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1. Minne mm lllu'slmünuT Tnnblntt.

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Die Jugend weiß nicht, was sie treibt.

Sie schwärmt, sie liebt, sie lebt und leibt. Sie kennt nicht de» Teufel, der in ihr steckt. Der sie erweckt, erschreckt und neckt;

Sie glaubt, das; Alles vom Himmel stamme. Was hell und heih wie himmlische Flamme. Im Alter sicht sich da« anders an,

Der schöne, himmlische Traum zerrann.

Das glänzende Feuerwerk ist verpufft, sch

Das

hwarze Gerüst nur starrt in die Luft.

I. G. Seidl.

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(48. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Des Nächsten Weib.

Roman von Keorg Engel.

Indem Zimmer,welches an dasjenige des Diplomaten stieß, lag der Kapitän in blülhenweißen Betten und sah sich mit müden, erstaunten Blicken um.

Was war das Alles?

In dem Raum stand außer einem sauber gedeckten Tisch „och eine große Komniode, ans welcher ein Bassin mit Gold- fischchen Platz gefunden halte; in der einen Ecke befand sich ein alterthümlicher Wandschrank, in der anderen ein großer lederner Armstuhl, und über der Komniode hing ein Oclbild, das den alten Baron Holstein vorstellte. Durch das geöffnete Fenster drang ein -breiter Lichtstrom herein, und dicht vor dem Lager tanzten Millionen leuchtender Stäubchen.

Holstein schloß rathlos die Augen.

Das konnte er doch nur Alles träumen, alle diese Schatten und Gestalten, die er um sich gesehen, konnten doch 'eine Wirklichkeit sein. Und woher nur diese schreckliche Leere im Kopfe kam? Und diese Müdigkeit? Er konnte keinen Gedanken zu Ende denken. Alles verflatterte und verschwamm wie in blauem Nebel.

Plötzlich -aber fuhr er zusammen. Sein Diener mußte ;a kommen, um ihn zu wecken. Er wollte doch ans die Werft — nein, nicht doch, er war in der Stadt, und Prinz

Königstein hatte versprochen, ihn gegen Morgen-

dek Prinz?

■ Der Kranke raffte sich zusammen und riß die müden Augen weit auf: Der Prinz — und das fremde Zimmer — wo hatte er denn diesen Raum schon einmal gesehen? Ja, und jetzt merkte er es erst, alle Glieder waren wie ge­lähmt, sodaß er sich nicht bewegen konnte und im nächsten

Augenblick wieder entkräftet in die Kissen zurücksank-.

Er war verwundet, und das Duell war schon gewesen. Richtig, richtig — und allmählich tauchte das grüne Eiland vor ihm auf, wo er die Pistole gegen'den großen, schönen Mann erhoben, und wo ihn selbst der heftige, stechende Schmerz durchdrang. Er hörte noch- den 'Knall, ja, er er­innerte sich daran, daß man ihn halbbeivußtlos in einen Kahn getragen habe.

„Also verwundet, schwer verwundet, scheinbar!"

Wo er nur war? Diese trauliche Stätte konnte ihm nur eine liebende Hand bereitet haben. — Ob er bei Sylvia weilte, die den Verwundeten vielleicht zu. sich genommen hatte? Der Gedanke erfüllte ihn förmlich mit Lust.

Wie schön, wie wunderbar schön das geliebte Geschöpf war! War es ihm nicht, als ob er unter den Schalten, die ihn fortwährend umschwebt, auch Sylvias dunkle Augen auf sich gerichtet gesehen hatte? — Aber nein, es war wie ein anderes Weib; oder doch Sylvia? — Und die vielen Anderen! Die Gedanken gingen ihm so merkwürdig durch­einander; die Sonnenstäubchen wurden alle so groß, wie große, gelbe, blaue und grüne Steine, die unaufhörlich auf sein Belt fielen. Wallte nicht auch ein dichter Nebel durchs Zimmer?

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Er fuhr noch einmal auf und blickte sich wild um. Was schimmerte durch die Wolken, die immer rascher hin und her wirrten, so gelb und lächelnd herab?'Das war doch ein Gesicht! Ganz hoch oben an der Wand, über der Kommode; und das Gesicht bewegte sich und sprach mit ihm. „Alle Teufel der Hölle — das ist der Alte, und der Alte kommt immer näher und grinst und grinst." Lallend griff der Kapitän zu einer Flasche, die auf dem Tischchen neben dem Bett stand; ein gurgelnder Schrei wurde laut, ein entsetz­liches Klirren, und dann war wieder Alles still.

*

„Wie gut, daß Sic kommen, Herr Doktor," rief Marie, die still mit einer Handarbeit am Bette saß, „er hat im Fieber die Flasche gegen die Wand geschleudert, gerade, als ich mich für einige Minuten ins Nebenzimmer begab. Sehen Sie nur, auch der Nahmen des Bildes ist demolirt. Jetzt schläft er wieder, und der Schweiß steht ihm auf der Stirn."

Der Arzt reichte der jungen Pflegerin die Hand: „Lassen Sie das Bild völlig fortnehmen," sagte er so schonend, als möglich. „Vielleicht stört es den Kranken."

Marie schlug die Auge» nieder. „Es soll geschehen." antwortete sie seufzend.

Einen Angenblick wurde es still in dem Zimmer, als aber der Arzt an das Bett trat und den Puls des Liegenden ergreifen wollte, wandte sich dieser rasch um und starrte mit großen, verwunderten Augen in das bekannte Gesicht, llnd plötzlich kam cs wie ein trunkener Freudenlaut von den trockenen Lippen:

„Ally, mein Junge, Ally, lieber, lieber Ally."

Krampfhaft umklammerte er den Arm des Freundes und stöhnte heiser: „Ich will nicht hier bleiben, hörst Du, ich will fort. Wenn Du mein Freund bist, schaffst Du mich gleich aus diesem Hause."

Marie erbebte, als sie diese wilden, fieberdurchlohten Worte hörte, aber der Doktor trocknete dem Freunde sanft den Schweiß von der Stirn und sagte liebreich: „Ich thue Alles, was Du forderst, aber willst Du denn wirklich von Deiner Mutter fort, die Dich während der ganzen Zeit be­hütet und bewacht hat, ohne Rast und Ruhe? Sieh einmal, Heinz, wo finden wir wieder eine solche Pflegerin?"

Absichtlich trat er- dann zur Seite, sodaß dem Leidenden der Ausblick auf die blasse Frau in den; einfachen, schwarzen Kleide eröffnet wurde, und Holstein starrte lange, schweigend auf die anmuthige Gestalt, die verlegen zu Boden blickte.

Also diese Frau hatte ihn gepflegt?

Der Gedanke peinigte ihn grenzenlos. Warum war Sylvia nicht gekonimen? Aber er war zu schwach, um länger hierüber nachzngrübeln. Kaum, daß er dem Doktor noch einnial zunicktc, dann fiel er abgespannt in die Kissen zurück und schloß die Angeu. Auch der Doktor verweilte nun nicht mehr länger, als er den Kranken so ruhig einschlunnnern sah; er flüsterte der jungen Frau noch einige Worte zu und verließ dann unhörbar das Zimmer.

Jedoch Holstein schlief nicht. Wohl halte er das Gesicht abgewandt, aber unter den Lidern blinzelte er hervor und verfolgte unruhig die ebenmäßige Gestalt seiner Mutter, die seinen verdeckten Augen von einem feuchten Lichtschimmer umgeben zu sein schien.

Wie fremd und nngemüthlich er sich hier fühlte.

Das junge Weib betrachtete ihn eine Zeit lang, dann strich sie sich langsam über das dunkle Haar und huschte leise und vorsichtig an die Kommode. Leichtfüßig stieg sie hier auf einen Stuhl und hielt einen Augenblick erschreckt inne, als das alte Gestell laut ächzte und knarrte. Wie häßlich, wenn sie den Schlummer des Kranken gestört hätte. Aber der Kapitän rührte sich nicht, sondern blinzelte traum­verloren auf die kleinen Füße, die so fest und angespannt auf dem Nohrgeflccht standen. Noch einmal richtete sie ihre dunklen Augen auf den Liegenden, dann hob sie mit hoch

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erhobenen Armen das Bild des alten Holstein von der Wand

und betrachtete es einen Moment. Ein Schatten huschte da­bei über ihr blasses Gesicht, als sie die verwitterte Leinwand mit ihrem Tuch reinigte. Dann stieg sie herab und der Kapitän hörte, daß sie das Bild auf den Schrank legte.

Ein schwerer Seufzer der Erleichterung cmrang sich ihm. Nun'konnte das gelbe Antlitz nicht mehr herunterstarren und ihn peinigen. Wie mochte seine Pflegerin seine Ge­danken nur so errathen haben? Sie setzte sich an sein Bett, und er hörte, wie ihre Stricknadeln leise gegeneinander klapperten. Das war ein heimliches, wohlthuendes Geräusch. Nun schloß er wirklich die Augen, und hinter seinen ge­senkten Lidern verschwamm der Sonnenschein in rothe, 'chimmeriide Nacht; Alles, wns er zuleht Qebacftt, fliiifl lhm o seltsam durcheinander, immer leiser und leiser tickten die Stricknadeln zusammen, und schwer sank das Haupt des Eiuschlummernden in die Kissen zurück.

Noch einmal wollte er sich dem bleiernen Gefühl ent- reißen, denn ihm war es, als ob das Bild dom

Schrank gesprungen sei und nun das gelbe, faltige Antlitz über ihn hcrabbeuge; aber er vermochte sich nicht mehr zu belvegen. Das Letzte, was er veriiahm, war das gleich­förmige Klirren der geschäftigen Nadeln, dann versank fern Bewußtsein in Abgründe und blaue Nebel.

*

Als der Kapitän wieder erwachte, herrschte eine Art bunter Dämmerung in dem Zimmer. Grell und strahlend fiel zwar die Sonne in den Raum, aber vor die Fenster waren schützende Rouleaux Herabgelaffen, sodaß das Helle Licht den Schläfer nicht belästigt hatte. Neugestärkt richtete sich der Kranke auf und blickte neugierig auf die einfachen Vorhänge, auf welche ei» Paradicsgartcu in den grellsten Farben gedruckt war.

Wie sauber das Alles war, und doch wie ärmlich. Wirklich, seine junge Pflegerin mußte ihre Tage nicht gerade in Schwelgerei zubringe».

Wo weilte sie nur?

Er wandte sich rasch um und sah, daß sie noch immer am Fußende des Bettes saß, die Handarbeit im Schooß, und die dunklen Augen forschend auf ihn gerichtet.

Teufel! Jetzt mußte er sich bedanken, wie schwer es ihm auch wurde. Diese Frau batte in der That Außerordent­liches geleistet. Er stützte sich auf den Ellenbogen und nickte

ihr verlegen zu. . '

„Guten Tag," sagte er so laut, als ihm möglich war, um dadurch etwas seine Befangenheit zu verbergen, „ich habe das Stündchen ganz ausgezeichnet geschlafen."

Es mar so bedeutungslos, was er zu ihr sprach, aber Marie begann das Herz zu klopfen, als ob er ihr die schwersten Vorwürfe gemacht hätte. Jetzt, seitdem ihr Pflege­befohlener nicht mehr der bewußtlose Kranke war, fühlte sie erst, daß sie zu einem Manne, der sie innerlich verachtete, in ein seltsames Verhältniß getreten sei.

„Ich sollte mich eigentlich, wie für so vieles Andere, auch für diesen erquickenden Schlummer bei Ihnen bedanken," fuhr der Kapitän rasch fort, „Ihre rastlosen Nadeln haben mich vor einer Stunde allerliebst in den Schlaf gesungen.

Ueber das blasse Antlitz der schönen Frau huschte ein flüchtiges Lächeln, dann versetzte sie stockend: „Sie haben, nicht eine Stunde geruht, Herr Baron, sondern einen halben Tag und eine Nacht. Und was das Beste ist, Sie haben gar nicht mehr gefiebert. Herr Doktor Leiter ist sehr zu­frieden. Nur sprechen sollen Sie noch nicht."

Sie erhob wieder ihre Arbeit, und ihre schlanken Finger führten die Elfenbcinnadeln unaufhörlich in das Gewebe.

Auch der Kapitän schwieg einen Augenblick und betrachtete nachdenklich ihr feines Profil.

(Fortsetzung folgt.)

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