Einzelbild herunterladen
 

«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ansaaten. — BezugS-PreiS: durch den Verlag S« Pka. monatlich, durch die Post L Mk. HO Pfg. viertHjährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten.

Vmeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Ainrige» 25 Pfg. — Reklame« die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Äiitnrnnii-Äiiiinltii»- für die Abend «Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Auzeigenzur «* w ?**8*' w nächsterscheinendcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

U0. 313. Fernsprecher Ra. 52. dkN 9. Iltli. Fernsprecher R-. 82. 1900.

Abend«Ausgabe.

Der Aufstand in China.

Die Nachrichten aus China klingen trostlos, und wenn auch noch immer keine positive Meldung über das Schicksal der in Peking eingeschlossenen Europäer zu uns gekommen ist, so kann doch kaum noch ein Zweifel daran sein, daß dieses Schicksal ein furchtbares ist, daß sie nach langem, verzweifeltem, heldenmnthigem Kampfe der ungeheuren Ucbermacht der bestialischen Mordwuth der chinesischen Banden zum Opfer gefasten sind. Und sollten die Europäer in Peking auch, wofür leider nur eine verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit spricht, noch am Leben sein, die Hoffnung, ihnen Hülfe und Rettung zu bringen, muß, so furchtbar dies auch ist, aufgegeben werden. Denn daß die zu Bestien gewordenen Chinesen noch irgend welchen Erwägungen der Menschlichkeit oder auch nur der Vernunft zugänglich seien und deshalb Bedenken tragen sollten, das Mordwcrk zu vollziehen, darf man leider nicht annehmen. Die auf chinesischem Boden versammelten internationalen Truppen sind aber bei Weitem zu schwach und werden noch auf längere Zeit hinaus zu schwach sein, den Vorstoß auf Peking zu wagen und einen Versuch zur Rettung der dort etwa noch Eingeschlossenen zu macken. Es ist ein furchtbarer Gedanke, daß die gcsammte civilisirte Welt ohnmächtig diesem furchtbaren Blutbad in Peking gegen­über steht, das in der Geschichte kaum seines Gleichen findet und an die blutigen Schrecken der Bartholoniäusnacht in Frankreich erinnert. Von der Schuld, daß die Dinge in China so weit gekommen sind, ohne daß die nöthigen Vor- beugungsmaßregeln getroffen wurden, können sich die Mächte nicht freisprcchen. Besonders aber trifft die Schuld Rußland und England, die beide ans verschieden­artigen Gründen heraus sich bis zuletzt geweigert haben, die drohende Gefahr in China anzuerkennen und die den dringlichen Warnungsrufen des jetzt so schändlich hin­gemordeten deutschen Gesandten v. Ketteler kein Gehör gaben. Aber je mehr Zeit versäumt worden ist, desto mehr sollte dafür Sorge getragen werden, daß nicht auch jetzt noch kost­bare Zeit versäumt wird. Denn je länger mit einer ent­schiedenen Aktion geziert wird, desto schlimmer muß sich naturgemäß die Lage in China gestalten. Jeder Zeilverlust ist gerade bei Beginn eines Kampfes von den schlimmsten Folgen begleitet. Von der Entwicklung der Dinge im gegenwärtigen Aufstandsgcbiet ist auch die Gestalrung der Zustände in Mittel- und Südchina abhängig. Befindet sich doch jetzt schon die südliche Mandschurei in Aufruhr, und cs ist gar kein Zweifel daran, daß, wenn es nicht in Bälde gelingt, des jetzigen Aufstandes Herr zu werden, derselbe bald das ganze südliche China ergriffen haben wird. Dieses Erkenntniß, daß ein schnelles Vorgehen noth thut, wenn auch keine Hoffnung mehr vorhanden ist, daß dieses den Europäern in Peking, falls sic überhaupt noch am Leben sein sollten, Hülfe bringen könnte, ist die Ursache zu dem Vorschlag gewesen, daß die Mächte Japan veranlassen sollten, eine erheblich über den Rahmen der Rüstungen der anderen Mächte gehende Streitmacht nach China zu werfen. Japan wäre hierzu mit Leichligkeit im Stande, denn infolge seines geographischen Zusammenhanges mit China vermag es in kurzer Zeit ein Heer von wenigstens 50- bis 60,000 Mann nach China zu schaffen. Aber auch sonst würde dies Japan keinerlei Schwierigkeiten verursachen, denn es verfügl über eine starke Flotte und über ein Heer, dessen Friedens­stärke etatmäßig auf 411,132 Mann angegeben wird. Ueber diese sogenannte oder angebliche „Mandcns- ertheilnng" an Japan hat sich allgemach eine ganze Legende gebildet. Allem Anschein nach hat England, das in Folge seiner Gebundenheit in Südafrika außer Stande ist, stärkere Truppenmassen nach China zu werfen, und das andererseits eine Festsetzung Rußlands in China bcfürchlet, in der That den Vorschlag gemacht, ein solches Mandat an Japan zu verleihen. Daß Japan selbst hiermit einverstanden war und ist, liegt auf der Hand, denn die Vorbedingung des Mandats sollte die sein, daß Japan völlig freie Hand in China erhält. Es war aber ebenso natürlich, daß die anderen Mächte, und zwar in erster Reihe das in China am meisten intcressirle Rußland, aber auch Deutschland und Frankreich, auf einen so gefaßten Vorschlag nicht eingchen konnten. Denn wenn die Mächte den Japanern ein Mandat in dem Sinn Englands übertragen hätten, so würden sie selbst in China für immer abgcdankt haben.

Davon konnte natürlich nicht die Rede sein, und allem Anschein nach ist jetzt der japanische oder englische Vorschlag erheblich modifizirt worden und zwar derart, daß Japan mit den anderen Mächten vereinigt vorgeht, aber vcrhältnißmäßig größere Truppenmasscn sendet und dafür besiimmteKonzessionen in Bezug auf die spätere Gestaltung der Dinge in China erhält. Wir betrachten es als dringend wünschenswerth, wenn die Mächte sich auf diesen Vorschlag, und zwar ohne Zeitverbist, einigen würden, billigen aber vollkommen die korrekte unb vorsichtige Haltung der deutschen Regierung,

■ssne

welche sich jedes Eingreifens in diese diplomatischen Ver­handlungen enthält. Deutschland denkt garnicht daran, sich durch eine recht durchsichtige Politik Seitens anderer Mächte zur Parteinahme für den einen oder anderen Staat treiben zu lassen. Deutschland wird auch in den jetzigen schwierigen Wirren weder englische noch russische, sondern allein deutsche Politik treiben.

Die Vorgänge in China.

London, 7. Juli. Dem „Bürcan Dalziel" wird aus Shanghai gemeldet: Die Riedermetzelung der Gesandten, Franc», Kinder nnd europäischen Schutzwaelxen «ach 1N-tägigenr hoffnungslosen Widerstand wird bestätigt.

Als bte Munition und Nahrung erschöpft waren, drangen die Chinesen in die Gesandtschaften ein nnd metzelten die noch Lebenden nieder. Dann zündeten sie die Gesandtschaftsgebäude an und ver­brannten die Lebenden, Verwundeten und Tobten miteinander. Auch an Chinesen verübte Prinz Tuan furchtbare Grausamkeiten. Er ließ 4000 hervorragende chinesische Bürger hinschlachten, weil sic gewagt hatten, ihn in einer Petition zu ersuchen, den blutigen Orgiecn ein Ende zu machen und seine Anhänger im Zaume zu halten. Der frühere Vicekönig von Tschili, Wangwcnskao, ist von den Boxern crniordet worden.

wb. Kcrlin, 8. Juli. Der Kaiser erhielt folgendes Telegramm aus Tsingtau: Ans die Bekanntgabe des Telegramms

Ew. Majestät antwortet der Gouverneur von Schaniung: Von jeher war ich in größter Sorge wegen der in Peking eingeschlosscnen Europäer und versuchte wiederholt Kundschafter zu schicken und Hülfe zu bringen, aber vergeblich. Jetzt sind alle Wege nach Peking voll Rebellen; alle Maßnahmen bieten daher noch weniger Aussicht auf Erfolg. Trotzdem werde ich es für meine Pflicht halten, das Aeußerste zu thun, um Hülfe zu bringen. Mnschikai.

wb. Kerlin, 8. Juli. „Wolffs Telcgraphcn-Büreau" meldet aus Tientsin vom 2. ds.: Die hiesige Cbinesenstadt wurde beute durch die Russen ohne Erfolg bombardirt. Die Stärke der hiesigen fremden Truppen beträgt ungefähr 10,000 Mann. Vom 3. ds. wird gemeldet: Seit heute Früh wurden wiederum die Fremdcn-Niederlassnugen heftig durch die Chinesen bom­bardirt. Auf Anordnung .Sehmonrs werden die Frauen und Kinder baldmöglichst nach Taku geschafft. — Der deuffche Konsul in Shanghai meldet heute: Ein Telegramm des Gouverneurs von Schantung besagt: Die Beschießung der beiden in Peking noch stehende» Gesandtschastcn ließ am 3. Juli infolge starker Verlust« der Angreifer nach, sodaß die Lage der Eingcschlossenen nicht hoffnungslos ist, falls Lebensmittel und Munition noch vorhanden sind.

hd. Kerlin, 8. Juli. Wie das „Kleine Journal" erfährt, ist der bekannte Zolldirektor Detring mit seiner Familie in Sicherheit. Derselbe hat sich rechtzeitig zu seinem Schwieger­vater, dem Direktor der Eisenbahnen, in Shanghaikwan geflüchtet.

Keoiin, 9. Juli. Seine Majestät der Kaiser hat au den Chef des Kreuzergeschwaders, den Gouverneur von Kiaulschou in Tsingtau, den Generalgouverneur von Schaniung, den Vicekönig von Nanking nnd den Vicekönig von Wuischang folgendes Telegramm gerichtet: „Ich ver- pffichtc Mich auf Mein kaiserliches Wort, für jeden der zur Zeit in Peking eingcschlossenen Fremden jeder Nationalität, welcher lebend einer kaiserlich deutschen oder sonstigen fremden Behörde übergeben wird, demjenigen, der die Aus­lieferung hcrbeiführt, 1000 Taels (gegen 6000 Mk.) aus- zuzahlcn. Auch übernehme Ich alle Kosten, die jedwede Uebermittelung Meiner Zusage nach Peking verursacht, gez. Wilhelm."

wb. Kerls», 9. Juli. Das „Wolff'sche Telegraphen-Biireau" erfährt aus London vom 8. d.: Der Londoner „Foreign Office" ist seit der angeblich auf zuverlässiger Mittheilung beruhenden Meldung des Generalkonsuls in Shanghai, die gestern sofort ver­öffentlicht wurde und wonach am 3. Juli sich noch 2 Gesandt­schaften gehalten hätte», und daß auch unter den Boxern sich Zeichen starker Demoralisirung bemerkbar machte», ohne jede neuere Nachricht über die Lage in Peking. Nach einer ans Tientsin heute Morgen auf der „Foreign Office" eingctrosfenen, vom 6. d. M. datirten Meldung haben die Chinesen das Feuer auf die fremden Niederlassungen wieder eröffnet.

lid. Kerli«, 9. Juli. Wie dem Londoner Korrespondenten der „Berliner Montags-Zeitung" aus hervorragenden Finanzkreisen versichert wird, ist die in Shanghai tbätige englische Kausmann- schast seit Jahr und Tag auf den Ausbruch dieser und ähnlicher Greuel gefaßt gewesen und sie hat cs auch an Warnungen maß­gebenden Orts nicht fehlen lassen. Der leitende Direktor eines großen Shanghaicr Unternehmens hatteerst im Februar eine längere Unterredung 'mit dem britischen Gesandten in Peking, gelegentlich welcher er ihm auf Grund zuverlässiger Information, die er von Seiten frcmdcn-freundlicher Mandarinen erhalten hatte, über die ge­fährlichen Absichten des Prinzen Tuan die Augen zu öffnen suchte.

hd. Wie», 9. Juli. An hiesiger amtlicher Stelle ist bisher keine Nachrrchl aus China eingelaufen, welche die Meldung, daß die Gesandten in Peking sich noch am Leben befinden, bestätigt.

wb. Petersburg, 8. Juli. Der „RegiernngSbote" veröffent­licht einen längeren Artikel über die Vorgänge in China in der letzten Woche 'und sagt zum Schluffe: Nach den letzten Mit- theiluugcn der Admirale betrage die Stärke aller Truppen der fremden Mächte 20.000 in Tientsin nnd Taku, wogegen die Zahl der chinesischen Ausrührer in dem Gebiete zwischen diesen Städten und Peking auf über 150,000 geschätzt wird. Es sei daher zweifel­haft, ob es möglich sei, eine interuatwuale Truppenabtheilung mit Aussicht aus Erfolg vor der Ankunft bedeutender Verstärkungen nach Peking zu entsenden. Da die rechtmäßige chinesische Regierung durch die Macht der Umstände in die Unmöglichkeit versetzt sei, die ausrührerische Bewegung zu bekämpfen, sei cs selbstverständlich, daß die volle Verantwortung für die möglicherweise entstehenden Folgen auf die aufrührerischen chinesischen Würdenträger und deren Helfershelfer falle, welche die Macht in ihre Hände gebracht hätten.

wb. Krüssel, 8. Juli. (Havas-Reuter.) Eine aus Shanghai, 7. Juli, cinqegangene Depesche meldet: Nach Angabe eines hohen chinesischen Beamten waren die europäischen Diplomaten in Peking am 2. Juli noch wohlbehalten. Ein Thcil der Truppen unter Prinz Ching hätte sich den Boxern nicht angeschlossen, vielmehr die Ausrührer angegriffen. Der Gouverneur von Schantung ver­

weigerte dem Priiezen Tuan, der ihm befahl, sich Nankings zu bemächtigen, den Gehorsam. Ein Shanghaicr chinesisches Journal bestätige, Prinz Ching habe in Peking eine Gegenrevolution unter­nommen.

hd. Kondor», 7. Juli. „Daily Expreß" schildert daS Blutbad, welches die Boxer unter den chinesischen Christen in Peking angcrichtct haben. Viele Frauen wurden vor ihrer Tödtnng gefoltert, Kinder in Stücke zerhackt und ver­brannt. 6000 Christen sollen getödtet sein.

hd. London, 7. Juli. Vom 30. Juni wird aus Tschifu gemeldet, die Lage in der Mandschurei sei alarmirend. Bewaffnete chinesische Streitkräftc befinden sich innerhalb 60 Meilen von Niutschwang. Di« nordmandschnrische Eisenbahn ist zerstört, ein russischer Beamter wurde getödtet. Die chinesischen Streitkräfte besetzten die Brücke zwischen Tongku und Tientsin.

wb. London, 8. Juli. Das „Reuter'sche Büreau" veröffentlicht eine von Tientsin am 29. Juni abgegangene, von Tschifu am 7. d. M. abtelegraphirte Meldung, wonach in Tientsin ein Bote mit Neuigkeiten aus Peking, die bis zum 24. Juni reichen, cingctroffen ist. Derselbe meldete, bei den Kämpfen um die britische Gesandtschaft seien 5 See­soldaten gefallen, 10ffizier und 6 Mann verwundet, cmßer- dem seien je ein Franzose, Holländer, Italiener und Russe gefallen und einige Europäer verwundet. Das Südthor der Tartarcnstadt werde von deutschen Soldaten mit von den Chinesen eroberten Geschützen bewacht. Das nächste Thor nach Osten halte General Tung-fu-siang mit seinen Truppen und einem Hinterladegeschütz besetzt. Alle übrigen Thore seien von chinesischen Soldaten mit Geschützen besetzt. Beinahe alle Häuser der Chinesenstadt seien verbrannt. Die Boxer hätten das innere Thor der kaiserlichen Stadt nicdergcbrannt. Alle Missionsgcbände und die meisten Gesandtschaften seien eingeäschert, nur die britische, deutsche und ein Theil der russischen sind stehen geblieben und würden von den Truppen bewacht. Auch die chinesischen Häuser in der Nähe der Gesandtschaften seien zerstört. Die kaiserliche Stadt werde von Truppen Tung-fu-stangs bewacht, der 20,000 Mann zwischen Peking und Tientsin habe« soll. Die Prinzen Tuang und Thin sollen mit 2- bis 3000 mit Gewehren bewaffneten Truppen zum Kampf gegen die Boxer ausgezogcn sein, welche Tsching gefangen nehmen möchten. Der Bote berichtet, als er Peking am 24. Juni verließ, herrschte unter den Ausländern keine Krankheit. Den Frauen und Kindern sei kein Leid geschehen. Die Nahrung und die Schießvorräthe waren so knapp, daß die Soldaten nicht zu schießen rvagten, um nicht ihre Munition zu erschöpfen. Der Korrespondent des „Reuter'schen Büreaus" fügt hinzu, der Bericht scheine den Stempel der Wahrheit zu tragen, doch sei er, da er aus chinesischer Quelle stamme, wahrscheinlich übertrieben. Die Lage der Fremden sei unbedingt höchst verzweifelt, dennoch brauche die Hoffnung nicht aufgegeben zu werden, daß sich die Gesandtschaften noch einige Zeit halten können.

wb. London, 8. Juli. Die Blätter veröffentlichen eine Depesche aus Shanghai, dcrzufolge alle britischen Unterthanen den Befehl erhielten, die Provinz Szettchunn zu verlassen.

hd. London, 8. Juli. Ein beruhigendes Telegramm der englische» Konsuls in Shanghai, nach welchem sich noch zwei Gesandtschaften in Peking halten sollen, wird hier allgemein für eine Lüge der chinesischen Vicekönigc angesehen, deren Zweck sei, die Mächte irre zu führen. — 800 Russen und ein japanisches Regiment sind einer Tongku bedrohenden chinesischen HccreSmacht entgegenmarschirt. Ueber das Resultat dieser Expedition ist noch mcht» bekannt.

hd. London, 9. Juli. Nach einer Meldung aus Nanking veröffentlichen die fremdenfeindlichen Chinesen noch immer Mauer­anschläge gegen die Fremden in Wutschau. Die Kanonenboote „Sandpipcr"' und „Nobin", sowie ein englischer Dampfer, welcher an der Fi-Kiang-Küste kreuzte, bemerkten bei Kamashak 4000 Mit­glieder der „schwarzen Fahne", die sich auf dem Wege nach Kanton befanden.

wb. Hongkong, 7. Juli. (Reutcrmcldung.) Kanton ist voll­ständig ruhig Die Geschäfte gehen in getvohntcr Weise fort. Die Chinesen erklären einhellig, es werde zu keinen Unruhen kommen, falls Li-Hung-Tsd,aug in Kanton bleibe. Von Norden cingetroffene Chinesen sagen, die Boxer seien den Einwohnern Kantons feindlich gesinnt, diese hätten zuerst die Europäer nach dem Norden Chinas gebracht.

™b. Tichifn, 7. Juli. (Reuter-Meldung.) Zwei katholische Priester nnd zwei Schwestern wurden in Mukoen crniordet. Am 5. Juli tclcgraphirte die dänische Mission, Htsingung sei von den Boxern eingeschlossen und könne 2 Tage aushaltcn. Eine Abtheilung Kosaken in Begleitung nievrercr Ausländer und des englischen Konsuls ginge» zur Hülfeleistung ab.

wb. N^üohama, 7. Juli. (Rcutermcldung.) Weitere zehn Transporrschiffe sind gechartert worden, um neue Truppen nach China zu bringen. — Ein Erlaß wurde veröffentlicht, welcher die Ausfuhr von Pferden verbietet.

wb. Shanghai, 6. Juli. Der „Ostasiatische Lloyd" meldet, der Gouverneur von Schantung, Uuesnshikaj, habe von dem Prinzen Tuan den Befehl erhalten, mit 18,000 Mann geübter Truppen auf Nanking zu marschiren, doch sei, wie aiis gut informirter Quelle verlautet, dem Befehl nicht Folge geleistet. Der Eisenbahndirektor Sheiig, welcher eine starke fremdenfeiudlichc Gesinnung befindet, sei nach Nanking gegangen. Nanking sei ungefährdet, wenn der Vicekönig von Nanking, Lin, sich entschließe, dem Vorrücken gegen seine Stadt Widerstand zu leisten. Seine Streitmacht auf dem Uangtse betrage 15 Kriegssdiiffe. Alles hänge von dem Verhalten des VicekönigS von Nanking ab. Kürzlich sei eine große Menge Schießbaumwolle und Minen vom Arsenal in Shanghai übersandt, aber aus den Befehl des Vicckönigs »och nicht gelegt worden. — (Reuter-Meldung.) Der englische Konsul in Nanking bestätigt, daß sich der Gouverneur von Schantung, Duesnhikaj weigere, auf csehl des Prinzen Tuan gegen Nankmg zu marschiren. Offenbar