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lo.

Fernsprecher N». 52.

Dienstag, den 24. Juli.

Fernsprecher No. 52.

1900 .

Morgen-Ausgabe.

Der Kriegsschanplah Tientsin-Talm.

Die Operationen der Truppen der Mächte haben mit der Einnahme von Tientsin einen festen Rückhalt gewonnen, dessen unbestrittener Besitz von außerordentlichem Werth für den weiteren Fortgang des Krieges ist. Wir geben unseren Lesern daher beistehend eine Uebersichtskarte, _ aus welcher die Lage von Tientsin im Verhältniß zur Küste und vom Ausschiffnngsorte Taku deutlich zu ersehen ist. Nachdem Tientsin genommen, ist auch die Wasserstraße von dort

nach Taku wieder gesichert.

Das ist der erste, allerdings erst nach heißen und ungemein mühcvollcn Kämpfen und er­heblichen Opfern errungene Erfolg der überlegenen euro­päischen Strategie und vor Allem die Frucht einer Tapfer­keit und Disziplin, die be­wunderungswürdig genannt werden muß. Lebendig und anschaulich schildert dies der Bericht des Admirals Bende- mann, der dabei ein für das Verhallen der deulschenTruppen höchst ehrenvolles Zeugniß aus russischem Munde 'hervorhebt und b?i aller militärischen Kürze ein plastisches Bild des blutigen Kampfes vom 13. Juli zeichnet.

Von chinesischer Seite ist amt­lich gemeldet worden, ihr General Rieh sei bei Tientsin gefallen. Tientsin zählt un­gefähr 1 Million Einwohner, und dieser Umstand allein führt englische Sensationsmeldungen ad absurdum, wenn es in ihnen heißt, Tientsin sei völlig eingeäschert worden. Brennen chinesische Häuser auch wie Streichhölzer, so läßt sich eine Millionenstadt doch nicht in zwei Tagen „einäschern". Noch' über die Vorstädte hinaus liegt die Fremden-Niederlassung Tientsins, in der die europäischen Truppen festen Fuß gefaßt hatten, was uni so leichter möglich war, als der Bahnhof der Linie Taku-Tientsin-Peking in unmittelbarer Nähe der Fremden - Niederlassung liegt. Der ganze Stadt­bezirk mit der Frcmden-Niederlassnng — wir würden sagen das Weichbild der Stadt — wird von einem hohen Erdwall und davorliegendcm Graben umschlossen. In unserer Karte ist die Bahnlinie mir Taku und der für alle Transporte äußerst wichtige Wasserweg des Peiho deutlich verzeichnet.

Die Ucbersichtsskizze oben rechts in der Karte bildet ein treffliches Oricnlirungsmittel, da sie das Gleis von Peking über Tientsin und Taku im Norden, sowie südlich davon das bei dem deutschen Besitz von Kinn,schon besonders in Betracht kommende Gebiet der Provinz Schaniung mit umfaßt.

Au» tztndl nnv Annd.

W i e S b a b e n, 24. Juli.

— Ges-t,ich1ska>enr>rr. 24. Juli. 1866: Gesicht bei Tanberbischofsheiu!. 1817: * Adolf, Groscherzog von Luxemburg. 1808: Sieg der Spanier über die Franzosen bei Bat,len. 1803: * Charles Adolphe Adam zu Paris. Komponist der Oper „Der Postillon von Lonjumeau". 1803: * Alexandre Dumas, der Aeltere,

— Pom dentschrn Kriegerverrinsmrs«». Ebenso inter­

essante al« bedeutsame Mitihednngen Über den gegenwärtigen S>and der volksthümlich-patriotischcn Bewegung und über die hohc Blüthe der Wohlfahitscinrichtungcn des Deutsche» Kriege r- b u n des bringt eine soeben veröffentlichte Geschäftsübersicht, ab­geschlossen am 1. April d. I. Darnach besteht der JÖunb au»

der Mitglsiderzahi zn konftatircn ist. Lo» den Mitgliedern sind 280 085 also ca. 25 pCt., Veteranen der Kriege von 1870,71 und weiter zurück. Für Uulerstützungszwccke wurden im Jahre 1809 125,139 Mk. 85 Pf. verausgabt und daneben wurden 216 Krieger­waisen in den Kriegerwaisinhänsern zu Römhild, Cuuth und Osnabrück verpflegt und erzogen. Die Mittel zu diesen Auf­wendungen wurden gewonnen theils durch die Presse des Bimdcs

zu Villers-Cottcrets, berühmt, französischer Schriftsteller. 178b * Simon Bolivar zn Caracas, der Befreier Südamerikas von, spanischen Joch. 1698: Begründung de« Hallclänn Watsinhanses durch Francke. 1568: Selbstmord Don Carlos', Sohn Philipps il. von Spanien, im Gefängnisse.

— §e. König«. Hoheit der Wrotzhersog von Lnkem- bnrg, Herzog Adolf von Nassau, begeht heute seine» 83. Geburts­tag. und zivar in einer für solch hohes Alter seltciien geistigen und körperlichen Frische. Wie immer, so werden auch diesmal in Nassau Vieler Herzen sich verbinden zn warm einpfnndcncn Glück- und Segenswünschen für den ehemaligen Landesherrn, dessen Lebensabend verklärt ist wie nur wenig Sterblicher.

(„Parole" »ad .Jahrbnch"-Kalender), deren Betrieb ,4,617.Mk. 71 *,| erbrachte, theils durch die Beiträge zur Nntcrstutznngskaffe, theils durch die Deutsche Kricgerfechtaustalt, welche allein (aus­schließlich für Zwecke der Waisenpflcgc) 66,2,3 Mk. 26 Pf. durch imermiiMtctie ^l>ättcjfeit ihrer Mitglieder zusammenbrachte. Dle Zahl der Bnndcs-SanitätSkolüNiicu ist auf 537 »nt 12,348Mitgliedern

(Nachdruck verboten.)

Der Gewalt eine Gasse!

Znm fünfzigsten Jahrestag der Schlacht bei Jdstedt (am 24. und 25. Juli 1850).

Von Ur. W. I. Nie»,".

Die Nachricht von der entsetzlichen Niederlage derBonin- schen Truppen bei Fridericia am 6. Juli 1849 fand in dem aiedcrgeworfenen und zerrissenen Deutschland nicht den Widerhall, den sie Hütte Hervorrufen müssen.

Nicht die Demokraten waren es diesmal, die mit Zorn and Schmerz eine Staatskunst verwünschten, welche das ge­zückte Schwert zu gebrauchen verbot und dadurch treue und edle Menschenleben einem haßerfüllten Feinde preisgab. Die Demokraten waren bereits zum Schweigen gebracht, aber alle Vaterlandsfreunde, die Preußens Ruhm und Ehre un­befleckt und strahlend sehen wollten und die Deutschlands Heil nur im engsten Bund mit dieser Macht erblickten, sie trauerten, als sie die Kunde vernahmen, daß trotz dieses heimtückischen Verfahrens der Dänen, die den meuchlerischen Ausfall aus der erwähnten Festung unternahmen, da doch schon die Bedingungen eines neuen Waffenstillstands zwischen Preußen und Dänemark in Berlin zur Unterschrift fertig waren, daß trotz dieser infamen Hinterlist dennoch in Berlin ein Waffenstillstand nm 10. Juli zum Abschluß gekommen, bei dem weder Bevollmächtigte der Rcichsregierung noch der H-rzogthümer beigezogcn wurden.

In dem Waffenstillstände zu Berlin wurde vorläufig die Trennung Schleswigs von Holstein ausgesprochen, und während das letztere, wie bisher, unter der von der Central- gcwalt angeordncten Statthalterschaft stand, sollte Schleswig von einer dreiköpfigen Landesregierung unter dem Vorsitz eines englischen Kommissars im Namen des Königs von Dänemark regiert werden und im Süden eine preußische, im Norden eine schwedische und auf den Inseln eine dän>>>be

Besatzung erhalten. Mit großem und gcrechlemUmvillcn vernahm

man in den Herzogthümcrn dieie Bedingungen, wodurch die Fundamentalsütze ihres StaatSrcchts so tief geschädigt wurden. Den» diese Fundamenkalsätze flellten außer Zweifel, daß:

1. die Hcrzogthümer selbständige Staaten sind;

2. nur der Mannstamm des oldenburgischeu Hauses zur Erbfolge berechtigt ist und

3. die Hcrzogthümer fest miteinander verbundene Staaten sind.

In dem Waffenstillstandsvertrage aber hieß es:

„Schleswig erhält, was seine gesetzgebende Gewalt und seine innere Verwaltung betrifft, eine abgesonderte, von Holstein getrennte Verfassung, unbeschadet der politischen Verbindung, welche das Herzogthum Schleswig an die Krone Dänemark knüpft."

Die Statthalterschaft sowohl wie auch die Landcs- verwaltung legten dagegen Protest ein. Es sollte nicht zum Vollzug dieser Bedingung kommen, das war ihr Wille. Als aber die deutschen Truppen allmählich abzogen und der schwedisch-preußischen Besatzung Platz machten, mußte das Land sich in das Unvermeidliche fügen. Macht ging auch hier vor Recht, wie überhaupt in der Welt. Von dem an begann für die unglücklichen geknechteten Schleswiger eine furchtbare Zeit der schärfsten Bedrückung und der zügel­losesten Willkürherrschaft. Ungebeugt aber beharrte die willenskräftige Bevölkerung auf ihrem Recht und setzte der Gewalt, der man vor der Hand nichts mit den Waffen in der Hand anhnben konnte, den eisernen 2 ,rotz eines guten Bewußtseins und eines gerechten Strebens entgegen.

Wurde nun schon die deutsch gesinnte Partei in Schleswig in ihren heiligsten Rechten beeinträchtigt und verletzt, so stand noch Schlimmeres zu erwarten, als Preußen im Namen des Deutschen Bundes einen Frieden abschloß, wo­nach es dem König von Dänemark überlassen bleiben sollte, alle zur Bewältiaung des Widerstandes in Schleswig-Holstein

Das Vermögen des Deutschen Kriegerbundes betragt in ninuvet-

sicheren Hppothekeii, Wcrthvapicre» und Baarbcstand 636,832 Mk., wobei der Wert!, niid das Inventar der drei Waisenhäuser nicht berücksichtigt ist. Da« durch Persoiialuiiivn m den (imtcni mit bei» 3>cntffi)_c»_Stricflerbmibe^_befanber8_c nfl^erfuup1te

dienlichen gesetzlichen oder Gewgllmittel zn gebrauchen und die thätige Mitwirkung zur Einführung einer alle Staaten des dänischen Königreichs umfassenden Erbfolgeordnung ver­hieß. Dieser Friede wurde am 2. Juli 1850 abgeschlossen.

Im richtigen Vorgefühl und der sicheren Ahnung der bevorstehenden Drangsale unternahmen die Hcrzogthümer zuerst den Versuch, durch unmittelbare Verhandlungen mit Dänemark eine Verständigung zu erwirken und womöglich alle Gewallmaßregeln zu vermeiden. Dieser wohlgemeinte und löbliche Versuch aber scheiterte an dem Uebermuth und Nationalhaß der Feinde, und alle friedlichen Mittel der Unterhandlung waren umsonst und erfolglos. Da erst, als sie keinen ander» Weg sahen, zu ihrem Rechte zn kommen, faßten sie den Entschluß, abzuwarten, bis die prentzischen und schwedischen Truppen abzögen. Als dies geschehen, da griffen sie zn den Waffen, um ans eigene Faust und mit freiwilliger Unterstützung der rechtlich gesinnten Dentichen den Krieg mit aller Macht, die ihnen zn Gebote stand, sort- zusetzeu. Es war besser zn sterben, als in solcher unerträg­lichen Sklaverei weiterzuleben.

Und so begann der Krieg.

Die beiden Hcrzogthümer fühlten sich in der Beruhigung, die das Bewußtsein des Rechts giebt, stark genug, ihr Recht von Dänemark zu erkämpfen, da man es ihnen auf fried- lichem SBeij nicht gewähren wollte, und sie begannen den Streit, ob' er auch ernste Konsequenzen haben konnte, in Heller Begeisterung. Einer stand für Alle und Alle für Einen. Mann an Mann mit der Waffe in der reinen Hand wollten sie stehen und sterben für das ihnen vor­enthaltene gute Recht. ,

Im preußischen Oberkommando war mittlerweile em Wechsel eingetreten. An die Stelle des Generals v. Bonin, der sein Eiitlassnugsgesuch eingereicht hatte, weil er sein preußisches Dienstverhältniß nicht aufgeben wollte, trat der ehemalige preußische Generalleutnant v. Willisen. Dieter