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3 Was einmal voll und rein

Das Herz besessen.

Bleibt unverlierbar sein,

* Und unvergessen.

« F. v. Lowe. js»

(10. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Des Nächsten Merir.

Roman von Keorg Kugef.

Sie mußten fort, diese unbequemen Menschen, sie mußten irgendwohin vergraben werden; jener schwindelhafte Mann sowohl, der des Sohnes Existenz so kaltblütig vernichtet hatte, wie dieses Weib, das sich unbegreiflicher Weise an den Untergehenden gebunden.

Sein Gesicht nahm einen zähen Ausdruck an gewiß, mit ein paar Tauselidmarkscheineil war bei diesen Leuten Alles gemacht!

Ich möchte meinen Vater in einer geschäftlichen An­gelegenheit sprechen", sagte er hart und blickte achselznckend Mif das einfache, schwarze Gewand seiner Wirthin,wollen Sie mir zu dieser Unterredung verhelfen?"

Wieder wechselte das sanfte Fraucnaiitlitz die Farbe, die Hand, welche sie ans den Tisch stützte, zitterte leicht.

Mein armer Mann", entgegnete sie ängstlich,kann eider schon lange nicht mehr geschäftliche Entscheidungen treffen. Dies besorge ich in seinem Namen. Verzeihen Sie daß ich Ihnen bis jetzt noch keinen Stuhl angeboten." Halb abgewandt machte sie eine einladende Bewegung.

Aha!" dachte Holstein spöitisch, während er sich nieder- ^b,sie wittert bereits; diese blasse Frau spielt meisterlich Komödie."

Er nahm keine Rücksicht mehr.

. , ".® e iverden vielleicht schon hier und da gehört haben, daß rch an diesem Orte mehrere bedeutende Unternehmungen plane", begann er rasch.

Seine Stiefmutter schüttelte verneinend das Haupt.

>fch gehe seit unserem Unglück nicht mehr" aus dem Hause", äußerte sie befangen.

Et aus dem Hause?« Holstein stutzte. Diese blasse Frau verwirrte ihn.Warum denn nicht, wenn ich fragen darf?"

Die tiefen Augen hoben sich wieder zu ihm auf.

Ich schäme mich", sagte sie fast unhörbar.Viele glauben;a nicht, daß Ihr Vater wirklich ein bedauerns- werther kranker Mann sei."

Glauben Sie es denn?" fragte Holstein nachlässig. .Kaum war es gesagt, da erhob sich Marie von Holstein Mötzlich und stand vor ihm mit ihrer hohen mädchenhaften Gestalt. Sie athmete mühsam, und um den leichtgeösfneten Mund zuckte es von innerer Empörung.

Was wollen Sie von uns?« fragte sie schwankend, während ihre Brust auf und nieder flog.

Ueber das offene Gesicht des Kapitäns zuckle wieder jener zähe, rücksichtslose Ausdruck.

Jetzt mußte es entschieden werden.

Ich komme mit einem Vorschlag zu Ihnen, den Sie zweifellos für günstig halten müssen. Nach Allen«, was ich § - '$ e ' rT tn Sie in gedrückten Verhältnissen, und haben reine Aussicht, dieselben zu bessern. Sprechen wir ganz offen; das, was Sie noch mehr bedrückt, ist die öffentliche

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Mißachtung, die aus Ihnen lastet. Beides muß Ihnen in gleichem Maße peinlich sein, und deshalb folgen Sie meinem Vorschläge und siedeln Sie in eine entfernte Stadt über, wo man Ihre Vergangenheit nicht kennt. In diesem uE bin ich bereit, meinem Vater gegenüber die Sohnes- pfllcht aufs Reichlichste zu erfüllen."

Mit gefurchter Stirn stand er der kämpfenden Frau gegenüber, ganz wie ein herzloser, rechnender Kaufmann, aber er hatte doch eine falsche Kalkulation angestellt.

Die geängstigte Frau streckte wie beschwörend die Hände aus und rief mit hervorbrechender Empörung:

Genug, sprechen Sie nicht weiter oder wollen Sie nicht noch den Preis für unsere Erniedrigung bieten? Jahrelang war der arme Kranke für Sie todt,'und jetzt erscheinen Sie plötzlich, um ihm und seiner Frau, die nichts Hat, außer ihrer Ehre, das Letzte zu nehmen? Gehen Sie, mein Herr, ich bitte Sie, wir haben nichts mehr mit­einander zu verhandeln." Sie drückte die Hand ans die arbeitende Brust und eilte beflügelt zum Fenster.

Der Kapitän sprang überrascht empor und wollte die Bebende stutzen, aber sie wich seiner Berührung aus.

Gehen Sie!" bat sie noch einmal flehentlich.

Hol,tein stand unentschlossen. Auf soviel Widerstand war er nicht gefaßt gewesen. Die Frau mit den tiefen Angen war ihm unerklärlich.Ich wollte Sie nicht be- leidigeir, gnädige Frau", brachte er hervor,aber Sie lollten auca die Angelegenheit weniger gereizt und einfach fbetrachten, der auch für Sie große Vor- thelle birgt. Andererseits will ich Ihnen nicht verhehlen, daß daber allerdings in erster Linie mein Interesse mit­spricht." "

. *' c f e < markige Stimme übte auf Alle einen

elgenthumlichen Zauber ans. Auch seine jugendliche Stief­mutter wurde von diesen Tönen umschnieichelt und sie fühlte mit dem Instinkt der Frauen heraus, daß das SBefett ihres Gegners trotz aller Härte nicht chlecht sein könne. Halb unwillkürlich wandte sie sich von dem niedrigen Fenster, dessen Riegel sie krampfhaft um­klammert hielt, zurück und zeigte deni jungen M^mne nodi einmal ihr verstörtes Antlitz.

Also unsere Gegenwart hemmt Ihre Unternehmungen?« ragte sie wieder ganz ruhig.

Holstein zuckle die Achseln.

.Ich bedaure, das zugestehen zu müssen", gab er be- timmt zur Antivort.

Die vor ihm Stehende senkte das Haupt.

Wir können nicht weichen", sagte sie dumpf,es wäre das Zugeständniß einer Schuld."

Der Kapitän rührte sich nicht. Schon zu sehr hatte er ich hinreißen lassen, er durste diese Frau nicht merken lassen, oaß sie ihn entwaffnet halte.

Also sie refüsiren?" schloß er kalt, während er die Handschuhe aufstreiste.

Keine Antwort.

Marie war an dem Aufbrcchenden vorübergeschritten und stand nun auf der Schwelle jener Thür, welche in das Nebenzimmer führte. Hier wandte sie sich, und während sie den Eingang öffnete, rief sie mit einem matten Lächeln:

Nicht ich allein rcfüsire, sondern auch Derjenige, dessen Gattin ich nicht sein würde, wenn er anders dächte. Ueber- zeugen Sie sich selbst."

Holstein trat neugierig näher.

In dem kleinen Raum sah es etwas wohnlicher aus,

aber dem forschenden Blick des Kapitäns entging es nicht, daß der große bunte Teppich, auf dem ein paar abgeschabte Fauteuils standen, sowie ein kostbarer, geschnitzter Schreib- tisch durchaus nicht zu dieser Umgebung paßten und augen­scheinlich ans einer besseren Zeit herübergerettet waren. In der Mitte der Stube saß eine zierliche Männergestalt mit vollem, graumelirtem Haupthaar an einem großen Tisch und blinzelte mit seinen schwarzen Augen angelegentlichst in em Häufchen Spielkarten, die er in seiner schmalen, durch­sichtig weißen Hand hielt, während die andere unentschlossen in der Luft schwankte, als müßte sie noch nicht, welche Karte gezogen werden sollte. Offenbar spielte dieser Mann mit sich selbst, denn es befand sich nur noch ein anderer Herr bei ihni, und dieser lag vor dem Fenster in einem Rollstuhl gebettet und betrachtete mit vor die Augen ge­legter Hand eine kleine Statuette der Venus. Auch als die Frau des Hauses hastig in das Zimmer trat, ließ sich der Kranke aus seinem Studium nicht aufschrecken, und nur der am Tisch sitzende Gatte erhaschte ihre Hand und drückte sie lange an seine Lippen.

Guten Morgen, mein süßes Kind", lispelte er ein wenig verlegenich spiele nicht Karten bewahre, wollte Lossau nur eine amüsante Aufgabe stellen. Der Aermste langweilt sich ja immer hm! Mariechen, willst Du mir nicht ein Gläschen Wein geben? - Ich fühle mich noch immer, recht angegriffen."

Die Gattin legte ihm besorgt die Hand ans den Kopf.

Erschrick nicht, Hellmuth", sagte sie rasch, indem sie sich herabbcugte,Du erhältst einen seltsamen Besuch.«

Aber während sie noch sprach, hatte der Baron schon den Kapitän erkannt und schnellte mit jugendlicher Frisch­auf.

»Mein Sohn", rief er laut, indem er sich gerührt um- wandte, damit es auch der Diplomat hören könnte, und damit schritt er dem Zögernden mit ausgestreckteu Armen entgegen.

»Mein Herzenssohn! Ich wußte, daß Du kommen wurdest, ich zweifelte keinen Augenblick - umarme mich, mein Sohn."

Ich küsse keine Männer", wehrte Holstein verächiiich, ohne sich zu rühren.

Haha", lachte der Krüppel aus der Ecke, der mit seinen großen Rehangen die Gruppe aufmerksam betrachtete; aber der liebende Vater that, als ob Alles in schönster Ordnung wäre, und wußte endlich die Hand des Sohnes doch zu erhaschen.

Also Du kennst schon meine Marie?" rief er leiden­schaftlichDeine schöne Mutter? wie gefüllt sie Dir? Ans schöne Frauen hattest Du immer einen Trik, wie alle Holsteins."

Hellmuth", ries die beschämte Frau und stützte sich schwer auf den Tisch.Dein Sohn kommt nicht als Freund zu Dir, er hat mir soeben Geld geboten, wenn wir diese Stadt räumen und ihn von unserer Gegenwart befreien.«

Einen Augenblick trat tiefe Stille ein, nur der Diplomat rückte die Figur näher und hüstelte leise.

Geld?" wiederholte der Baron schwankend, während ein nervöses Zucken über sein schmales Antlitz fuhr.

Von dem Nollstnhl klang eine heisere Stimme. Natürlich", hüstelte der Krüppel,Millionäre bieten immer Geld."

(Fortsetzung folgt.)

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