Wiesbadener
«8. Jahrgang.
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Morgen »Ausgabe.
Uebersichtskarte von China.
Die neuerdings eingelaufenen Nachrichten aus China, ganz abgesehen von dem grauenhaften Blutbade in Peking, lassen eine so systematische Ausbreitung des Aufstandes gegen die Fremden erkennen, daß die Annahme, hier liege ein wohldurchdachter, das Ganze umfassender Plan vor, fast zur Gewißheit wird. Der Blick der politischen Welt richtet sich daher neben dem schmerzlichen Interesse, welches die Ereignisse in Peking erregen, auf die Situation im gesammten chinesischen Reich, weshalb wir unfern Lesern beistehend eine Uebersichtskarte desselben geben.
Nach den neuesten Nachrichten haben sich die Gouverneure der drei großen centralen Provinzen Honan, Hupeh und Hunan dem Prinzen Tuan zur Verfügung gestellt, sich also dem Aufstande angeschlossen. Das Gebiet der fremdenfeindlichen Bewegung erstreckt sich also vom Petschili'im Norden bis unweit Kanton im Süden. Hier sind auch schon Unruhen ausgebrochen, ebenso wie in Uünnan im Südwester,. Oestlich steht die Provinz Shekiang auf Seite des Prinzen Tuan. in Sch.antung gährt es ebenfalls, und in der Mandschurei bis oben hinauf nr russisch-sibirischen Grenze sind die
schiedene als Arznei benutzte Stoffe hervorbnngcn. Die Frucht hat eine» Durchmesser von nur 8 bis 10 Millimeter. Die Oberfläche ist netzartig gerippt, während das Innere erneu ölhaltigen runzeligen Kern birgt. Dieser Kern ist cs. der gegen die Dysenterie verwandt wird. vr. Mongeot gicbt davon am ersten Tage 6 bis 10 und an den folgenden Tagen 10 bis 12 Stück. Nach der chemischen
Analyse besteht der Kosamkcrn aus 9,15 v. £>. Wasser, 19,50 Del, 4,30 alkoholischem Extrakt, 61,46 stickstoffhaltigen Substanzen. 6,59 Asche. In dem alkoholischen Extrakt ist der eigentlich wirksame Bestandtheil enthalten, nach dem hcimathlichen Namen der Frucht Kosamin genannt, nicht ein Alkaloid, sondern ein Glykosid, cs
große Zahl von Schustern, bei denen die Aerzte Bleisergistung feststellten Eine Untersuchung führte zu dem Ergebiiiß, daß gewisse Pulver, die unter dem Namen „Chinesisches rothes und gelbes Chrom" cingeführt sind und zum Einreiben der Sohlen beuutzt werden zu der Vergiftung geführt hätten. Beim Enirciben des Pulvers steigt leicht etwas von dem Staub auf und wird von den Arbeitern eingeathmct. Es kann also nicht dringend genug vor der Benutzung dieser Stoffe gewarnt werden.
- Kleine Notizen. Im Schausenster der Victor schen Kunstanstalt. Webergasse 23. ist die neue Fahne für den Krieger- und Militär-Verein in Bierstadt, welche jungst cingeweilit
.hinesen bereits ansriffsmcise zu offenen Feindseligkeiten gegen die russischen Truppen und die Kriegsschiffe auf dem Amur vorgegangen. '
Unsere beisteheude Uebersichtskarte ist daher höchst zeitgemäß. Aus der Zeichenerklärung oben links in derselben ift ersichtlich, daß alle bei den gegenwärtigen Kriegswirren Interesse habenden Angaben in derselben enthalten sind.-
Ans
ttgcn zu können. Gäste, Herren bedarf es für jeden Theiliiehmer,
Stadt und Land.
Wiesbaden, 26. Juli.
— Geschick, tskalender. 26. Juli. 1867:
4 Otto I.. König von Griechenland, zu Bamberg.
1866: Friedenspräliminarien zu Nikolsburg.
1866: Treffen bei Roßbruun. 1581: Das
t aager Manifest, die Staate» der Utrechter nion sagen sich von Spanien los. 1664: ch Kaiser Ferdinand I.
— Atterthrrms-Uerein. Bezüglich des Ausflugs des „Vereins für Naffauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung" am nächsten Sonntag, den 29. Juli, nach Burg Reichcnberg sei noch mitgetheilt, daß, um mehrfach geäußerte» Wünschen nachzukommen, die Mittagspause in St. Goarshausen bis 4 Uhr Nachmittags ausgedehnt werden wird. Die-
a en, welche etwa nicht an der Rheinfahrt rehmen, sondern die Bahn zur Hin- und Rückfahrt benutzen wollen, werden, wenn sie 10 Uhr 43 Min. Morgens vom Rhcinbahnhof abfahrcn, noch frühzeitig genug in St. Goarshausen erntreffcn, um an dem dortigen gemeinschaftlichen Mittagessen sich bctheiligcn zu können.
»me Damen, sind willkommen, doch ' " .
auch für diejenigen, welche sich der Bahn zur Hm- und Rückfahrt bedienen, wegen des Mittagessens und event. Wagens unbedingt vorheriger Anmeldung im Museum (Wilhelmstrabe 20).
— Bliuden-Konzerl. Dienstag, den 28. August, giebt der erblindete Orgelvirtuose Adolf Friedrich in der Ringkirche Hierselbst ein Konzert. Genannter Künstler, welcher im Mai 1898 in der Bergkirche sein letztes Konzert veranstaltete, dürfte wohl noch in gutem Andenken stehen und von unserem musikliebenden Publikum auch bei seinem diesjährigen Konzert durch zahlreichen Besuch erfreut werden. (Näheres Inserat.)
A Die Heilung der Dysenterie ist eine Frage, die gegenwärtig wieder im höchsten Grad dringend geworden ist. Bei seder Entsendung größerer Menschenmengen nach tropischen und subtropischen Gegenden taucht das drohende Gespenst dieser sirrchtbaren Krankheit, die unter alle» Tropenkrankheiten die meisten Opfer fordert, wieder auf, und unsere Truppen in China können ebenso sehr darunter zu leiden haben, wie es bei den englischen Truppen in Südafrika in so außerordentlichem Maß der Fall gewesen ist oder noch ist. Es ist daher von größter Wichtigkeit, darauf inzuweise», daß cs jetzt ein specifischcs Heilmittel gegen die zu geben scheint. Der Pariser Mitarbeiter der „Allg. Miss. Ber? hat schon vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß in dem französischen Hmtermdien von vr. Mougeot ein Pflanzenstoff, der bei den dortigen Eingeborenen den Namen Kosam führt, mit Erfolg gegen die Dysenterie benutzt worden sei. Jetzt wird diese wichtige Mitthcilung in der erfreulichsten Weise vervollständigt. Es sind bisher 879 Fälle behandelt worden, von denen 799 innerhalb 3 bis 6 Tagen vollkommen geheilt wurden, 57 innerhalb 15 Tagen, während nur 13 von einer so großen Zahl der Behandlung widerstanden. Das merkwürdige Mittel ist nun auch chemisch genau untersucht worden. Das Kosam ist die Frucht eines in Annam wachsenden Baumes aus der Familie der Simarubaceen, die bisher fast ausschließlich aus dem tropischen Amerika bekannt waren und auch dort ver-
erzeugt demnach einen Zucker, wenn es durch Kochen mit Säure zersetzt wird. In Wasser ist das Kosamin sehr löslich. Wird der Stoff Thiercn eingeimpft, so tritt bei diesen eine Erregung ein, dann sehr heftiges Erbrechen und Durchfall. Schließlich fällt die Körpertemperatur sehr erheblich und der Tod tritt in völliger Lähmung ein. Bei der Leichenschau zeigt sich der Verdauungskanal stark entzündet, die rotheu Blutkörperchen zerstört und das Blut in einen Zustand übergeführt, in dem cs nicht gerinnt. Das Kosamin übt eine anregende Wirkung auf die Galle aus, tödtct die Eingeweidewürmer und vernichtet die in dem Verdauungskanal befindlichen Bakterien und andere Keime. Wahrscheinlich ist es diese letztere Eigenschaft, wodurch die Heilkraft gegen die Dysenterie bedingt ist. Es ergiebt sich aus dem Obigen, daß das Mittel mit Vorsicht und in sehr kleinen Dosen angewandt werden muß, um unangenehme oder gar gefährliche Begleiterscheinungen zu vermeiden.
t. Gin Hrrbarin,„preis. Zur Nachahmung zu empfehlen ist eine in England bestehende Einrichtung, die alljährlich jungen Leuten im Alter von weniger als 21 Jahren eine silberne Medaille für das beste Herbarium verheißt, das aus heimathlichen Pflanzen zusammengestellt ist. Die Pflanzensamnilung darf nicht mehr als 150Exemplare enthalten, die jedoch nach derAuswahl derPflanzen- arten und nach der Schönheit der Erhaltung zu bcurtheilen sind. Wenn mehr als eine Sammlung belohnt zu werden verdient, so können noch eine zweite Medaille in Bronce und Ehrendiplome verliehen werden. Dieser Wettbewerb wird alljährlich wiederholt, die Preisvertheilung ruht in den Händen der Pharmaceutischen Gesellschaft. Eine derartige Stiftung ist jedenfalls ein wcrthvolles Mittel, das Interesse der Jugend an der hcimathlichen Pflanzenwelt zu heben, und es könnte wohl in Deutschland eine ähnliche Einrichtung getroffen werden, die erhebliche Kosten ja nicht verursachen kann.
Q) Bleivergiftung unter den Schuhmachern. Die Bleivergiftung ist ein leider nur allzu bekanntes und verbreitetes Ucbel, das in allen Gewerben auftritt, die mit bleihaltigen Metallen zu thun haben, wenn nicht ganz besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Neu ist aber das Vorkommen von Bleivergiftungen im Schuhmachergewerbe. In Northampton erkrankte kürzlich eine
moderner Nadelmaterei ausge'fuhrt,"ist ein Meisterwerk deutscher Stickkunst. Von Freitag ab wird die zweite Seite der Fahne, die Germania nut Landschaft,, und Laubwerk zeigend, zu sehen sein.
* Matur. 24. Juli. Wie der allgemeine Verlauf , des Gutenbergfestes als ein gelungener bezeichnet werden muß, so erweist sich auch das finanzielle Ergebniß als ein sehr günstiges. Bei sämmtlichen Veranstaltungen werden kleine Ueberschüffe gegen die im Budget vorgesehenen Beträge erzielt, sodaß das Fest Mit einem finanziellen Ueberschuß abschließt. Mit dem Beginn der kommenden Woche ist der Ausschuß, der die sinanzielle Leitung de« Festes in fänden hatte, bereits in der Lage, sämmtliche aus dem Feste erwachsenen Verbindlichkeiten zu decken und die gesanunten Rechnungen abzuschließen.
* Aus der Umgebung. Das nationale Wettschivimmen
und -Springen des „Ersten Schwimmvereins Biebrich-Wiesbaden" findet nicht am 5., sondern am 12. August in Biebrich statt. — Die Leiche des kürzlich in K a stel beim Baden ertrunkenen Bäckergesellen Bonifer aus Bockenheim wurde bei Bingen geländet. — In Mainz wurden bei einer Revision der Herbergen zwei Lehrlinge aus Kaiserslautern verhaftet, die ihrem Lchrherrn 376 Mk. gestohlen und damit eine Rheinreisc unternommen hatten. Von dem Geld fand man nur »och 70 Mk. vor. — Das 5-jährige Töchterchen des Schreinermcistcrs Jakob Wenz in Frank tu r t stürzte aus dem Fenster der im 4. Stock belcgcnen Wohnung. K,es- straße 23, auf die Straße und blieb sofort todt. — In Eppertshausen schlug der Blitz in das Wohnhaus des Häfners Johann Theodor Müller und tödtcte die 31 Jahre alte Tochter desselben in dem Augenblick, als sie im Begriff war, mit einem Kind rin der Hand über die Hausthürschwelle zu treten. Das Kind, blieb vollständig unverletzt. — In Hochborn schnitt sich die
11 Jahre alte Tochter des Landwirths Göbcl an der
Futterschncidmaschinc eine Hand vollständig ab. — RI» zwei Former in der O.'schen Eisengießerei und Maschinenfabrik in Limburg einen Kübel mit flüssigem Eisen trugen,brach
