrscht große Aufregung über die Schließung der Ökonomischen Gesellschaft beim Reichsrat, die sich aus den höchsten Spitzen der Bnreaukratie und des Adels znsammen- setzt und offen alle schädlichen Erscheinungen des Wirt schaftSlebens bespricht. Man fürchtet eine Rückwirkung auf die Duma. Deshalb hob die Regierung die Gesell­schaft auf. „Rjetsch" bedauert das sehr, weil dadurch die Auf­deckung und Beseitigung entstandener Schäden sehr erschwert wäre.

Der höchste bayerische Militärordcn für Kaiser Franz Joseph.

W. T.-B. Wien, 22. April. (Nichtamtlich.) Der Kaiser empfing heute vorniittag in Schönbrumi den baticrischcn Ge­sandten Baron v. Tücher in kälterer, besonderer Audienz. Herr v. Tücher überbrachte dem Monarchen das ihm von dem bayerischen König verliehene Großkreuz des bayerischen Militär - Max - Joseph - Ordens.

Der neue russische Botschafter für Rom.

Br. Rom, 23. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der neue russische Botschafter v. G i e r s trifft spätestens am 6. Mai : tt Rom ein. Er wird auf der Reise 24 Stunden in Bukarest und einige Stunden in Risch Aufenthalt nehmen. Zu einem italienischen Berichterstatter äußerte sich Giers voll überströmender Freundschaft und Bewunderung für Italien, das sich durch die jüngsten «lngriffe gewisier russischer Blätter nicht beirren lasten möge. Giers malte eine künftige italienisch-russische Bcrbrüde Ln mg in den schönsten Farben,

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Die rrämpfe um den Hügel bei Ppern.

Aus englischen Berichten.

Br. Amsterdam, 23. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Times" und die „Daily Marl veröffentlichen Berichte über die Käinpfe um den Hügel bet Aper n. Eine gewaltige Explosiv n harte -dort einen Krater gebildet, wie ein solcher an Große in diesem Kriege noch nicht dage-wesen sei. Ern gan­zes Bataillon setzte sich darin fest. Die deut- s ch e n Geschütze hielten jedoch das Terrain derart unter Feuer, daß es die ganze Nacht Granaten regnete und die Engländer sehr schwere Verluste hatten. Bei Tagesanbruch unternahmen die Deutschen einen wütenden Angriff. Trotz des vernichtenden Grana­ten-, Schrapnell- und Gewehrfeuers stürmten sie t o II* kühn vor und erreichten die Laufgräben, wo ein furchtbarer B a j o u e t t k a m p f einsetztc, der den ganzen Tag anhielt. Auch der Bericht des Generals French erwähnt, wie mitgeteilt wurde, diesen Kampf, der nach amtlichen deutschen Mitteilungen für uns er­folgreich war.

Erneute Beschießung von pont-n-Mouffon.

W. T.-B. Paris, 22. April. (Nichtamtlich.)' Nach einer Meldung des „Petit Puristen" wurde Pont - ä - Mousson am Dienstag erneut von den Deutschen beschossen. Mehrere Häuser wurden schwer beschädigt und eine Person tödlich verletzt.

Die deutschen gas- oder rauchentwickelnden Geschosse.

W. T-B. Berlin, 22. April. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird »ms geschrieben: 22. April. In einer Veröffentlichung vom 21. April beklagte sich die eng­lische Heeresleitung darüber, daß deutscherseits „entgegen allen Gesetzen zivilisierter Kriegführung" bei der Wiedereinnahme der Höhe 00 südöstlich von Upern Geschosse, die beim Platzen erstickende Gase entwickeln, verwendet wurden. Wie aus den deuffchen amtlichen Bekanntmachungen hervorgeht, . ge­brauchen unsere Gegner seit vielen Monaten dieses Kriegsmittel. Sie sind also augenscheinlich der Meinung, daß das, lvaZ ihnen erlaubt sei, uns nicht zngestanden werden könne. Eine solche Auffassung, die in diesem Kr:ege ja nicht den Reiz der Neuheit hat, begreifen wir, besonders im Hinblick darauf, daß die Entwicklung der deutschen C h e m i e w i s s e n s ch a f t uns natürlich gestattet, viel Wirksamere Mittel einzusetzen als die Feinde, können sie aber nicht teilen: Im übrigen trifft die Berufung auf die

Gesetze der Kriegführung nicht zu. Die deuffchen Truppen verfeuern keine „Geschosse, deren einziger Zweck ist, erstickende oder giftige Gase zu verbreiten" (Erklärung im Haag vom 21). Juli 1899), und die beim Platzen der deutschen Geschosse entwickelten Gase sind, obwohl sie sehr viel unangenehmer empfunden werden als die Gase der gewöhnlichen frcmzäsi- schen, russischen oder englischen Artilleriegeschoffe, doch nicht so gefährlich wie diese. Auch die rm Nahkampf von uns verwendeten Rauchentwickler stehen in keiner Weise mit den „Gesetzen der Kriegführung" im Widerspruch. Sie bringen nichts weiter als eine Potenzierung der Wirkung, die man durch ein angezündetes Stroh- oder Holzbündel erzielen kann. Da der erzeugte Rauch auch in dunkler Nacht deutlich wahrnehmbar ist, bleibt es jedem überlassen, sich seiner Ein Wirkung rechtzeitig zu entziehen.

Aufmunterung feiger Franzosen.

Zwei französische Tagesbesehtr.

In dem Befehlsbnch eines sranzöstschen Feldwebels vom 342. Regiment finden sich zwei Befehle, die einige Schlüsse auf die Kampfbereitschaft und den Offensiv- geist der französischen Armee zulastcu. Sin Tagesbefehl vom 2. März 1915 lautet. „Die Oberste Heeresleitung gibt be­kannt, daß es allen Heeresangehörigcn untersagt ist, mit den kriegsgcfangenen Kameraden brieflich zu verkehren. Briefe, die an Kriegsgefangene gerichtet sind, werden ange- haltcn. Diejenigen Briefe von Kriegsgefangenen, die an HeercSangehqrige gerichtet sind-, werden nicht ansgeliescrt. Alle diese Briefe werden vernichtet. Es ist nicht zu vergessen, daß die Briefe unserer kriegsgcfangenen Kameraden die deutsche Zensur passieren. Diese läßt nur Briese durch, in denen erwähnt ist, daß die Gefangenen gut aufge­hoben sind. In Wirklichkeit sind unsere Gefangenen am Verhungern (crevcnt ck faim)."

Deutlich erkennbar steht hinter diesem Befehl die wahr­scheinlich sehr begründete Furcht vor überhanv- nehmender Fahnenflucht ans dem französischen Heere. Das Mittel mit dem man dagegen ankämpst, ist das alte, erprobte: die Verleumdung Deutschlands. Unter dem Datum des 14. März 1915 wurde der folgende .Befehl erlassen: „Im Verlauf der verschiedenen Gefechte, an denen das Regiment während des Feldztiges teilgenommen hat, ist festgestellt worden, daß viele Leute beim Vorwärtsgehen zurück blieben bezw. sich cingegraben hatten, anstatt ihren Zug- oder Kompagnieführern zu folgen. Um in Zukunft solchen Unbotmätzigkeiten Einhalt zu tmr, bestimme ich, daß die Zugführer, nachdem sie die Schützenlinie entwickelt halben, sich durch eine Gruppe vertreten lassen, der sie die Züchtung aimeben. Die Zugführer begeben sich alsdann zurück.

ihren Zug beim Vorgehen übersehen zu können und um di- Furchtsamen und Feigen zum Gehorsam zu zwingen. Die Offiziere und Unteroffiziere müssen sich bewußt sein, Latz es ihre wichtigste Aufgabe ist, im Gefecht die Leute auf ihren, Posten zu halten und den Gehorsam mit allen zur Verftigiung stehenden Mitteln zu erzwin«en. Sie werden nicht zögern, jeden niederzuschießen, der beim Bormarich znrnn- bleibt oder zu fliehen versucht."

Waren derartige Tagesbefehle Vorbereitungs« maßregeln, auf die „große Offensive", io mutet dav kläglich genügt an. Man kann zwar. die Fnrchtiamen und Feigen niederschießcn lassen und die Unsicheren durch Xmj&csi festzuhalten suchen. — einer Offensive aber, die ans solchen Befehlen ihre Kraft schöpft, werden unsere Feldgrauen schon zu begegnen wissen.

Frankreich noch nicht zum Frieden geneigt.

Br. Kopenhagen, 23. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die „Daily Mail" meldet aus New York: Der amerikanische Oberst Hauße richtete an die amtliche französische Stelle eine Anfrage über die Möglichkeit von Friedens- Verhandlungen und erhielt die Antwort, daß die Zeit zur Vorlegung eines derartigen Vorschlages noch nicht ge­kommen sei. Ein Abschluß des Krieges im gegenwärtigen Zeitpunkt würde nur Deutschland zugute kommen und das Ziel der Verbündeten, die Vernichtung des preußischen Mili­tarismus durchkreuzen. (Vergl. L. Drahtber.)

Die Intendanturdiebstähle in Frankreich:

Br. Mailand, 23. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der französffchen Intendantur ist ein neuer skandalöser Diebstahl anfgedeckt worden: Die Kommandantur von

Villafranca ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß dort L e b e n s m i t t e l trotz der Teuerung zu billigen Preisen angeboten würden. Die Untersuchung ergab, daß ein Korporal namens Bravais mit einigen Helfern aus den Militärlager- Häusern gtofec Mengen Lebensmittel ein bie Hotels verkaufte, von wo ein weitnmfasscnder Handel mit den Waren getrieben wurde. Eine Anzahl Hotelbesitzer und Soldaten wurde der- haftet.

vie französischen Tagesberichte.

W. T.-B. Paris, 22. April. (Nichtamtlich.) Amtlicher Nach, mittagsbcricht: Seit dem Bericht von gestern abend nichts Neues.

W. T.-B. Paris, 23. April. (Nichtamtlich.) Das gestern abend ausgegebene amtliche Communique lautet: Bei

Lange mark nördlich Ipern warfen englische Trup­pen zwei Angriffe an der Höhe 60 bei Zwartelen zurück. Die deutschen Gegenangriffe, deren Heftigkeit sich durch den Wunsch zu erklären scheint, die von den amtliche,! Tagesberichten des kaiserlichen Generalstabs geleugnete Schlappe wettzumachen, mißlangen endgültig. Die Ver­luste des Feindes sind höher als die gestern angegebenen Zahlen. Im Abschnitt von R e i nt § Artilleciekampf. In den Ar gönnen bei Bagatelle fand ein wenig bedeutender, übrigens zurückgeworfencr deutscher Angriff statt. Bei Weniell im Walde von Aprcmont erstürmten wir am Kuh köpf zwei hintereinander liegende Schützengräben. Der Kuhkops bildet einen Vorsprung in unsere Stellungen, der uns ernstlich behinderte; sehr viele deutsche Leichname blieben auf dem Gelände. Wir machten etwa 5 0 Ge­fangene. Im Elsaß rückten wir fortdauernd auf bei­den Ufern der F e ch t und auf beiden Ufern des linken Neben­flusses, der Wurmfa, vor. Im Süden erreichten wir Schieß loch und gewannen so Gelände gegen Kilometer 88 in Richtung ans M e tz e r a l.

Ein Schweizer vlalt gegen die Flugzeugbomben.

W. T.-B. Basel, 22. April. (Nichtamtlich.) Sie „Baffer Nachr." besprechen in einem Leitartikel mit Bedauern die Fliegerangriffe. Trotz aller Neutralität tun uns Baffern die Ängriffe auf das Markgrafenland joeh, besonders die Nachbarst-ckt Lörrach. Wir kommen^ nicht van dem Gedanken los, wie sehr unsere Nachbarn unter dem Tnuck der Ereignisse leiden. Mit doppelter Gewalt drängt sich uns angesichts der eindr-.lcksvollen Nähe die Frage auf: Haben solche Bombardements überhaupt einen namhaften mili­tärischen Zweck oder sind sie nur sinnlose Äußerungen der Kriegswut? Bei der gleichen Höhe, auf der die Flugkunist 'in beiden Lagern steht, würde die Lage nicht einseitig ver­schlechtert, wenn beide auf das Bombenwerfen der Flugzeuge verzichteten. Mit Bedauern erinnert man sich der inter- natioiialcn Slbmachnng, welche bis 1904 galt und die dieses Kriegsmittel verbot. Gibt es keine neutrale Stelle, welche jetzt, wo die Erneuerung nur eine große Wohltat^für dis Zivilbevölkerung wäre, den Kriegführenden auf diesen ver­nünftigen Weg hilft?

Noch eine Baseler Zeitung zu de» Fliegerbomben im Markgrafenland.

VE. T.-B. Basel, 22. April. (Nichtamtlich.) Die „Ratio- nalzeitung" antwortet auf einen Artikel des „Temps", der kürzlich an leitender Stelle behauptete, daß die franzö­sischen Flugzeuge, angeblich im Unterschied zu den deutschen, nur zu rein militärischen Zwecken ver­wendet würden und sich Überfälle auf unschuldige Zivilper­sonen nicht zuschulden kommen ließen, und daß dieser Unter­schied des Borgehens auch den Unterschied der verfochtenen Sache und der Ziele des Krieges kennzeichne. Die „National- zeitung" sagt hierzu: „Lcrder ist diesen Ausführungen des

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