Verlag Langgasse 21
LLallkr-Hall- geöffnrt von 8 USt morgen- bi* 7 Uhr clttnbä.
wöchentlich
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.
Bon S Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.
Nlzeinen-Breis für die Zeile: IS Psg. für örtliche Anziigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger» in eucheitlicher Eatztorm; APjg. in davon abweichender Satzaussuhrnna. iowie für alle übrigen »rtl^en Anzeigen: 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Mt. für örlliche R-N-men. 2 Mk. ^wärtrge Rcktamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach befondercr Berechnung.
Bei wiederholter Auftiahme unverönderter Anzeigen in kurzen Zwilchenräumen enkipreche nder Nachlaß.
^ a, . t a lolt . - Wr die Aufnahme von Anzeigen an vor^eschriebenen
!W!w?KW?rgeEW MSm ÄttüSk Berliner Schriftleitung de» Wiesbadener Tagblatts: »erlin-Wilmersdorf Güntzelstr. 66. Fernspr.: Amt Uhl-nd 450 u. 451. Lagen und Platzen wird :e,ne Gewähr übernommen.
Bezugs-Preis für beite Ausgaben: 70 Pfg. monatlich, ML- vietteljährlich durch den Verlag - "‘21, ohne Bringerlod» M. 3.— vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ansfchließlich
Bestellgeld. — Bezugs-Leitellungen nehmen auß»dcm entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marikriag l». iowte die Ausgabestellen in allen Teilen der «ladt: in Biebrich: die dortigen Ans- gabeltellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betressenden Tagblatt-Träger.
Dienstag. 20. Kpril 1915. tHOt<)Clt*RU$CJCtbC* Hr. 181. . 65. Iahrgang.
Der Krieg.
Der Ssterrekchisch - ungarische Tagesbericht. 2m allgemeinen Ruhe auf der ganzen Rarpathenfront.
W.T.-B. Wien, 19. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 19. April: In Russisch-Polen und Wesigalizien keine besonderen Ereignisse.
An der Karpathens r o n t herrscht, abgesehen von unbedeutenden Kämpfen im Waldgebirge, in deren Verlauf 197 Mann gefangen genommen wurden, Ruhe.
In Südostgalizien und der Bukowina vereinzelte Artilleriekämpse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Fcldmarschalleutnant.
Die riesigen russischen Gsfiziersverluste.
Br. Kopenhagen, 19. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das russische Heer hat nach einer auf Grund der amtlichen Verlustlisten gemachten Aufstellung des „Rußkoje Invalid" im bisherigen Verlaufe des Krieges insgesamt mehr als 99000 Offiziere verloren, und zwar etwa 71000 Tote und 19 000 Gefangene.
Englische Bemäntelungen des Rückzuges in den Rarpathen.
Sr. Kopenhagen, 19. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Englische Meldungen aus Petersburg besagen, der russische Generalstab erwartet, datz die Kämpfe tu den Karpathen in den llächsten Tagen vollständig zuin Stillstand kommen werden. Der Schnee bat angefangen zu schmelzen. Alle Flüsse und Bäche seien angeschwollen und teilweise über die Ufer getreten, die Wege unpassierbar, der Stillstand werde wahrscheinlich mehrere Wochen anhaltcn. „Rußkojc Invalid" drückt die Ansicht aus, dah die Entscheidungsschlacht weiter im Norden geschlagen werde, nicht in den Karpathen.
Wirksame Bombenwürfe aus Warschau.
Br. Gens, 19. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.)
Ein deutscher Flieger warf aus Warschau Bomben. Der Direktor und ein Buchhalter einer Zuckerfabrik wurden getötet, zahlreiche Personen verletzt. Der Materialschaden ist groß.
Spenden der amerikanischen Polen für die Heimat.
Der polnische Nationalrat in Chicago sandte an den Erzbischof Kakowski in Warschau 2000 Dollar, a» den polnischen Dichter Heinrich S i e n k i c w i c z in der Schweiz 20000 Dollar und an den Fürstbischof Sapicha in Krakau 2000 Dollar für die Notleidenden.
Die Unterdrückung der Deutschen in Rußland.
Krakau, 17. April. (Ktr. Bln.) Wie der „Kuryer Wars- zawski" aus St. Petersburg meldet, hat der dortige Bürgermeister die sofortige Verhaftung aller deutschen und öster- rejchisck-ungarischen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Alters, die nach St. Petersburg zurückgekehrt sind, angeordnet. — Weiter meldet die in Wilna erscheinende „Weczernaya Gazette", datz die dortige Polizei alle Geschäftsleute und Industrielle ausgesordert habe, unter keinen Umständen Angehörige der mit Rutzland im Kriege stehenden Staaten in ihren Geschäftsbetrieben zu verwenden.
Deutsche Kolonisten und russische Bauern.
Die deutschen Kolonisten der Krim lassen, nach der «Nowose Wremja" vom 31. März, ihre Felder, meist Pachtgüter, unbestellt, da sie wegen der sic verfolgenden Gesetze ihre Rechtslage für zu unsicher halten. Infolgedessen klagt der Gouverneur, datz der g r ö tz t e T e r l des Gouvernements Simferopol unbestellt bleiben wird. Die russischen Bauern, sehen hierin ein Beispiel zum Nichtstun und erklären, sie würden ihre eigenen Felder auch nur dann bestellen, wenn die Gutsbesitzer ihnen das Saatkorn dazu liefern.
Russische vildungszustände.
Die „Tijd" vom 12. April teilt ans einem unter dem Titel „La race slave" ins Französische übersetzten Werke von Professor Niederle (Prag) über den Bildungsstand in Rutzland ausschliehlich Polens und Finnlands folgende Tatsachen mit: 77,1 Prozent sind Analphabeten; des Lesens urü>
Schreibens kundig von den Männern 32,6 Prozent, von den Frauen 13,7 Prozent. In Polen stehen die Dinge besser: des Lesens und Schreibens kundig von den Männern 34,2 Prozent, von den Frauen 26,8 Prozent. Für die einzelnen Gouvernements ergeben sich folgende Prozentsätze der des Lesens und Schreibens Kundigen: Esthland 79; Livland 77,5; Kurland 70,9; Petersburg 55,1; Moskau 40,2; Kowno 41,9; Warschau 39,1; Suwalki 37,4; Jaroslmv 36,2; Plock 38,5; Siedler 30; Petrikau 30,9. In 24 Gouvernements beträgt die Zcchl der Analphabeten mehr als 80 Prozent, in Pensa und Pskow über 85 Prozent. Diese Zahlen geben einen Begriff von den Schwierigkeiten Rußlands bei der Mobilisierung seiner Massen.
Die deutsch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen nach dem Rriege.
W- T.-B. Wien, 18. April. (Nichtamtlich.) Gestern fand im Riederösterreichischen Gewerbe verein eine Versammlung des Kreises statt, der sich bereits vor Monaten zur Beratung wichtiger Zukunftsfragen gebildet hat, und dem Vertreter von Gewerbe, Industrie und der reien Berufe, Beamte und Männer der Wissenschaft angehören. Die Beratung galt den deutsch - österreichischen Wirtschaftsbeziehungen nach dem Kriege. Im Laufe der Erörterungen führte der frühere Handelsminister Baerenreiter aus: Niemand zweifelt
mehr daran, datz es heute kein politisches Bündnis gibt, ohne datz dieses auch ein wirtschaftliches Bündnis ist. Die letzten Triebfedern des Krieges sind wirtschaftlich t. Die Fundierung des zukünftigen Friedens mutz eine politische und wirtschaftliche zugleich sein. In beiden Richtungen werden wir mit Deutschland Hand in Hand gehen. Alle Schichten der Bevölkerung sind auch von dem Gedanken durchdrungen, daß die Zustände, wie sie vor dem Kriege bei uns waren, nach dem Kriege nicht so weiter bestehen dürfen, denn sonst wären alle Opfer, welche jetzr freudig gebracht werden, umsonst gebracht worden. Das gilt von den verschiedensten Zweigen unseres Staatslebens, aber auch von unserem handelspolitischen Verhältnis zu Deutschland, und dieses kann nicht in einem notdürftig verbesserten Handelsvertrag bestehen. Wir können die Lasten des Krieges nur durch eine erhöhte Leistungsfähigkeit überwinden. Wir müssen mehr Werte produzieren und mehr Güter ausführen; dazu müssen wir alle Voraussetzungen rasch und energisch schassen. Deswegen brauchen wir auch einen innigen geistigen Kontakt mit Deutschland. Wir suchen nach einer Form der wirtschaftlichen Anpassung, die für unsere ganze Volkswirtschaft etwas Vorteilhaftes, für den einzelnen leine Schädigung seines berechtigten Interesses bietet. Wir werden diese Form finden; hierüber müssen wir uns auch mit Ungarn verständigen.
Eine Tagung der mitteleuropäischen Wirtschaftsvereinc der Donaumonarchie.
W. T.-B. Wien, 18. April. (Nichtamtlich) Heute fand unter dem Vorsitz der Bereinsprästdenten, Freih. v. P len er und Wekerlc, eine gemeinsame Sitzung der Vorstandsmitglieder der mitteleuropäischen Wirtschaftsveveine Österreich- Ungarns statt. Die Vertreter der Vereine besprachen zunächst die wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen Österreich und Ungarn. Es wurde einmütig festgcstellt, daß die wirtschaftliche Einigung zwischen den beiden Staaten der Monarchie allen handelspolitischen Verhandlungen mit auswärtigen Staaten vorangehen müsse. Auch drückten alle Anwesenden die Ansicht aus, datz diese Einigung zwischen Österreich und Ungarn auf Grund der wirtschaftlichen Gemeinschaft geboten fei. Sodann wurden die im Deutschen Reiche zutage getretenen, auf eine handelspolitische Annäherung zwischen dem Deutschen Reiche und Österreich- Ungarii gerichteten Bestrebungen erörtert. 'Dabei wurde eine Annäherung, entsprechend den Tendenzen der mitteleuropäischen Wirtschaftsvereinc unter gewissen Voraussetzungen, insbesondere sener der Aufrechtcrhaltung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Monarchie, für wünschenswert erklärt.
Kein Brief Kaiser Franz Josephs an den Papst.
W. T.-B. Rom, 19. April. .(Nichtamtlich) Ein Abendblatt hatte die Nachricht gebracht, der Kaiser von Österreich habe einen eigenhändigen Brief durch einen besonderen Kurier an den Papst geschickt. Ein Abgesandter des Papstes sei bereits abgesandt, um dem Kaiser die Antwort des Papstes zu überbringen. „Giornale d'Jtalia"' dementiert aus Grund von Aufklärungen aus maßgebender Quelle diese Nachricht auf das entschiedenste.
Eine Bittprozcstion in Wien.
W. T.-B. Wien, 19. April. (Nichtamtlich) Bei außerordentlicher Beteiligung katholischer Vereine fand gestern unter Führuirg von Kardinalfürstcrzbischof Pissl eine Prozession von der Botivkirche nach dem Stephansdom statt, um den Sieg für die Waffen Österreich-Ungarns und "der Verbündeten zu erflehen. Die Zahl der Teilnehmer an der Prozession wird auf ungefähr 36 000 geschätzt. Im Stephansdom 'wohnten viele Erzherzoginnen und Würdenträger dem Bittgottesdienst um den Sieg bei. Dieser Gottesdienst schloß mit dem vom Papst verfaßten und angeordneten Gebet um den Frieden.
Die erste Sitzung des ungarischen Parlaments.
W. T.-B. Budapest, 19. April. Bei Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, das sich seit November zum ersten Male wieder versammelt, gab der P r ä s i d e n t einen Rückblick aus die Kriegsereignisse, während derer die Armee so glänzende Beweise von Heldenmut und Opferwilligkeit geliefert hat. Er stellt folgenden Antrag: Das Abgeord-
netenhaus möge unter Betonung seiner unerschütterlichen Treue und Huldigung für den ober st e n Kriegsherrn, unseren gekrönten König seine vollste Anerkennung und wärmsten Dank wie sein volles Vertrauen m die Zukunft und für die heldenmütige Haltung der im Kriege stehenden Soldaten aussprechei, und gleichzeitig der teilnahmsvollsten Pietät für den schmerzlichen Verlust der gefallenen Helden Ausdruck geben und diesen Beschluß dem Oberbefehlshaber der Armee Feldmarschall Erzherzog Friedrich zur Kenntnis bringen mit dem Ersuche, i, ihn der Armee in geeigneter Weise mitzuteilen.
Oer Handelskrieg gegen England.
Wieder ein deutsches Flugzeug über England.
Vom englischen Flugwesen.
Br. Kopenhagen, 19. April. (Eig. Drahtbericht, Ktr. Bln.) Ein üsutsches Flugzeug überflog am Samstag Aorkshire in beträchtlicher Höhe, warf aber keine Bomben. Nach den „'Daily News" sind zurzeit ungefähr 40 0 Flieger in England in der Ans- d i l d u n g begriffen. Die Regierung soll g e - nügend Flugzenge bereit haben, um die doppelte Anzahl von Fliegern ausbilden zu können. Der Herzog von W e st m i n st e r wurde als Offizierlieger in daS Heer eingestellt.
„Die Stunde der Zeppeline" ist die Überschrift eines Leitartikels der „New Aorker Staatszeitung" vom 19. März, in dem diese ausführt: Beim Ausbruch des Krieges war eine Blockade der deutschen Küsten durch die übermächtige britische Flotte von aller Welt erwartet worden. Wer,. so hieß es damals, könne England an der Durchführung einer solchen Maßregel hindern. Die deutsche Flotte? Me würde im Handnnrdrehen auf den Grund des Meeres befördert werden.
Me Errichtung der Blockade unterblieb; die übermächtige britische Flotte traute sich an die deutschen Küsten nicht heran. Diie deutschen „Ratten" kamen aus ihren Löchern, und nun begann England allerhand Allotria zu treiben. Indem es mit den festgelegten Bestimmungen des internationalen Secrechts Schindln der trieb, eine willkürliche „Kriegszone" errichtete, den neutralen Handel, auf die schwäche oder die Schlappheit der neutralen Staaten bauend, auf höchste schikanierte und sich zu sonstigem Unfug verstieg. Diese Herrschaft über die Wogen ist von -den deutschen Unterseebooten gebrochen worden.
In der äußersten Bedrängnis hat England nun, da sich die britische Flotte an die deutschen Küsten nicht . herantraut, die Blockade auf den, offenen Me e r errichtet. Von einer solchen Blockade ist zwar in keiner der bisherigen internationalen Abmachungen die Rede, aber Kriegführende und Neutrale müssen sich in diesem an Neuerungen und Überraschungen aller Art überreichen Kriege auch diese N e n e r u n g g e f a I l e n lassen. Man wird abwartcn müssen, ob diese Blockende auf den: offenen Meere, welche durch Kreuzer auf stetiger Fahrt ausgeübt werden soll, wirksam werden und damit Geltung erlangen wird.
Man wird ailch den Gegenzug Deutschlands abwarten müssen. Vielleicht gibt's, nach der der Unterseeboote, eine neue Über r a s ch,u n g. Vielleicht kommt jetzt die Stunde, da die „Zeppeline" die große neue Überraschung bringen.
Line Rriegsschiffflottille am Leuchtschiff von Noord-Hinder.
W. T.-B. Amsterdam, 19. April. „NieMoe van den Dag" meldet aus Nmurden: Ein Danrpser, der aus London in Nmuiden ankam, sah bei No ord-Kinder 5 Torpedoboote kreuzen ilnd ein aus Newcastle ankommender Dampfer traf 25 Meilen von Amniden ein Torpedoboot und vier Unterseeboote von unbekannter Nationalität. Ein zurückkehrender Fischdampscr fuhr durch eine Flottille von Kriegsschiffen.
Zur Torpedierung des „Ellespontos.
W. T.-B. Amsterdam, 19. April. (Nichtamtlich) „NieuwS van den Dag" melden aus V l i s s i n g e n: Heute ist hier die Bemannung des torpedierten griechischen Dampfers „Ellespontos" angekommen. Nach Berichten der Be- satzung wurde das Schiff am Samstagnachmittag 4 Uhr 10 Min. ohne Warnung 5 Meilen westlich des Leuchtschiffes Noord-Hiuder durch ein Unterseeboot angegriffen und aus geringer Entfernung getroffen. Ungefähr eine Stunde später, als die Besatzung noch in den Booten in der Nähe des Schisses trieb, wurde ein zweites Torpedo abgeschossen, worauf das Schiff binnen einer halben Stunde sank. Der Kapitän, der am Kopf verwundet wurde, ist operiert worden.
W- T-B. Rotterdam, 19. April. (Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus Vttssingen: Aus
Berichten des Dampfers „Ellespontos" geht noch hervor: Die Wache iah das Sehrohr eines Tauchbootes und hörte gleich darauf eine Explosion, die eine Menge Holztrümmer in die Höhe schleuderte und den Kapitän auf der Brücke verletzte. Ein ° zweites Torpedo, das später abgefeuert wurde, schnitr den Dampfer in zwei Teile, die gleichzeitig sanken. Da» Schiff führte keine Ladung.
Fliegerangriffe auf englische Fischdampscr.
W- T-B- Amsterdam, 10. April. „Telegraaf" meldet aus Vlissingen: Die Besatzung des Leuchtschiffes von Noord
H i n d e r nieldet, datz zwei englische Fischdampfer, die bei dem Leuchtschiff Wachtdieust hatten, gestern von deutschen Fliegern mit Bomben beworfen worden sind, die jedoch das Ziel verfehlten.
