1. Beilage mm Wiesbadener Tagblatt.
Mo. 314 . Morgen-Ans-nbe«
Dienstag, den 10. Juli.
48. Jahrgang. 1900.
(4t. Fortsetzung.)
(Nachdruck verboten.)
Ans Grnnweide.
Roman von K. ^asmS-^aysen.
Der Graf, der sich Über die fehlgeschlagene Hoffnung bezüglich des Weines nicht zufrieden geben konnte, versuchte :ine Theilung zu erlangen; als er jedoch vernahm, daß der Konsul halb Cypern durchstreift, um echten, guten Cypern- ivcin zu erlangen zur Siärkung für eine erkrankte Verwandte, die in Larnaca von dem dort herrschenden Fieber befallen und nun mit der Mutter in Vaffa weile, so war mit der Erklärung die Sache erledigt, und der Graf mußte, freilich mit süßsauerem Gesicht, diesen Abend anstatt mit der Commanderia mit Sherbct auf die derb verspottete Poesie anstoßcn.
Die am anderen Morgen fortgesetzte Reise nahm zur Erreichung Larnacas die Zeit eines Tages in Anspruch. Eine weite Ebene, lange nicht so lieblich, wasserreich und fruchtbar, wie die Lefkosias, mußte durchwandert werden, in ihrer Einförmigkeit endlich durch Kalkhügel unterbrochen, von denen her man die Nähe des Meeres zu ahnen, die erfrischende Brise zu fühlen begann. Waldung wechselte mit Moorgrund ab, dessen Ausdünstungen, wie der Konsul bemerkte, in der heißen Zeit der Stadt so verderblich, und derselben die bösen, stets gefährlichen Fieber alljährlich bringt.
Aber Larnaca zeigte einen ganz anderen, viel belebteren, ausgeprägt orientalischen Charakter, als die armselige, türkische Hauptstadt Lefkosia, und durch die Anwesenheit vieler Kaufleutc und Konsuln herrscht statt träger Ruhe überall Rührigkeit und Abwechselung.
Ein stolzer Palast ist des Konsuls Wohnung. Aber welch todtenhafte Stille und welch kalte Ungemüthlicbkeit in den großen, prachtvolle Räume». Man empfand, daß hier Frauenhände seit Jahren nicht, gewaltet, denn der Konsul ist Wiltwer und ohne Kinder, und die italienischen Verwandten in Baffa Mutter und Schwester der verstorbenen Gattin, gedachten sich nur während der Frühlingszeit besuchsweise bei ihm aufzuhalten.
Das ist Alles, was mir im Laufe des Gesprächs in kurzer, fast gezwungener Weise über seine Verhältnisse erfuhren.
Vielleicht ist's noch der Kummer »m die verlorene Gattin, die diesen, mich seltsam fesselnden Mann so wortkarg und düster macht. Seine Antworten verraihen oftmals auffällige Zerstreutheit und ick glaube in dem Blick seines Auges irgend einen versteckten schweren Lebensschnierz zu erkennen; er ist wie nach innen gerichtet und seine Gedanken scheinen fortwährend mit irgend einer gewaltigen Empfindnng zu kämpfen. Wenn bei einer Kopfbewcgnng sein volles schwarzes Haar auf die Stirn fällt, so schüttelt er cs jäh zurück, oder streicht es mit der Havd, die den Trauring trägt, davon. Er spricht ein gutes Deutsch, und nur gewisse Italienische Accente verrathen den Italiener.
Ein einziges Mal erhielt der sonst immer kalte, etwas scharfe Ton seiner Stimme ein lebhaftes Kolorit. Das war an dem Abend, als wir in Larnaca angekommen waren, und zwar zufällig zugleich mit dem Eintreffen des österreichischen Dampfschiffes, welches monatlich ein bis zwei Mal Cypern berührt.
Wir gelangten dadurch unverhofft schnell zu unseren Briefschaften, und ich beantwortete noch selbigen Abends ein an mich gerichtetes Schreiben, welches für mich den Ruf als Professor der Naturwissenschaft nach K. enthielt, in ablehnender Weise, da ich nicht gewillt bi», meine schriftstellerische Laufbahn und die Reisen mit dem Grafen aufzugeben. Sehr gefällig hatte mir der Konsul seinen Schreibtisch zur Verfügung gestellt, und ich saß vor dem geöffneten Fenster, in meine Korrespondenz vertieft, als die Unterhaltung der beiden Herren, die hinter mir in Schankel- stnhlen ihre Cigarren rauchten, animirter wurde.
Es war von einem Bilde die Rede.
„Ah," hörte ich den Grafen sagen, „das ist ja ein wunderschöner Franenkopf! eine Kopie irgend eines Klassikers, nicht wahr?"
„O nein," antwortete der Italiener, „kein Werk der Phanlaste. . Die Wiedergabe dieses Kopfes ist für den Beschauer, der das Original kennt, keineswegs als gelungen zu betrachten. Die Natur ist eben unerreichbar und höchste Meisterschaft der Kunst Stückwerk dagegen. Das Gemälde ist Portrait. Es ist die Kranke, für die ich den Cypcrn- wcin gesucht."
„So, so. Aber wie künstlerisch anfgcfaßt. Die eigenartige Staffage giebt dem Bilde wirklich ein klassisches Gepräge. Ich habe die schöne Gestalt, so in dem dämmerigen Hintergrund dieses Zimmers, — Pardon, — für eine griechische Gottheit gehalten. Man glaubt, durch das Gewand athmendes Leben pnlsiren zu sehen, und daß der Künstler das schaumbedeckte Meer so unmittelbar an die am Strand ruhende Gestalt heranwallen läßt, verräth auch, daß er diesen Eindruck bezweckt."
Ich sah von meinem Platze ans seitwärts in einem großen venctianischeu Spiegel das lebensgroße Gemälde. Mit hocherhobener Kerze stand der Graf davor, als ich aber, von den träumerischen Franengngen unwiderstehlich angc- zogen, aufsvrang und herzncilte, verlöschte das Licht im Luftzug und das Bild glänzte nur noch in unbestimmtem Halblichte ans dem Nahmen hervor.
Der Konsul murmelte einige unverständliche Worte, und die hastig gezwungene Weise, mit der er das Gespräch wechselte, ließ mich vermnihen, daß er den Vergleich des Grafen unpassend und empfindlich aufgenommen habe.
Am anderen Tage freilich verrieth nichts mehr eine Verstimmung an ihm. Wir verabschiedeten uns von ihm, da mir die Insel bis Vaffa durchstreifen, er dieselbe zu umschiffen gedachte, und nun erbat er sich in freundlichen Worten unseren Besuch auch in Baffa. Diese Zusage wurde ihm ohne Zögern gemacht.
Ich will kurz über unsere mühseligen Streifereien durch die ganze Insel hinweggchen. Die wilde, schöne gewaltige Natur lohnte die Mühen. Ihre unerschöpfliche Kraft muß indessen einmal ein Ende nehmen, den Eindruck gewinnt man, wenn man die gelichteten Wälder sicht, ans denen der Türke die Bedürfnisse für seine Kriegswerften mit verwüstender, maßloser Verschwendung entnimmt, ohne für Nachwuchs zu sorgen, wie es doch alle Völker, Phönicer, Griechen, Byzantiner, Franken und Venelianer, gelhan, die Jahrhunderte früher eins nach dem andern die Insel beherrscht. Und trostlos sind die unabsehbaren Strecken, nirgends
Bodenkultur, und da, wo der cyprische Olymp seinen Gipfel erhebt, wo einst ein der Venus geweihter Tempel gestanden, dessen Ruinen zwischem dichtem Gestrüpp jetzt verlasscn zum Himmel starren, wo Klöster und Weinberge, Gärten und grünbepflanzte Bergabhänge die reichen Cyprioten in die erfrischenden Haine gelockt, da sieht das Auge nichts Anderes als wüste Orden, eingelrocknete Bäche, giftiges Gewürm, verkümmerte Rcbenstöcke, durch welche die Ziegen und Esel zur Frühlingszeit schweifen. Alles wird vernachlässigt, Oeb- und Getreidebau, Baumwolle- und Zuckerrahrbauten, auch die Seidenzucht, trotzdem ich Wälder von Maulbeerbäume» gesehen. Und welch ein Rcichthum an Mineralien, an Eisen, Zinn und Kupfer liegt nutzlos im Innern der Erde, weil selbst die Stellen der alten Minen unbekannt geworden sind. Ich bezweifle deshalb auch, daß der Graf hier in Baffa seine Sammlung durch Bergkrystalle, aus denen die berühmten, sogenannten Baffadiamanten entstehen, bereichern wird. Und dies ist doch gerade der Zweck, weshalb wir gerade Baffa oder Paphos, wie cs dereinst hieß, aufgesircht.
Da haben wir denn wieder unser Zelt aufgeschlagen und uns bemüht, weil wir längere Zeit Rast machen wollien, ein recht geschütztes, liebliches Fleckchen zu finden.
Zwei gegeneinander liegende, sanft aufsteigendc, oliven- geschmücktc Hügel bilden ein stilles Thal, das unsere luftige Wohnung ausgenommen. Da kann uns nicht der Hauch des Meeres erreichen, aber es ist nahe genug, um sein Rauschen und Schäumen zn hören, ein Schlaflied für unsere müden Augen, als wir endlich nach mehrtägigem Wandern am Ziele waren.
Als ich am ersten Morgen die Höhe des Hügels erstieg, die große, weite Bai, zum ersten Male wieder das Meer zu meinen Füßen, als ich Paphos sah, die alte, einst der Lust und dem Vergnügen geweihte Stadt, griechische Kirchen und Moscheen im Morgennebel, den breiten, niedrigen Felsen dahinter, nahe der Küste ein altes verwittertes Schloß, Häuser in Gärten und den schanmbespülten Meeresstrand, da lebte in meiner Erinnerung auch wieder die Mythe auf, die die Göttin der Schönheit hier aus dem Schaum des Meeres entstehen ließ.
In dieser erhabenen Umgebung, in der tiefen Morgenstille, durch welche die Schauer mythischer Erinnerungen flutheten, in dem flimmernden Duft der Landschaft, von graugrünen Baumkronen uralter Oliven beschattet, hier übcr- kam niicb wieder, wie so oft, das klärende Bewußtsein, mit so viel Naturschönheit in vollkommenster Harmonie zu stehen, ein zufriedener, sehr glücklicher Mensch zu sein.
Heute schon ist cs anders. Ich wußte damals nicht, daß es Leidenschaften giebt, die der Harmonie einen Pulsschlag verleihen, der sie auf die Höhen des Lebens führt, in ihren sehnsüchtigen, wenn auch beglückenden Empfindungen aber das seelische Gleichgewicht stören. Ich kannte keine Liebe. Sic hat mich ergriffen, so schnell, wie sich ein frifther Morgenwind erhebt nach nächtlicher Stille. Du sollst nun davon hören.
Es war an einem Spätnachmittage, als ich auf jenem Hügel ein historisch, archäologisch, kritisches Pensum abarbeitete. Weit ab vom Zelte, in tiefster Ruhe, gedieh die Arbeit schnell unter meiner Hand.
(Fortsetzung folgt.)
Modewaaren-Haus ilinsa llsi.CE*.
Garnirte und ungarnirte Hüte, spec. Original Pariser Modelle
werden cnorssi billig abgegeben.
Hüllst Ulster, Langgasse 25 .
MtteuMtlllW- und Wsjlifecljoiis-AMlill.
Verfahren gesetzlich geschützt.
Radlcale Vernichtung von Motten, Wanzen, Holzwürmern und anderen Jnscctcn nebst deren Brut ans allen erdenklichen Gegenständen.
Desinfektion aller Gebranchsgegenstände und Nänine nach Krankheits- und Todesfällen.
Keine Beschädigung. Garantie. Billigste Preise. 3717 _ lleinricli Sperling, Moritzstrahe 44.
Mein Bnreau
befindet sich 8288
Nheinbahnstraße 4 .
L. Euler, Architekt.
Wein - Etiquetten
vovräthig. 1521
«lus. tJlrfcla, Friedrichstrasse 39,
_nahe der Hirclignsse.
Mittligstisch,
gut bürgcrl., einpf. auch anß. d. Hause. Fr. Sprenger, Fraukenstr. 3. 4006
Frankfurt a /M.Kai;erclrj
jöenhpale: Berlin N.W.ßf
| Segrünctetl 882 . 2135/11 g.)
Herren
Jllnstr. Preisliste LckM
rcn und Dame» vers. geg. 10-Pf.-Mk. f.
Bedarfsartikel und ccialitäten f. Eheleute,
.s.-Mk. f. Porto gratis
s*. Kissmiiiiii. Magdeburg, Gummiwaaren-Versandtgeschäft. Wcdcrvcrkänfer gesucht. F63
Ziehung schon 12. Juli W
Briesener 1 Mark Loose
1652 Gewinne
Im Werth« von
50 f 000 Mark
Ferner empfahlen wir
Siebeugebirgs - Looso
Hauptgewinn:
I 25 'QG 0 '
___ „len Verkaufsstellen n. b. (
Lud. Hüller & Go.,
1 Ganzes 4 jH.,
1 Halbes 2 M,
Porto u. Liste 80 Pf. extra.
Loose hier bei allen Verkaufsstellen n. b. General-Debit
Berlin C.,
Itreitestr. 5
Telegr.-Adr.: Glüeksmüller.
F79
