re tj. ■ ‘* 8, Jahrgang.
* ' ”** Pfg- viertel ährlich für beide
Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27 .
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setzung ..öp».,^e- .'c’^Q-tHftuciu)at|e5, sondern um eine all- ^nlein'e geaen.die ganze Mission als solche planmäßig in C vmc oeietzte und von den Beamten beschützte Verfolgung, uüd ttne planmäßige Vernichtung des Christenthums. Der
erste und bedeutendste Grund der Verfolgung war
also die Besetzung von Kiautscho». Die Einnahme von Kiautschou war für den chinesischen Nationalstolz eine tief schmerzende Wunde. Port Arthur, Wcihaiivei, die demüthigenden Zeitungsprosekte von einer bevorstehenden Theilung Chinas, alles das datirte für die Chinesen von Kiautschou her. Wenn auch das gewöhnliche Volk derartigen politischen Entwicklungen kein großes Interesse ent- gcgenbringt, so empfinden doch die gebildeten Chinesen und namentlich die Mandarine aufs Tiefste die Schmach und sinnen, wie das selbstverständlich auf eine geeignete Gelegenheit zur Rache. Für den politisch ungebildeten Durchschnittschincsen bilden alle Ausländer ein solidares Ganze: „die fremden Teufel". Und da der Missionar nicht selten der einzige Fremde ist, welcher seit Jahren in seinem Gesichtsfeld erscheint, so macht er diesen und seine Christen, „die Teufel zweiten Ranges", für Alles verantwortlich, was immer von Ausländern geschehen ist; ebenso für die Besetzung von Kiautschou wie für jede Ohrfeige, die irgend ein Europäer einem gaffenden
__ 1900.
Mandarine, denken, das hat mir der Gouverneur Mhlien I Rechtsgefühl GeMge'chun "ohne *“ hat. wUdld^m
Missionare zu verletzen. ^ ' ^ nc "vendwelche »Kompetenzen"
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Deutsches Keich.
Thielen.
I-. Kerlin, 29. Juni.
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-l"er Zusamnunst!llMg"dn''^Voff'stta Heere nach
Ouartrerliste im Ganzen 69 „/iX ,T 9 ' . au » der Rang- und und 65 unter 194 (Senerdlniajm »„„"l“ 7 ! Generalleutnants Geueralen des Jahres 1899 ist der eiiw jM^ ?»^'' bürgerlichen ondere. Wernhcrr, pensionirt worden^
aesainmtcn Generalit»e »,»»liitA 3 non 4. Der eine Oberst
nkv --oerrrmrrrupp-n ist bürgerlich. Von sämmtlichen Oberst- eutnauts sind 52 pCt. bürgerlich, von den Majors 55.2 pCt. Unter allen 214o Stabsoffizieren sind 1130 Bürgerliche. A, Neglmentcr, rm vorigen Jahre 32, haben ein durchweg adeliges Ofsizlercorps. Keinen bürgerlichen Leutnant haben 46 Neainieutcr. 29 Regimentei und 33 selbständige Bataillone haben nur bürgerliche Leutnants. Als Kuriosuni^verdleut hervorgehoben zu werde», daß
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MMaMMiche Bestrafung des Prinzen Prosper Areuberg wird von einem Berichierstallcr Dies und Jenes mitgetheilt, das man nach Belieben glauben oder auch nicht glauben kann. Der Todtschläger seines Dieners in Südwestafrika soll diesmal 3'/2 Jahre Festung bekomnieu haben, zu deren Verbüßung er aiigeblich bereits von Berlin irgendwohin — der Ort wird nicht genannt — abgeführt worden sei. Die ganze Art und Weise der Berichkerstattuug über diese Angelegenheit, dies vorsichtige und iinkontrollirbare Herumtragcn von^ durchgesickerten Gerüchten macht einen so beschämeiid häßlichen Eindruck, daß man doppelt froh sein muß, demnächst von der Heimlichkeit des veralteleu Militärstrafgerichlsverfahrens für immer befreit zu werden. Aber soviel Entgcgeukonlmeu könnte die Militärverwaltung der öffentlichen Meinung schon geivähren, l.nß sie die Heimlichkeit im Fatle Arenberg nicht weiter als unbedingt nöihig ausdehute. Da in wenigen Monaten ein solches Verschweigen ohnehin nicht mehr stattsindci. kann, so wäre es wahrlich nicht zu viel verlangt, wenn an zu- standigcr Stelle schon gegenwärtig mindestens in Bezug auf die Mittheiluug des Slrafmaßcs so verfahren würde, als hätten wir bereits die Oeffenttichkeit des Prozeßverfahrens. Eine kurze Notiz in irgend einem offiziösen Blatte (cs brauchte nicht einmal der „Neichsaiizciger" zu sein) über die Aburtheilnug des Prinzen Areuberg, über die Höhe der
dre-E Regimenter, (das 3. Feld- und das^VFußartilleriEegimmL l-Ncglim»t) Überhaupt keinen adligen Offizier
tp 1/1 ft- r' v *7. 1 *1
sowie das 3. Eisenbahn-»..»_.... auLium *
leörreid) ^u'tefen' 0 ^ 1 ' Sohlen ja nicht, aber sie sind immer wieder
* Die Gcsnmmtsnlil der Ingdschrine in Dreukrn ist
in den vier Jahren 1896 bis 1899/1900 von 169.781 auf 173 832 fföf,™ uud ber .-. -urnchtete Betrag von 2,127,107'ans 2-1^.661 Mark. Zum Vergleiche sei noch angeführt, daß in dem ^ten ^ahre vor dem ^nkrafttretrn des Jagdscheingesctzes vom 31. ^ul. 189o (das heißt in der Zeit vom 1 Auanst 1894 bis 31. Juli 1895) im Ganzen 202.739 Jagdscheine qegn? Z„tqett und 48o5 nnentgcltliche, zusammen also 207.594 Stück ausgegeben worden sind; die Einnahme dafür belief sich auf rund 725.000 Mark
. . 29. 3uni. Die „Norddeutsche Allaemeine Zeitung"
berichtig u.A. die über dre Aeußerung des Ministers v. Thielen bei dem Festessen oer Lübecker Handelskammer in Travemünde verbreitete Darstellung und sagt, v, Thielen habe, nachdem siebzehn Redner von Industrie, Laudwirthschaft. den Haudelsverträgen und Kanälen geredet hatten, einen kurzen Trinkspruch auf die Damen ausgebracht, den er mit den Worte» einleitete „ex est commer- > ba8 ^‘6* S u b e»W miflefcitir: es ist min genug geredet » Industrie, Laudwirthschaft und Kanälen,
ubngcns gebaut werden sie doch, es ist vielmehr Zeit, ds« mitium fidelitatie zu verkünden und das beste initium ist. derer zu g^enken re. Die „Norddeutsche Allaemeine Zeitung" fügt hinzu: Line politiiche Rede wird man diesen Truikspruch gewiß nicht
(Nachdruck verboten.)
Knrl Mitte.
(Zum 100-jährigen Geburtstag eines Wunderkindes.)
Von Egon Noöca.
Am 1. Juli dieses Jahres kann die gelehrte Well den hundertjährigen Geburtstag Karl Wittes feiern, der im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts als Wunderkind aller Orten und mit Recht angestaunt wurde. Insbesondere erregte er die Bewunderung mehrerer fürstlicher Persönlichkeiten, die ihm Stipendien zufließen ließen, sodaß er mit zehn Jahren bereits die Universität beziehen konnte.
-1 Karl Witte steht in der Geschichte der Wunderkinder ^ganz einzig da, insofern nämlich, als er erstens als Mann hielt, was er als Wunderkind zu werden versprach, denn er war als Rechtsgelehrter und Danleforscher später eine Leuchle der deutschen Wissenschaft, vor Allem aber auch deswegen, weil sein Vater, der ihn mit größter Sorgfalt, gleichsam vom ersten Tag der Geburt an erzog, behauptete, Karl Witte habe keineswegs besonders gute Geistesanlagen gehabt, eher vielleicht sogar minderwerlhige, und nur das Verdienst der Erziehung sei cs, wenn er Ungewöhnliches geleistet habe. „Jedes gewöhnlich organisirte Kind kann", so behauptete der Vater mit einem Satz des französischen Pädagogen Helbetius, „ein ausgezeichneter Mensch werden, wenn es nur vorzüglich gut erzogen wird."
Der Vater dieses Wunderkindes, das also eigentlich keins war, der Prediger Karl Witte der Aeltere, selbst ein ausgezeichneter Mann von reichem Wissen und großer pädagogischer Einsicht, hatte sich bereits vor der Geburt seines Kindes gelobt, sein Kind sollte, wenn der Himmel ihm «inen Sohn bescheeren würde, durch ihn zu einem aus
gezeichneten Menschen herangebildct werden, ohne daß er. der Vater, vorher wissen konnle, was für Anlagen das Kind haben würde.
Und dies Ziel hat Karl Witte, der Vaier, in der That erreicht, und zwar, ohne daß er jemals seinen Sohn in ungewöhnlicher Weise erzog oder etwa seinen Geist ausKosten der körperlichen Entwicklung in besonderer Weise anstrengle. Karl Wille wurde im Gegcniheil trotz seiner in zarter Jugend erworbenen ungewöhnlichen Kenntnisse ein kräftig und gesund entwickelter Mann, der ein Alter von über 82 Jahren errcichie, also ein Lebensalter, das beweist, daß die ErziehuiigSgrundsütze seines VatcrS auch in gesundheitlicher Hinsicht völlig unaugreifstnr sind.
Als Karl Witte mit 18/Jahren nach der Ansicht des Vaters dessen Erziehung vollständig euiwachsen war, setzte sich der Prediger Dr. Karl Wille nieder und schrieb ein Buch: „Karl Witte oder: . Erziehungs- und Bildungs- geschichic desselben; ein Buch für Eltern und Erziehende", und dieses starke, zweibändige Werk belehrt unS in eingehender Weise über die Thcorieen, nach welchen das „Wunderkind" erzogen wurde, und theilt die kleinsten und ersten Aeußerungen der Denkfähigkeit desselben mit.
Wir müssen mtn freilich nach diesem Werke zu dem Resuliat kommen, daß Karl Wille allerdings nur das Resultat planmäßiger Erziehung war, aber trotzdem insofern ein Wunderkind im eigentlichen Sinn des Worles, als wohl nur in den selienstcn Fällen Eltern in der Lage sind, die Erziehung ihrer Kinder in so planmäßiger Weise zu leiten und durchzuführcn.
, Wir wollen gern dem Worte des Predigers Glaubitz, eines Freundes Karl Wittes des Aelleren, glauben, der ihm bezeugte, daß das Kind Karl keine außerordentlichen Anlagen
hatte, aber ebenso, wie man ein Meisterwerk der Malkunst oder irgend einer anderen Kunst, an welchem sein Schöpfer mit nie erlahmender Geduld ein paar Jahrzehnte beinahe gearbeitet hat, oftmals als ein Wunderwerk anstaunen wird so ist auch Karl Witte der Jüngere als ein Wunderwerk der Erziehungskunst seines Vaters zu betrachten, der in seinem Fache ein Künstler ersten Ranges war und bei der Ausführung seines Meisterwerkes nicht nur durch seine un- gewohrilichen pädagogischen Gaben, soiidern auch durch mancherlei ungemein glückliche Nebeiiumstände unterstützt wurde, die iirir in seltenen Fällen überall zulreffeil werden . Jedenfalls aber beiveist uns das Meisterwerk der Er- zlchungskunst, Karl Witte, daß das neugeborene Kind in der That gleichsam nur Wachs ist und zu Allem, was man nur will, durch die Ausdauer und Geschicklichkeit seiner Erzieher gebildet werden kann.
Vielleicht ivar es bei dein Prediger Witte, als er seinen Sohn in so musterhafter und erfolgreicher Weise erzog weniger der Ehrgeiz, sein eigen Fleisch und Blut so weit zu bringen, als der, seiner Theorie Beweiskraft zu geben.
Bevor nämlich noch dieser Sohn lebte, wurde er einmal in einen Streit über Pädagogik verwickelt. Auf den drei gelehrten Schulen Magdeburgs (Kloster Liebenfraucn, Kloster Bergen und der Domschnle) lebten damals viele geschickte und innge Männer als Lehrer. Andere waren erst seit wenigen Jahren als Prediger in der Nähe versorgt und standen deshalb noch mit den genannten Anstalten in freundschaftlicher Verbindung, und diese alle bildeten einen kleinen Kreis, der sich eifrig mit dem erhabensten Geschäfte desMenschen mit seiner Erziehiiiig und Ansbilduiig, bescbäftigte. In diesen rkreis nun wurde auch der Prediger Witte eingeführt, und hier war es wo einmal darüber -eklagt wurde, daß Lehrer und Er^
