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Wiesbadener Taqblatt (Morgen-AnSgabe). «erlag: «anggasse »7.

Seite S. 17. Juli 18««.

Pet r ß hier für schwarze Kröpfer und Kanarienvögel, Herr R. Lange | liier für Perrücken. Herr H. Dörr hier für desgleichen, Herr F. Fr ick-Biebrich für Trommcltanben, Herr Kvnrad Krell hier für Vogelbauer, Herr I. Prätorius für Futterspezialitätcn. Der Besuch der Ausstellung ist hinter deil Erwartungen zurück­geblieben, namentlich hat der gestrige Sonntag sehr enttäuscht. Daran ist nun zweifellos die Hitze schuld gewesen, denn die war so groß. daß die meisten Leute zu Haus blieben und erst die Abendstunden zu einem Ausgang benutzte».

o. Kezlrkvanvschntz. Sitzung vom 16. Znli. (Schluß.) Herr llr. Gebhard hier besitzt auf dem Geisberg eine Thongrube, von welcher ein Tbcil hcruntergebrochcn und das angrenzende Grundstück verschüttet hat. Dadurch bildete sich gleichzeitig eine 2 Meter hohe, senkrechte Stelle, welche weitere Mischungen befürchten läßt. Um denselben vorzubeugen, hat die Feldpolizei dem Herrn 0r. Gebhard aufgcgeben, so viel Erde anzuschütten, daß sich eine angemessene Böschung bilde. Herr Dr. G. hat dagegen Klage erhoben und gegen die angezogene Polizeiverordnuug eingewendct, daß dieselbe hier nicht anwendbar, jedenfalls aber jeder rechtlichen Begründung bar sei. Dieser Einwand wird als unbegründet er­achtet und die Klage abgewicsen. Die Fabrik des Herrn Ohl zn Limburg ist in den Gemarkungen Diez-und Limburg belegen, und daher mußte die Steuer auf beide Gemeinden vertheilt werden. Diez klagt gegen den Vertheilungsmodns, wonach dieses WO Mk. 57 Pf. und Limburg 414 Mk. erhalten soll, und behauptet, daß es zu kurz gekomnien sei. Der Bezirksausschuß beschließt. Beweis zu erheben. Die Klage der Frau F. H. Lußmann zu Frank­furt a. M. gegen den Magistrat (Baupolizei) daselbst wegen Aufhebung einer baupolizeilichen Verfügung, welche der Klägerin die Beseitigung eines Glasdaches ans ihrem Hofe zurAuflage macht, wird abgetviesen, desgleichen diejenige des Herrn Privatiers Heinrich Strenß zu Frankfurt gegen den Magistrat (Baupolizei) daselbst wegen Auf­hebung einer Verfügung betr. Erinnerungen gegen die Ausführung der Neubaues des Klägers Florastraße 17. In der Streitsache der allgemeinen OrtSkrankenkasse zu Homburg v. d. H. gegen die Knappschafts-KrankenkasseHessen-Nassau" zu Köppern wegen Er­satzes von 159 Mk. Unterstützungskosten für den Arbeiter Cb. Becker beschließt das Gericht, über die Dauer der Beschäftigung des B. bei der Firma E. Bartling und den Austritt aus derselben Beweis zn erheben.

Zchnl nach richten. Die diesjährige Generalversammlung derAdolfstiftung zur Ausbildung nassauischer Lehrerwaisen' findet am 2l. August in Grenzhausen statt, woselbst die Verhandlungen an dem genannten Tage Vormittags um 11 Uhr in dem GasthofZum Schützenhaus" beginnen. Ge- nmmte Stiftung bat seit ihrem Bestehen schon in recht segensreicher Weise gewirkt. Damit aber dieselbe in immer weiterem Maße ihrer Aufgabe als Unterstiitzungskasse gerecht werden könne, wird auf der diesjährigen Hauptversammlung der Antrag cingebracht werden, die Mitglicderbeitrcige von 50 Pf. auf 1 Mk. zu erhöhen.

Postsendungen her Angehörigen der mobile» Truppentheile für Gstasten. Für den Postverkehr der nach Ostaflen entsendeten mobilen Truppen des Landheeres und der Marine treten mit dem Tage der Einschiffung im inländischen Hafen folgende Aenderungen ein: Es werden in Privatangelegenheiten der Angehörigen dieser Truppentheile als Gegenstände der Feldpost befördert: gewöhnliche Briefe bis zum Gewicht von 250 Gramm einschließlich und gewöhnliche Postkarten. Die Beförderung der Briefe bis zum Gewicht von 50 Gramm einschließlich und der Post­karten erfolgt portofrei. Für Briefe im Gewicht von mehr als 50 Gramm, sofern sie in Ostasien mit der Feldpost zu befördern find, wird ein Porto von 20 Pf. erhoben. Dieses Porto muß vom Absender bezahlt werden. Unfrankirte oder unzureichend frankirtc portopflichtige Sendungen werden nicht befördert. Die Aufschrift der Sendungen an die Truppen muß enthalten: 1. den VermerkFeldpostbrief", 2. Name, Dienstgrad oder Dienst­stellung des Empfängers, 3. genaue Bezeichnung des Kriegsschiffs oder Truppenthcils, zu dem der Empfänger gehört. Formulare zu Feldpostkartcn an die Truppen werden in kurzer Zeit bei den Post- anstalten und den amtlichen Verkaufsstellen für Postwerthzeichen zum Preise von 5 Pf. für je 10 Stück zum Verkauf gestellt werden. Einstweilen können die gewöhnlichen ungestempelten Postkarten- Formularc Verwendung finden. Die Nachiendung von im Post­wege bezogenen Zeitungen erfolgt gegen Entrichtung einer Umschlag­gebühr, die 30 Pf. für nur einmal wöchentlich oder seltener erscheinende, 60 Pf. für zwei- oder dreimal wöchentlich erscheinende und 1 Mk. 20 Pf. für öfter als dreimal wöchentlich erscheinende Blätter für das Vierteljahr beträgt. Sobald die Verhältnisse es gestatten, wird auf die Zulassung weiterer Arten von Sendungen Bedacht genommen werden. In der Beförderung von Postsendungen der an Bord deutscher Kriegsschiffe befindlichen Militärpersonen durch da« Marine-Postbüreau in Berlin, sowie in den dafür be­stehenden Versendungsbedingungen tritt im Uebrigeu keine Aende- rung ein.

Freimttlige Fenerivehr. Die Mannschaften der frei­willigen Feuerwehr der Saugspritzen - Abtheilungen sind auf Mittwoch, den 18. Juli l. I., und zwar: die Abthcilungen des zweiten und dritten Zuges aufAbeuds 7'/-Uhr und die Abtheilung des vierten Zuges auf Abends 7 Uhr, die Mannschaften der frei­willigen Feuerwehr nachstehender Handspritzeu-Abthcilungen auf Donnerstag, den 19. Juli l. I., und zwar: die Abtheiluugen des zweiten und dritten Zuges Abends 7'/- Uhr, und die Abtheilung des vierten Zuges Abends 7 Uhr, und die Mannschaften der frei­willigen Feuerwehr der Leiter- und Spritzen-Abtheilungen au der oberen Platterstraße auf Donnerstag, den 19. Juli l. I., Abends 7 Uhr, zu Hebungen in Uniform an die Remisen geladen.

gfitr Wirthe. Das Amtsblatt der Königlichen Negierung Hierselbst veröffentlicht in einer Extrabeilage die Polizeiverordnung, betr. Zapf- und Drückvorrichtungen beim öffentlichen Bierausschank.

Kleinhandel mit Kerzen. In: Reichsamt des Innern ist auf Grund vielfacher Anregungen aus dem Handclsstande und aus den Kreisen der Kerzenfabrikantm nach Anhörung von Sach­verständigen der nachstehende vorläufige Entwurf einer in Ans­führung des 8 5, Absatz 1, des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes vom 27. Mai 1896 vom Buudesrath zu erlassenden Bestimmung über den Kleinhandel mit Kerzen aufgestellt worden. ZI. Packungen mit Stearin-, Paraffin- und Komposttions- .'crzen dürfen im Einzclverkchr nur in bestimmten Einheiten des Gewichts und unter Angabe der Gewichtsmenge gewerbsmäßig verkauft oder fcilgehaltcn werden. Z 2. Als Einheiten für das Bruttogewicht der Packungen werden und Kilogramm

zrrgelassen. Z 3. Das Nettogewicht der in den Packungen ent­haltenen Kerzen muß bei einein Bruttogewicht von 500 Gramm mindestens 470 Gramm, von 333V- Gramm mindestens 305 Gramm, von 250 Gramm mindestens 225 Gramm betragen. § 4. Ans der Außenseite der Packungen ist sowohl das Bruttogewicht als das Nettogewicht in leicht erkennbarer Weise anzugeben. Die Angabe ist in Gramm oder in Bruchtheilen vom Kilogramm auszudrücken. § 5. Das Gewicht darf nicht um mehr als 2 pCt. hinter den angegebenen Beträgen zurückblciben. § 6. Diese Verordnung tritt am .. . in Kraft.

Dir Einbrecher, welche Wiesbaden in der letzten Zeit unsicher machten, scheinen den Schauplatz ihrer Thätigkeit nach Biebrich verlegt zu haben. In der Nacht vom Donnerstag zum

Freitag sollen tWrt verschiedene Einbrüche verübt und versucht I worden sein. So drang in der Nhcinblickstraßc ein Dieb in ein Hau» ein und erbeutete dort einen ziemlichen Geldbetrag, er kam dis zu einem Schlafzimmer, eine darin schlafende Dame wurde durch das Geräusch aufgeweckt und schrie nach Hülfe. Ehe solche erschien, war der Dieb bereits verschwunden. Ans einem anderen Hanse wnrden mehrere werthvoüe vlegeiistände gestohlen. Am Freitag Abend wurde ebenfalls versucht, in ein Hans auf der Wiesbadener Allee einzubrechen, der Dieb wurde aber verjagt. Es scheint hier eine gemeinsame Diebesgesellschaft im Spiele zu sein, der hoffentlich bald das Handwerk gelegt wird.

o. Raufereien sind am Sonntag verschiedene zu verzeichnen gewesen. Der große Durst wollte zwar gestillt sein, doch hat der darüber genoffene Alkohol Manchen derart zngesetzt, daß sie ihrer Sinne nicht mehr mächtig waren. In der Faukbnmncnstraße stürzte ein junger Bursche auf eine» Flascheubierfuhrmann und stach demselben, angeblich ohne jeden Grund, in die Hand. Darüber entstand ein großer Menschmanflanf, der sich in die Kirchgasse fortpflanzte und hier noch verstärkte. Es hätte nicht viel ge­fehlt , dann wäre der Mcfferheld, dem sich ein anderer Raufbold anschloß, gelhncht worden. Zwei Schutzmänmr machten dem Skandal dadurch ein Ende, daß sie die Beiden nach der Wache auf dem Michelsberg brachten. In der oberen Röderstraßc wurden die Anwohner gegen 12 Uhr Nachts durch einen Heidenlärm aus dem Schlafe aufgeschreckt. Hier klatschten nur so die Stockschläge, und eine ganze Menge Männer, Weiber und Kinder schrieen wie Be­sessene durcheinander. Auch hier erschien ei» Schutzmann auf dem Plaue, doch dauerte es noch eine ganze Weile, bis sich der auf­geregte Schwarm verlaufen hatte.

o. Dotzheim, 15. Juli. Vor einigen Tagen kehrte ein früherer Einwohner unseres Dorfes, der lange Jahre in Amerika zugebracht hatte, hierher zurück, um sich wieder hier niederzulasfen. Er war vor laugen Jahren von hier ausgewandett und wußte natürlich von seinem Aufenthalt in der neuen Welt viel zu erzählen, sodaß sich der Ruf desAmerikafahrers" rasch im Ort verbreitete. Aber er sollte sich nur kurze Zeit seines Ruhmes freuen. Der Mann war noch nicht lange heimgekehrt, da meldete sich ein Gendarm in seiner Behausung und verhaftete ihn, um ihn als fahnenflüchtig der Militär-Ersatzbehörde zuzusühren. Der Auswanderer hatte nämlich seiner Dienstpflicht noch nicht genügt und hatte auch ver­säumt, sich drüben die amerikanische Staatsangehörigkeit zu eiwerben.

-ss- Kchierstein, 16. Juli. Beim Baden im Rhein an dem jenseitigen Stroinufer ertrank gestern der 16 Jahre alte Arbeiter PH. Eich »er von bier. Die Leiche wurde bereits geländet und in dem hiesigen Leichenhause uiitcrgebrncht. Dies Unglück ereignete sich in der Nähe der Stelle, an der auch vor 2 Jahren drei junge Leute ihren Tod fanden.

-r- Die »Hof, 14. Juli. Heute Mittag gegen 2 Uhr zog ein schweres Gewitter über die hiesige Gegend und dabei schlug der Blitz in die Scheune des Herrn Bürgermeisters Gros dahier Md zündete. Zum Glück konnte das Feuer bald wieder gelöscht werden. Weiter wurde» eine Frau und ein Knabe vom Blitz getroffen und gelähmt. Auch in Wehen erfolgte ein kalter Schlag.

* Aus der Umgebung. Aus Diez gingen 20 Freiwillige vom dortigen Bataillon nach Berlin und von da nach Wilhelms­haven ab, um dann »ach China befördert zu werden. Unter den nach China abgehenden Mannschaften befindet sich auch der Sohn des Herrn StationsvorstehersZerlett aus Elz. In Zollhaus ist seinen Verletzungen erlegender 18-jähr. Wilh. Kurz von Burg­schwa l b a ch, der von einem mit Steine» beladenen Wagen überfahren wurde. Das Städtchen Runkel, Sitz eines Amtsgerichts, Ober- förstcrei und anderen Behörden, birgt in seinen Mauern nur einen Schneider.Am Mittwoch Abend sind in Frankfurt wieder 5 Per­sonen, 2 Frauen und 3 Kinder, die in einem Haus am Wallgraben auf demselben Flur wohnten, als pockenverdächtig ins städttsche Krankenhaus gebracht worden. In Oestrich feierte der bei der Firma Rudolph Kocpp u. Co. beschäftigte Arbeiter Herr Johann Maurer sein 25-jähriges Arbeiter-Jubiläum. In Heiligenroth stürzte der Arbeiter A. Noll von Nomborn von einem Gerüst und zog sich bedenkliche Verletzungen zn. In Dernbach ist Herrn A. Geißler eine Brieftaube zugeflogen. Dieselbe trägt am rechten Fuß einen Ring, gez. 0,578t II 197. Den Eheleuten Anton Schmidt III. in Scheukelberg ist aus Anlaß der am 30. d. M. stattfindenden goldenen Hochzeit vom Kaiser ein Gnadengeschenk von 30 Mark bewilligt worden. In Hofheim hat sich ein beklagcnswetther Unfall in der Familie des Maurers Franz Bender ereignet. Das zweijährige Töchterchen der Familie holte sich nämlich eine auf einem hohen Gestell auf­bewahrte Flasche mit Vitriol, das zum Putzen verwandt werden sollte, herab und trank einen Schluck dieser gefährlichen Flüssigkeit. Dem Kind wurde dadurch der Schlund verbrannt und trotz ärztlicher Hülfe ist es unter qualvollen Schmerzen gestorben. lieber 100 Schneider sind aus dem Bezirk des 18. Armeecorps in Frankfurt a. M. eiugerückt, welche für die Mannschaften, die sich nach China gemeldet haben, die Tropen-Uiüformeu aufertigen. Die Uniformen müssen innerhalb 3 Tagen fertiggestellt sein. Am 18. Juli erfolgt der Ausmarsch der Compagnie nach Wilhelmshaven. In Mainz kam es in der Schnciderwerkstätte der Neuthorkaserne unter den Mannschaften zu einer kleinen Neckerei, die schließlich in Thätlichkeiten ansartete. Ein Soldaten-Schneider sprang auf und ergriff fernen Säbel, rim auf die ihn Neckenden eiuzuhaueu. Ein anderer Soldat, der dies sah, ergriff ein Bügeleisen und warf nach dem Angreifer, den er so unglücklich traf, daß er mit zerbrochenem Schädel niederstürzte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. In Mainz wurde die Familie eines Bierbrauereibesitzers mit dem 29. Kinde beglückt. Mutter und Sprößling befinden sich wohl.

Ans Kunst und Keben.

* Walhalla-Theater. So sehr die Vcntilationseinrichtnngen desWalhalla-Theaters" zu loben sind man kann doch nicht wohl verlangen, daß cs im Saale kühler sei als im Freien, so wurde es denn den Darstellern der OperetteDon Cesar' durch die am Sonntag herrschende tropische Hitze leicht gemacht, uns unter den glühenden Himmel Spaniens zu versetzen. Ob sie diesem Bundes­genossen indes) dankbar waren, ist füglich zu bezweifeln, wenigstens schienen die übrigens recht schönen, zum Theil sogar kostbaren Kostüme das Gegmtheil einer idealen Sommerkleidung zu sein. Auch die stimmlichen Leistungen schien die Hitze nicht eben günstig zu beeinflussen. Allerdings istDon Cesar" eben aus dem Grunde eine der undankbarsten Operetten, weil sie so wenig Gelegenheit zu stimmlichem Hervortreten bietet, bezw. den Neben­rollen einen zu großen Spielraum läßt. Die stimmlich wichtigsten Darsteller des Königs und der Maritana bleiben in den beiden ersten Akten fast unbeschäftigt, und die Nebenrollen waren zum Theil nicht entsprechend besetzt. So bleibt der Gesammteindruck derDon Cesar"-Aufführ>mg beträchlich hinter dem denArmen Jonathan" und desObersteigers" zurück. Nichtsdestoweniger wurde im Einzelnen recht Lobenswerthes geleistet. Herr Haber- felder, der in den ersten Tagen des Gastspiels an einer Indisposition zu leiden schien, erfreute als König durch den un- gettübtcn Glanz seiner prächtigen Tenorstimme, und auch Fräulein Groß ko Pf war als Sängerin wie als Schauspielerin ganz auf der

48. Jahrgang, »o. 3J«;

Höhe ihrerHarnet", mit der sie sich neulich so vortheilhast emführte. Im Mittelpunkte ocr Operette und des Jntereffes stand Herr Direktor Maxwell als Don Cesar. Die Rolle ist ein seltsames Gemisch von landskncchthaft-derbem Heroismus und von armem Teufel, sie vereint also zwei ganz entgegengesetzte Charaktere. Herr Maxivelt wurde schauspielerisch beiden gerecht, er verblüffte auch in stimmlicher Beziehung, aber da, wo die Rolle fast einen Heldenteuor erheischt, reichten seine Mittel doch nicht völlig aus. Fräulein Calliano war eilt schmuckes Pueblo Escudero. Köstlich wie immer war Herr Nothmann, der als Don Onofrio wieder einige neue aktuelle Couplerstrophm ,um Besten gab, und Herr Morvah, d-r als Atetta zum ersten Mal in die Lage kam, sein drastisch-komische» Talent im besten Lichte zu zeigen. Die so verdienstvolle komische Alte, Frau EckertSberg, wußte diesmal mit ihrer Rolle als Donna Uraca nichts Rechtes anznsangen. Die Rolle ist zu wenig komisch, und Frau Eckertsberg sah doch wohl etwas zn alt aus. Das uusanglich« Lied von den Männern vermochte sie trotz dem bekannten Refrain:Ja, so ein Mann kann reizend sein", nicht zur Geltung zu bringen. Herr Schmidt ist wohl ein guter Schauspieler, aber die Rolle des Do» Fcruandez erfordert eine tüchtige, gesangliche Kraft. Ein Gleiches gilt auch von dem Hauptmann Martinez des Herrn Fleißncr, wenngleich dies nur eine kleine Nebenrolle ist. Der Chor hielt sich recht gut. Nach den votangegangenen Aufführungen glaubte» wir, den kritischen Maßstab einer vollwerthigen, erstklassigen Operette anlcgeu zu sollen. Trotz obiger Einschränkuugcn bestätigt auch diese minder gelungene Aufführung unser früheres Urtheil. So scheint denn dasWalhalla-Tl>eater berufen, während derFericn der anderen Theater einen sehr schätzcnswerthen Ersatz, besonders für unser Familienpubtikum, zu bieten. Jedenfalls sollte die Hitze Niemand hindern, das freundliche Theater aufzusuchen, da die Temperatur stets eine angenehme ist. kt.

* Verschiedene Miithrilnnge». HalbesJugend" ist in Dresden auch in der vom Residenz-Theater neuerdings ein­gereichten Bühnenfassung von der Krcishauptmannschaft verboten worden.

Das Dresdener Schauspielhaus plant fürdcnBeginn der nächsten Saison einen Gr il lpa rzer-Cyklns, der mit dem dramatischen MärchenDer Traum ein Leben" am 8. September seinen Anfang nehmen soll.

Am 24. und 25. Augustd.Js.wird in Dresden der zweite Kongreß der selbstündi gen Krankenpfl eg er,Masseure und tzeilgehülfen Deutschlands stattfinden.

Eine Dante-Feier veranstaltete die Dramatische Gesellschaft Bonn am 10. Juli in Erinnerung au den von Dante selbst in das Jahr 1300 gelegten Beginn seiner Wanderung durch das Jenseits.

Pietro Mascagni hat sich mit der Gemeindeverwaltung von Pesaro ausgesöhnt nnd die Leitung des Konservatoriums Rossini von Neuem übernommen.

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Aus Kadern und Sommerfrischen.

Kad Homburg, 15. Juli. Ein Rückblick auf die Früh­saison zeigt wiederum einen Fortschritt gegen das Vorjahr. Mit einer einzigen geringfügigen Ausnahme haben sich die Betriebs- ergebniffe in allen Abtheiluugen der Kurverwaltung erhöht. Im Kaiser WilhelmS-Bad, dessen Einnahmen von 1897 auf 1899 um 54 pCt. (I) gestiegen waren, hat sich bis Ende Juni d. I. eine nochmalige Steigerung um 16 pCt. gegen Ende Juni 1899 heraus- gestellt. Die Steigerung eine direkte Folge der mit großen Kosten unternommenen Erschließung neuer und Sauiruug alter Quellen kann natürlich nicht im gleichen Maß weitergehen, da dem Badebetrieb infolge der räumlichen Verhältnisse des Kaiser Wilhelms-Bades gewisse Grenzen gesteckt sind. Es besteht nicht die Absicht, diese Grenzen in absehbarer Zeit zu erweitern; vielmehr erachtet man es als im Interesse unseres Platzes liegend, wenn demselben sein etwasexclusiver" Charakter als vor­nehmes Heilbad erhalten bleibt. Homburg ist durch seinen groß­artigen Park, seine Höhenlage direkt am Gebirge, seine klimatischen Verhältnisse und sein außerordentlich gehaltreiches Badcwasser zu dieser Sonderstellung förmlich prädestinirt, und es besitzt außerdem im Elisabethbrunnen eine der berühmtesten Trinkqnellen der Welt, von der Justus v. Liebig sagt:Es möchte in Deutschland wohl schwer sein, ein Mineralwasser zu finden, welches gleichen Reichthum an wirksamen Bestandtheilen mit demHomburger Elisabethenwasser darzubicten vermöchte." Der Eintritt der Hochsaison ist durch das nnfrenndlichc Wetter zn Beginn dieses Monats etwas verzögert worden; indessen beginnt sich das Geschäft jetzt lebhafter zu ge­stalten. Die Fremdenstatistik weist im Augenblick ein Plus von ca. 300 Personen gegen dieselbe Zeit des Vorjahres auf.

Kleine Chronik.

Aus Nürnberg schreibt derFranks. Ztg." ein Leser: Im Korridor eines hiesigen Hotels fand dieser Tage ein Hotelgast ein Päckchen, enthaltend 20,000 Mk. in Checks. Hocherfreut über den in Aussicht stehenden Finderlohn dämmte er sofort das Hotelpersonal es war 5 Uhr Früh und mit deffen Hülfe wurde als Eigen- thümer des wcrthvollen Objekts ein ebenfalls im Hause wohnender Amerikaner festgestellt. Die Enttäuschung des ehrlichen Finders war aber groß, als der Verlierer ihm als Finderloh» den ganzen Fund anbot. Die Checks waren nämlich durchwegs Duplikate und vollständig werthlos.

In derKreuzzeitnng" finden wir folgendes Inserat:Gesucht 1. Oktober nnverheiratheter, älterer, ev. hcrrschaftl. Diener mit nur besten Zeugnissen. Schnurrbart nicht erlaubt." Warum soll der Diener keinen Schnurrbart tragen dürfen?

Der auf der Geracrhütte am Brenner an Gehirnentzündung erkrankte Hauptmann Müller aus Dresden ist jetzt gestorben. Seine erst 13-jährige Wittwe, mit der er sich ans der Hochzeitsreise befand, mußte ans der Hütte herabgctragen werden.

Auf der Pariser Weltausstellung ist die Veröffentlichung der Prämierungen erst in ein paar Wochen zu erwarten. Die Franzosen verfügen in den Grnppenjurys über zwei Drittel der Stimmen, und eine fremdcNation selten mehr als über eine einzige Stimme.

Im großen Palast der Weltausstellung wurden zwei Schachteln mit je 400 Gramm Sprengpulver entdeckt. Man vermuthet, daß diese im Laufe der Ansstellungsarbeiten gestohlen und W den Dieben int Keller versteckt worden sind, um sie später zu holen. _ __

Der Aufstand in China.

vd. Darmstadt, 16. Juki. Der Grobherzog besichtigte gestern Mittag die nach China kommandirten Mann­schaften. Vor der Abfahrt hielt der Großherzog, wie dieDarm­städter Zeitung" meldet, folgende Ansprache an dieselben: Kameraden! Bei Eurer Abreise zum ostasiatischen Corps bin ich gekommen, uin Euch ttoch cittmal zu selten. Ihr geht zu einem ernsten Kamvfe. Zeigt Euch als echte Soldatm. gute Deutsche und treue Heffm, damit ivir, wenn Ihr zttrückkommt, stolz auf Eure Hessentrene sein können. Herzlich sage ich Euch Lebewohl, ans Wiedersehen! Gleichwie beim Diensteiutritt Euer erstes Hurrah