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«8. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS; durch den Verlag »« Pfg. «onntUch, durch di« Post 1 Mk. «Ö Psg. vierteljährlich für beide Ausgabe» zusammen.
Verlag: Lauggasse 27.
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U0. 291. Fernsprecher No. 52. DikNstttg, deN 26. Intti.
Fernsprecher No. 52. 1966.
(Nachdruck verboten.)
Die Entvölkerung Frankreichs.
Unser Pariser rr-Korrespondent schreibt uns:
Von Zeit zu Zeit beschäftigt sich die französische Presse und politische Welt mit der an Wichtigkeit alle Tagesfragen weit überragenden Thalsache, daß die BevölkeriitigSzahl Frankreichs nicht nur relativ, d. h. im Verhältniß zu den sich stark vermehrenden anderen Nationen, sondern sogar absolut, d. h. für sich allein betrachtet, von Jahr zu Jahr abnimmt, d. h. daß die Zahl der Geburten die der Todesfälle nicht erreicht. Plan kann ailsrcchnen, daß, wenn dieses Verhältniß beharrlich bliebe, oder gar, wie es eine Zeit lang den Anschein halte, sich verschlimmerte, in einer bestimmten Reihe von Jahren das französisch« Volk aussterben müßte. Will man auch nicht gleich so weit denken, so muß es doch mit Besorgniß erfüllen, daß die numerische Verminderung auf die Länge der Zeil Frankreich gegenüber seinen an Einwohnern stetig zunehmenden Nachbarn wirthschaftlich und namentlich auch militärisch schwächen würde. Im Jahre 1870 zählte Frankreich etwa 36, das Deutsche Reich etwa 41 Millionen Seelen. Heute weist Frankreich, dank der Einwanderung, welche den Ausfall der Geburten mehr als ausgeglichen hat, noch immer 36 bis 37 Millionen Bewohner auf, während die Bevölkerung Deutschlands auf 54 Millionen angewachsen ist. Man begreift daher, daß diese Frage alle Patrioten aufs Lebhafteste beschäftigt und daß fortgesetzt nach Mitteln und Wegen gesucht wird, um die gelähmte Volksvermehrung wieder zu heben. Die meisten zu Tage tretenden Vorschläge laufen direkt oder indirekt darauf hinaus, den Kinderreichthnm durch staatliche Prämien z» begünstigen und die Kinderlosigkeit durch fiskalische Mittel einzuschränken, d. h. zu bestrafen. Ucberdiesen Nahmen geht auch die neueste Denkschrift der Senatoren Bernard und ' Piot nicht wesentlich hinaus: Steuerbefreiung für Eltern von mehr als 3 Kindern; Extrabesteuerung jedes kinderlosen Haushalts und aller unverheiratheten Personen mit je 30 Francs jährlich; Befreiung des ältesten Sohnes jeder mit mindestens vier Kindern gesegneten Familie vom Militärdienst; außerdem Verbesserungen der Gesundheitspflege. des Kinderschutzes, Einschränkung der gewerblichen Frauenarbeit, Erleichterung der Eheschließung und der Einwanderung; Gehaltszulagen an die Beamten im Verhältniß der Kinderzahl. Ohne den Werth dieser Vorschläge unterschätzen zu wollen, kann man sich doch fragen, ob sie zur Erreichung des Zieles genügen werden. Sie sind hauptsächlich auf die Männer, beziv. Väter berechnet, weniger auf die Frauen, bezw. Mütter, deren mehr oder weniger zweckentsprechendes Verhalten, deren Nachlässigkeit, Gewissenhaftigkeit, guter oder übler Wille und stärkerer oder abgestumpfter Instinkt der Mütterlichkeit doch ohne Zweifel
von weit größerem Einfluß auf die Vermehrung der Familie ist, als das gewöhnlich nur von augenblicklicher, blinder Begier geleitete Verhalten des Mannes. Auf die Frauen also müßte eingewirkt, ihnen müßte die Mutterschaft erleichtert, mit Vortheilen verknüpft werden. So lange Eitelkeit und Koketterie vor der llebernahme der Multerpflichten zurückschrccken, weil dieselbe die weiblichen Reize zu beeinträchtigen droht; so lange die Verantwortlichkeit der Vaterschaft nicht mit allen ihren wirthschaftlichen Folgen unter allen Umständen gesetzlich verbürgt ist, so lange die Mutterschaft ein Fall der Entehrung sein kann, so lange am Belte der unbemittelten Wöchnerin die Sorge nm Nahrung und Obdach ihr furchtbares Antlitz zeigt, wird keine Geldprämie, die ihrer Natur nach nur geringfügig sein kann, den Kindersegen vermehren. Die Französin stellt gesteigerte Ansprüche an das Leben, an die Gegenwart; dadurch ivird sie verhindert, Pflichten der Zukunft zu übernehmen. Es flieht Schriftsteller, welche diese Erscheinung als eine Folge der verfeinerten Kultur betrachten und auch den übrigen Nationen eine Abnahme der Volksvermchrung Voraussagen. Bis jetzt liegt dafür kein Beweis vor. und es ist möglich, daß die Französinnen selbst, wenn ihnen die Gesetzgebung zu Hülfe kommt, das angebliche Kulturgeseh widerlegen. __
Deutsches Reich.
Vom Kanal.
Ein Berichterstatter will wissen, daß sich im Staatsministerium wieder eine Strömung dahin geltend mache, den Landtag, wenn möglich, schon im Herbst zu berufen und ihm den Kanalgesetzentwurf vorzulegen. Die Mitthcilung kann schon aus äußeren Gründen nicht zutresfen, da der Umbau des Sitzungssaales im Abgeordnetenhaus mindestens 6 Monate dauern wird. Aber auch sonst ist die Nachricht völlig unglaubwürdig, und zwar doppelt unglaubwürdig dann, nenn man sich den eigenthümlichen Vorspann betrachtet, mit dem, wie es scheint, das StaatSministcrium die Kanalvorlage aus dem Sumpf heransreißeu möchte. Nach Andeutungen, die man nicht kurzer Hand abweisen sollte, rechnet man in Negiernngskreisen auf eine freundlichere Stimmung der Konservativen für die Kanalpläne in dem Fall, daß bei Einbringung des Kanalgesetzes bereits die Zollerhöhungen bekannt sind, mit denen der Landwirlhschaft geholfen werden soll. Die Sache hat wirklich Hand und Fuß, könnte sie wenigstens haben, wenn das Ostelbierthum den Gefühlen der Versöhnlichkeit zugänglich wäre. Bekommt der Reichstag im Spätherbst das neue Zolltarifgesetz vorgelegt, das die Hoffnungen der Bündler endlich erfüllen soll, so könnten Männer wie Graf Posadowsky und Thielen allerdings meinen, daß die Konservativen, wenn sie ihren Lohn vorweg haben, der Regierung großmüthiger Weise den Gefallen thun und den Mittellandkanal mit freundlichere» Augen anschcn werden. Aber Herr v. Miguel wird seine Konservativen besser kennen. Als
Die Mainzer Festtage.
Das größte Interesse an den Mainzer Festlichkeiten botnatiir- lich das .smuptschaustiick. der Festzua, der gestern bei einem der Veranstaltung besonders günstigen Wetter, nämlich bei „bedecktem
S immel", vor sich ging. Unzählige Mcnschenschaaren ans Nah und teil waren zu dem farbenprächtigen Schauspiel herbeigeeilt, an den Zügen entstand ein förmliches Geraufe und es ist wunderbar, daß nicht eine Anzahl Menschen zu Tode gequetscht wurden. Wie Mauern eingekeilt in drangvoll fürchterliche Enge standen die Menschen in den Straßen, die der Zna passirte.
Der weite Weg, der dem historischen Festzug vorgeschrieben war, hat es aber ermöglicht, daß jeder Schaulustige zu seinem Rechte kam. Monatelang hat der Zug die Gcmüther der Veranstalter beschäftigt. Die Absicht war von vornherein. Alles zn iibcrbieten, was Mainz bisher auf dem Gebiet derartiger öffentlicher Schaustellungen geleistet hat, und das ist nicht wenig. Aber der Erfolg krönte das Werk und der Festzug »erlief in überaus glanzvoller Weise und hat thatsächlich Alles Überbotcu, was bisher an Derartigem in Mainz geleistet worden ist. Die karnevalistischen Faschingszüge kommen hierbei als Vergleich nicht in Betracht, da sic humoristisch gehalten sind und einen sthr lebhaften Verkehr zwischen den Zugtheilnehmern und dem Publikum zu entwickeln pflegen, der in diesem Falle aber fortfiel. Immerhin wurden auch heute viele Gruppen des Zuges mit lebhaftem Beifall begrüßt und jede besondere Leistung fand auch die besondere Anerkennung des Publikums. Der Zug, der sich in dem Garteufeld aufstcllte, nahm, wie die „Franks. Ztg." nntthcilt, eine Länge von fast3Kilometeru ein, derVorbermarsch dauerte rund 1"/. Stunden. Kurz vor 12 Uhr kam der Zug an das Gutenbergdenkmal, wo er am Fürstenzelt vorbeidefilirte. Außer dem Großherzog waren die beiden Schwester» des deutschen Kaisers, Kronprinzessin von Griechenland und Prinzessin Friedrich Karl von
t essen, anwesend, daneben natürlich eine glänzende Suite von eneralen, Staatsbeamten nnd sonstigen Würdenträgern. Der Zug, eröffnet durch Herolde und Milsik, zeigte als erstes Stuck ein Alphabet, die einzelnen Letter» personisizirt durch Knaben »r der Gewandung von Scholaren. Es folgte dann der Prunttvngen der Typographia, dann kamen mehrere Gruppen historischen Charakters, so ,. B. die Kursürstc» Diter von Isenburg und Adolf von Nassau, die beiden feindlichen Mainzer Bischöfe mit ihrem glanzenden Gefolge. Sehr hübsch herausstaffirt war auch der Zug der Zünfte, daran die Metzger, die Festochsen mit vergoldeten Hörnern iin Zug führte», die Fuhrleute, die Brauer mit ihren schweren Wagen, die Küfer und sogar aus einem der Wagen eine Schmiede im Betrieb. Der Schmicdemeistcr überreichte dem Großhcrzog einen
kunstvoll ans Schmiedeeisen gearbeiteten Rosenbiisch. Lustig und bciveglich war die Gruppe der Winzer aus Bingen.
Eine der Winzerinne» kredenzte dem Großberzog eine» Trunk Vinger Schloßberg ans silbernem Pokal. Das eigene Gewächs mundete dem Landesherr» offenbar vortrefflich. Sehr wirksam präsentirle sich ein mittelalterlicher Zug Schützen, wie die Landsknechte, die nach altem Kommando mit der Hellebarde salutirten. llrmninzerisch nahm sich das Narrenschiff ans, auf dem Johann Fischart, Sebastian Braut, Till Eulenspicgel und andere Figuren ans der mittelalterlichen satirischen Litteratnr vertreten waren. Unter den Zeitungen nnd Litteratur-Erscheinungen, die ebenfalls im Zug vertrete» waren, siel der Lahrer hinkende Bote besonders auf. Eine Zahl durchtriebener Zigeuner, der vr. Eisenbart, der vr. Faust und cincNeihe von Quacksalbern verkip perten das mittelalterliche Jahrmarktstreiben. Hutten und Franz von Sickingcn, die beiden rührigen Streiter fiirGcistesfrciheit, die von derBuchdruckcr- presse zuerst als von einem politischen Kampfmittel Gebrauch niachten, ritten sodann einher. Ihnen folgte der Wagen Nr. Martin Luthers. Von besonderem Glanz war ferner der Wagen der UnivcrsitätSfaknltäten und namentlich auch der Wagen der Hansastädte. Ferner die Nrunkkarosse des Kurfürsten Johann Philipp. Der alte Fritz, begleitet von seiner Potsdamer Garde, die im Stech- schritte Parademarsch machte, wurde lebhaft applaudirt, ebenso das österreichische Militär'aus der Zeit Kaiser Joseph II. Ein Jagdzug mit großer Mente leitete zu unserem Jahrhundert über. Die letzte Gruppe galt der Entwicklung der modernen Kunst. Sie ivar ungeiucin phauiasievoll aiisgcstaltet. Ein Wagen der Buchhändler- stadt Leipzig im Biedermännerstil, ein- Schnellpresse, eine Königin der Bnchdrnckerkuilst zogen die Blicke des Publikums nainentlich auf sich. Die Kuustentivickluug wurde von dem Altcgypterthum bis zu dem modernsten Jugendstil vorgefiihrt. Auch die patriotische Seite fehlte dem Zuge nicht.
Liitzows wilde verwegene Jagd, Theodor Körner als der Mittler von Schwert und Leher, der Vater Jahn und die Burschenschafter. Leipzig ist der Vorort des deutschen Bnchmarktes geworden. Seine große» Verleger herrschen zwischen den Werken der Autoren auf stolzem Wagen. Die Verleger fahre» immer vierspännig, während die Dichter zu Fuß gehen. Der Pegasus ist nun einmal kein Kutschpferd. Auch die Schnellpresse n»d die Lithographie sind nicht übergangen, zmn Schluß aber zeigt sich uns die moderne Typographie und sie leitet über zur modernen Kunst, die sich allmählich aus dem Alterthum heraus entwickelt. Ein phantastisches Gemisch auf dem Wage» der modernen Kunst, lodernde Fackelpfanncn als Wagenleuchten und Vertreter aller Stile zu bunter Gruppe vereint.
Wie die gesammte Kulturwelt Gutenberg huldigt, das deutet der nächste Abschnitt an. Vom fernen Indien sind Abgesandte da.
ein Mann, der von der Höhe seiner staatsmännjschen lieber» legenheit herab Alles begreift nnd deshalb Alles verzeiht, wird er es wohl auch begreifen, wenn seine Freunde zivar die Zollerhöhnngen gnädigst hinnehmen, die Kanalvorlage aber trotzdem verwerfen. Die Konservativen haben ja hinlänglich Erfahrung darin, daß sie sich das muntere Spiel der Ablehnung erlanben dürfen, ohne Schaden dabei zu nehmen. Warum also sollten sie sich geniren?
K ü g l e r.
Als „müßige Kombinationen" bezeichnet die „N. A. Z." die Angaben verschiedener Blätter über die Person des Nachfolgers des Ilnterstaatssekretärs im Kultusministerium, v. Bartsch. Mil derartigen Dementis pflegt sich dieRegierung sonst nicht zn beeilen. Daß sie diesmal so schnell damit auf dem Posten ist, zeigt, wie unangenehm sie die Möglichkeit der naheliegenden Folgerungen empfindet, die sich ans den rohen Ausfällen der „Germania" gegen den Ministerialdirektor Kügler und ans der anderen Seite aus dem Scheine ihrer demüthigen Berücksichtigung durch das Staatsministerium hätten ergeben müssen. Die Eile der Abstreitung nimmt der Thatsache, daß Herr Kügler denn also nicht zum Unter- staatssekretär ausersehen ist, einigermaßen ihren Stachel. Aber die Sonderbarkeit des Verhältnisses zwischen der Negierung und dem Centrnm bleibt bestehen. Denn daran wird die Regierung doch nichts ändern können, daß die Cenlrumspreffe jetzt triumphirend verkünden wird, sie habe durch ihre scharfe Stellungnahme die Ernennung Küglers verhindert, und wenn dies auch so, wie es ausgesprochen werden wird, nicht wahr ist, so ist leider so viel daran wahr, daß die Negierung nicht wagt, dem Unwillen der „ausschlaggebenden" Partei durch die Beförderung Küglers zum Unterstaatssekretär Trotz zu bieten. Alles Interesse ist jetzt darauf gerichtet, ob dem Centrum der Wille geschehen soll, wonach zum Untcrstaatssekretär im Kultusministerium angeblich nur ein katholischer Mann ernannt werden kann.
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* Eine Ansprache des Groflherrogs von Oldenburg
wird jetzt öffentlich mitgetheilt. Der neue Großhcrzog Friedrich August versannneltc am letzten Dienstag die Höheren Staatsbeamten, etwa 200 an der Zahl, um sich und hielt an sie folgende Ansprache: „Meine Herren! Ihnen ist ein gütiger und gnädiger Herr gestorben. und Sie haben viel an ihn, verloren. Ich möchte Ihnen zunächst dazu meine allcrinnigste Theilnahme nnssprechen. Es ist mir ein Bediirfniß, unter Sie zu treten, die ich hier als die Beamten des Landes versammelt habe. Ich habe während meiner Dienstzeit mehrere Regentenwechsel dmHgemacht nnd kenne das Empfinden, das man dabei hat. So glaube ich, daß auch Sie jetzt ein gewisses dumpfes Gefühl haben. Meine Herren, dieses Gefühl möchte ich Ihnen nehmen und Ihnen sagen, ivie ich meine Stellung auffasse. Ich betrachte mich als den Ersten, meinen Oldenburgern zn dienen, und bitte Sie, daß Sie mit mir für das Volk arbeiten und ich mit Ihnen, denn die Beamten sind des Publikums wegen da und nicht umgekehrt. Ich habe größtes Vertrauen zu meine» Beamten und bitte Sie um ein Gleiches. Meine Herren, ich möchte noch eins besonders sagen. Ich liebe ein offenes Wort und bitte Sie, mit mir zu sprechen, wie Sie denken, selbst wenn es mir unangenehm ist; ob ich dann immer so handeln werde, ist allerdiiigs etwas
Ungarn schickt eine Maanaten-Depiitation und Edeldameu zu Pferd, die italischen Kunststädte und die Künste selber, holde Fraucngestalten, vereinten sich zu einem feierlichen Bild. Der Orient ist charakteristisch vertreten. Die fünf Erd- theilc umgeben den Globus, und man möchte ohne Weiteres ein Weltrcisender werden, der zn allen Kontinenten schivört. Man sah im Zuge auch sämmtliche deutschen Vaterländer, darunter die vier Königreiche und die Großherzogthiimer Baden nnd Hessen, dargestellt von Damen zn Pferde. Der Führer dieser Gruppe war der Architekt Konrad Sutter, nach dessen und des Schriftstellers Nobaschek Ideen der ganze Zug ausgestaltet und dnrchgcführt wurde. Ans dem lebhaften Beifall des Publikums, der sich ihm zuwendete, konnte er ersehen, wie sehr seine Leistung, für die er eben vom Großhcrzog den Professor erhalten hat, geschätzt worden ist. Den Schluß bildeten die Abordnungen der Studentenschaften und Chargirte, sammt und sonders hoch zu Roß.
Es herrscht nur eine Stimme über die Herrlichkeit des Zuges, dessen „kostümliche" Prachtstücke Abends in der Nähe bewirndert werden konnten, nämlich auf dem großen Kostümfest, das Abends in der Stadthalle stattfand.
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Nun noch eine kleine Na chlese von den Mainzer Festlichkeiten zur Ergänzung dessen, was wir darüber bereits berichteten: Beim Schriftstellcrtag wurde der Wunsch geäußert, die „Tage" nickt mehr alljährlich, sondern in größeren Zwischenräumen, alle 3 bis 5 Jahre, nbzuhalten. Hochinteressant gestaltete sich die Debatte über den Bericht der Kommission über da« Aufnahinegesuch der deutsch-österreichischen Schriftstellergcnossensckaft. Die Genossenschaft, in deren Listen übrigens klangvolle Namen, wie Rosegger, Adolf Pichler rc. stehen, wird von der Wiener Concordia scharf bekämpft und diese hat einen Bericht des Organs der Genossenschaft, in dem der vorjährige „Tag" in Zürich zmn Theil sehr abfällig benrtheill wurde, zu einem Protest gegen die Aufnahme der Genossen benutzt. Die wahre Ursache der erbitterten Gegnerschaft der beiden Vereinigungen, ihres gegenseitigen Hasses, wie Hermann Bahr sich auSdruckte, eines Hasses, der besonders in den Wiener Tagesblättcrn der verschiedenen Richtungen zum Ausdruck kommt, ist politischer Natur, wenn da« auch nicht zugegeben wurde. Man kann die Situation einem Fernersteheiiden durch den Schlachtruf klar machen: hie Neue Freie Presse — hie SlntisemitismuS. Die Debatte spitzte sich also in der Hauptsache zu einem Kanipf zwischen den Vertretern der Concordia, Hermann Bahr und vr. Steinbach (Neue Freie Presse. Wien), und dem Vertreter der Genossenschaft, vr. Wesselsky, z». Der Kanipf wurde von vr. Wesselsky und Hermann Bahr geradezu glänzend geführt. Beide lieferten rhetorische Meisterstücke, während der auf»
