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Wiesbadener Tagblatt tMorgen-Ansgave-. Verlag: «anggasle 27,

18. Zayrgang. 9lo. S»4,

T-ite 2. 15 Juli 1S)00.

Königliche» Schlosses hat damit ihr Ende erreicht. Wir dürfen die großen Filzpantoffeln wieder von unseren Füßen streifen und auf kliiijzendcn Sohlen die rothen Sandstcintreppen de« Hauptaufgangs hinabsteigen. Diese kurze und dürftige Beschreibnng wird immerhin dargethan haben, daß das Königliche Schloß eines der ersten Sehenswürdigkeiten Wiesbadens ist. Man hat dafür Sorge ge­tragen, daß für 25 Pf. Jeder erfahren kan», wo und wie der Kaiser wohnt, wenn er nach Wiesbaden kommt. Wir können einen Besuch des Schlosses, das in den Tagen der Geflügel-Ausstellung in der Reitbahn bis 6 Uhr Nachmittags besichtigt werden kann, nur empfehlen. ä.

G«schich1»knl«ndef. 15. Juli. 1867: ch Hofrath

Dr. Wilhelm Preyer zu Wiesbaden, Professor der Physiologie. 1870: Erlaß der Mobilmachungsordre gegen Frankreich. 1410: Schlacht bei Tannenberg, Niederlage des deutschen Ordens unter d.em Hochmeister Ulrich v. Jnngingen, der in der Schlacht fiel. 1333: Stiftung des Kurvereins zu Reuse. 1291: ß Kaiser Rudolf I. von Habsburg zu Speyer. 1099: ErstüriPing Jerusalems unter Gottfried von Bouillon.

o. Mach China. Die Unteroffiziere und Mannschaften des Füsilier-Regiments v. Gcrrdorff (Hess.) Nr. 80, welche sich frei­willig zu dem Expeditionscorps für China genieldet haben, sind gestern Nachmittag bereits von hier abgercist. In Be- gleitnng mehrerer Kameraden zogen sie, Abscsiicdslieder singend, zum Bahnhose. Von einigen der Freiwilligen hatten sich auch Angehörige eingcfunden, die sich in recht wehmüthiger Stinnnung befanden. Die muthigen Baterlandsvertheidiger, welche so getrosten Sinnes von dannen gezogen sind, möge ein guter Stern geleiten und sie wohlbehalten wieder in die Heimath zurückführen.

Ualsauischrr Kmistvetri«. Neu ausgestellte Bilder: Bon Charles van der Etappe» in Brüssel zehn Bronccsigurcn: Da Source, Der alte nackte schreitende Mann",Der stehende alte Mann",Die liegende Frau",Figur mit Kindern",Kopf", Relief",Wäscherinnen",Portrait" undFemme ä la Gerbe; von Karl Watzelhau hier ein Bild:Kinderportrait"; von August Rieper in München zwei Bilder:Schlechte Karten" undGute Karten"; von Christian Mali in München ein Bild:Ein Morgen am Achensee"; von W. Moras inBcrlin zwciBilder:Mondnacht am See" und ,,Sonnenuntergang"; von Prof. G. Pflugradt in Berlin: fünf kleine Landschaften.

Verein für Anviinnft über Wohlfahrt»-Ein- richtnuge» und Rechtsfragen. Anr 10. Juli fand um 5 Ubr im kleinen Wahlsaal des Rathhauses die konstituirende Versamm­lung des Vereins für Auskunft über Wohlfahrtseinrichtungcn und Rechtsfragen statt. Die Vorsitzende, Frau Baronin v. Korff, gab nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder und Gaste (entschuldigen ließen sich n.A. Frau Oberin v. Wintzingerode, Herr Oberbürgermeister v. Jbell, Herr Stadtrath Bickel/ Herr Bei­geordneter Mangold, Herr Pfarrer Veesenmeyer, Herr Kaplan Dr. Herr) einen kurzen Bericht über die Emwicklung des Vereins. Derselbe zählt augenblicklich 120 Mitglieder und als korporative Mitglieder folgende 17 Vereine: Gesellschaft für ethische Kultur, Arbeitsnachweis, Allgemeine Poliklinik, Deutsch- katholischer Frauenverein, St. Elisabcthcnverein, Volksbildungs­verein, KatkolischerGesellenverciii, KausmännischerVcrcin, Nassauischcr Heilstättenverein, Israelitischer Unterstütznngsverei», Angen- hcilanstalt für Arme, Nassanischer Gesängnißverci», Evangelisches Vereinshans, Ccntralvorstand des Gewerbevcreins, Lotalgewerbe- verein, Allgemeiner Lehrerverein, Altkatbolischer Fraucnvcrcin. Seit Eröffnung des Vereins, in der Woche nach Ostern, hatte der­selbe circa 80 Fälle zu erledigen, wovon ungefähr die Hälfte auf Rcchtsfälle fiel. Wenn auch hierbei nicht die Wünsche aller Hülfc- suchenden erfüllt werden konnten, so erzielte doch der Verein schon sehr schölte Resultate, indem er in vielen Fällen mit Erfolg thütig war, wie z. Ä. einer lungenkranken Fraii Soinmeraufenthalt ver­schaffte, einem kranken Mann ein Bett im Paulinenstifterwirkte, Kinder in deni Volkskinderaarten untcrbrachte, sich das Recht erwarb, zwei Kinder in eigener Wahl den Beitritt in denVerein für Sommer- Pflege armer Kinder" zu ermöglichen und vieles Andere, was sich der Oeffentlichkeit entzieht. Hierauf gab Herr Abegg einen kurzen Bericht über die 40 Rcchtsfälle, die er seit Oster» erledigt, indem er betont, daß die Aiiskunftstelle für Rechtsuchende durchaus nicht den Rechtsanwälten Konkurrcnz machen wolle, sondern sich mir darauf beschränke, zu vermitteln und Aufklärung über die betreffende» Gesetze zu geben. Als stellvertretender Kassirer berichtete er weiterhin über de» Stand der Kasse, welcher nach Bestreitung aller Ein­richtungskosten ein sehr günstiger sei, was besonders dem gütigen Eutgrgcnkommeii des Magistrat? zu danken sei, welcher täglich von 6 bis 7 Uhr Nachmittags das BUreau des Arbeitsnachweises für Mämier überläßt. Redner hob noch hervor, daß das Vermögen des Vereins nicht zu Geldunlerstützungen verwandt werden wird, sondern um Freistellen in den verschiedenen Wohlfahrts- Vereinen zu erkaufen, wie dies bereits im Verein für Sommer­pfleg« durch Beitrag von IM Mk. geschehcii, und schloß mit der Bitte, die Einrichtung der Aiiskunftstelle in allen Kreisen zu empfehlen. Nach eingehender Besprechung, an der sich unter Anderen Herr Dr. Beerlein, Herr Professor Kalle, Herr Prälat Dr. Keller, Herr Landcsrath Krckel, Herr Professor Lautz, Herr Tribonlet lebhaft betheiligten, ivurden die Statuten nugeiiommen. Zum Schluß erfolgte noch die Wahl des Vorstandes, welcher be­steht ans: Frau Baronin v. Korff, Fräulein Nacken, Fra» Weddigen, Fräulein Weddigen, Fräulein Zizold, Frau Bccker- Alfter', Fräulein Hagemann, Herrn Beigcordiietcn Mangold, Herrn Grafen Bothmer und Herrn Stieren. Von de» Vereinen sind ferner schon jetzt in den Vorstand gewählt: Herr Weddigen,

S en Abegg, Herr Dr. Honigmann, Frau Hoch, Frau Jung, Herr farrer Lieber, Herr Tribonlet, Herr Pfarrer Grubcr und Herr Rentner Gaab.

Der ..Allgemeine Vorschuß- und Spartrnfsenurrri»

zu Wiesbaden, G. 05. m. l». H."(Gefchäftslokal: Kircbgasse46,1), veröffentlicht in unserer heutigen Morgen-Ausgabe die Ucbersicht der Einnabmen und Ausgaben pro 2. Quartal 1900. Der Um- schlag, verglichen mit derselben Zcitperiode des Jahres 1899, ergiebt eine Steigerung von 20,806,000 Mk. auf 28,939,000 Mk., mithin ein Mehr von 8,133,0M Mk. Die Mitglicderzahl ist auf 1460 gestiegen und hat nach dem Stande vom 1. Januar 1900 (1312) einen Zuwachs von 148 Mitgliedern zu verzeichnen. Durch den Rückgang des Reichsbankdiskonts wurde gestern der Zinsfuß der Vorschüsse, sowie der Wechsel-Diskont auf 5 pCt. herabgesetzt.

Kricftanbrnsport. Die Tauben des Brieftauben-Klubs Pfeil", Mitglied des Verbandes deutscher Bricftauben-Liebhaber- Äcreine, Allerhöchster Protektor Se. Majestät der Kaiser, wurden mit den Tauben der Mitteldeutschen Reisevereinigung, Sitz Frank­furt a. M., von dessen Begleiter in Grießkirchcn (Oesterreich), 480 Kilometer Luftlinie, am 19. Juni, Morgens 5 Uhr 50 Min., bei windstillem schönen Wetter in Freiheit gesetzt. Von den aus­gesetzten Preisen erhielt Herr Ad. Ruf den 1., 2., 3., 4., 5., 9., 13. und 14. Preis, sowie den 2., 3. und 4. Ehrenpreis und silberne Vcrbandsmedaille, Herr H. Kreuter den 7., 8. und 12. Preis und 1. Ehrenpreis, Herr K. Seel den 10. Preis, Herr K. Eichhorn den 11. Preis. In Straßbnrg (Staatsaufgabe/ 170 Kilometer Luftlinie, wurden die Tauben nach einer Jntcrnirung von 5 Tagen an, 12. Juli, Morgens 5 Uhr 25 DU»., bei leichtem Ostwind und klarem Weiler von der Kaiserlichen Fortifikation in Freiheit gesetzt. Die ersten Tauben trafen hier ein 9 Uhr 19 Min. Von den aus- gesetzten Preisen erhielt Herr K. Stroh den 1. und 6. Preis, Herr H. Kreuter den 2., 3., 7., 15. und 16. Preis, Herr I. Prätorius den 4. und 12. Preis, Herr K. Seel den 5., 8., 9. und 10. Preis, Herr K. Eichhorn den 11., 13. und 14. Preis.

o. Spiritna-Gliihlicht. Die Eisenbahu-Betriebsdirektionen find durch den Minister ermächtigt worden. Versuche mit Spiritus­glühlampen für Jnnenräume in mäßigem Umfange anzustellen und frühere Versuche wieder aufzuuehmen.

o. Schornsteinfeger auf der Gifendasin. Schornstein­feger, rvelche mit Arbeitranzügen auf der Eisenbatn, befördert sein nwllen, sind, nach einer kürzlich ergangenen Verfügung, mit ihren Werkzeugen in die Packwagen zu »erweisen. Bei Zügen mit 4. Klasse genügt eine Fahrkarte für diese, sonst ist eine Karte 3. Klaffe zu lösen. Die Äenntznng von Schnellzügen ist aus­geschlossen.

o. Erfrischungen auf Keifen. Um die Bedienung der Reisenden an den Bahnhöfen zu erleichtern »nd zu be­schleunig e», hat der Eiscubahnministcr angeordnet, die Preise für Speisen und Getränke auf deutlich sichtbaren Tafeln anznzeigen. Auf Schnellzug-Stationen, auf welchen nur ein kurzer Aufenthalt gewährt werden kann, namentlich auch bei Benutzung der an den Zügen ausgestellten Schank- und Spcisctischcn, werde sich dies als besonders zweckdienlich enveiseu. Zugleich eiupstehlt der ministerielle Erlaß, für die voriiberget-ende Aufstellung von Erfrischungstischen auf den Bahnsteigen, >vo dies mit Rücksicht auf die Kürze dcs Zug- aufeuthalts im Jntcreffe des reisenden Publikums besonders er­wünscht und ohne Beeinträchtigung des Betriebs angängig ist, namentlich in der heißeren Jahreszeit, in weiterem Umfang Sorge zu tragen.

v. Frriroiiiigrn-Sanltiitsdienst. In de» Tagen vom 28. bis 31. ds. Mts. wird in Mainz die 5. Führer- und Aerztc- Versnminlung deutscher Freiwilligen-Sanitätskolonncn abgehalten. Den Thcilnehmern wird auf beit preußisch-hessische» Staatsbahnen, der Main-Neckar-Bahn und der Eisenbahn in Elsaß-Lothringen in der Zeit vom 26. Juli bis 8. August die Reise nach Mainz und zurück in der 3. Klasse zum Vtilitärprcis und in der 2. Klasse gegen Lösung von zwei Militärfahrkartcn gestattet.

Klein« Notizen. Wer die großartigen Leistungen des Zabnathletcn Herrn August Pappenberger in der Arena von C. Maus am Ende der Blücherstraße, hiutcr der Blücherschule, noch nicht gesehen hat, der versäume nicht, der Arena eine» Besuch abznstaticn. Die Leistungen sind einzig in ihrer Art. Das Entröe ist sehr gering und wird durch das Anstreten des ge­nannten Athleten allein schon aufgewogen. DerWiesbadener Eisenbahn-Verein", dem die Beamten de« inneren und äußeren Dienstes angchören, unternimmt demnächst einen Ausflug nach Hofheim, und zwar, da es der Dienst nicht anders zuläßt, in zwei Partie«», am 22. und 29. Juli. Die Eiscnbahnverwaltung stellt dazu jedesmal einen Extrazug gratis.

Stimmen an» dem Pul-Iilmm.

* Bierstadt. Wenn man die Stinnnung der hiesigen Ein­wohner, vielmehr der Interessenten, des hier in unserer Gemarkung geplanten Exercirplatzes heute belauscht, so schält sich ein ganz anderes Resultat heraus, als vor einigen Tagen in der Vor­besprechung, am 7. d. M., welche der Herr Obmann des Wandcr- kasinos abhielt; dort sprach ein Herr von Existenzvernichtung und bat, aus allen möglichen Gründen betreffendes Projekt ab­zulehnen, er erntete verschiedene Bravos, aber man ist jetzt so ziemlich allgemein der Ansicht, losznschtagen, natürlich aber zu einem Preis, der den Interessen der Nachbar- gcmcinde einer weltberühmten Knrstadt entspricht. Wenn auch die Sache so dargestcllt worden ist, als wenn nur die reichen Landwirthe und Geschäftsleute ihren Grundbesitz in betreffendem Terrain feilgeboten batten, und die mittleren oder Kleinbauern ihren Grundbesitz behalten wollten, so liegt dies lediglich an der Beeinflussung Seitens einiger Herren. Es scheint gerade, als wenn cs lediglich auf das moralische Wohlergehen des Kleinbauern ab­gesehen wäre, indem sie ihn mit ihrem wohlgemeinten Rath vor Müßiggang und aller Laster Anfang" schützen wollen. Wie gesagt, es wäre besser, sich über diese Sache nicht nnnöthiger Weise aufzuregen, denn wenn es ans Verkaufen geht, wird Jeder seine eigenen Interessen selbst vertreten. Ein Kleinbauer.

* Cronberg, 14. Juli. Das Kronprinzenpaar von Griechenland ist gestern nach Karlsruhe zum Besuche des Grob­herzogs von Baden abgereist und gedenkt Sonntag Abend hierher zurückzukehren. Prinz Waldemar triff! heute Mittag mit leine», Lehrer und einem Schulfreunde hier ein und kehrt morgen Nachmittag nach Kreuznach zurück. Die Kaiserin Friedrich hat den Hofarzt Dr. Spielhagen zu ihrem stellvertretenden Leibarzt ernannt.

* An» der Umgebung. In Höchst fand zu Ehren des scheidenden Herrn Landraths Dr. Steinmeister im großen Fcstsaale der Farbwerke ein Festessen statt, an dem sich ungefähr 200 Personen betheiligten. Ihre Majestät Kaiserin Friedrich hat dem Herrn Landrnlh Dr. Steinmeister ein sehr huldvolles Telegramm zngchcn lassen, in welchem dieselbe ihrem lebhaften Bedauern darüber Aus­druck gicbt, daß derselbe den Kreis Höchst und damit die Nähe Cronbcrgs verläßt. In Frankfurt a. M. finden im Cirkns Albert Schumann am Sonntag unwiderruflich die beiden letzten Sonntags-Vorstellungen statt und haben Nachmittags Kinder unter 10 Jahren die übliche Preis-Ermäßigung. Um den Wünschen vieler auswärtiger Besucher noch Möglichkeit entgegen zu kommen, gelangt außer dem reichhaltigen Programm auch in der Nachmittags- Vorstellung Dr. Faust zur Aufführung, jedoch kann der technischen Schwierigkeiten halber nur der 1. und 2. Akt dieses großartigen Ausstattungsstückes gegeben werden. Der Schluß der diesjährigen Saison ist auf Mittwoch, den 18. d. Mts., festgesetzt, während wegen der Vorbereitungen zur Abreise Dr. Faust am Montag, den 16. d. Mts., zum letzten Mal anfgeführt wird. In Frankfurt». M. verstarb nach längerem Kranksein im Alter von 31 Jahren der Prediger Heinrich Schmidt, geboren zu Idstein.

In Z o l l h a u s ist der ledige Karl Knrzvon B u r g s ch w n l b a ch verunglückt. Derselbe ging neben einem Wagen voll Steinen her, wurde von demselben erfaßt und der Länge des ganzen Körpers nach überfahren und so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gczweifclt werden muß. Der etwa 20-jährige, solide junge Mann war der einzige Ernährer seiner alten Eltern und zweier Geschwister.

Der als eifriger Nimrod bekannte Herr Friedrich Ott von Bermbach halte das Glück einen Achtendcr-Hirsch zur Strecke zu bringen. Die Frankfurter Fericnkolonisten sind im Taunus cin- gctroffcn. So hat Ehlhalten eine, Glashütten eine und Schloßborn zwei Kolonieen mit je etwa 20 Pfleglinge erhalten.

Mit der kommissarischen Verwaltung des Landratysamtcs zu

Höchst wurde Herr Regierungs-Assessor v. Achenbach, z. Z. bei der Regierung zu Cassel, beauftragt. In Wölferlingen schlüpfte in der vorigen Woche ein Küchlein aus, welches mit vier vollständig ansgebildeten Beinen und vier Flügeln versehen war. Das wider­natürliche Thierchen lebte nur drei Tage. Die Blatternepidemie in Frankfurt a. Nt. gewinnt weiter an Ausdehnung. In den zwei letzten Tagen wurden achtzehn Personen in das Krankenhaus eingeliefcrt. Unter der Bevölkerung herrscht hierüber die größte Aufregung.__

Uermischre».

* Da» entsetzliche Schiffsungliick auf dem Rhein, welches sich, wie schon kurz berichtet, am Mittwoch Nachmittag am Hellen Tage zugelragc» hat und sieben Menschenleben forderte, ist, wie nnnniehr festgestellt ist, durch die Schuld des Personals des R»hr- orter SchranbendaiupfersKarolina" herbeigeführt worden. Dieses Boot, welches dazu bestimmt war, die Klesnachen von dem in Leverkusen arbeitenden Dampfbagger nach Mcrkenich zu schleppen, fuhr trotz des jammervollen Hülferufens der Insassen des Nachen gegen diesen. Der Fädrnachen wurde am Steuer vom Vordersteven des Schraubers getroffen und dabei der 50-jährige Fährmann Andreas Stahlberg, der schon über 25 Jahre seines Amtes als solcher mit großer Gewissenhaftigkeit waltete, getroffen und aus dem Nachen geschleudert, der sofort ninkippte. Durch das Hülferufen der ertrinkenden unglücklichen Opfer der Katastrophe w'nrdcn die am Rhein wohnenden Leute der Orte Merkenich und Wiesdorf, darunter auch die Gattin des Fährmanns, auf das Ent­setzliche aufmerksam. Trotzdem man sofort Nachen löste, gelang cs nicht, von den Ertrinkenden Jemand zu retten, außer dem Arzt Dr. Freitag aus Wiesdorf und dem Ackerer Rausch aus Köln- Merheim, denen es gelang, bis zu dem hinter dem Schrauber be­

findlichen Schleppnachen zu schwimmen und sich an demselben fest­zuhalten. Die unglückliche Fährmamisfrau mußte so, ohne selbst ticlfcn zu können, Fischen, >vie idr Gatte und Ernährer und ihre drei Söhne den Tod in den Welle« fanden. Augenzeuge« de« entsetzlichen UnglückSfalleS behaupten, daß die Schul« an dem Personnl des Schraubenbootcs gelegen habe, dessen Mannschaft erst ans Deck gekommen sein soll, als der Zusammenstoß erfolgt ivar. Alle Versuche der Anwohner der in der Nähe gelegenen Orte, ins­besondere von Lcverknsen, den Ertrinkenden Rcttmig zu bringen, waren vergebens. Dr. Freitag, der die Gefahr, in der die Insassen des Fährnnchcns schwebten, ivohl bemerkte, rief dem Schranbcn- boote zu und winkte mit dem Taschentnche, um einen Zusammen­stoß zu verhindern. Auf dem Schrauber scheint man diese Signale aber nicht bemerkt zu haben, denn er fuhr mit voller Kraft gegen de» Fährnachen, dessen Insassen so laut schrieen, daß die am Ufer Stehenden es hören konnten. Auf die Angaben der Geretteten und der zahlreichen cinpörten Zuschauer des gräßlichen Nnglückssallcs wurde sowohl der Kapitän wie der Steuermann des Dampfers durch den Bürgermeister von Wiesdorf verhaftet. Nur mit Mühe konnte man verhindern, daß sich die empörte Menge nicht an den Beiden vcrgriff. Der verunglückte Fährmann, der als ein sehr gewissenhafter Schiffer weit und breit bekannt war, hinterläßt eine Frau und drei kleine unversorgte Kinder.

* Snnliglit-Srife. Aus Mannheim, 11. Juli, wird uns berichtet: Vor einigen Tagen versammelte die hiesige Sunlight- Seifcnfabrik A.-G. zum ersten Mal ihre snmnitlichen Reisenden und Vertreter, sowie auch viele Herren der Presse in dem großartig angelegten Etablissement, welches von Fnchgenoffen als eine Musterstätt« gepriesen wird. Die große Anzahl der Theilnehmer, Vertreter und Reisenden der Firma aus den verschiedensten Thcilen Deutschlands, nebst den Herren der Presse wurden in elegante» Landauern zur Fabrik gefahren, wo sie im Büreausaal von der Direktion in herzlichster Weise begrüßt wurden. Nachdem eine photographische Gesamintausnahnie der Theilnehmer erfolgte begann der Rundgang in der Fabrik. Als Unterbrechung desselben fand eine Waschdeniöiistration mit Sunlight-Seife statt, die äußerst intereffant und instruktiv vcrliefnnd bei allen Zuschauern Bewunderung hervorrief. Eine Anzahl Mädchen legten Nachfolgendes in kaltes Wasser, um alle diese schmutzigen Stücke den von der Firma empfohlenen Waschverfahren zu unterziehen: Eine Schürze, ein blaues Arbeiter­beinkleid voll von Flecken und Oel, ein Schleier, einen Herrenkragen, eine Damcnblouse, ein Küchenhandtiich, ein wollenes Kleid, ein Fensterwaschlcder, ein Betttuch rc. Nachdem diese schmutzigen Wäschc- stückc in kaltem Wasser eingcweicht waren, wurden sie mit Sunlight- Seife cingeseift und jedes Stück wieder in lauwarmes Wasser ein­gelegt, um der Sunlight-Seife Zeit zu geben, ihre Arbeit zu thnn. Nach Besichtigung der Fabrikräumlichkeitcn begaben sich die Gäste wieder in den Demonstrationsrauin zurück, um die bei der Wäsche erzielten Erfolge zu beobachten. Die eingelegten Wäschestücke wurden von denselben Mädchen ans dem Wasser heransgcnommen und auf einem Waschtisch leicht mit der Hand bearbeitet. Die Ueberraschung über die Arbeit, welche die Sunlight-Seife in so kurzer Zeit es waren IV- Stunden verflossen vollbracht hatte, war groß. Aller Schniutz wurde mit dem ablaufenden Wasser hinweggeschwcmmt und Alles war rein. Der wesentliche Vorzug der Sunlight-Seife besteht eben darin, daß das Kochen, Brühen, Zerren, Bürsten und Wringen der Wäschestücke nicht mehr nöthig ist. Allseitig gefielen die ausgedehnten, Hellen, luftigen Räumlichkeiten der Fabrik mit ihren vorzüglichen Einrichtungen, welche den weit­gehendste» hygieinischen Anforderungen entsprechen. Im Siede­haus, dem eigentlichen Herz der Fabrikation, feffelte ein scsi spannender und belehrender Vortrag des technischen Direkt»», die Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörerschaft. Es wurde der Werdegang der Sunlight-Seife vom Eingang des Roh­materials vis zur Fertigstellung des bekannten charakteristischen Doppelstücks gezeigt, und alle Theilnehmer waren hoch be­friedigt über das, was ihnen hier gezeigt wurde. Auch die eigene Druckerei, die Cartonnagenfabrikation, die Kistcnfabrik, das Laboratorium und die Wohlthätigkeitsanstaltcn wurden besucht. Nach einer Erfrischung an einem reichhaltigen Büffet versammelten sich Nachmitags die Herren zu einer geschäftlichen Sitzung, welche unter dem Vorsitze des kanfniännischen Direktors einen sehr guten Verlauf nahm und sicherlich durch den erfolgten gegenseitigen Meinungsaustausch wesentlich zur Entwickelung des Geschäfles bei­tragen dürfte. Am Abend fand ein Bankett im HotelPfälzer Hof" statt, bei welchem eine wahre Familienstinimung herrschte, und womit dieser für die Sunlight-Seifen-Fabrik so denkwürdige Festtag seinen guten Abschluß fand.

* Urber da» bedanernomerttze Schicksal einer Familie

wird aus Neapel berichtet: Auf dem PostdampferEms" war als Steward der Mecklenburger Paul Hendrick angestellt. Seine Frau, ebenfalls eine Deutsche, wohnt« mit den beiden Kindern in Neapel. Am 7. Juli warf die Ems" im Hafen von Neapel Anker; Hendrick ging sogleich ans Land und eilte zu seiner Familie. Aber er fand von seinen Lieben Niemand in der Wohnung vor und mußte erfahren, daß vor wenigen Tagen das eine seiner Kinder an Gehirnhautcntzündnng gestorben sei; das andere Kind sei, während die Mutter den kranken Liebling pflegte, vom Balkon ans die Straße gestürzt und auf der Stelle todt geblieben. Die Mutter habe über dieses doppelte Unglück den Verstand verloren und sei im deutschen Krankcnhnnse nnterqebracht ivordcn. Hendrick begab sich dorthin.Ihre Frau", wurde ihm zur Antwort,ist vorgestern gestorben und gestern Nachmittag begraben worden." Hendrick ging nun an Bord derEms" zurück »nd nahm aus der Schiffsapotheke eine Flasche Schwefelsäure zu sich. Aber seinen Kameraden war sein verstörtes Aussehen aus­gefallen, und sie überwachten den Unglücklichen. Auf einmal riß er sich von seinen Freunden los, kletterte auf den Fockmast und trank die Säureflasche aus. Man brachte ihn nach dem deutschen Krankenhanse, wo er starb.

Aus dem Gerichlssanl.

* DerGristerspnk in der An (München) kam am 10. d. M. vor Gericht. Angekiagt des groben Unfugs war die Urheberin des Spukes, das am 22. August 1885 geborene Nähmädchen Marie Pichler von München, das vom 8. bis 13. Mai in der Wohnung des Zitherlehrcrs Fahrnholz durch Werfen von Kohlcustnckchen einenGcistcrspnk" inscenirte. Mit weinerlicher Stimme gicbt die Kleine an: Ich bin bei Fabrnholz als Dienstmädchen beschäftigt gewesen und befand mich eines Abends in dem Zimmer, das mit dem eigentlichen Wohnzimmer meiner Herrschaft nur durch ein Feilster verbunden ist. Hierbei spielte ich mit Nähsäckchen, wovon mir eines aus den Fingern ans Fenster sprang. Dies machte mir Spaß und ich probirte es mit kleinen Kohlenstiickchcn. Noch mehr Freude hatte ich daran, als ich Abends gegen "/«IO Uhr bemerkte, daß die Leute im Wohnzinimer, besonders Frau Fahrnholz, Angst bekamen und meinten, Geister gingen uin. Ich trieb dies noch eine Zeit lang fort, zumal auf mich kein Verdacht fiel, weil Niemand eine Ahnung hatte, daß ich im Nebenzimmer sei. Als nun Frau Fahrnholz immer ängstlicher wurde, weil sie meinte, die erst verstorbene Großmutter müsse ein­mal Steinkohlen gestohlen haben und gehe deshalb um, stellte ich an diesem Tage mein Treiben ein. Anderen Tages versteckte ich mich wieder im Nebenzimmer und begann neuerdings, Steinkohlen zu werfen. Mich freute die Sache deshalb so, weil jetzt so viele

Leute vor das Haus kamen, die Alle denGeist" sehen wollten.

Als gegen Abend nach dem Pfarrer geschickt wurde, der auch

kurze Zeit darauf kam, fiel plötzlich das Bild der verstorbenen

Großmutter von der Wand, worauf Alle laut aufschriccn und weinten. Nun bekam ich selbst Angst und glaubte selbst an einen Spuk. Am nächsten Tage begab ich' mich wieder in mein Zimmer und warf abermals mit Steinkohlenstückchen, und zwar deshalb, damit die Sache nicht anfkoinme. Alls mich ist zwar kein Verdacht gefallen, weil man mir so eüvas gar nicht zntraute. Herr Fahrnholz hat mich gegen einen solchen Ver­dacht sogar selbst in Schutz genommen. Damit ja nichts gemerkt werde, habe ich auch Angst gezeigt und mitgebetet. Als endlich Schutzleute kamen und mich ausfrägten, habe ich die Sache gleich