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Seite S. 9. Juli 1900.

Wiesbadener Lagblatt (Abend Ausgabe). Bering: Langgane 27.

»8. Jahrgang. No. »19.

bereite der Vicckönig von Nanking, Lin sich vor, jeder fremden

Einmischung am Uangise Widerstand zu leisten.

Die Rüstungen der Mächte.

. Kerii«, 7. Juli. Aus Wilhelmshaven wird ge­meldet. dag auch die Torpedoboot-Division mobilisirt sei und am Montag nach China abgehen werde.

lut. Kerlin, 8 Juli, lieber die deutschen Kriegs- rnstungen liegen heute folgende Einzelheiten ans Kiel vor: Der Abgang der fünf Tolpcdoboote, von denen zwei in Kiel und drei

Wilhelmshaven btt Besatzung an Bord nehmen, erfolgt Mitte Juli. Die Boote sollen hauptsächlich für den Dcpeschendicnst und den Krankentransport verwendet werden. Der kleine Kreuzer Bussard" geht Dienstag Morgen nach China ab. Für die aus- geschicdene erste Panzerdivision wird eine neue aus den Panzern Baden . Bayern" und zwei Küstenpanzern zu bildende Division de>» Heunischen Linicnschiffgeschwader eingefugt mit dem Flaggschiff Kaescr Wilhelm II.".

. Kenlk», 9. Juli. Wie demBerliner Tageblatt" aus Kiel genieldct wird, hielt der Kaiser an die Mannschaften der heute nach Chliia abgchenden ersten Panzer-Division gestern eine Ansprache, in der er sie daran erinnerte, daß sie mit hinterlistigen, aber mit modernen Waffen ausgerüsteten Gegnern kämpfen müssen und sie ermahnte, Weiber und Kinder z» schonen. Er, der Kaiser, werde nicht ruhen, bis China niedcrqeworfcn sei und alle Blut- thate« gerächt seien. Schließlich forderte der Kaiser von de» Mann­schaften, daß sic mit den Soldaten der verschiedenen Nationen gute Liauin'adschaft halten. Nach den bisherigen Bestimmunqen trifft der Kaiser am 19. Juli in Wilhelmshaven zur Verabschiedung der chlncssschcn Brigade ein. Falls die Vcrhältnifle es gestatten, wird der Kaiser eine 10-tägige Erholungsfahrt nach Bergen unternehmen.

I,ä. Kerii», 9. Juli. Da«Kleine Journal" meldet aus München: Der Kaiser richtete au den Prinz-Regenten ein Schreiben, worin er für die Entsendung des Prinzen Rnpprecht zur Taufe desWittelsbach" dankt und zugleich der Wirren in China Erwähnung thut. Der Monarch glaube im Sinne aller deutschen Fürsten und des gesammten deutschen Volkes zu handeln, indem er energisch vorgche.

Kiel. 8. Juli. Auf dem LinienschiffKurfürst Friedrich Wilhelm fand heute Morgen Gottesdienst statt, au dem die Damen der Ofstziere des Geschwaders theilnahmen. Der Kaiser begab sich ,n Begleitung des Fürsten Eulenburg, Viccadmirals Senden-Bibran und Flugcladjiitanten Kapitän Griimnie um 11 Uhr IS Min von derHohenzollern" mit einer Rudergig an Bord des Flaggschiffes des ersten Geschwaders,Kurfürst Friedrich Wilhelm", wo die Standarte gehißt und Präscntirmarsch geschlagen wurde. Auf dem Achterdeck war das Offiziercorps des ausreisenden Geschwaders aufgestellt, voran Admiral Köster und die Adniirale Hoff- maun und Geißler. Der Kaiser ließ sich die Offiziere vor­stellen und hielt eine Ansprache. Hierauf stellten sich die Mann­schaften auf dem Achterdeck auf. Der Kaiser hielt ebenfalls eine Ansprache. Admiral Geißler dankte und brachte auf den Kaiser drei Hnrrahs ans. Der Kaiser verweilte noch kurze Zeit auf dem Schisse und kehrte unter Salutschicßen auf dieHohenzollern" zurück. Mittags horte der Kaiser den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Fürsten Euleuburg. Den Abend bringt der Kaffer im Klubhaus des Kaiserlichen Nachtklubs zu Die Sonntagsruhe ist hier aufgehoben, um die letzte Hand an die Ver- proviantinriig des ansreisenden Geschwaders legen zu können Zahlreiche Angehörige der Besatzungen des Geschwaders trafen von außerhalb ein, um Abschied zu nehmen.

. Wie», 9. Juli. Von unterrichteter Seite wird versichert, daß Oesterreich-Ungarn keinerlei Truppen nach China weiter ent- ftnÄet, im klebrigen aber sich an der gemeinsamen Aktion der Machte betheiltgen wird.

. Ro»n. 8. Juli. Der Papst ordnete in sämmtlichen Kirchen Roms einen Bittgottesdienst für die Errettung der Europäer in Peking an.

London, 7. Juli. Das Kriegsministerium bereitet die Entsendung von 40,000 Manu nach China vor. Drei Haubitzen- Battcriccn erhielten den Befehl, sich zur Abfahrt nach China bereit zu halten. Aus Woolwich gehen 50,000 Sandsäcke zu Schanz­zwecken nach Taku ab, desgleichen eine große Auibiilanz.

. London, 8. Juli. Nach Meldungen ans Petersburg beharrt Rußland in der Chinafrage auf der Politik der freien Hand. Rußland wird keinen Einspruch erheben gegen die weitere Larrdniig von Truppen Seitens der anderen Mächte, jedoch Niemandem em Mandat ertheilen.

v. Kctteler über die Missionare.

DiePall Mall Gazette" veröffentlicht einen Brief eines Mannes, der vor S Jahren in Tanger eine Unterredung mit Baron von Ketteler. der nun in Peking ermordet worden ist, über die Missionare m China gehabt hat. Baron v. Kctteler, der, ehe er als Geschäftsträger nach Marokko versetzt worden war, mehrere Jahre der deutschen Gesandtschaft in Peking angehört hatte, suchte den Haß der Chinesen gegen die Missionare folgendermaßen zu er­klären: Unbescholtene Eingeborene oder solche, die zu der besseren Klaffe gehören, kommen nur wenig mit den Missionaren in Be­rührung. Es ist der sociale Paria oder der Verbrecher der sich an den Fremden wendet, um seine Protektion zu erlangen, für die er manchmal eine direkte Geldbezahlung zu machen hat, wie in der Türkei und Marokko wo die Unterbeamten der Gesandtschaften und Konsulate mit ihren Verbündeten, den Wucherern, vor noch nicht langer Zeit ein blühendes Geschäft betrieben. Wenn der Eingeborciic nichts hat was er als Bezahlung für Protektion anbieten könnte, dann wendet er sich an den Missionar und asfcktirt großen Eifer für die Religio» und schließlich, weuu er sich das Bertrauen des Missionars verschafft hat. enthüllt er ihm eine Schmerzensgeschichte und zeigt rhm. wie seine Landsleute ihm mißtrauen und ihn verabscheuen in Folge seiner Abtrünnigkeit, wie sie alle konspiriren, um ihn auf irgend eine falsche Beschuldigung hin vor ein Gericht des Landes zu ziehen, wie er dann von dem grausamen nnaerechten Richter ins Gefangiiiß gcivorfen werden wird, wo er Schläge und sogar Martern zu leiden haben wird. Durch solche Geschichten läßt sich der Missionar nur zu leicht bewegen, den unwürdigsten Betrügern seme Sympathie und Uuterstütznng zu geben, besonders, da er weiß, daß i» Wirklichkeit häufig bei den Gerichten des Landes keine Gerechtigkeit zu finden ist. Der schlimmste hiermit ver­bundene Umstand, sagte Baron v. Ketteler, ist in China, daß es im Allgemeinen gerade der unehrliche Schuldner und besonders der treulose Verwalter von ihm anvertrauten Geldern ist. in dem plötz­lich die Ueberzeugung von der Schönheit und dem Werth der christlichen Religion erwacht. Auf diese Weise sind oft Landgüter und anderes Eigenthum von beträchtlichem Werthe der chinesischen Jurisdiktion entzogen und unter die Konsulargerichtc gebracht, und es ist unvermeidlich, daß der Unwille des Volkes, der dadurch hervorgerufcn wird, eine schwere Gefahr bildet. ES verdient nachträglich noch hervorgchobcn zu werden, daß in der berM? wiedergegebenen Mittheilung der russischen Regierung aus­drücklich hervorgehoben wird, das diplomatische Corps in Peking sei Mitte Mai zusammenberufen worden,um die Frage der Be­rufung von Laudungstruppen entsprechend dem Gesuch der katholischen Missionare zu berathen". In der betreffenden Petersburger Depesche desWolfs',che» Telegraphcii-Büreaus" war diese bemerkenswerthe Ernzelheu nicht erwähnt. Durch die Berufung der fremden Truppen ist bekanntlich der Stein ins Rollen gebracht worden.

Deutsches Reich.

Die deutsche Social reform in fremder B eleuchtun g.

Niemand, der die Durchführung socialer Reformen als die wichtigste Aufgabe der Kulturvölker betrachtet, wird in den deutschen VersicherungSgesctzcn bereits das letzte Wort socialpolitischer Weisheit sehen wollen, aber Jeder wird gern

zugebcn, daß diese Gesetze in Verbindung mit den Arbeiter- schutzbestimmungen einen überaus merthvollen Anfang zur Herstellung und Sicherung des socialen Friedens bedeuten. So muß es denn uns Allen, ob wir nun die bisherigen socialpolitischen Maßnahmen loben oder ihnen kritisch gegen- iibcrstehen, zur eifrigen Genugthuung gereichen, daß nicht bloß die gute Absicht, sondern auch der erzielte Erfolg auf dem in Paris jüngst abgehaltenen internationalen Kongreß für sociale Arbeiterversicherung eine Anerkennung gefunden haben, die umso werthvoller ist, je bereitwilliger sie gerade von unseren Gegnern gespendet wurde. Man kann es ohne Ueberhebmig aussprechen, daß den Mittelpunkt des Interesses auf diesem Kongreß die deutsche Socialreform gebildet hat, und daß als sichtbarer Vertreter dieses Interesses der ver­diente Präsident Dr. Bödickcr in einer Weise geehrt wurde, auf die man in Deutschland stolz sein darf. Schon der Minister Millerand spendete den deutschen Versicherungs- gcsetzcn lebhaftes Lob. Wenn man gesagt habe, die Deutschen seien selbst schon nicht mehr mit ihrer Zwangs- Versicherung zufrieden, so müsse er gestehen, daß angesichts der in dem amtlichen Bericht (den er mit hohem Interesse stndirt habe) enthaltenen Angaben eine solche Behauptung von ernst zu nehmenden Menschen nicht mehr aufrecht erhalten werden könne. Als Minister hal der französische Genosse" selbstverständlich Pflichten, denen er sich nicht entziehen kann, aber unsere Socialdemokraten werden nicht zugebcn wollen, daß Herr Millerand seiner Ministereigen­schaft irgend ein Opfer der Ueberzeugung bringen könnte, und so ist der angenehme Schluß erlaubt, daß die Social- demokratie selber die Zwangsversicherungsgesetze mit sehr viel günstigeren Augen betrachiet, als sie im Allgemeinen zuzugeben pflegt. Stärkere Töne der Anerkennung noch als der Minister Millerand schlug der Pariser Professor Jay an, indem er ausrief:Wo bleibt Euere Privatinitiative gegenüber den Milliarden, die die Deutschen schon für die Arbeiter aufwandten s Hunderttauscnde von Arbeitern sterben und verderben mit Eurer Privatinitiative! Nur die obligatorische Versicherung kann helfen. Müßte ich entweder das deulsche oder das französische System en bloc annehmen, keinen Augenblick bedächte ich mich und entschied mich für jenes. Aber man kann ja Manches am deutschen Systeme unseren Bedürfnissen entsprechend ändern." Jeden­falls zeigen die Kongreßverhandlungen, daß bei unfern Nachbarn im Westen das ernste Bestreben vorhanden ist, sich mit unfern socialpolitischen Einrichtungen bekannt zu machen und von ihnen für die eigenen Zwecke zu entnehmen, was sich auf Grund der in Deutschland gemachten Erprobungen gebrauchen lassen könnte. Wie begreiflich, spielte in den Verhandlungen die vor Kurzem erfolgte Verwerfung der Zwangsversicherung durch das schweizerische Referendum eine umfangreiche Rolle. Herr Bödickcr meinte u. A.: Das Votum der Vorinstanzen sei schwerwiegender als das der Volksmassen, die außer Stande seien, über ein so komplizirtes Gesetz sich ein Urtheil zu bilden. Der Agitation fielen die Massen, denen diese Fragen wie Sanskrit seien, zum Opfer. Ebenso gut könne man den Tarif eines Handelsvertrags zum Gegenstand des Referendums machen. Er stehe nicht an, zu sagen, daß das sehr segens­reiche preußische Einkommensteuergesetz mit Selbsteinschätzung einem Referendum zum Opfer gefallen wäre. Vielleicht halte allerdings der schweizerische Gesetzgeber zuviel auf einmal auf seine Fahne geschrieben, die Ueberzengungskraft seiner Gründe, sowie den guten Willen der Bevölkerung überschätzl, die Art der Gegenagilation, nainentlich der Prioatversicherungsgesellschaften. unterschätzt. Das sind Aus­führungen, die Dieser oder Jener vielleicht nicht gelten lassen möchte, deren Widerlegung aber schwer fallen sollte; denn die Vernunft der Dinge steckt in dem Urtheil.

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* Kof- und p-rsonal-zlachrichlt». Die Abreise des

Kaisers von Kiel ist für Dienstag Früh in Aussicht genommen. Ein englisches Blatt meldet, daß der deutsche Kaiser den dies­jährigen Regatten in Cowes beimohncil werde und giebt sogar ein Programm für den Aufenthalt des Kaisers in England an. Diese Nachricht ist, derNordd. Allgem. Ztq." zufolge, falsch. Der Kars er wird den Regatten in Cowes nicht beiwohnen.

.. * S-rli«, 7 Juli. Das Fleischbeschaugesetz hat, wie dieDeutsche Flcischerzeituug" meldet, die kaiserliche Genehmigung erhalten und wird voraussichtlich am Montag oder Dienstag ich Reichs-Anzeiger" pnblizirt werden. Das Einfuhr-Verbot von Wurst und Büchsenfleisch dürfte in den nächsten Monaten zu er­warten sein.

* Zur -rutschen Rechtschreibung hat der Zwcigverci» Stuttgart des Allgemeinen deutschen Sprachvereins folgende Er­klärung beschlossen: Wir bitten den Gesammtvorstand, er möge 1. in einer öffentlichen Kundgebung anssprechen, daß er die Aüf- stellung einer neuen deutschen Rechtschreibung für die Reichs-Post- und Tclegraphenverwaltung entschieden mißbillige; 2. in Erwägung ziehen, wie unter Berncksichtigung der bestehenden amtlichen Recht­schreibungen eine einheitlichere Gestaltung der deutschen Recht­schreibung erzielt werden könne. Gleiche Erklärungen haben die Zweigvereine in Aachen, Altona, Annaberg, Berlin, Charlottenbiirq Düsseldorf, Heilbronn, Koblenz, Lübeck, Lndwigsburg, Tilsit' Tübingen und Zittau beschlossen. Der Gesammtvorstand ist aber behindert, einen Vereinsdeschluß hcrbeizuführen, denn in 8 3 der Satzung heißt es:Die Frage der Rechtschreibung schlicht der Verein zunächst von seiner Thätigkeit aus." Inzwischen ist ein Antrag eingegaugen, zu erwägen, ob es nicht an der Zeit sei, diese Bestimmung des § 3 anfzuheben.

Ansland.

* Frankreich. Aus Havre 8. Juli wird gemeldet: 3000 ausständige Erdarbeiter veranstalteten eine Kundgebung gegen das Verbot von Ansammlungen durch den Bürgermeister und bewarfen die dem Bürgermeister gehörige Apotheke mit Steinen. Polizei zer­streute die Unruhestifter. Der internationale Land wirth- schaftskongreß vereinigte sich Samstag Abend zu einem großen Schlußbanquet, an dem sämmtliche fremden Delcgirten theilnahmen Möline dankte letzteren für ihre Mitarbeit und sprach die Hoffnung aus, daß die Weltausstellung überall die Leidenschaften entwaffnen möge, was alle Völker ersehnten. Jean Dnpuy brachte einen Trinkspruch auf die auswärtigen Delegirteu und die Oberhäupter der vor ihnen vertretenen Staaten aus. Der deutsche Deleqirte v. Arnim trank auf das Gedeihen der französischen Landwirth- schaft. DerMatin" bestätigt, daß General Dodds endgültig der Oberbefehl über die nach China bestimmten Landtruppen über­tragen worden ist und daß derselbe unverzüglich abreifen wird. Der deutsche Botschafter Fürst Münster ist zu einem dreiwöchigen Kurgcbrauche nach Wildbad abgereist.

I * Kelgien. Der freigesprochene Attentäter Sipido ist mi t seinem Later von Brüssel nach Paris gereist, um dort bis zu seiner Majorität Arbeit zu suchen mid, wenn die Gefahr der Zwangs- crzichniig vorüber ist, in sein Vaterland zm ückzu kehren.

Ans Kunst und Leben.

, * Verschiedene UMtheilungen. Am nächsten Sonntag

sililießt das Kgl. Theater und eine ganze Anzahl seiner bisherigen Mitglieder scheiden ans dem Verbände. Vom Schauspiel allein verlassen uns an Inhabern erster Rollenfächer, ziin, Theil nach langjährigem Engagement in Wiesbaden, Fräulein Scholz, Herr Ro dius und Herr Neumann, ebenso Fräulein Stehle, unsere ~ so beliebte Naive. Leider ist dieselbe, was die vielen Verehrer ihrer natürlichen und herzfrischen Kunst »ist lebhaftcu, Bedauern hören werde», so schiver erkrankt, daß ein nochuialiges Austrctcii der iniigen Künstlerin vor Schluß der Saison gänzlich»sgeschlosscii ist.

Eine k a i s c r l i ch c Subvention wurde fiir das neu zu er« bauende Stadtthenter in Kiel bewilligt. Die Subvention beträgt 15,000 Mk. jährlich und ist für fünf Jahre zngcsaqt. Den Neubau wird der Architekt Sceling-Äerlin ausführen.

Eigenartig ist die letztwillige Verfügung, die der kürz- L,^,^"'stp»bcne Heidelberger Professor der Physiologie Willy Kühne für seine Bestattuiig traf. Er bestimmte,daß seine Leiche verbrannt werden und während der Verbrennung der erste Satzdcr Neunten Symphonie vonBeethoven gut gespielt werden solle".

Ans Stndt nnd Lund.

Wiesbaden, 9. Juli.

Cieschichtslraiender. 9. Juli. 1836: * Sophie, Königin von Schweden und Norwegen, geborene Prinzeß von Nassau. 1807: Friede z>> Tilsit, Preußen wird die Hälfte seiiies Gebiets genommen. 1796: Schlacht bei Malsch und Rosenthal unter Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich. 1746: ch Philipp V., König von Spanien. 1686 : Grüuduug der Liga von Augsburg. 1578: * Kaiser Ferdinand II. zu Graz. 1553: Schlacht bei Sievershausen, Tod Moritz' von Sachsen. 1386: Sieg der Schweizer bei Sempach, litergaug der österreichischen Herrschaft in Helvetien, Opfertod Arnolds v. Wiukclried.

Verfoiml-Uachrichlen. HerrLandrath Graf Schlieffen ist von der Urlaubsreise zuriickgekchrt und wird von morgen ab die Geschäfte des Laudrathsamtcs für den Landkreis Wiesbaden wieder übernehmen. - Dem Regierungs-Kanzlisten, Herrn Kanzlei- Sekretar Beckel hiersclbst wurde bas Kreuz des Allgemeinen Ehrcuzeichcus verliehen.

- Königliche Schanfpiele. Auf vielfaches Begehren kommt morgen, Dienstag statt der aiigeküudigtcn VorstellungCzar und Zimmermann"Oberon" zur Aufführung.

o Kerichtsferie». Für die Dauer der Ferien vom 15. Juli bis lo.Vcptember sind bei dem Köuigl. Landgericht dahier eine Ferien-Civilkammer und eine Fericn-Strafkammer gebildet worden. In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wird ' ..

Donnerstags, abgehalten und die

nur eine Sitzung wöchentlich, Ferien-Strafkammer hält drei

Sitzuugeu, Montags, Mittwochs und Freitags, ab. - Herr Land- gerichtS-Prasident S tnmpff ist vom 15. Juli Ins 2. September be­urlaubt. Vom 15. Juli bis 15. August führt Herr Direktor Grau und vom 16. Augustbis2. September Herr Direktor de Niem diePräsidial- gcschafte. Um Weiteruiwcn zu vernieiden, empfiehlt es sich, de, allen dieiistlichen schreiben für den Landgerichts-Präsi. deuten dessen Namen in der Adresse wegzulassen. Nach der neuen, seit dem 1. Januar 1900 gültigen Fassung des § 202 bc3 Genchtsverfcrsiungsgesetzes werden während der Ferien nur in Feriensachcn Termine abgehalten und Entscheidilligcn erlassen. Fcricnsachen sind: 1. Strafsachen, 2. Arrestsacheu und die

eine emstweilige Verfügiiiig betreffenden Sachen, 3. Meß- und Marktsachen. 4. Streitigkeiten zwischen dem Vcr- miether und dem Micthcr oder Untermiethcr von Wohnräumeu oder anderen Räumen oder zwischen dem Miethcr und dem Unter­miether solcher Raume wegen Ueberlassung, Bcuutziing oder Räumung, sowie wegen Zurückhaltung her von dem Miether oder dem Unter­miether in die Micthräume eingcbrachten Sachen; 4». Streitig­keiten zwischen Dienstherrschaft mid Gesinde, zwischen Arbeitgeber und Arbeiter hinsichtlich des Dienstes oder Arbeitsverhältiiisses. sowie die im Z 3 Absatz 1, Nr. 1, 2 des Gesetzes, betreffend die Gcwerbegerlchtc, vom 29. Juli 1890 bezeichncten Streitigkeiten, o. Wechsellacheu, 6. Bailsachen, wenn über Fortsetzung eines an- gcfaugeuen Baues gestritten wird. Das Gericht kann auf Antrag auch andere Sachen, soweit sie besonderer Beschleunigung bedürfe», als Feriensacheu bezeichnen. Die gleiche Befuguiß hat, vorbehaltlich der Entscheidung des Gerichts, der Vorsitzende.

o. Militärisches. Die zu einer 14-tägigen Ucbung cin- gezogeueu L a u d w ch r l e u t e hatten heute Vormittag V o r st c11u n a vor dem Regimentskommandeur, Herrn Oberst v. Wächter, auf dem großen Exercirplatz. Sie gelangen heute und morgen zur Entlassung. Für die Zeit der Fclddienstübungen sind einige Unteroffiziere und Gemciiie des Hilsarcii-Regiiiients König Umberto von Italien, No. 13, zu dem Füsilier-Regiment v. Gersdorff als Meldereiter kommandirt.

Kchulnttilirichten. Herr Lehrer Greifen sie in in Hatz­feld. Kreis Bledciikopf. tritt mit dem l. September aus dem Schul­dienst des diesseitigen Negierungsbezirks aus, um eine Stelle au der städtischen Schule zu Schwelm in Westfalen zu übernehmen. Die Lehrcrstelle zu Neuludwigsdorf im Kreise Biedenkopf ist Herrn Lehrer Paul Hofmaun übertragen worden. Au Stelle des von Michleu »ach Erbeuhcim versetzten Lehrers Herrn Heinz wurde Herr Lehrer Blumensteiii von Bach, Kreis Oberwesterwald, nach Miehlen versetzt.

Walhalla-Theater. Am Samstag Abend ging, wie bereits gemeldet, das erste Gastspiel des Fräuleins Franziska Groß köpf vom Stadttheater in Frankfurt a. M. als Harrtet im Armen Jonathan" in Scene. Erscheinung und Stimme gefielen allgemein, sodaß die geschätzte Künstlerin reichen Beifall erntete. Der prächtige Theatersaal war sehr gut besetzt und das Publikum in fröhlichster Stimmung. Die OperetteDer arme Jonathan", den Einheimischen bereits früher iin hiesigen Residenz-Theater vor­geführt, war auch in sämmtlichen übrigen Rollen gut besetzt. Herr No ihm nun gab in der Titelrolle nur Gutes und hielt die Lach­muskeln in steter Bewegung. Die Leistungen der Herren Haberfelder (Mister Vandcrgold) und Linke (Tobias Quikly) waren ebenso wie diejenigen der wackeren Theaterkapelle unter der sicheren Leitung des Herrn Kapellmeisters vr. Sachs sehr zu loben. Ein Besuch derWalhalla" ist, wie immer, recht zu empfehlen,

Arbeitsnachweis im Uathhaus. Um den ständig zunchmenden telephonische» Verkehr besser bewältigen zu köiiiicn, hat die Anstalt statt des bisherigen Anschlusses an die Rathhaus- leitung eine eigene direkte Telephonverbindung mit Nr. 202 bekommen. Außerdem ist für die abseits liegende Fraucn-Abtheilung 1, für Dienstboten und Arbeiterinnen ein zweiter Apparat eingefuhrt worden, mit dem mittels Umschalter die Verbindung hergestcllt werden kann. Durch diese Neuerung werden die Auftraggeber in der Lage sein, sich ohne Zeitverlust ganz nach Belieben mit einer der drei Verwalterinnen sofort telephonisch in Verhindung zu setzen.

Der Ausflug desVereins für nassauische Altcrthuus» kunde und Geschichtsforschung" findet minmehr am Mittimch, den 11. Juli, statt. Abfahrt 2 Uhr 20 Min. vom Taunnsbahihof.

v.v iv*ni|a;-ijvnmun|w;u auuujumu

nommen. Nach der Besichtigung wird gegen 5 Uhr in der Stadt­halle eine Erfrischung eingenomme» werde» und dann derstufbruch nach dem vom Gauthor noch etwas über 1 Kilometer weit ent­fernten Zahlbach erfolgen. Gäste sind willkommen.

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