No. 328. 48. Jahrgang.
Verlag: Panggasse 27 .
In der Nahe bonNurtlingc„ wurde ein Lnst »iordversnch an einem 6-jährigcn Sfunbeu und einem 8-jährige» Mädchen verübt. Da« Mädchen ist schwer verwundet in die Tübinger Klinik geschasst worden. Der Thäter, ein 20-jähriger Strolchj ist noch nicht verhaftet.
Bei einem auf der kleinen Insel U st bei Stavanger veranstalteten Waldfest, an dem mehrere Hundert Personen theil- nahmcn, brach ein provisorisch hergestelltcr Landungssteg ein, wodurch die darauf befindlichen Personen ins Wasser stürzten. Bisher wurden acht Leiche» aufgefunden. Man hofft, daß nicht mehr ertrunken sind.
Der Papst hat, obgleich ihm sein Leibarzt nach eine weitere Bettruhe anrieth, am Sonntag in St. Peter der Seligsprechung zweier Italiener beigewohnt, die in China den Märtyrertod erlitten. Etwa 80.000 Personen waren zugegen. Der Papst erhob sich in ver Sänfte, um den Anwesenden den Segen zu crtheilen.
In Paris hat die Hitze einen^ungcwohnlichcn Grad erreicht. Am Montag wurden 20 Fälle von Sonnenstich gemeldet.
D amen kleid er aus Stroh find das Neueste in Paris. Gegenwärtig ist im Palais des Tifins in Paris ein Kleid aus Stroh ausgestellt, welches das Interesse der Damen im höchsten Grade erregt. Ein Mitarbeiter des „Figaro" erbat sich vom Erfinder dieser Neuheit, dem jungen Schneider Schnbatz, de» er in hinein Atelier anfsnchtc, nähere Miitbeilungcn. Dieser zeigte ihm sin eben gefertigtes spanisches Jäckchen, einen sogenannten Bolero, !>on elegantester Form und großer Schmiegsamkeit. Der „Künstler" erklärte hieraus, wie er auf die Idee gekommen war. „Das Ltroh," sagte er, „ist ungemein leicht zu verarbeiten und ninunt jede Form an, die man ihm zu geben wünscht. Wir haben längst den Strohhilt, warum sollte man ans demselben Material nicht auch ein vollständiges Kleid fertigen könnend Ich machte mich an die Arbeit, und es gelang." Alsdann zeigte Herr Schnbatz seinem Besucher eine ganze Reihe aus Stroh gefertigter Damcnkleider, deren glückliche Besitzerinnen zweifellos noch in dieser Saison Furore damit machen werden.
Ein Automobil Unfall fand am Freitag zwischen Amboise und Tours statt. Infolge einer Schraubenlösnng schlug der Wagen nm und die Insasse», ein Belgier und seine Frau, wurden sofort getödtet.
Wie aus Tiflis vom 12. Juli gemeldet wird, hat ein Erdbeben !m Gebiete von Kars fünf Ortschaften und in der Nachbarschaft des Kagysmanbczirks mehrere Kirchen und viele Wohngebäude zerstört. Nach den bisherigen Feststellungen sind sechs Personen getödtet und nenn verwundet worden. Die Boden- xrschütteruiigcn dauern fort.
Der Aufstand in China.
Wer trägt die Schuld?
AngefichtZ der großen Blutopfer, welche die Fremden bereits in China gebracht haben und noch bringen werden, ist natürlich die Frage aufgeworfen, wer an den Wirren Mitschuldig ist, und da sind, wie wir wiederholt hervorgehoben haben, von Kennern chinesischer Verhältnisse^ die Missionare in die erste Reihe der Mitschuldigen gestellt worden. Die „Köln. Volksztg." versucht nun, wenigstens die deutschen Missionare soviel als möglich zu entlasten. Nachdem sie angeführt hat, wie die deutsche Regierung, welche schon lange bestrebt war, die vorher unter dem französischen Protektorat stehenden Christen in Schantung unter deutsches Protektorat zu bringen, dem Apostolischen Vikar bon Südschantung, Msgr. Anzer, die Ucbernahme des Protektorats durch das Deutsche Reich angeboren und wie daun nach der Ermordung der deutschen Missionare Ries und Henle am 1. November 1897 der gerade in Steyl weilende
Wiesbadener TaMatt (Morgen-AuSgahe)
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Bischof Anzer den Schutz des Protektors angerufen hatte, bemerkt die „Köln. Volksztg." wörtlich:
Inzwischen batte sich da« Auswärtige Amt — wir schildern hier auf Grund unserer durchaus genauen Kenntniß dieser Dinge — telegraphisch an den damaligen Gesandten des Deutschen Reiches in Peking, Frhrn. v. Heyking, gewandt und ihn um Vorschläge ersucht welche Geuugtbuung in Ausübung des Protektorates von der chinesischen Regierung für die Ermordung der beiden
Missionare verlangt werden solle. Dem Gesandten war nun bekannt, daß die Regierung seit Langem dahin strebte, gleich England in China an einem Punkte festen Fuß zu fassen, um für die Interessen des deutschen Handels und der
deutschen Industrie einen sicheren Punkt zu gewinnen. Die
Vorschläge de« Gesandten kamen infolge dessen diesen Be
strebungen entgegen und bestanden in Folgendem: Abgesehen von einer zu verlangenden baaren Entschädigung für die Mission, solle man zur Verhütung weiterer Gcwaltthaten einen chinesischen Hafen beschlagnabmen. Herr v. Heyking empfahl als solchen einen kleinen Hasen im Süden Clnnas, in der Nähe von Amoy, wenn wir nicht irre». Bezüglich dieser Vorschläge fragte man nun den in Berlin eingetroffencn Bischof um seine Ansicht. Er erklärte sich zur Beantwortung bereit, aber »ntcrdem ausdrücklichen Vorbehalt,daß er dies nur als deutscher Privatmann, nicht als Missiousoberer thne.
18. Juli l»Oü. Seite 3.
Daraufhin erklärte er ans Grund seiner langjährigen genauen Kenntniß der chinesischen Verhältnisse den Vorschlag des Gesandten für weniger empfehlenswert!) ans drei Gründen: 1. Der empfohlene Hafen im Süden Chinas liege zu nahe dem englischen (Hongkong) und französischen (Tongking) Interessengebiet; 2. der kleine Hafen tauge wenig, weil er ziemlich versandet sei, und 3. für den geplanten Zweck der chinesischen Regierung gegenüber eigne er sich gar nicht, weil die Schantungmisston im Norden Chinas liegt, also auch nur dort eine Lnndbeschlagnahmc Eindruck machen und wirke» könne, wo die Frevclthat geschehen sei. Man war im Auswärtigen Amte nicht geneigt, dieser Ansicht des Bischotes Recht zu geben, weil sie den Vorschlägen des Gesandten zuwiderlief. Die Sache bekam aber eine plötzliche Wendung, als Msgr. Anzer Tags nachher in Audienz vom Kaiser empfangen wurde. Seine Majestät stellte dem Bischof dieselbe Frage und erhielt auch dieselbe Auskunft. Dcr Kaiser sah die Richtigkeit der Gründe sofort ein »nd ersuchte um eine» Vorschlag bezüglich eines geeigneten anderen Hafens in möglichster Nähe des Mijsionsgebietes. Da erst nannte Bischof Anzer den Hafen von Kiautschou. Derselbe empfehle sich auch dadurch, das; in seinem Hiuterlaude die ansbentungsfahigcn Kohlenlager van Poschan, Weihsicn rc. lägen, die er aus eigener Anschauung kenne. Auherdem sei der Hafen von Kiautschou für größere Schiffe der Handelsmarine zu brauchen . . . Um den damaligen Gesandten in Peking, Herrn v. Heyking, nicht ganz im Stiche ' zu lassen, wurde in den alsdann unterm 6. März 1898 zu Stande gekommenen Pachtvertrag zwischen dem Deutschen Reich und China bezüglich Kiautschons die Bestimmung anf- genommcn, daß crstereS das Recht haben folte, einen anderen Hafen gegen Kiautschou cinzutanschen, falls die Verhältnisse sich hier „nicht als passend" Herausstellen sollten. Es war das eine Freundlichkeit für Herrn v. Heyking, weil sein Vorschlag in Berlin nicht an-, genommen worden war. Derselbe trat dann, wie rühmend hervor- geliobc» sei, in durchaus selbstloser Weise auf die Seite des Bischofs und führte die Vertrags- und Entschädigungs-Verhandlungen mit der chinesischen Regierung in so entschiedener Weise und so glatt durch, daß Bischof Anzer sich veranlaßt sah, in seinem vorletzten Neujahrsgruß deni Gesandten den besonderen Dank der Mission öffentlich IN warmen Worten ailsznsprcchen.
Diese Witiheilungen des Kölner Blattes sind richtig.
Bemerkenswerth ist noch, was kürzlich, wie schon mit- getheilt, Bischof Anzer über die Sache schrieb:
Der elfte unb bedeutendste Grund dcr Verfolgung war die Besetzung von Kiautschou. Die Einnahme von Kiautschou war für den chinesischen Nationalstolz eine tiesschmerzenoe Wunde. Die selbstbewußte Sicherheit, mit der die deutschen Truppen auf den Bergen von Tsingtau an Stelle der Drachen-
sahue die deutsche K'ricgsflaage aufpflanzten, wirkte zunächst ganz verblüffend. Die Regierung fühlte den Boden unter den eigenen Füßen schwanken. Die feindlich gesinnten Mandarine wurden entfernt, „enroväcrfreundlich bis znm Strich" war für eine Zeit lang die Parole. Missionare und Christen wurden durchaus gerecht behandelt. Damals durchzogen hie bekannten Reisenden Südschantung und erhielten vielfach falsche Eindrücke von der thotsächlichen Stimmung und den Zuständen Chinas. Daß darauf eine Reaktion eintreten mußte, war voraus- znsehen. Denn die Wunde, welche Kiautschou geschlagen, war noch lange nicht ansgeblutet, Port Arthur, Waiheiwai, die demüthigenden Zcitungsprojckte von einer bevorstehenden Theilung Chinas, Alles das datirtc von Kiautschou.
* * *
wb. Cassel, 17. Juli. Die 7. Compagnie des 2. ostasiatischcn Infanterie-Regiments hat heute Vormittag nach einer feierlichen Ansprache des kommandirenden Generals v. Wittich unter lebhaften Ovationen'der Bevölkerung die hiesige Garnison verlassen.
Posen. 17. Juli. Die für das erste ostasiatisch-- Infanterie- Regiment bestimmten Mannschaften des 5. Armeecorps baden sich heute nach einer begeistert anfgenommcnen Ansprache des Generäl- Majors v. Prittwitz als Vertreter des kommandirenden Generals nach Hammerstei» zur Vornahme der Schießübungen begeben. Die Bürgerschaft brachte den Scheidenden lebhafte Huldigungen dar, als dieselben zum Bahnhof marschirtcn.
wb. London, 17. Juli. Eine Shanghaier Depesche de» „Daily Mail" vom 16. d. M. bezeichnet als eines der ernstesten Merkmale der Lage, daß nach amtlichen chinesischen Quellen es den Boxern nahegelegt wurde, sich nach Süden zu wenden; es heiße, daß sie Tschiughangpo am Große» Kanal znm Zielpunkt von fünf Regimenter» zu machen beabsichtigen, die nach diesem Platze ab- geheu und sich unterwegs ergänzen sollen. Die Depesche meldet ferner, daß in Rintschwang ein ernster Kampf bevorstehc, die Boxer ständen dicht bei der Fremden-Niedcrlassnng, die Russen hätten die Straßen verbarrikadirt und die russischen Bankbeamten hätten Geld und Werthpapicre nach Port Arthur gebracht.
Tnms», 17. Juli setzt worden. _
£d|it Aach richte».
Kumassi ist von Wilcocks Truppen ent-
Uoikswirrvlchaftiichrs.
Koldmovlit. Eoursbericht der Frankfurter Effekten- Societät vom 17. Juli, Abends 50, Uhr. Credii-Act. 208.20, Discoilto-Commaadit 175.50, Staatsbahn 110.20, Lombardei
25.40, Gotthardbahn-Actien 186.—, Centralbahn 141.50, Nordostbahn 89.—, Unionbahn —, Laurahütte —, Bochumer —, Gclsenkirchcn —.—, Harpeuer—.—, Italiener 93.—, DrcSd. Bank 148.30, Darmstädter Bank —, BerlinerHaudels-Gcsellschaft —.—.DeutscheBank —, 3-proc.Mexikaner —. —, 4-proe.Spanier
72.40, Hibernia —.—, 8-proc. Portugiesen —, Northern Share» —. Tendenz: still.
Nervösen
Geschäftliches.
u. chron. Kranken z. Notiz, dass in. Kuren g. Herzerreg., Magenverstimmung, Angst, Zwangsgedanken, Schwäehezust. etc. auch d. Saison in Auerbach. Hessen, stattfinden. Specifisch wirksam bei veralteter Darmträgheit. Prosp. üb. Eigenart u. Erfolge f re j BJr. CSarrliRodt. F66
Di e Morgsu-Aussave enthält 3 Keilage n.
Lccanmiortlich für dir Redaktion: W. Schalle vom Brühl; für die An,eigen: iß.- 3 Gebert; Beide in Wiesbaden. RotalionöpregcndriiS und Verlag der L. Schellenberg-scheu Hdl-BuchdruSerei in Wiesbaden.
©ootr*sbet tk I©$i«t d©s Ta§gis!s 2 tt J5 vom 17» Juli !8fM$
(Nach dem Frankfurter Oeffentlichcn Börsen-Ooursbktt.)
Keichsbank-Disconto 5 °o.
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Pomm.Ll.-A.-B. » Pommer. A.-B. *
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Bad. Präm. Th. 100
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* bedeutet ohne Zinse"- Compt.-Npt. DcUschn. Cours. Ultimo-Notir. erster Cours.
16.36 4.18 9.60
20.36 215.
4.17
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84.25
