«8. Jahrgang.
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W». 352. 'iia. 52. Mittwoch, de» 1. August. gmi»«*«»«. 52 . 1900.
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MerWMrle des oWaMn KrjegstlMers.
Immer weiter greift der Aufstand der Chinesen gegen die Fremden um sich, und es liegt klar auf der Hand, daß von jetzt ab mit einem allgemeinen Krieg großartigsten Stils der Kulturstaaten gegen China gerechnet werden muß.
Gleichzeitig werden hier auf Gebieten, die viele Hunderte von Meilen voneinander entfernt sind, große Truppenmassen der kriegführenden Mächte gegeneinander operiren, und nach dem bisherigen Verhalten der chinesischen Truppen und der mit diesen gemeinsame Sache machenden Boxern muß man sich auf sehr verlustreiche Schlachten und Gefechte, in denen auf beiden Seiten mit äußerster Erbitterung gefachten wird, gefaßt machen. Da auch das Deutsche Reich an diesem Krieg der abendländischen Kulturstaaten und Japans .gegen den bezopften Theil der mongolischen Rasse stark &£» theiligt ist, so werden natürlich alle Vorgänge im fernen Osten mit besonderem Interesse bei uns verfolgt, ünd unsere bei? stehende Karte, welche,eine Gesammtüberficht des ganzen ostasiatischen Kricgslheaters darstellt, wird daher unseren Lesern gewiß,sehr willkommen sein. Dieselbe umfaßt die ganze östliche Hälfte des chinesischen Reichs von der tonkinestschen Grenze im Süden bis zur sibirischen im Rordcn und enthält die genaue Eintheilung Chinas in Provinze», alle besonders wichtigen Städte, die hauptsächlichsten Flüsse, die fertigen und die im Bau befindlichen, jetzt zerstörten Eisenbahnen, den berühmten Kaiserkanal und die große chinesischeMauer.
Als Mittelpunkt und ursprünglicher Herd des Massenaufstands ist das zwischen den Städten Peking, Paoting und Tientsin gelegene Terrain anzusehen. Von hier aus hat sich die aufrührerische Bewegung nach allen Richtungen mit unheimlicher Schnelligkeit aus- gebrcitet. Während schon vor mehreren Wochen in der Provinz Iünnan die Fremden unter chinesischer Eskorte über die Grenze nach Tongking abgeschoben worden sind, hat nun auch im äußersten Norden des Reiches, an dem die Grenze zwischen China und Sibirien bildenden Flusse Amur, der Krieg begonnen, während allenthalben in der Mandschurei die beim dortigen Eisenbahnbau beschäftigten Europäer, . soweit dieselben nicht rechtzeitig flüchteten, ermordet sind. Die Zahl der Missionare und Ingenieure, welche in den Provinzen Tschili, Schantung, Schansi, Honan und Hupeh der Wuth des fanatischen Volkes, unterstützt von den Regierungstruppen, zum Opfer gefallen sind, beträgt mehrere Hundert, und viele Tausende von christlichen Chinesen haben als Freunde der weißen Teufel ihr Leben oft unter den entsetzlichsten Martern lassen müssen. Chinesische Truppen von bedeutender Stärke rücken zur Zeit von. Peking nach 'Schantung, um Wei-hai-wei (englisch) und Tsingtau (deutsch) anzugreifen. Auch in den Küstenprovinzen Tschekiang und Kiaugsu gährt es bedenklich. Die kriegerischen Vorbereitungen der Chinesen bei Shanghai und die Zusammcnziehung immer größerer Truppenmasscn in der unmittelbaren Nähe der Bertragshäfen sind sichere Vorboten des täglich zu erwartenden Ausbruchs der Rebellion auch in diesen Gebieten. Ein Beweis dafür, daß die Autorität der Vicekönige und Provinz-Gouverneure allein keine Sicherheit für die Aufrecht- strhaltung der Ordnung im Lande bietet, liegt in der Thatsache, daß einige derselben offen erklärt haben, die Verantwortung für den Schutz der Fremden in ihrem Gebiete nicht länger übernehmen zu können. Besonders bedroht erscheint das Leben der in den Vertragshäfen am
Aangtsekiang (Tschingkiang, Kiukiang, Hankau, Jtschang und Tschungking) weit im Innern des Landes lebenden Fremden, deren Schutz durch kleine Kanonenboote von der Größe des „Iltis" kaum genügend gewährleistet sein dürfte. Auch weiter südlich am West-River, in den Provinzen Kwangtung und Kwangsi, ist die Lage sehr ernst, und seit der Abreise Li-Hung-Tschangs, des Viceköuigs dieser beiden Provinzen, von Kanton über Hongkong nach Peking sind die Ausländer daselbst mehr denn je einem allgemeinen Fremden-Massacre
ausgesetzt. Es wird also nach Eintreffen der von fast allen größeren Staaten nach China entsandten Verstärkungen eine bedeutende Machtcntfaltung gleichzeitig in allen Theilen des weiten chinesischen Reiches erforderlich sein, um mit Erfolg den Aufstand niederzuschlagen und die Ordnung im Reiche der Mitte wieder herzustellen. Die Zutheiluug der Operationsgebiete an die Kulturstaaten ergicbt sich ans dem Vorhandensein ganz bestimmter Interessensphären von selbst, etwa wie folgt:
Rußland: Mandschurei, Provinz Schingking und nördlich der großen Mauer gelegener Theil der Provinz Tschili;
Deutschland: Schantung;
England: Kiangsu, Tschekiang und (gemeinsam mit Frankreich) Kwantung;
Frankreich: Iünnan, Kwangsi und (gemeinsam mit England) Kwantung;
Japan: Fokien und (gemeinsam mit allen anderen Mächten) Tschili.
Im Aangtsekiang-Thal werden alle dort interessirten Mächte gemeinsam operiren, vielleicht derart, daß jeder einzelnen Macht eine besondere Strecke des Stromes nebst dem durchflossenen Gebiet auf beiden Ufern zugcwiesen wird.
Italien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche, wie es scheint, nur mit geringen Streitkrüftcn in Ostasien auftreten wollen, werden denientsprechend auch nur eine sekundäre Rolle in dem Kriege spielen können und vielleicht den Schutz einiger besonders bedrohten Küstenpunkte übernehmen, bei der gemeinsamen Aktion aller Mächte gegen Peking aber jedenfalls, wenn auch nur durch kleinere Detachements, vertreten sein. Wie viel Zeit erforderlich sein wird, um die Ruhe im ganzen Lande wieder herzustellen,
läßt sich natürlich auch nicht annähernd Voraussagen Hoffentlich wird China später in der Lage sein, die Kulturstaaten für den durch den Krieg verursachten, außerordentlich großen wirthschaftlichen Schaden genügend zu entschädigen. Den fremden Regierungen aber wird die Aufgabe znfallcn, durch geeignete Maßnahmen einer Wiederholung solcher Greuelthaten, wie sie jetzt stattgefunden haben, für ewige Zeiten vorzubeugen.
Aus Ztadt und Land.
Wiesbaden, 1. August.
— Geschichtslralendrr. 1. August. 1822: Braftliens Unabhängigkeitserklärung von Portugal. 1806: Auflösung des deutschen Reiches nach mehr als tausendjährigem Bestehen. 1798: Vernichtung der franz. Flotte durch Nelson bei Abukir. 1789: Suworows Sieg über die Türken bei Fokschani. 1759: Schlacht, bei Minden. 1664: Schlacht bei St. Gotthard an der Raab, Sieg der Oesterr. unter Montecuculi über die Türken. 1589: Ermordung Heinrichs III., Königs von Frankreich, im Lager zu St. Cloud. 1527: * Kaiser Maximilian II. in Wien. 1492: * Wolfgang, Fürst von Anhalt, zu Köthen, eifriger Beförderer der Reformätion. 1291: Vereinigung der Schweizer Waldstätte zuift Bunde, Gründung der Eidgenossenschaft. 1202: Schlacht bei Mirebeau, Johann ohne Land, König von England, siegt über die Franzosen.
uc. Der August, der achte Monat des Jahres, war nach dem älteren Kalender der Römer, die ihr Jahr mit dem März begannen, der sechste Monat; er hieß daher Sextilis, bis ihm Kaiser Augustns bei Neuordnung des Schaltwesens 7 v. Ehr. zur Erinnerung an vielfache glückliche Ereignisse, die ihm in diesem Monat widerfahren waren, seinen Namen beilegen ließ. Die mittlere Temperatur dieses Monats beträgt für Deutschland 18 bis 1802 Grad Celsius. Mit dem August haben wir bezüglich der Tageslänge schon einen merklichen Schritt wieder rückwärts gethan. Der längste Tag war 16 Stunden 29 Minuten, am 1 . August ist aber der Tag nur noch 15 Stunden 16 Minuten lang, das ist also ein Rückgang um 1 Stunde 13 Minuten. Der letzte Tag im August hat nur noch eine Tageslänge von t 8 Stunden 92 Minuten, das ist dann 'ein Rückgang von 2 Stunden 54 Minuten.
— Die Stadtverordneten werden auf Freitag, den
8. August t. I.. Nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Rathhauses zur Sitzung eingcladen. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die Vorlage wegen Ankaufs des Paulinenschlößchens, und Fluchtliniensestsetzuiig für eine durch das Terrain desselben zu führende Straß«. 2. Antrag des Magistrats auf Abänderung des Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung vom 6. Juli l. Js. wegen der Anleihe, und zwar: a. Erhöhung derselben von 10,900,000 Mk. auf 11,900,000 Mk., also um 1 , 000,000 Mk. zur Deckung des Kaufpreises für das Paulinenschlößchen und der mit diesem Ankäufe weiter in Verbindung stehenden Kosten; b) Verzinsung der Anleihe mit 8^2 bis 4'/-pCt., statt 30- bis 4 pCt. 8. Vertrag mit der Gemeinde Dotzheim über die Verlegung der Röhren für die Nutzwasserleitung und Ankauf eines Grimd- stücks neben dem Reservoir. 4. Projekt über den Erweiterungsbau der Luisenschnlc. 5. Acnderung der Dispcnsbedinaungen inder Bausache der Herren Dr. Jünger und Jacobi wegen Errichtung von Landhäusern an der Lauzstraße. 6. Betheiligung der Stadt Wiesbaden an der Ausstellung deutscher Städte in Dresden im Jahre 1903.
7. Entsendung zweier städt. Baubeamten zur Besichtigung der Pariser Weltausstellung unter Gewährung eines Reisekostcnznschuffes.
8. Verkauf einer städtischen Feldwcgfläche an der Bertramstraße.
9. Wahl eines Schiedsmannsstellvertreters für den 1. Bezirk.
10. Mitthcilunq über die Erledigung einiger Bemerkungen des Finanzausschusses zum Krankenhaus-Etat für 1900. 11. Regelung der Anstellungs- und Gehaltsverhältnisie der städtischen Vollziehungsbeamten.
— WaUfaUa-Theater. Morgen Donnerstag, den 2. August, hat der beliebte Komiker Herr Nothmann fein Benefiz, er spielt an diesem seinem Ehrcnabend Celestin in der reizenden französischen Operette „Mamselle Nitouche" eine seiner besten Rollen. Herr Nothmann hat durch seinen köstlichen Humor schon so manche vergnügte Stunde bereitet. Dem strebsamen jungen Künstler darf inan daher ein recht volles Haus wünschen. Billetvormerknngen werden heute schon an der Theaterkasse entgegengenommen.
— Pferderennen. Die vorbereitende Kommission, welche in der Versammlung vom 26. d. M. gewählt wurde und ans den Herren I),-. Fritz'BerlS, Gemmer, Richard Hup feld, Leutnant Willy Hupfcld, Klühns und Mohr besteht, hat sich die Herren Oberstleutnant v.A lers besonders zur Begutachtung des Terrains vom eauestrischcn Standpunkte aus und Kelsäicnbach als Sachverständigen für die in Betracht kommenden Verkchrsfragen cooptirt. Mit wenigen Ausnahmen hatten sich diese Herren sämmtlich gestern nach der Station Eiserne Hand begeben, um sich die proiektirte Rennbahn an Ort und Stelle anzusehen. Zur Orientirung über die Oertlichkeit sei hervorgehobcn, daß der Weg von dieser Station bis zum Rennplatz durch einen schöne», schattigen Wald führt und sowohl für Fußgänger, als auch für Wagen nur geringer Ausbesserungen bedarf. Dieser Weg, der vielen unserer Mitbürger bekannt sein wird da er früher die direkte Verbindung zwischen Wiesbaden und Schwalbach bildete, läßt den Ort Hahn rechts liegen und geht bis kurz vor Bleidenstadt ans einer ebenen Anhöhe. Hrcr, wo der Wald endet, soll die 1. Tribüne sammt Sattelplatz errichtet werden, da von diesem Punkte aus. die ganze Rennbahn leicht zu übersehen ist und gleichzeitig die Umgebung ein herrliches Panorama bildet. Für die Anfahrt wird an dieser Stelle^eine kleine Aeade- rung an dem Weg, der in 5 Minuten nach der Station Bleidenstadt führt, nothwendig werden, was keine Schwierigkeiten bieten wird, da der Boden der Gemeinde gehört, die gerne bereit ist, alles in ihren Kräften Lieaende zu thun, die Sache zu einem guten Ende zu führen. Die Bahn selbst hat eine Länge von ungefähr 1600 m, ist also bis auf einen verschwindenden Unterschied ebenso lang, wie die Frankfurter Bahn. Es wird ein Leichtes sein, die Bahn für größere Jagdrennen auszudehnen, da die Anlieger der Flachbahn sich bereit' erklärt haben, auch ihre Grundstücke gegebenen Falls zur Verfügung zu stellen. Ferner sei noch erwähnt, daß die Chaussee von Wiesbaden nach der Eisernen Hand zu den schattigsten Fahrwegen unserer Umgebung gehört und sie außerdem den Vorzug hat, nirgends durch eine Eisenbahn gekreuzt zu werden, todaß Verkehrsstockungen, welche sonst durch diesen Uebelstand bei größeren Veranstaltungen so leicht entstehen, vollkommen ausgeschlossen sind. Ist somit für Fußgänger und Equipagen die schönste Gelegeulieit
