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«8. Jahrgang.

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Jtfl« 315« Fernsprecher No. 52.

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Abend-Ausgabe« •

(Nachdruck verboten.)

Die Dorer in China «nd Frankreich.

Unser Pariser w-Korrespoiideiit schreibt uns:

Frankreich hat seine Nationalisten und China sein« Boxer. Beide Parteien überhitzen das patriotische Gefühl der Massen. Beide nähren den Fremdenhab und schüren zum Bürger­krieg und Umsturz. Beide suchen das Volk glauben zu machen, ihr Land sei von erkauften Berräthern regiert, die mit dem Anslande im Bunde stünden und deren inan sich nicht rasch genug mit gewaltsamen Mitteln entledigen könne. Die Behandlung, welche die Einen dem unglücklichen Kaiser von China haben angedeihen lassen, ist von den Andern dem Präsidenten Loubet zugedacht. Für die Einen wie für die Andern liegt die einfachste Lösung der politischen Gegensätze und Schmierigkeiten in der Ermordung der Gegner. Ihre Vorbilder sind die sizilianische Vesper und die Bartholomäusnacht oder Pariser Bluthochzeit. Die Boxer haben in Peking ihrem Programm bereits durch die That Ausdruck verliehen. In Frankreich hat man die Nationalisten in Algier und im Fort Chabrol, sowie in zahlreichen Straßenkämpfen die gleiche Gesinnung bethäligen sehen. Hier ist glücklicher Weise die Negierung und der hinter ihr stehende vernünftige Theil des Volkes rechtzeitig energisch eingeschritten; andernfattswäre, wenn dieNationalistcn zur Herrschaft gelangten, die Lage der Fremden in Paris und sogar die der diplomatischen Vertreter auf die Länge der Zeit nicht minder kritisch geworden, als sie es im Reich der Mitte ist. Hatte doch, wie im Komplottprozest vor dem Staatsgerichtshof festgestcllt wurde, einer der Ver­schworenen, Dubuc, vertraulich die Parole «usgegeben: „vocorvoltzr silencieusement le plus de republicains possible“, „in aller Stille so vielen Republikanern als möglich das Gehirn auöleercn". Unter „Republikanern" saht der Nationalist Alle zusammen, die an der bestehenden Verfassung festhalten und Frankreich nicht der Diktatur irgend eines Abenteurers überantworten wollen. Decerv'eler, wörtlich „enthirncn", ist ein Schlüchlerauedrnck, zum ersten Mal statt auf Kälber auf Menschen, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind, mit nüchterner Gcschäftsmäßigkeit angewandt, aber nicht, wie man etwa denken könnte, von einem ungebildeten Menschen, sondern von einem geriebenen rvyalistischcn Politiker; Herr Dubuc ist noch heute stolz auf die von ihm entdeckte Formel der Volksbefreiung, und ein Pariser Bezirk hat ihn in Anerkennung seiner hervor­ragenden Verdienste um die nationalistische Sache in den haupt­städtischen Gemeinderath gewählt. DieDubucs,Gucrins,Rcgis und ihre Anhänger sehen sich trotz der Pariser Wahlerfolge doch momentan etwas zurückgedrängt, aber sie hoffen und halten sich bereit. Die Erfolge ihrer chinesischen Gesinnungsgenossen sind geeignet, ihren Muth und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Haben doch ihre Freunde im Parlament soeben wieder in einer wilden Boxerscene gezeigt, daß sie auf dem Posten sind. Ihr Führer Negis hat sich demnäckst in Draguignan vor dem Schwurgericht wegen der Theilnahme an der Er­mordung einiger Israeliten Algiers zu verantworten, wo er sich die nöthige Handfertigkeit im „Enthirnen" aneignen wollte. Es ist Zehn gegen Eins zu wetten, daß ihn die Geschworenen frcisprechen. Rochefort und Drumont werden einfach die Liste ihrer Namen veröffentlichen und sie für den Fall einer Verurthcilung mit dem bürgerlichen Boykott und der Volksrachc bedrohen. Das ist zwar gesetzwidrig, geschieht aber bei jeder Assisen-Vcrhandlung, bei der Nationalisten angeklagt sind. Was bedeutet dem Nationalisten das Gesetz? Er läßt es nur gelten, wenn es zu seinem Vortheil spricht. Die Republikaner aller Schattirungen können in den chinesischen Vorgängen nur Warnungszeichen erblicken: wenn sie ihren Boxern nicht scharf auf die Finger sehen und energisch auf die Finger klopfen, so werden diese, wie ihre Gcsinnungsbrüder in China gcthan haben, Greuel und Ver­wüstung über das Land bringen.

Der Aufstand in China.

Zur Lage.

Auf die überraschend günstigen Nachrichten über den Stand der Dinge in Peking wird in Berlin nicht so viel Werth gelegt wie auf die besser zu prüfenden Anzeichen von Spaltungen unter den chinesischen Machthabern. Die Meldungen aus Peking möchte man gewiß gern glauben, und die Möglichkeit, daß sie die Wahrheit sagen, ist nicht ausgeschlossen. Aber ihr Ursprung erregt Verdacht. Sie stammen sämmtlich aus chinesisck-en Quellen, «nd die Lügen­haftigkeit dieser Berichte ist im bisherigen Verlaufe dieser Ereignisse hinreichend dargethan worden. Auch muß cs mißtrauisch machen, daß, von den sich angeblich noch haltenden Gesandtschaften keine direkte Nachricht an die Küste gelangt sein soll. Dagegen erweckt das Verhalten der südchinesischen Vicekönige mehr Ver­trauen und läßt die Hoffnung zu, daß eine kluge Benutzung der Zersetzung unter den Würdenträgern

Dienstag, den 10. Inli.

des Reichs für die Interessen der Mächte ebenso zweckmäßig sein könnte, wie es die Entfaltung militärischer Machtmittel ist. Andererseits ist kein Zweifel daran gestattet, daß die Lage in Tientsin mit jedem Tag kritischer wird, und daß die Situation für die Europäer in Peking, falls sic noch am Leben sind, verhängnißvoll werden würde, wenn Tientsin, wie es befürchtet wird, aufgegeben werden müßte. Eine Londoner Meldung, wonach in Berliner maßgebenden Kreisen die Ansicht Raum gewinne, daß eine inter­nationale Konferenz die Schwierigkeiten am besten lösen könnte, hat einstweilen nur als Stimmungssymptom Werth. Der Gedanke einer solchen Konferenz hat bisher nirgends erkennbare Gestalt angenommen. Atich was sonst über diplomatische Vorgänge berichtet wird, läßt man zunächst besser auf sich beruhen, so die Angabe, daß „Deutschland nicht auf der Grundlage der Allianz von 1895 mit Rußland und Frankreich stehe". Die Thatsachen, soweit sie zu übersehen sind, sprechen eher dafür, daß namentlich das deutsch-russische Einvernehmen nnerschüttert ist, womit von selbst gesagt ist, daß sich auch die französische Politik im Einklang mit den beiden Ostmächten hält. In diesem Sinne erscheint es immerhin als bemerkenswcrth, daß der „Petersburger Herold" von einem im Spätherbst 1899 getroffenen deutsch-russischen Abkommen bezüglich der ost- asiatischen Frage erfahren haben will, wonach beide Mächte keinen selbständigen Schritt ohne vorherige Verständigung unter­nehmen. Das Abkommen finde jetzt auch Anwendung auf die militärischen Maßnahmen zur Beendigung der chinesischen Wirren. Da nicht auznnehmen ist, daß ein russisches Blatt solche Mittheilungen bringen dürfte, wenn die Censurbehörde Bedenken gegen die Veröffentlichung hätte, so mag die Ent­hüllung hier verzeichnet werden. Unwahrscheinlich kann man sic nicht nennen, womit aber noch nichts über ihre Richtigkeit ^ ausgesagt ist. Im Uebrigeri hat man nicht den Eindruck, daß der russisch-englische Gegensatz, dessen Vorhandensein fteilich keinen Augenblick bezweifelt werden kann, die Lage zur Stunde ungünstig beeinflußte. Die Noth des Augen­blicks zwingt zur Vertagung aller Zwistigkeiten, und dieser Zwang wird voraussichtlich noch recht lange bestehen. Aber auch wenn er vorüber sein wird, braucht eine kritische Zu­spitzung nicht nothwendig einzutreten.

* » *

Kiel, 9. Juli. Der Ban chinesischer Kriegsschiffe auf den verschiedenen deutschen Werften wird nach einem Befehl des Kaisers trotz der Kriegslage nicht eingestellt, sondern weiter fortgeführt werden. Bereits fertiggestellte Schisse dürfen indessen bis zur vollständigen Beendigung der kriegerischen Verwicklung zwischen Deutschland und China nicht zur Ablieferung gelangen.

wb. L»ud»ir, 9. Juli. (Unterhaus). Whudham erklärt, 71 Festungsgeschütze mit 11,710 Gcschützladuugen, 123 Feldgeschütze mit 49,4(D Geschützladnugcn und 297 Maschine ngeschiitzc mit 4.223,400 Patronen sind seit 1895 von englischen Finnen au China geliefert worden. Die Zahlen seien nicht erschöpfend und umfaßten nur die Lieferungen zweier Firmen.

wb. Washington, 9. Juli. (Reuter-Meldung.) Der hiesige chinesische Gesandte Wntingfaug tclegraphirte vor drei Wochen an den Direktor der Telegraphen, Schcng, sowie an Li-Hung-Tschang und die anderen grotzen Vicekönige im L-üden, indem er sic auf- fordcrtc, ihre guten Dienste in Peking aufzubieten zur Sichecung der Gesandtschaften. Er wies in der Depesche darauf hin. daß unabweislichcs Unheil für China ans der Zerstörung der Gesandt­schaften folgen werde. Wutingfaug glaubt, daß seine Vorstellungen nach Peking gelangt seien und zu dem Entschluß der chinesischcir Regierung beigetragen hätten, das Aeußerste zu thnn, um die Fremden zu schützen. Wntingfaug tclegraphirte an Scheng, daß hohe Belohnungen für die Rettung der in den Gesandtschaften befindlichen Personen gezahlt würden. Dies geschah nicht auf Ver­anlassung der Regierung der Vereinigten Staaten, sondern ans Ver­anlassung der Verwandten und Freunde derjenigen Personen, die sich beim Gesandten Conger befinden.

Die Vorgänge in China.

bd. Krrlin, 9. Juli. Der „Lokal - Anzeiger" meldet aus London: Während nach einem Reuter-Telegramm aus Shanghai die Legatiouen in Peking am 4. Juli noch standen, will der Shanghaier Korrespondent des „Daily Expreß" am 6. Juli durch den dortigen britischen Konsul offiziell davon in Keuntniß gesetzt worden sein, daß alle Fremden in Peking einschließlich aller Ge­sandten ermordet worden seien und nur ganz geringe Hoffnung bestehe, daß einer oder der andere von den Gesandten noch am Leben ist. Als Datum der Niedermctzclung wird in Ueberein- stimmung niit früheren Meldungen die Nacht vour 80. Juni zum 1. Juli genannt, lieber die Lage in der Hauptstadt wird ferner aus Tientsin tclcgraphirt: Alle chinesischen Häuser

in der Umgebung der Gesandtschaften seien zerstört. Die kaiserliche Stadt werde durch die Truppen des Generals Tnfuhsiang geschützt, von denen jedoch 20,000 Mann zwischen Peking und Tientsin stehen. Nach dieser Meldung muß man aunehnltn, daß in Peking ein Kampf Aller gegen Alle herrscht. Die Chinesen-Viertel der Hauptstadt haben die Boxerhorden durch Brandstiftungen und Plünderungen entsetzlich verwüstet. Sie haben auch das innere Thor des Palastes niedergebrannt. Die Fremden- Niederlassung in Tschisu ist vollkommen der Gewalt de« chinesischen Heere« preisgegcben, da« mit Krupp'schen Kanonen anSgestaltet ist, um die Stadt von zwei Seiten her anzugreifen.

hd. Kerttn, 9. Juli. Nach einem Telegramm aus Ta kn vom 4. Juli warfen die Chinesen während der wieder auf- aenommenen Belagerung von Tientsin über 500 Granaten in die Stadt. — Das „Berliner Tageblatt" meldet au« London: Die „Crntral-News" berichtet aus Tientsin vom 6. Juli: Die Chinesen griffen heute Morgen Tientsin abermals an, indem sie ein Artillerie-Feuer mit 12 Geschützen eröffneten. Die Alliirten antworteten mit zwei englischen Schiffsgeschützen. Darauf ging eine Abtheilung von 1000 Mann unter dem Schutze der Artillerie gegen die Chinesen vor, welche zurückgeschlagen wurden. Das

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1900 .

chinesische Granatfcuer auf die europäischen Ansiedelungen war sehr sicher.

bd. Wien, 9. Juli. Laut telegraphischer Meldung des Kriegsschiffes „Zenta" sind bi« jetzt 20.000 Mann ausgeschifft worden, welche für Tientsin und Taku genügen. Die Kaiserin von China hat Peking verlassen.

Krüssel, 9. Juli. (Havas.) Eine hier eingegaugene Depesche aus Shanghai vom 9. d. M. meldet: Einem chinesischen Blatt zufolge seien die Truppen des Prinzen Tsching in Peking eiti- gctroffen. um die dortigen Europäer zic verproviantiren und gegen die Aufrührer zu vertheidigcn.

wb. Kondor«, 7. Juli. Reuter meldet aus Tientsin vom 1. bs.: Am Morgen des 1. Juli wurde eine Erkundung in der Richtung auf die Eingeborenenstadt durch eine vereinigte Truppe von Ruffcn, Engländern, Auierikanern und Japanern in Stärke von 1200 Mann unternommen. Die Streitmacht stieb auf beträchtlichen Widerstand von Seiten kleiner feindlicher Abthcilungen, welche leicht vertrieben wurden, obwohl sie ersteren einigen Verlust beibrachten. Es wird gemeldet, daß 19,000 Boxer außerhalb der Wcstthore der Stadt sich befinden. Unter den Chinesen in der Stadt soll beträchtliche Uneinigkeit herrschen. Täglich kommen Verstärkungen für die vereinigten Truppen an, aber die Lage ist in keiner Weise frei von Besorgniß, da jegliche Nachricht über die Bewegungen der Chinesen fehlt.

wb. London. 10. Juli. Das „Rcuter'sche Büreau" meldet ans Tientsin vom 1. Juli: Ztvci Boten kamen hier aus Peking an und überbrachten einen Brief Macdoualds mit gleichem Inhalt, wie der von Robert Hart ciugetroffene. Die Boten bestätigen die Ermordung Ketteler« und erklären ferner, Prinz Tsching thue sein Möglichstes, um die Fremden zu schützen, aber die Chinesen find gegen die Fremden sehr aufgebracht. Zwei hohe Beamte, deren Namen nicht angegeben werden, die sich den Boxern widcrsetzten, seien angeblich ermordet. Macdonalds Brief ist 4 Tage älter als der

t arts. Japanische Pioniere stellen die Eisenbahn von Taku nach ientfin wieder her. — Dasselbe Büreau meldet aus Tientsin vom 2. Juli: 340 französische Marine-Infanteristen sind mit 6 GebirgSkanonen und einigen anamitischeu Truppen gestern an- gekonunc». Ein gestern eingetroffencr Bote erklärt, er beobachtete daß ein chinesischer General' mit 10,000 Mann gegen Tientsin vor- rücke. Derselbe sei 30 Meilen auf dem Wege von Peking nach Tientsin gewesen. Der Bote meldete weiter das Vorrückcn des Generals Sung mit zahlreichen Truppen in der Richtung von Peking nach Tientsin.

bd. London, 10. Juli. Ans Tientsin wird unterm 7. dS. gemeldet, es bleibe den internationalen Truppen nichts Anderes übrig, als die Verstärkungen abzuwarten. Man befindet sich augen­blicklich vollständig in der Regenzeit und cs ist nicht selten, daß während derselben da« Thal zwischen Tientsin und Peking in einen ungeheuren Morast umgetvandclt wird, der den Transport von Tnlppen, Geschützen und Artillerie vollständig unmöglich macht. — Aus Shanghai wird gemeldet, der Gouverneur von Mulden theilt mit, daß die katholischen Missionen in Brand gesteckt sind.

Die Rüstungen der Mächte, bd. Berlin, 9. Juli. Die noch in der Bildung begriffene Brigade für China wird auf Befehl des Kaisers den Namen See- Brigade führen und ca. 4500 Manu stark sein. Die Führimg der­selben wird einem General-Leutnant übertragen werden, der nach der Landung in Tokio das Ober-Kommando über sämmtliche deutschen Landtruppen in China übernimmt. Wie die „Nat.-Ztg." hört, werden sich im Stabe der See-Brigade, deren Formirung in Wilhelmshaven geschieht, auch mehrere Generalstabs-Offiziere befinden. Zum Kommandeur der nach China gesandten Kavallerie- Truppen ist, wie demselben Blatt genicldct wird, der Kommandeur des brauitschwcigischcn Husaren - Regiments, Oberst-Leutnant v. Arnstedt, ernannt worden.

bd. Kerlin, 9. Juli. Wie die „Vossische Zeitung" aus Kiel meldet, soll die Panzer-Division die Reise nach China in 45 Tagen zurücklegcn. Die Abfahrt der nach China bestiininten Torpedoboots- Flottille erfolgt ani 16. d. Für die Truppen-Expedition nach China wird das Brandcnburgische Train-Bataillon in Spandau eine Sanitäts-Kolonne stellen. Stabsarzt Dr. Langfeld, der mehrere Jahre in Afrika gewesen ist, hat auf seine freiwillige Meldung Ordre erhalten, sich dem Sanitäts-Detachement nach China an- znschlicßen. Infolge der Mobilmachung für China war gestern die Sonntagsruhe in denjenigen Privat-Wcrkstättcn von Spandau, in welchen die Versandtkisten angcfertigt werden, aufgehoben. Auch in den Artillerie-Depot« wurde de» ganzen Sonntag bis zum Anbruch der Dunkelheit gearbeitet. Zur Lieferung sind auch Berliner Holz- bearbeittings-Fabriken herangczogen worden, weil die Verpackung und Versendung in denkbar kürzester Zeit bewerkstelligt werden muß.

I>d. Kerlin, 9. Juli. Die Ausreise der Geschwader-Division vom Kieler Hafen durch den Kaiser Wilhelm-Kanal über Wilhelms­haven nach den chinesischen Gewäffern ist heute Vormittag zur festgesetzte» Stunde erfolgt. Zuerst verließ, dem „Lokal-Anzeiger" zufolge, die „Hcla" den Hafen, dann folgten die großen Linien­schiffe in der Reihe: „Wörth", „Weißcnburg", „Brandenburg" und „Kurfürst Friedrich Wilhelm". Der Kaiser beobachtete die Äns- fahrtvon der Kommandobrücke des Linienschiffes „KaiserWilbclmII." au«, wo die Kaiser-Standarte gehißt war. Der Monarch grüßte die Besatzung der beim Passircn die Standarte salutirenden schiffe durch Dtützenfchwenkcn. Nach dem Allslaufen des Geschwaders nahm der Kaiser, Prinz Heinrich und Gemahlin, sowie ihr Gefolge an Bord des „Kaiser Wilhelm II." das Frühstück ein. Zur Be­mannung des bei Taku eroberten chinesischen Torpedo-Kreuzers werden 80 Mann von der Torpedo-Abthcilung entsandt. Der Kaiser befahl die sofortige Indienststellung des kleinen Kreuzers „Sperber" für China. Die Ablösung für den „See-Adler", welche auf dem Dampfer „Gera" am 18. Juli stattfinden sollte, tmrrde inhibirt, da diese Mannschaftcii auf den „Sperber" übergehen sollen.

bd. Berlin, 10. Juli. Nach einem Telegramm des „Lokal- Anzeigers" ans Wilhelmshaven erfolgt das Eintreffen-des Chma-Geschwaders daselbst herite Früh, die Ausreise morgen Früh. Nach der „Bosfischen Zeitung" besitzt die Panzerdivision Ein­richtungen für drahtlose Telegraphie. Um für d-e gleichfalls ins Ausland gehenden kleaien Kreuzer „Niobe" und „Nymphe" die nöthigen Mannschaften zu bekommen, ist unter Zurilckhaltung des Ablösungs-Transport« für den „Seeadler" auch die Außcrdienst- stellung des Flottilleuschiffe« der Torpedoboot-Division „Blitz" an­geordnet.

bd. Kerti«. 10. Juli. Nach einer Depesche aus Wien erfährt die „Neue Freie Presse", daß man an leitender Wiener Stelle gar nicht daran denke, Landtruppen der österreichisch-ungarischenArmee nach China zu entsenden. Es würden höchstens noch einige Schiffe