Einzelbild herunterladen
 

« 8 . Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusamnien.

Verlag: Langgasse 27.

LV.OOO Abonnenten.

Slnzeigen-PreiSr

-ie einspaltige Pctitzeile für locale Anzeige» !5 Pfg., für auswärtige Aineigen 25 Pfg. - Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

-- 7 - für bje matt)imtHnbe bis 11 Uhr Vormittags, für die Margen-Ausgabe bis 8 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigenzuc

An^tgktt-Amtttyme nächsterscheiueiiden Ausgabe wird keine Gewähr übernomme», jedoch »ach Möglichkeit Sorge getragen. ___

Uo. 357.

Fernsprecher No. 52.

Freitag, den 3. August.

Fernsprecher N». 52.

180 ».

Abend -Ausgabe.

Gi» deutsch-niederländischer Zollverein.

Von den Bestrebungen, eine deutsch-niederländische Zoll­union herbeizuführen, ist es seit geraumer Zeit völlig still geworden. Die bedeutsame Frage wird indessen jetzt wieder angeregt durch eine gründliche Untersuchung des Straßburger Professors Sartorius v. Waltershauscn in der Zeit­schrift ffür Socialmiffenschaft. Sartorins erörtert die Gründe, die es bei uns wie im Nachbarlande empfehlenswcrth machen könnten, einen Zollverein zu errichten, und er kommt dabei zu dem Ergebniß, daß der Hauptvorthcil allerdings auf niederländischer Seite läge. Es könnte sich dort, wenn die Zollschranken an der deutschen Grenze erst gefallen wären, eine selbständige Industrie entwickeln. Die holländischen Viehzüchter könnten ihre Erzeugnisse leichter als jetzt nach Deutschland absetzen, und die jenseitigen Befürworter der Zollunion hoffen auf noch weitere Vorthcile, die Professor Sartorins folgendermaßen zusammenfaßt: 1. Die Arbeitslosen, welche in den Städten anzutreffcn sind, werden theiks durch die kommende eigene, theils durch die deutsche Industrie, der es so oft an Arbeitern fehlt, absorbirt werden. 2. Ein brauchbares Patentgesetz und Verträge mit Deutsch­land und anderen Staaten über den gegenwänigen Schutz von Erfindungen rc. könnte an die Stelle der jetzigen un­vollkommenen, durch die Kleinheit des Landes bedingten Einrichtungen treten. 3. Unabhängigkeit vom englischen See- kftbclverkehr. 4. Schutz der niederländischen Interessen durch deutsche Konsuln, während jetzt die niederländischen Konsulate im Ausland nicht ausreichen. 5. Benutzung deutscher Unterrichtsanstalten, besonders der technischen Hochschulen durch junge Holländer, da die Bildnngsmittel im eigenen Land nicht ausrcicheu. 6. Einführung rationeller social- politischer Gesetzgebung und Anlehnung an deutsche

Einrichtungen—Fabrikgesetzgebung,Arbeitcrschutzvcrsichernng.

7. Anschluß an das deutsche Währungssystcm. 8. Gemein­same Eisenbahnpolitik mit Deutschland. 9. Gemeinsame Ansbaggerung und Ausnutzung des Dollart. 10. Ein deutsch- niederländischer Postverein nach Analogie des deutsch-öster­reichischen. So setzt man in den Niederlanden große Hoffnungen auf eine künftige Union. Man ersieht aus der Aufzählung, daß diejenigen niederländischen Bolkswirthschaftler, die sich mit dem Zollvereinsproblem beschäftigt haben, diese Frage auch sofort bis ins Kleinste durchgedacht haben, und wenn Wünsche so leicht zu verwirklichen rvären, wie sie gehegt werden können, so ließe sich erwarten, daß in absehbarer Zeit tvirklich eine engere wirthschaftspolitische Verbindung der beiden Länder zu Stairde käme. Wäre der sichtbare Gewinn zunächst ohne Zweifel auf Seiten der Niederlande, so wäre er auch für uns belangreich genug. Was die deutschen Nordseehäfen vielleicht im Anfang an Rotterdam und Amsterdam abzutreten hätten, das könnten sie reichlich wieder eiubringen durch die naturgemäße Steigerung »eS Verkehrs mit Niedcrländisch-Jndien und durch die Belebung der gesummten deutschen Volkswirthfchaft, die in den Nieder­landen ein neues Gebiet der Bcthätigung fände. Indessen muß Sartorius zugeben, daß eine rechte tragkräflige Strömung zu Gunsten der Zollunion iu den Niederlanden

noch nicht besteht. „Eine kleine Zahl praktischer Politiker und Negicrungsleute ist dafür, wenn auch mehr oder minder bedingt; die einflußreichen Volksvertreter, die Beamten­schaft, die Aristokratie, die Militärs verhallen sich über­wiegend ablehnend." So wird denn wohl in absehbarer Zeit nichts aus den Anregungen werden. Es ist namentlich nicht anznuehmen, daß die betreffenden Verhältnisse schon beim Abschluß der neuen deutschen Handelsverträge werden be­rücksichtigt werden können. Unterbleibt das aber, wie es eben wird unterbleiben müssen, so wird die Frage auf lange Jahre hinaus vertagt sein, was vielleicht kein Nachtheil ist. Denn wenn der Gedanke selbst fruchtbringend ist, so wird seine Verwirklichung auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu spät kommen.

Der Thronwechsel in Italien.

Der neue König Victor Emanuel.

Durch die Ermordung des Königs tzumbert von Italien ist Kronprinz Viktor Emanuel auf den italienischen Königsthron be­rufen worden, weshalb wir unseren Lesern bcisteheud die Portrat­zeichnung des Königs bieten. König Viktor Emanuel Ferdinand Maria Januarius führte als Kronprinz den Titel Pnnz von Neapel. Er ist am 11. November 1869 zu Neapel geboren, stand bisher im Range eines Generalleutnants und war Kommandeur des 10. italienischen Armeccorps, wurde 5 la suite des 1. hessischen Husaren-Regiments No. 13 und des Königlichen Infanterie-Regiments No. 145 geführt, ist Ritter des spamschen Ordens vom Goldenen Vließ, des Hosenbandordens, des Schwarzen Adlerordens u. a. Er vermählte sich am 24. Oktober 1896 zu Rom mit der Prinzessin Helene von Montenegro, die am 8. Januar 1873 zu Ccttinje geboren ist. — Die osfiziöie „Correspondcnzia" betont die aufrichtige Freundschaft des neuen Königs von Italien zu Kaiser Wilhelm.

Persönliches vom König Hnmbert.

Der italienische Gelehrte Giovanni Delta Vecchia, der sich mit der Lebensgeschichte des verstorbenen Königs eingehend beschäftigt hat, veröffentlicht in einem der letzten Hefte der „GoodWords eine Arbeit über König Hnmbert. Das „Berl. Tagebl." entnnnnit der fesselnde», an persönlichen Zügen reichen Studie Folgendes: König Hnmbert war ein Frühaufsteher. Jeden Morgen wlir er bereits

vor 6 Uhr in seinem Arbeitszimmer zu finden, und eine oder-zwei Stunden vor dem Frühstück ritt er aus, gleichviel wie das Wetter war; er hatte sogar eine besondere Vorliebe für einen stürmischen Morgen, und Niemand erinnert sich, ihn jemals mit einem Regenschirm gesehen zu baden. „Befehlen lernt man nur, wenn inan gehorchen lernt", ist einer der Hauptgrundsätzc des Hauses Savohen; König Hnmbert, der diese Schule durchgemacht. wußte auch feinen eigenen Befehlen zu gehorchen. Von Jugend auf war er ein starker Rancher gewesen, aber als ihm sein Arzt vor zwölf Jahren sagte, daß er durch, sein Rauchen seine Gesundheit schädige, erklärte er: „Von heute ab werde ich keine einzige Cigarre mehr rauchen!" und sofort hörte er auf, obgleich er sich daran gewöhnt hatte, säst jeden Tag zwanzig starke Cigarren zu rauchen. Der König war sehr mäßig, er war fast ein Vegetarianer und Abstinenzler, aber er war dnrchaus uicht übertrieben. Bei den großen .Hoftafel», an denen die wunderbarsten Weine gereicht werden, wurde ihm allein immer eine besondere Flasche „Champagner" hinqcstellt — Niemand konntc vermnthcn, daß es nur eine unschuldige Limonade mit Brausepulver war. Der König zeigte schon früh eine starke Abneigung gegen alles Speichelleckerthüm. Er war kaum 16 Jahre alt, als er mit seinem Bruder eine Rundreise durch die Hauptstädte des neu gegründeten Königreiches machte. Eine Zeit lang hörte er ganz geduldig die pomphafteil Ansprachen der Bürgermeister aller Städte, dnrch die er kam, mit an; aber bald wurde es ihm doch zu viel, und er fragte, ob es nicht möglich wäre, den Obrigkeiten die Hand zu schütteln, ohne daß man eine lange Rede hören müßte. Bei dieser Gelegenheit zeigte er auch seine Bereitwilligkeit, alle seine Nnterthanen anzuhören. Er ließ alle Bittschriften anfheben, die ihm gereicht wurden, und des Abends setzte er sich nieder, um mit eigenen Augen alle diese jammervollen Klagen und Bitten zu lesen. Im September 1884 war König Hnmbert mit der Königin m Benedig. Er hatte beschlossen, nach Pardenone zu gehen, wo ein militärisches Fest stattfiuden sollte, als er die Nachricht empfing, daß in Neapel die Cholera so schlimm aufträte, daß das Volk vor

S nrcht ganz uilzurechnungsfähig wäre und die Obrigkeit allen influß verloren habe. Er telegraphirte sofort an den General: „In Pardenone feiert Ihr ein Fest, in Neapel stirbt das Volk zu Hnndsrtcn. Ick, gehe nach Neapel." Er ließ die Königin und den Kronpriuzcn zurück und telegraphirte an seinen Bruder: „Erwarte mich iu Rom . Am folgenden Morgen langten der König und Prinz Amadeus in Neapel an.

Berichte aus Italic».

bck. Uam, 3. August. Auf dem Bahnhof wurde eine wichtige Verhaftung vorgenoinuien. Es handelt sich um einen aus Amerika angekommcnrn Anarchisten. . Der Mann, welcher aus Monza kam und nach Ancona wollte, wehrte sich ans Leibeskräften und betheucrte fortwährend seine Unschuld. — In verschiedenen Städten Italiens wurden Verhaftnngen vorgcnonunen von solchen Personen, welche Hochrufe auf die Anarchie ausbrachteim und Shmbole zerrissen. — Gestern Früh wurde bekannt, daß alle nach dem Auslände gehenden Telegramme einer Censur unterliegen. Telcgranliiie in srenidcr Sprache wurden überhaupt nicht angenommen.

Der Mörder.

dck. Kerlin, 2. August. Das trotzigfreche Benehme« des Attentäters Brcsci hat nach einer Meldung des „Berliner Tage­blatt" aus Rom keine Aenderung erfahren. Er sagt, er werde doch bald durch die Revolution befreit werden. Er kündigt die bevor­stehende Ermordung des Czaren an. Mittlerweile wurde er in eine Zwangsjacke gesteckt, die nur während des Essens auS> gezogen wird. Man nimmt indessen an, daß er trotz dcS Mordes nichr affektirt als natürlich ist und in der Einzelhaft früher oder später der Verzweiflung Platz machen wird. Aus Amerika kamen an VreSci Glückwunsch-Depeschen, welche die Polizei natürlich konfiszirte. — Die Abnrtheilnng des Mörders wird vor den Mailänder Geschworenen stattfindcu. Als Strafe kommt tue Todesstrafe nicht in Betracht, da sie in Italien abgeschafft ist. Brcsci soll seinen Wärtern gegenüber erklärt haben, er würde die Todesstrafe jeder anderen Strafe vorziehen. Nach Artikel 117 des italienischen Gesetzes kommt jedoch die Todesstrafe auch für Rück­fällige nicht zur Anwendung, das Gesetz kennt nur lebenslängliche Galecrenstrafe. Auch für Mord am Staatsoberhaupt giebt es keine Ausnahme. Dagegen hat der Mörder die ersten acht Jahre in Einzelhaft zuzubringeu. — „Popolo Romano" bedauert, daß der

(Nachdruck verboten.)

Streihüge durch die Pariser Weltausstellung.

Bon Paul Liudenberg.

XIII.

Das Dalais MexikoS. — Der Armee-und Marine-Palast. - 0 2 « «.. ihm z« sehen und nicht zu sc-'-., ve. kommt. - Das Armee-Museum des Prenfuscheu Kriegs- Ministeriums. - Vom Palais der H-ndelssaitffahrt. - Der Deutsche Schiff., hrlspaviNon. - Die Bedeutung des Deutschen Seewesens. — Ein Grus; der HeimatI). Unsere letzte Wanderung endete mit der Besichtigung der Straße der fremden Nationen, die durch die Alma-Brücke ihren Abschluß findet, richtiger ihre Unterbrechung denn auch noch in den übrigen, auf dem linken Seine-Ufer liegen­den Theilen der Ausstellung finden wir allerhand Nepraseu- tations-Gebüude auswärtiger Staaten, die in ihren mamug- fachen Stilen das an sich fctjoit so abwechslungsreiche Ge- sammlbilduochfarbiger und verschiedenartiger machen. So stoßen wir gleich hinter der genannten Brücke aus dav Palmv Mexikos, ein hellgehaltcnes, langgestrecktes Gebäude, dcw seine von breiter Loggia unterbrochene Hauptfront der Seine zukehrt; gleich dem Aeußern, macht auch das Innere einen luftigen Eindruck; durch das Glasdach fällt das Licht inen weite, von oberen Gallericcn umgebene Halle', m welcher o,e vielfachen Erzeugnisse des Landes — Holz,Gewebe,Mwera :en, Leder, Wein, Tabak, Gartenbau- und Landwirthfchaft - Produkte — zur Schau gestellt sind. Im Geschmack des ersten Kaiserreichs ist der Empsangssalon ausgesiattet mit recht flotten, französische Einflüsse aufwciscnden Gemälden und Bildhanerwerken mexikanischer Künstler; auch eine geschichtliche Abtheilung fehlt nicht, in welcherdieErtNueruugcn

an Kaiser Maximilian jenen französischen Besuchern, die nicht blindlings Alles, was den Krieg anbetriffl, gut heißen und die ein Gedächtniß für Napoleonische Sünden haben, wenig angenehm sein dürften.

Und nun gelangen wir in das Gebiet des Mars, zum benachbarten Armee- und Marine-Palast, der sich in einer Länge von 350 Metern ansdehnt und in seinem Aeußeren an französische militärische Bauten des Mittel­alters gemahnt, mit reicher Fassade, zu der von der Seine zwei monumentale, von Herolden in der Karolingertracht bewachte Treppen hinanführcn, während in der mittleren, großen Durchgangshalle die Neitergestalten von Bahard und du Guesclin Anfstcllung gefunden haben. Ein Theil des Palastes ist der Hygicine und dem Lazarett,wesen ein­geräumt, ohne daß hier irgendwie Neues geboten wird, was besonders bei dem elfteren Gebiet auf­fällig ist; dasselbe hat aber mancherlei Trennungen erfahre» und ist überwiegend in anderen Abtheilnngen unter­gebracht worden. Auch beim Heerwesen lernen wir natürlich nur Aeußerlichkeiten kennen, ivelche für Laien interessant sind, so die Verwendung von Automobilen in der Armee und die verschiedenen Vorkehrungen für eine schnelle Ver­pflegung größerer Truppenmassen. An Waffen und MuntNon aller Art fehll's nicht, aber obwohl Alles blitzblank ist und völlig neu erscheint, lächeln die, die etwas davon verstehen, nur spöttisch darüber, denn all das, worauf es heutzutage bei einer Mobiliffrnng ankommt, was also im Ernstfall von Wichtigkeit sein würde, das wird selbstverständlich nicht hier aller Welt gezeigt, sondern vorsichtig hinter Schloß und Riegel gehalten. Aus diesem Grunde halte man zuerst von einer Belheilignng der Armee und Kriegsmgrine in der Aus­

stellung gänzlich abgesehen, sich aber doch noch im letzten Augenblick dazu entschlossen — kein Wunder, daß dieses in wenigen Monaten ausgeführte Palais erst vor Kurzem baulich fertig wurde und auch in seinem Innern noch viele Lücken aufweist, sowie eine gewisse Unordnung, die gerade an dieser Stelle, wo Alles nach dem Schnürchen gehen müßte, unangenehm berührt. Um den unendlichen Raum doch etwas auszufüllen, hat man viele Firmen zusammcn-- aetrommclt, deren Fabrikate — Fernrohre. Photographie- Apparate, Landkarlen, B-rmessungs - Instrumente, Eis­maschinen, Konserven rc. — in einem Feldzug von Nutzen sein können; das ist aber ein dehnbarer Begriff, der schließ­lich die halbe Ausstellung umfaßt.

Auch die fremden «Staaten haben sich in diesem Fall recht lau gezeigt, nur Rußland betheiligte sich in etwas um­fassenderem Maße mit der Ballon-Ausrüstung einer Lufr- schiffer-Ablheilnng und einem Artilleriepark, und Deutschland sandte eine Zahl von Modellen unserer Kriegsschiffe, die der „Vulkan" und die Schichau-Werft erbaut. Sehr hübsch und großen Beifall findend ist das im oberen Stockwerk nntergcbrachte Armee-Museum des Preußischen Kriegsministeriums mit anschaulichen lebensgroßen Figuren preußischer und deutscher Soldatenthpen vom Großen Kurfürsten an bis zur Zeit Kaiser Wilhelms I.; auch Bayern, Sachsen und Württemberg sind mit iuler- essautcn Nachbildungen einzelner Nnnectypen vertreten. Die Uniformen und Bclvaffuungen sind meist alten Be­ständen entnommen oder auf das Treueste nachgeahmt; die künstlerische Durchbildung der Gestalten, ihre Gruppirnng, die Genauigkeit bis zum unbedeutendsten Theilchen berühren gerade hier doppelt angenehm. Aeußerst fesselnd ist iodany