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BerlinerSchriftleitun, de«WiesbadenerTagblatts: Berlin-Wilmersdorf «ü-tzelstr.6«.Fernspr.: AmtWland 450 n.451. r-g-n und Plätzen wird k-in- «ewähr übernommen.
Mittwoch» 21. april 1915.
Der Krieg.
von den östlichen Kriegsschauplatz en. Der Vormarsch der Verbündeten in den Rarpalhen.
Tarnow von den Russen aufgcgeben!
Wien, 20. April. (Ktr. Bln.) Die „Reichspost" meldet an» dem k. k. Kriegspressequartier die Fortdauer des Bor- Marsches der österreichisch-ungarischen Truppen in Süd- ostgalizien und den Beginn einer lebhaften Tätig- keirder deutschen Siidarmee in den Karpathen.
Die „Zeit" meldet, das) die Russen in der letzten Woche in Westgalizien nur selten Angriffe unternommen und dann nur auf kleinem Raume mit unbedeutenden Kräften. Tarnow haben die Russen vollständig aufgcgeben, auch als Vorratszentrum, und Zwar aus Furcht vor unserer auf die Stadt eingeschossenen schweren Artillerie.
Kbend-Kusgabe.
Bedarf infolge des Krieges gewachsen. Der Bauer brauche in Friedenszeiten jährlich 16 Pud, in Kriegszeiten als Soldat 22, und auch der Haferverbrauch sei im Kriege viel höher als im Frieden. Hierzu trete der Mangel einer Organisation behufs zweckmäßiger Verleihung der Vorräte.
Erzherzog Friedrich nit die ungarische Kammer.
W. 1.-8. Budapest, 20. April. (Nichtamtlich.) Armee- oberkommandam Erzherzog Friedrich beantwortete den_Beschluß des Abgeordnetenhauses, der ihm telegraphisch urrtge- teilt wurde, mit einer Depesche, in der er für die Anerkennung der bisher erzielten Ergebnisse iiqmens der heldenmütigen Truppen den wärmsten und tiefsten Dank ausspricht. Sodann heißt es: Unsere tapfere Armee erfüllt in der Verteidigung des geliebten Vaterlandes, furchtbaren und elementaren Kräften zum Trotz, mit Begeisterung und unverbrüchlicher Treue und nicht erlahmter Kraft ihre heilige Pflicht bis zur vollständigen Niederringung der Feinde und zur Erreichung eines ersprießlichen Friedens.
15 ungediente russische Landsturmjahrgönge aufgerufen.
W. T.-B. Petersburg, 20 April (Nichtamtlich.) Wie der „Rjctfch" mitteilt, ist der ungediente Landsturm der Jahr- gänge 1900 bis 1915 unter die Fahnen berufen worden.
Die Verluste der Russen in der Bukowina.
Aus Bukarest wird der „Deutschen Tagesztg." zufolge gemeldet: Die Verluste der Russen in der Bukowina sind ziffernmäßig ,licht mitgeteilt worden. Doch kann man sagen, daß sie sehr bedeutend waren. Unmittelbar nach der großen Niederlage der Russen bei Jakobeni und Kirlibaba wurden^ in wenigen Tagen 66 Waggons mit Lerchen von Loldaten eines 'tatarischen Volksstammes (Mohammedaner) nach Rußland befördert, da die russische Heeresleitiung diesem Regiment versprochen hatte, die Gefallenen in der Heimaierde bestatten zu lassen. In den Waggons befanden sich mindestens 3600 Leichen.
Der Erzherzog Thronfolger in der Bukowina.
w. T.-B. Wien, 20. April. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Erzherzog Karl
Franz Joseph traf auf der Fahrt an die Ostfront unserer Streitkräfte gestern früh auf dem Bahnhof Kolo- mea ein. Nach Entgegennahme von Meldungen des Kommandanten der Armeegruppe setzte er hierauf in Begleitung der Generale Frhr. von Pflanzer-Baltin und des Generalstabschefs die Fahrt nach Tschernowitz fort, wo er von dem Landespräsidenten Grafen Meran und dem Komman- darrten der Landesgendarmerie, Oberst Fischer, empfangen wurde. Nach Besichtigung der Landeshauptstadt, die F l a g g e n s ch m u ck trug, fand der Empfang mehrerer Deputationen und der Besuch der Artilleriestellungen statt, Der Erzherzog fuhr daraus nach Sadagora, wo er eine Kavalleriedivision besichtigte und Offiziere und Mannschaften dekorierte. In Zastawa fand die Vorstellung der Ge-' meindevertretung und der Geistlichkeit statt. Auf der Rückfahrt rrahm der Erzherzog die Abendmahlzeit bei dem deutschen Kommandanten General der Kavallerie Frhrn. von M a r s ch a l l ein. Der Erzherzog übernachtete irn Eisen- bahnzug und fuhr heute im Automobil nach Horodenka weiter.
Die wirtschaftliche Notlage Rutzlands.
IV. -T.-B. Petersburg» 20. April. (Nichtamtlich.) Seit dem 14. April ist der Straßenbahnbetrieb infolge Kohlenmangels teilweise eingestellt. — Die Verhandlungen der ökonomischen Vereinigung beim Reichsrat sind auf Wunsch der Regierung plötzlich abgebrochen worden. — In der „Nowoje Wremjo" bespricht Menschikow die allgemeine Getreideteuerung und sagt, als erschwerender Umstand komme hinzu, daß die Ernte von 1914 890 Millionen Pich weniger betrage als 1913. Obgleich keine Ausfuhr stattfinde, wären 366 Million»» Pud weniger verfügbar als im Vorjahr; die Vorräte seren also verkleinert, dagegen sei der
Eine Pariser Erfindung.
W- T.-B- Wien, 20. April. (Nichtamtlich.) Das Wiener k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau meldet: An der
Parffer Meldung über einen Zusammenstoß von österreichisch- ungarischcn und italienischen Truppen ist kein Wort wahr.
Wie die Soldaten ihre Wunden ertragen.
Nach der „Morning Post" vom 15. April schreibt Professor Par es , der im russischen Hauptquartier zugelossene Be- richterstatter, unterm 26 Februar: Die Russen unterscheiden sich sehr von den Verwundeten anderer ^Nationen; sie sind p h v s i s ch stärker und zeigen daher eine festere Moral; si- achten kaum auf ihre Wunden und wollen gern wieder an die Front. Die Deutschen sind sich ihrer Wunden weit mehr bewußt, aber sie zeigen einen ruhigen Stolz, sich nicht von ihnen unterkriegen zu lassen. Wille und Vorsatz triumphieren, und diese Leute haben früher als andere wieder Interesse an den kleinen Freuden und Sorgen des Lebens. Die österreichischen Deutschen sind zarter und sanfter.
Internierung russischer Truppen in Rumänien.
Berlin, 20. April. (Ktr. Bln.) Nach einem Telegramm 'des Blattes „Poporul" aus Jassy, welches die „Basler Nachrichten" wiedergeben, sind seit Mitte März 1 7 0 0 0 R u s s e n auf rumänisches Gebiet übergetreten und entwaffnet worden. Es handelt sich fast ausschließlich um Kavall erie.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die Kämpfe zwischen Maas und Mosel.
IV. T.-B. Berlin, 20. April. (Nichtamtlich) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Der Stillstand der Operationen der Franzosen zwischen Maas und Mosel, der sich nach den vorangegangencn und für sie verlustreichen Angriffen bereits gegen Ende der zweiten Aprilwoche fühlbar gemocht hatte, dauert ohne Unterbrechung seit dem 14. April, dem Tage unseres letzten Berichts, bis heute, den 19., an. Auf der Front der Armee herrscht Ruhe, wobei unter Ruhe die der vielen großen zusammenhängenden Angriffe zu verstehen ist, nicht aber die Beendigung jeder Kampftätigkeit. Weder Tag noch Nacht verstummt der Geschützdonner vollständig, stellentveise steigert sich das Feuer der schweren Artillerie zu größter Heftigkeit. Tie Nah- kainpfinitte!: Minenwerfer, Handgranaten und Spreng- minen betätigen sich, und das Feuer der Infanterie und der Maschinengewehre verlöscht nie ganz. Beide Gegner suchen die Straßen und Unterkunftsräume hinter den Fronten durch Artilleriefeuer und Fliegerbomben zu beunruhigen. Lebhafte Bewegungen marschierender Truppen, reger Bahn- und Kraft- toarenverkehr im Rücken der französischen Linien, besonders am 16. und 16. April, weisen daraus hin, daß der gegenwärtige Zustand verhältnismäßiger Ruhe kaum ein dauernder bleiben dürfte
Nr. 184. ♦ 63. Jahrgang.
In den Tagen vom 14. bis 19. April wirkte hauptsächlich die beiderseitige Artillerie, während die französische Infanterie, wohl unter dem Eindruck der in den vorhergvgange- nen Kämpfen erlittenen außerordentlichen Ver luste , sich auf vereinzelte, stets mißglückte Teilangriffe beschränkte, die im> Raume der Gesamllage ohne Bedeutung waren. Diese Unternehmungen wiederholten sich fast ausschließlich in den Ab- schnitten unserer Front, gegen die sich seit Beginn der Kämpf« die französische Offensive mit besonderem Nachdruck richtet: Am Nordflügel gegen unsere Stellungen bei Marche- viller-Maizerey uist> Combres, am Südflugek gegen unsere Linie im Walde von Aillh, im Walde M o rt- mare, nördlich Regniöville-Feh en Hahe und urr westlichen P r i e st e r w a l d e. In der Nacht vom 14.^ zum 15. April zeichneten sich die feindlichen ÜberMe auf dis Combreshöhe durch besondere Heftigkeit aus. Hier wandte der Gegner auch Nebel- und Stinkbomb en an, dm den Zweck haben, einen Schleier von Rauch und unerträglichen Gasen vor und in unsere Stellungen zu legen, um den Anblick gegen den Feind zu verhindern und unserer: Truppen den Aufenthalt in den Gräben zu erschweren. Ein Vorstoß im? Priesterwalde setzte in derselben Nacht unsere Truppen in den Besitz eines Teiles der französischen Haupt- st e l l u n g, die hier mit einem stark ausgebauten Stützpunkt gegen unsere vordersten Gräben vorspriugt. Der jetzt wss diesem Erfolg eingeleitete Nahkamps nn weltlichen Priester- tixilbe hem-erte bie folgenben Tage unb ifiadjte oi)Tit Unter*, brechung an. Er jchreitet langsam, aber für uns gün- ft i g fort. In den Vormittagsstunden des 19. gelang es cher unseren Truppen, zwei Blockhäuser und die anschließ«»- den Grabenstücke M dre Luft zu sprengen, wodurch unser« Stellung weiter vorgeschoben werden konnte. Hr^ bei erlitten die Franzosen nicht uebeträchtliche Verluste, wah . rend uns der gewonnene Erfolg keinen einzigen Mann koste«. Der 15. April brachte zweimal abends unternommene franzo- fische Angriffe im AillhWalde, die beide — der zweite bereits bei der Entwicklung — in unserem Feuer zusammen b r a ch e n. Ebenso wurden zwei Vorstöße. des Gegners nördlich F l i r e y in der Nacht vom 16. zum 17. April abge- wiesen. Wiederholt wurde in diesen Tagen an verschiedenen Stellen, so an der Combreshöhe, bei Flirey, und gegenüber dem Walde Mortmare, beobachtet, daß die Franzosen Truppe« in den vordersten Gräben bereitstellten. Zu Angriffen kam es nicht. Der Artillerie fiel auf beiden Seiten in den Tagen vom 14. bis zum 19. April die Hauptkampftätigkert zw.
feindliche Bombenwürfe auf offene südbadische Landstädtchen.
W T.-B. Müllheim (Baden), 20. April. (Nichtamtlich) Heut- vormittag 10 Uhr warf über dem garnisonsünen Städtchen K a n d e r n ein niedrig fliegend«: ferndli^: Flieger fünf Bomben ob. Eine platzte auf dem ?^elLe, vier fielen auf die Schule. Die meisten Schulkinder flüchteten in den Keller. Ein Kind wurde getötet, ein zweites schwer verletzt, mehrere verwundet. Auch über Lörrach warf vormittags ein Flieger sechs Bomben ab, die berm Bahrch-f platzten. Ein Kind wurde getötet, einem jungen Man n der Arm abgerissen, drei weitere Personen wurden teils schwer» teils leicht verletzt.
Der Fliegerangriff auf Lörrach.
W. T.-B. Basel, 2H» April. (Nichtamtlich) Zu dem Fliegerangriff auf Lörrach schreibt man der „NatiomA- zeitung": Verletzt wurden zwei Kinder, von den«» ei«^ gestorben ist. Auch eine Frau wurde schwer, aber nicht levens- gefährlich verletzt. In der schweizerischen Seldenbandfabrck von Savasin wurde eine Holzrcmise. d-urchsastagen. Drei Bomben sielen auf einen Kinderspielplatz nrÄer,
Schaden anzurichten. Der Luftdruck war so stark, daß m der Umgebung alle Fensterscheiben zertrümmert wurden. Eme Bombe ritz in einer Kunstschlosserei einem Lehrling den Ar m völlig ab. Ein Bombensplitter wurde sogar 80 Meter entfernt aefunden. Die Bevölkerung war sehr überrascht, aber nicht kopslos. Man folgte der Anweisung der Bürgermeisterei, und suchte sofort Schutz in den Kellern. Die Stimmung gegen Frankreich, die bisher hier immer noch zurückhaltend und ruhig war, ist in erbitterte Wut umgeschlagen WaS die Flieger mit dem Angriff auf Lörrach bezweckten, »st völlig rätselhaft; es befinden sich dort nurLazarette und das Bezirrskommando.
Oie französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 20. April. (Nichtamtlich.) Der heutig« Nachmittagsbericht besagt: Dem gestrigen Abendbericht ist bezüglich btz Operationen in Lothringen und in den Vogesen! nichts hinzuzusügen. An der übrigen Front^ war das Gc- schützsckuer im Geb'iete von Soissons, im Abschnitt Reims wnd, in den Argonnen besonders lebhaft.
\V\ T.-B. Paris, 21. April. (Nichtamtlich) Amtliche» Bericht vom 20. April, abends: Auf Reims wurden 50 Brandgranaten geschlendert. In den Argonnen und i« der Champagne fanden Artilleriekämpse ahno Erngreisen der Jnfonterie statt. Zwischen M a a 8 und) Mosel und im Mortmarewalde kamen unsere Angriffe leicht voran. Im Priesterwalde unternahm dev Feind, nachdem er unsere Stellungen im Gebiet von. Croix des Lärmes heftig beschossen hatte, einen Angriffs-. v e r s u ch, welcher unverzüglich durch unsere Artillerie unter», blinden wurde. An denr Rand des ParroyWaldes ziemliche K-anorurde und Vorpostengesechte. Ain 19., abends, tour-, den zwei GeLenansriffe am Hartmannsweilerkol» aöaöBKSen*
