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«». Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs Preis: durch den Verlag L« Pfg. monatlich, durch die Post l Mk. «s« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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IX 3t nun Einst» lür die Sibend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingcrcichter Anzeigen zur

"^HUHUJWU? uächstcrschcinende» Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

U0. 316. Fernsprecher No. 52. Mittwoch, de» 11. Ittli. Fernsprecher N». 52. 1930.

morgen-Ausgafss.

reifen gewählte hochfeine Grand Hotel du Qnai d'Orsay liegt dein Louvre gegenüber au der Seine. Die Verpflegung ist in allen Hotels eine vorzügliche und wird von den zurückgekchrten Rciseuden sehr gelobt. Für den Besuch der Ausstellung, für alle Besichtigungen, die nach ciucm auf wirklicher Erfahrung aufgestellten Programm vorgcuommen werden, und für alle Aiisflüge stehe» den Thcil- nchnicrn der Ncisen während der ganzen Dauer des Aufenthalts Wagen, bezüglich Dainpfbootc auf der Seine und beivährte Führer zur Seite.

— Ueber AnstchtspostKaetei» schreibt Peter Rosegger im „Hcimgartcn": Eine Familie mit dcui gewöhnlichen Bekannten­kreis gicbt wöäientlich mindestens vier Anstchlskartni aus. Wenn auch vielleicht im Winter weniger, so gewiß im Sommer mehr. Um dieses Geld könnte sie sich jährlich geht bis zehn schöne Bücher anschaffen. Die Ansichtskartcnniachcr wollen leben, heißt es immer. Ja, wenn cs den gütigen Leuten schon darauf ankommt — offen gestanden —, leben wollen eigentlich die Bnchcrschrcibcr auch! — Es liegt viel Wahrheit in diesem Ausspruch des bekannten öster­reichischen Volksdichters.

— Uom Kiev. Die .Wiener Braucrzeitung" hat eine inter­essante Bicrslatistik für das Jahr 1899 heransgcgcbcn. Die größten Brauereien im Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn sind dem­nach folgende:

Jahresproduktion in Hckto.

Berlin (Schultheis). 784,000

Schwechat-Wien (Dreher). 638,000

München (Löwenbrän). 594,000

Pilsen (Bürgerliches Brauhaus) .... 592,000

Wien (Mautner). 584,000

München (Spaten). 500,000

Ist cs schon ausfallend, daß eine Berliner Brauerei als die größte in ganz Deutschland und Oesterreich erscheint, so ist es noch be-

merkenswcrther, daß die Gesammt-Biererzeugung Berlins nur noch um 141,000 Hektoliter hinter derjenigen der Hauptbiersta dt München zurückbleibt. Es betrug nämlich die 1899er Jahresprodukiion Münchens 3,539,000 Hckto, gegen Berlin mit 3,398,000 Hekto. Als Vergleichsmaßstab fügen wir bei, daß die größte Mainzer Brauerei, dieAkticnbrauerci, in dem betreffenden Jahre 177,000Hektc>produzirte.

x Eine reiche Zwetschenernie steht für den diesjährigen Herbst in sicherer Aussicht. Roch sind die grünen Früchte, die nicht einmal zur Hälfte ihrer Größe ausgewachsen find, zwischen dem Laube kaum sichtbar und schon beugen sich die Zweige von ihrer Last. Allerdings können noch unzählige derselben durch un­günstige Witterung oder durch das Vernichtuuasmcrk der Insekten zu Grunde gcl>cn, che der Herbst die Früchte zur Reife bringt. Eine wunderbare Erscheinung, welche übrigens so alt sein dürste, als die Kultur des Zwclschcnbanms, ist auch in diesem Jahr wieder häufig zu beobachten und wird die Bäume in der nächsten Zeit van einem weitere» Theilc ihres Erutesegcns ent­lasten. Es sind dies die sog. Taschen der Zwetschcn, jene gekrümmten, meist schotenförmigen und kcrnlosenGebildc von stattlicher Ausdehnung, die in unserer Gegend auch Hörner genannt werden. Lauge hat man sich den Kopf zerbrochen über die Ursache dieser Mißbildung und hat schlechte Witterung, mangelhafte Befruchtung und Insektenstiche dafür verantwortlich gemacht. Heute weiß der Poiuologc, daß von allcdcnl nichts zutrifft, sondern daß die Erscheinung auf die Thätigkcit eines Pilzes zuriickzufiihrcn ist. Das Pilzgeflecht überwintert in den Frnchtzwcigcn und gelangt im Sommer durch die Fruchtstiele in den Fruchtansatz, wo cs daun sein Vernichtuugswcrk beginnt. Da die Krankheit namentlich in fruchtarmcn Jahren empfindlichen Schaden verursachen kan», so sammelt der Obstzüchter die Tasche», noch che der Pilz ansgereift ist, und verbrennt sic. Wegen des angenehm säuerlichen Geschmackes werden die Mißbildungen hier und da. namentlich von Kindern, gern gegessen, ob sie besonders appetitiich und bekömmlich sind, bleibe dahingestellt.

— Ei« Vsendo-„Vämchen". Aus Mainz berichtet der dortige „Anzeiger" vom Montag: Um 4 Uhr gestern Früh wurde auf der Kaiierstraße ein dort hcrnmspazicrendes chices „Dämchen" von zwei Schubleuten fcstgcnommcn und auf den Bezirk gebracht, an, Elli Wehner zu heißen und Kellnerin aus Köln-Nippes

Sie gab an,

zu sein. Wegen obdachlosem Uuihertrei'bcn blieb diese „Elli Wehner" in Polizeigewahrsam und wurde Morgens nach der üblichen Ver­warnung, sich innerhalb drei Tagen Stellung und Obdach zu suchen, entlassen. Kaum war nun das Mädchen entlassen, als vom 1. Bezirk die telephonische Meldung kam, daß der 15-jährige Peter W. von hier (geboren am 11. Januar 1885) die Kleider seiner Schwester angezogen habe und sich von zu Hause entfernt habe. Dieser junge Mann war nun das wegen Obdachlosigkeitaufgcgriffcue „Dämchen",das seine Frauenrolle so täuschend, auch stimmlich, zu spielen weiß, daß Niemand das wahre Geschlecht des „Jüngling-Fräuleins" zu errathen vermag. Wie wir noch hören, hat der' Betreffende schon 14 Tage lang in Darnistadt als Kellnerin gearbeitet, und zwar zur vollen Zufriedenheit seines Prinzipals. In Frauenkleidcrn hat er auch die Zahlbacher Kirchweibe besucht. Liebesbriefe an Herrn zu schreiben, ist auch eine Lieblingsbeschäftigung von ihm. Rendezvous hat er auch schon gehabt. Die Herren sollen ob der Anmuth und Eleganz, mit der sich das „Jüugling-Fränlein" zu bewegen ver­stand, entzückt gewesen fein. Wegen feines gestrigen unüberlegten Streiches hat sich Peter W. übrigens eine Anzeige wegen groben Unfugs und falscher NamenSangabe zugezogen.

— Schwindle»'. In Mainz treibt sich wieder ein fremder Kolporteur umher, der für eine auswärtige Buchhandlung Bücher auf Ratcuzahlungen absetzt. Der Kolporteur läßt sich von den Abonnenten, die vorsorglich in ein Buch eingetragen werden nnd einen Gutschein erhalten, 2 bis 3 Mk. als Anzahlung auf die bestellten Bücher bezahle». Hat der Kolporteur das Geld, dann empfiehlt er sich, um nicht wieder zu konunen. Die angestcllten Recherchen haben ergeben, daß man cs mit einem Schwindler zu thun hat, der auch Wiesbaden unsicher macht.

0 Grlienheim, 10. Juli. Das 25-jäbrige Jubelfest unseres Krieger-Vereins wurde am Saiiistag Abend durch ein von Herrn Kunstfeuerwerkcr Becker von Wiesbaden am Denk­mal abgebranntes, brillantes Feuerwerk eingeleitet. Nachdem die drei hiesigen Gesang-Vereine je ein Lied vorgetragen hatten, brachte Herr Bürgermeister Merten in markiger Weise das Kaiserhoch aus. Hierauf ergriff Herr Pfarrer Mvurenu das Wort, um der großen und segenSreickien Thatcn von 1870 71 zu gedenken. Der Komniers fand im Saalbau „Löwen" statt. Ansprachen, Liedcrvorträge und Gruppirnngen aus der Zeit der Freiheitskriege, letztere aufgeführt von Mitgliedern unseres Tnrn-Vereins, wechselten in entsprechender Reihenfolge mit einander ab. Herr Franz Hener überreichte dem Krieger-Verein einen von sämmtlichen hiesigen Vereinen gestifteten silbernen Lorbecrkranz. Die jüngeren Kameraden ließen durch Herrn Heinrich Wilhelm Drcßler den Veteranen kunstvoll ausgcfuhrte Diplome zur Erinnerung an das 25-jährige Jubiläums­fest verabfolgen. Reiche Abwechselung brachte die Hoffmannffche Kapelle in musikalisch vollendeten Vorträgen, welche großen Beifall der Theilnehmcr ernteten. — Die Feier am Sonntag wurde durch Weckruf und Böllerschicßeu eröffnet. Nach gemeinsamem Kirchgaug wurden die Gräber der verstorbenen Veteranen geschmückt. Nachmittags bewegte sich ein hübscher Fcstzug bnret) die Ortsstraßen zu dem an der Taunusstraße schön gelegenen Festplatz, wo Kamerad

§ err Lehrer HartinannShenn die mit großem Beifall aufgenouumne estrcde hielt. Dieselbe klang in einem dreifachen Hoch auf unser geliebtes deutsches Vaterland aus. Fräulein Auguste Becht übergab hierauf in trefflicher Ansprache eine prächtige Fabnenschleife, ge­stiftet von Frauen und Jungfrauen der Krieger. Bald entwickelte sich unter großer Belheiligung auch von auswärts gekommene, Gäste ein reges Leben. Eine angenehme Ucberraschung erfuhr der Kriegervercin in dem Geschenk der Familie unseres hochverehrten Herrn I)r. Gcldcrblom in Form einer kunstvoll inGold gcwirktcnFahnenquaste

Aus Ktadt und §and.

Wiesbaden. 11. Juli.

— Geschichisllälender. 11. Juli. 1887: Deutsche Massen­kundgebungen in Eger. 1897: Aufstieg des Polarluftschijfers Andröc in Gemeinschaft niit Knut Fränkel und Niels Strindbcrg. 1896: f Professor Dr. Ernst Curtins in Berlin, berühmter Historiker und Archäolog. 1871: Ernennung des Königs Albert von Sachsen znm Generalfcldmarschall. 1859: Frieden von Villa­franca zwischen Oesterreich und Frankreich. 1849: Einrücken der Hessen und Mecklenburger in Konstanz. 1708: Sieg des Prinzen Eugen von Savoyen bei Oudenarde. 1700: Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften nach Leibnitz' großartigen. Plane durch König Friedrich I. 1694: Kurfürst Friedrich III. inaugurirt die Universität Halle. 1657: * Friedrich I. König von Preußen, zu Königsberg. 1608: * König Ferdinand III. z» Graz. 1344: ch Eberhard II. der Greincr von Würtlemberg. 1183: ch Otto I. Graf von Wittelsbach. 816: ch Papst Leo III.

— PersonalUachrichten. Herrn Obcrforstmeistcr Professor Oe. Borggreve hier ist der Rothe Adlcrordcn 3. Klasse niit der Schleife verliehen worden. — Herr Wasscrbauinspcktor Baurath Hahn in Frankfurt a. M. erhielt den Rothen Adlcrorde» 4. Klasse.

— Königliche Schauspiele. Statt der für morgen Mittlvoch angekündigten Vorstellung „Cyprienne" kommt eingetretener Hinder­nisse wegen „Vorwärts" und „Rüschhaus" zur Ausführung.

o. Kirchliche». Die Größere Evangelische Gesammt- kirchengemeinde-Vertretling tritt am nächsten Donnerstag, 4 Uhr Nachmittags, im Wahlsaale des NathhauseS zu einer Sitzung zusammen, um über einen Stellvertreter für den erkrankten Herrn Pfarrer Friedrich Beschluß zu fassen. — Mit der Ausmalung des Innern der Marktkirche wird in den nächsten Tagen be­gonnen. Während der Dauer der Arbeit — ungefähr 5 Monate — bleibt die Kirche geschlossen. Für die Glieder der Marktkirche wird während dieser Zeit abwechselnd in der Berg- und Ringkirche Gottesdienst abgehalten. Die Malerei wird nach dem gewählten Entwurf des Malers Wichtenthaler von Hannover durch Herrn Maler Hildebrand von hier ausgcsührt. Die Aufstellung des Ge­rüstes ist sehr schwierig und wird allein mehrere Wochen in An­spruch nehinen.

— Rauchlose Rhein-ampfer. Es scheint, als ob der

Segen der Nauchverbreninnig sich demnächst auch aus unsere Flnß- schiffahrt ailSdehnen wird. Nach einer Mittheilnng der Zeitichrift des Vereins deutscher Ingenieure sind kürzlich auf einem Rhein- schleppdampfer Versuche gemacht worden, die nicht nur eine be­friedigende Nauchvermindcruug, sondern auch eine Kohlenersparuiß von 13 v. H. bei 3 Probefahrten ergeben haben sollen. Das Ver­fahren besteht darin, daß durch eine Streudiise ein Dampfstrahl aus die brenneiidc Kohlensctiicht des Rostes geblasen wird, der das Entweiche» der feinen Kohlentheilche» verhindert und zu einer voll­ständigen Verbrennung Anlaß giebt.

— Karl Stangen» Reise-Küren», Berlin W., Friedrich- straße 72, hat infolge der großen Nachfrage nach seine» Gesellschafts­reisen nach Paris nunmehr Vorsorge getroffen, daß cs allen An­sprüchen genügen und ziemlich jede beliebige Zahl Neiscnder bc- förbern kann. Die sämmtlichen von Karl Stangcns Reise-Bürean in Paris bisher zur Zufriedenheit aller Theilnehmer benutzten Hotels liege» im Mittelpunkt der Stadt in der Nähe der inneren Boulevards und das für die sogenannten Mittwochs­

(Nachdrnck verboten.)

Präsident Kröger.

Von William F. MaaS.

Als ich das letzte Mal, am 17. Mai d. I., beim Präsidenten Krüger dinirte, da bemerkte ich erst, wie leidend er aussah, wie sehr er in letzter Zeit gealtert hatte. Fort­während ist sein Angen-Spezialarzt in seiner Umgebung, der ihm die hochangestrengten Augen behandelt, sodaß er schon deswegen scharfes Licht vermeiden muß und sich gewöhnlich in dem dunkel-verhängten großen Empfangszimmer aushält. Hier sitzt nun der „Burenkönig" fast den ganzen Tag und ohne Rast der Arbeit ergeben, die mit unaufhörlicher Schnelligkeit die Nachrichten des bitteren Krieges bringt. Herr Krüger ist nie allein, sein Privatsckretür Eloff ist gewöhnlich bei ihm und fortwährend werden die Befehlshaber der verschiedenen Kommnrdos angemeldet, welche thcils gute, rheils traurige Nachrichten ihrem Oberhauptübermitteln.

Die Opfer des grausamen Krieges, die stete Besorgniß um Land und Volk, die Versorgung der Leute, die Ver­pflegung der Gefangenen, das Jammern der Frauen und Kinder, die ihre Männer und Väter verloren haben, Alles trägt dazu bei, die Tage des greisen Herrn zu verbittern. Besonders ist es aber der Verlust seiner alten treuen Freunde, welche im Kampf für Freiheit ihr Leben ließen, welche schon seit Jahrzentcn die Stütze und Unterhaltung des Krüger-Hauses waren. Mit thräncnfenchtcn Augen be­trat damals der Präsident den Raad-Saal, wo viele Plätze seiner Mitarbeiter leer erschienen, manche siegten noch auf dem Schlachtfelde, viele aber hatte schon die feindliche Kugel dahingcstrcckt und waren deren Sitze mit Palmenblättern und schwarzem Flore geschmückt. Nicht ist es allein die Sorge und die Trauer seiner Freunde, die den Präsidenten betrüben, nein, nicht weniger wie 59 seiner eigenen Angehörigen haben die Waffen ergriffen und sind ins Feld gezogen, um siegreich heimzukehren — viele davon hatten nicht geahnH ihr Leben dort zu lassen.

Gemartert und bedroht ist sein Leben. Die Engländer waren schon über Transvaals Grenzen, täglich rückten sie näher, täglich wurden seine Leute znrückgctriebcn, und er selbst mußte sich vorbcreilen, zu fliehen und sich zu retten. Mil Mitleid sah ich auf das vielgetrüble Haupt und geleitete ihn zur Veranda, wo wir uns auf einer Bank nicderlicßen und die Pfeifen stopften.

„Nun, Herr Präsident, was halten Sie vom Kriege?" frug ich prüfend. — „Nichts und abermals nichts!" rief er mit zitternd erregter Stimme. „Wie kann ich mit einer Handvoll Leute gegen die Engländer kämpfen, die, mit be­reits kolossaler Uebermacht, noch andauernd frische Truppen landen?"

„Mein Herr, beruhigen Sic sich. Ich als Offizier in Euren Diensten, der die Gefechte bei Elandslaagte, Colenso und Mnseking mitgcmacht hat, zu jeder Zeit bereit, zu siegen oder zu fallen, ich denke, mir gebührt das Recht, zu fragen, und die Genuglhnung, Euren erfahrenen Worten zuhörcn zu dürfen." „Gewiß," erwiderte er beruhigt, ich ärgere mich aber immer, wenn ich von den Engländern rede. Nicht allein erschießen sie mir meine tapferen Buren, nein, sic wollen mein Land und unsere Unabhängigkeit und Freiheit; sie ruhen nicht eher, als bis sie cs haben und meine Leute todt sind." „Würde England sich nicht ver­binden, Frieden zu machen, oder würden Sie, mein Herr, nicht solches Anerbieten stellen?" „Sicherlich! Wenn die Engländer Frieden machen wollten, ich bin zu jeder Zeit hier, einen solchen Vertrag zu iintcrzcichucn, doch zweifle ich sehr, daß es dazu kommen wird."

„Aus Euren Worten, Präsident, kann ich sehen, daß Sie abgeneigt sind, mit den Bedingungen, welche 'England in diesem Falle an Sie richten würde, übereinznkommen?"

„Nein, auf keinen Fall! meine linabhängigkcit gebe ich nicht her, Transvaal muß bleiben, wie cs ist, ich gebe den Ausländern kürzere Frist, Bürger zu werden, sonst nichts, und wenn ich hierdurch nichts erziele, so kämpfen wir bis zun» letzten Mann für Stolz, Ehre und Freiheit!"

Die letzten Worte betonte der Präsident mit lauter, bebender Stimme. Welcher Kontrast liegt auch zwischen den beiden Bestimmungen, einerseits haben wir die Friedenspalme und das weitere Ansblühen der beiden unabhängigen Staaten, andererseits sehen wir jammernde Frauen, brechende Herzen, leere Hütten nnd blutgetränkte Felder!

Noch lange unterhielt ich mich mit Ohm Paul, besonders über Mafeking und über seinen Neffen Eloff, dessen Adjutant ich gewesen und der wenige Tage nach meiner Abreise von Badcn-Powcll mit vielen Kriegern gefangen genommen worden und der Rest meines, des Johaunesburgrr, Kommandos erschossen worden ist.

Wieder waren viele Depeschen eingelanfen, die in seinem Arbeitszimmer aufgehäust lagen, schmerzlich wies er darauf hin und sagte: was werden die mir Neues bringen?

Mit Wärme drückte ich die mir dargcbotcne Rechte, Rache schwörend Dem, der es vermag, ein solch hochherziges, edles, doch kraftvolles Gemüth zu trüben.

Am nächsten Morgen, che ich nach Lonrenco MarqneS abfuhr, wurde ich nochmals gebeten, beim Präsidenten zu erscheinen. Als mein Wagen hielt, erhob sich der Atte und kam mir entgegen. Sein Sekretär brachte Tinte und Feder auf die Veranda, wo er sein Bild für mich vorbereitet hatte, dem er seinen Namcnszug aufzeichnete und das er inir überreichte. Dies wird mir zum ewigen Andenken bleiben. Es war wohl das letzte Portrait, das er widmete, denn noch in derselben Woche mußte er sich flüchten und Pretoria vielleicht für inimer verlass«.». (Dies Bild ist in der Römer'schen Buchhandlung in der Langgaffe ausgestellt. Herr William F. Maas, der Verfasser vor­stehender Millheilungen, ist der Sohn des Herrn Rentner Adolf Maas, Kreidelstraße, hier. Der Herr gedenkt nächsten Monat wieder nach Transvaal zurückzukchren und ist auch bereit, Jedwedem freie Auskunft über die dortigen Verhält» nisse zu geben. Die Red.)