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«8. Jahrgang.

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Uo. 288.

Fernsprecher No. 52.

Sonntag, den 24. Juni.

Fernsprecher No. 52.

1900.

rr Erfindung der VuchdruckerKunst.

Zum 500. Geburtstage Johann Gutenberg's.

24. Juni.

Das Kleinod fandest Du, das zauberkräftig Uns durch das Weltall trägt mit Geisterhand,

Den Zauberring der Sage, der allmächtig Den Kämpfer werden ließ im Märchenland

Denn Du gabst uns das Buchl Du hast verscheucht Das Nebclmccr, das auf der Erde lag,

Die Menschheit, die auf stein'gen Pfaden keucht.

Emporgeführt hast Du zu neuem Tag!

Du Segenspender! Hundert neue Leben Hat liebend Jedem Deine Kraft gegeben! . ...

Und dafür dankt Dein Volk Dir heut' vergebens Wollt' einst der Neid den Lorbeer Dir zerpflücken.

Es sind gereist die Früchte Deines Lebens,

Wir kommen. Dich mit unserm Kranz zu schmücken.

Dich rühmt die Nachwelt, die Dein Schaffen wägt.

Weil Du der Wahrheit eine Gasse bahntest Und Deinen Ruhm durch alle Zeiten trägt Ein Reich des Lichts, deß Glanz Du noch nickt ahntest.

So eilt beglückt Dein Volk zu Deiner Feier,

Es huldigt jubelnd heute dem Befreier! vr. A. Pfungst.

Wenn sich Deutschland rüstet, in den letzten Tagen des Znni den fünfhundertjährigen Geburtstag des Erfinders der Buchdruckerkunst, Johann Gutenbergs, zu feiern, so entrichtet es damit eine Schuld des Dankes an das Gedächtniß eines Mannes, dessen Entbehrungen und Ent­täuschungen, an denen sein Leben so reich war, doch nicht seinen Muth zu beugen vermochten, der in unablässigem Sinnen und Denken seinem Volke das östlichste Gut schuf- das wir heule besitzen: die Schrift.

Wir moderne Kulturmenschen, denen das Rasseln und Schnauben der Maschinen, denen die Zauberkraft des elektrischen Funkens, denen die ganze Macht der Wissenschaft, die die rohen Kräfte der Natur in ihre Dienste zwingt, als selbstverständliche Faktoren unseres ganzen Kulturlebens erscheinen, blicken freilich auch auf die fünf Jahrhunderte, die zwischen damals und heute liegen, mit dem Stolz der Besitzenden zurück.

Wir denken kaum mehr daran, wie zu der Zeit, da der Mainzer Patriziersohn in stiller Werkstatt über dem Problem der beweglichen Lettern und damit der ganzen Buchdruckerknnst nachsann, sich allüberall die Kräfte regten, die, vorwärts dringend, neu gestaltend und neu schaffend, rastlos Eines aus dem Andern entwickelnd, dem Ziele zustrebten, an dem wir heute stehen. Was inmitten dieses regen und schaffensfreudigenLebens, dem keine Kriegsstürme und keine Revolutionen ein Halt gebieten konnten, die Kunst Gutenbergs war, wie sie all­mählich aus kleinen und unscheinbaren Anfängen heraus zu der gebietenden Macht in unserem Geistesleben wurde dessen in diesen Tagen zu gedenken, ist dem deutschen Volke eine heilige Pflicht.

Das Schicksal, das seinem Streben und Schaffen die Wege wies, hat ihm freilich in seinem Dasein hart genug mitgespielt, und es liegt eine gewisse Tragik in der Thatsache, daß wir über Johann Gntenberg und seinen äußeren Lebensgang bis auf den Tag seiner Geburt und seines Todes eigentlich nur auf mehr oder weniger haltbare Vermuthungen angewiesen sind. Und wenn das Wenige, was geschichtlich über ihn feststeht, trübe Augenblicksbilder aus dem herben Kampf ums Dasein sind, wenn wir als stete Begleiterin des muthigen Mannes Frau Sorge an seiner Seite sehen, wenn wir ihn begleiten auf seinen Fahrten hin und her, manchmal seine Spur ganz verlierend, manchmal nur unsicher und schwankend Muthmaßungen als Thatsachen festhaltcnd, dann wird das Dankgefühl gegen den Mann, dessen Erfindung wir doch zuletzt Alles verdanken, was wir sind, doppelt stark in uns!

Wir haben mit einer an Gewißheit grenzenden Wahr­scheinlichkeit den Geburtstag Gntenbergs auf den 24. Juni 1400 festgesetzt. Die Zeit, in der er als Sprößling einer alteingesessenen Patrizierfamilie das Licht der Welt erblickte, stand im Zeichen socialer und geistiger Gährungen und Wandlungen. Mächtig regte sich in den immer mehr zu Blüthe und Ansehen kommenden Städten die Kraft des Bürgers; im stolzen Bewußtsein seines Werthes stand der Mann der Arbeit und des Handwerks dem Patrizier gegen­über, und nicht selten führte die heiß umstrittene Frage der Gleichberechtigung beider Gesellschaftsklassen zu blutigen und langwierigen Kümpfen, die zumeist, wie auch in Gutenbergs Vaterstadt Mainz, mit der Niederlage der letzteren endete. Nicht Jeder freilich fügte sich da in die neue Ordnung der Dinge. Mancher zog der Schmach der Unterwerfung die Flucht aus der Heimath vor. Im Jahre 1420 war's, wo Gutenbergs Vater mit seinem Sohne Johann Mainz ver­

ließ, wo er bis dahin das Ehrenamt eines städtischen Rechnungsmeisters bekleidet hatte. Wiederum lediglich eine Vermuthung ist es, daß er sich von dort nach Straßburg wandte, von wo der jungeHenchin von Gudenberg" im

Jahre 1430 nach Beilegung der Streitigkeiten wieder nach Mainz zurückberufen wurde

Was aber war es, das d«n jungen Gutenberg trotzdem in dem mächtig empor­blühenden Straßburg fcsthielt? Hoffte er, alsZugeselle" der Goldschmiedezunft an­gehörig und als Konstofler" ein­geschrieben, dort auf Unterstützung für die Verwirklichung all' seiner geheimnißvollen Pläne? Glaubte er, in der Stadt, wo der Humanismus als Vorläufer der Refor­mation gar eifrige Hülfe und Förderung fand, auch das Ver- ständniß für seine geheime Kunst zu finden und diese in den Dienst einer Bewegung stellen zu können, die sich zu einer gründlichen Ab­rechnung mit der dumpfen Scholastik des Mittelalters an­schickte? Wir finden auf alle diese Fragen

nirgends eine befriedigende Antwort in dem Leben des Erfinders. Wir wissen nur, daß er in den Jahren 1434 und 1437 seinen Aufenthalt in Straßburg hatte, daß er damals einem gewissen Andreas Heitmann die Kunst des Steinepolircus beibrachte, sich daneben auch mit der Anfertigung von Spiegeln beschäftigte und dadurch mit einem gewissen Jürgen Dritzehens in einen ärgerlichen Prozeß verwickelt wurde, in dessen noch vorhandenen Akten allerdings Mancherlei von den geheimsten Künsten Gutenbergs die Rede ist, ohne daß man indessen erfahren könnte, welcher Art dieselben waren. Man kann aus Aus­drücken, wie Presse, Formen, Blei, nur muthmaßen, daß es sich auch hier um die Erfindung der beweglichen Lettern und den Buchdruck mit diesen handelte.

In dem stillen Kloster St. Arbogast in der Nähe von Straßburg hatte Guten- berg, der sich indessen mit Anna zu der Eisernen Thür, der letzten Vertreterin eines Adelsgeschlechtes aus dem Unter- eisaß, ehelich verbunden hatte, seinen Wohnsitz aufgeschlagen. Beutegierige Söldnerhaufen der Amagnaken, die im Jahre 1444 zum zweiten Mal vor Straß­burg kamen, vertrieben ihn aus seinem Domizil, nachdem er im Dienst Straß- burgs gegen die wilden Banden gefochten. Wohin er sich dann wandte, wo er die Zeit bis zum Jahre 1448 weilte, was ihn da beschäftigte, darüber fehlt uns auch heute noch jede Kunde.

Erst in diesem Jahre 1448 taucht Gntenberg wieder auf, und zwar in seiner Vaterstadt Mainz. Der Kampf ums Dasein begann für den ruhelosen Man» von Neuem; aber er verlor sein Ziel auch jetzt nicht aus dem Auge. Wohl wurde ihm und seiner Erfindung die im Jahre 1450 mit dem Mainzer Bürger Johann Fust cingegangene Verbindung verhängniß- voll. Daß ihm dieser den Betrag von 800 Gulden in Gold zur Errichtung einer Buchdruckerei vorschoß.

Dir Stammhäuser der Familie Gutenbrrg.

die gute Situation zu, in der sich die alte Patrizierfamilie Gntenberg in damaliger Zeit befand.