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«8. Jahrgang.
heint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiS: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
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nächsterscheinenden Ausgabe wird keine übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Uo. 318.
Fcrusprcche
52.
Donnerstag, den 12. Juli.
Fernsprecher No. 52.
1900.
Raog»g@Bi-Aftisggafoe.
(Nachdruck verboten.)
Uon Kiel nach Taku.
Beistehend bringen wir unseren Lesern eine Karte der Reiseroute der für China bestimmten „ersten Division" des Linienschisfsgeschwaders unserer Flotte. Die Schiffe, welche diese Division bilden, sind die vier Panzerschiffe „Brandenburg", „Wörth", „Weißcnburg", „Kurfürst Friedrich Wilhelm" und der sehr schnelle, kleine Kreuzer „Hela". Die Division wird mit beschleunigter Fahrt, d. h. mit einer Marschgeschwindigkeit von 14 Seemeilen, statt, wie sonst aus ökonomischen Gründen üblich ist, von 10 Seemeilen, den ganzen Weg zurücklege», um möglichst bald ans dem Kriegstheater zu erscheinen. Nun ist der Kohlenverbrauch bei der höheren Geschwindigkeit auch ein sehr viel größerer als bei mittlerer Geschwindigkeit. Infolge dessen ist auch der Aktionsradius der Schiffe, d. h. die mit vollen Bunkern ohne Kohlen- ergäuzung zu durchlaufende Strecke, bei großer Fahrt geringer als bei langsamer Fahrt. Derselbe betragt für die 4 Linienschiffe bei einer Marschgeschwindigkeit von IO Seemeilen in der Stunde 45OO und bei 14 Seemeilen-Fahrt nur 3000 Seemeilen. Dementsprechend wird die Division auf ihrem etwa 12,025 Seemeilen langen Wege häufig ihre Kohleuvorräthe ergänzen, und soll dies in Gibraltar, Port Said,
Aden, Colombo aus Ceylon, Siugapore und Hongkong geschehen. Die Entfernungen zwischen den einzelnen Kohlenstatiouen sind in runden Zahlen die folgenden: Von Kiel bis Gibraltar 1750, von Gibraltar bis Port Said 1900, von Port Said bis Aden 1450, von Aden bis Colombo 2125, von Colombo bisSingapore 1600, von..Siugapore bis Hongkong 1500 und von Hongkong bis Taku 1750 Seemeilen. Die Dauer der Fahrt beträgt auf der ersten Strecke bis Gibraltar 5 Tage 5 Stunden, dann bis Port Said 5 Tage 16 Stunden, durch den Suezkaual 1 Tag, von Suez bis Aden 4 Tage 4 Stnndeu, bis Colombo 6 Tage 8.Stunden, bisSingapore 4 Tage 18 Stunden, bis Hongkong 4 Tage 11 Stunden, bis Taku (ohne Anlaufen von Tsingtau) 5 Tage 5 Stunden. Der Aufenthalt behufs Kohlenüberuahme ist auf 7 Stunden in Gibraltar, 8 Stunden in Port Said, 8 Stunden in Aden, 8 Stunden in Colombo, 6 Stunden in Siugapore und 10 Stunden in Hongkong zu schätzen. Dciunach wird, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse (Maschinenhavarie rc.) eine Verzögerung eintretcn lassen, die Gesammtdauer der Reise von Kiel bis Taku rund 39 Tage be
tragen. Das Anlaufen von Tsingtau und Kohlenübernahme daselbst würde die Ankunft der Schiffe im Golf von Petschili um etwa einen Tag verspäten.
In unserer Karte ist nun die ganze Reiseroute der Division durch eine dicke schwarze Linie dargestellt. Entfernung und Reisedauer ist auf jeder Theilstrecke angegeben. Die Stationen, welche angelaufen werde», sind in der Karte benannt. Ob und wo eventuell die beiden schon auf der Reise begriffenen Llochdbampfer „Wittekind" und „Frankfurt", auf welchen bekannftKh die nach China entsandte Marine- Infanterie, nebst Artillerie- und Pionier-Dciachemcnt ein- gcschiffl sind, mit der Division zusammentrcffen und sich
bürg, preußischer Staatsministcr. 1831: * Dagobert v. Gerhardt in Potsdam, unter dem Namen Gerhardt v. Amyntor bekannter Schriftsteller. 1813: * Professor Dr. Heinrich Düntzer in Köln, hervorragender Litteraturhistoriker. 1806: Bildung de« Rheinbundes. 1789: Aufstand in Paris, Beginn der französischen Revolution. 1536: f Erasmus v. Rotterdam zu Bafel, einer der berühmtesten Humanisten des 16. Jahrhunderts.
— Klnmrukrtten find, wie aus London berichtet wird, die neueste Mode in Halsketten. Eine Kette von Vergißmeinnicht oder Maßliebchen wird aus entsprechend gefärbtem Email hergestellt, goldene Glieder dienen zur Verbindung der einzelnen Blumen und Diamanten, sowie kleine Edelsteine aller Arten werden über das Ganze verstreut. Aus ebensolchen Blumenkctten werden auch Armbänder und die langen Börseukctten ausgeführt, die man um den Hals trägt. Zu kurzen Halsketten verwendet inan ziemlich große
derselben anschließen werden, ist nicht bekannt. Möge das Erscheinen der Linienschiffsdivision in den chinesischen Gewässern die beabsichtigte Wirkung haben und zur schnelleren Unterdrückung des Aufstandes daselbst beilragen.
Aus tztadi uns Kand.
Wiesbaden. 12. Juli.
— Geschick,tslrnlender. 12. Juli. 1874: ch Fritz Reuter in Eisenach, der hervorragendste plattdeutsche Dichter neuerer Zeit (* zu Staveuhageu). 1870: Prinz Leopold von Hohcnzollern entsagt der spanischen Krone. 1832: *I>. Julius Bosse zu Oucdlin-
Blnmeu, z. B. MargueritcS oder Veilchen; dazu wird ein schöner Anhänger, bisweilen in Gestalt einer Biene, getragen. Sehr hübsch ist ein Feldblttiuenkollier; Smaragden bilden die Blätter, und zur Herstellung von BIiithen nimmt man Saphire, Rubinen und aiwere Steine.
— Gin preist,an». Wie viele Menschen wünschen sich mit eigenes Haus, das sie allein bewohnen möchten! Und je mehr Anforderungen an den eiuzelucn Menschen gestellt werden, desto dringender wird aus dem Wunsch »ach dem Frieden eines eigenen Hauses eine sociale Forderung! Einen sehr praktischen Weg für Viele zur Erlangung dieses Zieles hat der „Praktische Rathgcber im Obst- und Gartenbau" cingeschlagcn: er hat einen Preis aus- gesetzt von 400 Mk. für Ansicht und Plan eines bürgerlich-einfachen und doch geschmackvollen Hauses, da8 einer Familie mit 3 Kindern
(Nachdruck verboten.)
Das Glysee.
Den Namen der „interessanten Länder" pflegt man den Balkanstaaten zu geben, für die in Wirklichkeit das Interesse nicht allzu groß und die eigentlich auch nur selten irgend etwas thun, nm cs zu rechtfertigen. Europas interessanter Staat ist i» Wahrheit Frankreich, selbst jetzt noch, wo eine nunmehr 30-jährige Stabilität des Regimes nicht mehr die Ueberraschungcn bietet, die die Welt von dem Lande zu erwarten gewohnt ist, seit es vor länger denn einem Jahrhundert gewaltsam die alte Ordnung über den Haufen warf.
Aber selbst ehe dieser Sturm über dasselbe dahinfcgtc, hat sich in diesem unruhigen Reich stets so Mancherlei zugetragen, was geeignet war, die Aufmerksamkeit der Welt zu erregen. Welche Wandlungen haben die Menschen und die Dinge erfahren, welch verschiedenen Bestimmungen die Gebäude gedient, an denen die Nation einen Antheil hat! Elysee-Vourbon hieß einst das Haus, in dem jetzt der Präsident des republikanischen Frankreichs sein offizielles Heim hat, das, als die Revolution ausbrach, die zweite Hälfte seines Namens verlor, um sie mit der Rückkehr des Herrscherhauses ivieder anzunehmen und sie dann abermals einzubüßen. Ob wohl je der Tag kommt, wo das 8. 8. (Ropribligllo Franfaise), das jetzt daran prangt, verschwindet, und das Elysse wieder das Elysoe-Bourbon wird? Unmöglich ist es nicht, wenn auch jetzt die Aussichten dafür recht gering erscheinen.
Ein Fürst war es übrigens nicht, der das Elysse errichten ließ, aber doch ein hochgeborener Herr, Graf d'Evreux, welcher das Geld seines bürgerlichen Schwiegervaters, des reichsten Mannes von Frankreich, benutzte, um in Erfüllung einer seiner aristokratischen Launen das Palais zu erbauen. Das Erstaunen seiner Kreise war nicht gering,
sich so weit von der Stadt entfernt, auf freiem Feld, ein Haus errichten zu lassen, das nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter zum Aufenthalt dienen sollte! Denn die Straße, die jetzt zum innersten Paris gehört, existirte damals, im Jahre 1715, noch nicht.
Trotzdem strömte alle Welt hin, als das Gebäude fertig gestellt, denn ein reizendes Palais mar entstanden mit prächtigen Anlagen und Springbrunnen, eines Prinzen würdig. Dies fand dann auch bald eine Dame, welche zwar kein fürstliches Blut in den Adern hatte, aber deren Laune» darum nicht minder kostspielige und welcher die Kaffe des Königs offen stand, um sie zu befriedigen, Mine, de Pompadour. Sie ersteht cs auch, bewohnt es jedoch nnr selten, denn sie getraut sich nicht, den königlichen Gebieter längere Zeit aus den Augen zu lassen, damit er sich ihrer nicht entwöhne. Aber sie schmückt das kleine Palais trotzdem nach Herzenslust, vergrößert und verschönert Gebäude und Garten, sodaß es eine sehr wcrthvolle Hinterlassenschaft ist, die sie bei ihrem Tode dem König vermacht. Dieser nimmt dieselbe an, aber benutzt das Hans nicht, das von seinem Nachfolger Ludwig XVI. an die Herzogin von Bourbon für eine verhältnißmäßig geringe Summe abgegeben wird. Jndcß auch sie, die es Elysoe Bourbon benennt, erfreut sich desselben nicht, denn als sie es beziehen will, bricht die Revolution ans, und um zu beweisen, daß sie mit dem Volke sympathisirt, vermiethet sie cs an einen Unternehmer, der dort öffentliche Vergnügungen veranstaltet. Das Gebäude wechselt seinen Namen und wird das „Hamsau äs Chantilly“, welches die Regierung schließlich als Nationaleigenthum erklärt und versteigern läßt. Längere Zeit bleibt es Vergnügungsetabliffement, dann werden die Etagen in kleine Wohnungen getheilt, und in dem Hause, das ein reicher Aristokrat sich erbaut und welches einem Könige gehört, wohnen eine Menge Miether,
bis endlich Mural es für 800,000 Francs ersteht. DaS Elysöe- Bourbon ist in den Besitz eines Bonaparlisten übergegangen.
Aber nicht lange soll er sich desselben erfreuen. Er muß Paris verlassen, um die Krone Neapels zu empfangen. Der Kaiser übernimmt das Palais, das jetzt den Namen „EIysee-Napolson" erhält. Der große Mann findet Vergnügen an dem Hause und komnit häufig dahin, es auf einige Zeit zu bewohnen, jedoch auch sein Eigenthnm bleibt es nur wenige Jahre. Am 20. Juni 1815 war der Besiegte von Waterloo noch einmal dort, um es einige Tage darauf, nachdem er seine Abdankung unterzeichnet, auf immer zu verlassen. Das alte Königshaus kehrt zurück, das Elysse ist abermals das Elyso'e-Bonrbon geworden.
Noch einmal soll jedoch ein Napoleon es bewohnen. Zum Präsidenten der Republik ernannt, zieht Louis Napoleon am 20. Dezember 1849 dort ein und zwei Jahre bleibt das Palais seine Wohnung. Dann erfolgt der Staatsstreich und der neue Herrscher von Frankreich nimmt seinen Aufenthalt in den Tuilerien.
Seit 1871 ist es wieder ein Staatsoberhaupt, dem das Elysse, nun ganz kurz so benannt, ohne jeden Beisatz, als Wohnung dient. Ein öffentliches Gebäude im gewissen Sinne, ein Haus, das der Nation gehört, ist es doch eigentlich nie derselben absolut zugänglich, denn so demokratisch sind wir nicht, wie die Vereinigten Staaten, und bei den Empfängen des Präsidenten sind die Thore nicht wie dort Jedermann geöffnet. Eine Einladungskarte ist nöthig, die indeß nicht allzu schiver erhältlich. Durch die prächtigen Räume wandernd, die so verschiedenen Zwecken gedient >md in denen noch so Manches an das Königthum erinnert, kann man nicht umhin, sich zu fragen, ob wohl noch einmal die Worte Elysoe-Bourbon oder Elysse-Napolöon über dem Eingang prangen dürften oder das 8. 8. nun für alle Zeiten sein Recht behaupten wird. W. Waldau.
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