«8. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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Süargen-^&isgsslse.
China.
Die letzten Nachrichten aus China machen es vollends zweifellos, daß es Europa nicht mit dem Aufstand einer Sekte zu thun hat, sondern sich in regelrechtem Krieg mit der Regierung befindet. Daß dieser Krieg ohne vorangegangene Kriegserklärung eröffnet worden ist, bleibt ein Moment von völlig untergeordneter Bedeutung. Gleichwohl dürften es die Mächte auch jetzt nicht für rathsam erachten, den thatsächlichen Kriegszustand dahin zu erweitern, daß die Centralregierung in Peking als feindliche Macht behandelt wird. Das Mißverhältniß zwischen den einstweilen zur Verfügung stehenden europäischen Truppen und der ungeheueren Größe der Gefahr, die mit einer regelrechten Proklamirung des Kriegs verbunden wäre, ist dermaßen kraß, daß die Klugheit gebietet, selbst vor den offenbarsten Thatsachen für jetzt noch die Augen zu verschließen. Wenn die Kabinette über etwas einig sind, so sind sie es in Bezug darauf, daß ihre Aufgabe sich einstweilen unbedingt darauf beschränken muß, die Verbindung zwischen Taku und Peking wieder herzustellen und zu sichern; erst wenn dies geschehen ist, werden weitere Entschließungen zu fassen sein. Aber in welcher Richtung diese sich auch bewegen mögen, so kann schon jetzt mit annähernder Sicherheit gesagt werden, daß eine Richtung bestimmt nicht ein- grschlagen werden wird, nämlich die der „Auftheilung" des Ricscnreichcs. Man wird reichlich zufrieden sein müssen, wenn der frühere Zustand wieder hergestellt werden kann, der es den bethciligten Mächten doch einigermaßen ermöglichte, von der chinesischen Regierung diejenigen wirthschaftspolitischen Zugeständnisse zu erhalten, die eine Entfaltung der europäischen Betriebsamkeit gestatten. Besonders die Mächte, deren Bestrebungen in China auch früher schon lediglich darauf gerichtet waren, sich handelspolitische Vortheile zu sichern und allenfalls noch einen militärischen Stützpunkt zu gewinnen, haben das lebhafteste Interesse daran, das bis jetzt bestehende Einvernehmen der Kabinette auf dieser Linie festzuhalten. In dieser Lage ist besonders Deutschland, aber auch Frankreich und die nord- amerikanische Unions ja, wenn mau cs recht betrachtet, auch England, das doch erst durch die Protektoratsbestrcbungen Rußlands dazu getrieben worden ist, parallele Erweiterungen seines Einflußgebiets über die territorial beschränkte Niederlassung von Hongkong hinaus zu fordern. Je enger und praktisch nüchterner die Mächte ihr Aktionsprogramm fassen, desto eher wird es möglich sein, die übergreifcnden Tendenzen des russischen Kolosses einzudämmen. Vor der Hand ist jedenfalls dafür gesorgt, daß das Bärenfell nicht so leicht vertheilt werden kann. So gewiß es ist, daß die überlegene Kraft Europas die Empörung Chinas gegen die sich aufdringendc fremde Kultur zu bewältigen verstehen wird, so sehr bleibt cs gleichwohl gerathen, in der uothwendigen Entfaltung von Machtmitteln nur gerade so
Die Mainzer Festtage.
Boi» Schriststellcrtag.
Der allgemeine Schriftsteller- und Journalistentag in Mainz, der gleichsam an das Gutenbergfest angcgliedert war, ist programmmäßig verlaufen. Nach dem Bcgrüßungsabend am Donnerstag, über den wir kurz berichteten, folgten am anderen Tage Berathungen, die für die Allgemeinheit nichts Wesentliches boten, und das Festessen in der Stadthalle. Der Provinzialdirektor Freiherr v. G a g e r n als Beitretcr der Staatsregierung hielt dabei eine Rede, in der er darlegte, daß ein Bündnitz bestehe zwischen Presse und Regierung, welche beide dasselbe Ziel: „Förderung der öffentlichen Interessen und Wohlfahrt des Vaterlandes", verfolgten, weshalb auch — so meinte der Herr Regierungsvertreter — die Regierung der Presse Freiheit und llngebnndcnljcit „innerhalb der richtigen Schranken" gewähre. Uns will freilich scheinen, als wenn wir das Bischen Preßfreiheit, das wir in Deutschland haben, am allerwenigsten den, vorwiegend pretzseindlichen Regierungen, sondem dem unausgesetzten zähen Kampfe aller liberalen Elemente zu verdanken Mitten. Nun, bei einer Festrede kommt's ja auf ein wenig mehr oder weniger Genauigkeit nicht an. Man nahm also die Ansicht, wie auch einige andere Reden, so u.A. eine geistreiche von Hermann Bahr aus Wien, freundlich hin und ließ sich das gute Mahl trefflich munden. Das Häuflein der Tagenden, die ohne die Mainzer Kelleicht 150 Personen ausmachten, verlor sich fast in dem ungeheuren Raum der Halle. Einige naive Seelen, welche, begierig, die Vertreter der öffentlichen Meinung, die Offiziere der 7. Großmacht, Mnen zu lernen, dem Diner beiwohnten, forschten vergeblich nach Berühmtheiten. Kaum ein Dutzend halbwegs bekannte Namen waren vertreten, die Uebrigen waren größtentheils Redakteure kleiner Blätter, welche sich gerne einmal gefeiert fühlen wollten, unbekannte Schriftsteller und Schriftstellerinnen, welche hofften, mit den Preß- gewaltigen Verbindungen zwecks Unterbringung von Manuskripten an- uuipfen zu können, oder wohlgeneigte Kritiker für ihre Werke ve»n Festwein zu finden. Auch Tonkünstlerinnen sigurirten merkwürdiger Weise auf der Präsenzliste, vielleicht zu gleichem Zweck »>ff der Bildfläche erschienen. Mehr wie je zuvor krankt dieser .Allgenieine Schriftsteller- und Journalistentag" an der schlimmen «taukheit Absentia, an dcr Absentia der eigentlichen, führenden und maßgebenden Wortführer des Journalismus und der Schriftstcllerei. N ist fast, als hielten sich diese geflissentlich fern. Ein Königreich >ur einen Badenstedt, einen Heyse, einen Jordan, einen Spielhagen °°cr Wildenbruch I — Interessant gestaltete sich am Samstag Morgen
Dienstag, de» 26. Juni.
weit zu gehen, daß die Chinesen empfindlich verspüren, wie schlecht ihnen der Widerstand bekommen muß. Würde die Grenze der Nothwendigkeit überschritten werden, so müßte Europa Machtmittel aufmenden, deren Kostspieligkeit, abgesehen von den enormen Blutopfern, vielleicht nicht des Einsatzes werth wäre. Alan darf sich nicht darüber täuschen: dieser Krieg — denn ein solcher ist es ja — kann nicht mit der Niederwerfung Chinas, sondern nur damit endigen, daß die Negierung darüber belehrt wird, sie habe die geschlossenen Verträge zu halten und Leben und Eigenthum der Europäer zu schützen. Jedes Hinausgehen über diese Aufgabe würde die Schwierigkeiten unendlich vermehren, würde aber auch zugleich die Gefahr näher bringen, daß nicht alle am Kampfe theilnehmenden Mächte gleichmäßig auch an den zu ertvarleiidcn Erfolgen theilnehmcn würden, sondern es käme alsdann wahrscheinlich dahin, daß der Löwenantheil auf Rußland fiele, und in der Abwendung dieser Gefahr müßten die übrigen Mächte aus einem natürlichen Solidaritätsgefühl ihre gegebenen gemeinsamen Aufgaben erblicken. Diese Sachlage mit allen ihren ver- hängnißvollen Möglichkeiten bleibt auch dann bestehen, wenn man nach dem gegenwärtigen Thatbestaude zuzugeben hat, daß die russische Politik für den Augenblick korrekter Weise ihre Stellung getreulich neben den übrigen Mächten nimmt und das Mißtrauen, als verfolge sie Sondcrpläne, zur Stunde nicht durch ihr Verhalten rechtfertigt. Bei Zeiten vorzubauen, wird sich doch immer empfehlen, sonst könnte den Petersburger Staatsmännern der Appetit beim Essen kommen.
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hd. London, 24. Juni. Bei dem Angriff auf Tientsin durch die Chinesen hat hauptsächlich das französische Viertel schwer gelitten. Dasselbe dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach in Flammen aufgcgangen sein. Die „Westminster Gazette" befürchtet, daß die Lage in China viel ernster sei, als allgemein angenommen werde. Es bandle sich unstreitig um eine Empörung der Chinesen gegen die Europärer, zu deren Unterdrückung ein gewaltiges Heer erforderlich wäre. Es bleibe nichts Anderes übrig, als irgend einer europäischen Macht, welche schnellstens eine große Truppenmacht aufbieten könne, freie Hand zu geben, ohne Rücksicht auf die Vor- theilc, welche diese Macht nach Beendigung der Wirren gewinnen dürfte.
wb. Uew-Uorb, 24. Juni. Der „New-Uork Herold" meldet aus Washington: Die amerikanische Streitmacht in China wird aus 4500 Mann einschließlich einer Batterie unter General Hall von den Philippinen und 16 Schiffen aller Art und 500 Mann Marinetruppen unter Admiral Kempff bestehen. Das Thnrnischiff „Monadnock", das sich bei den Philippinen befindet, erhielt Befehl, nach Takn zu gehen. — Der Korrespondent des „World" in Hongkong meldet aus chinesischer Quelle, Admiral Seymour besetzte die Tartarenstadt Pekings.
wb. London,25.Juni. (Meldung des „Reutcr'schenBüreaus".) Die Admiralität erhielt vom englischen Geschwaderchef in Taku eine von Tschifu, den 23. d. M., datirte Depesche, worin es heißt, die Admirale der Mächte handelten in vollstem Einverständniß mit dem russischen Pice-Admiral als ältestem Offizier. — 200 Mann eines chinesischen Regiments von Wei-hai-wei sind am 22. d. M. in Taku gelandet. — Da seit fünf Tagen nur ein Läufer von Tientsin dnrchgekommen ist, konnten keine weiteren Nachrichten eingehen als die, daß die Fremden-Niederlassung fast ganz zerstört ist und daß die Fremden hart kämpfen. Es sind Nachrichten eingegangen, daß der Versuch, Tientsin zu entsetzen, am 22. d. M. mit einigem Verlust zurückgeschlagen
die Generalversammlung der Pensionskaffe der deutschen Schriftsteller und Journalisten. Der zweite Vorsitzende, der verdienstvolle Prayer, gab in seiner selten klaren Art eine Uebersicht über die Verhältnisse der Anstalt (die sich in trefflichster Verfassung befindet und den Rentenempfängern je 80 Mk. Zuschüsse in diesem Jahr zahlen könnte), und führte einige Bemängelungen glänzend all absurdum. — Mittags kam es dann zuni eigentlichen Höhepunkt der festlichen Veranstaltungen, als welche man den Besuch der großartigen Knpferberg'schen L-ektkellereicn bezeichnen kann. Wie riesig diese Kelleranlagen mit ihren Millionen von gefüllten Champagnerflaschen sind, mag man daraus ersehen, daß die von Herrn Kommerzienrath Kupferberg selbst geführte Besuchcrkolonne etwas über 3 lt Stunden brauchte, ehe sie vom Eingang in der Wal- podenstraße die fünf Stockwerke des Kellers im flotten Marschtempo durchschritt, um endlich ermüdet in der prächtigen, schön dekorirten, eigens für diesen Fall erbauten Halle zu landen, wo ein reichlicher Imbiß harrte und eine unversiegbare Champagnerquelle floß. Frau Kommerzienrath Kupferberg selbst machte mit einer Anzahl verwandter und befreundeter Damen in schlichter und liebenswürdiger, wahrhaft vornehnicr Weise die Honneurs an einem langen, in origineller Art aus Champagnerklsten heraestelltcn Buffet. Herr Kommerzienrath Kupferberg hielt eine hübsche und herzliche Begrüßungsansprache, der eine Anzahl Reden aus dem Kreise der Gäste folgte. Wirklich, dieses Scktfest des gastlichen Hauses Kupfer- bcrg, welches sich zudem noch ein starkes gediegenes Festbuch über Gutenberg hatte kosten lassen, war der „clou“ der Veranstaltungen. Es mag noch bemerkt sein, daß das großartige Etablissement, das schon, wie Votivtafeln bekunden, von mehreren regierenden Fürsten besichtigt wurde und in dem auch Bismarck, klug, wie er war, vom 2. bis 7. August 1870 sein Quartier nahm, täglich nicht weniger als 10,000 Flaschen de« trefflichen Kupferberg Gold fabrizirt. Es wurde sehr löblich poknlirt und die Stimmung war cme ausgezeichnete. Einige besonders gewitzigte Gäste verzogen sich rechtzeitig, um bei dem lustigen Flackerwinde sich durä> eine Rheinfahrt die heiße» Köpfe zu kühlen und dann das Pokuliren in dem berühmten Dichterheim „zu Aßmaunshauscn in der Krön" fortzusetzen.
Die typographische AusstcNuua.
Die lehrreichste Stätte dcs GutcnbergfcstcS ist die typographische Ausstellung im Schlosse. Unter Blitz und Donner wurde sic Samstag Mittag eröffnet. Die Ausstellung neigt sich in ihrem Werthe mehr nach der wissenschaftlichen Seite hin, und, durchmischt und umgeben von den reichen Beständen des Mainzer Schloß- museum«, wirkt sie ungemein anziehend auf jeden Freund mittel»
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worden ist. — Das „Reutcr'scheBüreau" meldet ans Shanghai vom 23. d. M.: Prinz Tuan enthob den Oberbefehlshaber der Truppen im Norden vom Kommando und übernahm selbst den Oberbefehl, nad>dcm crangekündigt, daß er gegen Tientsin marschiren und die Handvoll Fremden dort verjagen werde.— Nach den letzten von zuverlässiger Seite aus Peking eingetroffcncn Nachrichten halten sich die Gesandtschaften noch. Die Chinesen umringten sie und wagten nicht, von Neuem anzugreifen. Sie hoffen, es werde ihnen gelingen, sie auszuhungcrn. Der Korrespondent des „Rcuter- schen Bürcaus" erfährt ans amtlicher Quelle, die Kaiserin erließ Befehle, alle Fremden in China auszurotten. — Ans dem Norden treffen zahlreiche Eingeborene und fcemde Flüchtlinge in Shanghai ein. Das „Rcuter'sche Büreau" meldet aus Shanghai vom 23. dS. Mittheilungen, welche der Korrespondent des „Reüter'schen Büreaus" durch Telephon am 17. ds. von Tientsin erhielt, bestätigen die früheren Meldungen über die Beschießung der Fremdenkouzcssionen durch Truppen des Generals Rieh. Die Geschosse fielen im öffentlichen Garten in der Nähe der Gordon-Hall nieder, wohin die Frauen geflüchtet waren. Eine Niedermetzelunq der Fremden wird allgemein befürchtet. In Tientsin können im Ganzen nur 3000 Mann ausländischer Truppen und fremder Einwohner zusammengebracht werden. — Der Korrespondent der „Daily Mail" in Tschifu meldet unterm 24. Juni: Ich höre, daß der Gouverneur von Schantnng, General Aaanshikai, welcher 11, WS --ch ausländischer Weise ausgebildete Truppen befehligt, von welchen e» beißt, daß sie auf der Höhe europäischer Tüchtigkeit stehen, und die mit Mauser- und Magazingewehren, sowie mit Maxim- und Feldgeschützen ausgerüstet sind, am 15. Juni Befehl erhalten haben soll, mit seiner Streitmacht eiligst nacb Peking zu kommen. Seine Instruktionen seien in dem kaiserlichen Edikt enthalten. — Ein Telegramm der „Daily Expreß" aus Tschifu voni 23. Juni besagt, chinesische Läufer, welche am 21. Juni in Tientsin eintrafen, machten die Meldung, daß eine kleine Abtheilung weißer Truppen mehrere Tage mit einer überwältigenden chinesischen Streitmacht etwa 40 Meilen westlich von Tientsin im Kampf gewesen sei. Es fei wenig Zweifel, daß es sich um Admiral Seymours Truppen handle. — Den ,Dimes" wird aus Shanghai, 24. Juni, telegraphirt: Von Tschili abgesehen, weist die Lage keine Veränderung auf. Der japanische Konsul in Tschifu berichtet, daß dort große Unruhe herrsche. Einheimische Kaufleute verlassen infolge der Bewegungen der chinesischen Truppen in der Nahe Tschifu. Von Tschnngking und Ringpo bitten die dortigen Ausländer um Schutz durch britische Kanonenboote, doch ist keines sofort verfügbar. Man hofft sehr, daß die Regierung im Hinblick auf mögliche Verwicklungen eine starke Flottenmacht nach Jangtse entsende. Der Bicekönig von Nanking forderte die Provinzbehörden durch eine Proklamation auf, das leiseste Zeichen von Ruhestörung mit fester Hand zu unterdrücken. Inzwischen nimmt die Zerrüttung des Handels in: Norden infolge der dortigen Verhältnisse täglich zu. — Eine spätere Depesche der „Times" aus Shanghai meldet, der Vicekönig von Nanking theilte dem britischen Generalkonsul in Shanghai mit, daß sich jetzt ein chinesisches Geschwader in Shanghai befindet, das mit den Mächten zum Schutz von Leben und Eigen- thum in den Aangtsehäfen Zusammenwirken wolle. — Nach einer Depesche desselben Blattes ans Shanghai ist im Jamen des Eisenbahndirektors Scheng am 24. die Meldung eingegangen, daß am 20. Juni alle Ausländer in Peking wohlbehalten waren, jedoch alle Gesandtschaften mit Ausnahme der österreichischungarischen, belgischen und englischen niedergebraunt seien. — Die „Times" melden aus Yokohama vom 24. Juni, daß Japan in der chinesischen Krisis eine reservirtc Haltung einzunehmen scheine, beschränke sich darauf, das Konzert der Mächte und das Gleichgewicht beim Vorgehen derselben aufrecht zu erhalten. Japan sei jedoch augenscheinlich bereit, seine volle Stärke in dem kräftigen Zusammenwirken mit jeder Macht zur Geltung zu bringen, welche gleiche Interessen mit ihm habe und eine entschlossene Politik verfolgt, die auf Wiederherstellung des Friedens und Vermeidung des Ueber- gewichts irgend ei»cr Macht gerichtet sei.
wb. Petersburg, 24. Juni. Ein im ,,Negierungsboten" veröffentlichtes längeres Communique theilt zunächst mit, daß die
alterlichcn Wissens. Die moderne typographische Technik ist ver- hültnißmäßig schwach vertreten. Einige Schnellpressen, eine Setzmaschine, Gummirmaschinen rc. geben bei Weitem kein Bild der heutigen hochentwickelten Buchdmckcrkunst. Auch die Erzeugnisse der Buchdruckcrkunst, vom einfach schwarzen bis zum Vielfarben- drnck, sind spärlich vorhanden und der Fachmann findet da wenig Neues. Der Grund, daß in diesem Theile der Ausstellung kein umfassendes Bild des heutigen Buchdruckergewcrbes geboten ist, dürfte darin zu finden sein, daß eine Reihe von Städten in diesem Sommer besondere Gutenberg-Ausstcllungen veranstaltet haben, so Leipzig, Düsseldorf, Weimar. Straßburg rc. Dagegen ist die Mainzer Ausstellung überaus reich an alten meisterhaften Druckwerken. Um nur eines, man kann sagen die Perle der Ausstellung, herauszugreifen, sei der älteste slaw:sd)-cyrillische Kirchendrnck erwähnt, der aus Montenegro hierher gebracht wurde. Das Werk stammt aus der ersten slawisch-cyrillischen Buchdruckerei, die in Montenegro ihren Sitz hatte. Das Buch ist der Negierung von Montenegro so werthvoll, daß sie es der Post nicht auzuvertrauen wagte. Ihr Beauftragter, vr. L. Tomakovic, brachte den Schatz hierher, und auf der weiten Bahnreise trug er ihn stets unter dem Arm. Des Weiteren entzücken das Auge des Kenners alte Astro- nomika, herrliche Missale mit dem bekannten mittelalterlichen Notendruck, ferner werthvolle Zeugdrucke.
In Gegenwart dcs Großherzogs vonHeffen, der zur Gutenbergfeier trotz seiner Familientrauer eintraf, wurde die Eröffnung der Ausstellung feierlich vollzogen. Am Abend des ersten Äntenbcrg- Feiertagcs gelangte in der Liedertafel das Oratorium „Judas Maccabäus" m hervorragender Weife zur Aufführung. Der Großhcrzog von Hessen wohnte dieser Aufführung brs zu Ende bei. Der Kapellmeister Vr. Volbach wurde zum Professor ernannt. ES erfolgten noch eine Menge weiterer Ordens-Auszeichnungen.
Akademische Feier und Festmahl.
wb. Mainz, 24. Juni. Bei der akademischen Feier, die heute Vormittag in der Stadthalle stattfand, waren der Großherzog, die Mitglieder des Staatsministeriums, die Generalität, der Bischof von Mainz, sowie die Mitglieder der beiden hessischen Kammern zugegen. Universitätsprofessor Köster-Leipzig hielt die Festrede. Nach Beendigung der Feier begaben sich die Fest- theilnehmer nach den: Gutenbcrg-Dcnkmal, wo gleich nach Eintrcffea de« Großherzog« ein Tcdeum gesungen und dann unter dem Glockengeläute aller Kiräien das Lied: „Heil Dir Moguntia" an-> estimmt wurde. Am Sä>luß der Feier legten der Grotz- crzog, der Oberbürgermeister von Mainz, Bürgermeister DittrjA
