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4 ». Jahrgang.

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Fernsprecher N». 52.

Mittwoch, den 27. Juni.

Fernsprecher No. 52.

1900.

Ufteesid-Ü&asffaiäe.

Die chinesische Frage.

Noch immer herrscht nahezu völlige Ungewißheit über die Situation in China. Optimistische Nachrichten wechseln mit pessimistischen in so bunter Reihenfolge, daß heute als falsch erscheint, was gestern als sicher verkündet wurde, und daß morgen umgestoßen wird, wovon man heute überzeugt ist. Das Eine steht aber jedenfalls unzweideutig fest, daß die bisher von den Mächten aufgebotenen Streitkrüfte in keiner Weise genügen, um dem Aufstand der Boxer und dem Widerstand der chinesischen Truppen ein Ende zu machen. Denn ans alle Versicherungen der chinesischen Regierung, mögen dieselben auch in noch so feierlicher Form abgegeben werden, daß sie selbst die Niederschlagung des Aufstandes in die Hand nehmen werde, ist selbstverständlich nichts zu geben. Im Uebrigen hat die europäische Diplomatie sich schon so oft durch die mit allen Hunden gehetzten Diplomaten in Peking hinters Licht führen lassen, daß man nachgerade erwarten darf, sie werden durch Schaden klug geworden sein.

Wenn die chinesische Negierung, was man bis auf Weiteres bezweifeln muß, wirklich in Erkcnntniß der Gefahr, in die sie sich begeben hat, beabsichtigen sollte oder wenigstens die offizielle Absicht aussprechen sollte, die gegen die Fremden gerichtete Erhebung zu unterdrücken, so liegt es doch auf der Hand, daß die chinesische Regierung garnicht die Mittel hierzu besitzt, nachdem sich ein großer Thcil der Truppen der gegen die Fremden gerichteten Bewegung angcschlossen hat. Konnte doch auch der größte Aufstand, der China im vorigen Jahrhundert erschütterte, der von 1851 bis 1865 dauernde Taiping-Aufstand, nur durch die Hülfe fremder Truppen niedergeschlagen werden. Man darf sich auch darüber keiner Täuschung hingeben, daß die Aufgabe der Mächte, wenn es ihnen gelingt, den Aufstand völlig niedcr- zuschlagen und die chinesische Negierung zur Raison zu bringen, noch keineswegs erschöpft ist. Vielmehr muß damit gerechnet werden, daß die gegen die Fremden gerichtete Bewegung latent fortdauert und jeder Zeit wieder ausbrechen kann.

Als im Jahre 1856 die Ermordung von Missionaren England und Frankreich zur Kriegserklärung an China ver- anlaßte, brach, sofort nachdem 1858 der Friede geschlossen worden war, eine neue Bewegung gegen die Fremden los, die 1860 abermals zum Krieg führte. Die chinesische Regierung versprach dann in neuen Verträgen abermals alles Mögliche, aber schon 1868 und 1870 fanden aufs Neue blutige Fremdenverfolgungen statt. Daraus geht her­vor, daß die Mächte sich nicht mit der Niederschlagung des Aufstandes, die hoffentlich in Bälde gelingen wird, begnügen dürfen. Es wird unumgänglich sein, daß vor Allem in Peking, aber auch in den anderen bedeutenderen, von Europäern bewohnten Städten dauernd oder doch auf lange Zeit hinaus internationale Besatzungstruppcn locirt werden, wobei es selbstverständlich ist, daß dem chinesischen Reiche die Kosten dieser Sicherheitswache auferlegt werden.

Die Aufgabe der Mächte besteht somit nicht nur darin, den jetzigen Wirren in China ein Ende zu machen und umfassende Entschädigung und Genugthuung für alle Frevelthaten, die von den Chinesen begangen worden sind, einzufordern, sondern nicht minder wichtig ist die Aufgabe, Garantieen dafür zu schaffen, daß sich Vorgänge wie die jetzigen nie mehr wiederholen können. Hie und da wird freilich die Ansicht vertreten, daß die Mächte sich hiermit nicht begnügen werden, sondern daß der Augenblick gekommen sei, die Lösung der chinesischen Frage in die Hand zu nehmen, worunter man den Beginn der Auftheilung des chinesischen Reiches versteht.

Wir sind überzeugt, daß die überwiegende Mehrzahl der Mächte keinerlei Neigung hat, derartige Pläne zu betreiben, die nothwendig zu weitgehenden und folgenschweren inter­nationalen Konflikten führen müßten. Zwar dürfte es durch die Schaffung von Garantieen für die Zukunft bedingt werden, daß dem bisherigen fremden- und kulturfeindlichen Regiment der Kaiserin-Wittwe ein Ende gemacht wird, aber stärker als der Wunsch, schon jetzt die Regulirung der chinesischen Erbschaftsmasse einzuleiten, dürfte die Sorge vor den unvermeidlichen und unübersehbaren Konsequenzen sein, welche diese im Gefolge haben würde. Diejenigen Mächte, welche durch die Verfolgung von Sonder­plänen eine solche Politik in die Wege leiten wollten, würde» damit eine ungeheure Verantwortung auf sich nehmen. Selbstverständlich ist es, daß, wenn auch nur eine Macht die jetzigen Wirren zum Anlaß einer Erweiterung ihres Besitzstandes in China nehmen würde, auch die anderen Mächte nicht zurückstehen würden. Und es ist selbst­verständlich, daß auch Deutschland, so sehr es bestrebt ist, das Vorgehen in China auf die vorhin geschilderte Aufgabe zu beschränken, dafür Sorge tragen würde, daß es den anderen Mächten gegenüber nicht ins Hintertreffen geräth. So fern es uns liegt, einen Anderen zu übervortheilen, so sehr werden wir Bedacht darauf zu nehmen haben, daß wir nickt von Anderen übervortheilt werden.

Im Uebrigen wollen wir hoffen, daß die Einigkeit der Mächte dafür Sorge trägt, durch eine Politik des Maß- Haltens die Gefahren fern zu halten, mit denen eine Eroberungspolitik in China jetzt den europäischen Frieden bedrohen würde. Wie sehr auch das chinesische Reich in allen Fugen kracht, so ist doch die Stunde noch lange nicht gekommen, wo die Auftheilung Chinas, mag sie auch früher oder später eintretcn, ihren Anfang zu nehmen hat. Aus dem Schicksal der Türkei, wo derkranke Mann", so oft er auch tobt gesagt wurde, noch immer lebt, wissen wir, daß das Absterben der Reiche ein Prozeß ist, der sich nur allmählich, nur im Laufe der Jahrhunderte vollzieht, p.

* * *

hd. Krrlin, 26. Juni. Im Auswärtigen Amte sind heute zwei wichtige Depeschen aus China eingegangen. Die eine stammt aus europäischer Quelle, und zwar vom deutschen Konsul in Tschifu, die andere ist eine Depesche des deutschen Gouverneurs in Kiautschou und rührt aus chinesischer Quelle her. Nach der ersten Meldung soll Admiral Seymour 20 Kilonieter von Tientsin entfernt und von Boxern und Soldaten bedrängt sein. EineHülfs- kolonne habe am 24. d. M. zur Aufnahme Tientsin verlassen, nach­dem das Eiusatzcorps von Taku am Nachmittag des 23. in Tientsin eingezogen sei. Nach der zweiten Depesche soll Admiral Seymour in Peking gewesen und bereits wieder auf dem Rückwege nach Tientsin sein. Man schließt daraus, daß er die Gesandten und die Europäer aus Peking mit sich führe. Aus diesen beiden Depeschen acht also hervor: Erstens, daß Tientsin entsetzt, zweitens, daß Admiral Seymour sich nur 20 Kilometer von Tientsin entfernt befindet und eine Hülfskolonne bereits auf dem Weg zu ihm ist, sowie drittens, daß Admiral Seymour die Gesandten und anderen Weißen aus Peking zurückbringt. DieNational-Zeitung" meint, es handle sich natürlich auch hier um die Wiedergabe von Gerüchten, die noch keineswegs offiziell beglaubigt sind. Trotzdem dürften sic einer gewissen Glaubwürdigkeit kaum entbehren, da sie die Absender sonst wohl kaum der Wiedergabe für würdig erachtet hätten. Wie dasBerliner Tageblatt" aus Kiel meldet, ist die Abfahrt des See-Bataillons endgültig auf Sonntag Nachmittag festgesetzt. Die eintägige Verschiebung ist durch die Verzögerung der Einstellung der Freiwilligen geboten. Nach Depeschen ans Shanghai ist eine Streitmacht von 6000 Mann auf dem Vormarsch nach Tientsin. Die Engländer sollen 2000, die Deutschen 1200 Mann stark sein. Der größte Theil der Streitmacht besteht aus japanischen Truppen. Das Kommando führt der japanische General Fukushima. Der Iltis" patrouillirt jetzt die Ufer entlang, um die Rebellen von dort zu verscheuchen. Nach den letzten Berichten aus Tientsin sollen dort alle Banken einschließlich der Filiale der Deutschen Bank zer­stört sein. Die Chinesen tragen sich, so heißt cs in dem Telegramm desLokal-Anzeiger", mit der Absicht, Taku wieder zu erobern. Der Kommandant des italienischen Kriegsschiffes ist schwer verwundet.

wb. Kerlin, 26. Juni. Die deutsche Kolonie in Hongkong hat telegraphisch beim Kaiser um die Erlnubniß nachgesucht, in Anbetracht der gegenwärtigen Lage in China der dortigen englischen Regierung ihre Dienste zur Aüsrechterhaltung der Ordnung an­zubieten. Der Kaiser ertheilte die erbetene Erlaubniß.

bd. Kerlin, 27. Juni. In niilitärischen Kreisen erhält sich, demLokal-Anzeiger" zufolge, das Gerücht, daß außer den beiden auf Kriegsstärke gebrachten Scc-Bataill^nen weitere Truppen­abtheilungen in die chinesischen Gewässer entsandt weroeu soll-". Man spricht von 6000 Mann. Hierzu bemerkt derLokal-Anzeiger": Wir glauben annehmen zu dürfen, daß zwar hierüber noch keinerlei definitive Entschlüsse gefaßt worden sind, daß aber aller­dings angesichts der ungemein bedrohlichen Lage im nörd­lichen China und der zunehmenden Unruhen in den mittleren und südlichen Provinzen mit der Möglichkeit einer weiteren Verstärkung unseres militärische» Maditaufgebots gerechnet wird. Das gleid>e Blatt meldet aus W il helmshaven: Die Mobil­machung vollzieht sich in vollster Ruhe. Zum Stapellauf des Linienschiffes 6. wird Prinz Rupprecht von Bayern eintreffcn. Dem Vernehmen nach wird der Dampfer den Namen eines Mit­gliedes des Hauses Wittelsbach führen. Der DampferFrankfurt" wird aud> die Batterie an Bord nehmen, die aus freiwilligen Offizieren und Mannschaften deutscher Artillerie-Regimenter zu­sammengestellt ist. Dieselbe erhält Gesdiütze alter Konstruktion, keine Schnellfeuer-Geschütze. Radi einem Telegramm desLok.-Anz." aus London durchbrad>en nach einer Meldung aus Taku vom Sonntag Nadit die verbündeten Truppen nach großen Anstrengungen die chinesischen Linien und erreiditen am Samstag Tientsin. Dort fand ein ernster Kampf statt, aber die Verluste der Verbündeten waren nicht erheblich. Die Entsatztruppen ma-rscyirten dann weiter, um Admiral Seymour zu Hülfe zu kommen, der am 10. Juni Tientsin verlassen hatte. Weitere Truppenabtheilungen werden jetzt nach Tientsin zur Bewadiuug der Verbindungslinien »achgeschoben. Ucber Seymours Lage sind weitere Nachrichten nid)t eingetroffen. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß er Peking noch nicl)t erreicht hat.

hd. WiNielmohiioe», 26. Juni. Der DampferFrankfurt" ist zur Aufnahme des Truppentransports nach China hier ein- getroffen. Derselbe erhält 1365 Köpfe, der DampferWittekind" 1163.

hd. Karlsruhe, 26. Juni. Zum Eintritt in das See- Bataillon für die Expedition nad> China meldeten sich vom 14. badischen Armee-Corps 620 Mann.

wb. Petersburg, 26. Juni. Ein Telegramm des Viccadmirals

M an den Kriegsminister vom 22. ds. besagt: Ein Bericht rst Anissimoff aus Tientsin vom 19. ds. bezeichnet die Lage der dortigen Besatzung als sehr gefährlich. Der Verkehr ist unterbrochen. Die chinesischen Horden hätten Tientsin umzingelt und beschössen es mit schweren Geschützen. Die Verluste seien be­deutend. 7 Offiziere und 150 Soldaten seien todt oder verwundet; die Munition sin Gewehre und Gesdiütze sei knapp. Es halte sd>wer, den Durchbruch nach Taku zu erzwingen, zumal man die Frauen, Kinder und verwundeten Soldaten mitnchmcn müsse. Die Eisenbahn sei vollständig zerstört. Der Bericht ist mir durdi einen glücklichen Zufall Übermittelt worden. General Steffel sandte am 20. d. M. alle Truppen, weldie ihm in Taku zur Verfügung standen, Anissimoff zur Hülfe und hoffte, am 21 d. M. nach der Landung von Artillerie, unter Hinterlassung einer Be­satzung in Taku, mit der Übrigen Streitmacht abriicken zu können. Der Ernst der Lage zwingt mids, außcrordcntlidic Maßregeln zu treffen und heute Nacht sofort ein Bataillon des 10. Regiments abzuschickcn, ohne das Eintreffen der Truppen au» Wladiwostok zu erwarten.

hd. London, 26. Juni. Nach einer Meldung aus Shanghai schätzt man die Zahl der um Peking versammelten chinesischen Truppen auf 360,000 Mann mit 300 Creuzot-, 80 Krupp- und 150 Maximgeschützen. Außerdem sollen dieselben großartige Vor- räthe an Munition haben. DemBüreau Dalziel" wird aus Shanghai gemeldet: Der Comprador einer ausländischen Firma in Tientsin berichtet, daß die Lage der Dinge dort eine schreckliche ist. Ueberall sieht man die Leidicn ermordeter Männer und Frauen jeder europäischen Nationalität und auch von Japanern und Amenkanern in den Straßen liegen. Die Chartered Bank of Hongkong und die Deutsche Bank in Tientsin wurden gleich zu Anfang des Bombardements der Stadt zerstört.

hd. London, 27. Juni. Aus Shanghai wird gemeldet: Ein kaiserliches Dekret befiehlt dem General Rieh, die Forts von Taku wieder zu erobern. Dies erklärt die große Bewegung, welche sich unter den chinesischen Truppen zeigt. Zwei französische Missionen und über hundert zum Christenthum bekehrte Chinesen wurden in _ der Provinz Tschili ermordet. Eine Anzahl Chinesen, die im Begriff standen, Verschanzungen um die europäische» Besitzungen aufzuführen, wurden verhaftet. Ein französischer Beamter mit seiner Gattin und ein französischer Geistlicher, welche aus Tientsin geflüchtet waren, sind in Tschifu an Bord eines japanischen Schiffes eingctroffen. Wie man erfährt, befinden sich die fremden Missionare in Tschinanfu in der Provinz Hunan seit dem 22. Juni unter chinesischer Eskorte auf dem Wege nach der Küste.

hd. London. 27. Juni. 2000 Chinesen, welche während der letzten Kämpfe gefallen sind, wurden in Taku beerdigt. Gerücht­weise verlautet, daß 4000 Chinesen in Tientsin getödtet wurden. Die Chinesen sollen in Stärke von 360,000 Mann über 388 Geschütze in der Umgebung von Peking zur Verfügung haben. Aus Tschifu wird gemeldet: Die Hülfs-Kolonne, welche die Europäer in Tientsin befreite, bestand aus 8720 Mann mit 36 Geschützen. Die russischen Truppen in Tientsin unter dem Befehl des Obersten Wogack beliefen sich auf 1500 Mann. Bis jetzt sind keine Einzel­heiten Über die Zwischenfälle bekannt, welche sich während der Be­lagerung in Trentsin ereigneten. Es wird jedoch mitgetheilt, daß die Frauen und Kinder, welche in ein öffentliches Gebäude geflüditet waren, auf das südliche Ufer des Pciho gebracht worden sind. Diese Operationen wurden während eines mörderischen Feuers ausgeführt.

hd. London, 27. Juni. Aus Shanghai wird vom Montag Abend gemeldet: Nachrichten aus Taku besagen, daß dort ein großes Militär-Lager in der Bildung begriffen ist. Russische und japanische Truppen werden täglich gelandet, das britische Kon­tingent wädist beständig. 1000 Franzosen kamen am Sonntag von Annam an. Zwei katholische Priester, Jsore und Anslauer, wurden von Boxern in der Nähe von Hientosien, südöstlich von Tsdiili, niedergemacht. Die römisch-katholischen Einwohner sind dort in großer Gefahr.

hd. London, 27. Juni. Den letzten Meldungen aus Taku zufolge halten die russischen Truppen immer noch die Eisenbahn- Station besetzt.

hd. London, 27. Juni. WährendDaily Mail" berichtet, daß die Kolonne Seymour sich 10 Milen vor Peking befindet, behaupten andere Blätter, dieselbe sei 10 Meilen vor Tientsin und die Europäer befänden sich bei der Kolonne Seymour.

wb. Tschifu, 25. Juni (Reutcrmeldung). Es heißt, die Chinesen rücken auf Niutschwangwor.

wb. Tschifu, 26. Juni. (Reuter-Meldung.) Die hiesigen Aus­länder glauben, daß die diinesische Armee unter Tung-suh-sieng, welche kürzlich den Mohamedunec-Aufstund unterdrückte, sich jctz' vollzählig der Boxer-Bewegung anschließt. Man nimmt an, daß 60,000 gut bewaffnete chinesische Soldaten um Peking und Tientsin versammelt sind. Die chinesischen Offiziere verkünden prahlend, daß sie 40,0000SoldatenzurVersügunghätten DieAusländerinChina haben den dringenden Wnnsch, daß 100,000 Mann europäischer Truppen, davon mindestens 50,000 für Peking, in China zusammengezogen werden; auch sind sie für eine große Flotten-Demonstratwn in allen Vertragshäfen, um die in ihrer Haltung schwankenden chinesischen Kaufleute zu beeinflussen. Die vom Admiral Seymour befehligte Truppe soll mit Mundvorrath für eine Woche und 150 Patronen für den Mann abmarschirt sein. Infolge der Berichte von Erfolgen der Chinesen gegenüber den Mächten zeigt sich die Volksmasse in wachsender Erregung. Eintreffeude Kaufieutc berichten, daß in Niusechisang die Boxer in den Straßen exerciren. Wie sich herausgcstellt hat. haben Soldaten des diiuesischen Heeres Geschütze nnd Ausrüstungsgcgenstände an die Boxer verkauft. Der englische Konsul in F»sd>au hat die Bitte um Entsendung von Kriegssd)iffen ausgesprochen. Das englisdie Kriegsschiff Terriblc" und zwei japanisdie Kreuzer sind inTschifu eingetroffen, wodurch sich die Lage hier gebessert hat. Das hiesige Frcmden- viertel wird von zwei mit Krupp'schcn Geschützen ausgestatteten chinesischen Forts beherrscht.

wb. Hongkong, 26. Juni. (Reuter-Meldung.) Der Dampfer Sanschuc" ist aus Wutschau am Westflussc mit einer Anzahl weiblicher Missionare eingetroffcn. Der Kapitän meldet, daß die Chinesen im Augenblick der Einschiffung der Frauen eine fremden- fcindliche Kundgebung veranstalteten, indem sie riefen:Schlagt alle fremden Teufel todt". Die in Wutschau zurückgebliebenen Europäer sind darauf vorbereitet, jeden Augenblick abzureisen. In Kweischau dauern die Unruhen fort. Der Wasserstand des West- flusseS ist niedrig. Es ist dem englischen FußdampferSandpiper" unmöglich, Nanning zu erreichen.

Deutsches Deich.

Ueber den Hochverrathsprozeß gegen den polnischen Redakteur Leitgeber und Genossen vor dem Reichsgericht in Leipzig wird sich selbstverständlich erst endgültig urtheilen lassen, wenn der Prozeß zu Ende geführt sein wird, aber der bisherige Verlauf hinterläßt doch bereits bestimmte Eindrücke, über die man sich äußern darf, wenn auch selbstverständlich mit dem Vorbehalt, daß sie durch die weiteren Vernehmungen geändert werden können. Der Haupteindruck «st, daß eine Gesellschaft von fanatischen Polen allerlei dummes Zeug getrieben hat, dem die Oeffent- lichkeit schwerlich jemals Beachtung gezeigt hätte, wenn die Sache nicht eben zur reichsgerichtlichen Entscheidung gebracht wäre. Die Geringfügigkeit der Summen, die zur Unter­stützung despolnischen Nationalschatzes" dienen sollten, die