®eite 2. 16 J«li ISttO. Wiesbadener Tagblatt iAbeud-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27. 48. Jahrgang. No. 82&
See heute möglich wäre, hat Deutschland durch die Person seines Kaisers Einfluß bei den anderen Völkern. Sein Wort: Eroberung Pekings und Diktirung des Friedens! hat der gemeinsamen Arbeit der verbündeten Nationen das nächste deutlich erkennbare Ziel gewiesen. Durch das Angebot, für jeden geretteten Ausländer eine hohe Prämie zu zahlen, hat er sich dem Orientalen gegenüber als erster Schützer Gesammteuropar dokumentirt. Und durch das Programm: „daß künftig anf dem Ocean und jenseits von ihm ohne Deutschland nnd ohne den deutschen Kaiser keine große Entscheidung mehr fallen darf", hat er deutlich zum Ausdruck gebracht, daß er seine Stellung kennt und st- sich und seinem Land erhalten will. Mau braucht nicht an dem Wort heruuizunörgeln und Abenteurerpolitik dahinter zu suchen. Es ist der einfache und klare Ausdruck dessen, daß Deutschland aus dein Nahmen rein kontinentaler Politik endgültig htnauSgetreten ist. — Zn dieser Stellung des Kaisers aber liegt auch eine große Gefahr, die Gefahr, Alles allein thun zu wollen auch innerhalb des Volks. Nichts ist dem freudigen Patriotismus eines gebildeten Volkes gefährlicher, als wenn der Anschein entsteht, als sollte es in ernster Stunde nicht gefragt werden, als sei es noch ein Haufe von „llnterthancn" ohne eigenen Willen. Wer Patriotismus des Volkes will, muß auch die Rechte des Volkes achten! Darum verlangen auch wir mit allen liberalen Parteien, daß jetzt der Reichstag zusammenberufen werde, um ordnungsgemäß die Geldmittel zu bewilligen, die zum Krieg nölhig sind.
* Urne» von Ktnmm. Man macht auf eine Acußerung aufmerksam, die Frhr. v. Stumm anläßlich der Moselkaualisirung in der Saarbrücker Handelskammer gethan habe. In Nr. 152 der „St. Joh.-Saarbr. Volksztg." heißt es in dem Bericht über die Stumm'sche Mittheilung: „Für ihn sei es ein Leichtes, den Schwerpunkt seines Geschäfts an die Saar oder Mosel zu legen; Brebach und Dillingcu lägen ja bereits au der Saar." Hat sich Herr v. Stumm wirklich so geäußert, so wäre das ja recht interessant. Als die hohen Gewinne bekannt wurden, die Krupp und Stumm an den Nickclstahlpanzerplatten auf Kosten der Steuerzahler nehmen, und als hierüber alle Welt in peinliches Erstaunen geriet!,, da ließ Frhr. v. Stumm kaltblütig erklären, die Dillinger Hütte gehe ihn nichts an. er sei nicht einmal Anfsichtsrath. Jetzt aber, wo er wegen der Moselkanalisirung einen Druck auf „seine" Handelskammer ausübrn will, und deshalb mit der Verlegung feines Geschäftes droht, da gehört die Dillinger Hütte plötzlich wieder zum Ganzen.
* Da» deutsch-amerikanische Abkommen. Der „Reichs- Anzeiger" schreibt: Das handelspolitische Verhältuiß Deutschlands zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika entbehrte bisher der erforderlichen Gleichmäßigkeit in der gegenseitigen Behandlung beider Theile. Nach längeren Verhandlungen ist es jetzt gelungen, diese Ungleichheit zu beseitigen. Durch eine Proklamation vom 13. Juli hat der Präsident der Vereinigten Staaten diejenigen Zoll- rrmäßigungen, welche an Frankreich, Italien nnd Portugal gewährt werden, mit der alleinigen Ausgabe der für portugiesische Schauinweine zugestandenen nnd auch von Frankreich und Italien nicht erlangten Vergünstigung auf die Einfuhr aus Deutschland für anwendbar erklärt, wogegen deutscherseits auf die amerikanische Einfuhr, wie bisher, der aus den Verträgen mit Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien, Rumänien, Rußland, Serbien und der Schweiz sich ergebende Konventionaltarif angewendet werden wird. Es darf mit Befriedigung begrüßt werden, daß auf diese Weise ein Anlaß zur handelspolitischen Verstimmung zwischen beiden großen, in lebhaftem Waarenaustausch miteinander stehenden Ländern aus der Welt geschafft und eine Grundlage zu weiterer wirthschaftlichcr An- Nqherung hcrgestellt ist.
Der Anfstaud tn China.
Die Vorgänge tn China.
hd. Kerstin, 14. Juli. Die Nachrichten aus China gehen an hiesiger amtlicher Stelle außerordentlich spärlich ein. Das liegt daran, daß der Verkehr sehr erschwert ist. Die Telegramme müssen entweder per Schiff von Tientsin nach Taku oder durch Japan gehen. Andererseits liegt die Befürchtung nahe, daß thatfachlich Niemand mehr da ist, der eine zuverlässige Nachricht senden könnte. Die englische Meldung, nach welcher am 6. Juli sämmtliche Europäer niedergemetzelt seien, scheint sich zu bestätigen.
Kerlin, 16. Juli. (Privat-Telegramm des „Wiesbadener Tagblatt"). Das „Büreau Reuter" meldet aus Shanghai, 18. Juiir Eine amtliche Depesche des Gouverneurs von Schantung besagt r Di« Geschütze der Chinese» legten Bresche in die Mauern der Gcsandt- schasten. Nach heroischer Bcrtheidigung und nachdem di« Munition erschöpft war, «vurde» all« Ausländer getödtct.
stä. Koltdoit, 14. Juli. Der chinesische Gesandte in Washington, Wutingfang, der noch vorgestern den Auftrag zur Herstellung einer direkten Verbindung mit dem amerikanischen Gesandten in Peking übernahm, hält die Meldung von der Niedermetzelung der Fremden für wahr. Er erblickt, nach Washingtoner Telegrammen, in der Eifersucht der Mächte die einzige Ursache dafür, daß man den Legationen in Peking und damit auch der auf ihren Sckutz bedachten legitimen Negierung noch nicht zu Hülfe gekommen sei, und findet damit die Zustimmung der hiesigen, dem Auswärtigen Amt nahestehenden Kreise. — Der „Standard" meint, es liege manches Wahre in dieser Ansicht. Das internationale Konzert hat sich durch das Hinzutreten Aimrikas und Japans noch komplicirter gestaltet, und es ist nur zu wahrscheinlich, daß sich das Fiasko der vereinigten Mächte in der Kretafrage jetzt in größerem Maßstab und zu größerem Unheil wiederholt.
t>ä. London, 16. Juli. Der Berichterstatter der „Daily Mail" in Shanghai telegraphirt: Ich bedauere, die schon gemeldete Niedermetzelung aller Fremden in Peking am 6. und 7. Juli bestätigen zu müssen. Ich bin nunmehr im Besitz der amtlichen Bestätigung dieser Nachricht. Ich weiß aus positiv sicherer Quelle, daß Prinz Tsching niemals die günstigen Nachrichten erhalten hat, die er durch den englischen Vertreter in Shanghai verbreiten ließ. Am 6. Juli rückten die europäischen Truppen aus der englischen Gesandtschaft vor nnd lieferten den Belagerern einen blutigen Kampf, in welchem mehr als hundert Boxer getödtet wurden. Am 7. Juli ließ der General Fnhsiang zwei große Geschütze vor der Gesandtschaft auffahren und Bresche in das befestigte Gesandtschaftsgebäude schießen. Mit Sonnenaufgang war die Munition der Belagerten erschöpft. Trotzdem kämpften die Europäer Mann für Mann bis zum Aenßersten. Sie unterlagen schließlich und wurden auf die grausamste Weise umgcbracht.
wb. London, 15. Juli. Das „Reuter'sche Büreau" meldet aus Shanghai vom 13. ds.: In Mongpo kam es zu ernsten Unruhen. Die dortige katholische Mission ist niedergebrannt. Einzelheiten fehlen noch. Der Dampfer „Peking" ist heute in See Mangen. — Nach einem Telegramm des „Reuter'fchen Büreaus"
aus Tschifu vom 10. ds. liegen dort Depeschen aus Tientsin vor, welche auf die Ereignisse vom 6., 7. und 8. ds. sich beziehen. Die Zahl der Chinesen wächst beständig, ebenso nimmt ihre Verwegenheit zu. Sie schließen die Stadt täglich enger ein. Durch ihr Feuer sind viele Gebäude in Trümmer gelegt, darunter der Gasbehälter. Nachdem die Engländer nnd Amerikaner in der Nacht vom 6. auf 7. ds. erfolglos den Versuch machten, ein Geschütz der Chinesen zu nehmen, machten letztere einen Angriff auf die Fremdenniederlassung, wurden jedoch von den Japanern zucückgeworfcn. Am 7. ds. wurde das Bombardement Seitens der Chinesen von mehreren Punkten wieder anfgenommcn. Eine Granate fiel ins Lager der britische» Marine-Mannschaften und tödtete und verwundete je zwei Mann. Das Artillerie-Gefecht dauerte noch am 8. d. fort, als die Depeschen abgingen. — Das „Reuter'sche Büreau" meldet aus Io ko Haina vom 13. d.: Der chinesische Gesandte in Tokio stattete beut Minister des Aeußeru einen Besuch ab und theilte demselben eine Depesche mit, die, wie er sagte, die erste sei, die ihm seit Beginn der Unruhen aus Peking zugegangcn sei. Diese Depesche besagt, die Ermordung des deutschen Gesandten und anderer Ausländer sei die Folge der Ereignisse in Taku und der Entsendung der Expedition Seymoms gewesen. Die Regierung thue jetzt, was in ihren Kräften stehe, um die Fremden in Peking zu schützen.
wb. $9ftcr»{nu*g, 15. Juli. (Meldung der Telegr.-Agcntur.) Die „Handels- und Industrie-Zeitung" meldet: Die Eisenbahnlinie nördlich von Niutschwan wird von Boxern und mit ihnen verbündeten Truppen in einer Stärke von etwa 40,000 Mann bedroht. Die Schntzmannschaft genügt nicht zur Vertheidignng der Bahn, die bereits an mehreren Punkten zerstört ist. Die Aufrührer erschiene» sogar bei Niutschwan, welches von Kosaken und Artillerie vertheidigt wird. Der Telegraph zwischen Wladiwostok und Port Arthur ist zerstört. — Wie aus Tschifu gerüchtweise verlautet, ist Admiral Stöffel in Tientsin von dem chinesischen Oberbefehlshaber anfgesordcrt worden, binnen einer Woche Tientsin und Taku zu räumen. Stöffel habe geantwortet, er habe kein Recht, mit Rebellen zu verhandeln. — Das Rothe Kreuz entsandte Acrzte und barmherzige Schwestern, sowie ein Lazareth mit 200 Betten über Odessa nach Ostasien.
bd. Kevlin, 16. Juli. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus London: Die Fremdenkolonie von Wenchow, einem Vertrags- Hafen,^ ist wohlbehalten in Shanghai angekommen. Der japanische Gesandte in London sagte einem Interviewer, er befürchte die Ausbreitung des Ausstandes der Boxer über ganz China, und zwar trotz des Eintreffens der Truppen der Mächte.
wb. 15. Jn!i. Wie die „Agenci Stefani" ans
Shanghai vom 15. Jnli meldet, berichtet der dortige italienische Konsul, daß die italienische Mission in Hunan zerstört und der Bischof Zopaci Fantosati, sowie 2 Missionare getödtet worden seien. Auch die Missionen in den Provinzen Honan und Hupe sollen überfallen worden sein.
hd. Wien, 15. Juli. Nach einer an eine hiesige Exportfirma gelangten Depesche ans Shanghai sind daselbst ernste Unruhen nicht zu befürchten...
wb. Futsch au, 15. Jnli. (Reuter-Meldung.) Der Vicekönig und ein Tartareugencral haben heute ein Abkommen mit allen fremden Konsuln unterzeichnet, wodurch sie sich verpflichten, Leben und Eigcnthum der Ausländer zu schützen.
hd. Kerlin, 16. Juli. Die Gegeii-Revolution unter Prinz Tsching macht zwar Fortschritte, doch bleibt vorläufig Tuan Herr der Situation.
Der Kampf um Tientsin.
hd. London, 14. Juli. In Tientsin hat sich die Lage auch durch das Eintreffen erheblicher englischer und anierikanifcher Verstärkungen nickt gebessert. Die fremden Niedcrtassunqen bilden nur noch ein großes Trümmerfeld. Der Peiho unterhalb Tientsin ist nicht mehr schiffbar, weil ihn die Chinesen oberhalb zur Herbeiführung von Ueberschweminnngen in der Umgegend von Peking ab- gedämmt haben. In der Stadt selbst werden die vereinigten Kontingente mehr und mehr in die Enge getrieben. Am 8. Jnli montirtcn die Chinesen 6 Geschütze auf dem Platze des Hauses des früheren Zc Inspektors Detring und sechs weitere bei einer englischen Villa. Von da begannen sic ein höchst verderbliches Bombardement auf die Fremde». Gleichzeitig unterhielten sie von der den fremden Truppen abgeuommcnen Tcmperancc Hall ein nur allzu wirksames Gewchrfener. lieber dem Hauptquartier des Obersten Deward explodirten in wenigen Stunden 15 Granaten, die einen der Vertheidiger tödtete« und 9 verwundeten. Der Korrespondent des „Daily Expreß" erklärt in einem am 9. ds. aufgegebcnen Telegramm: Für heute ist ein General-Angriff auf die Chiuesenstadt geplant. Hoffentlich scheitert er nicht wieder in elfter Stunde an einer Meimingsverschiedciiheit unter den leitenden Offizieren über die Regelung des militärischen Vortritts.
wb. London, 15. Juli. (Reuter-Meldung.) Amtliche Depeschen des Admirals Seymour ans Tientsin sind eingegangen. Die erste, datirt vom 9. d. M„ besagt: Die feindliche Stellung südwestlich der Frciudennicderlassung wurde kutc Früh 4 Uhr' angegriffen. Die Japaner vertrieben den Feind durch einen Flankenangriff und nahmen vier Geschütze. Kavallerie verfolgte den Feind, vervollständigte die Niederlage und tödtete viele Soldaten utib Boxer. Die verbündeten Truppen bombardirtcn und nahmen das westliche Arsenal und erbeuteten zwei Geschütze und verbrannten das Arsenal, da sie es nicht halten können. Der Feind verlor 350Todle, die verbündeten Truppen hatten geringe Verluste. — Die zweite Depesche, datirt von, 12. d., lautet: Die Chinesen griffen gestern Früh, 3 Uhr, energisch die Bahnstation niit großer Truppenmacht an und wurden schließlich gegen 6 Uhr zurückgeworfen. Die Verbündeten verloren über 40 Todte und Verwundete. Die Verluste der Chinesen sind unbekannt, nian glaubt aber, daß sie schwer sind. Nachmittags wurden die Forts von Engländern und Franzosen bombardirt. Ein Fort und eine als Signalthurin gebrauchte Pagode wurden zerstört. — 1500 Amerikaner sind hier eingetroffen.
hd. Kerlin, 16. Juli. Die „Deutsche Warte" erhielt aus Tschifu vom 13. Jrüi ein Kabel-Telegramm über London, wonach di« Admirale in Tientsin melden, die Hauptgefahr erscheine abgewendet, sofern weitere Verstärkungen nicht warten lassen. Unsere Stellenden sind schwierig infolge der überlegenen Artillerie des Feindes. Trotzdem nahmen die Japaner am Montag Früti die feindlichen Stellungen zwischen der Chincsen-Stadt und der Bahnstation. Nachmittags besetzten die deutschen Truppen und die Amerikaner das Feld-Arsenal, wobei drei Angriffe des Feindes zurückgewiesen wurden, mußten aber am Abend das Arsenal unter dem überlegenen Feiner der chinesischen Bntierieen wieder räumen und setzten es ist Brand. Am Mittwoch bei Tagesanbruch griff die chinesische Stirn-Kolonne die wieder besetzte Bahnstation an, wurde jedoch zurückgcschiagen. Die Chinesen haben furchtbare Verluste erlitten. Nachmittags wurden sie über den Peiho zurückgetrieben und gezwungen, das letztere Ufer zu räumen, welches englische Schisfsgeschütze beschossen. Die Verluste der Chinesen werden auf 800 Todte und Tausende von Verwundeten geschätzt. Wir erbeuteten 6 Geschütze. Unsere Verluste an beiden Tagen betragen 200 Todte und Verwundete.
hd. London, 16.Juli. Ein Telegramm aus Tientsin vom 10. d. M. meldet, daß ein Vorstoß der verbündeten Truppen gegen die chinesischen Belagerungstruppen infolge des Ausbruchs v on
Sdiwierigkeiten bezüglich des Oberbefehls nicht stattfinden konnte. Bis zmn 10. d. M. hatten die Chinesen hundert Granaten auf die europäischen Truppen abgeschossen.
Die Rüstung«,» der Möchte, hd. Genna, 14. Juli. Mit Bewilligung der italienischen Regierung treffen hier demnächst dcnlschc Genietruppen uiidArtillerie, eine Abthetliing von im Ganzen 1408 Mann, behufs Einschiffung nach China ein.
hd. Wien, 15. Juli. Wie aus Petersburg gemeldet wird, »wirb dort die Meldung über einen angeblichen Vormarsch von 30,000 Russen von Norden her gegen Peking offiziell dcmcntirt.
wb. Washington, 15. Juli. Einem Kabel-Telegramm des Admirals Remay aus Tschifu vom 14. d. zufolge, sind dort gestern 3 japanische Transportschiffe angekommen. Sie landeten ein Marine-Regiment, Lebensmittel, Feldgeschütze und Munition. Weiter wird i» dem Telegramm gemeldet, daß die Chinesen bei zwei die Flußverbindnng mit Tientsin beherrschenden Stellungen geschlagen sei» sollen. Man hält die Depesche in Washington für ermuthigcnd, da von einer Niedermetzelung der Ausländer in Peking keine Rede sei.
wb. Rom, 15. Jitli. Wie die Blätter melden, wird sich der König Humbcrt nach Neapel begeben, um die nach China gehenden Truppen vor ihrer Abreise zu begrüßen.
hd. London, 14. Jnli. Nach einem Telegramm aus Washington verhandeln die Mächte über die Legung eines neuen internationalen Kabels, um eine schnellere Ucbermittlung der Nachrichten aus China-zu ermöglichen. Eventuell soll das im Bau begriffene ainerikanisch-philippinischc Kabel nach China abgelcnkt werden.
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hd. Paris, 15. Juli. Wie verlautet, wird in hiesigen Rcgierungstrcisen der Plan erwogen, anf die chinesischen Gesandten, welche von den Vorgängen in Peking unterrichtet sein sollen, einen energischen Druck auszuübcn, damit man endgültig erfährt, was mit den europäischen Gesandten in Peking geschehen ist.
hd. Mir», 16. Juli. In hiesigen diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß, falls es sich bestätigen sollte, daß der chinesische Obcr-Konimandant den General Stöffel anfgesordcrt habe, Tientsin nnd Takn zu räumen, demnächst nichts Anderes übrig bleibe, als den offenen Kriegszustand in China zu erklären.
hd. Kerlin, 14. Jnli. Die von einigen Blättern gebrachte Nachricht, daß die Bestellungen anf Eisenbahn- und Brückcubau- Matcrial für die in Errichtung begriffene deutsche Eisenbahn in Schantung ans Anlaß der gegenwärtigen Unruhen in China zurückgezogen worden seien, ist, wie der „Nat.-Ztg." die Schantung- Eisciibahn-Gcscllschaft mittheilt, vollständig ans der Luft gegriffen. Die Gesellschaft habe im Gcgcntheil, um den Ban der ersten Strecke von Tsintau in das Hinterland der Provinz Schantung zu beschleunige», alle Maßregeln getroffen, um das zur Vollendung der ersten hundert Kilometer nothwendige Betriebsmaterial so schnell als möglich nach China zu befördern.-
Wo ist die chinesische Flotte? Auffallender Weise wird in keiner einzigen Meldung aus China auch nur angedeutct, wo die chinesische Flotte liegt, welchen Befehlen sie folgt, und wie die internationalen Flotten sich gegenüber dem Geschwader des Feindes verhalten. China verfügt über ganz ansehnliche Seestrestkräfte. Wo sind diese zur Stunde zu suchen? Wenn die Schiffe in eiiibm chinesischen Hafen ankerten, so würden sie doch mindestens beobachtet werden, und es wäre uns in Europa irgendwie gesagt worden, wie cs damit steht. Auch auf hoher Sec werden die d>inesischen Panzer nicht sein; denn dann wäre cs erst recht die Pflicht der dortigen internationalen Kommandeure gewesen, anf die alsdann unter Umständen drohende Gefahr aufmerksam zu machen. So Vieles ist in und mit China unklar; die Flottenfrage aber ist wohl die am wenigsten klare von allen.
Auslund.
* Oesterreich-Ungarn. Die Kanzlei des Abgeordnetenhauses sandte dem Jnngtschechen-Klub eine Rechnung über 567 Kronen für die von den Jnngtschechen in der am 8. Juni stattgehabten Obstruktionssitzung demolirtcn Gegenstände.
* Niederlande. Die Bäckcrgehlllfcn in Rotterdam beschlossen in einer großen Versammlung den Ausstand.
* Frankreich. Samstag herrschte in Paris anläßlich des NationalfestcS sehr lebhaftes Treiben. Die Illumination war glänzend. Auf allen Plätzen und breiten Straßen wurden unter freiem Himmel Tanzvergnügen veranstaltet. Gegen 11 Uhr Abends entstand auf der „Place de la Concorde" an der Mündung der Rne Rivole und Rne Royale ein starkes Gedränge. Etwa 100 Personen wurden dabei verletzt und in benachbarte Kaffeehäuser gebracht, worin sie sich bald erholten, nur eine Frau wurde ernstlich verletzt. — Anläßlich der Feier des Nationalfestes wurde Samstag Abend in Algier eine antisemitische Gruppe mit republikanischen und socialistischcn Kundgebern handgemein. Stuf beiden Seiten gab es zahlreiche Verwundete. — Die streikenden Eisenbahnarbeiter zerstörten in der Nähe der Stadt mehrere elektrische Straßenbahnwagen. Zahlreiche Verhaftungen wurden infolge dessen vorgcnommen.
* Rußland. Der „Czas" erfährt ans angeblich sicherer Quelle, der verstorbene russische Minister des Auswärtigen, Graf Murawjew, habe nach einer überaus heftigen Auseinandersetzung mit dem Czaren Selbstmord begangen. Er habe dem Czaren einen Brief hinterlasscn, in welchem er diesen beschwor, seine, Murawjews, China-Politik zu befolgen.
* Türkei. In Pe ra kaufte der Sultan einen Häuscrkomplex, in dein siäi auch das Hans des deutschen Generalkonsuls befindet, und machte denselben dem König von Italien behufs Baues einer Botschaft zum Geschenk.
* Vereinigte Staaten. In der Proklamation, wodurch Mac Kinley die neuen, dem Gegenseitigkeits-Abkommen mit Deutschland entsprechenden Zollbcstimmnngen in Kraft setzt, sagt der Präsident, da Deutschland dem Abkommen zugestinnnt, wodurch wichtige Zugeständnisse zu Gunsten Amerikas gesichert wurden, ermäßigte er die Zölle anf ans Deutschland eingcführten Weinstein, Brandy und andere ans Getreide oder anderen Materialien hcrgestellte oder destillirte Spirituosen, nichtmousstrende Weine, Wermuth, Gemälde und Statuen nach Maßgabe der 3. Sektion des Dingley-Tarifgesetzes.
Aus Stadt uud Kund. .
Wiesbad en, iß. Juli.
— Grschichtslralender. 16. Juli. 1871: Einzug des bayrischen Heeres in München. 1866: Einnahme von Frankfurt a. M. 1857: ff Pierre Jean de Böranger zu Paris, berühmter französischer Liederdichter. 1798: * Fürst Alex. Gortschakoff, russischer Reichskanzler. 1761: Niederlage der Franzosen bei Vellinghausen. 1216: ff Papst Jnnocenz III. 1212: Niederlage der spanischen Mauren bei Naoes de Tolosa, Sturz der Almoheden-Herrschaft. 622: Die Hedschra, der Tag, von dem an die Moslemin ihre Aera Mginnen.
— Personal - Nachrichten. Dem Regicrungs - Assessor v. Achenbach in Caffel ist die kommissarische Verwalinna des
