Wiesbadener Tsgblatt.
«erlag Lm»«s«ffe »1 «*!_ 12 RUSQObtit. ™ ..TagtiattH««- Nr. 6650-53.
w0u>tntnw Ä *“ 3 , n g uj! m „ ten « rn 8 llhr ab-ndi. anfctr Sonnt««.
_o nfw mmomiI fcU alwnM • AH 1 _
«erlag Langsame 21
e<tatnt-0«3e geiffnei Ben 8 UI|t nutgen» 6t* 7 Hit «tenM.
Sejugr-PreiS für Seite «uägateB: 7# *fg. M.
2*nng*fi« «, e^je Bringerlobu M_S.-^tikrtrllährIuh buri ajte
gelt. - Se«ng£ • »efteOuitgen netmen auSjtbem entgegen: In Wiesbiden die Z»e,gpelle v marckrmg 19, («nie 6ie auSaa&efttllen in alle» Sorten der «statt; uj Biebrich: die tarag«> An», gadekell«' und in den benachvarien Landarien und im Rheingau die tetreffenden Sagdlatt-Srüger.
„Tagdlatt-Haus" Rr. 6650-53.
Ban 8 Uhr morgen« «0 8 llhr abends, außer Sannt««.
«M8-3SS£SRffia
g fejaüii&.’aa.g^'a^ iggrssuäjsrssissssu
•üt die Auinahme von Anzeigen a» vorgeichriebeneu
..' d trtne Gewähr übernommen.
Der Urieg.
Der Tagesbericht vom 22. April. Erfolgreiche deutscheSprengungen beiKrras —Schwere Verluste der Franzosen im Priester- walde. — Ein Fortschritt am Hartmanns-
weilerkopf. — Im Osten nichts Neues.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 22. April. (Amtlich.)
westlicher Rriegsschauplay.
Südlich des La B a s s 6 e = Kanals und nordwestlich von A r r a s nahmen wir erfolgreich mehrere Sprengungen vor.
In den Argonnen und im Gelände zwischen Maas und Mosel fanden heftige Artilleriekämpfe statt. Nach Feuerüberfall griffen die Franzoseu heute nacht im W e st t e i l e des P r i e st e r w a l d e s an, wurde» aber unter schwere« Verluste» zurück- geschlagen.
Am Nordhang des Hartmannsweilerkopfes zerstörten wir gestern einen feindlichen Stützpunkt und wiesen am Abend einen feindliche» Angriff ab.
westlicher ttriegsschauplatz.
Die Lage im Osten ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Der Krieg gegen England.
Mindestens ein englisches Tauchboot in der Nordfee vernichtet.
W• T.-B. Berlin. 22. April. (Amtlich.) In letzter Zeit find mehrfach britische Unterseeboote in der deutschen Bncht der Nordsee gesichtet und wiederholt von deutsche» Streitkräften angegriffen worden. E i n feindliches Unterseeboot wurde am 17. April versenkt. Die Beruich- tung weiterer Unterseeboote ist wahrscheinlich, aber nicht mit voller Sicherheit festgestellt worden.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: gez. Behncke.
Ein englisches Schlachtschiff von Seppelin- vomben getroffen.
W T.-B. Berlin, 21. April. (Nichtamtlich.) Aus zuver lästiger Quelle verlautet, daß bei dem kürzlich«« Zeppelin angriff auf den Tyne auch ein englisches Schlachtschiff erheblich beschädigt worden sein soll.
Die englische Invasionsfurcht.
Der militärische Mitarbeiter der „Times" schreibt, Eng land müsse entschieden sein Augenmerk auf die Verteidigung der Heimat richten. Die rege Tätigkeit der deutschen Lvst- fahrer deute -ruf die Absicht der deutschen Flotte hin. etwas zu unternehmen. Es sei schwerlich anzunehmen, daß der Krieg ohne ernsthaften Angriff der deutschen Flotte endigen werde. Darauf muffe man sich durch Ber mehrung und Ausgestaltung der Territorials vorbereiten Die Zeppelinaugst in England.
Kopenhagen. 21. April. (Ktr. Bln.) Der Berichterstatter des .Daily Expreh" meldet, datz die Deutschen in Belgien große Tätigkeit im B a u von Luftschiffen entwickeln. In großen Mengen würden auch Brandbomben für die Zeppeline hergestellt. Außerdem sollen drei sehr große Luftschiffe mit den dazu gehörenden Hallen gebaut sein. Es wird vermutet, daß Deutschland jetzt erne größere Anzahl von Luftschiffen besitzt. Wahrscheinlich plane man einen großen Angriff aus N o r d e n g l a n d. Die englischen Behörden treffen außerordentliche Maßregeln zur Abwehr etivaiger Angriffe aus Zeppelinen oder Flugzeugen. Sämtliche Polizeibeamte des Distrikts London sind gruppenweise nach Scotland Yards befohlen worden, wo sie neue Weisungen erhalten werden. Außerdem sollen aus einer ganzen Reihe von Gebäuden, die natürlich geheim gehalten werden, zahlreiche Schnellfeuerkanonen und Ballonabwehr- geschütze ausgestellt worden sei». Die Londoner Feuerwehr hat zahlreiche neue Dampfspritzen erhalten.
Versicherung gegen Luftangriffe in London.
Homburg, 21. April. (Ktr. Bln.) Aus Rotterdam wird den: „Hamb. Fremdenbl." gemeldet: Infolge des deuffchen Luftangriffes sind auf dem Versicheruugsmarkt, wie die „Times" aus London meldet, wieder eine Reihe von Abschlüssen gegen die Luftangriffe getätigt worden.
Zum Besuch des deutschen Fliegers über der Grafschaft Kent.
Berlin, 22. April. (Ktr. Mn.) Über die außergewöhnliche Lefftung ei'nes deuffchen Fliegers, der e n g l i s ch e Plätze mit Bomben belegt hat, bringt die „Times" laut „Deutscher Tageszeitung" folgende Einzelheiten: Am Freitag flog ein fremder Flieger über Kent und warf neun Bomben auf Faver- sham und Sittingbourne, ohne Schaden anzurichten. Er überflog dann die Insel Sheppey, ging aber bald seewärts und verschwand endlich gegen 1 Uhr. Ein englischer Flieger stieg nun auf, um den Feind zu verfolgen. Allein di^er wchm einen st» unregelmäßigen Weg, datz man
glaubte, es mit zwei deuffchen Flugzeugen zu tun zu haben Als der englische Flieger auffticg, verschwand der dcunchc, der einen Vorsprung von 8000 bis 0000 Jsstz hatte, mit großer Schnelligkeit. Nach der Fahrtrichtung zu urteilen, meint die „Times", dürfte der deuffche Zweidecker auS Seebrügge gekommen sein.
Englands Erwachen.
Ein neutrales Urteil über die beginnende Ariessenttäuschung und Kriegsmüdigkeit.
Unter dieser Überschrift schreiben die „Neuen Zürcher Nachrichten" vom 16. April: „In der letzten Zeit Hecken sich die Symptome dafür gehäuft, wonach in der öffentlichen Meinung in England eine starke Wendung sich vorbereitet, einerseits im Zeichen einer grenzenlosen Ent- täuschung über den bisherigen Kriegsverlauf und gleich zeitig damit in jenem eines wachsenden Zornes und Miß trauens gegen die Kriegshäupter in der Regierung, andererseits im Zeichen der Hoffnungslosigkeit auf den schließlichen Sieg und daheriger pessimistischer Kriegsmüdigkeit. Einen klaffischen Beleg dafür bietet ein Artikel der „Daily Mail", des führenden Organs der englischen Kriegspart«. Das Blatt greift darin mit einer vernichtenden- Schärfe die Regierung an, und aus den Untertönen seiner Ausführungen geht hervor, daß es auch seinerseits zu den bitter Enttäuschten gebürt und mit einem Umschwungder öffentlichen Meinung in England zu rechnen beginnt, wobei es offenbar seine eigene Haut rechtzeitig sichern möchte. Die „N. Z. N." haben stets genau unterschieden zwischen den für den Krieg verantwortlichen Häuptern der englischen Regierung und dem gesunden und edlen Kern der englischen Nation und haben schon vor Mormten angedeutet, daß es in England zu einem E r w a ch en des englischen Volkes kommen werde, wobei dieses einsehen lerne, in welche furchckaren Jrrtümer man es durch die Vorenthaltung der Wahrheit und der wirklichen Tatbestände gelofft habe. Dieses Erwachen hat begonnen. Daß aber „Daily Mail", das am mefften scharf machende aller Scharfmacherorgane, das am meisten hetzende aller Hetzorgane jenseits des Kanals, ein Haupffigrml zu diesem Erwachen geben werde, das kommt auch uns über- rafchend. Doch zurück, dir rettest den Freund nicht mehr, so rette das eigene Leben", mag „Daily Mail" denken und läßt eine Regierung im Stich, die ins Wanken gekommen ist. Bankerott ist die Diplomatie von Sir Grey, seit Rußland seine Ansprüche auf Konstantinopel und die Dardanellen erhob und Serbien jene auf Dalmatien -und Istrien unter Betonung, daß die englische Regierung die Zustimmung hierfür erteilte. Turmhoch erhebt sich seither die Scheidewand zwischen dem Dreiverband einerseits und Italien, Rumänien und Griechenland andererseits. Bankerott ist die Kriegspolitik von- Lord Ki ich euer und die Marinepolitik von Lord Churchill. Die letztere fft über den Dardanellen und den deuffchen Unterseebooten zu Fall gekommen, die erster- über dem Versagen genügender und solider Organi- sationskraft. An -di« Vernichtung Deutschlands, von der die Herren Grey, Kitchener und Churchill sprachen, glaubt rn England heute kein ernsthafter Mann mehr, dag-egen sieht man dort mit Schrecken Ägypten und Indien in Gefahr, sieht Italiens Augen- sich aus Malta richten, sieht in Spanien die Gibraltarfrage cmftauchen, zwar mehr im stillen, aber in sehr gewichtigen Kreisen, und sieht sich mit Entsetzen einer Lage gegenüber, bei der nichts mehr zu hoffen und nichts mehr zu gewinnen, dagegen alles zu befürchten und alles zu verlieren ist. Das Erwachen in England hat begonnen. Welche Wirkungen es zeitigen wird, bleibt -der Zukunft Vorbehalten."
Ein weiteres englisches Urteil über uns.
Ein anderer Engländer schreibt, wie wir in den „L. N. N. lesen- „Heute steht die deuffche Nation, hart arbeitend, kampf- tüchtig. hochintelligent und völlig bedenkenlos mit dem Rücken an der Wand und ficht für sein Dasein." Man beginnt solchen Propheten zu glauben, und je mehr man uns kennen lernt, desto mchr sinkt das Thermometer der öffentlichen Stimmung, Heute zeigt es bereits auf Katzenjammer.
Eine weitere Folge des deutschen V-Voot-Nrieges. Unterbindung des französischen Früchte- und BlumcnhandclS.
Berlin, 22. April. (Ktr. Bln.) Welche verhängnisvollen Folgen der deuffche ll-Krieg für den Handel der Allnerten nach sich zieht, beweist, wie verschiedenen Morgenblattern über Brüssel gemeldet wird, ein Alarmartikel des „Temps , welcher feststellt, daß der vormals so blühende Südfrüchtehandel durch das Aufhören des regelmäßigen Schiffsverkehrs zwischen Frankreich und England seinem völligen Ruin ent- gegengeht. Der „Temps" sagt, datz den französischen S u d - früchten und Blumen die Märkte Belgiens und Deutschlands schon seit Monaten verschlossen seien und nun könnten sie infolge der Anwesenheit der deutschen ll-Boote im Ärmelkanal den letzten ihnen verbliebenen Markt, nämlich England, nicht mehr erreichen und verfaulten an Ort und Stelle.
Die englische Regierung wagt sich au die allgemeine Wehrpflicht nicht heran!
W. T.-B- Haag, 21. April. (Nichtamtlich.) „Nieuwe Courant" meldet aus London: In der heutigen Sitzung des Unterhauses sagte Llohd George, die Negierung ist nicht der Arfficht. daß. der Krieg mit mehr Erfolg geführt
werden würde, wenn die allgemeine Wehrpflicht
eingeführt würde. Lord Kitcherier ist sehr zufrieden ntrt denk Erfolge, den der Aufruf an, die Freiwilligen hatte.
Der Passagierverkehr der Zeeland-Linic doch eingestellt!
W. T.-B. Blissiugcn, 21. April. (Nichtamtlich.) Die britische Admiralität hat neuerdings die Einstellung des Pqssagierverkehrs der Zeeland-Linie verfügt. Der Dampfer „Mecklenburg", der jetzt in Tilburh liegt, darf morgen nich- zurückfahren. Der Postdienst wird fortgesetzt.
Englischer Werbedruck auf die Bahngcsellschaften.
Bon der holländischen Grenze, 21. April. (K. Z.) Der Ausschuß, der die staatliche Aufsicht über die englischen Er,en- bahnen ausübt, hat, wie die „Times" meldet, angeordnet, daß die Gesellschaften keine Männer cinstellen dürsten, die zum Heeresdienst geeignet seren. Der Ausschuß stellt den Geien» schäften anherm, Frauen, anzunehmen.
Englische Marineoffiziere ins Heer versetzt.
In den letzten Tagen veröffentlichte, wie die „Neuen Zürcher Nachrichten" vom 16. April aus London erfahren, die amtliche „Lorrdon Gazette" mehrere Ernennungen inaktrver Seeoffiziere zu Landoffizieren. Darunter befindet sich Konteradmiral Allenby, der zum Oberstleutnant ernannt wurde.
Die Trunksucht der englischen Matroseu.
W. T.-B. London, 22. April. (Nichtamtlich.) „Daily Tele- graph" berichtet: Bei dem großen Totenschaugericht eines er- trunkenen Matrosen sagte der Kapitän aus, daß der Mann betrunken gewesen sei. Es sei seit einern Monat eine gewöhnliche Erscheinung, daß die Mannschaft be- trunken sei, und es sei schwer, Dtatrosen zu bekommen. Ec könne nichts dagegen tun. Der Obmannrichter sagte, es sei kein Wunder, wenn deuffche Unterseeboote so leicht englische Schiffe faßten.
Die unruhigen englischen Bergarbeiter.
W. T.-B. London, 22. April. (Nichtamtlich.) Wie i»e „Times" meldet, hielt der ausffchrende Ausschuß des Berg-, arbeiterverbandes von Großbritannien gestern eine Vorder- sammlun-g ab. In dem Ausschuß besteht eine starke Strömung für eine Konferenz, die bezwecken soll, daß die Gesamt- heit der Bergleute am gleichen Tage kündige, unt die Arbeitgeber zur Bewilligung der Forderungen zu- nötigen.
Das alkoholfreundliche Unterhaus.
W. T.-B. London, 22. April. (Nichtamtlich.) Im Unterhaus« enfftand eine lebhafte einstündige Debatte über de» Antrag eines Mitgliedes daß während des Krieges im Unter- Haufe keine alkoholhaltigen Getränke veRtbretcht werden sollen. Die Debatte mußte vertagt werden, da die Meinungsverschiedenheiten zu groß waren- und man eine Slb- strmmung vermeiden wollte.
Keine Fußballwettspielc mehr!
Bon der holländischen Grenze, 21. April. (K. Z.) Der Vorsitzende der englischen Futzballvcreinigung teilt den Blättern mit, datz keine Wettspiele stattfinden sollen, sl, lange der Krieg dauere. Nach langem Kampf gegen die Bolks- leidenschaft für den Fußball hat -Uso das Streben^ die Auf- merksamkeit van dem Spiel auf die Werbung zu lenken^ obgefiegt.
* Die beschlagnahmten griechischen Schiffe.
Haag, 21. April. (Ktr. Bln.) Nach Londoner Privat meb> düngen sind die von der englischen Regierung am Samstag beschlagnahmten beiden griechischen Kreuzer, deren Bau in England im Juni 1911 begonnen wurde, vom Typ des kleinen englischen Kreuzers „Chatam" (5300 Tonnen). Außerdem seien vier neue griechische Torpedoboote beschlagnahmt.
Eine Explosion auf der Werft in Woolwich.
Bon der holländischen Grenze, 21. April. (Ktr. Bln.) AuS London. Heute morgen fand in der Werft (zu Woolwich) ein« nicht heftige Entladung statt, wodurch drei Personen schwer verletzt wurden. Die Ursache ist unbekannt.
Die Ehinafrage im englischen Unterhaus.
w. T.-B. London. 22. April. (Nichtamtlich) In der gestrigen Sitzung des Unterbaues crlviderte Grey auf eine Anfrage, er habe amtliche Berichte erhalten, daß d e u t s cy C Missionare in Südchina Flugblätter mit vorurteils- vollem Inhalt gegen England verbreiten. Die Regie- rung könne aber nicht erwarten-, datz die chinesffche Regierung cinsckreite. Ans verschiedene Anffagen über die Verhaud- lange n zwischen China und Japan erlvrderte Grey, er sei mcht in der Lage. Erklärungen über die Berhand-lun-geit zwischen den zwei anderen Mächten abzugebeu. Die chinesische Politik der britischen Regierung wird fortgesetzt durch den mit Japan bestehenden Vertrag bestimmt. Dieser bezwecke die Erhaltung der gemeinsamen Interessen aller Mächte in China durch Sicherung der Unabhängigkeit und Integrität der chinesischen Republik und den Grundsatz gleicher kommerzieller und industrieller Rechte alle« Nationen in China. Die britische Regierung stehe in beständigem Verkehr mit ihren Vertretern in Japan und China so- ivic mit den kommerziellen Körperschaften daheim und int fernen Osten, die an diesen Verhandlungen interessiert seren. Das Hans niögc sicher sein, daß sich die Regierung nach wie vor bemühe, die ofsen-e Tür für den britischen Handel in ganz China zu sichern.
