Wiesbadener Tsablstt.
48. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
Avonnenlen.
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Uo. 384.
Fernsprecher No. 52.
Donnerstag, den 2. August.
Fernsprecher No. 52.
1900.
Morgen-Ausgabe.
(Nachdruck verboten.)
Die Ausrüstung unseres Grpedttionsrorps.
In der beistehenden Illustration bringen wir unseren Lesern einen authentische Darstellung der Feldausrüstung unseres vstasiatischen Expeditiouscorps, welches sich in Rücksicht auf die in China herrschenden klimatischen Ver-
Den Mantel trägt der Soldat gleichfalls nicht bei sich, denn dieser wird mit Kleidersack und Helm demselben im Compagniegepäck mit nachgebracht. Ein ganz besonderes Interesse bietet das neue 6,5 mm-Gewehr, Modell 98, mit welchem bisher geradezu großartige Resultate zu verzeichnen sind, sodaß die Mannschaften ein unbedingtes Vertrauen zu ihrer Waffe gewonnen haben, ein im Gefecht nicht hoch genug an- zuschlagender Faktor. Namentlich fallen bei dem Gewehr zwei ganz neue Einrichtungen auf, erstlich die Form des Kolbens, welche der Hand eine viel größere Ruhe bringt,
hältnisse wesentlich von derjenigen unserer in der Heimattz stehenden Truppen unterscheidet. Wir bemerken über dieselbe Folgendes:
Statt des Helmes ist zunächst in der heißen Jahreszeit ein Strohhut vorgesehen; elfterer findet aber auch Verwendung und wird den Mannschaften im Gepäckwagen nachgefahren. Der Tornister gleicht seinem Aeußeren nach (siehe die Abbildung) dem in der deutschen Armee üblichen auch insofern, als auf ihm aufgeschnallt das Aluminiumkochgeschirr und das braune Zeltleinen getragen wird. Die innere Anordnung ist indeß eine wesentlich andere, indem die einzelnen Gegenstände in getrennten Fächern verpackt sind Auf unserem Bild ist der aufgeklappte Tornister gleichfalls mit dargestellt. Das Koppel unterscheidet sich in den Einzelheiten durch das neu eingeführte Seltengewehr, welches mit einem Holzgriff versehen und außerordentlich leicht ist; auch ist die Vorrichtung zur Befestigung des Bajonetts an dem Gewehr eine andere; dasselbe wird jetzt unterhalb des Gewehrlaufes angebracht und vermag dadurch nicht mehr den Schuß seitwärts abzulenken. In der auf der -vornlstei- zeichuung deutlich erkennbaren Abtheilung befinden sich unter Anderen die drei Theile einer Zeltstange und die sogenannten Heringe, Keile, welche in den Erdboden eingetrieben werden, um die Zeltleinen zu halten. Nächst dem Zelt ist auch noch für das Lagern auf nacktem Erdboden eine wasserdichte Unterlage vorgesehen, auf welcher oben und unten je eine Tasche eingenüht ist. Die eine dient dem Soldaten, iiach- dem sie mit Heu oder Stroh ausgestopft ist,'als Kopfkissen, während in die andere die Füße gesteckt werden. Das ferner zur Ausrüstung gehörige Mosquitonctz ist derart eingerichtet, daß sich der Mann entweder ganz hineinwickeln oder auch zeltartig über sich aufspannen kann. Die letzteren beiden Gegenstände nebst einem Drillichanzug, Wäsche und drei Leibbinden sind in einem Kleidersack untergebracht, der dem bei der Marine vorgeschriebenen durchaus entspricht.
sodann das auch mit der linken Hand aufklappbare massive Visir, welches seinerseits dem Auge eine größere Ruhe gewährt als das alte Visir vom Gewehr Modell 88. Endlich ist noch die Neuerung zu erwähnen, daß da, wo die linke Hand das Gewehr hälfi eine Holzverkleidung angebracht ist zum Schutz der Hand gegen den heiß werdenden Lauf. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß die Feldtasche mit grauem Filz, bekanntlich einem sehr schlechten Wärmeleiter, überzogen ist.
Die kurze Zeit, in welcher die für den Tropendienst neu zu beschaffende Ausrüstung fertiggestellt worden ist, und die große Umsicht, mit welcher die Mobilmachung für den Auslanddienst stattfand, bedeutet eine umso größere Leistung für unsere Armeeleitung, als ihr das Ganze eine vollkommen unerwartete und neue Aufgabe war.
Aus Zladl nun Kand.
Wiesbaden, 2. August.
- Grschichtslinlcntzer. , 2. August. 1897: Gefecht der deutsche» Schutztruppc am Oranjcflust. 1873: Zurückgabe Belforts an Frankreich. 1872: * Kaiser Tsai-stjen von Chma. 1870: Angriff auf Saarbrücken. 1870: Eintreffen Wilhelms I. mit BlSinarck, Moltke und Noon in Mainz. 1858: * Königin Emma der Niederlande, geb. Prinzeß von Waldcck. . 1815: * Adolf Fnedrrch Graf v. Schack zu Brüjewitz bei Schwerin, Lltteraturhlstonker, dichter und Knnstsammler. 338: Schlacht bei Chäronea.
o. Dir „Fraur, .-Sterbe»»,Ir" hielt dieser Tage ihre zweite ordentliche Genernloersammluttg der reger ^Lethelligung un ^aale des Evang. Vereinshauses ab. Nach dem von^dem Kasstrer über das erste Halbjahr erstatteten Bericht ist die Jnfluenza-Epldenile z» Anfang de« Jahres ans die Kasse nicht ohne Einfluß geblieben, die Sterblichkeit n»ter hc.i Mitglieder» war etwas starker als sonst. Die Zahl der Todesfälle belief sich »» Ganzen auf 20. Andererseits hat es aber auch an Ncnalifnnhiiien nicht gefehlt, sodaß der Mitgliederstand einen kleinen Zuwachs zu verzeichnen hat. Dank des kräftigen Reservefonds der Kaffe konnten d.e Sterberentc» von je 500 Mk. immer ansbezahlt werden, ohne warte» zu müsse», bis die Beiträge ch-ffür von den Mit
gliedern erhoben waren. Im Ganzen gelangten für diesen Zweck 10.000 Mk. zur Auszaklnng. Während der Berichlszeit beliefen sich die Einnahmen auf 19,032 Mk. 76 Pf., die Ausgaben auf 17 847 Mk. 12 Pf., sodaß ein Einnahme-Ueberschnß von 1185 Mk. 64 Pf verbleibt, der ans 495 Mk. 64 Pf. Kassenbestand und 690 Mk. Nestbeiträgen besteht. Das Kassenvermögcn belief sich am 30. Juni auf 54,209 Mk. 85 Pf.; nach Abzng der als Guthaben an die Mitglieder für noch zu erhebende Sterbebeiträg« eingestellten Summe verbleiben als greifbare Mittel, als eigentlicher Reservefonds rund 43,000 Mk. Seit dem fünfzehnjährigen Bestehen der „Frauen-Sterbekasfe" sind von derselben bis zum 30 Juni c. in 254 Fällen rund 123,400 Mk. ansbezahlt worden, für einen Verein, der ans ganz kleinen Anfängen hervorgegangen ist, eine recht respektable Summe, mit der zweifellos viel Gutes gestiftet wurde. Die zur Prüfung der 1899er Rechnung eingesetzte Sachvcrständiqen-Kommission hat nach ihrem zur Verlesung gebrachten Bericht diese Rechnung in völliger Ordnung befunden. Ihr Antrag, dein Rechner Dccharqe zu ertheilcn, findet einstimmige Annahme. Nach Erledigung einiger unwesentlicher interner Vereinsangelegenheiten wurde die Versammlung mit den besten Wünschen für die Weitcrcntwickelung der Kaffe geschlossen. Anmeldungen zum Beitritt von Frauen und Männer» nehmen die erste Vorsteherin, Frau PH. Spies, Hellmundstraße 36, sowie die übrigen Vorstandsmitglieder entgegen.
o. Plötzlicher Tod. Gestern Nachmittag ist eine ältere, angcbliel' i» der Emserstraße wohnende Danie vor dem Cafö Orient, „Unter den Eichen", vom Schlage getroffen worden, der ihren alsbaldigen Tod zur Folge hatte.
uc. Der Regenschirm ist der beste Thermometer für des Mannes Charakter. Natürlich sprechen wir nur von Leuten, die ein solches Möbel zu des Lebens Nothwendigkeiten zählen. Der Mann, der fast nie ohne Regenschirm ausgeht, ist vorsichtiger Natur, unternimmt nie etwas, das wie Spekulation aussieht, und ist ziemlich sicher, einmal reich zu sterben. — Wer immer seinen Regenschirm zurückläßt, ist gewöhnlich ein Mann, der sich keine Sorge macht um den morgenden Tag; er ist unbekümmert und gedankenlos, konnnt innner zu spät, wenn er irgend wohin verreisen will, läßt die Hau«thüre offen, wenn er Nachts heimkommt, und ist so zerstreut, daß er ein kleines Kind in Gegenwart seiner Mutter einen häßlichen Affen nennen kann. — Der Mann, der immer seinen Regenschirm verliert ist ein unglücklicher Teufel, dem stets das Geld fehlt, wenn er einen Wechsel zu bezahlen hat, dessen Schuhe schon beim Anprobiren platzen, dessen Knöpfe abspringen. gerade wenn er in der größten Eile ist, und der stets gewiß sein kann. Abends falsches Geld in seinem Portemonnaie zu finden. — Der Mann, der für die Sicheret seines Regenschirmes immer in peinlicher Angst ist und sichalle Augenblicke überzeugt, ob er auch noch nicht verschwunden, ist voll Mißtrauen; spielt er mit Jemandem Karten, so wird er immer an Betrug denken, und trinkt er mit einem Anderen eine Flasche Wein, so wird er Angst haben, zu kurz zu kommen. Mag er auch noch so reich sein, so gicb ihm doch nicht Deine Tochter zu», Weibe, denn er wird mehr'Sorge für seinen Regenschirm, als für seine Frau tragen — Der Mann, der im Regen ohne Schirm ausgeht, selbst wenn er einen hat, ist einfach ein Narr; Du kannst alle Arten sonderbarer Streiche von ihm erwarten.
uo ütleetty der Konilio». Es giebt noch Viele, die fest überzeugt sind von der Wirksamkeit der Bouillon, mit der sieKranke zu stärken hoffen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Kaliuni- salze .Herzgifte sind, d. h. sie lähmen die Tbätigkeit des Herzens. Run ist aber die Bouillon sehr reich an Kalisalzen (daher der pikante Geschmack). Wo es darauf ankomnit, dem Kranken etwas Schmackhaftes oder Appetitanregendes zu geben, da können sie ruhig Bouillon geben. Doch gewaltig irren die, welche da denken, ihren Pflegebefohlenen damit zu stärken. Eine Nahrung, reich an Nährsalzen, eilte Portion des erfrischenden Obstes thut demselben bessere Dienste in Reinigung und Auffrischung des Blutes.
o. Thierquiilerci. Die von der „Biebricher Tagespost" übernommene Notiz über eine dieser Tage in Biebrich verübte Thierguälerei beruht, wie sich nachträglich heransstellte, auf einem Jrrthuni, indem die erwähnte Rohheit nicht von einem Wiesbadener Kutlcher, sondern von einem Karrensuhrmann verübt wurde Aus dem Fuhrmann war einfach ein Wiesbadener Kutscher geworden; diese aber, von denen man ja solche Ausschreitungen im Allgemeinen nicht gewöhnt ist, sind der Sache selbst nachgegangen und cs ist ihnen auch gelungen, sich von diesem Vorwurf zu reinigen.
— Kleine Uotizrn. Auf den zweiten Familien-Abend des Mänuergesang-Vereins „Concordia", welcher heute Donnerstag in dein herrlich gelegenen Restaurant „Nene Adolphshöhe" (früher „Rheinblick") stattfindet, sei hierdurch nochmals aufmerksam gemacht. ___
(!) Kranrnftein. 31. Juli. Dieser Tage fand hier die Bürgermeistcrwahl statt. Wie vorauszusehcn war, wurde unser seitheriger Bürgermeister, Herr Sinz, wiedergewablt, und zwar auf die Dauer von 8 Jahren. Derselbe steht letzt ,chon 18 Jahre lang an der Spitze der Gemeinde, und daß er letzt zum vietten Riale wicderqcwählt wurde, giebt Zeuguiß davon, welches Vertrauen er sich in seinem Amte bei sämmtlichen Gemeindc- niitalicdcrn erworben hat. Der Tag der Wahl war denn auch ein nllaeincincr Frcndentag für die Gemeinde und ein Ehrentag für Herrn Sinz. Die Gemeindevertretung Überreichte ihm ein Ehrcn- diplom, der Darlehnskassenverein, dessen Vorsitzender der Gewählte ist, einen prachtvollen Divan und einen Blumentisch. Abends veranstalteten jämmtliche Vereine einen Fackelzug, bei welcher Gelegenheit Herr Valentin Schneider, Mitglied der Gemeindcvcrtretring, in kurzer Ansprache die Glückwünsche der Vereine, sowie der ganzen Gemeinde dnrbrachte. Der „Männernesang-Vereiii", der „Cäciiien- Vereiu" und die Gesangriege des „Turn-Vereius" brachten, verschiedene Lieder zum Vortrag. Nachdem der Herr Bürgermeister in herzlichen Worten Allen seine» Dank ausgesprochen halte, versammelten sich die Vereine i» ihren Lokalen, um hier noch einige Stunden fröhlich beisanunen zu sein.
--- C»nl>. 31. Juli. Die Rheinische Schieferban-Ge- werkschaft Wiesbaden, deren Grubenbetrieb sich gegenüber Caub a. Rh. befindet und die theilwcise im Besitze Wiesbadener Herren ist, hat ihr uencrbautes Spalthaus dem Betriebe iiber- gebcn und damit unter lebhafter Betheiiignng ans Wiesbadener Kreisen ein Einweihnugsfest verbunden. Die Arbeiterschaft wurde dabei reichlich bewirthet Uiid die zahlreichen Gäste versannneltcn sich zu einem frohen Mahle ans der Engelsbnrg, >vo Lust und Freuve bis zur späten Aheiidstnnde herrschte». Das zum Zweck der Bctriepserweiteriiiig neuerdante Spalthaus enthält eiiien großen Spaltsaat für 50 Spalter, ferner Arbelterschlasrännie, EtzziiNiuer und Küche für die Arbeiter und eine schöne Wohnung für den Be-
