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Nr. 187. » 63. Jahrgang.

Morgen - Kusgabe

Oer Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen. Ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Lehr schwere russische Verluste am Uzsoker patz.

1200 Gefangene.

W.T.-B. Wien, 22. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 22. April: In Russisch-Polen und W e st g a l i z i e» vereinzelte Geschützkärnpse.

An der Karpathenfront wurde ein c r n c u- icr Ansturm gegen unsere Stellungen an und bei­derseits des Uzsoker Passes blutig ab ge­wiesen. Bei den heftigen Angriffen, , die teils im wirkungsvollsten Feuer unserer Artillerie zusammen- brachcn, teils durch Gegenangriffe der Infanterie zurückgeschlagen wurden, erlitt der Gegner abermals sehr schwere Verluste. Bor den Stellungen einer vom Feinde wiederholt angegriffenen Gruppe liegen allein über 400 russische Leichen. m

Das Infanterieregiment Nr. 12, die Brassoer (Kronstadt) und Maros-VasLrhelper, Honved-Jnsan- tcrieregimcnter Nr. 24 und 22, sowie die gesamten an den Kämpfen beteiligt gewesene Artillerie hat sich be­sonders ausgezeichnet. 1200 Russen wurden gefangen.

In den sonstigen Abschnitten der Karpathen- frout, dann in Südostgalizien und der Bukowina nur stellenweise Geschützkämpse und Geplänkel.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnank.

anhaltende Uämpfe nordöstlich Tschernowitz

W.T.-B. Wien, 22. April. (Nichtamtlich.) Nach Privattelegrammen der Blätter aus Tschernowitz wird seit zwei Tagen nordöstlich Tschernowitz un- unterbrochen gekämpft. Die Russen verwendeten Friedhofsteile von Bojan für Barrikaden zwecke. Ein feindlicher Flieger, der Bomben auf Tschernowitz warf, wurde von einer deutschen Taube nach einem langen Luftkampf herabgeschossen; ein russischer Offizier war tot, das Flugzeug wurde zer- trüinmert.

Die Bedeutung der Eroberung des Iwinin.

Die Darstellung im Berner „Bund".

Br. Zürich, 22. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr.

Bln.) über die Karpathenschlacht schreibt der Berner „Bund": Die russische Karpathenoffensive hat den

toten Punkt noch nicht überwunden. So steht nun die unter so ungeheuren Opfern vorgetragene Offensive am nördlichen Flügel diesseits der Duklasenkc, ohne diese scheinbar günstige Lage be nutzen zu können, weil die Österreicher sich standhaft be­haupten, und auch am Lupkower Paß die Lage wieder hergestellt haben. Alle Versuche der Russen, den U z s o k e r P a st zu umgehen, sind nicht wiederholt worden, so dast sie nun auf der ganzen Front von Zboro bis Uzsok festliegen. Wie stark die Erobc rung des Zwininrückens durch die deutsche Süd­armee auf die G e s a m t l a g c gewirkt hat, läßt sich noch nicht voll erkennen. Jedenfalls hat der deut­sche Vorstoß, der zwischen der Karpathen a r m e e und den am D u j e st r und P r u t h kämpfen den russischen Kräften eine Lücke zu reißen droht und schon den Charakter eines FI a u k e n st o st e s ange­nommen hat, die russische Heeresleitung gezwungen, ihre Reserven zu verschieben und ins Feuer zu bringen und dadurch auf die österreichische Defensive am Uzsoker Past gewirkt. Gelingt es de» Verbündeten ungeachtet der Schwierigkeiten der Schnceschmelzr im Ge­birge im Oportale und weiter südöstlich im Dnjestrabschnitt neue Kräfte zu entfalten, so wird der russischen Armee selbst die Behauptung der er­rungenen Position diesseits des Kammes schwierig werden.

Kenderung der russischen Taktik in den Uarpathen

Br. Wien, 22. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus rem österreichisch-ungarischen Kriegspressequartier wird ge meldet: Die Nachrichten von der Front lassen erkennen, daß dre auffallende Einstellung aller Operationen n i ch t n u r auf die ungeheuerlichen Verluste und Erschöpfung der Russen in der Karpathenschlacht zurückzuführen ist, son­dern auch strategische Ursachen hat, die freilich erst durch den für die Russen ungünstigen Ausgang der Schlacht hervorgerufen ■ worden sind. Jedenfalls deuten die großen Truppenbewegungen hinter der feindlichen Front aus eine Änderung der bisherigen Taktik hin.

Ein russischer Generalstabsbericht.

W- T.-B- Petersburg, 22. April. (Nichtamtlich.) Ter Gcucralstab des Generalissimus gibt bekannt : In Ostga­lizien schlugen wir in der Nacht zum 20. April einen An grstf der Österreicher bei G o r l i c e zurück. In den Kar­pathen griff der Feind am 19. April mehrmals erfolglos Unsere Stellungen in der Gegend von Verkhuiala (?), Jab

lonka, Polen, und nördlich Oroszpataks an. Die feindliche Offensive zeichnete sich an der Höhe bei Polen, die von uns genommen worden war, durch besondere Hartnäckigkeit aud?. Die feindlichen Verluste sind sehr groß. Bis jetzt sind 500 Mann an dieser Stelle gefangen genommen worden. Aus den übrigen Teilen der Gesamtfront veränderte 1tcr> nichts.

Ern deutsches F l u g z c u g g e s ch w a d e r belegte am 20. April B i a l y st o k mit ungefähr 100 Bomben. Es sind Zivilpersonen getötet, und verletzt worden, sonst kein be­sonderer Schaden angerichtet. — In der Nacht zum 20. April wurde die Stadt C i e ch a n o w von einem Zeppelin mit Bomben belegt. Sie verursachten keinen Schaden. Unsere „Jlja-Murometz" bombardierte mit Erfolg den Bahnhof von S o l d a u.

Welche Folgen hat der Fall Przemysls gehabt?

In der „Prepcrrazione" vom 13. April schreibt darüber L. A. Ripa: Jetzt, nach Wochen, lassen sich die Folgen über­sehen. Was die Dreiverbandmächte erhofft und erwartet, ist nicht eingetreten: Ungarn ist von den Russen noch nicht überschwemmt, Krakau noch nicht bedroht, Österreich noch nicht zermalmt, die Balkanlage bleibt unverändert. Es handelt sich nur um eine Kriegsepisode, wenn auch um eine bemerkenswerte. In dem übertriebenen Widerhall des Er­eignisses offenbart sich aufs neue der militärische Niedergang, den die Heere im gegenwärtigen Konflikt so vielfach strategisch, taktisch und moralisch zeigen. Man hebt ja auch die g e r i n g- fügigsten Erfolge, wie die Eroberung von Schützengräben u. a., hervor, weil es an richtigen Entscheidungen, wie im Krieg 1870 bei Metz und Sedan, fehlt.

Wiederaufnahme des Kohlenbergbaues in Russisch- Polen.

„Czas" meldet aus. Russisch-Polen, daß unter Leitung staatlicher Bergwerksbeamten die Arbeit in den Kahlenbergs werken im D o m b r o w a e r Kohlenrevier wieder alukge nommen wurde und die tägliche Förderung schon ans 250 bis 300 Waggäns gebracht worden ist. Die Kohlen werden in erster Linie zur Deckung des Bedarfs der armen Be­völkerung der besetzten Gebiete Polens verwendet, der Rest findet anderweitige Verwendung.

ver Handelskrieg gegen Tnqland.

wie wenig England die Lee beherrscht.

Ein Fischdampfer von einem deutschen I'-Boot von der schottischen Küste in einem deutschen Hasen eingebracht.

W. T.-B. Berlin, 22. April. Von besonderer Seite erfährt die Korrespondenz Pieper: Ein in diesen Tagen von einer Unternehmung zurückgekehrtes Unter seeboot brachte den englischen Fischdampfer ,,G I e n c a r s e" an der schottischen Küste in der Nähe von Aberdeen auf und lief mit ihn: in einen deutschen Nordseehafen ein. Es war dem Unterseeboot also möglich, den an entlegener feindlicher Küste aufgebrachten Fischdampfer in langsamer Fahrt unbehelligt über die ganze Nordsee hinweg in den deutschen Hafen cinziiüringen. Diese Tatsache kennzeichnet in schlagen­der Weise dic Unhaltbarkcit der von englischer Seite verbreiteten Behauptungen, dast die britische Flotte die Nordsee beherrsche.

völlige Einstellung der holländischen Englanddienstes.

W- T B Rotterdam, 22. April. Auch die Batavier- Linie hat ihren Gefumtdienst nach England für die nächste Zeit eingestellt, so daß jeder Passagier- und Postvcrkehr zwischen England und Holland unterbrochen ist.

Ksquith an die Arbeiter Nordost-Lnglands.

W. T--B. London, 22. April. (Nichtamtlich.) Premier­minister A s q u i t h hielt am Mittwoch in Newcastle eine Rede, in der er aussührte, er spreche nicht allein zu den Arbeitern von Newcastle und des Tyne-Bezirkes, sondern zu dem ganzen Nordosten Englands, da nirgends mehr als hier der britische Erfolg in diesen großen Kämpfen auf den Anstrengungen, der Energie, dem Patriotismus und der Selbswerleugnung sowie der Fähigkeit der Bevölkerung be­ruhe, dem Staate die besten Dienste zu leisten. Asquith wiederholte, daß England den Krieg nicht gewollt und bis zuletzt alles getan habe, um den Ausbruch des Krieges z u verhindern und seinen Umfang einzuschränken. (Notiz des W. T--B.: Diese Behauptung ist eine besonders starke Unwahrheit; es sei nur daran erinnert, daß England es war, das alle deutschen Neutralitätsvorschläge ab- lehnte und damit auch die auf eine Beschränkung des Krieges gerichteten Bemühungen Deutschlands fruchtlos machte.) Der nnsinnige Erdteil und der wohl überlegte Plan seien für den Krieg verantwortlich. Der Krieg hat uns große Anforderun­gen an Männern und Kriegsmaterial gestellt, die ganze Nation im Felde oder in der Nationalarbeit nehme am Kriege teil. Asquith drückte seine Befriedigung über die Ergebnisse der Werbung aus und bestritt, daß die Armee der Regelung dieser Frage ihre Aufmerksamreit zu­gswendet und eine Kommission unter dem Vorsitz Kitcheners ernannt habe. Die Schwierigkeiten der Lage ent­standen durch die Notwendigkeit, die Produktion ungeheuer zu'vermehren, und durch PtangcI an gelernten

Arbeitern, der durch die Rekrutierung gesteigert wurde. 217 000 Bergleute traten in die Armee ein und 70 000 unge­lernte Arbeiter in die Bergivcrksindüstrie. Es besteht außer einer absoluten Vermindernng an Arbeitskräften eine Ver­minderung der Produktion bei größerem Bedarf. Die Arbeiter und Arbeitgeber müßten Zusammen­wirken. Die Munitionssirmen dürsten keine abnormen Profite machen, und die Gewerkschaften sollten während der kritischen Zeit vorübergehend ans ihre geivohnten Regeln ver­zichten. Die Arbeitgeber und Arbeiter müßten, wie dies be­reits im Maschinenbau geschehen sei, durch Kommissionen ge­meinsam zu dem Ziele hinwirken, die Herstellung der Kriegs­vorräte zu vermehren.

Ein holländischer Fischdampfer in Cuxhaven eingebracht.

Br. Rotterdam, 22. April. (Eig. Trahtbcricht. Ktr. Bln.) In Dmuiüen traf die Nachricht ein, daß der Fischdampfer „Clara Nicolyn Nr. 108" nach Cuxhaven ausgebracht wor­den ist. __

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Der Berner „Bund" zur französischen Offensive.

w. T.-B- Bern, 22. April. (Nichtamtlich.) Ter „Bund" schreibt zur Kriegslage: Französische Quellen suchen schon

die Bedeutung der Karpathenkämpfc zu vernngern um den Mißerfolg der Rußen obenhin zu verdecken. a.atz deren Lähmung die Kriegführung der Entente ,chwer be­troffen habe, liegt aus der Hand, selbst wenn die Rußen nach der Neugruppiernng noch einmal einsetzen. Zu dem fran- zösischen Bor stoß im Westen me,nt Stegemann: War dieser mehr als eine gewaltsame Erkundung, jo endete sie bisher mit einem verlustreichen Miß­erfolg des Angreifers, welcher auch hier eine Durch­brechung oder eine Einkreisung des Feindes nicht zu er- zwingen vermochte. War es hingegen nur eine gewaltsame Erkundung, so forderte sie Opfer, welche in leinet Beziehung zu dem Zwecke standen, der an sich überdies unklar bleibt. _

wieder feindliche Zlieger über Lolmar.

Br. Karlsruhe, 22. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Am Dienstagnachmittag überflogen zwei feindliche Flieger wieder Colmar. Sw verschwanden nach heftiger Be­schießung über das Münstertal, ohne Schaden anzurichten.

Der französische 6bendbericht.

\v. T.-B- Paris, 22. April. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern abend: Ein in Belgien erfolgter An­

griff gegen einen von englischen Truppen eroberten Schützen­graben an der Höhe 60 bei Zwartelen wurde zuruckge­schlagen. Die Verluste des Feindes an dieser Stelle seit dem 17. April betragen 3- bis 4000 Mann. In der C h a m p a g n r bei Bille sur Tourbe versuchten die Deutschen anzugreifen. Unsere Artillerie verhinderte sie, aus ihren Linien herauszu­kommen. In den A r g o n n e n bei Bagatelle fand ein rein örtlicher, aber sehr heftiger Angriff statt, welcher durch unser Feuer sofort angehalten wurde. Zwischen Maas und Mosel warfen wir verschiedene Angriffe von ungleicher Be­deutung zurück, von welchen einige nur Erkundungen waren; einen im Aillywald, fünf im Mortmarewald und einen im Priesterwald. Wir griffen nördlich von Flirey an und nahmen einen neuen deutschen Schützengraben. Wir richteten uns dort ein, indem wir ihn mit dem zuvor eroberten Gräben verbanden. Unser Gewinn der letzten Tage erstreckt sich auf eine ununterbrochene Front von über 700 Meter; der Feind ließ über 300 Tote aus dem Gelände zurück. In Loth­ringen Artilleriekampf. Im Elsaß warfen wir östlich von Hartmannsweiler einen durch heftiges Artilleriefeucr vorbereiteten Angriff leicht zurück. Unsere Flugzeuge beschossen 1. un Woevrc das Hauptquartier des Gene­rals Strantz und Transporte, 2. im Großherzogtum Baden in Lö r r a ch das Elektrizitätsumschaltewerk.

Englands Streitkräfte.

W- T.-B- London, 22. April. (Nichtamtlich.) Im Unter­haus« sagte Lloyd George: Während vor dem Kriege

niemand erwartet hatte, daß unser Expeditionskorps größer als sechs Divisionen sein sollte, kann ich jetzt, durch Kitchncr dazu ermächtigt, erklären, daß mehr als sechsmal so- viel Leute im Felde stehen. Sie sind vollständig ausge­rüstet, gut versorgt und alle Lücken werden ausgefüllt wer­den. (Beifall.) Lloyd George sprach dann ausführlich über das Problem der Munitionsversorgung _ und die Maßregeln, die die Regierung ergriffen habe. Er sagte, die Erzeugung sei jetzt neunzehnmal so groß wie im September.

Krieg und Kriedensschlutz.

Tie Erörterungen über die Frage, ob wir nns lieber mit Rußland als mit England oder aber lieber mit England als mit Rußland verständigen sollen, gehen inunter weiter. Man bekommt aber nicht den Eindruck, daß dabei viel Neues zutage gefördert wird. Es kann auch nichts Neues beigebracht werden, da auf beiden Seiten mit störenden Gesühlswer- t e n gearbeitet wird, die sich in eine sachliche und un­voreingenommene Behandlung des Problems ancht gut

cinfügcn lassen wollen. Mindestens chenso Wichtig WV