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«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». BezugS-PrriS: durch den Verlag Li» Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

ATMOO Avonnenlru.

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Samstag, den 4. Arrgnst.

Morgen-Ausgabe.

Die Predigt des Kaisers.

Am jüngsten Sonntag hat der Kaiser, wie schon kurz berichtet, vor Helgoland an Bord der Dacht Hohenzollern" in Gegenwart der Kaiserin eine Predigt gehalten, deren Wortlaut dieKreuzzeitung" mittheilen kann.

Die Predigt behandeltedie heilige Pflicht und die heilige Macht der Fürbitte"; ihr lag als Text zu Grunde 2.Mose 17, V. 11:So lange Moses seine betenden Hände cmpor- dielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hände niederlieb, siegte Amalek."Ein ergreifende« Bild ist es", so begann der Kaiser wörtlich,das unser heutiger Text uns vor die Seele malt. Da zieht Israel hin durch die Wüste, vom Rothen Meer zum Berg Sinai. Aber plötzlich tritt ihnen das heidnische Amalckitervolk in den Weg, will ihnen den Durchzug wehren, und es kommt zur Schlacht. Josna führt die junge Mannschaft Israels in den Streit, die Schwerter klirren auf einander und ein heißes, blutiges Ringen beginnt im Tbale Raphidim. Aber siehe, während der Kampf hin und her wogt, steigen die frommen Gottesmänner Mofe«, Aron und Hur hinauf auf Bcrgcshöh', sie strecken ihre Hände empor zum Himmel: sie beten. Drunten im Thal die kämpfende Schaar, droben auf dem Berge die betende Schaar das ist da« heilige Schlachtenbild unseres Textes. Wer verstiknde heute nicht, was cs uns sagen will! Wiederum hat sich ja heidnischer Amalekiter- aeist geregt im fernen Asien mit groß Macht und viel List, mit Sengen und Morden will man dem Durchzug europäischen Handels und europäischen G e i st e s will man dem Sicgeszug christlicher Sitte und christlichen Glaubens wehren. Und wiederum ist der Gottesbefehl ergangen:Erwähle Dir Männer, zeuch aus und streite wider Amalek!" Ein heißes, blutiges Ringen hat begonnen, schon stehen viele unserer Brüder drüben im feindlichen Feuer viele fahren den feindlichen Küsten zu und Ihr habt sie gesehen, die Tausende, die auf den Ruf:Freiwillige vor! Wer will des Reiches Hüter sein?" sich jetzt sammeln, um mit fliegenden Fahnen mit einzutreten in den Kampf. Aber wir, die wir zurückbleibcn müssen in der Heimath, die wir durch andere Pflichten gebunden sind sagt, hört Ihr nicht den Ruf Gotte«, der an Euch ergeht und der es Euch sagt:Steige hinauf auf den Berg! Hebe Deine Hände empor zum Himmel! Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist!" Wohlan denn: drüben in der Ferne die Schaaren der Kämpfer, hier in der Heinmth die Schaarcn der Beter das sei das heilige Schlachtenbild auch unserer Tage. Mahne denn diese stille Morgenstunde, sie mahne uns an die heilige Pflicht der Fürbitte, sie erinnere mrs an die heilige Macht der Fürbitte". Der Kaiser schilderte dann, wie leicht Frische und Be­geisterung der jungen Krieger ermatten, wenn cs hingeht in die Gluthitze des Rothen Meeres oder in die Sturzwellen des Oceans, wie leicht Frölürchkeit und Kraft erlahmen unter den langen Märschen im Sonnenbrand, iw den langen Biwak-Nächten im Regen. Dann fuhr der Kaiser wörtlich fort:Gewiß, ein lang­ersehnter Augenblick, wenn endlich der Tambour anschlägt zum Sturm und die Trompeten blasen zum Streit, wenn da« Kommando ertönt: Vorwärts auf den Feind!" Aber wenn dann im Donner derGeschütze und beim Sprühen der Granaten die Kanieraden fallen zur Rechten und Linken und die feindlichen Batterieen wollen reicht weichen; wie leicht fängt da auch das tapferste Herz zu beben an!"Christen, damit unsere Brüder draußen fröhlich bleiben auch in der drückendsten Roth, treu bleiben auch in der schwersten Pflicht, uiwerzagt bleiben auch in der größten Gefahr dazu brauchen sie mehr als Munition und scharfe Waffen, auch mehr als jugendlichen Math und flammende Begeisterung, dazu brauchen sie Segen von oben, Lebenskräfte und Siegesmächte von oben sonst können sic nicht gewinnen und den Sieg behalten und diese himmlische Welt, sie öffnet sich nur dem Gebet. Das Gebet ist der goldene Schlüssel znr Schatzkammer unseres Gottes. Aber wer ihn hat, der hat auch die Verheißung:Wer da bittet, der empfängt. Oder wollten wir etwa die Hände müßig in, den Schooß legen? Wehe uns, wenn wir träge und lässig wären.

während sie das harte, blutige Handwerk treiben! Wehe uns, wenn wir hinter den Schranke» bent großen Schauspiel nur neu­gierig zusähen, während sie ringen in heißem Todeskampf! Das wäre Kains Geist mit der grausamen Sprache:Soll ich meines Bruders Hüter sein!" Das wäreTreulosigkeit gegen unsere braven Brüder, die ihr Leben einsetzen!"Nimmermehr! Wir wolle» nicht nur Bataillone von Kriegern mobil machen, »ein, auch eine heilige Streitmacht von Betern. Ja, wie viel giebt es doch für unsere ins Feld ziehenden Brüder zu erbitten und zu erflehen. Sie sollen der starke Arm sein, der die Meuchelmörder bestraft; sie sollen die gepanzerte Faust sein, die in das wüste Treiben hiuciufährt; sie sollen mit dem Schwerte in der Hand eintreten für unsere heiligsten Güter." Der Kaiser mahnte zum Gebet, damit Gottdie Krieger zu Helden mache und die Helden zu Siegern und sie dann mit dem Lorbeer um den Tropenhelm und mit den Ehrenzeichen auf der Brust heim- bringe in das Land ihrer Väter." Der Kaiser behandelte dann die heilige Macht der Fürbitte.Oder glauben wir etwa nicht an die heilige Macht der Fürbitte?! Nun denn, was sagt unser Text? So lange Moses seine Hände emporhielt, siegte Israel!" Die heißen Gebete eines Moses machten die Schwerter der Feinde stumpf, sic schoben sich wie ein Keil in die feindlichen Schlacht- reihen, brachten sie ins Wanken und hefteten den Sieg an die flatternden Fahnen Israels. Und wenn das die Gebete eines Moses vollbracht, sollten nicht auch unsere Gebete solche« ver­mögen! Gott hat keine Silbe von seinen Verheißungen zurück- genommen treue Gebete können noch heute die Drachenbanner in de» Staub werfen und die Kreuzesbanner auf die Mauern pflanzen." An die Rachricht der Bibel, daß Abraham init^seinem Flehen Lothcransgebctet" habe aus der »rennenden Stadt L>odom, knüpfte der Kaiser die Frage:Und sollte es da nicht unseren Gebeten auch gelingen, unsere kämpfenden Kameraden herausznbcteu aus dein Feuer der Schlachten! Blick hin, dort in Jerusalem liegt die junge Christengemeinde auf den Kniecn ihr Führer, ihr Vater liegt gefangen im Kerker und siehe, mit ihren Gebeten rufen sie den Engel Gottes ins Gefängniß und er führt den Petrus unversehrt heraus. Und unsere Gebete sollten nicht die Kraft haben, noch heute die Thüren der Bedrängten, Gefangenen, Verfolgten zu sprengen und ihnen die Engel zur Seite zu stellen?"Ja, der alte Gott lebt noch," fuhr der Kaiser fort.Der große Alliirte regiert noch der heilige Gott, der Sünde und Frcvel- thaten nicht kann trinmphircn lassen, sondern seine heilige Sache führ-n wird wider ein unheiligcs Volk der allmächtige Gott, der durch die stärksten Mauern greifen kann, als wären e« Spinn­gewebe, und der die größten Massen zerstreuen kann wie Sand­haufen der barmherzige, getreue Gott, der das Wohl und Wehe

Ja, treue, an- Gott vom Himmel Und ist Gott für denn! Droben in auf Bergeshöh'!

seiner Kinder ans seinem Vaterherzen trägt haltende Gebete, sie holen den lebendigen herab und stellen ihn in unsere Mitte, uns, wer mag wider uns sein! Wohlan den Tauern hängen seltsame Glocken ....

Von keines Menschen Hand werden sie geläutet. Still und stumm hängen sie im Sonnenschein. Aber wenn der Sturmwind kommt, dann beginnen sie zu schwingen, heben an zu läuten, und ihre Glockenklünge hört man weit hinab ins Thal. Gott, der Herr, hat in jedes Mcnschenherz die Gebetsglocke hineingchängt. Doch, im Sonnenschein und Glück des Lebens, wie oft hängt sie still und stumm! Wenn aber der Sturmwind der Roth hervorbrickt, dann hebt sie an zu klingen. Wie mancher Kamerad, der das Beten verlernt, wird drüben im Kampf auf Leben und Tod doch wieder die Hände falten. Notb lehrt beten! So soll es auch in der Heimath fein! . . . Wie unsere Väter einst in Kriegszeiten an jedein Abend die Glocken läuteten und bei ihren Klängen die Häupter entblößten und beteten:Ach, bleib' bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist" so laßt auch uns an keinem Tage die Für­bitte vergessen . . Laßt unsere Gebete eine feurige Mauer sein um da« Lager unserer Brüder! Wie wird cs sie stärken, begeistern, entflammen der Gedanke: Tausende, nein, Millionen daheim trage» uns auf betendem Herzen. Der König aller Könige ruft: Freiwillige vor! Wer will des Reiches Beter sein! O wenn es auch hier hieße: Der König rief und Alle, Alle kamen! Fehlekein Einziger von uns!Der ist ein Mann, der beten kann." Di« Weltgeschichte wird einst die Kämpfe dieser Tage beschreiben. Aber der Mensch sichet nur, was vor Augen ist, er kann nur sagen, was die Weisheit der Führer, der Math der Truppen, was die Schärfe der Waffen getban. Aber die Ewigkeit wird einst noch mehr offenbaren. sie wird cs zeigen, wie die verborgenen Gebete

Ans Kirnst und Leben.

* Dir Kgl. Theater «nt» ihre Arbeit. Die General- inteudantur der Kgl. Schauspiele hat denRückblick auf die Kgl. Theater zu Berlin, Hannover, Cassel und Wiesbaden", den sie alljährlich zu halten pflegt, auch für das Jahr 1899 soeben in Druck gegeben und, ivie in den Vorjahren, durch den Buchhandel allgemein zugänglich gemacht (Kgl. Hofbuchhandlung von E. S. Mittler und Sohn in Berlin). In den drei Kgl. Theatern der Reichshanptstadt Berlin wurden gegeben im Ganzen 333 Schauspiel-, 323 Opern- und Operetten- und 60 gemischte Vorstellungen, in denen iusgesanunt 847 Trauer-, Schau- und Lustspiele,' 304 Opern, 105 Operetten und 60 Ballets zur Aufführung gelangten; ferner fanden statt im Neuen kgl. Opernthcater 94 Gartenkonzerte. An Gastspielvorstellungcn find zu verzeichnen 24. Im Kgl. Theater zu Hannover waren 289 Vorstellungen, einschließlich 13 Nachmittagsvorstellungen, zu verzeichne»; gegeben wurden 162 Trauer- und Schauspiele, 109 Opern, 78 Lustspiele, Possen mit Gesang und Vaudevilles. Das Kgl. Theater in Cassel gab 284 Vorstellungen, einschließlich, £, 7 wch"u"allS-(Kinder-)Vorstellung mit 136 Trauer-, Schau- und Lustsprclen, 121 Opern und Operetten, 21 Possen, Zauber­ische» re. und 6 gemischten Vorstellungen. Im Wiesbadener !! Sweater endlich wurde» 308 Vorstellungen gegeben, und zwar 119 Schauspiel-, 173 Opern- und 16 gemischte Vorstellungen.

. r * Gerhart Dauptmann als Bauherr. Dcrberiihmte Dichter ist nicht nur ein fleißiger Poet, sondern auch ein unermüdlicher und, wie es scheint, pnssionincr Banunternehmer. Von Hause aus bemittelt und durch frühe Heirath wohlhabciid geworden, bat er Wohl nie in der Zeit seiner dichterischen Entwicklung jene Sorgen kennen gelernt, die schon so manchenl vielversprcchendeii, rastlos emporstrebcnde» Talent vorzeitig die Flügel gelähmt haben. Er' lebte mit feiner Familie, einfig im Verborgenen schaffend, bald in der Heimath, bald im Auslande, bald in dem brausenden Getriebe b/r Großstadt, bald in nahezu dörflicher Abgeschiedenheit. Aber die ^ust, sich abwechselnd da und dort feste Heimstätte» zu gründe», kam ihm erst mit seinen wachsenden Buhnen- und Tantiömeu-

erfolgen. Er richtete sich zunächst ein Anwesen in Scbrciberhau, mitten in seinen geliebten schlesischen Bergen, ei». Hier sann und träumte er, bis ihn der Wandertrieb wieder ins Weltstadtgewoge, nach Berlin, verschlug. In der Grunewaldkolonie wurde er Eigenthümer einer vornehmen Villa, die er bis auf das kleinste Möbelstück herab genau nach eigenen Angaben stilvoll einrichtcn ließ. Wiederum aber zog ihn die Sehnsucht zurück ins Riesengebirge, und bei Aqneteu'dorf schuf er sich ein drittes villcnähnli'ches Heim. Doch aller guten Dinge sind diesmal nicht drei geblieben, vielmehr läßt Hauptmann jetzt bereits eine vierte Villa bauen, die noch im Laufe des Sommers vollendet werden durfte. Sie erhebt sich in Blase­witz bei Dresden an den Ufern der Elbe, eine Ecke der Hochufer­straße bildend, unmittelbar dem auf der anderen Seite des Stromes gelegenen Schloß Albrechtsburg gegenüber, und soll im Oktober von HauptnianuS Familie, die seit einer Reihe von Jahren schon dauernd in Dresden wohnt, bezogen werden. Diese Villa,, deren rcizvoller architektonischer Schmuck an die poetischste Haupt- maun'sche Bühnendichtung, an dieVersnnlene Glocke", insbesondere an deren phantastischeFabelgestalteu, erinnert, ist vonden Dresdener Architekten Schilling und ' Gräbner entworfen und ausgeführt worden. Sie hebt sich frappant von den Villen ihrer nächsten Umgebung ab. Da weist ein Säulenkopf in riesenhaften Größen- vcrhültnissen die Charakterbilder des faunischen Waldschratts und der grämlichen Buschgroßmutter auf; der verliebte Froschkönig Nickefmann trägt eine Dacheckc; auf dem Dache selbst, das steil emporstcigt, kriecht eine Katze entlang, die offenbar als Hausthier in naher Beziehung zur Buschgroßmutter steht, und die ragenden Feueressen wachsen sich an den Köpfen zu Sonnenblumen oder zu Apfelbäumen mit ungehcnerlichen Früchten aus. Nur das so rasch populär gewordene elbische Wesen Rautendelein fehlt. Das Binde­werk in Holz, das die Außenwände durchzieht, ist blau und dunkcl- rün gefärbt; die Zimmer zucbcnerErdc und im erstcnStockbieten urch geschnitzte Holzornamcntik und eigenartige Anlage allerlei interessante llcberraschungcn; man tritt ans ihnen auf einsame Söller hinaus, deren höchster, luftigster einen entzückenden Blick auf das Elbegelände bildet. Schon jetzt lockt der originelle Bau zahlreiche neugierige Beschauer au. Und der'Philosoph, der von diesem steingewordenen Dichtertraum weg hinüber nach Lojchwitz

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der Gläubigen eine Großmacht gewesen in diesen Kämpfen wie sich wiederum erfüllt die alte Verheißung:Rufe mich an in der Roth, so will ich Dich erretten." lind darum:Haltet an am Gebet! Amen." Mit einem Gebet schloß der Kaiser:Wir wagen es ans Dich! Führe D» uns an im Kampf! Wir rühmen, Herr, daß Du uns hilfst, und in Deinem Namen werfen wir Panier auf. Herr, wir lassen Dich nicht. Du segnest uns denn! Amen."

So oft der Kaiser Nordlandfahrlen unternommen, hat er an Bord des Sonntags Gottesdienst abgehalten. Der verstorbene Hofprediger Kögel hat für diese Seepredigten dem Kaiser ein besonderes Predigtbuch ausgearbeitet. Die Kreuzztg." sagt, daß die vom Kaiser am Sonntag ge­haltene Predigt diesiebente Seepredigt" des Kaisers ge­wesen sei.

Der Fall Ziethen.

(Von unserem Korrespondenten.)

L. Berti», 2. August.

In Sachen Ziethen, jenes unglücklichen Verurtheiltm von Elberfeld, von dessen Unschuld ein Mann wie Gneist fest überzeugt war und um dessen nachträgliche Freisprechung sich seit Langem die besten Männer in allen Parteien vergeblich bemühen, find neuerdings abermals Wiederaufnahmeversuche gemacht worden, die abermals fehlgeschlagen sind. Das Oberlandesgericht zu Köln hat sich den Standpunkt des Elberfeldcr Landgerichts augeeignet und die durch mühevolle Arbeit des Ziethen-Comitös gewonnenen Er­gebnisse als unvcrwcrthbar bezw. als nicht beachtenswert!) abgethan. lieber die Sachlage läßt sich der unermüdliche Vertreter des Zietheu-Comitvs, RechtsanwaltFraenkel, in der ZeitschriftErnstes Wollen" (Verlag von Hermann Walther) also vernehmen:Ob die neuen Zeugen Melchior Meher und Frau Cordes Personen sind, deren Reden man Glauben schenken darf oder nicht, ficht die Richter nicht an; ohne diese Menschen je gesehen und gehört zu haben, brechen die zur Entscheidung über Freiheit und Ehre Berufenen den Stab über jene und stützen ihr beklagenswertheS Verdikt auf deren jahrelanges Schweigen. Daß aber Leute ein­fachen Standes und niederen Bildungsgrades mehr als Scheu davor empfinden, vor Gericht aufzutreten, zumal in einem Mordprozcß, wird Denjenigen nicht Wunder nehmen, der Fühlung mit dein Volke und Verstäuduiß für sein Empfinden hat; auch der Gebildete und social höher Gestellte kennt heutzutage Angenehmeres, als mit dem Gericht in Berührung zu kommen um wieviel mehr trifft die« auf Menschen der anderen Schichten zu! Da« sind psychologische Erwägungen so einfacher Natur, daß Jeden die Unzugänglichkeit gerade von Richtern ihnen gegenüber mit traurigem Erstaunen erfüllen muß. Hierzu tritt be­züglich de« Meyer noch der Umstand, daß er offensichtlich davor zurückschrecktc, durch seine Zcuguißablegung die für sein Fort­kommen vielleicht hinderliche Mittheilung seiner Vorstrafe zu machen, daß er aber andererseits im Lauf der Zeit einigen Dienstherren sein Geheimniß offenbart hat ... . Und dies peinliche Befremden über das Verhalten der Richter angesichts solcher Momente wirst dadurch nicht geniildert, daß als Leituwtib stets von Neurui die Verlogenheit de« Lehrling« Wilhelm wiederkehrt. Daß. die in meinem Antrag vorgebrachtcn Selbstbezichtiguugen dieses Burschen auf keinerlei äußere Beeinflussungen zuriickgeführt werden, nicht um eines äußeren Vortheils willen abgegeben sein können, liegt auf der Hand. Darum erheischten sie eine andere Behandlung, als das bisherige Geständnißmaterial, und dürften nicht unter die vorgefaßten Gesichtspunkte gezwängt werden. Was nun die übereinstimmenden Gutachten von Autoritäten auf den Gebieten der Hirupathologie und Psy­chiatrie anlangt, so hat der Kölner Strafsenat in den in der der­zeitigen Hauptverhaudlung abgegebenen, von einander abweichenden Erklärungen praktischer, naturgemäß hinter so hervorragenden Spezialistenznrücksteheuder Aerzte eine erschöpfende Würdigung

mit seinen Schillcr-Erinucrungcn lugt, denkt wohl wehmüthig dem Wandel der Zeiten nach, der einem modernen Poeten den Luxus erlaubt, sich sogar als Bauunternehmer auszugcbcn. Friedrich Schiller war mit seinem bescheidenen Häuschen in Weimar zu­frieden; Gerhart Hauptmann wird, wenn er rüstig so foetbauen läßt, der staunenden Nachwelt einmal neben seinen gesammelten Werken eine stattliche Villen-Sannulung hinterlasscn zum rühm­lichen Zeugniß dafür, wie hoch heute der Dichter bei seinen Zeitgenossen in klingenden Ehren steht. (Bcrl. Lokal-Anz.)

* Gin Drrisnusschrciben für künstlerische Photo- graphieen veranstaltet die Fabrik photographischer Papiere, Ed. Lie sc gang in Düsseldorf. Speziell verlangt werden künstlerisch wirkende Abdrücke auf dem von derselben Firma in den Handel gebrachten Pan-Papicr, einem sogenannten Schnclldruck- papier, welches Effekte giebt, wie sie bisher nur bei Verwendung von Kohledruck oder des ucnerdings populär gewordenen Gun»ni- drncks erreichbar waren. Das Preisausschreiben setzt für die besten Photographieabdrücke folgende Geldpreise aus: erster Preis 300Mk., zweiter Preis 200 Mk., zwei dritte Preise von je 100 Mk., zwei vierte Preise von je 50 Mk. und acht fünfte Preise von je 25 Mk. iusgesanunt 14 Preise im Gcsammtwcrth von 1000 Mk. Schluß­termin der Einsendungen ist der 31. Oktober d. Js. Fach- und Amatenrphotographcn sind zur Betheiligung an diesem Preis­ausschreiben freundlichst cingeladen.

* Verschiedene Mitthcilnnge». Im Nachlaß Karl Zellers, desVogelhändlcr"-Komponisten, soll sich die Partitur einer Operette gefunden haben, zu welcher der bekannte-Wiener Librettist West den Text geschrieben hat. Die Operette, die den TitelDer Kellermeister" führt, darf als nahezu vollendet

clten und wird von dem Wiener KapellmeistcrBrandl bühnenfähig

is zum Beginn der kommenden Saison abgeschlossen werden.

Wie Rcchtsrath Heilgemayr in, Magistrat zu München bekannt gab, ist da« Defizit der 2. Kraft- und Arbcit«maschincn-Äus- stellung 1898 nunulehr endgültig mit 325,05! Mk. sestgcstcllt worden, sodaß nach Einberufung de» gesammtcn Garantiefoud« mit 207,440 Mk. dem Allgemeinen Gewcrbevcrcin noch ein ungedeckter Restbetrag von 117,611 Mk. zur Deckung verbleibt.