1. SMane nun Mesdküener Tagd^alt.
(7. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
JimgUm.
Roman von A. W- Aokinso«.
„Wie Du mit mir armen Teufel umgehst, 's ist himmelschreiend." quiekte Lord Kanes Erbe. „Drei ein halb Pfund hat's gekostet . . . extra bestellt . . . Orchideen und Rosen- knospen d'rin . . . und keine Spur von Anerkennung, aber so bist Du ja, Nin . . ."
„Sei ein guter Junge und zeig' Dich der Mutter! Wir müssen nach unseren Kleiderkörben sehen und Du bist uns nur im Wege . .
„Ohol Donnerwetter!"
Die Thür sprang auf, Lord Markingham wurde von zwei weißen, reich beringten Händen, die auf seinen Schultern sichtbar waren, hereingestoßen ... ein perlender Lachtriller ... die Hände verschwanden und die Thür wurde hinter ihm zugcschlagen. Durch den letzten Schubs etwas ins Wanken gebracht, torkelte der Sprößling der Kanes ins Zimmer hinein, um unversehens seinem leiblichen Vater gegenüber- zustehen, der stranim und steif in seinem Lehnstuhl saß.
„Alle guten Geister . . ." entfuhr es den Lippen des Jünglings, dem sogar Gespensterfurcht zu verzeihen war.
„Giebt es — außer Rausch und Lüderlichkeit — irgend eine Entschuldigung für diese Aufführung und diesen schamlosen Aufzug?" fragte Lord Kaue kühl und ruhig, obwohl die Erscheinung des SohnS sehr dazu angethan war, einen würdevollen feierlichen Erzeuger der alten Schule außer Fassung zu bringen. , c t ,
„Ich bin nicht betrunken, Vater." erwiderte der Sohn rasch. „Ganz und gar nicht." . „ , , „
„Dann mußt Du einen Tobsuchtsanfall haben. t
„Es ist nur ein Witz von Nin . . . von Fräulein Pickerson, heißt das . .. sie hat immer so lustige Einfälle, mutzt Du wissen ... Du siehst doch, daß es ein Scherz ist?'
„Ich sehe, daß Du ein Narr bist."
„Ja, ja . . . kann mir denken, daß ich ungefähr so aus. sehe, aber ich will Dir erklären . . ."
„Ich brauche keine Erklärung."
Aber lder Vater sollte hören, wie es zugegangen war daß der Sohn in einem Blumenschmuck ihm erschien der selbst für Alkibiades bei Platos Gastmahl etwas ausfällig gewesen wäre. An Stelle des nicht vorhandenen Huts umrankten Orchideen und Rosenknospen sein Haupt, Mädchen- haar und Blumenrankeu umflutheten den kurzgeschorenen semmelblonden Kopf bis in den Nacken hinab. In weißem, fließendem Gewand unter tiefblauem Himmel zwischen schimmernden Marmorsäulen würde sich „Hunzel" gar nicht schlecht ausgenommen haben, aber zu nachtschlafender Zeit in einer Londoner Vorstadt und in einem Sportauzug dev 19. Jahrhunderts wirkte er nicht eben klassisch.
„Siehst Du. das war ein Bouquet für Nina Sonetta, die gefeierte Sängerin und Tänzerin des Variotstheaters, sagte er, das Geranke abnehmend und mit wehmuthigcm Blick auf einen Stuhl legend, „es hat ihr aber keine Freude gemacht ... sie ist bös geworden und wollte es nicht au- nehmen, und dann . . . dann hat sie mir's im Wagen über den Kopf gestülpt. Wie sie Guirlanden d'raus flechten kannte, ohne daß ich's merkte, begreif' ich nicht, aber sie ist ja so geschickt, so witzig, wie Niemand ..." (
„Höre mich an, statt solche Abgeschmacktheiten herzuleiern, unterbrach der Vater herrisch. „Bist Du nüchtern und ge sammelt genug, um zu begreifen, was ich Dir sagen werde.
„Den ganzen Abend Hab' ich ein Sodawasser mit Cognac getrunken, eher durstig bin ich, als betrunken!" betheuerte Markingham mit einem sehnsüchtigen Blick nach den Flaschen. „Kommt's Dir nicht auch sehr schwül vor, Vater? Sollte mich nicht wundern, wenn wir ein Gewitter bekämen."
„Mich wundert gar nichts mehr." warf Lord Kane hin und dann entstand ein peinliches Schweigen.
Selbst der geübte Herrscher schien nicht recht zu wissen, wie er den heikeln Punkt in Angriff nehmen solle.
„Wenn diese Dame," sagte er endlich mit kaltem Blick auf Frau Pickerson. „die Güte hätte, sich ein paar Minuten zurückzuzichen, könnten wir Beide uns vielleicht eher verständigen."
Frau Pickerson erfaßte diesen Wink, der sie nicht verletzte, denn sie dankte ihrcin Schöpfer, den beiden Herren entrinnen zu können. Ihr wirbelte der Kopf und sie hatte nur den einzigen Gedanken: „Wär' ich bei meinem Samuel geblieben!" Im Aufstehen griff sie nach ihrem Hut, als ob dieser Werthgegenstand hier nicht mehr sicher wäre, und der junge Vicomte eilte gewohnheitsmäßig zur Thür, um sic mit einer geistesabwesenden Höflichkeit, die fast possenhaft wirkte, der alten Frau offen zu halten. Frau Pickerson warf im Hinausgehen einen schüchternen Seitenblick auf ihn, den er mit lang herausgestrecktcr Zunge erwiderte. Diese Gefühlsäußerung bezog sich durchaus auf die Patsche, worin er selbst saß und keineswegs auf sie. wie sie mit Entrüstung annahm.
VH.
„Was kannst Du zur Entschuldigung Deiner abgeschmackten unziemlichen Ausführung Vorbringen?" eröffnet- Lord Kane die Zwiesprache oder richtiger den Zweikampf.
„Ich will mich gar nicht entschuldigen," versetzte Markingham bockig. „Erklärt Hab' ich Dir ja, mie's zuging."
„Diese Erklärung entschuldigt jedenfalls nichts . . . hast Du mir weiter nichts zu sagen?" fragte der Vater mit spöttischem Staunen.
„Wüßte nicht, was," brummte der Sohn.
„Dann hast Du vielleicht die Gewogenheit, still zu sitzen und mich anzuhören."
„Ich sitze ja schon." ^ . ....
„Wobei Du in sehr unangenehmer Weise mit den Fußen scharrst, vielleicht eine neue Gewohnheit, Hans?"
„Hab' sehr viele neue Gewohnheiten und nianche Leute finden mich zu meinem Vortheil verändert. Jedenfalls" — er lachte gezwungen — „ist mir's jetzt wohler in meiner Haut als früher." , . _. „
„Für vortheilhafte Veränderungen wäre bei Dir allerdings weiter Spielraum," bemerkte Lord Kane seufzend, „daß aber das Zucken und Scharren Deinen Behauptungen höheren Nachdruck verleihe, finde ich nicht."
„Ich bin heilte Abend nervös," gab der Sohn zu, „Hab mich" noch nicht von dem Schrecken über Deinen Besuch hier erholt . . . weiß nicht, wo es hinaus will."
„Sobald Du mich anhörst, wirst Dn's erfahren."
„Gut, gut, ich bin ganz Ohr," versicherte der Jüngling, die Hände in die Hosentaschen vergrabend und die Beine von sich streckend, so weit seine Leibeslänge es gestattete.
„Hans," begann der Vater sich vorbeugend, um ihm besser ins Gesicht zu sehen, in milderem Ton. „ich will Dir keine pedantische Strafpredigt halten,_ die Dich höchstens langweilen würde, ich will Dir auch nicht weh ihun, denn Du könntest mir antworten, was ich nie verzeihen würde ich sage Dir einfach, Du bist auf schlimmem Wege."
Nein, das bin ich nicht," erklärte Markingham rasch.
Auf einem Wege, der rasch. und unaufhaltsam zu chlimmem Ende führt, sag' ich Dir, Hans. Es ist '«ine Schmach und Schande, Du, der Erbe eines der ältesten Namen und größten Besitzthümer Englands, geboren mit einem Anrecht'auf die höchsten Erfolge. Du vergeudest Deine Zeit schändest Deinen Namen und den meinigen, giebst öffentliches Aergerniß durch ein Verhältniß mit einer Tingel. Tangelsängerin, die, aus der Hefe des Volks stammend,
wahrscheiniich ..." ^ , .
Genug, Vater," fiel ihm der Sohn ms Wort, „sage nicht zu viel gegen Jung-Nin! Du hast kein Recht dazu, Du weißt nichts, was gegen sie spräche. Sie ist em s der besten Mädchen der ganzen Welt, ehrlich und muthlgmnd ittsam ... das ist mehr als man von dem vornehmen Gelichter, männlichen oder weiblichen Geschlechts, sagen kann!"
Bravo, Hansel!" rief die ungestüme Kilty hinter der Thür in die Hände klatschend mit einem «einen Freudensprung.
Kitty Bude hatte nicht die Schwäche, sich von Anstairds vorurtbeilen am Horchen hindern zu lassen, wenn es das Schicksal ihrer Schwester galt, jetzt aber brach diese selbst aus dem Eßzimmer hervor, riß Kitty mit Gewalt von ihrem Posten weg und schleppte sie mit sich.
Wir brauchen nicht an den Schlüssellöchern zu horchen, rief "Nina entrüstet, als die Eßzimmerthür hinter ihnen zu- fiel. „Man hat's ja kommen sehen . . . jetzt sollen sie die Geschichte miteinander ausfcchten . . . mir ist sie längst zum Ekel "
„Ist daß wirklich Deine Meinung, Nin?" fragte Kitty. Gewiß."
„Machst Du Dir gar nichts aus ihm?"
„Gar nichts."
, Aber, großer Gott . . . was Du da von Dir stoßen willst, kehrt im Leben nicht wieder," rief Kitty aufgerrgt. „Bedenke doch, Deine, unsere Zukunft ... Du bist eine Närrin, Nin!"
Ja. das mag wohl sein," versetzte Nin, nachdenklich vor dem "Kamin niedersttzend. „Findest Dn's auch, Mutter?"
Meine Liebe," gestand Frau Pickerson hilflos, „ich weiß nicht niehr, was ich denken und finden soll! Da Hab ich Eueren armen Vater im Stich lassen müssen, um zu Ruhe und Frieden zu. kommen . . . nennt Ihr das Ruhe? Mir wirbelt der Kopf!" ^ .,
„Ich wollte, die Beiden gingen ihres Wegs und ,ch bekäme nie mehr etwas von ihnen zu sehen," sagte Nin auS tiefem Nachdenken heraus. „Das wäre für alle Th-ile bas Beste."
Ach was! Du bist schlechter Laune, Nin!" sagte Kitty ärgerlich. „Du weißt nicht, was Du redest, und siehst nicht, auf welche, Seite vom Brod die Butter ist."
„Ich glaubte, mein Brod ehrlich zu verdienen, aber rihm wird's jetzt schwerlich so Vorkommen!"
„Wem? Dem Hansel?"
„Nein, seinem Vater ... was wird er von nn« denken?"
„Den Henker scheer' ich mich d'rum!" rief Kitty erbost. „Wir sind auf unsere Art so gut wie er. Jst's unsre Schuld, wenn dumme Jungen, wie sein Herr Sohn, unS nachlaufen und der Direktor sie unS noch auf den HalS hetzt? Wie still's jetzt drüben ist ..."
Die jüngere Schwester zeigte keine Theilnahme für Geräusch oder Stille drüben, sie starrte ins Feuer und man sah ihr an, daß aller Uebermuth und Frohsinn verflogen waren und daß ihr das Leben leer und öde vorkam.
(Fortsetzung folgt.)
Seel 1. Ranges
'änter
GOLDLACK
„HOHENZÖLLEMGOLD“
„MOSELGOLD“
Vertreter:
MAX VON BRAUK,
Wiesbaden.
(Fa.l295/2|)
Geschästs-Berlegung.
Meiner werthen Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß ich meine losserei von Wellrttzstraße 48 nach
Herdttstmße 26
'egt habe.
Zudem ich für das mir seither bewiesene Wohlwollen besten« lke. bitte ich. dasselbe mir auch ferner bewahren zu wollen, vwo Hochachtungsvoll
Karl iintu. SlMoffermeifter.
oinibeere» und Johannisbeere», Lutz- und Sauerkirschen^
' Möhringstratz. 10. 8959
<n :cS
c n cs
ü
cs
c
cs
tn
s-
<v
.Fabri^l '
lEngrosifvonder FRANKFURTER S C H U H FAB RI K.A.G.
vormals OTTO HERZ&C?
CD
CS)
Q)
0)
o
S
c n
£
w:
c/>
Einzige Detail -Verkaufsstelle für Wiesbaden:
J. Speiet* Macht.,
18. Langgasse 18
Telephon 846.
B»14
