Rv. »rr» 48. Jahrga««,.
LvieSbadeuer Tagblatt (Morgeu-Auögabe). «erlag; Lauggasse 2 , 7 .
20. Juli 1900. Seite ».
junge bemerkt diese« und sagt: „Ra, Männeken. Sie warten wohl strich uff Antwort?" * Fremder (im Dorfwirthshaufe zur Wirthin): „Wer sind die Beiden dort, die so saufen?" — „Der Eine ist der Bürgermeister, der will sich einen Zahn ziehen lassen, und der Andere ist der Bader; — die trinken sich um: Beide Courage an!" »Unterweisung. Schnorrer (zu seinem Sohne): .Isaak, wenn Du Einkäufe machst, denke daran: nicht so viel reden, sondern handeln!" (Megg. Bl.)
Kleine Chronik.
Die Sängerin Fräulein Saccur in Stuttgart, iuf die, wie gemeldet, während der Vorstellung geschossen wurde, ward bei ihrem ersten Wiederauftrctcn mit rauschendem Beifall nupfangcn, der sich bei jedem Aktschluß erneuerte. — Das Attentat war übrigens sehr ernsthafter Art. Die Kleider der Künstlerin wurden mehrfach von den Kugeln durchlöchert.
Graf Zeppelin ladet, wie schon gemeldet, Fachinteresscnten für Ende Juli zu einer neuen Auffahrt seines verbesserten lenkbaren Luftschiffes ein. Der erste Ausstieg soll rund 30,000 Mk. gekostet haben.
Der Inspektor des Amtsgerichtsgefäugnisfes in Bochum, Stoß, ein erst seit kurzer Zeit hier augcstellter Beamter, wurde von der Strafkammer wegen verbrecherischen, unsittlichen Verkehrs mit weiblichen Häftlingen zu 15 Monaten Gcfängniß verurtheilt.
Niedergebrannt ist die Kämps'sche Thonwaarenfabrik in Eisenberg in Thüringen.
In W i e n stießen infolge Brechens der Bremse zwei elektrische Tramway-Waggons zusammen, wobei zwölf Personen verwundet wurden. „ .
Am @ teilt {er hont (Kanton Nidwalden) ist Christoph Hahn aus Preußen a b g e st ü r z t und an den erhaltenen Verletzungen alsbald gestorben. . . ,
In Saviöge (Wallis) ist der 30-jährige verherrathete Walliser Luzet abgcstürzt; er war sofort tobt.
Das Dörfchen Tersuaus (Graubünven) ist niedergebrannt. Man befürchtet, wie die „Franks. Ztg." meldet, die Ausdehnung ves Feuers aus die benachbarten großen Waldungen.
Aus Vesteras (Schweden), 18. Juli, wird gemeldet: Der zum Tode verurthcilte Massenmörder Nord!und verwundete heute Früh zwei Wärter durch mehrere Hiebe mit einem eisernen Heiken auf die Köpfe. Ein dritter Wärter feuerte zwei Revolverschüsse gegen Nordlund; letzterer, schwer in der Seite getroffen, stürzte zu Boden. Es ist noch ungewiß, ob die Verwundung lebensgefährlich ist. Der Zustand des einen Wärters ist bedenklich.
Vollständiges Winterwetter mit Schneegestöber herrscht un nördlichen Skandinavien. Die nach dem Nordkap aufgebrochcnen Touristen kehren eiligst zurück. . ,. . .
Aus Apt (Dep. Vaucluse), wird der „Köln.Ztg. geschrieben: Der Bürgermeister Gregoire von Goult-Lumiere saß am 14. ds., Abends 9 Uhr, inmitten der Zuhörer eines Konzerts, das zur Fe>er des Nationalfestes unter freiem Himmel gegeben wurde. Er hatte neben sich seine Frau, seine Tochter und eine Freundin der letzteren. Plötzlich stürzte aus den vorbeigehendeu zahlreichen Spaziergänger» ein 48-jähriger Mensch Namens Joseph Lallemand mrt einem Messer auf die Familie und hatte, ehe man stch's versah, alle Vier niederqestochen. Nachdem der Mörder noch vier weitere Personen verwundet, brachte er sich selbst 14 Messerstiche bei, denen er erlag. Man muthniaßt, daß Lallemand die That aus politischer .Ueberspannung begangen hat.
Der Au/staud in China.
wb London. 19. Juli. Dem „Standard" wird ans Berlin gemeldet, die Mächte sollen übcreingekommen sein, daß jede der am meisten interessirten Mächte 40,000 Mann nach China senden,soll. — DailU Erpreß" meldet aus Tientsin, General Nleh sei ge
fallen und eine zur Befreiung von 30 Missionaren abgcsandte
Truvvenabtheilung sei, ohne ein« Spur von den Missionaren zu finden, hierher zurückgekehrt. Es geht das Gerücht, die Missionare seien niedergemetzelt worden. In Schanhelkro n » fhib 1500 Japaner gelandet. — Dem „Standard wird au« Shanghai gemeldet, die Gouverneure von Hunan und Hnfu beaaben sich an der Spitze ihrer Truppen nach Peking. — Du- „Times" inclden aus Shanghai vom 16. Juli: Ueber die Lage in Peking liegen seit dem 13. Jul, keine, authentischen Meldungen vor. Viele Gerüchte, die natürlicher Weste den größten Befürchtungen Ausdruck geben, sind in der ausländischen und chinesischen Presse im Umlauf. Eisciibahudlrektor Shcug, dnrch de» einzig und allein Nachrichten zu erhalten seien, erklärte, keine weiteren Nachrichten empfange» zu haben. - Die Meldungen über den Ausbruch von Unruhen in Ningko sind, wie die „Times ebenfalls an« Shanghai vom 16. d. Mts. erfährt, sehr übertrieben. Dort ist vielmehr Alles ruhig. Unter den Chinesen in Ningpo ist eine Panik ausgcbrochen, welche allmählich abnimmt. Zweifellos ist dieselbe durch die Berichte von der Tödtnng unschuldiger Chinesen in Tientst» verursacht worden. Es sind indessen uumuebr von der städtischen Verwaltung durch Guilden zm» Schutze der chrucsischen Einwohner i» der Fremdeuniederlassung beruhigende Erklärungen erlassen worden, die eine gute Wirkung hatten.
— Daily Mail" meldet aus Sbanghai vom 18. d. Mts.: Chinesischerseits wird amtlich gemeldet, daß General Niel, in der Schlacht bei Tientsin gefallen sei. Das Eigeuthum aller Ausländer in der Provinz Schantung sei zerstört. Die Truppen des Gouverneurs Juanochukai schliigen diejenigen des Generals Tung-Fuhsiaug unter großen Verlusten bei Tsangtschou südlich von Tientsin nahe a» der Grenze der Provinzen Tschili und Schantung. — Dasselbe Blatt meldet aus Tschifu vom 15.: die Lage in Niutschwang ist sehr ernst. 70 Kosaken stünden im Ort. Vor der Stadt lägen 2 japanische und ein russisches Kanonenboot. Die Boxer hätten die Stadt cuq eiugeschloffen. — Die „Times" meiden aus Sbanghai vom 17.: Der Vicekönig Liukuuzi von Nanking betraute bis auf Weiteres den Kommissar Taylor init der Wahrnehmung der Geschäfte eines Geiieraliuspcktors der Scezölle.
— „DailyMail" meldet ans Moskau vom Ib.Juli: DieMobili- sirung der Truppen im Bezirke Kasan sei angeordnet.
wi> Krnstei, 19. Juli. Wie der belgische Gesandte in Paris dem Minister des Aeußeren meldete, hat der Pariser chinesische Gesandte ein amtliches Telegramm erhalten, wonach die Gesandten am 13. Juli wohlbehalten gewesen seien.
Petersburg, 19. Juli. Die russische Telegraphen-Agentur meldet: Auf Grund der einschlägigen Gesetze werden das Amur- Gebiet, der erste Distrikt des Chaborowsk-Gebieles, ein Theil des Küstengebietes, sonne die Städte Blagowjeschtschcusk, Chabarowsk, Nikolskoje, Ussuri und Wladiwostok als seit dem 17. Juli im Kriegszustand befindlich erklärt.
Prinzen Heinrich v. Preußen, fand begeisterte Aufnahme und führte
zu einer Ovation für die deutschen Kongreßmitglieder.
Kherbourg, 18. Juli. Alsbald nach dem Eintreffen empfing Präsident Loübet auf der Präfektur die Spitzen der Behörden unb Körperschaften. Auf die Ansprache des Bischofs erwiderte der Präsident, er freue sich, daß der Klerus bereit sei, dem Vaterland seine Hülfe, Lehren, Ermuthianngen und Tröstungen zur Verfügung zu stellen. Dcni Gerichtspräsidenten antwortete Loubet, unter einer guten Verwaltung werde die gegenwärtige, mehr oberflächliche als tiefgehende Agitation verschwinden. Dann iverde es weder Freunde noch Feinde, sondern nur Franzose» gebe», denen die Größe des Vaterlandes am Herze» liege. Zu den als Vertreter der Armee und Marine erschienenen Generalen sagte der Präsident, er misse, daß
die Regierung auf das Heer zählen könne, wenn schwierige Verhältnisse rintreten sollten, der M
Republik der (Sracbcnl)eü ferne» Osten sei die Marine-
und daß die
arinetruppen gewiß sei. Im
Infanterie bereit, sich für di« Ehre der Fahne und die Ver- theidigung der Civilisation zu schlagen. Er beglückwünsche die Truppen zu ihrer Treue zur Republik, worauf jede Manneszucht, jeder sittliche und materielle Werth begründet sei. Dein Rektor der Akademie gegenüber sprach Loubet seine Wünsche aus, daß die Lehrer iveiter für das Wohl der Demokratie und die Einigkeit der Republik arbeiten möchten. — Bei dem Bankett, ivelches die Stadt Loubet gad, sagte dieser in Erwiderung auf einen Toast des Maires, der Umstand, daß die Präsidenten des L>enats und der Kammer, die Depntirtcn des Departements, der Ministerpräsident und der Maiineministcr sich hier vereinigten, beweise, daß die Regierung einmüthiq sei in der Sorge für die Vertbeidigung der maritimen Grenzen Frankreichs. Das morgige Schauspiel werde zeigen, welche Früchte die Opferwilligkeit der Nation für die Entwicklung der Seemacht Frankreichs trug. Aber keine Kraft sei andauernd, welche nicht gegründet sei auf die Einigkeit der Herzen. (Beifall.) Nach dem Bankett begab sich Präsident Loubet nach dem Quai Napoleon, um von dort dem Manöver der Schiffe „klar zum Gefecht" beizuwohnen. Alle Schiffe waren erleuchtet. Eine große Menschenmenge wohnte dem Manöver bei und begleitete es mit lautem Beifall. ' Um 11 Uhr zog sich der Präsident zurück. In der Stadt herrscht reges Lebe».
Kienhon, 18. Juli. General Borguis des Bordes, Kommandeur der Truppen in Indo-China, ist gestorben.
wb. Uem-Nork, 18. Juli. Der französische Dampfer „La Bretagne" nimmt morgen 2 Millionen Dollars Gold nach Europa.
fcljtc Nachrichten.
Berlin, 19. Juli. Das „Kl.Journal" meldet ausMinott: Bei einem Brand der Bahnwerkstätten sind 4 Schlosser umgekommen, 7 Feuerwehrleute wurden verletzt.
Hamburg, 18. Juli. Auf der Werft Blohm und Voß wurden 185 Arbeiter entlassen, welche bei dem Umbau des Postdampfcrs ,Sardin,a" in einen Truppentransportdampfer beschäftigt waren, sich aber dann weigerten, weiter zu arbeiten. Es wurden sofort andere Arbeiter an Bord der „Sardinia" mit der Ausführung der Arbeiten beauftragt. Im Uebrigen ist die Lage des Ausstandes unverändert. Ruhe und Ordnung sind bisher nicht gestört.
Paris, 18. Juli. In der gestrigen Sitzung des Kongresses für Rettungswesen und erste Hülfe sprachen Herber-Koln und Knoblauch-Berlin über Rettung?einrichtnngen der Berufsgenosscn- schaften, Schlesinger-Berlin über Berliner Unfallstationen, Dr. Meyer- Berlin über Krankentransport, ferner Graf Lemczau-Wien. Ein Glückwunsch-Telegramm des Ehreu-Vicepräsidentcu des Kongresses,
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Frnchtmarirt jtt Wiesbaden vom 19. Juli. 100 Kilo- ramm Weizen — Mk. — Pf. bis — Mk. — Pf. 100 Kilogramm chggen — Mk. — Pf. bis — Mk. — Pf. 100 Kilogramm Gerste
— Mk. — Pf. bis — Mk. — Pf. 100 Kilogramm Hafer 14 Mk, 80 Pf. bis 15 Mk. 60 Pf. 100 Kilogramm Mchtstroh 2 Mk. 80 Pf. bis 3 Mk. 40 Pf. 100 Kilogramm Heu 4 Mk. 40 Pf. bis 9 Mk.
— Pf. Angefahren warerr: 21 Wagen mit Frucht und 26 Waget mit Heu und Stroh.
Grldmariit. Coursbericht der Frankfurter Effekten- Societät vom 19. Juli, Abends 5*/, Uhr. Credit-Act. 207.—, Disconto - Commandit 175 20, Staatsbahn —, Lombarden —.- Gotthardbahn-Actien 136.— , Centralbahn —, Nordoft- bahn 89.20, Unionbahn —.—, Laurahütte —, Bochum« —.—, Gelsenkirchen —, Harpener —.—. Italiener 92.90, Dresd. Bank , Darmstädter Bank —.—, BerlinerHandels-Gesellschaft —, Deutsche Bank —, 8-proc. Mexikaner —. -, 4-proc. Spanier 72.—, Hibernia —, 3-proc. Portugiesen —.—, Northern Share» —. Tendenz: geschäftslos.
Die Morge«-A»tSrt«ve enthüll 4 KrUn>se«.
«c,antwortlich j»r die RcdaUioin SB. Schulte vom Brühl; sür die Anzcigein g>. B I. Ebern Beide in Wiesbaden. Rotationspresftndruck und Verlag der L. Schelle nbera'iche» Los>Bnchdrnckerei in Wiesbaden.
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(Nach dem Frankfurter Oeffentlichfm Rörsen-Oonrsblatt.) Frankf. HnnO-I
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Amsterdam Antwerpen-Brüssel . Italien
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20-Franken-Stücke Dollars in Gold . .
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Engl. Sovereigns . .
Russ. Banknoten •
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* bedeutet ohne Zinsen. Compt.-Not. Dchschn. Coure. Ultimo-Notir. erster Cours.
16.31
4.18
9.60
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4.17
81.40 84.25
