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1. KeiiM.e nun Mreslinürner Tagblait.

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336. Worgen-Ausgnbe.

(55. Fortsetzung.) (Nachdruck berbottn.)

Auf Grüumeide.

Noma» von H^almä- H'aysen.

Sonntag, den 22 . Inlr.

Lesnna der erschütternden Briefe aus Cypern, diese in den Schreibtisch ihres Vormundes Icfltc. Dort, sorgfältig ge« borgen unter dem Kreuzband ihrer Briefe ans Kmdhctw-

48. Jahrgang. 1660.

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tagen, lag ein getrocknetes Jc-längcr-ie-lieber und daneben jene blaue, vielbesungene Blume, welche die Poesie alv das

Gleich nach dem Tode, nach erfolgter Bestattung des theuren Bruders veranlaßten aus Italien eingegangene ge­schäftliche Briefe den Gutsherrn, ungesäumt eine Neise dahin anzutrcteu. Es stand zwar nicht zu erwarten, daß dessen persönliche Anwesenheit auf den von ihm mit Bezug auf feines Mündels Vermögen angestrengten, sich seinem Ende nähernden Prozesse nutzbringenden Einfluß üben könne, aber Hartmann wünschte genaue und klare Einsicht über die Ver­handlungen zu erlangen. Seine Anstrengungen, ans dem Ruin der Banken in Anbetracht der besonderen Verhältnisse, der sonderbaren, gerichtlich vielleicht auznfcchtendcn Tcstamenls- bestimmungen, für sein Mündel, wenn auch nur Geringe^ zu retten, blieben indessen erfolglos. Doch brachte Nenner das Bewußlsein mit heim, nach allen Richtungen hin ferne Pflicht und zur Rettung des Geldes alle erdenklichen Ver­suche gemacht zu haben. Darüber war der Herbst vergangen und Schneedecken breiteten sich bereits über Felder und Wiesen, als er endlich dem sehnsüchtigen Drange seiner Gefühle Gehör schenken und die Heimreise antreten konnte.

Im Hause wußte er, traf er Alles noch wie sonst an. Annette hatte keineswegs ihren Entschluß ausgeführt und war ins Kloster gezogen. Ohne Sophie sollte dies nicht ge­schehen; daß dies nicht allzulange mehr daneril wurde, mochten Beide voranssetzen. Das feindselige Verhältnis; zu der jungen Marietta hatte sich allmählich zu eine», ganz er- träglichcu, ja freundlichen, gestaltet, dagegen die Frcund- schäft zur Landräthin sichtbarliche Abkühlung, fast ein Eure erlitten, seitdem diese Verrüthcrin an Annettens Vertrauen geworden. Das konnte die alte, eigene und empfindliche Dame derselben weder vergessen noch verzeihen, und Hernnne schien dies wenig zu kümmern; sie hatte ihr Benehmen nicht einmal ;u motivircn oder zu entschuldigen gesucht, war ai- gereist, ohne Gruß und Lebewohl, und das Einzige, was man von ihr auf Grünweide in diesen Monaten erfahren, war die eingesandte lithographirte Vcrlobungii-Auzeigc. Dieser folgte bald darauf die von Herrn Weiland mündlich mitgetheilte Heirathsauzeige mit der Ergänzung, daß ihm die Freude geworden sei, für immer das geliebte töchterchen bei sich behalten zu dürfen.

Die unnatürliche Mutter hatte sich m dato glanzvolle Treiben des higli-lifo gestürzt; ob sie dort ^neden für dao unruhige Herz, Ersatz für das verschmähte Mutterglnck ge­funden? Schwerlich. Sie lebte dahin, dem Ransch der Gegenwart sich hingebend, wie Jene leben, die, aller ^nner- lichkeit entbehrend, von der hohen Bedeutung des Lebens nur seicht-, unklare Begriffe habe»., Ihr Name wurde auf Grünweide nur selten, zuletzt gar nicht mehr genannt, de,» auch für Marietta hatte er schmerzlichen Klang. Sophie erachtete es als eine Nothwendigkcit, die Beziehungen anf- zuklären, in welchen diese Frau einst zu ihrem reffen ge­standen, dadurch fand das für- Marietta bisher unverständlich gebliebene Jntrignenspiel seine 'Lösung.

Von der Zukunft, der verheißungsvollen', wurde zwischen Beiden nicht gesprochen. Sophiens zartfühlendesi Herz ver^- mied jede, auch die geringste Andeutung, daß f,e Mi wister n eines Herzensgeheimnisses geworden. Und Marietta trug

das ihre mit mädchenhafter Scheu und Zurückhaltung in sich.

Die letzten schattenhaften Zweifel an die Erfüllung höchster Wünsche schwanden, als sie jenes Abende, nach

Sinnbild der Treue und Liebe bezeichnet. .

Es lag seitdem in Mariettas Wesen, ihrem Gang und und Thun eine stiNglnckliche, ernste Ruhe, etwas frauenhaft Sinniges, nicht mehr daS leichtlebige, tändelnde, scherzende Kindcrthnm; cs lag ausgegosscn über ihr der süße Ernst der vom Kinde zur Jungfrau Erwachten, ein Hauch stiller Würde, sanfter Weiblichkeit, erhöht durch alle die äußeren Vorzüge, die ihr die Natur so verschwenderisch verliehen Kräftiger und schöner war nach der langen Krankheit der Körper erstanden, aiich entwickelter, und wie sie jetzt in dem hellen Wcihnachtszimmer nmherwandelt im tiesschwarzen Sammctkleid, von dem sich die Weiße des HnlseS und Ant­litzes so wunderbar abhebt, gleicht sic mit ihren sanften sorg- lichcii Händen der jugendlich schönsten Frau, welche mit Gaben der Liebe den Raum schmückt, in dem ein geliebter

Gatte erwartet wird. ,

Das Zimnier trägt dieselbe Phhsiognoniie des vorigen Jahres. In der Milte desselben steht die herrlichttc und schlankste Tanne deS Forstes, seitwärts, znm Abendlmbiß einladend, der wohlbcsetzte Theetisch, wo über bläulicher Flamme die Theemaschine heimisch ihr Liedchen summt. Daran thätig die beiden alten Damen, die eine nut der Bereitung des Thecs beschäftigt, hell und froh blickend, während die Schwester, das unvermeidliche Strickzeug m den Händen haltend, hinter dem Lichtschirm hervor auf den ge­schmückten Tannenbanm schaut, an dem Marietta ein hellem Licht nach de», anderen anfleuchrcn läßt.

Jetzt schlägt der Hofhund an, die Peitsche knallt. Schlitten­geläute ertönt, ein vielstimmiges Nnfen und Reden. Der Hausherr ist da. Sanimtliche Leute haben sich auf dem

Hofe versammelt. ,

° Reimer, in Pelz gehüllt, springt ans dem Schlitten, er ist erfreut über den festlichen Empfang, über die siMbarltch sich verratbendc Freude seiner Untergebenen. H-ur Alle hat er ein Wort der Begrüßung, Einzelnen gicbt er die Hand und verspricht vorzusehen hernach in den großen, heut weihnachtlich geschmückten Domestikcnräumcn, wo nach alt- hergebraebter Silte den Leuten Fesigeschenke und besonders sorgfältig gewähltes Festessen gereicht werden.

Dann betritt er sein Hans, den bekränzten Hausflur, wo sich das weibliche Dienstpersonal persammelt auf dem auch die Seinigcn ihm cntgcgcntrete». Er muß sich tief bücken, der große, starke Mann, um die kleine rundlich Gestalt seiner Tanie zu umfangen. Annette erhall einen kräftigen Händedruck und dan.i - sein Auge schweif suchend umher dann trifft es die reizende Madchengeiialt, die zaghaft im Hintergründe stehen geblieben ist. *} wenigen Schritten steht er vor ihr.

Ihre Hände liegen ineinander, znm ersten Male wieder seit jenem Abend, wo sie sich in unausgesprochener Liebe gefunden. _

Als sich, die kleine Familie um den Theetisch versammelt und der erste Strom der Unterhaliung dahin gerauscht, An­fangs ernsterer Art. denn nach dem Tode Gottfrieds war cs ja das erste allseitig- Zusammentreffen, dann allmah 'ch hingleitend in die heiter gestaltete Gegenwart sagte Neuner, u,n sich blickend auf die ausgebreiteten Gaben unter dem

Tannenbaum, die es verriethen, daß uian in freigebigster

Weise seiner gedacht: . . ,

Wenig vermag ich Euch wieder zu geben für die viet- seitigcn Ueberraschungeu, wodurch Ihr mich hier erfreut.

Ich will meine Koffer öffnen lassen und dann selb nach­sichtig mit dem vielleicht ganz unklugen Einkäufen euieS uii- praktischen Junggesellen. Dir, Tante Annette, brachte ich ein Toilettenstück mit, dessen Zweck mir eigentlich nicht ganz klar geworden ist, obgleich der Verkäufer in Florenz dasselbe als etwas ganz besonders Nützliches und Anmuthiges pries.

Ei» indisches Gewebe von feinem weißen Wollenstosf, ohne Anfang und Ende, wie mir scheint, einen, Tischtuch gleichend, störte in der Mitte nicht so ein sonderbarer Beutel nut Franzen und Troddeln die glatte Fläche." ....

Aber, mein bester Reimer, eine Gesellschaftsbeduine, was" soll ich im Kloster damit machen?" ,

Nun, etwa bei kalter Witterung dieselbe ,m Zimmer

umlej^en,^ bitte Dich! ein so kostbares, thcueres

Gesellschaftsstück! welch eine Verschwendung!"

Der Gutsherr zuckte die Achseln. ~

Vielleicht auch eine Verschwendung, Tante wophie, daß ich Dir von einem italienischen Künstler mein Portrait

malen ließ, aber ich dachte"

Du dachtest," vervollständigte die alte Dame dankbar daß es niir Ersatz geben könne, wenn ich nicht mehr hrer, nicht wie Jahre hindurch täglich Dein liebes Angesicht sehen darf .

Sie drückte freudig erregt seine Hand und fuhr fort. Und was hast Du dem Kind, was Marietta mitgebracht.

Die Frage übergoß sein Antlitz fäh mit dunkler Gluth. Etwas winzig Kleines." antwortete er,ich weiß nicht, ob Marietta es annehmen wird laßt mich i-doch vorerst seben womit Ihr mich erfreut."

Er erhob sich in sichtlicher Befangenheit und beugte sich über die zierlich geordneten Gaben, ohne eigentlich zu wissen, worauf sein zerstreuter Blick haftete. s . r

Marietta war ebenfalls aufgestaiiden, sie folgte der Auf fordcrung Annettens, gemeinsam die Koffer zu offnen mit jener bangen, süßen Befangenheit, die es ahnt, daß nur noch Minuten das ersehnte Glück von der Erfüllung trennen.

Als Beide das Zinuner verlaßen, wandte sich Reimer mit schneller Bewegung zu seiner Tante.

Tante " sagte er,Du beabsichtigst also ganz un­abänderlich' in wenigen Wochen mit Tante Annette Grun-

lUe ' b e 3a! mein'lieber Reimer, so schrieb ich Dir bereits."

",Es wird hier dann sehr einsam werden.

^Allerdings recht einsam."

"Natürlich, Marietta würde Grünweide ebenfalls ver-

^Hat sie davon gesprochen, das Verlangen ansgedrückt,

E'o'^Kcßi^ Wöttchen davon, Du Mißtrauender, Un- verbcsserlicher!"

Es entstand eine kleine Pause.

Reimer kreuzte die Arme und blieb so vor der alten

Di« -,»!«Ii°i-n (öltuteft, no« °>» wem, zu zögern mit der Abreise, Tante zuvor diesem Hause c.n anderes Gepräge geben wolltest, ich meine

Was meinst Du?" die hellen, heiteren Augen sahen

den "Neffen fest au.

(Schluß folgt.)

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